Do, 23.4.2026
WdH 76: Von Au zum Schluchsee
12:12 h, 39,6 km, 1310 hm Aufstieg, 1140 hm Abstieg
Zusammenfassung: Heute laufe ich den ganzen Tag auf dem Schluchtensteig weiter. Ich passiere Todtmoos und laufe die Wehra weiter aufwärts bis zur Nähe der Quelle. Als ich den Wald verlasse, gelange ich in eine Traumlandschaft aus extensiv bewirtschafteten Weiden und Wald, wo ich Aussichten einerseits zu den schneebedeckten, hohen Schweizer Bergen, andererseits zurück zum Feldberg erhalte. Sehr schön , vor allem da keine einzige Wolke am Himmel steht.
Tafeln erklären, dass die Weiden durch extensive Rinderbrweidung offen gehalten werden.
Schließlich erreiche ich St. Blasien, das von einem riesigen Kloster geprägt wird. Der folgende Abschnitt zum Schluchsee ist nicht sehr interessant, da ich auf breiten Forstwegen laufe. Der See selber hat eine tiefblaue Farbe und gefällt mir durchaus. Vom Ufer steige ich dann ein Stück auf, kann meine Wasserflasche noch mal auffüllen und beziehe schließlich ein Freiluftlager in einem jungen Wald.
In der Nacht ist es zwar recht windig, aber ich schlafe trotzdem gut. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen, dass ich aus dem Wald komme und durch Schwarzenbach laufe. Als es wieder in den Wald geht, passiere ich die Gerweck Tanne. Ein Baum, vor dem man nur staunen kann, mit über 2 m Durchmesser! Leider wurde sie gerade beim Holzrücken beschädigt. Wie kann das sein, dass man auf so einen Baum nicht acht gibt?
Auf Forstwegen wandere ich weiter nach Todtmoos. Der Wald hier ist ziemlich eindrucksvoll mit vielen dicken Tannen, aber es ist auch überall Baumnachwuchs vorhanden und viel mehr Buchen als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds.
Todtmoos ist ein netter Touristenort, leider hat hier um diese Zeit noch keine Bäckerei geöffnet, in der ich mir einen Kaffee holen kann. Das Thermometer im Ort zeigt lediglich 3° an! Hinter dem Ort wandere ich auf einem Steig das Wehratal weiter hoch. Die Wehra ist hier nur noch ein kleines Bächlein . Dafür ist das Tal umso schöner, mit großen Tannen und moosbedeckten Felsblöcken.
Einige Male fliegt ein Graureiher vor mir aus dem Bachbett auf. Schließlich verlasse ich das Tal und steige steil bergauf zur Straße am Ibacher Kreuz. Weiter geht es auf einem Forstweg oberhalb der Wehraquelle bergauf durch wunderschönen Tannen-Buchenwald.
Als ich aus dem Wald gelange, laufe ich durch eine Traumlandschaft! Hügelige, karge Weiden auf denen zum Teil Felsbrocken liegen, gesprenkelt mit Wachholdern und einzelnen, markanten Buchen, feuchte Senken mit Binsen und der Wald ist natürlich allgegenwärtig. Unglaublich sind die Aussichten in der Gegend von Ibach. Die Schweizer Alpen mit ihren Viertausendern türmen sich in scheinbar greifbarer Nähe auf. Dabei sind sie noch 160 km entfernt. Außerdem erscheint noch einmal der Buckel des Feldbergs, zudem die waldbedeckten Höhenzüge die zu ihm reichen. Über den Weiden rüttelt ein Turmfalke, auf der Stelle stehend. Im Wald läuft entfernt, der Statur und Bewegung nach zu urteilen, wahrscheinlich ein Dachs vor mir auf dem Weg. Falls ich mich irgendwann einmal nieder lassen will, wäre das hier eine Gegend, die mich sehr anzieht!
Tafeln erklären etwas zum Schluchtensteig, der insgesamt 118 km lang ist, wovon ich den größten Teil begehe und zu den Wiesen rund um Ibach. Diese sind tatsächlich seit altersher im Gemeindebesitz und jeder Bauer hat das Recht, sein Vieh auf diese Weiden zu treiben. Für das Winterfutter muss er aber selber sorgen, mit Gras von seinen eigenen Mähwiesen. Hier wird kaum gedüngt, deswegen wachsen hier viele seltene Pflanzen, faszinierend!
Als ich kurz auf einer Straße laufe, hält ein älterer Radfahrer bei mir und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt, dass er sich ebenfalls in das Ibacher Hochtal, das vom Feldberggletscher geformt wurde, verliebt hat und durch Zufall hier auch eine Wohnung mieten konnte. Das sei allerdings ziemlich schwierig da in der Regel nicht vermietet wird.
Interessanterweise gibt es hier Kisten, die mit Eicheln beschickt wurden, damit Eichelhäher und andere Tiere, die Eicheln verstecken, häufig die Fundorte vergessen und dann eventuell eine junge Eiche hoch wachsen kann. Das ist vor allem interessant, weil hier zur Zeit in über 1000 m Höhe noch gar keine Eichen wachsen. Rechnet man damit, dass sich das zukünftig durch den Klimawandel ändern wird?
Mir begegnet eine offensichtlich ziemlich alte Frau, die mit größerem Rucksack unterwegs ist. Leider scheint sie kaum Deutsch zu sprechen, daher kommen wir nicht ins Gespräch. Interessante Tafeln verraten einiges über die Landschaft und die Weidewirtschaft hier. Letztenendes geht es dabei um die Erzeugung von Kalbfleisch. So sehr klar ist, dass grundsätzlich Fleischerzeugung starke negative Auswirkungen auf die Umwelt hat, trägt hier die Rinderhaltung entscheidend zum Erhalt dieser reizvollen Landschaft bei.
Überraschenderweise begegnen mir dann kurz hintereinander zwei Frauen aus Hanau, die den Schluchtensteig wandern und zwei einzelnen Wanderer. Ich passiere die Kreuzfeld Hütte, wo es noch einmal einen tollen Ausblick zu den Schweizer Bergen gibt.
Dann steige ich ab zum Klosterweiher, und erhalte bei Horbach noch einmal ein Ausblick zu den Schweizer Bergen. Weiter geht es zum Teil auf einem Pfad. Auch hier erläutern Tafeln etwas zur Geschichte der Landschaft. So gibt es einen Berg, der durch die Aufgabe der Beweidung wieder zu Wald geworden ist. Heute sieht nur noch der Kenner, dass dies einmal eine Weide war.
Weiter geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Wiesen. An einer Stelle ist ein Transporter abgestellt, und ein Papier in der Windschutzscheibe verrät, dass sie sich um Mitarbeiter des Biosphärengebiets handelt. Ich sehe, dass dort eine Reihe von Jugendlichen unter Aufsicht, Fichtenzweige von den Borstgrasrasen wegräumen. Offenbar ist dies Teil einer Pflegemaßnahme zur Offenhaltung der früheren Weiden.
Als ab den fünfziger Jahren auch in den armen Hotzenwald langsam die Modernisierung vordrang, gaben viele Bauern ihre Weiden auf, und forsteten sie mit Fichten auf. Wahrscheinlich wäre ein Großteil der Landschaft hier heute wieder Wald, wenn nicht durch Fördergelder die Landwirte dabei unterstützt würden, die Landschaft offen zu halten. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Rückkehr des Waldes wirklich etwas so Schlechtes wäre, aber das Landschaftsbild würde sich stark verändern, und auch für Touristen wäre die Landschaft wahrscheinlich weniger attraktiv, da Menschen den Wechsel von Wald und offenen Flächen, die Ausblicke erlauben, zu schätzen wissen.
Ich passiere den Lehenkopf mit hölzernem Aussichtsturm und beginne dann den langen Abstieg durch den Wald, auf einem Pfad. Ich höre großes Getöse, und als ich an einen Forstweg komme, sehe ich, wie feine Äste von einer Maschine zerhackt und auf einen LKW geschüttet werden. Hier werden wahrscheinlich Hackschnitzel für Heizanlagen hergestellt. Hierzu muss man wissen, dass im Wald die meisten Nährstoffe in den feinen Ästen stecken. Werden diese nun für so eine Aktion dem Wald genommen, führt das langfristig, vor allem auf ärmeren Böden wie hier, zu Nährstoffmangel. Diesen Effekt hatten wir großräumig bis nach dem zweiten Weltkrieg, wo oft auch das kleinste Ästchen als Brennmaterial aus dem Wald geholt wurde. Wollen wir wirklich, dass unsere Böden im Wald wieder so verarmen?
Schließlich gelange ich nach St. Blasien, was durch ein riesiges Benediktinerkloster geprägt wird, mit gigantischer kuppelförmiger Basilika. Natürlich kann ich bei dem sonnigen Wetter der Gelegenheit nicht widerstehen und gönne mir eine Eisschale. Frisch gestärkt laufe ich weiter durch den Ort und dann auf einem Steig die relativ kurze Windberg Schlucht aufwärts. Am Ende gibt es hier einen 6 m hohen Wasserfall.
Schließlich geht es auf einem Forstweg ziemlich steil aufwärts, durch geschlossenen alten Wald, der hauptsächlich von Fichten geprägt wird . Aber überall sind auch Buchen und Tannen dabei, ein schöner Mischwald!
Als das Terrain abflacht, führt der NST nach Althütte, ich dagegen bleibe auf einem Forstweg im Wald. Dieser besteht hier jetzt ganz überwiegend aus Fichten, Tannen und Buchen sind ziemlich selten.
Es geht dann noch ziemlich lange auf Forstwegen weiter. Der Wald ist zwar schön, aber das Laufen auf den breiten Wegen ist nicht sehr interessant. Hier büßt der Schluchtensteig an Qualität ein! Irgendwann sehe ich den tiefblauen Schluchsee unter mir. Der Weg verläuft später ziemlich dicht am See und zuletzt unterhalb des Dörfchens Aha direkt über dem Seeufer. Der Wasserspiegel scheint ziemlich niedrig zu sein, da überall das Ufer von einem steinigen Streifen gesäumt wird. Schließlich wende ich mich vom See ab und passiere ein großes Hotel, sowie einen Naturcampingplatz. Dann geht es wieder aufwärts. Ich kann meine Flasche an einem Brunnen noch mal füllen und schlage dann in einem jungen Buchen- Fichtenwald mein Freiluftlager auf.

































































