Donnerstag, 30. April 2026

WdH 83 Das Ende: Von Schlatt nach Metzingen

 



Do, 30.4.2026


WdH 83 Das Ende: Von Schlatt nach Metzingen 


11:36 h, 41,8 km, 1002 hm Aufstieg, 1502 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute laufe ich meistens auf einer Alternativroute zum Albsteig, den ich hier von mehreren Besuchen bereits gut kenne. 

Während ich auf einem ziemlich ebenen Forstweg laufe, denke ich über diese Wanderung nach, die bald zu Ende geht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Wanderung hat mir große Freude gemacht und ich bin begeistert von der Vielfalt der Landschaft und auch der großen Schönheit, die ich an vielen Stellen in Deutschland gefunden habe. Es hat mir durchaus gefallen, mich der Herausforderung zu stellen, jeden Tag große Strecken zu laufen, aber ich denke, insgesamt ist ein Rhythmus bei dem etwas mehr Zeit für Pausen und Streifzüge abends und morgens bleibt, mir eigentlich lieber. Was ich wieder gemerkt habe: Für mich das Allerwichtigste beim Wandern ist, tief in der Natur zu versinken. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch. Aber bestimmt können manche nachempfinden, dass man in dem Verbunden sein mit der Natur tiefes Glück finden kann. 

Da ich den letzten Tag bis nach Hause bereits weitgehend kenne und weiß, das er nicht besonders attraktiv ist, beende ich meine Wanderung dann spontan in Metzingen und fahre dann mit dem Zug nach Stuttgart.

Auf wegderhoffnung.blogspot.com

findet ihr einige Zahlen zu meiner Wanderung.

Vor allem interessiert mich, wie euch meine Dokumentation gefallen hat? Seid ihr an Buch, und/oder Vortrag dazu interessiert?


In der Nacht und am Morgen ist es ziemlich windig, aber geschützt im Wald geht es. Nach meinem Aufbruch gelange ich bald an den Albtrauf, wo sich im Sonnenaufgang ein schöner Blick auf das Schloss Hohenzollern ergibt, hoch auf einem spitzen Hügel. Als ich aus dem Wald gelange, sehe ich zwei Rehe am Waldrand. Im Wald verkündet eine Tafel, dass die Gemeinde Burladingen Waldrefugien von 1-3 ha Größe ausgewiesen hat, in denen keine Bäume mehr gefällt werden. Schön, dass nicht nur der Staat, sondern auch eine Kommune so etwas macht. 

Ich suche mir jetzt meine eigene Route, aber wieder mal sind nicht alle Wege, die in der Karte verzeichnet sind, auch tatsächlich vorhanden. Aber was soll’s? Schließlich gelange ich an den Waldrand. Ich gehe ein kleines Stück quer durch und laufe dann auf einem Feldweg zu dem idyllisch gelegenen Ort Talheim. Von hier laufe ich weiter auf einer Alternativ Route, meist auf Forstwegen. 

Später folge ich dann aber auch zum Teil steilen Pfaden aufwärts durch den Buchenwald zum Bolberg. Hier treffe ich kurz auf den Albsteig, laufe dann aber wieder auf einer Alternativ Route weiter, die mich zum Teil auf einem Pfad durch den Hang führt.

Während ich auf einem ziemlich ebenen Forstweg laufe, denke ich über diese Wanderung nach, die bald zu Ende geht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Wanderung hat mir große Freude gemacht und ich bin begeistert von der Vielfalt der Landschaft und auch der großen Schönheit, die ich an vielen Stellen in Deutschland gefunden habe. Es hat mir durchaus gefallen, mich der Herausforderung zu stellen, jeden Tag große Strecken zu laufen, aber ich denke, insgesamt ist ein Rhythmus bei dem etwas mehr Zeit für Pausen und Streifzüge abends und morgens bleibt, mir eigentlich lieber. Was ich wieder gemerkt habe: Für mich das Allerwichtigste beim Wandern ist, tief in der Natur zu versinken. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch. Aber bestimmt können manche nachempfinden, dass man in dem Verbunden sein mit der Natur tiefes Glück finden kann. Natürlich gab es auch schwierige Zeiten, das ist normal, wenn man weit über 3000 km läuft, aber nichts davon war so, dass ich jemals ans Aufgeben gedacht hätte. Zwar bin ich tatsächlich der Typ, der gerne mit sich alleine ist und so die Natur am Besten genießen kann, aber die Begegnungen mit den Leuten unterwegs, waren eine echte Bereicherung. Fast alle Gespräche, die ich geführt habe, waren tief gehend und sind weit über den üblichen Smalltalk, den es natürlich beim Wandern auch gibt, hinausgegangen. Ich habe dadurch viel gelernt, aber in etlichen Punkten hat sich meine eigenen Sicht auf die Dinge verfestigt. 

Was das Wandern in Deutschland angeht, sehe ich zwei Dinge mit einiger Sorge: Das eine ist die in vielen Regionen gegebene starke Ausbreitung von Windrädern und seit relativ kurzer Zeit auch von Freiflächen Solaranlagen. Diese beeinträchtigen für mich  die Landschaftsästhetik stark und auch das Gefühl in der Natur versinken zu können. Daher bin ich der Meinung, dass diese entlang der sowieso schon gestörten Verkehrslinien, wie Autobahnen, Bundesstraßen und so weiter konzentriert werden müssen. Studien sagen, dass wir lediglich 2 % der Landesfläche zur Erzeugung erneuerbarer Energien benötigen. Es ist dafür also wirklich nicht nötig, diese bis in den letzten Winkel bisher noch relativ harmonischer Landschaften zu verstreuen. Der zweite Punkt ist die Forstwirtschaft, hier insbesondere, dass an vielen Stellen, bisher vorhandene, schmale Pfade als Maschinenwege benutzt werden und so ihren Charakter eines besonders schönen Wanderwegs verlieren. 

Ich denke eigentlich sind beide Punkte mit ein wenig Verständnis und gutem Willen zu entschärfen. Allerdings habe ich dafür zur Zeit  nicht wirklich viel Optimismus. 

Vorbild für den Nord Süd Trail, dem ich ja die meiste Zeit gefolgt bin, sind die großen Wanderwege in den USA. Auch dort am PCT beispielsweise, hat es zur Zeit seiner Einrichtung und auch noch lange danach durchaus Forstwirtschaft gegeben. Man ist dort auch über zerfahrene Wege und Kahlschläge gelaufen. Das gibt es dort heute nicht mehr. Die Korridore der großen Wanderwege sind im Prinzip geschützte Gebiete, wo das Wandern Priorität hat. Etwas wie ich finde, durchaus Vorbildliches.

Vor Denklingen gelange ich wieder auf den Albsteig. Im Ort treffe ich zuerst eine Wandergruppe die Englisch miteinander spricht, dann kommt mir am Ortsende Deric entgegen, ein 26-jähriger Amerikaner aus Massachusetts, der in Heilbronn bei einer Tech Firma arbeitet. Er ist seit zwei Jahren da und spricht schon super  Deutsch. Eigentlich wollte er noch dichter an die Alpen, aber Heilbronn ist für ihn auch nicht schlecht und er läuft jetzt den Albsteig, welcher ihm sehr gut gefällt. 

Bald laufe ich relativ flach auf einem Forstweg durch den Buchenwald, wo ein Kolkrabe einen Habicht abdrängt, der dann gewandt zwischen den Bäumen hindurch gleitet.

Ich überquere eine Straße und gelange in den nächsten Wald, wo ich einem Grasweg folge. Ich höre es Rascheln und denke an Rehe. Aber nein, zwei Hasen scheinen ein Wettrennen miteinander zu veranstalten.

Kurz gelange ich an offene Flächen mit Wacholder, dann führt ein Pfad weiter abwärts. Hier stehen zum Teil einige dicke,  tief beastete Buchen, wahrscheinlich Hutewaldbäume, die noch aus der Zeit stammen, als die Landschaft komplett vom Vieh beweidet wurde. Schließlich gelange ich in ein Tal, dem ich nach Lichtenstein folge.

Nachdem ich durch den Ort gelaufen bin, geht es das Tal des Stahlecker Bachs hoch. Linker Hand befindet sich ein Naturschutzgebiet mit Orchideen, die aber noch nicht blühen. Vor mir ragt ein Berg mit zwei hellen Kalkklippen auf.

Schließlich folge ich einem Fahrweg in ein Seitental, der dann in einen Pfad übergeht, der steil im Wald durch eine Kernzone aufsteigt. Beim Übersberger Hof stoße ich dann wieder auf den Albsteig.

Dieser verläuft hier als Pfad am Steilabbruch. Im Wald wachsen außer Buchen, auch Ahorne, Linden, Ulmen. Eschen und ich sehe sogar eine große Eiche. Als ich noch einmal auf die Karte schaue für die Etappe morgen, stelle ich fest, dass ich durch etliche Orte laufen müsste und die Strecke, die ich zum größten Teil schon kenne, ziemlich unattraktiv ist. Daraufhin beschließe ich kurzerhand meine Wanderung in Metzingen zu beenden, also unmittelbar am Rand der Schwäbischen Alb. Von dort ist es mit der Bahn nur ein Katzensprung nach Hause und ich freue mich sehr darauf, meine Freundin Anke wiederzusehen.

Ich laufe dann eine ganze Zeit über ausgedehnte Weiden, auf denen Pferde grasen. Diese gehören zu einem Gestüt. Ich passiere das Fachwerkgebäude des Schafhauses und laufe auf einem Asphaltweg zwischen mächtigen Linden zu einer Straße, die ich überquere.

Ich passiere offene Magerrasen und gelange zu einem Spielplatz, wo mächtige Linden stehen. Ein Pfad führt mich zum Hännersteigfels auf 767 m Höhe, wo ich eine schöne Aussicht zur Burgruine Achalm bei Reutlingen genießen kann. Hier nehme ich Abschied von der Schwäbischen Alb und auch von meiner 85 Tage langen Wanderung durch Deutschland. 

Ich laufe unter einer Hochspannungsleitung durch die die zwei Pumpspeicherbecken  miteinander verbindet, und verlasse den Albsteig , um den langen Abstieg nach Metzingen zu beginnen.

Zunächst laufe ich ein Stück auf einem Fahrweg durch den Buchenwald, dann führt ein steiler Pfad in Serpentinen bergab. Schließlich laufe ich durch die Streuobstwiesen Landschaft oberhalb des Stausees Glems.

Ein asphaltierte Weg führt an dem türkisen See entlang, danach geht es in den Wald. Hier laufe ich auf einem Pfad zwischen alten Eichen und Buchen. Später wandere ich dann am Waldrand entlang, wo ich noch einmal zurückschauen kann, auf die Höhen der Alb. Es gibt hier viele Obstbäume, die Wiesen sind gelb von Hahnenfußund die Grillen zirpen.

Schließlich komme ich aus dem Wald, wo ich zuvor noch eine eindrucksvolle, alte Eiche  gesehen habe. Jetzt liegen die letzten 2 km in die Stadt zum Bahnhof vor mir. Obwohl ich eigentlich keinen Anlass habe, einen Blues zu entwickeln, da ich im Gegensatz zu anderen Wanderern, die nach ihrem großen Abenteuer wieder zurück zu ihrer Arbeit müssen, ja keinen Alltag kenne, bin ich trotzdem irgendwie merkwürdig gestimmt. Klar, ich weiß, bald werde ich wieder unterwegs sein. Nichts desto Trotz fühle ich mich melancholisch, jetzt wo diese Wanderung zu Ende geht.

Schon um 17:30 bin ich dann am Bahnhof von Metzingen und sitze bald im überfüllten Zug nach Stuttgart. 

Für Statistikliebhaber hier noch ein paar Zahlen: 

Ich war 85 Tage vom 5.2 bis 30.4 unterwegs. Davon bin ich an 83 Tagen insgesamt 3344 Kilometer gelaufen, was einem Schnitt von 40,3 km pro Wandertag entspricht. 71664 Höhenmeter Aufstieg habe ich bewältigt, was durchschnittlich 863 Höhenmeter pro Tag waren. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass ich die ersten 22 Tage im relativ flachen Norddeutschland unterwegs war. Ein Paar Schuhe hätte ausgereicht, aber ich bin nach meinem Besuch in Stuttgart die letzten 18 Tage in anderen Schuhen gelaufen. Erstaunlicherweise hat ein paar Socken die ganze Strecke durchgehalten. Was die Temperaturen angeht, waren etwa - 12 Grad das Minimum und 22 Grad das Maximum. Lediglich an 4 Tagen hat es die meiste Zeit geregnet. 13 Mal war ich in einer bezahlten Unterkunft, in erster Linie in den ersten drei Wochen wo ich viel Eis und Schnee hatte. 10 Nächte habe ich bei freundlichen Menschen eingeladen verbracht. 60 Nächte habe ich im Wald verbracht, die meisten davon unter freiem Himmel. 
















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