Montag, 13. April 2026

WdH 67 Vom Bienwald nach Karlsruhe

 



Mo, 13.4.2026


WdH 67: Vom Bienwald nach Karlsruhe 


7:01 h, 31 km, 43 hm Aufstieg, 45 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Im Regen laufe ich am nächsten Morgen weiter durch den Bienwald. Ab Wörth folgt dann ein unangenehmes Stück mit lauten Straßen und Industriegebieten. Ich passiere das Kraftwerk am Karlsruher Hafen und frage mich, wie unsere zukünftige Energieversorgung aussehen soll:  Es gibt ja durchaus Zweifel, ob es möglich ist, unseren gesamten Energiebedarf auf Erneuerbare umzustellen. Tatsächlich kann das wahrscheinlich niemand ganz genau sagen, aber die Tendenz, wie sich die Erneuerbaren entwickelt haben, sollte doch jedem Hoffnung machen. Vor 20 Jahren hätte jeder gesagt: Mehr als 2-3 % sind da auf keinen Fall drin und jetzt sind wir schon bei 60 % des Strombedarfs. Natürlich. wenn der gesamte Energiebedarf also auch Wärme, Kraftstoffe und so weiter auf Erneuerbare umgestellt wird, ist das noch ein ganz anderes Volumen, aber gerade deswegen, müssen wir das entschlossen angehen und daran glauben, dass das möglich ist. Denn die Alternative weiter auf fossile Energien zu setzen, zum Beispiel neue Gaskraftwerke, wird den Klimawandel weiter beschleunigen und der ist meiner Meinung nach unser allergrößtes Problem als Menschheit. D.h. auch wenn wir die Folgen noch nicht so unmittelbar spüren, dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, sondern müssen jetzt handeln und das, was bisher in Deutschland getan worden ist, reicht bei weitem noch nicht. Nichtsdestotrotz gilt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern mutig nach vorne zu schauen und vor allen Dingen als Politik tatsächlich die richtigen Weichen zu stellen und nicht so wie das offenbar zur Zeit der Fall ist, rückwärts zu laufen. 

Ich passiere die Auwaldinsel Rappenwört und folge dann dem Fluss Alb nach Karlsruhe hinein. Schließlich erreiche ich den Hauptbahnhof und setze mich in einen Zug, um meine Freundin Anke in Stuttgart zu besuchen. 


Noch im Dunkeln, breche ich im Licht der Stirnlampe auf. Bald fängt es an zu regnen und hört so schnell auch nicht wieder auf. Der Wald ist immer noch grandios mit mächtigen Eichen. Irgendwann gelange ich aus dem Naturwald heraus, aber auch der bewirtschaftete Teil ist ziemlich schön. Ich höre den ersten Kuckuck rufen und teilweise blüht der Bärlauch schon ziemlich üppig. Als ich Wörth erreiche, beginnt ein sehr unangenehmer Abschnitt. Kilometer lang geht es auf Asphalt entlang von Industriegebieten und lauten Straßen. Immerhin hat es aufgehört zu regnen und ich höre die erste Nachtigall aus einem Gebüsch singen. Schließlich überquere ich den Rhein auf einer Fußgängerbrücke, die parallel zur Eisenbahn und der Bundesstraße 10 führt. Auf der anderen Seite bin ich in Baden-Württemberg angekommen. Der NST führt hier ein Stück unmittelbar am Rhein entlang.

Dann gelange ich an den Karlsruher Hafen, wo es auch ein großes Kraftwerk von EnBW gibt. Hier stellt sich mir die Frage, wie es mit unserer Energieversorgung weitergehen soll. Es gibt ja durchaus Zweifel, ob es möglich ist, unseren gesamten Energiebedarf auf Erneuerbare umzustellen. Tatsächlich kann das wahrscheinlich niemand ganz genau sagen, aber die Tendenz, wie sich die Erneuerbaren entwickelt haben, sollte doch jedem Hoffnung machen. Vor 20 Jahren hätte jeder gesagt: Mehr als 2-3 % sind da auf keinen Fall drin und jetzt sind wir schon bei 60 % des Strombedarfs. Natürlich. wenn der gesamte Energiebedarf also auch Wärme, Kraftstoffe und so weiter auf Erneuerbare umgestellt wird, ist das noch ein ganz anderes Volumen, aber gerade deswegen, müssen wir das entschlossen angehen und daran glauben, dass das möglich ist. Denn die Alternative weiter auf fossile Energien zu setzen, zum Beispiel neue Gaskraftwerke, wird den Klimawandel weiter beschleunigen und der ist meiner Meinung nach unser allergrößtes Problem als Menschheit. D.h. auch wenn wir die Folgen noch nicht so unmittelbar spüren, dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, sondern müssen jetzt handeln und das, was bisher in Deutschland getan worden ist, reicht bei weitem noch nicht. Nichtsdestotrotz gilt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern mutig nach vorne zu schauen und vor allen Dingen als Politik tatsächlich die richtigen Weichen zu stellen und nicht so wie das offenbar zur Zeit der Fall ist, rückwärts zu laufen. 

Als Kontrastprogramm laufe ich dann auf einem Damm durch Auwald mit mächtigen Eichen, supergrün und Gewässern, aus denen Wasserfrösche quaken.

Am Freibad vorbei geht es durch den Auwald der Rappenwört, der auf einer Insel zwischen Rhein und Altrhein liegt.

Schließlich laufe ich ein Stück durch die Straßen, bis ich die Alb erreiche, einen kleinen Fluss, der aus dem Schwarzwald kommt und mitten durch die Stadt fließt. Auf einem Radweg folge ich dessen Lauf längere Zeit. Schließlich erreiche ich den Hauptbahnhof und setze mich in einen Zug, um meine Freundin Anke in Stuttgart zu besuchen. 













WdH 66 Von der Madenburg in den Bienwald

 




So, 12.4.2026


WdH 66: Von der Madenburg in den Bienwald


12:05 h, 43,9 km, 890 hm Aufstieg, 1050 hm Abstieg 


Zusammenfassung: In der Nacht und am Morgen regnet es ziemlich viel. Glücklicherweise hört es genau dann auf, als ich mein Lager abbaue. Ich steige nach Klingenmünster ab und beobachte einen Fuchs, der mir auf einem Waldweg entgegenkommt, mich aber rasch bemerkt und auf dem Absatz kehrt macht. Teilweise suche ich mir heute meinen eigenen Weg, da ich im Wald bleiben will, soweit es geht. Einmal habe ich das Glück eine große Gruppe Wildschweine eine ganze Zeit lang beobachten zu können. Auch kleine Frischlinge sind dabei, wie süß! 

Ich passiere Bad Bergzabern und steige zur Burgruine Guttenberg auf, wo ich noch einmal einen schönen Überblick über die Wälder und Berge des Pfälzerwalds erhalte. In Schweigen-Rechtenbach verlasse ich den Weinsteig, der mir sehr gut gefallen hat. . Jetzt laufe ich für einige Kilometer durch flache Agrarlandschaft, bevor ich den Bienwald erreiche, ein großes Flachlandealdgebiet, durch das ich jetzt viele Kilometer weit laufe. Schon 2007 wurden 1650 ha Wald hier aus der Nutzung genommen. Ein Pfad führt durch den schönsten Teil und Informationstafeln geben interessante Details hierzu Preis. Rechtzeitig bevor es anfängt zu regnen, schlage ich mein Lager in einem relativ jungen Eichenwald auf.


Auch in der Nacht und am Morgen regnet es ziemlich viel. Glücklicherweise hat es aufgehört, als ich das Zelt abbaue und los laufe. Der Wald wirkt noch grüner und dunkler als gestern. Es geht bergab zu einer Bundesstraße wo aber noch kein Verkehr herrscht. Dann laufe ich weiter auf Wirtschaftswegen talabwärts.

Schließlich geht es am Gelände des Klinikums Klingenmünster entlang. Es gibt dort einen Achtsamkeitspfad, und man hat etliche Baumstämme übereinander geschichtet, die sich zum Balancieren anbieten. Während ich auf einem schmalen Weg bergauf wandere, kommt mir ein Fuchs entgegen. Wir schauen uns eine Zeit lang an, dann macht er auf dem Absatz kehrt. 

Schon zu dieser frühen Stunde kommt mir eine andere Wanderin entgegen. Sie meint, es wäre schön um diese Zeit, da noch nicht so viele Menschen unterwegs sind.

Ich passiere die große Burg Landeck, dann geht es durch üppigen Wald wieder bergab. Auch die Linden und Feldahorne haben ihre zarten Blätter entfaltet. Das Perlgras blüht und die hellgrüne Farbe des Waldes ist jetzt unheimlich schön.

Ich steige ins Klingnbachtal ab, nehme von hier aber eine Variante, die im Wald bleibt und nicht nach Gleiszellen führt. Teilweise auf schmalen Pfaden geht es mal wieder ziemlich steil nach oben. 

Bald bin ich wieder auf dem Weinsteig. Es gibt hier einige Weißtannen. Vor allen Dingen haben sich die dunkelgrünen, jungen Tannen ziemlich ausgebreitet. Direkt daneben kann man aber auch Esskastanien sehen. Total gegensätzliche Bäume, so ein nebeneinander gibt es wahrscheinlich nur im Pfälzer Wald!

Ein Stück weiter mache ich eine ganz tolle Beobachtung: Zunächst springt ein Reh vor mir über den Weg. Ich höre es rascheln und sehe direkt unter mir, teilweise zwischen den jungen Bäumen verborgen, teilweise auch gut sichtbar, eine Gruppe von mindestens 20 Wildschweinen. Zu meiner großen Freude sind auch viele kleine, gestreifte, wuselige Frischlinge dabei. Die Wildschweine bemerken mich nicht, so dass ich sie eine ganze Zeit beobachten und auch fotografieren und filmen kann. Ein eindrucksvolles Erlebnis!

Durch schönen Wald steige ich ins Tal des Hirtenbachs ab, dem ich eine Zeit lang abwärts folge.

Das Tal ist teilweise offen und mit Seggen und Binsen bewachsen, teilweise gedeiht aber auch ein sumpfiger Erlenwald.

Über ein Nebental wandere ich schließlich nach oben raus, passiere den Bismarckturm und gelange dann am Kurpark von Bad Bergzabern kurz wieder auf den Weinsteig, bevor ich auf meiner eigenen Variante weiter aufwärts im Wald laufe.

Am Rand von Dörrenbach stoße ich dann wieder auf den Weinsteig. Auf einem Pfad geht es steil bergauf zur Kolmerkapelle.

Danach folge ich einem Märchenweg, wo unter anderem Hänsel und Gretel nachgestellt wird. Eine siebenköpfige Wandergruppe unterschiedlichen Alters kommt mir fröhlich singend entgegen. Auch am Stäffelsbergturm sind einige Leute unterwegs.

Der weitere Weg zur Burgruine Guttenberg, folgt teilweise dem Westwall, der Verteidigungslinie, die Deutschland gegen Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet hatte. Informationstafeln erzählen etwas über die Geschichte dieses Bauwerks.

An der Ruine erhalte ich noch einmal einen tollen Ausblick über die Berge des Pfälzer Walds. Anschließend geht es lange im Wald bergab. Hier gibt es auch recht viele ältere Weißtannen und Douglasien. Schließlich erreiche ich den Ort Schweigen-Rechtenbach, der für das deutsche Weintor berühmt ist und unmittelbar an der französischen Grenze liegt.

Hier verlasse ich den Weinsteig, der sowieso bald endet, und laufe entlang von Weinbergen, Obstplantagen und Rapsfeldern auf asphaltierten Wegen, durch die ziemlich flache Landschaft.

Was ist mein Fazit zum Pfälzer Weinsteig? Der Weg hat mir ausgesprochen gut gefallen! Obwohl ich den Pfälzerwald ja gut kannte, war der Weinsteig tatsächlich eine positive Überraschung für mich. Meist verläuft er durch wirklich schöne Mischwälder oft auf schmalen Pfaden. Dadurch, dass etliche Berge hier ziemlich markant sind , und die Hänge steil kommen durchaus eine ganze Menge Höhenmeter zusammen. Ich hatte befürchtet, dass mir hier zu viel los ist und der Weg auch zu oft in die ziemlich dicht besiedelte Ebene runtergeht. Das fand ich aber überhaupt nicht schlimm und tatsächlich wenn man möchte, gibt es immer Alternativen im Wald, die oft ebenso schön sind, wie der Weinsteig. Die Wandermöglichkeiten hier sind fast unbegrenzt, ein Paradies! Hinzukommt noch die besondere Pfälzer Gastlichkeit. Nirgendwo sonst habe ich so viele Einkehrmöglichkeiten gesehen, oft mitten im Wald an Burgen, auf Gipfeln oder an Aussichtstürmen. Ich brauche das zwar nicht unbedingt, aber es setzt einen ganz besonderen Akzent. Also, zusammenfassend gesagt, ich kann den Weinsteig sehr empfehlen!

Ich passiere Schweighofen und laufe durch die Wiesen, über denen Rauchschwalben nach Mücken jagen, auf den Waldblock des Bienwalds zu.

Am Bahnhof Schweighofen verrät eine Tafel etwas über dieses große Flachlandgebiet. Es gibt hier eine Naturwaldfläche von immerhin 1680 ha, die sich seit 2007 zur Wildnis entwickeln darf.

2021 hatte ich hier ganz in der Nähe übernachtet, da ich mich am nächsten Morgen mit Mitgliedern der Greenpeace-Gruppe Landau getroffen hatte, die mit mir ein Stück durch den Bienwald gewandert sind.

Der Wald hier wird zunächst von Kiefern dominiert, aber unter ihnen ist es unheimlich grün. Viele Sträucher wachsen hier aber auch junge Buchen. Es gibt aber auch ältere Eichen und sogar relativ viele Fichten, die man hier im Flachland vielleicht nicht vermuten würde. Zunächst folge ich einem größeren Fahrweg, wo auch einige E-Bikes unterwegs sind. Dann biege ich auf einen Grasweg ab, die Kapuzinerallee, der ich für mehrere Kilometer folge. Der NST führt zwar auch durch den Bienwald, aber ich laufe zunächst auf meiner eigenen Route.

Unauffällige Schilder markieren das Naturwaldgebiet.

Hier gibt es bizarre Buchen, viele davon vom Zunderschwamm befallen, aber auch sehr viele Birken. Es gibt aber auch alte und gepflanzte Eichen, sowie alte Kiefern, insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Wald.

Das ist natürlich kein Urwald, aber der Wald fühlt sich schon recht wild an. Leider ist mein Weg eher breit und befestigt.

Schließlich gelange ich ans weiße Kreuz, was an einen Förster erinnert, den Wilderer im 19. Jahrhundert aufhängen wollten und der auf sein Bitten hin verschont wurde. Hier informieren Tafeln über das Naturschutzgroßprojekt Bienwald, von dem die Ausweisung der Naturwaldfläche ein Teil ist. Hier beginnt dann auch ein Naturwaldpfad, der die Besucher über die Lebewesen und die Bedeutung von Naturwald informieren soll. 

Ab hier folge ich auch wieder der Route des NST. 

Der Wald, durch den ich jetzt laufe, ist ein Traum. Hauptsächlich wachsen hier Eichen und Hainbuchen, zum Teil in mächtigen Exemplaren. In den feuchter Senken wachsen aber auch Erlen und Ulmen. Die Tafeln zum Naturwald sind sehr interessant. Hier wird zwar keine Forstwirtschaft mehr betrieben, aber etliche Hochsitz zeigen, dass noch gejagt wird. Das Milzkraut blüht und an manchen Stellen auch Waldschüsselblumen. Stellenweise gibt es ziemlich viel Totholz, manche Bereiche sind schon viel länger aus der Nutzung genommen als der größte Teil des Naturwaldgebiets. 

Hier blühen bereits Bärlauch und Knoblauchsrauke.

Viele der Flatterulmen erinnern mit ihren Brettwurzeln ein wenig an Regenwaldbäume.

Eine Zeit lang folge ich dem Wasserlauf des Saugrabens und schlage dann in einem recht jungen Eichenwald mein Lager auf. 
























Samstag, 11. April 2026

WdH 65 Von der Rietburg zur Madenburg

 



Sa, 11.4.2026


WdH 65: Von der Rietburg zur Madenburg


12:12 h, 44,7 km, 1712 hm Aufstieg, 1760 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute wendet sich der Weinsteig vom Rand des Pfälzer Waldes ab und verläuft weiter im Inneren nach Annweiler. Manchmal ergeben sich spektakuläre Ausblicke zu den markanten Bergen hier, der von drei Burgen besetzte Sonnenberg mit dem Trifels als Krönung. 

Ich denke noch über eine interessante Frage nach, die ich gestern mit Günter diskutiert habe: Warum wählen immer noch so viele Menschen die CDU, obwohl deren Politik eher rückwärtsgewandt ist, Wahlversprechen krass gebrochen werden, und obwohl jeder weiß, dass wir Reformen brauchen, keine wirklichen Änderungen von dieser Partei kommen. Dass viele Menschen mit ihrem Status Quo noch immer ganz zufrieden sind, und die CDU sich so darstellt, als könnte sie konservativ diesen Status erhalten ist wahrscheinlich Teil der Antwort. Offensichtlich nehmen ihr das immer noch viele Leute ab, obwohl die Tatsachen in eine ganz andere Richtung weisen. Wahrscheinlich scheut die Mehrheit der Menschen in Deutschland immer noch Veränderungen. Aber die Zahl dieser Leute sinkt, was nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD zeigen. Denn diese Partei ist ja tatsächlich mit einem ziemlich radikalen Anspruch angetreten. Auch wenn man von deren Politik gar nichts hält, muss man offensichtlich anerkennen, dass die Zahl der Leute wächst, die deutliche Veränderungen wollen. Auch meiner Meinung nach sind Veränderungen in vielen Bereichen notwendig, es wäre allerdings an den anderen Parteien zu zeigen, dass es abseits der AfD viel bessere Ideen gibt, die uns in eine gute Zukunft führen können.

An drei idyllischen Dörfern vorbei, die in Streuobstwiesen eingebettet sind, erreiche ich Annweiler und steige auf zu den Burgen. Hier gibt es mehr Laubbäume als in den letzten Tagen und bei Leinsweiler bin ich zurück am Rand der Ebene. 

Während ich zur Madenburg aufsteige, beginnt es zu regnen, aber ich bin noch nicht nass, als ich mein Lager aufschlage. 


Trotz der Steilheit des Geländes schlafe ich gut. Am Morgen bin ich rasch wieder auf dem Weinsteig, der hier auf Pfaden unmittelbar am Hardtrand entlang führt. Vom Modenbachtal steige ich dann auf einem Forstweg auf.

Ich denke noch über eine interessante Frage nach, die ich gestern mit Günter diskutiert habe: Warum wählen immer noch so viele Menschen die CDU, obwohl deren Politik eher rückwärtsgewandt ist, Wahlversprechen krass gebrochen werden, und obwohl jeder weiß, dass wir Reformen brauchen, keine wirklichen Änderungen von dieser Partei kommen. Dass viele Menschen mit ihrem Status Quo noch immer ganz zufrieden sind, und die CDU sich so darstellt, als könnte sie konservativ diesen Status erhalten ist wahrscheinlich Teil der Antwort. Offensichtlich nehmen ihr das immer noch viele Leute ab, obwohl die Tatsachen in eine ganz andere Richtung weisen. Wahrscheinlich scheut die Mehrheit der Menschen in Deutschland immer noch Veränderungen. Aber die Zahl dieser Leute sinkt, was nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD zeigen. Denn diese Partei ist ja tatsächlich mit einem ziemlich radikalen Anspruch angetreten. Auch wenn man von deren Politik gar nichts hält, muss man offensichtlich anerkennen, dass die Zahl der Leute wächst, die deutliche Veränderungen wollen. Auch meiner Meinung nach sind Veränderungen in vielen Bereichen notwendig, es wäre allerdings an den anderen Parteien zu zeigen, dass es abseits der AfD viel bessere Ideen gibt, die uns in eine gute Zukunft führen können.

Hinter der Anna Kapelle geht es dann auf einem schmalen Weg im Hang langsam ansteigend weiter.

Ein Grauschnäpper sitzt an einem Nistkasten, wo auch eine Kohlmeise zugegen ist. Wer ist wohl der rechtmäßige Wohnungsinhaber?

Von der Trifels Blickhütte erhalte ich einen fantastischen Ausblick zu der gleichnamigen Burg auf einem spitzen Berg, wo ich später noch hinkommen werde. Für mich ist der Weinsteig bisher eine absolut positive Überraschung! Ich war ja schon häufig im Pfälzer Wald, aber den Rand habe ich bisher nur kurz gestreift, aber er lohnt sich wirklich!

Von der Landauer Hütte führt ein schöner Pfad um den Orenberg herum. Von einem Felsen ergibt sich noch mal eine schöne Aussicht auf die markanten Berge der Pfalz und den Trifels. Obwohl heute Samstag ist, begegnen mir erst um 10:30 Uhr die ersten Wanderer.

Zurück an der Landauer Hütte, geht es zunächst steil runter im Wald, bis ich auf die Streuobstwiesen um Dernbach gelange. Was für ein weißer Traum! Auf den Wiesen blüht inzwischen neben den Primeln auch der Hahnenfuß. Der Ort Dernbach selber ist idyllisch im Tal gelegen.

Meist auf Forstwegen geht es dann weiter nach Eußerthal. Es ist erstaunlich, wie grün inzwischen der Buchenwald geworden ist.

Als ich entlang der Wiesen und Streuobstbäume vom Ort wieder aufsteige, denke ich, das was den Pfälzer Wald so besonders macht, ist neben den vielen schönen Pfaden, dem tollen Mischwald und der Pfälzer Gastlichkeit, auch die Tatsache, dass im Gegensatz zu vielen anderen Mittelgebirgen bei uns, zahlreiche Gipfel im Pfälzer Wald durchaus markant sind und der Landschaft ein bisschen alpines geben. Sehr schön!

Als es wieder aufwärts im Wald geht, fülle ich an einem Brunnen meine Flasche auf. Das ist eine weitere Besonderheit des Pfälzer Waldes, dass es hier an vielen Orten solche Brunnen und Quellen gibt, aus denen man kühles Wasser gewinnen kann. Außerdem fällt mir auf, dass es hier jetzt viel mehr Laubbäume gibt, als zuvor am Hardtrand.

Es geht runter nach Gräfenhausen, einem weiteren hübschen Pfalzdorf in einem Tal und dann wieder aufwärts im Wald. Ein Stück auf einem Pfad verläuft sogar ziemlich steil im Zickzack.

Schließlich bin ich oben, aber wie das halt hier so ist, geht es schon wieder runter. Ich freue mich darüber, dass hier viele Familien mit recht kleinen Kindern unterwegs sind. Offenbar ist in der Pfalz die alte Tradition des Familienspaziergangs noch nicht ganz verschwunden. Schließlich erreiche ich das nette Städtchen Annweiler, dass ich durchquere. Hier war ich bei meiner großen Wanderung 2021 zu Gast bei Claus Schlink, einem ehemaligen Soldaten, inzwischen weit über 80 und überzeugter Pazifist. Interessant waren auch seine Geschichten, wie er über Jahre hinweg jede Nacht eine Rotte Wildschweine im Wald besucht hat und diese so an ihn gewöhnt waren. Danach beginnt der Aufstieg im Laubwald zur Burg Trifels, wo eine ganze Menge Leute unterwegs sind.

Oben am Sonnenberg angekommen, gibt es einen großen Parkplatz und eine Gaststätte. Natürlich sitzen viele Leute draußen. Der Weinsteig führt im Hang an den drei Burgen,Trifels, Anebos und Scharfenberg vorbei. In den Felsen sehe ich Kletterer mit Seil gesichert. Am Trifels war ich schon als Kind mit meinen Eltern, als wir Urlaub im Pfälzer Wald gemacht hatten. Ich weiß noch, wie ich davon fasziniert war, dass Richard Löwenherz hier auf der Rückkehr von einem Kreuzzug festgehalten wurde. Damals war der Trifels tatsächlich ein wichtiger Ort der Weltgeschichte! Davon abgesehen, fand ich auch die Folterinstrumente, von Daumenschrauben bis zum Streckbett grausig, faszinierend.

Ich folge dann eine Zeit lang einem Forstweg relativ flach im Hang, bevor ich in die Nähe von Leinsweiler absteige. Hier wächst auf großer Fläche fast reiner Esskastanienwald.

Bei Leinsweiler habe ich wieder den Rand der Ebene erreicht. Ein Stück geht es entlang der Weinberge, bevor ich am Waldrand wandere und es dann hoch Richtung Madenburg geht.

Eine steile, von Wald und Gebüsch umgebene Wiese ist gelb von Wolfsmilch. So viel auf einmal habe ich noch nie gesehen.

Unterhalb der Madenburg gibt es einen Parkplatz von dem es steil hoch zu der privaten Burg geht, natürlich mit Gaststätte, wie es sich in der Pfalz gehört. Inzwischen ist es bedeckt und leichter Regen hat eingesetzt. 

Ich steige im Zick Zack ab und finde dann einen Lagerplatz auf einem ebenen Sattel.