Freitag, 6. Februar 2026

Auf dem Märkischen Landweg von Vietmannsdorf nach Lychen

 




Naturnahe Wege: Grün

Straßen: Schwarz


Freitag, 6. Februar 2026


Wandertag 2


Von Vietmannsdorf nach Lychen


10:06 h, 37,8 km, 244 hm Aufstieg, 220 hm Abstieg 


Nachdem ich in der Unterkunft gefrühstückt habe, breche ich um 7:30 Uhr wieder auf. Es ist bereits hell und deutlich milder als gestern. Zunächst folge ich der Straße bis hinter den Ort, und biege dann in ein großes Waldgebiet ab. Die Wege hier sind komplett vereist, daher ist das Vorankommen extrem mühsam. Ich kann auch nicht dahingleiten, da die Oberfläche zu rau ist. Ständig rutschen ich aus und laufe wie auf rohen Eiern. Die gestrige lange Etappe habe ich zwar gut überstanden, aber meine rechte Hand tut mir von einem Sturz etwas weh. Der Wald, besteht wie so oft hier meist aus Kiefern, aber unter ihnen wachsen an vielen Stellen, Eichen, Buchen und Birken. Einmal sehe ich einige Rehe über den Weg laufen. Ansonsten begegne ich mal wieder keinem Menschen. Ich befinde mich hier noch im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, mit 130.000 ha eines der größten Schutzgebiete Deutschlands.

Der Weg durch die Felder, dem ich weiter folge, ist teilweise durch einen Gebüschstreifen gesäumt. Leider ist es hier ebenso glatt und auch als ich auf die Felder ausweiche, komme ich kaum besser voran. Einige Male stürze ich und erreiche schließlich die Straße vor Templin, wo gestreut ist und ich besser vorankomme. Templin ist relativ groß, und es herrscht einiges an Autoverkehr. Im Ort stoße ich  schließlich wieder auf den Märkischen Landweg, dem ich dann weiter folge.

Auf recht schmalen, aber auch stark vereisten Wegen geht es zunächst weiter durch den Wald. Dann folge ich ein Stück lang der Straße. Es gibt zwar einen Radweg, aber auf der geräumten, gestreuten Straße lässt es sich wesentlich besser laufen. Hinter Röddelin biege ich dann auf einen schmalen Pfad ab. Es geht hier einen Hügel runter, der so glatt ist, dass ich mich für ein Stück auf den Po setzen muss. Eine Frau, die mit ihrem Hund einen Spaziergang macht, hat so wie die Dame gestern, eine Traktionshilfe unter den Füßen. Nichtsdestotrotz findet auch sie die Bedingungen schwierig. Ein schöner Pfad führt durch abwechslungsreichen Mischwald unmittelbar am Großen Mahlgastsee entlang, der von grauem Eis bedeckt ist. Im Gegensatz zu gestern rufen einige Meisen.

Auf meist recht schmalen Wegen, geht es weiterhin durch den Wald. Vor dem Vorwerk Annenwalde überquert ein Rudel von 20 Stück Rotwild, diesmal alle weiblich den Weg vor mir. Auch Nachmittags ist alles noch gefroren und das Vorankommen auf den vereisten Wegen ist extrem mühsam.

Vor Annenwalde laufeich ein kurzes Stück auf der Straße und folge weiter meist relativ schmalen, Wegen durch die Felder, zum Teil am Waldrand entlang und durch den Wald bis zur L 23, auf der relativ viel Verkehr herrscht. Weiter geht es recht zügig durch den Wald auf einer gestreute Straße nach Alt Placht, einem Mini Ort, der im Wesentlichen aus Revierförster reien von Forst Brandenburg zu bestehen scheint. Der Ort ist von einigen Seen eingerahmt, und Informationstafeln erzählen etwas über die Geschichte der Gegend.

Über schmale Wege gelange ich bald zum Plattkow See, wo Biber gearbeitet haben. Der Weg entlang des Sees, mal direkt am Ufer mal auf den Höhen oberhalb ist ein Höhepunkt des heutigen Tages. An einer Stelle mache ich Rast in einer kleinen Hütte und ziehe meine Regenjacke über, da es etwas nieselt. Die Hütte wäre super zum übernachten, dafür ist es mir allerdings noch viel zu früh. Ich erreiche die Häuser von Wuppgarten und folge dann einem Pfad entlang des Zenssees. Dort sind sogar Leute auf dem Eis. Der Pfad ist schmal und vereist. Mit etwas Pech könnte man hier in den Seer rutschen beziehungsweise auf das Eis. Aber ich bin vorsichtig und alles geht gut. Das Sängerhotel am See hat bis April geschlossen aber jemand ist auf dem Hof und gibt mir den Tipp in Lychen zu der Pension Waldesruh zu gehen. Ich rufe dort an und tatsächlich haben Sie ein Zimmer für mich frei. Bald erreiche ich den größeren Ort Lychen, wo ich in einem Netto Supermarkt, Schokoladen, Brot und Müsli einkaufe. Weiter laufe ich auf den Straßen durch den Ort, bis ich schließlich gegen 17:40 Uhr außerhalb des Ortes, die Pension erreiche. Dort empfängt mich eine Frau und zeigt mir mein Zimmer, für dass ich 50 € bezahle. Der heutige Tag mit dem ganzen Eis war ziemlich anstrengend, so dass ich froh bin jetzt unter Dach zu sein.





































Donnerstag, 5. Februar 2026

Auf dem Märkischen Landweg von Angermünde nach Vietmannsdorf


 


5.2.2026


Wandertag 1


Von Angermünde nach Vietmannsdorf


9:46, 47,1 km, 467 hm Aufstieg, 448 hm Abstieg 


Nach einer geruhsamen Nacht in der Ferienwohnung frühstücke ich morgens noch gemütlich und gehe dann gegen 8:00 Uhr zum Bahnhof. Es ist kalt und bedeckt und regnet etwas, wobei sich der Regen sofort in Eis verwandelt. Am Bahnhof hole ich Christina Linke ab, die sich schon frühzeitig mit mir in Verbindung gesetzt hatte, um einige Kilometer am mitzulaufen. Während wir aus Angermünde hinaus wandern, erzählt mir Christina bereits viel über sich: Die 39-jährige sympathische Frau wuchs als eines von zwei Geschwistern in einer Arbeiterfamilie in Duisburg auf. Nach dem Abitur studierte sie Verfahrenstechnik in der Lebensmittelindustrie und arbeitete danach unter anderem in einem großen Unternehmen in Singapur. Schon früh hatte sie auch ihre Liebe für das draußen unterwegs sein und Reisen entdeckt. So absolvierte sie ein Studiensemester in Norwegen, reiste und arbeitete in Australien und bestieg während ihres Singapur Aufenthalts, den höchsten Berg von Borneo. Außerdem gilt ihre große Leidenschaft dem Meer, für dessen Schutz und Erforschung sie sich einsetzen möchte. Sie konnte sich vorstellen, auf einem Forschungsschiff oder einer Forschungsstation in der Arktis oder Antarktis zu arbeiten. Tatsächlich lernte sie auf einer Konferenz aber eine andere Frau kennen, die schon seit Jahren in Forschungsvorhaben zum Thema umweltfreundlicher Schiffsanstriche arbeitet. Tatsächlich sind herkömmliche Schiffsanstriche, die in erster Linie dazu dienen, zu verhindern, dass sich Muscheln, Algen und andere Organismen festsetzen, sehr giftig, mit vielen negativen Folgen für die Meeresökosysteme. Dagegen versprach die neue Technologie, bei der Polymere mit Keramik verbunden werden, nicht nur umweltverträglich zu sein, sondern durch geringere Rauhigkeit auch zu erheblicher Treibstoffeinsparung zu führen. Da die Technik in Versuchen gut wirkte und es schon Anfragen für eine kommerzielle Nutzung gab, beschlossen die beiden Frauen eine Firma zu gründen, um die neue nachhaltige Technologie auf den Markt zu bringen. Da Frauen nur 2 % aller Startups gründen, bedeutete das für Christina und ihre Partnerin, dass es nicht gerade einfach für sie war, Investoren zu finden. Nicht zuletzt brachte die COVID-19 Epidemie, die im selben Jahr begann, als sie ihre Firma gründeten ernst zunehmende Hindernisse. Als sie schon dachten, es geschafft zu haben, löste sich die Beschichtung bei einem Schiff wieder ab, da die falsche Farbe als Unterlage verwendet worden war. Nichtsdestotrotz haben sie Ihr Produkt jetzt schon einige Male verkauft. Und tatsächlich sind die Reeder, deren Schiffe damit unterwegs sind, hochzufrieden. Dennoch gibt es laut Christina immer noch genügend Risiken bevor sie die Produktion stark erweitern können. Nach wie vor sind sie auf Risikokapital angewiesen, und es ist immer noch möglich, dass ihre Firma Clean Ocean Coatings insolvent geht, bevor der große Durchbruch erreicht ist. Tatsächlich arbeitet Christina für ein vergleichsweise geringes Gehalt als Gründerin und steht voll im Risiko ob denn ihr Traum tatsächlich Wirklichkeit wird. Falls ja, woran sie natürlich glaubt, könnte daraus eines Tages eine neue BASF entstehen, denn ihr Verfahren ist potentiell nicht nur für Schiffe interessant, sondern beispielsweise auch für Fassadenanstriche. Macht das nicht Hoffnung? Eine neue Technik, die sowohl umweltfreundlich ist, finanzielle Vorteile für die Schiffseigner bietet und das Potenzial für einen internationalen Bestseller hat!

Aber neben dem Unternehmen, das sie aufbaut, hat Christina weitere Träume: So möchte sie am Liebsten mal eine richtig lange Fernwanderung unternehmen, im Idealfall ein halbes Jahr lang. Tatsächlich ist sie bereits den bekannten GR 20 auf Korsika und Teile des Lara Pinta Trails in Australien gewandert. 

Unser Weg ist ziemlich abwechslungsreich. So laufen wir auf schmalen Pfaden am Ufer des vereisten Wolletzsees

 entlang und bestaunen eine große Buche, die von Bibern angeknabbert wurde. Schließlich erreichen wir den Ort Wolletz nach etwa 12 km, von wo Christina mit dem Bus zurückfahren will. Zwischenzeitlich war der Regen so heftig geworden, dass ich mir die Regenjacke über meine Daunenjacke gezogen habe. Ein Stück geht es durch eine weite, offene Landschaft, bevor ich in ein großes Waldgebiet eintauche. Der märkische Landweg, dem ich folge, ist gut mit einem blauen X markiert. Meistens verläuft er über breite Waldwege. Dabei ist die Landschaft hier leicht hügelig und nicht so flach, wie man sich das in Brandenburg vielleicht vorstellt. Neben den allgegenwärtigen Kiefern, wandere ich zum Teil auch durch Laubwald, überwiegend aus Buchen bestehend. Einmal höre ich es im Laub laut krachen, dann überquert ein Rudel von vielleicht 20 Rothirschen , die teilweise beeindruckende Geweih tragen, den Weg vor mir. Den ganzen Tag ist es grau und ungemütlich. Vor dem Ort Peetzig komme ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, das mit ihrem Hund auf einen Spaziergang gehen will. Die Frau hat sich Microspikes unter die Schuhe geschnallt, keine schlechte Idee bei der Glätte! Sie erzählen, dass sie vor 20 Jahren in das 60 Einwohner Dorf gezogen sind und die Ruhe hier lieben. Die Wälder der Umgebung gehören der Adelsfamilie von Oettingen Spielberg, die in Bayern ansässig ist. Leider sind wahrscheinlich durch zu starken Holzeinschlag, fast alle großen Buchen aus deren Wald in den letzten Jahrzehnten verschwunden, so erzählen die beiden. Die Jagd spielt hier eine große Rolle, Hochsitze  sind allgegenwärtig. Schließlich führt mich ein Tunnel unter der A 11 hindurch, und ich erreiche einige Zeit später das Örtchen Poratz. Kein Mensch ist hier auf der Straße zu sehen, dafür bellen viele Hunde. Eine Tafel weist auf die seltenen Schreiadler hin, die hier in den einsamen Wäldern brüten. Hinter dem Ort folge ich eine einige Kilometer einer der für die Gegend typischen Pflasterstraßen. Bis nach Ringenwalde begegnet mir kein einziges Auto.

Der Ort, den ich schon von einem Besuch im Jahr 2023 kenne, ist recht hübsch für meinen Geschmack, es gibt hier sogar eine Ferienwohnung und eine Fremdenverkehrsinformation. Der Gasthof ist allerdings gerade geschlossen. Als im Wald Motorsägen kreischen, wundere ich mich schon, dass kein Harvester die relativ dünnen Kiefern durchforstet. Tatsächlich begegne ich ein Stück weiter der großen Maschine, aber die Rückgassen hier sind im 40 m Abstand angelegt, so dass Arbeiter mit der Motorsäge in den Bereichen, die nicht vom Kran des Harvesters erreicht werden können, die Bäume fällen. 40 m Rückegassenabstand bedeutet eine Halbierung der Befahrung der Waldböden gegenüber den üblichen 20 m. Daher finde ich es sehr positiv, dass man in diesem eigentlich gut befahrbaren Gelände den Rückegassenabstand erweitert hat. Hinter dem Örtchen Libbesicke verlasse ich den Märkischen Landweg und laufe noch etwa 10 km auf einer eigenen Route weiter, um meinen Übernachtungsort für heute zu erreichen. Ich passiere den größeren Ort Gollin und laufe weiter durch den Wald, indem es zunehmend dunkler wird. Als ich schließlich gegen 18:00 Uhr Vietmannsdorf erreiche, ist es zwar bereits komplett dunkel, aber durch die leichte Schneedecke weniger finster als sonst. Der Besitzer des Landgasthofs Askanien wo ich gestern online die Übernachtung gebucht hatte, hat mich über Tag angerufen und mir verraten, wo ich den Schlüssel für das Gebäude und mein Zimmer finden kann. Alles funktioniert und ich kann mich in dem Zimmer einrichten und genieße warmen Tee, der den Gästen umsonst zur Verfügung steht. Das war mein erster Wandertag, der vor allem durch die Begegnung mit Christina und die große Einsamkeit der Uckermark geprägt war. Ein schöner Auftakt!