Mittwoch, 11. März 2026

WdH 34 Von Latrop nach Lützel

 




Mi, 11.3.2026


WdH 34: Von Latrop nach Lützel 


10:00 h, 33,5 km, 651 hm Aufstieg, 770 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute ist einer der wenigen Tage, an denen mir das Wandern keinen Spaß macht. Es regnet fast den ganzen Tag und ist dabei kühl und windig. Meist laufe ich über Forstwege, und komme dabei sogar an neuen Windradstandorten unmittelbar am Rothaarsteig vorbei! Manchmal geht es durch schönen, alten Buchen-und Fichtenwald, das ist aber die Ausnahme. Zwar komme ich durch kein Dorf, dennoch gefallen mir die weiten Wälder nur mäßig. Selbst wo eigentlich naturnahe Wege verlaufen würden, ist der Weg entlang des „Schweinezauns“ ziemlich zerfahren. Ein Highlight ist die Box, die der Trail Angel Olli für mich am Weg deponiert hat. Auch als ich Lützel erreiche und keine Unterkunft finde aber nicht im Regen schlafen will, wird Olli meine Rettung! Er holt mich ab, bringt mich zu einem Hotel und abends unterhalten wir uns an einem chinesischen Buffet intensiv. Dabei geht es um so unterschiedliche Themen wie seine „Wanderkarriere“, die wirtschaftlichen Aussichten seines Arbeitgebers, eines großen Maschinenbauunternehmens und seine Angst vor der AfD. Schließlich bringt Olli mich satt und zufrieden zurück zur Unterkunft.


In der Nacht regnet es ab und zu und auch am Morgen als ich aufbreche, tröpfelt es noch. Wieder folge ich Kilometer lang dem Zaun, der die afrikanische Schweinepest abhalten soll. 

Ein Zelt steht direkt neben dem Weg, meine Freunde von gestern?

Als ich die Millionen Bank erreiche, regnet es ziemlich intensiv, so dass ich mich erst einmal unterstelle. Hier hatte ich 2021 auf meiner 6000 km Deutschland Wanderung übernachtet. Als es aufhört laufe ich weiter, da durchzuckt mich ein Schmerz am rechten Unterrücken. Offenbar meldet sich der Ischiasnerv. Ein paar Kilometer ist es ziemlich schmerzhaft und ich bin auch nicht mehr so schnell, aber dann wird es wieder besser. Es ist windig und ziemlich ungemütlich. Bei Jagdhaus lasse ich den großen Bogen des Rothaarsteigs aus und wandere auf dem Kamm weiter. Hier gibt es auch wieder einige Weihnachtsbaumplantagen. Bald bin ich aber wieder im Wald, der hier fast ausschließlich aus Fichten besteht. An der Somborn Quelle fülle ich meine Wasserflasche auf. Schließlich erreiche ich das Ende des Zauns und frage mich, selbst wenn man daran glaubt, dass das eine notwendige Maßnahme ist, kann so ein Zaun tatsächlich verhindern, dass Wildschweine dauerhaft nicht auf die andere Seite gelangen?

Ich erreiche den Rhein Weser Turm, wo jedoch alles geschlossen ist. Dann geht es lange abwärts ins Schwarzbachtal, ein Naturschutzgebiet mit einigen offenen Wiesenflächen. In einem Tümpel bewegen sich Grasfrösche, die zum Teil ihre dunklen Laichkugeln schon am Ufer abgesetzt haben. Anschließend wandere ich bei jetzt stärker werdendem Regen wieder aufwärts. An einer Stelle liegt ein großer Haufen auf dem Weg, wahrscheinlich von einem Wisent, die man hier vor einigen Jahren ausgesetzt hatte. 

Beim Dreiherrnstein verlasse ich kurz den Weg, da Olli an einem Wanderparkplatz eine Kiste mit „Trailmagic“ deponiert hat. Sie ist mit Zahlenschloss gesichert und enthält von Riegeln über Kaffee zu Obst allerhand, was das Wandererherz zum Hüpfen bringt. Es regnet jetzt ziemlich stark, daher kann ich nur ganz kurz etwas in das beiliegende Buch schreiben. Olli unterstützt mit dieser Kiste die NST- Wanderer, was für eine tolle Idee!

Es regnet jetzt so, dass mir das Wandern keinen Spaß mehr macht und das will was heißen! Ich durchquere das Tal des Elberndorfer Baches wo auch Birken auf den Moorflächen wachsen. Wieder weiter oben stelle ich fest, dass hier Flächen für Windräder vorbereitet werden. Unglaublich, direkt am Rothaarsteig! 

Außerdem gelange ich wieder an den „Schweinezaun“ wo abgelegte Drahtrollen verraten, dass er noch weiter gebaut werden soll…

Bei Ginsberger Hof gelange ich an einige Häuser. Eine Hütte ist eine Ranger Station. Tatsächlich werden schon seit 2003 solche Ranger hier am Rothaarsteig eingesetzt, die von Wegepflege bis zu Umweltbildung unterschiedliche Aufgaben haben, und zum Landesbetrieb, Wald und Holz NRW gehören.

Vor dem Weiler ging es ein Stück weit durch schönen Wald mit alten Buchen und Fichten.

Weiter geht es in die Nähe des GInsburg Turms, den ich ebenso wie den folgenden Giller Turm wegen des Wetters auslasse. Schließlich erreiche ich Lützel und beschließe in eine Unterkunft zu gehen. Leider ist die Pension hier ausgebucht. Aber Olli, der gerade seine Kiste wieder einsammelt, verspricht mich abzuholen. In der Zwischenzeit buche ich eine Unterkunft in Dahlbruch, zu der Olli mich dann fährt. Für später verabreden wir uns zum Essen, bei dem ich dann mehr über ihn erfahren werde. 

Zunächst kann ich aber aus meinen nassen Sachen steigen und eine heiße Dusche wärmt mich wieder auf.

Pünktlich um 19:00 Uhr ist Olli da, ein Mann Anfang 50, der hier aus der Gegend stammt, schon immer naturverbunden war, aber erst seit drei Jahren das Wandern für sich entdeckt hat. Dadurch ist er auch auf den NST gestoßen und kam auf die Idee mit der Trail Magic, da es zwischen Winterberg und Dillenburg keine Verpflegungsmöglichkeit auf dem Trail gibt. Er arbeitet bei einer großen Maschinenbaufirma, die sowohl internationale Niederlassungen als auch Kunden hat. Allem Unken über die deutsche Wirtschaft zum Trotz, geht es seiner Firma gut und es ist auch nicht abzusehen, dass sich das ändert. 

Während vor allem ich, als ausgehungerter Wanderer, mich am chinesischen Buffet großzügig bediene, unterhalten wir uns über viele Themen. 

Wie so vielen macht ihm der Aufstieg der AfD Angst, zumal seiner Meinung nach viele diese Partei aus irrationalen Gründen wählen. Er hat eine 14-jährige Tochter und macht sich nicht nur wegen ihr Sorgen um die international fortschreitende Umweltzerstörung und sieht aus diesem Grund auch den hohen Energiebedarf von Rechenzentren sehr kritisch. Apropos Umweltzerstörung: Hier im Rothaargebirge hatte man vor einigen Jahren die seit Jahrhunderten in Deutschland ausgestorbenen Wisente wieder angesiedelt. Olli erzählt, dass dieses Unterfangen auf Druck aus der Forstwirtschaft beendet wurde und alle Wisente jetzt wieder in Gattern gehalten werden. Offenbar aber doch nicht alle, wie mein Fund von heute Morgen zeigt…

Satt und zufrieden setzt mich Olli schließlich wieder bei meiner Unterkunft ab.





















WdH 33 Von Küstelberg nach Latrop


 





10.3.2026


WdH 33: Von Küstelberg nach Latrop


9:21 h, 30,2 km, 709 hm Aufstieg, 645 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Da meine Wäsche noch nicht trocken ist, starte ich heute erst um 8:30 Uhr. Der Weg nach Winterberg ist nicht besonders interessant und die Stadt gefällt mir überhaupt nicht. Immerhin genieße ich eine Eisschale nach dem einkaufen. Außerhalb des Ortes findet noch der Skizirkus auf Kunstschnee statt. Bizarr!

In der Nähe des kahlen Asten treffe ich Paul und Merlin, die eine Woche lang auf dem Rothaarsteig wandern und die ich schon gestern getroffen hatte. Während wir zusammen weiter wandern, regnet es und bei Lange Wiese zeigt sich ein schöner, doppelter Regenbogen.   Wir unterhalten uns über viele Themen, unter anderem auch, dass Gymnasiallehrer besser bezahlt werden obwohl sie meist einfachere Schüler haben. Statt dessen müsste man auch durch die Bezahlung Anreize setzen, damit gerade gute Lehrer dahin gehen, wo es richtig schwierig ist. Die Unterscheidung zwischen Angestellten und Beamten als Lehrer halten meine Gesprächspartner für anachronistisch und ungerecht, ebenso wie die Unterschiede zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen. 

Auf meine Frage, wie eine gute Zukunft aussehen kann, sind beide sich einig, dass sie einen guten und erschwinglichen öffentlichen Nahverkehr für sehr wichtig halten. 

Als ich frage, wie sich der Staat denn finanzieren soll, sind die Beiden gleich bei den Superreichen. Obwohl sowohl Paul als auch Merlin etwas erben werden, stellen sie das grundsätzliche Prinzip des Vererbens in Frage. Ist es nicht besser immaterielle Werte mit auf den Weg zu bekommen? Warum sollte jemand ohne eigene Leistung zu Vermögen gelangen? 

Wir folgen einem massiven Zaun der unten zusätzlich einen Elektrodraht hat, für Kilometer. Dieser soll dazu dienen, dass die Afrikanische Schweinepest sich nicht weiter ausbreitet. Eine teure, drastische Maßnahme! Dazu muss man wissen, dass diese Krankheit für Menschen nicht ansteckend ist. Es geht dabei lediglich um den Schutz der Hausschweine der Landwirte! Man sollte doch meinen, dass es da effektivere Methoden zum Schutz gibt! 

Nachdem wir uns getrennt haben, geht es in ein großes Waldgebiet, in dem viele alte Buchen und Fichten wachsen, sehr schön! Hier schlage ich mein Lager auf, bevor es wieder regnet.


Da meine Wäsche aus dem Trockner noch ziemlich nass kommt, hänge ich sie über die Heizung und mache mir zum Frühstück Eier und Kaffee.

Erst um 8:30 bin ich wieder unterwegs und mache schon bald an der Bushaltestelle des Ortes halt um im freien wlan hier zu posten, was in der Unterkunft nicht möglich war.

Zwar ist es schön, mal wieder sauber zu sein und frische Wäsche zu haben, ansonsten fühle ich mich eher müde und nicht besonders motiviert. Ich bin ein bisschen aus meinem Rhythmus geraten. 

Hinter Küstelberg passiere ich zunächst für das Sauerland typische Weihnachtsbaumkulturen. Beim alten Steinbruch Wagenschmier liegt noch etwas Eis und Schnee.

Die weitere Strecke ist nicht besonders interessant. Fichtenwälder, die immer wieder von Freiflächen unterbrochen werden. Ich überquere die Straße und gelange an die unscheinbare Ruhrquelle. Es ist warm und sonnig und trotz der Höhe von fast 700 m laufe ich schon bald im T-Shirt.

Vor Winterberg steige ich noch kurz in die Schlucht des Helletals von der ich aber nicht sehr viel zu sehen kriege. In Winterberg sitzen Leute draußen vor den zahlreichen Cafés und genießen die Sonne. Ich kaufe im Lidl ein und genehmige mir erst mal eine 1 l Eisschale auf dem Rasen vor dem Eingang. Das tut gut! Da heute sowieso ein verkorkster Tag ist, genieße ich die Zeit einfach nur dazusitzen und Eis zu essen. Schließlich laufe ich aus dem Ort, den ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mag. Zu weitläufig, zu touristisch, zu viel Verkehr. Tatsächlich ist der bizarre Schneerummel hier noch im vollen Gang mit laufenden Liften und auf Kunstschnee fahrenden Menschen. Ich finde die ganze Gegend echt hässlich! Bald habe ich genug und nehme als Abkürzung den Radweg entlang der Bundesstraße.

Tatsächlich muss ich dann im Wald eine Skipiste queren, auf der noch gelaufen wird. Schließlich verlasse ich das Skigebiet, und steige durch den Wald auf zur Hochheide um den Kahlen Asten. Mit den vielen Wegen und Bänken gefällt es mir hier viel weniger als gestern bei der Heide in der Nähe des Clemensbergs. An der unscheinbaren Lennequelle treffe ich die beiden Jungs von gestern Abend wieder. Sie studieren beide im ersten Semester, Paul Deutsch und Englisch auf Lehramt im Gymnasium, Merlin, Geowissenschaften mit biologischem Schwerpunkt. Die  Beiden haben sich bei einem freiwilligen ökologischen Jahr kennengelernt und wollen jetzt eine Woche auf dem Rothaarsteig zusammen laufen. 

Wir unterhalten uns gut und laufen zusammen weiter. Es geht durch offene Landschaft mit vielen Weihnachtsbaumkulturen nach Langewiese, wo es regnet und ein doppelter Regenbogen entsteht. Vorher konnten wir ein überhaupt nicht scheues Reh beobachten. Wir unterhalten uns über viele Themen, unter anderem auch, dass Gymnasiallehrer besser bezahlt werden obwohl sie meist einfachere Schüler haben. Statt dessen müsste man auch durch die Bezahlung Anreize setzen, damit gerade gute Lehrer dahin gehen, wo es richtig schwierig ist. Die Unterscheidung zwischen Angestellten und Beamten als Lehrer halten meine Gesprächspartner für anachronistisch und ungerecht, ebenso wie die Unterschiede zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen. 

Auf meine Frage, wie eine gute Zukunft aussehen kann, sind beide sich einig, dass sie einen guten und erschwinglichen öffentlichen Nahverkehr für sehr wichtig halten. 

Als ich frage, wie sich der Staat denn finanzieren soll, sind die Beiden gleich bei den Superreichen. Obwohl sowohl Paul als auch Merlin etwas erben werden, stellen sie das grundsätzliche Prinzip des Vererbens in Frage. Ist es nicht besser immaterielle Werte mit auf den Weg zu bekommen? Warum sollte jemand ohne eigene Leistung zu Vermögen gelangen? Während Paul seit seiner Kindheit Vegetarier ist, isst Merlin Fleisch. Dennoch hält auch er es für sinnvoll aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen den Fleischkonsum stark zu reduzieren. Auf mein Argument, dass wir Menschen uns evolutionär zu Allesfressern entwickelt haben, sagt er, dass wir uns so weit von der Natur emanzipiert haben, dass wir es aus ethischen Gründen vermeiden können, andere fühlende Wesen zu töten. 

Wir folgen einem massiven Zaun der unten zusätzlich einen Elektrodraht hat, für Kilometer. Dieser soll dazu dienen, dass die Afrikanische Schweinepest sich nicht weiter ausbreitet. Eine teure, drastische Maßnahme! Dazu muss man wissen, dass diese Krankheit für Menschen nicht ansteckend ist. Es geht dabei lediglich um den Schutz der Hausschweine der Landwirte! Man sollte doch meinen, dass es da effektivere Methoden zum Schutz gibt! Solche Zäune habe ich schon vor 5 Jahren in Brandenburg gesehen, dennoch ist die Seuche weiter nach Westen gewandert!

Schließlich gelangen wir an eine Stelle, wo sich der Rothaarsteig in eine Berg- und eine Talroute teilt. Obwohl der NST der tieferen Variante folgt, wähle ich die Kammroute und verabschiede mich von meinen Begleitern. Es geht jetzt in ein großes Waldgebiet. Leider verläuft der Zaun auch hier. Dabei gibt es wirklich schöne Waldbilder mit alten Buchen und Fichten. Schließlich schlage ich mein Lager im Buchenwald in der Nähe einer mächtigen Fichte auf. Bald regnet es wieder eine Zeit lang. 




















Dienstag, 10. März 2026

WdH 32 Vom Diemelsee nach Küstelberg

 



Mo, 9.3.2026


WdH 32: Vom Diemelsee nach Küstelberg


12:30 h, 49,2 km, 1364 hm Aufstieg, 1238 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem mich in der Nacht zweimal Wildschweine besucht haben, ich sie jedoch nicht gesehen habe, bin ich früh am Morgen wieder unterwegs. Ich folge jetzt zunächst der Sauerländer Wald Route. Beim Weiler Huckeshol sehe ich ein Muffelschaf, die nächste Wildart auf meiner Wanderung! 

In Brilon kaufe ich ein und wandere frisch gestärkt weiter. Nun folge ich dem Rothaarsteig, dem ältesten der neuen Wanderwege, die vor ungefähr 20 Jahren entstanden sind. Tatsächlich folgt der Weg oft Pfaden über den Kamm des Rothaargebirges. Dieser ist keineswegs flach, sondern es geht über viele Erhebungen, mit teilweise knackigen Steigungen. Über weite Strecken gibt es keinen alten Wald mehr, dafür kann man weite Ausblicke genießen.

Ich treffe Eva, die als Personalleiterin für 3000 Kita Angestellte verantwortlich ist. Sie erzählt mir einiges aus diesem Bereich. 

Die Bruchhauser Steine sind bis zu 92 m hohe Vulkanfelsen, eine unerwartete Erscheinung hier im Sauerland! Hier und auf dem Weg zum Langenberg, mit 843 m der höchste Gipfel des Rothaargebirges gibt es auch noch viel intakten alten Fichtenwald. Tatsächlich kann man hier an diesem Montag Waldeinsamkeit spüren. Dennoch treffe ich noch zweimal Leute, die den Rothaarsteig erwandern wollen. Schließlich gelange ich nach Küstelberg, wo ich in einem von mir gebuchten Apartment duschen, Wäsche waschen und kochen kann. Paradies!


In der Nacht höre ich zweimal Wildschweine in meiner Nähe, sehe sie jedoch nicht und ein Uhu ruft entfernt. Bereits in der Dämmerung bin ich wieder unterwegs. Hier folge ich der Sauerländer Waldroute, da ich den Diemelsteig gestern Abend verlassen habe. Zunächst folge ich lange Zeit unbefestigten Wegen, meist durch Buchenwald. Einige Male sehe ich Rehe. In der Nähe des Weilers Huckeshol, beobachte ich ein Muffelschaf, das mich einige Zeit anschaut und schließlich im Wald verschwindet. Lange Zeit geht es dann auf Forstwegen bergab. Viele der großen freien Flächen sind lediglich mit Holunder und Brombeeren bewachsen. Junge Bäume fehlen noch. Schließlich geht es noch mal ein Stück auf einem Pfad durch den Buchenwald. Dann folge ich ein der Hoppecke, einem recht großen Bach. Jetzt bin ich schon am Rand von Brilon, habe aber noch einige Kilometer bis ins Zentrum zu laufen. Vor mir sehe ich den Ort mit einer großen Kirche und vielen dunklen Schieferdächern. Schließlich kaufe ich in einem Penny Supermarkt ein, unter anderem, eine Banane, einen Apfel und Schokolade, was ich alles gleich esse und etwas zum Kochen für heute Abend, da ich eine Unterkunft gebucht habe. 

In Brilon beginnt der Rothaarsteig, dem ich für einige Tage folgen will, Der Rothaarsteig war der erste der neuen Wanderwege, mit denen vor etwa 20 Jahren das wandern modernisiert werden sollte. Von Beginn war das Ziel, diese Wege eher auf Naturnahen Faden laufen zu lassen, statt auf breiten Forstwegen. Ich bin gespannt, was mich jetzt auf dem Rothaarsteig erwartet.

Am Drübel bei Brilon, sind die Holunderblätter schon draußen. Ich passiere den Kurpark und gelange zum Kyrilltor bei Petersborn. Mit einer Skulptur aus aufgestellten Baumstämmen, gedenkt man dem Sturm Kyrill, der hier 2007 für große Verheerung gesorgt hat. Als ich weiter laufe, stelle ich fest, dass der größte Teil der damals vom Sturm betroffenen Flächen heute wieder Fichtenwald ist. Es wäre sehr sinnvoll, wenn auf den von der Borkenkäfer Kalamität 2018-2020 betroffenen Flächen, ein gemischter Wald entstehen würde. Zwar sehe ich an manchen Stellen hier auch Birken und Ebereschen, aber die Fichte dominiert. Auf dem Weg zum Borberg hat man einen Pfad unmittelbar neben den Fahrweg gelegt. Das wirkt auf mich zunächst etwas künstlich, tatsächlich hat man aber in dem dichten Jungwald das Gefühl, nicht direkt neben einem großen Weg zu laufen.  

Ich treffe Eva, die den Briloner Kammweg wandert. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt, dass sie Personalleiterin beim Bistum Paderborn ist. Als solche ist sie für 3000 Kita Mitarbeiterinnen zuständig. Tatsächlich sind das fast ausschließlich Frauen. Die Zahl der Männer bleibt im zweistelligen Bereich. Sie erzählt, dass das auch daran liegt, dass manche Eltern Vorbehalte gegenüber Erziehern hätten, da sie Missbrauch ihrer Kinder fürchten. Laut Eva werden die Erzieherinnen heute recht gut bezahlt. Die meisten arbeiten in Teilzeit. Tatsächlich dürfen Erzieherinnen vom ersten Tag einer Schwangerschaft an in Mutterschutz gehen. Verglichen mit den üblichen acht Wochen ist das eine sehr großzügige Regelung. 

Ausländische Kinder würden in der Kita immer schnell deutsch lernen, eine wichtige Vorraussetzung für die mögliche, spätere Integration in unsere Gesellschaft!

Eva erzählt, dass auch Kinder von muslimischen Eltern aufgenommen werden. Diese würden im Zweifelsfall aber ihre Kinder lieber in nicht religiöse Kindergärten geben. 

Sie sagt, dass es nicht einfach ist, Personal zu finden, es aber noch keinen Notstand gibt. Obwohl die kirchlichen Kitas überwiegend vom Staat finanziert werden, hat die Kirche das Recht, Mitarbeiter abzulehnen, die nicht mit der Religion verbunden sind. Ein ziemliches Privileg der Kirchen, bei dem man sich fragen muss, ob das noch zeitgemäß ist. In anderen Bereichen wäre eine so diskriminierende Personalauswahl nicht denkbar.

Nach der netten Begegnung wandere ich weiter. 

Am Borberg gibt es die kümmerlichen Reste einer Burg und eine kleine Kapelle.

Der folgende Abschnitt verläuft überwiegend auf Pfaden mit viel auf und ab. Dabei sind die Steigungen zum Teil ziemlich knackig. Der Rothaarsteig folgt hier tatsächlich dem Kamm. Dieser ist aber keineswegs flach, sondern wird von zahlreichen Erhebungen unterbrochen. Ein großer Teil des alten Waldes ist hier verschwunden, so dass man zahlreiche Ausblicke in die Umgebung genießen kann. An vielen Stellen hat man junge Bäume gepflanzt, was teilweise auch von Firmen unterstützt wird, wie Schilder zeigen.

Ich treffe Elias, der aus dem Ruhrgebiet kommt, und hier auf dem Rothaarsteig, seine erste, einwöchige Fernwanderweg durchführen will. Bis jetzt gefällt es ihm sehr gut!

Schließlich erreiche ich die Gegend um die Bruchhauser Steine. Da der Rothaarsteig nicht direkt zu den Felsen führt, unternehme ich einen Abstecher. Die vier vulkanischen Steine sind bis zu 92 m hoch und sehr eindrucksvoll. Es gab hier auch eine Wallanlage in früheren Zeiten. Was mir gar nicht gefällt ist, dass es hier eine Stiftung gibt, die der adelige Privatwald Besitzer und das Land NRW eingerichtet haben. Normalerweise muss man Eintritt für den Bereich der Steine bezahlen. Da die Saison noch nicht begonnen hat, ist das für mich aber kein Problem. Dennoch denke ich, dass das freie Waldbetretungsrecht in Deutschland ein sehr hohes Gut ist, was durch solche Dinge nicht unterhöhlt werden sollte!

Hier wächst auch noch intakter Fichtenwald. Ich steige zum Langenberg auf, mit 843 m der höchste Berg Nordrhein-Westfalens und des Rothaargebirges. Hier laufe ich teilweise durch alten Buchenwald aber auch Fichtenwald.

Hinter dem Langenberg gelange ich zur Hochheidehütte. Dort bin ich 2014 bei einer Wanderung auf der Winterberger Hochtour mit meinem Freund Reimund versackt…

Vom Clemens Berg ergibt sich eine weite Aussicht. Allerdings liegt unterhalb ein Diabas Steinbruch. Von hier wandere ich ein Stück durch die offenen Flächen der Hochheide, die mich ein wenig an den Heidschnuckenweg erinnern. Auch hier hat die frühere menschliche Nutzung Heide entstehen lassen. 

Ich treffe dann zwei junge Männer, die ebenfalls den Rothaarsteig wandern. 

Anschließend geht es auf Pfaden durch alte, noch intakte Fichtenwälder, wo schon ein Rauhfußkauz ruft. Vorher hatte ich schon Tannenhäher gehört, die man sonst aus den Alpen kennt. 

Schließlich gelange ich aus dem Wald, als die Sonne hinter den Bergen versinkt. Ich erreiche Küstelberg, wo ich für die Nacht ein Apartment gebucht habe. Ich kann hier duschen, Wäsche waschen und kochen, Paradies!