Freitag, 24. April 2026

WdH 77 Vom Schluchsee nach Achdorf

 



Fr, 24.4.2026


WdH 77: Vom Schluchsee nach Achdorf


11:29 h, 36,4 km, 831 hm Aufstieg, 1219 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Im beginnenden Sonnenaufgang erhalte ich noch einmal einen Blick über den Schluchsee. In einem idyllischen Tal hinter Fischbach sehe ich Schafe und schwarzwaldtypische Hinterwälder Rinder. Wie auch anderswo, äußern Plakate Bedenken, dass, wenn sich der Wolf etabliert, es mit der Weidewirtschaft im Schwarzwald vorbei ist. Ich halte das für stark übertrieben, da es viele Beispiele aus anderen Regionen Europas gibt, wo eine Koexistenz von Wölfen und Weidevieh durchaus möglich ist. In Lenzkirch nehme ich in einer Bäckerei ein zweites Frühstück ein, und erreiche dann bald die Haslachschlucht, die am Zusammenfluss mit der Gutach zur Wutach wird. Die etwa 30 km lange Schlucht durchschneidet fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands und ist entsprechend vielfältig, was die Natur angeht. Nach meinem Empfinden wahrscheinlich das absolute Highlight meiner ganzen Deutschland Wanderung! Leider sind heute für meinen Geschmack etwas zu viele Besucher da, kein Wunder bei dem schönen, strahlenden Wetter. Nachdem ich die Schlucht verlassen habe, wird es nicht mehr lange dauern, bis ich auch den Schluchtensteig hinter mir lasse. Dieser hat mir überaus gut gefallen! Lediglich der Abschnitt zwischen Todtmoos und dem Schluchsee verläuft für meinen Geschmack zu viel auf Forstwegen. Hier wäre eine Verlegung auf schmale Pfade begrüßenswert. 


Meine Luftmatratze scheint ein kleines Loch zu haben, daher verliert sie über Nacht Luft. Es geht allerdings nicht soweit, dass ich richtig hart liege, aber es ist deutlich. Meiner Erfahrung nach, dauert es nie besonders lange, bevor bei Luftmatratzen so etwas passiert. Deswegen verwende ich seit vielen Jahren eigentlich nur noch feste Matten, auf denen ich genauso gut schlafe. Der Vorteil der Luftmatratze, und warum ich sie diesmal mitgenommen habe, ist, dass sie bei Kälte besser isoliert. Da ich ja schon am 5. Februar aufgebrochen bin, war dies diesmal ein wichtiger Punkt. Ich steige steil hoch zum Bildstein, von wo sich noch einmal ein Blick auf den Schluchsee mit den Schweizer Bergen im beginnenden Sonnenaufgang im Hintergrund ergibt. 

Auf einem Forstweg geht es dann runter nach Fischbach. Dort kommt mir bereits ein Mann entgegen, dessen Hund weit voraus läuft und mir ziemlich aggressiv begegnet. Als ich den Mann darauf anspreche, dass man so einen Hund an der Leine zu führen hat, leint er ihn sofort an. Hinter Fischbach geht es wieder im Wald recht steil hoch und dann abwärts ins Tal des Schwendebächle. Ich sehe ein Reh und einen Hasen auf dem Weg. Das Tal ist sehr idyllisch, mit vielen Schafen auf der Weide und den braunen, relativ schlanken Hinterwälder Kühen, die durch ihr geringes Gewicht an die Bedingungen im Schwarzwald gut angepasst sind. Ein Plakat suggeriert, dass die Weideviehhaltung im Schwarzwald ihrem Ende entgegen geht, sobald der Wolf fest etabliert ist. Hierzu muss man sagen, dass es in vielen anderen Gebirgen Europas schon seit langem ein Miteinander von Weidevieh und Wölfen gibt. Natürlich gibt es dann und wann Übergriffe, aber man kann nicht sagen, dass der Wolf das Ende der Weideviehhaltung bedeuten wird.

Schließlich geht es durch überwiegend Wald runter nach Lenzkirch. Obwohl auch heute wieder ein strahlend schöner Tag ist, hat es in den Senken gefroren.

In Lenzkirch nehme ich erst einmal ein zweites Frühstück in einer netten Bäckerei ein, wo man mich gleich fragt, ob ich draußen geschlafen habe…

Vom Kaffee beflügelt, laufe ich auf Asphalt aus dem Ort im Haslach Tal. 

Schließlich führt ein Pfad runter, direkt zur Haslach, der ich ein kleines Stück folge, bevor ich steil wieder aussteige. Hier haben Biber gearbeitet. Als ich das letzte Mal vor fünf Jahren hier war, habe ich noch keine Biberspuren gesehen. Eine Tafel erklärt, dass die Wutach hier auf 30 km Länge, 160 Höhenmeter abfällt, und dabei fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands durchschneidet. Daher ist die Schlucht sehr vielfältig, was Tier- und Pflanzenwelt angeht.

Neben dem Schluchtensteig, verläuft hier auch der Querweg Freiburg-Bodensee, dem der NST wahrscheinlich längere Zeit folgen wird.

Eine Zeit lang laufe ich auf einem Fahrweg oberhalb der Haslach Schlucht. Ich passiere eine mächtige Fichte mit etwa 1,3 m Durchmesser, die als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.

Auf einem Steig geht es abwärts zum Bach, der am Rechenfelsen durch eine enge Klamm fließt. Hier geht es dann wieder aufwärts. Parallel zum Schluchtensteig verläuft hier oberhalb ein Radweg. 

Schließlich gelange ich an den Zusammenfluss von Haslach und Gutach. Weiter abwärts heißt der Fluss jetzt Wutach. Die Wutach ist hier ein bis zu 10 m breites, munteres Flüsschen, in dem zahlreiche Felsbrocken liegen. Ein Paar sitzt auf einer Bank an der Mündung. Zunächst verläuft der Pfad in Bachnähe. Hier wachsen überwiegend Fichten und Buchen, an nassen Stellen auch Erlen. Die Buschwindröschen sind noch nicht ganz verblüht, außerdem gedeihen Schlüsselblumen und Veilchen. Es gibt auch sonnige Lichtungen voll Sehgen, Haselnusssträuchern und Brennnesseln.

Von der Rötenbach Mündung, wo ich drei Leute sehe, geht es wieder nach oben, wo ich dann einem Fahrweg folge. Die Wutach ist hier aufgestaut. Das Stauwehr ist mehrere Meter hoch und für Fische völlig unüberwindlich. Ein Stückchen weiter gelange ich an das Kraftwerk Stallegg. Eine Tafel informiert über die Geschichte. Schon 1895 wurde hier ein Kraftwerk erichtet, was allerdings 1979 stillgelegt wurde. Statt die Möglichkeit zu nutzen, die Wutach wieder komplett für Fische und andere Lebewesen durchgängig zu machen, erfolgte im Jahr 2000 die Wiederinbetriebnahme der Kraftwerksanlage. Was den Naturschutz angeht, begnügt mich man sich wie so oft mit Ermahnungen auf den Wegen zu bleiben, was die Wanderer angeht, aber an die wirklichen Probleme, wie hier das Stauwehr, geht niemand ran. Bedauerlich!

Eine Tafel unterrichtet darüber, dass hier einige der größten Tannen Deutschlands wachsen. Die höchste war 53 m hoch,  ist allerdings umgestürzt. Der aktuelle Spitzenreiter liegt bei 51 m. Das ist ziemlich beachtlich, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Buchen in Deutschland um die 30 m hoch werden und auch sonst ist im Wirtschaftswald bei dieser Höhe meistens Schluss. Laut der Tafel, ist der höchste Baum Deutschlands allerdings zur Zeit eine Douglasie bei Freiburg, die 68 m Höhe erreicht.

Hinter dem Kraftwerk fällt die Schlucht steil ab, und der Pfad verläuft hoch im Hang. Jetzt ist die Wutach ein rauschender Wildbach.

Relativ flach geht es im Hang weiter zu den Klippen des Räuberschlößle. Leider erhält man hier keine besonders gute Aussicht.

Weiter geht es relativ flach durch den schönen Buchen-Tannen-Fichtenmischwald. Entlang von Haselnussgebüschen geht es dann nach oben aus dem Wald. Hier färbt der Löwenzahn die Wiesen gelb und die Schlehen den Waldrand weiß.

Ein Fahrweg führt mich wieder in den Wald, wo am Wegrand zahlreiche Sinterquellen entspringen, voller farbiger Mose.

Schließlich geht es auf einem Pfad bergab zur Straße an der Schattenmühle. Hier stehen ziemlich viele Autos auf dem Parkplatz. Ich treffe jetzt auch etliche Leute. Weiter geht es auf einem Pfad relativ dicht an der Wutach. Hier blühen die Frühlingsplatterbsen.

Schließlich passiere ich einen Mini Wasserfall, sehr fotogen! Allerdings sind für meinen Geschmack heute an diesem sonnigen Freitagmittag viel zu viele Menschen hier unterwegs.

Schließlich geht es auf einem Fahrweg oberhalb eines lieblichen Wiesengrund weiter. An den Seiten gibt es teilweise einen steilen, felsigen Trockenrasen. Hier wachsen später im Jahr bestimmt auch Orchideen. 

Auf der anderen Talseite erstreckt sich ein großer Felsrutsch, und auf meiner Seite, etwas zurückgesetzt, ragen steile, gelbliche Wände auf.

Ich überquere die Wutach auf einem Holzsteg und treffe jemand, vielleicht ein Franzose, der mit Zelt und Rucksack hier einige Tage lang wandern will. Am anderen Ufer liegt Bad Boll, einst Standort eines international renommierten Hotels, von dem aber heute nur noch eine kleine Kirche zeugt. Das Naturschutzgebiet Wutachschlucht gibt es schon seit 1939, es wurde allerdings einige Male erweitert.

Weiter geht es zunächst in Flussnähe vorbei an alten Eichen und Wiesen auf denen Schlüsselblumen, Schaumkraut und Pestwurz blühen. Bald ragt rechts eine gigantische Kalksteinwand auf. hier fällt ein hübscher Wasserfall über eine Kalksinterterrasse hinab.

Eine Wasseramsel fliegt flussauf an mir vorbei und am Bach wachsen jetzt auch Ulmen, Linden, Ahorne und blühende Traubenkirschen. 

Ein mit Drahtseilen gesicherter Steig führt steil hoch in die Wand über der Wutach. Hier ergibt sich ein grandioser Ausblick, gerade mit dem hellen Grün der Buchen. Hier begegnet mir ein Mann, der mich anspricht. Er ist wahrscheinlich einige Jahre älter als ich und kommt aus der Region. Wir tauschen uns darüber aus wie großartig die Wutachschlucht ist, auch im internationalen Vergleich. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber er erzählt, dass ein Freund von ihm in einer Kolumne in der Frankfurter Rundschau, das für und wieder eines Tempolimits erörtert hat. Daraufhin bekam er massive Drohungen, die bis zum Vierteilen  gingen. Wir beide sind der Meinung, dass so etwas verfolgt werden muss, man sich aber nicht einschüchtern lassen und weiterhin seine Meinung kundtun sollte. Schließlich geht es runter zum Fluss, wo ich Bärlauchblätter nasche. Eine Hütte an einer Wiese lädt zum Rasten ein.

Anschließend geht es noch einmal hoch und entlang einer hellen Felswand, bevor es relativ flach durch jungen Wald aus Ahornen und Eschen weitergeht. Hier blühen gelbe Anemonen und zweimal sehe ich einen Trauermantel Schmetterling.

Von der nächsten Steilwand führt eine Metalltreppe herunter. Eine Stufe ist leider durchgebrochen, sie sollte dringend repariert werden. Eine kleine, hübsche, grüne Zauneidechse wischt vor mir über den Weg.

Einmal gehe ich auf eine Kiesbank, wo auf der gegenüberliegenden Seite eine steile Felswand aufragt. Hier fliegt eine gelbe Gebirgsbachstelze an mir vorbei und ein Graureiher fliegt aus dem Bachbett auf. Ein Stück weiter sehe ich einen Angler auf der anderen Flussseite. Ob Fischen wohl hier im Naturschutzgebiet erlaubt ist?

Ich überquere den Fluss und laufe im flachen Laubwald, in dem nur wenige Fichten wachsen, weiter. Bald geht es wieder über den Fluss und ich kann flach weiterlaufen. Es wächst hier viel Silberblatt und auch an Bärlauch ist kein Mangel. An einer Stelle sehe ich mehrere blühende Schuppenwurz, eine unscheinbare, parasitisch lebende Orchidee. Bald geht es noch einmal entlang

der Felsen, dicht am Fluss. Dieses Muster aus flachen Abschnitten und Steigen in der Felswand wiederholt sich immer wieder. Ein Stockenten Paar am Ufer stört sich gar nicht an mir.

An einem weiteren Holzsteg beginnt der Ausstieg aus der Schlucht. Schließlich erreiche ich die Straße bei der Wutachmühle und folge einem Fahrweg, der parallel dazu verläuft. Irgendwann geht es auf einem Pfad weiter und ich schlage schließlich mein Cowboycamp im Laubwald mit dichtem Unterwuchs auf. 


























Donnerstag, 23. April 2026

WdH 76 Von Au zum Schluchsee

 



Do, 23.4.2026


WdH 76: Von Au zum Schluchsee


12:12 h, 39,6 km, 1310 hm Aufstieg, 1140 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute laufe ich den ganzen Tag auf dem Schluchtensteig weiter. Ich passiere Todtmoos und laufe die Wehra weiter aufwärts bis zur Nähe der Quelle. Als ich den Wald verlasse, gelange ich in eine Traumlandschaft aus extensiv bewirtschafteten Weiden und Wald, wo ich Aussichten einerseits zu den schneebedeckten, hohen Schweizer Bergen, andererseits zurück zum Feldberg erhalte. Sehr schön , vor allem da keine einzige Wolke am Himmel steht. 

Tafeln erklären, dass die Weiden durch extensive Rinderbrweidung offen gehalten werden. 

Schließlich erreiche ich St. Blasien, das von einem riesigen Kloster geprägt wird. Der folgende Abschnitt zum Schluchsee ist nicht sehr interessant, da ich auf breiten Forstwegen laufe. Der See selber hat eine tiefblaue Farbe und gefällt mir durchaus. Vom Ufer steige ich dann ein Stück auf, kann meine Wasserflasche noch mal auffüllen und beziehe schließlich ein Freiluftlager in einem jungen Wald.


In der Nacht ist es zwar recht windig, aber ich schlafe trotzdem gut. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen, dass ich aus dem Wald komme und durch Schwarzenbach laufe. Als es wieder in den Wald geht, passiere ich die Gerweck Tanne. Ein Baum, vor dem man nur staunen kann, mit über 2 m Durchmesser! Leider wurde sie gerade beim Holzrücken beschädigt. Wie kann das sein, dass man auf so einen Baum nicht acht gibt?

Auf Forstwegen wandere ich weiter nach Todtmoos. Der Wald hier ist ziemlich eindrucksvoll mit vielen dicken Tannen, aber es ist auch überall Baumnachwuchs vorhanden und viel mehr Buchen als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. 

Todtmoos ist ein netter Touristenort, leider hat hier um diese Zeit noch keine Bäckerei geöffnet, in der ich mir einen Kaffee holen kann. Das Thermometer im Ort zeigt lediglich 3° an! Hinter dem Ort wandere ich auf einem Steig das Wehratal weiter hoch. Die Wehra ist hier nur noch ein kleines Bächlein . Dafür ist das Tal umso schöner, mit großen Tannen und moosbedeckten Felsblöcken.

Einige Male fliegt ein Graureiher vor mir aus dem Bachbett auf. Schließlich verlasse ich das Tal und steige steil bergauf zur Straße am Ibacher Kreuz. Weiter geht es auf einem Forstweg oberhalb der Wehraquelle bergauf durch wunderschönen Tannen-Buchenwald.

Als ich aus dem Wald gelange, laufe ich durch eine Traumlandschaft! Hügelige, karge Weiden auf denen zum Teil Felsbrocken liegen, gesprenkelt mit Wachholdern und einzelnen, markanten Buchen, feuchte Senken mit Binsen und der Wald ist natürlich allgegenwärtig. Unglaublich sind die Aussichten in der Gegend von Ibach. Die Schweizer Alpen mit ihren Viertausendern türmen sich in scheinbar greifbarer Nähe auf. Dabei sind sie noch 160 km entfernt. Außerdem erscheint noch einmal der Buckel des Feldbergs, zudem die waldbedeckten Höhenzüge die zu ihm reichen. Über den Weiden rüttelt ein Turmfalke, auf der Stelle stehend. Im Wald läuft entfernt, der Statur und Bewegung nach zu urteilen, wahrscheinlich ein Dachs vor mir auf dem Weg. Falls ich mich irgendwann einmal nieder lassen will, wäre das hier eine Gegend, die mich sehr anzieht!

Tafeln erklären etwas zum Schluchtensteig, der insgesamt 118 km lang ist, wovon ich den größten Teil begehe und zu den Wiesen rund um Ibach. Diese sind tatsächlich seit altersher im Gemeindebesitz und jeder Bauer hat das Recht, sein Vieh auf diese Weiden zu treiben. Für das Winterfutter muss er aber selber sorgen, mit Gras von seinen eigenen Mähwiesen. Hier wird kaum gedüngt, deswegen wachsen hier viele seltene Pflanzen, faszinierend!

Als ich kurz auf einer Straße laufe, hält ein älterer Radfahrer bei mir und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt, dass er sich ebenfalls in das Ibacher Hochtal, das vom Feldberggletscher geformt wurde, verliebt hat und durch Zufall hier auch eine Wohnung mieten konnte. Das sei allerdings ziemlich schwierig da  in der Regel nicht vermietet wird. 

Interessanterweise gibt es hier Kisten, die mit Eicheln beschickt wurden, damit Eichelhäher und andere Tiere, die Eicheln verstecken, häufig die Fundorte vergessen und dann eventuell eine junge Eiche hoch wachsen kann. Das ist vor allem interessant, weil hier zur Zeit in über 1000 m Höhe noch gar keine Eichen wachsen. Rechnet man damit, dass sich das zukünftig durch den Klimawandel ändern wird? 

Mir begegnet eine offensichtlich ziemlich alte Frau, die mit größerem Rucksack unterwegs ist. Leider scheint sie kaum Deutsch zu sprechen,  daher kommen wir nicht ins Gespräch. Interessante Tafeln verraten einiges über die Landschaft und die Weidewirtschaft hier. Letztenendes geht es dabei um die Erzeugung von Kalbfleisch. So sehr klar ist, dass grundsätzlich Fleischerzeugung starke negative Auswirkungen auf die Umwelt hat, trägt hier die Rinderhaltung entscheidend zum Erhalt dieser reizvollen Landschaft bei.

Überraschenderweise begegnen mir dann kurz hintereinander zwei Frauen aus Hanau, die den Schluchtensteig wandern und zwei einzelnen Wanderer. Ich passiere die Kreuzfeld Hütte, wo es noch einmal einen tollen Ausblick zu den Schweizer Bergen gibt.

Dann steige ich ab zum Klosterweiher, und erhalte bei Horbach noch einmal ein Ausblick zu den Schweizer Bergen. Weiter geht es zum Teil auf einem Pfad. Auch hier erläutern Tafeln etwas zur Geschichte der Landschaft. So gibt es  einen Berg, der durch die Aufgabe der Beweidung wieder zu Wald geworden ist. Heute sieht nur noch der Kenner, dass dies einmal eine Weide war.

Weiter geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Wiesen. An einer Stelle ist ein Transporter abgestellt, und ein Papier in der Windschutzscheibe verrät, dass sie sich um Mitarbeiter des Biosphärengebiets handelt. Ich sehe, dass dort eine Reihe von Jugendlichen unter Aufsicht, Fichtenzweige von den Borstgrasrasen wegräumen. Offenbar ist dies Teil einer Pflegemaßnahme zur Offenhaltung der früheren Weiden.

Als ab den fünfziger Jahren auch in den armen Hotzenwald langsam die Modernisierung vordrang, gaben viele Bauern ihre Weiden auf, und forsteten sie mit Fichten auf. Wahrscheinlich wäre ein Großteil der Landschaft hier heute wieder Wald, wenn nicht durch Fördergelder die Landwirte dabei unterstützt würden, die Landschaft offen zu halten. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Rückkehr des Waldes wirklich etwas so Schlechtes wäre, aber das Landschaftsbild würde sich stark verändern, und auch für Touristen wäre die Landschaft wahrscheinlich weniger attraktiv, da Menschen den Wechsel von Wald und offenen Flächen, die Ausblicke erlauben, zu schätzen wissen.

Ich passiere den Lehenkopf mit hölzernem Aussichtsturm und beginne dann den langen Abstieg durch den Wald, auf einem Pfad. Ich höre großes Getöse, und als ich an einen Forstweg komme, sehe ich, wie feine Äste von einer Maschine zerhackt und auf einen LKW geschüttet werden. Hier werden wahrscheinlich Hackschnitzel für Heizanlagen hergestellt. Hierzu muss man wissen, dass im Wald die meisten Nährstoffe in den feinen Ästen stecken. Werden diese nun für so eine Aktion dem Wald genommen, führt das langfristig, vor allem auf ärmeren Böden wie hier, zu Nährstoffmangel. Diesen Effekt hatten wir großräumig bis nach dem zweiten Weltkrieg, wo oft auch das kleinste Ästchen als Brennmaterial aus dem Wald geholt wurde. Wollen wir wirklich, dass unsere Böden im Wald wieder so verarmen? 

Schließlich gelange ich nach St. Blasien, was durch ein riesiges Benediktinerkloster geprägt wird, mit gigantischer kuppelförmiger Basilika. Natürlich kann ich bei dem sonnigen Wetter der Gelegenheit nicht widerstehen und gönne mir eine Eisschale. Frisch gestärkt laufe ich weiter durch den Ort und dann auf einem Steig die relativ kurze Windberg Schlucht aufwärts. Am Ende gibt es hier einen 6 m hohen Wasserfall.

Schließlich geht es auf einem Forstweg ziemlich steil aufwärts, durch geschlossenen alten Wald, der hauptsächlich von Fichten geprägt wird . Aber überall sind auch Buchen und Tannen dabei,  ein schöner Mischwald!

Als das Terrain abflacht, führt der NST nach Althütte, ich dagegen bleibe auf einem Forstweg im Wald. Dieser besteht hier jetzt ganz überwiegend aus Fichten, Tannen und Buchen sind ziemlich selten.

Es geht dann noch ziemlich lange auf Forstwegen weiter. Der Wald ist zwar schön, aber das Laufen auf den breiten Wegen ist nicht sehr interessant. Hier büßt der Schluchtensteig an Qualität ein! Irgendwann sehe ich den tiefblauen Schluchsee unter mir. Der Weg verläuft später ziemlich dicht am See und zuletzt unterhalb des Dörfchens Aha direkt über dem Seeufer. Der Wasserspiegel scheint ziemlich niedrig zu sein, da überall das Ufer von einem steinigen Streifen gesäumt wird. Schließlich wende ich mich vom See ab und passiere ein großes Hotel, sowie einen Naturcampingplatz. Dann geht es wieder aufwärts. Ich kann meine Flasche an einem Brunnen noch mal füllen und schlage dann in einem jungen Buchen- Fichtenwald mein Freiluftlager auf.


























Mittwoch, 22. April 2026

WdH 75 Von Ottwangen nach Au

 



Mi, 22.4.2026


WdH 75: Von Ottwangen nach Au


11:41 h, 38,8 km, 1332 hm Aufstieg, 919 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Teilweise durch Laubwald, teilweise durch die offene Flur mit Streuobstwiesen auf denen die Apfelbäume blühen, laufe ich am nächsten Morgen weiter. Vor mir ragen die Schwarzwaldberge auf, während sich jenseits der Schweizer Grenze das Jura erstreckt.  Hier nur durchzurennen, à la „Laufen, essen, schlafen“, wäre schade, denn es gibt überall Schönes und Interessantes zu sehen. Oberhalb des Wehra Stausees gelange ich auf den Schluchtensteig, dem der NST jetzt folgt. Dieser hat seinen Namen wirklich verdient, da er oft als schmaler Pfad spektakulär im Hang oder entlang von sprudelnden Nebenbächen führt. Obwohl dies eine sehr attraktive Strecke ist und keine Wolke am Himmel steht, begegnet mir nur ein Wanderer. Hier kommen viele Höhenmeter zusammen, daher bin ich froh, dass der Wandertag zu Ende ist, als ich mein Cowboycamp aufschlage. 


Es dauert nicht lange, bis ich am nächsten Morgen aus dem Wald gelangen. Hier äsen zwei Rehe auf einer Wiese. Durch die grüne, offene Landschaft geht es weiter nach Adelhausen. Überall rufen Gartenrotschwänze und ich sehe einen Rotmilan ganz nah in einem Baum sitzen. Hinter dem Ort geht es zunächst auf Asphaltwegen weiter.

Auf Forstwegen laufe ich durch ein weiteres Laubwaldgebiet. Hier gelange ich auf den anderen Arm des Westwegs. Anschließend geht es durch die offene Landschaft zur Hohe

Flum. Dort gibt es einen niedrigen Aussichtsturm aus Stein. Man hat von hier eine tolle Aussicht, sowohl zu den Bergen des Schwarzwalds,  als auch dem Jura, beziehungsweise dem Schweizer Mittelgebirge.

Weiter geht es meistens durch den Wald, teilweise aber auch in Waldrand Nähe. Überall gibt es Neues zu sehen, ob das die blühende Einbeere ist, mit vier Blättern, in deren Mitte die unscheinbare Blüte liegt, der weiß blühende Wiesenkerbel, die blühenden Heckenkirschen oder die unscheinbaren Blüten der Gräser. Auf dieser Höhe hat auch bereits die letzte Baumart ihre Blätter entfaltet, nämlich die Esche. Die Singdrosseln sind noch häufig zu hören, aber wir haben gestern tatsächlich schon eine junge gesehen, die aber noch kaum fliegen konnte.

Jetzt, wo die Tour langsam dem Ende zugeht, schweifen meine Gedanken relativ häufig ab. Das ist ja grundsätzlich gut. Beim Wandern kriegt man den Kopf frei und kann sich über vieles Gedanken machen, auch wie das eigene Leben weitergehen soll, und was man für neue Pläne schmieden will. Andererseits ist es schade, wenn man auf einer Wanderung,  gerade bei so tollem Wetter wie heute, und im Frühling, wo die Landschaft noch schöner ist als sonst, nicht wirklich in der Gegenwart ist. Tatsächlich nehme ich mir dann manchmal vor, auf jedes Detail ganz bewusst zu achten. Das schärft die Sinne und man sieht dann tatsächlich viel mehr. Im Buddhismus nennt man das ganze Achtsamkeit, ein Begriff, der bei uns ja auch in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Solche Begriffe kriegen ja schnell einen leicht esoterischen Touch, was mir eher fremd ist. Aber das Konzept  an sich finde ich nicht schlecht.

Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, wenn man das wandern. 

Wenn man das Wandern auf die Formel: Laufen, Essen, Schlafen reduziert, wie manche das ja tun, und sogar behaupten, dass für sie Landschaft und Natur keine große Rolle beim Wandern spielen, dann nimmt man sich ganz viel. Für mich ist das Erlebnis von Natur und Landschaft etwas ganz Wesentliches bei meinen Wanderungen. Selbst bei dieser Deutschlandtour, bei der ich mir ja bewusst vorgenommen hatte, pro Tag lange Strecken zu laufen, kommt dieses in die Natur eintauchen, keineswegs zu kurz.

Schließlich laufe ich wieder längere Zeit durch die Flur, leider meist auf Asphaltwegen. Eine Krähe in einem blühenden Obstbaum lässt sich nicht von mir stören. Über den Wiesen liegt, wie auch gestern schon, das Zirpen der Grillen. So kommt ein Hauch von Sommer in die Frühlingslandschaft. Linker Hand ragen die Waldberge des Schwarzwalds auf, durch die ich bald wieder wandern werde.

Hier auf den Streuobstwiesen finde ich das rosa-weiß der Apfelbäume besonders schön.

Schließlich verlasse ich den NST, der zum Beginn des Schluchtensteigs in der Stadt Wehr führt, stattdessen folge ich einem Radweg parallel zur Bundesstraße Richtung Hasel, laufe aber bald wieder auf Feldwegen. 

Auf dem Hotzenwald Querweg laufe ich durch den Ort Hasel. Hier auf einer Wiese, blüht schon der Salbei.

Teilweise auf Pfaden geht es wieder in den Wald. Gestern hatte ich mich noch mit Judith darüber unterhalten, heute ist er da: ich höre den ersten Waldlaubsänger! Dieser Vogel ist stets aus dem Winterquartier zurück, sobald die Buchen austreiben. Judith hatte tatsächlich schon welche gehört. Für mich ist das der Erste. Ich passiere einen mächtigen Bergahorn  mit etwa 1 m Durchmesser und sehe einige Eiben. Schließlich gelange ich zurück auf den NST, der hier dem Schluchtensteig oberhalb des Wehra Stausees folgt.

Zunächst laufe ich auf einem Forstweg, der dann aber bald in einen Steig übergeht, der durch den Steilhang verläuft. Der Wald hier ist eine Kernzone des Biosphärenreservats und gleichzeitig als Bannwald ausgewiesen. Hier wachsen Eichen neben Tannen, vor allem aber auch Buchen. Bei den Tannen finde ich die frischen, hellgrünen Triebe wunderbar. Teilweise ist der Pfad ziemlich steinig. An manchen Stellen gibt es regelrechte Geröllhalden, die nur locker, teilweise mit Haselnuss Sträuchern bewachsen sind. Es gibt relativ viel Totholz und einige ziemlich dicke Buchen.

Lediglich ein Mann begegnet mir. Ansonsten habe ich den Steig für mich alleine. Auch der Blick in die gegenüberliegenden Hänge mit den hellen Buchen und dunkleren Fichten und Tannen ist fantastisch. Das Wetter heute ist strahlend und wolkenlos. An manchen Stellen blühen viele Walderdbeeren, und ich sehe eine weghuschende Waldeidechse. Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut!

Schließlich steige ich zur Straße ab, wo ich die Wehra auf einer Brücke überquere. Hier hängen Plakate, die auf eine junge Frau hinweisen, die hier 2020 verschwunden ist. Eine Belohnung von 100.000 € wird auf sachdienliche Hinweise ausgelobt. Wahnsinn, kaum zu Glauben, dass man auf einer Wanderung in Deutschland spurlos verschwinden kann!

Auf der anderen Seite geht es einen Nebenbach, den Sägengraben sehr steil hoch. Toll, wie hier das Wasser über die Felsen plätschert. Die Farnwedel entrollen sich gerade, und es gibt Baumstämme, die von Polstern aus Moos und Sauerklee komplett bedeckt sind. Zwei nebeneinander stehende gigantische Tannen mit wahrscheinlich 1,50 m Durchmesser beeindrucken mich besonders. Schließlich verlasse ich den Bach und laufe auf einem Steig im Hang zurück zum Wehratal und laufe hoch über der Schlucht weiter. Auch hier auf 700 m Höhe ist die Buche bei weiten der dominierende Baum. Es gibt aber auch immer wieder einige alte Tannen. Fichten sind eher selten. Auf der anderen Schluchtseite gibt es an einigen Stellen steil aufragende Felsklippen. Etwas störend ist lediglich ab und zu der Lärm der Straße unten, vor allem durch Motorräder, aber das hält sich an diesem Wochentag in Grenzen.

Stellenweise ist der Steig etwas ausgesetzt d.h. er ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.

Schließlich folge ich einem Fahrweg runter nach Au im Wehratal, wo ich eine Zeit auf der Straße laufe.

Dann führt ein Grasweg, der in einen befestigten Weg übergeht, steil nach oben. Abseits des Wegs finde ich schließlich eine flache Stelle für mein Cowboycamp. Später raschelt es im Laub und ein Rehbock kommt ganz in der Nähe vorbei. Als er mich bemerkt, läuft er bellend davon. Außerdem fliegt ein Schwarzspecht vorbei.