Dienstag, 21. April 2026

WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen

 



Di, 21.4.2026


WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen


10:58 h, 36,5 km, 948 hm Aufstieg, 1413 hm Abstieg


Zusammenfassung: Nach einem entspannten Frühstück mit meinen netten Gastgebern, fahre ich mit Judith zurück in den Wald. Wir besteigen den Blauen, einen weiteren tollen Aussichtsberg. Anschließend geht es lange bergab durch den Wald, der immer grüner und laubbaumreicher wird. Wir unterhalten uns intensiv, und Judith erzählt über ihre Weiterbildung zur Wildnispädagogin, sowie ihre Erfahrungen  im Wolfsmonitorring. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald, bewundern blühende Wiesen und Obstbäume und gelangen in die Wolfsschlucht. Diese ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. Anschließend geht es noch einige Zeit durch die offene Feldflur, bevor es durch ein großes Waldgebiet zur Burg Rötteln über Lörrach geht. In der Stadt nehmen wir Abschied und ich verlasse hier den Westweg, dem ich seit Titisee gefolgt war. Dieser Abschnitt des berühmtesten Schwazwaldwegs hat mir sehr gut gefallen, insbesondere der Belchen, die relativ häufigen Pfade und die oft schönen Wälder. 

Ich verlasse die Stadt und wandere durch ein großes Laubwaldgebiet, wo ich schließlich mein Lager aufschlage.


Nachdem wir morgens zusammen gemütlich gefrühstückt haben, mit selbst gebackenem  Brot und eigenen Hühnereiern, fahren Judith und ich zurück zur Egertenhütte. Die Hündin Mina ist auch dabei. Von dort geht es bergan zum Blauen, mit 1165 m weniger hoch als Feldberg und Belchen. Nichtsdestotrotz gibt es einen Aussichtsturm und ein Hotel, da man einen tollen Ausblick in die Rheinebene mit dem Markgräfler Land und hinüber zu Vogesen und Jura erhält. Anschließend steigen wir lange ab. Je tiefer wir gelangen, desto laubbaumreicher wird der Wald. Die Buchen hier haben alle schon ihre Knospen gesprengt, und der Wald wirkt unheimlich grün. Hier blüht auch schon der Waldmeister. Während wir laufen, unterhalte ich mich intensiv mit Judith. Sie hat Sozialpädagogik und Sport studiert und im Frankfurter Raum mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet. Da ihr das viel Energie geraubt hat und sie mehr Kontakt zur Natur haben wollte, hat sie eine Ausbildung zur Wildnispädagogin gemacht. Dabei hat sie viel gelernt wie zum Beispiel Spuren lesen. Was ihr dabei weniger gefallen hat, ist die Idealisierung der Wildnis und der Naturvölker. Es ist natürlich auch leicht paradox, dass es Schulen gibt in Deutschland, die sich Wildnisschulen nennen, obwohl wir hier keine wirkliche Wildnis mehr haben. Aber das ist nun mal die Bezeichnung einer bestimmten Philosophie, die wie so vieles, aus Amerika gekommen ist. Sie fand die praktischen Inhalte ganz gut, die dort gelehrt wurden, aber mit dem theoretischen Unterbau hat sie so ihre Probleme. 

Darüber hinaus hat sie eine Ausbildung zum Biosphärenguide gemacht und hatte eine Anstellung im Wolfsmonitorring, bei der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg. Dazu war sie zum Beispiel auf Fortbildung im Kerngebiet der Wölfe in der Oberlausitz. Einmal als man ihr die Koordinaten einer vermuteten Wolfsfährte geschickt hatte, konnte sie die bestätigen. Darüber hinaus fand sie eine Luchsfährte und eine Auerhahnspur. Alles an einem Tag im Feldberggebiet! Vieles ihrer Naturkenntnis hat Judith sich auch im Selbststudium angeeignet. So merke ich, dass sie sich sehr gut mit Pflanzen auskennt sowie mit Vogelstimmen. Sie erzählt, dass das Verhältnis der Landbevölkerung im Schwarzwald zum Wolf teilweise sehr negativ ist. Es gibt dort viele Ängste, was das Weidevieh, vor allem die Kälber angeht. Dabei kommen bisher Wolfsrisse sehr selten vor. Tatsächlich gibt es in ihrem Dorf keinen Vollerwerbsbauern mehr, aber viele machen ihre Weideviehhaltung und den Waldbau im Nebenberuf. Da Thomas und sie ziemlich fit sind, werden die beiden gerne dazu geholt, wenn die Rinder von einer Weide zur anderen getrieben werden müssen. An der Dorfbevölkerung weiß Judith vor allem die Ehrlichkeit zu schätzen. Außerdem gibt es ein ausgeprägtes Heimatgefühl, was für sie ebenfalls etwas Positives ist. Wir unternehmen einen kurzen Abstecher zur Burgruine Sausenburg, wo wir noch einmal einen fantastischen Ausblick zurück zum Belchen, und über die dunkel und hellgrün gefärbten üppigen Wälder erhalten. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald. Hier blüht auf den Wiesen flächendeckend, teilweise der Hahnenfuß aber auch andere Blumen wie der Bocksbart. Im Wald hatten wir die unscheinbaren, aber interessanten Blüten des Aronstab entdeckt. Hinter dem Ort beginnt ein sehr schöner Abschnitt, der sich Wolfsschlucht nennt. Er ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. An einer Stelle gibt es sogar eine kleine Höhle, das Bruderloch, in der ein Einsiedler gelebt haben soll. 

Schließlich gelangen wir wieder aus dem Wald und laufen längere Zeit durch die offene Feldflur mit blühenden Obstbäumen und Weingärten. Wir passieren Hammerstein und Wollbach und gelangen schließlich wieder in ein großes, von Laubbäumen geprägtes Waldgebiet. Hier sind recht viele Leute, meist mit Hunden unterwegs, so dass Mina häufig Kontakt aufnimmt. Schließlich erreichen wir die Burg Rötteln über Lörrach. Allerdings ist die Gastronomie geschlossen, daher steigen wir in den Ort ab, wo Judith von Thomas abgeholt wird. In Lörrach, bzw. Basel endet der Westweg und der NST folgt weniger bekannten Wegen. Ich kaufe im Supermarkt ein, so dass ich jetzt wieder Essen für die letzten elf Tage bis Stuttgart im Rucksack habe, der dadurch wieder deutlich schwerer ist. Nicht dass mein Essen schon alle gewesen wäre, aber ich will zu Trainingszwecken noch mal das Rucksackgewicht erhöhen. Ich laufe recht lange durch die Stadt, überquere die A 98 und wandere dann eine ganze Zeit teilweise auf Pfaden durch Laubwald mit mächtigen Eichen. Auf nur 300-400 m Höhe ist der Frühling weiter fortgeschritten, Weißdorn und Goldnessel blühen üppig. Hier sind viele Leute am Abend noch unterwegs: Reiter, Radfahrer, Läufer und Spaziergänger. Schließlich suche ich mir einen Platz im Laubwald zwischen Buchen und Eichen mit jungen Bäumen drunter für mein Freiluftlager.























Montag, 20. April 2026

WdH 73 Vom Feldberg zur Egerten Hütte

 



Mo, 20.4.2026


WdH 73: Vom Feldberg zur Egerten- Hütte


9:32 h, 33,1 km, 852 hm Aufstieg, 1260 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der heutige Abschnitt meiner Wanderung vom Feldberg zum Belchen und weiter ist wirklich atemberaubend. Oft geht es auf schmalen Pfaden durch schöne Wälder, wo zunehmend auch Buchen mit ihrem frischen Grün wachsen. Der Belchen selber hat einen sehr schönen Gipfel, der tolle Aussichten bietet. Nicht nur der Wald, auch die Wiesenlandschaften hier sind sehr schön. Schließlich erreiche ich die Egertenhütte, wo mich Judith abholt und ich den Abend mit ihr und ihrem Mann Thomas in Wies verbringe. Die Beiden stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main Gebiet, und sind, da sie unabhängig voneinander mit ihrem Leben unzufrieden waren, auf Umwegen hier gelandet. Zwar verdienen sie viel weniger, sind dafür aber deutlich zufriedener. Vor allem die Natur der Ungebung lieben sie. Allerdings ist das in gewisser Weise auch ein Spagat. Einerseits wissen Sie ein Haus mit großem Garten und Tieren als feste Basis sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie als „Halbnomaden“ auch immer wieder in die Welt. Aber dieser Konflikt ist lösbar! Bei tollem Essen unterhalten wir uns sehr gut, und fallen schließlich müde ins Bett.


In der Morgendämmerung ruft ein Uhu, allerdings weit entfernt. Als ich aufbreche, ist der Schnee auf dem Weg noch hart von der Kälte der Nacht. Meist laufe ich jetzt am Rand von offenen Gras-und Heidelbeerflächen. Dabei ergeben sich bereits schöne Ausblicke zum Belchen. Entfernt ragen die Vogesen auf der anderen Rheinseite auf. Der Morgen ist ruhig und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Trotz der frühen Stunde kommt mir schon jemand mit Fernglas entgegen. Ich höre Ringdrosseln rufen und sehe  eine auf einer Grasfläche. Ja, der Südschwarzwald hat schon etwas Alpines. Das bestätigt sich auch, als ich am Waldrand, in der Nähe des Gasthof Stübenwasen, zwei Gämsen sehe. Ich bin hier im Biosphärengebiet Schwarzwald, das über 2000 ha Kernflächen hat. Außerdem gibt es hier das Naturschutzgebiet Feldberg mit etwa 4000 ha Größe. Es existieren zwar unbewirtschaftete Kernzonen und Bannwälder, aber an den meisten Orten wird Forstwirtschaft betrieben. Vom Gasthaus Stübenwasen folge ich einem Forstweg weiter durch den Wald.

Auf großer Fläche wurde hier gerade in dem alten Fichtenwald sehr stark ausgezeichnet, oft 5-10 Bäume nebeneinander. Es scheint, als wolle man hier regelrecht Löcher in den Wald hacken. Auch viele Buchen sind zum Fällen markiert. Ich frage mich, ob man dies als Biotopverbesserung für die Auerhühner ansieht? Falls ja, ist das aus meiner Sicht totaler Quatsch, wenn man sich anschaut, wo es wirklich noch viel Auerwild gibt, wie in den Karpaten, sind dort dichte Wälder, in denen sich Lücken von selber ergeben,  aber man so etwas Künstliches wie hier nicht schaffen muss. Aber vielleicht liege ich ja auch falsch und man will nur viel Holz auf einmal ernten. Jedenfalls tut es mir sehr leid, dass der Charakter dieses alten Waldes demnächst sehr stark verändert sein wird.

Ich passiere das nordische Skigebiet Nothschrei mit Loipen und Hotels an der Straße. Hier gibt es auch einen Olympiastützpunkt. Ich bin froh, dass ich das Ganze schnell hinter mir lasse und ein hübsches Bachtal hochlaufe. Dann geht es weiter durch alte, einsame Fichtenwälder. Im Gegensatz zum Mittleren Schwarzwald, hat man hier wieder eher das Gefühl, in einem großen, weitläufigen Waldgebiet zu sein. Schließlich gelange ich aus dem Wald in eine hügelige Wiesenlandschaft, wo ich wiederum herrliche Ausblicke zum Belchen erhalte, der jetzt schon viel näher gekommen ist, sowie in die weitere Umgebung. Eine tolle Landschaft!

Schließlich erreiche ich das Wiedener Eck an der Straße, die ins Münstertal hinführt. Es gibt hier ein Hotel, und die Aussichten sind wirklich fantastisch, zumal das Wetter heute klar und sonnig ist.

Weiter folge ich meist einem Steig. Neben den Fichten gibt es hier auch immer wieder Buchen. An manchen Stellen gedeiht hier Bärlauch, von dem ich eifrig nasche. Außerdem blühen die Schlüsselblumen noch prächtig. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Buchen hier gerade erst ihre Knospen öffnen, aber ein paar Meter weiter unten, der Buchenwald schon in helles Grün getaucht ist. Mir begegnet ein junger Franzose, der auf Tramptour durch Europa ist, und hier eine Wanderung macht. Teilweise führt der Pfad an ziemlich steilen Hängen entlang. Auch das letzte Stück ist noch mal richtig steil. Der Gipfel des Belchen  ist waldfrei und bietet herrliche Ausblicke auf 1414 Meter Höhe. Ich finde auch, dass der Belchen der schönste Berg des Schwarzwalds ist, auch wenn der Feldberg ein paar Meter höher ist. Ich habe den Gipfel ganz für mich alleine. Leider ist es jetzt um die Mittagszeit etwas dunstig. Über mir kreist ein Rotmilan, und beim Aufstieg denke ich, einen Wanderfalken gehört zu haben. Schließlich beginne ich den Abstieg. Teilweise treten hier Felsen offen zu Tage,  eine Landschaft, die ein bisschen an die Alpen erinnert. Die Berge in der weiteren Umgebung sind nicht mehr nur in das Dunkel des reinen Fichtenwalds getaucht, sondern das helle Grün der Buchen mischt sich vielerorts darunter.

Der Abstieg führt über einen steilen Pfad, der sich entlang des Berges windet, vorbei an steil aufragenden Klippen und dicken, umgestürzten Fichten.Es gibt sogar Seilsicherungen, die verhindern sollen, dass man vom Weg runter purzelt. Schließlich gelange ich aber auf einen Fahrweg. 

Mit dauernden tollen Aussichten geht es bergab zum Haldenhof, enem Gasthaus. Von hier laufe ich parallel zu einer Straße wieder nach oben zur Kreuzweghütte. Auf dem Parkplatz hier steht das Baubüro einer Windenergie Firma. Es wäre schade, wenn diese wirklich schöne Gegend ebenso wie andere, die ich unterwegs gesehen habe, durch den Bau von Windrädern verschandelt würde. Hinter dem Parkplatz geht es meist auf Pfaden durch sehr beeindruckenden Wald. Hauptsächlich wachsen hier Tannen und Fichten aber auch Buchen und einige mächtige Douglasien sind vertreten. Überall wächst Baumnachwuchs. Insgesamt ist der Wald hier lichter als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. Schließlich erreiche ich die Egerten-Hütte, wo ich eine Viertelstunde warte, bis mich Judith abholt. Sie war auf mich durch den Podcast „Frei raus“ von Christo Förster aufmerksam geworden. Bevor wir abfahren, entdecken wir einen toten Dachs am Parkplatz. Wahrscheinlich war er angefahren worden und dann dort gestorben. Sehr schade! Während wir nach Wies fahren wo Judith und ihr Mann

Thomas, beide 45, leben, unterhalten wir uns bereits sehr gut. Bei dem schönen Hof angekommen, erscheint auch Thomas, der gerade mit Hündin Mina von einem Spaziergang zurückkommt. Wir trinken Kaffee mit Blick in den Garten, wo Hühner leben, und Eidechsen sich in einer Trockenmauer eingenistet haben. Nachdem ich später geduscht habe, essen wir zusammen und unterhalten uns dabei intensiv. Beide stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet, waren mit ihrer Situation aber sehr unzufrieden. Über Umwege, wo sie teilweise in Wohnwagen und sogar in einer Jurte gewohnt haben, sind sie nach Wies gekommen. Zuvor hatte Thomas als Speditionskaufmann in der Nähe in Basel gearbeitet. Da er mit seinem Beruf sehr unzufrieden war, hat er sich umorientiert und arbeitet jetzt als Lehrer für geistig Behinderte. Dabei verdient er zwar nur noch ein Viertel seines ursprünglichen Gehalts, ist aber viel zufriedener. Beide erzählen, dass die Leute hier zunächst eher zurückhaltend sind, aber da sie sich im Dorfleben engagiert haben, ist die Stimmung etwas aufgetaut. So hilft Judith im Dorfladen und betreut den Garten des Museums, einem uralten Schwarzwälder Bauernhof. Beide sind leidenschaftlich gerne draußen, Wandern und Laufen. Beim Laufen stoßen sie immer wieder auf durch Forstarbeiten total zerfahrene Wege, auch Wanderwege. Sie haben versucht, dieses unter anderem beim Biosphärengebiet zur Sprache zu bringen, sind aber bisher auf taube Ohren gestoßen. Eigentlich soll in so einem Biosphärengebiet ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus entwickelt werden. Hier gibt es offensichtlich noch Nachholbedarf!

Neben den Beiden gibt es auch etliche andere Zuzügler in dem 250 Seelen- Dorf. Oft Familien aus der Stadt, die möchten, dass ihre Kinder in einer anderen Umgebung aufwachsen. Judith erzählt, dass sie sich ein bisschen als Halbnomadin sieht. Einerseits weiß sie ein Zuhause als feste Basis, wo sie auch Tiere halten kann, sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie, ebenso wie Thomas aber auch immer wieder hinaus in die Welt. Natürlich ist das mit einem großen Haus, Garten und Tieren nicht ganz einfach zu verwirklichen, aber es gibt dafür durchaus Lösungen. 

Wir reden darüber, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, vor allem da viele Arbeitsplätze durch die Entwicklung bei KI und Robotik wegfallen werden. Die beiden sehen das sehr positiv und als etwas, was den Menschen Freiräume eröffnet, jenseits der Notwendigkeit des täglichen Broerwerbs. Es ist sehr schön mit dem sympathischen Paar zusammenzusitzen, aber schließlich sind wir alle müde und gehen schlafen.



























Sonntag, 19. April 2026

WdH 72 Von der Kalten Herberge zum Feldberg

 




So, 19.4.2026


WdH 72: Von der Kalten Herberge zum Feldberg


12:11 h, 39,9 km, 1301 hm Aufstieg, 995 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nachdem ich losgegangen bin, sehe ich entfernt den oben noch schneebedeckten Feldberg, mein heutiges Ziel. Ich passiere Neustadt und verlasse am Hochfirst den Mittelweg, dem ich etwa drei Tage lang gefolgt bin. Dieser hat mir tatsächlich auch nur so mittel gefallen. Zu viele Forstwege, teilweise Asphalt und streckenweise in Straßennähe. Allerdings fand ich den kilometerlangen Pfad durch die Plenterwälder hinter Freudenstadt grandios. 

Ab Titisee folge ich dann wieder dem Westweg. Ich streife Hinterzarten und steige zum Feldberg auf, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Erstaunlicherweise ist an diesem Sonntag fast niemand hier oben, außer mir nur eine E-Bikerin und Sabrina und Reto, die auf dem Westweg nach Basel laufen wollen.  

Auch als ich absteige, liegt zum Teil noch Schnee auf den Wegen und bei meinem Lagerplatz auf über 1300 m Höhe im Wald. 


Am Morgen geht es zunächst auf einem Asphaltsträßchen weiter nach oben. Es dauert nicht lange, dann sehe ich einen breiten, oben noch schneebedeckten Berg vor mir. Der Feldberg! Im Wald hier wachsen viele mächtige Fichten, teilweise auch Tannen. Ich passiere das einsame Gasthaus Hochberg und laufe teilweise am Waldrand mit Blick über die Wiesen.

Während ich so weiter durch den ruhigen Morgen im Wald laufe, singen die Misteldrosseln, und über mir erstreckt sich ein weitgehend bewölkter, aber freundlicher Himmel.

Ich überquere eine Straße und laufe durch einen weiteren alten Fichtenwald. Als ich aus dem Wald komme, gibt es eine schönen Ausblick zum Feldbergmassiv, was jetzt schon deutlich näher gekommen ist. Wolken und Sonne heute Morgen geben schöne Farbspiele. Bei einer Quelle in einer Wiese kann ich meine Wasserflasche wieder auffüllen und sehe einen Rotmilan über dem Wald kreisen. 

Ich überquere eine weitere Straße und laufe dann lange durch großenteils alten Fichtenwald. Bei der Max-Engelmann Hütte ergibt sich noch einmal eine schöne Aussicht Richtung Feldberg. Von hier steige ich durch die Wiesen nach Neustadt ab.

Neustadt macht auf mich einen netten Eindruck. Die Kirche ist für einen so kleinen Ort ziemlich riesig. Ich kehre in einem Café ein, wo mich ein offensichtlich italienischer Gast auf meinen Rucksack anspricht und fragt, ob ich auch ein Zelt dabei habe. Er selber wandert auch gerne und ist schon von München nach Venedig über die Alpen gelaufen. Frisch gestärkt geht es weiter. Doch zunächst suche ich die öffentliche Toilette am Weg auf. Die ist kostenlos und erstaunlich saube. Schade, dass das in Deutschland eher selten der Fall ist, entweder gibt es gar keine Klos oder man muss dafür bezahlen. Auf schmalen Pfaden geht es durch den Fichtenwald empor Richtung Hochfirst. Ein Stück folge ich einen Bächlein, was über eine üppig grüne Stufe abfällt.

Schließlich verlasse ich beim Saiger Kreuz den Mittelweg und laufe direkt nach Titisee, knapp 5 km weit.

Heute am fünften Tag nach Karlsruhe, drückt der Rucksack nirgendwo mehr, was in den vergangenen Tagen ganz anders war. Natürlich ist er inzwischen auch ein bisschen leichter, aber wahrscheinlich habe ich mich auch wieder an diesen so ganz anderen Rucksack gewöhnt. Eine große Tanne am Weg mit über 1 m Durchmesser ist zum Fällen ausgezeichnet. Muss das wirklich sein? Es gibt hier ohnehin nur relativ wenig Tannen und so alte, majestätische erst recht nicht. Kann man so einen Baum nicht einfach mal stehen lassen?

Als gegen elf der Titisee tief unter mir erscheint, hat sich der Himmel ziemlich verdunkelt und es sieht nach Regen aus.

Es fallen dann aber lediglich ein paar Tropfen. Schließlich erreiche ich den Titisee mit dem gleichnamigen Ort. Dieser ist ein wahrer Touristenmagnet, neben vielen deutschen sind offensichtlich auch etliche ausländische Gäste hier unterwegs. Es gibt ein üppiges Angebot an Hotels, Gastronomie und einschlägigen Souvenirläden. Mir ist hier viel zu viel los, daher suche ich rasch das Weite. In Titisee gelange ich auch wieder auf den NST, der hier dem Westweg folgt. Ich nehme aber zunächst eine Variante durch den Wald, da ich keine Lust habe, am Seeufer mit Campingplatz weiter zu laufen. 

Schließlich gelange ich wieder auf den mit einer roten Raute gekennzeichneten Westweg und folge ihm weiter, auf schmalen, Wegen durch den Fichtenwald zur Skischanze an der Kessler Höhe oberhalb von Hinterzarten.

Ich steige dann bis an den Rand von Hinterzarten ab, wo sich ein Blick auf den Ort mit seinen großen Hotels eröffnet. Bald geht es wieder bergan, meist auf Pfaden. Ich passiere einen kleinen Teich, wo Biber an den Bäumen ihre Spuren hinterlassen haben. Hier blühen viele Sumpfdotterblumen und weiße Pestwurz. Rechts ragen steile, moosbedeckte Granitfelsen auf.

Ich erinnere mich daran, wie ich 2021 auf meiner großen Deutschlandtour, mit Mädels der Greenpeace-Gruppe Freiburg hier hoch gestiegen bin. Damals hat es geregnet und es war ziemlich kalt. Dennoch war unsere Stimmung gut. Tatsächlich bin ich ja schon häufiger auf den Feldberg gewandert, allerdings ist dies das erste Mal, das ich alleine bin. Das ist etwas ganz Anderes, da man alleine seine Umgebung viel intensiver wahrnimmt. Wenn man mit anderen zusammen ist, unterhält man sich in der Regel und ist dadurch ziemlich abgelenkt. Obwohl das natürlich auch durchaus schön sein kann.

Als das Terrain etwas abflacht, führt ein Forstweg durch die Wiesen am Häusle Bauernhof vorbei, wo es eine Getränkestation gibt. Hier habe ich noch einmal einen Blick zum Feldberg, der bereits deutlich näher gekommen ist. Weiter geht es auf einem Forstweg durch den Fichtenwald zur Schutzhütte Rufenholzplatz. Insgesamt sind trotz recht schönem Wetter hier erstaunlich wenig Leute unterwegs. Aber als ich meine Schokolade esse, kommt ein Wandererpaar vorbei, und wir kommen ins Gespräch. Die beiden sind in Titisee gestartet und wollen in fünf Tagen den Westweg bis nach Basel laufen. Sie übernachten in der Regel an Schutzhütten.

Hinter der Hütte geht es im Wald weiter hoch. Als ich an einen Abzweig komme, biege ich vom Westweg ab. Nach einem kurzen Stück gelange ich dann auf den Steig, der den Sägenbach hoch führt. Ab 1200 m Höhe gibt es erste Schneeflecken. Stellenweise sind hier die alten Fichten abgestorben. Allerdings sind diese Flächen eher klein, im Vergleich zu anderen Gebieten.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und laufe über die Wiesen zur Baldenweger Hütte. Es ist klar heute, so dass ich tolle Aussichten genießen kann. Es gibt zwar noch etwas Schnee, aber der ist kein Problem. Weiter geht es aufwärts zu den Grasflächen auf dem weiten Gipfelplateau des Feldbergs. Der Gipfel ist unscheinbar mit verschiedenen Anlagen versehen. 

Schließlich erreiche ich den Gipfel, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Es regnet hier an zwei von drei Tagen, insgesamt 1900 mm im Jahr,  fast so viel wie im Regenwald! Dennoch gibt es hier oben viele Sonnenstunden, allerdings liegt die Jahresmitteltemperatur nur bei 3°. Das ist eben so kalt wie in Nordnorwegen. Obwohl heute Sonntag ist und das Wetter keineswegs schlecht, ist außer mir nur noch eine E-Bikeerin hier oben, und das Paar, was ich an der Hütte getroffen hatte. So einsam hab ich den Feldberg noch nie erlebt!

Südlich vom Feldberg beginnt Neuland für mich, wo ich noch nie war. Ich bin gespannt!

Schließlich steige ich ab durch die Wiesen zur St. Wilhelmer Hütte, wo ich Sabrina und Reto wieder treffe, ein wanderbegeistertes Paar aus Köln um die 40. Neben dieser Tour wollen sie im Sommer drei Monate in Österreich und Slowenien wandern. Auch als ich weiter wandere, ist der Weg zum Teil noch schneebedeckt. Schließlich schlage ich abseits in einem mittelalten Fichtenwald mit Schneeflecken mein Lager auf. Es ist ziemlich kühl und windig hier auf etwa 1300 m, aber im Wald ist es o.k.