Montag, 16. März 2026

WdH 39 Von Bad Marienberg nach Hilgenroth

 



Mo, 16.3.2026


WdH 39: Von Bad Marienberg nach Hilgenroth


11:46 h, 42,5 km, 968 hm Aufstieg, 1100 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem ich mit Stephanie gefrühstückt habe, bringt sie mich zurück zum Basalt Park. Schon bald bin ich wieder unterwegs. Es ist grau und nieselt und tatsächlich dauert es dann nicht allzu lange, bis sich ein Gewitter entlädt. Glücklicherweise finde ich bald Schutz unter einer Fußgängerbrücke. Wegen Bauarbeiten an der Bahn wird der Westerwaldsteig hier umgeleitet. Schließlich gelange ich im Regen nach Hachenburg und kaufe ein, während es draußen heftig regnet. Schließlich zieht das Unwetter ab, und der blaue Himmel erscheint. Beim Kloster Marienstatt gelange ich an die Große Nister, die für mich der Höhepunkt des Westerwaldsteigs ist. Viele Kilometer folge ich dem naturnahen Lauf des schönen kleinen Flusses, meist durch Wald, aber auch entlang von Wiesen. Hinter dem Dörfchen Alhausen, gelange ich auf den Weltende Pfad, der spektakulär in der Steilwand über dem Fluss verläuft.  Noch einmal gewittert es, als ich den Fluss verlasse und ich bekomme Hagel und Regen ab. Bald ist das Unwetter abgezogen, und ich erreiche das kleine Klosterdorf Marienthal, was mir durch seine abgeschiedenen Lage sehr gut gefällt. Als es schon fast dunkel ist, beziehe ich mein Nachtlager in einer Hütte am Waldrand.


Morgens hat Stephanie ein liebevolles Frühstück für uns zubereitet. Ich kann mir sogar noch etwas einpacken. Anschließend fährt sie mich zurück zu dem Basalt Park, wo sie mich gestern aufgelesen hat. Stephanie hat schon an 100 km Wanderungen teilgenommen, ebenso wie ihr Mann und sie wollen dieses Jahr den GR 20 auf Korsika laufen. Der große Traum der Beiden ist es, einmal den NST komplett zu erwandern. Im Auto erzählt sie mir von einem neuen Gesetz, dass die Kommunen dazu verpflichtet, eine Ferienbetreuung für Schulkinder bereitzustellen. Das hört sich gut an. Allerdings kostet das 600 € pro Monat. D.h. ist so teuer, das viele Leute sich das nicht leisten werden können. Gut gemeint, aber in der Realität doch wenig zielführend! Als ich los wandere, nieselt es bereits ein wenig und es sieht ziemlich grau aus. Ich wandere durch den Basalt Park mit seinen Erklärungen und gelange zu einem Wildpark mit Hotel und Kletterwald. Ab dort wandere ich länger durch den Wald, wo es einige Basaltkuppen mit offen liegenden Felsen gibt. Es regnet jetzt ziemlich stark, so dass ich mir mein Regenzeug überziehe. Auf einem Plateau gibt es, wieso häufig hier im Westerwald, große Freiflächen, die sich aber bereits wieder zu bewalden scheinen. Dann zieht tatsächlich ein Gewitter auf. Es blitzt und donnert. Ich gelange zu einer Umleitung des Westerwaldsteigs aufgrund von Bauarbeiten der DB. Rechtzeitig bevor ich richtig nass werde, stelle ich mich bei einer Fußgängerbrücke unter. Eigentlich führt mich die Umleitung nicht nach Hachenburg hinein, aber da ich einkaufen will, weiche ich von der Route ab. Während ich im Lidl für die nächsten drei Tage Lebensmittel besorge, regnet es draußen ziemlich heftig. Als ich dann wieder losgehe, erscheint blauer Himmel und die Sonne. Sollte sich das Wetter jetzt wirklich ändern? Durch die Felder gelange ich in einen üLaubwald, wo ich wieder auf den Westerwaldsteig treffe. Kurz darauf verliere ich ihn aber wieder.

Vor dem Kloster Marienstatt gelange ich wieder auf den NST, der hier der Großen Nister folgt. Das Kloster, welches schon im 13. Jahrhundert von den Zisterziensern gegründet wurde, ist sehr eindrucksvoll mit großen Gebäuden und einer Basilika, einem Kräutergarten und natürlich auch einer Brauerei. Man kann hier auch übernachten.

Während der Westerwaldsteig den Fluss bald wieder verlässt, ziehe ich es vor, der malerischen Nister im Wald weiter zu folgen. Auf der anderen Flussseite grenzen Wiesen an, und das Tal fällt ziemlich steil zu dem etwa 7 m breiten Gewässer ab. Aufgrund der relativen kühlen Temperaturen sind die Lerchensporne und Anemonen im Laubwald am Bach leider noch nicht richtig aufgeblüht.

Die Nister ist hier wirklich ein sehr schöner Fluss und das Wandern macht mir mal wieder richtig Spaß! Bald stoße ich wieder auf den Westerwaldsteig,  der dann auch im Tal verläuft.

Vor einem weiteren heftigen Schauer, kann ich mich glücklicherweise bei einer Hütte unterstellen. Es dauert dann aber nicht allzu lange, bis der blaue Himmel wieder da ist.

Meist fließt der Fluss durch den Wald. Durch die Lage in der Schlucht ist es ziemlich still und ich habe das erste Mal im Westerwald das Gefühl, so richtig in der Natur zu sein.

Heimborn und Ehrlich streife ich nur ganz am Rand und kriege von den Orten nicht viel mit. Es gibt hier einige Unterkünfte und auch Gelegenheiten, wo man etwas essen und trinken kann. Aber natürlich ist jetzt noch alles geschlossen. Schließlich führt der Westerwaldsteig einige Male auf Brücken über den Fluss und entfernt sich dann von der Nister. Es ist aber auch schön, von oben Blicke über das Tal zu erhalten.

Als ich meine mails checke, stelle ich fest, dass ein Interview mit mir in der Frankfurter Rundschau erschienen ist. https://www.fr.de/panorama/gerald-klamer-laeuft-4000-kilometer-trotz-windrad-kritik-im-wald-94220533.html

Dann folge ich ein Stück weit einem spektakulären Pfad in der Steilwand über dem Fluss. Hier zeigen die Hainbuchen ihre unscheinbaren Blüten, und auch das Hainsimsen Gras blüht bereits. Die knorrigen Formen der Eichen und Hainbuchen, die sich mit ihren Wurzeln ins Gestein krallen, erinnern mich an  den Urwaldsteig am Edersee.

Ich streife das winzige Fachwerkörtchen Alhausen, überquere die Nister auf einer Brücke und gelange dann auf den Weltende Pfad, über den eine Tafel sagt, dass der Streckenabschnitt alpin sei.  Ich bin gespannt! Hinter dem Ort blüht das erste Lungenkraut. Tatsächlich ist der Pfad sehr schön aber die Seilsicherungen an einigen Stellen sind nicht wirklich notwendig. Der Eichen- Hainbuchen Wald hier macht einen urigen Eindruck. Dazu passen auch die dumpfen Laute der Hohltaube, die entfernt ruft.

Ich passiere einen wassergefüllten alten Stollen und bewundere die großen, fleischig grünen Blätter des Aronstabs. An besonders trockenen Stellen sind viele Eichen abgestorben. 

Schließlich verlasse ich die Nister, und wandere auf einem Pfad steil aufwärts zu einem Aussichtspunkt, von dem ich noch einmal das Tal überblicken kann. Als ich aus dem Wald komme, türmen sich wieder dunkle Wolken auf und es donnert. Ich überquere eine verkehrsreiche Straße und ziehe gerade rechtzeitig mein Regenzeug an, als es wieder heftig hagelt und regnet. Ein dichter Nadelbaumbestand spendet mir kaum Schutz, aber recht bald zieht das Unwetter ab. Über aufgeweichte Wege erreiche ich schließlich das abgelegene, kleine Klostersorf Marienthal, was aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Zwar leben hier schon längst keine Mönche mehr, aber der Abgeschiedene Charakter hat sich erhalten. Ich er mich, dass ich hier schon mal übernachtet hatte, als man mir eine Unterkunft anlässlich eines Vortrags gebucht hatte. 

Weiter geht es durch den Wald während es langsam dunkel wird. Als ich die Hütte am Waldrand erreiche, die ich mir zum Übernachten ausgesucht hatte, befindet sich ein Pärchen mit einem Hund darin. Als die Beiden bald die Hütte verlassen, vergessen sie ein Handy, das ich ihnen hinterher trage. Schließlich kann ich mich endlich in der Holzhütte mit ihrem Betonboden einrichten. 


































Sonntag, 15. März 2026

WdH 38 Von Westerburg nach Bad Marienberg

 




So, 15.3.2026


WdH 37: Von Westerburg nach Bad Marienberg


9:26 h, 38,7 km, 710 hm Aufstieg, 700 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Auch heute laufe ich oft auf unbefestigten Wegen durch die abwechslungsreiche, meist offene Landschaft des Westerwalds. Nachmittags holt mich Trailangel Stephanie hinter Bad Marienberg ab und ich werde bei ihrer Familie herzlich aufgenommen. Später treffen wir uns in Hachenburg mit Vertretern des runden Tischs, die es durch Mobilisierung der Öffentlichkeit geschafft haben, ein rechtes Netzwerk aus dem Ort loszuwerden. 

Im Umgang mit der AfD wird genannt, dass bislang leider die anderen Parteien deren emotionalen Auftritten in den sozialen Medien nichts entgegensetzen. Politisch wäre beispielsweise für die SPD eine Rückbesinnung auf ihre alten Werte wie Gerechtigkeit wichtig. In diesem Zusammenhang wird die Forderung nach einer allgemeinen Krankenkasse und einer stärkeren Besteuerung von Kapitalerträgen, Erbschaften und Vermögen genannt.

Nach tollen Gesprächen fahren Stephanie und ich wieder nach Hause wo ich noch meine „Hausaufgaben“ erledige.




Obwohl die Nacht kühl und feucht ist, schlafe ich gut. Am nächsten Morgen folge ich zunächst ein Stück dem Waldrand und laufe dann länger durch den Buchenwald. Allerdings wurde der Westerwaldsteig hier gerade als Rückegasse für den Holzeinschlag gebraucht und ist deswegen teilweise nicht besonders gut zu laufen. Ich gelange an den Rand von Brandscheid und wandere weiter auf unterschiedlichen Wegen durch offene Landschaft, vor Rothenbach. 

Auf dem Friedhof außerhalb des Ortes, fülle ich mir zum ersten Mal in dieser Saison auf einem Friedhof meine Wasserflasche auf. Weiter geht es oft auf Pfaden am Waldrand entlang. An einem sehr kleinen Angelteich stehen zehn Angler! Kurz danach passiere ich ein Storchennest mit einem Weißstorch auf einem Pfahl.

Die Landschaft bleibt weiterhin ziemlich abwechslungsreich. Zum Teil verlaufen schmale Wege zwischen Hecken und Feldrainen oberhalb von Wiesen mit Streuobstbäumen. Es geht immer wieder Hügel auf, Hügel ab, so dass sich das Landschaftsbild stets ändert. Einmal sehe ich drei Rehe vor mir flüchten und zwei Nilgänse auf einer Wiese. Die gelben Blüten des Scharbockkrauts sind noch geschlossen. Auffallend ist wie viele Ansitz Kanzeln hier überall stehen. Der Westerwaldsteig führt hier überwiegend über unbefestigte Wege. Am Rand von Freilingen passiere ich ein Gewässer, was laut einer Tafel durch einen Biberstau entstanden ist. Interessant, die großen Nager sind also auch hier! Durch den Buchenwald geht es dann am Postweiher entlang, auf dem Kanadagänse schwimmen und rufen. Markierungen verraten, dass ich hier wieder auf dem E1 bin, dem ich ja nördlich von Hamburg gefolgt war!

Etwas später gelange ich an ein Naturschutzgebiet Schild, wo offensichtlich der dahinterliegende Wald geschützt werden soll. Gleichzeitig sind dort viele Bäume ausgezeichnet und man hat eine Rückengasse angelegt. Das ist typisch für deutsche Naturschutzgebiete im Wald. In der Regel ist zwar das Betreten abseits der Wege verboten, aber die Forstwirtschaft unterliegt nur ganz selten irgendwelchen Einschränkungen. Dabei ist der beste Naturschutz im Wald meistens das Nichts tun! 

Vor Dreifelden komme ich an einem Wanderparkplatz und Waldspielplatz vorbei, wo an diesem Sonntagmorgen schon etliche Leute unterwegs sind, joggend, fahrradfahrend oder spazieren gehend. Am Dreifelder Weiher erstrecken sich große Binsen bestandene Feuchtwiesen mit einzelnen Erlen. Ein schmaler Weg führt dann entfernt vom Weiher an großen Schilfbeständen vorbei. Es gibt hier sogar einen kleinen Aussichtsturm zur Vogelbeobachtung. Entfernt auf der anderen Seite des Weihers ragen unzählige Windräder auf.

Schließlich durchquere ich Dreifelden. 

Ein Stück geht es dann entlang des oft von Erlen gesäumten plätschernden Bächleins Wied aufwärts

Schließlich erreiche ich die unscheinbare Quelle der Wied, mit 109 km der längste Bach des Westerwalds. Diesem Gewässer folgt der Wiedpfad auf ganzer Länge, der wahrscheinlich auch recht schön ist!

Ich laufe quer durch Wiesen, aufwärts zu einem Wald, wo es große Freiflächen gibt, in denen mit Plastikwuchshüllen eine Neuanpflanzung geschützt wird. Als ich dem Waldrand weiter folge, ragen überall Windräder auf und es gibt eine große Solaranlage. Mir scheint das der Wert der Natur an sich und Gesichtspunkte wie die Landschaftsästhetik  überhaupt keine Rolle spielen bei der Genehmigung solche Anlagen. Für Solaranlagen haben wir so viele Möglichkeiten auf den Hausdächern und wie gesagt, Windräder kann man auch entlang der Autobahnen platzieren oder in Gewerbegebieten, aber hier in der schönen Landschaft des Westerwaldes sind beide wirklich fehl am Platz!

Ich passiere den Aussichtsturm am Gräberberg auf über 500 m Höhe und wandere durch die aussichtsreichen Grasflächen weiter. Hier blüht der erste Löwenzahn. 

Durch die Wiesen steige ich auf unbefestigten Wegen ab ins Tal der Hornister. 

In Enspel geht es über das Terrain des Stöffel Parks. Ein Gelände, das den früheren Basalt Abbau und das Tertiär zum Thema hat.

Schließlich gelange ich an die Große Nister, ein etwa 7 m breites Flüsschen, dem ich zunächst auf einem Pfad oberhalb folge. Später geht es dann durch Wiesen. Dann folge ich kurz dem Tal der Schwarzen Nister im Wald und laufe schließlich durch das Städtchen Bad Marienberg. Hinter dem Ort holt mich Stephanie dann beim Basaltpark ab. Sie und ihr Mann Guido sind Trailangel für den NST und ich werde sehr freundlich aufgenommen. Beim Essen lerne ich auch ihre beiden Söhne kennen, die beide im It- Bereich studieren und sich trotz der rasanten Entwicklung im KI- Bereich keine Sorgen um ihre Zukunft machen. 

Stephanie arbeitet mit Jugendlichen und erzählt anschaulich, wie es möglich ist, Menschen mit schwierigen Geschichten durch intensive Zuwendung wieder eine positive Perspektive zu geben. Die Jugendarbeit kostet Geld, doch das sollte es uns wert sein, da die positiven Effekte auf persönlicher und damit auch gesellschaftlicher Ebene das lohnend machen. 

Schließlich fahren wir zum Kino nach Hachenburg, wo wir uns mit Eva und Marco treffen. Leider müssen andere Mitglieder des runden Tischs kurzfristig absagen. Dieser hatte sich 2021 gebildet, als in Hachenburg ein Netzwerk der rechten Szene gebildet hatte. Dieser Zusammenschluss unterschiedlicher Leute wurde aktiv, in dem er große Demos organisierte und die Hachenburger Erklärung verfasste. Schließlich übernahm ein ortsansässiger Investor die sogenannte Fassfabrik und kündigte den Rechten, wodurch das Problem in Hachenburg gelöst wurde.

Als ein wichtiger Baustein für den Erfolg der AfD, gerade bei jungen Menschen, identifizieren meine Gesprächspartner deren erfolgreiche, auf Emotionen setzende Strategie in den sozialen Medien, dem die anderen Parteien leider bisher nicht genug entgegen setzen. 

Auf die Frage nach einer politisch erfolgreichen Strategie gegen diese Partei wird genannt, dass die SPD beispielsweise wieder auf ihren Kern besinnen sollte. Warum gibt es zur Zeit keine Forderung nach einer einheitlichen Krankenversicherung mehr? Warum wird das Thema Ungleichheit mit einer stärkeren Forderung nach intensiver Besteuerung von Erbschaften, Vermögen oder Kapitalerträgen nicht erhoben?

Alle halten auch das Thema Bürokratieabbau für wichtig. So darf die Verbandsgemeinde keinen Radweg neben einer Bundes- oder Kreisstraße bauen, obwohl sie das gerne würde. 

In Hachenburg spielt der kommunale Klimaschutz eine große Rolle, aber alle bedauern, dass es nicht gelingt, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass die erneuerbaren Energien nicht nur klimaschonend, sondern vor allem in Zukunft auch am Billigsten sind.

Nach dem schönen Gespräch gehen wir schließlich auseinander und ich mache mich dann noch an meine Hausaufgaben…




















Samstag, 14. März 2026

WdH 37 Von Breitscheid nach Westerburg



















 




Sa, 14.3.2026


WdH 37: Von Breitscheid nach Westerburg


11:53 h, 48,6 km, 882 hm Aufstieg, 884 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute ist ein ungemütlicher Tag, an dem es die meiste Zeit regnet, und morgens sogar etwas schneit. Der Westerwald macht seinem rauen Ruf alle Ehre! Von der Fuchskaute, dem höchsten Berg im Westerwald sehe ich wenig, da er in Nebel gehüllt ist. Immer wieder verläuft der Westerwaldsteig über unbefestigte Wege, die heute aber ziemlich nass und schlammig sind. Zunächst geht es nur durch relativ kleine Waldstücke und ich habe das Gefühl, dass eine Straße nie besonders weit entfernt ist. So habe ich nicht den Eindruck wirklich in der Natur zu sein. Ein Höhepunkt ist die Holzbach Schlucht, wo der Bach an bemoosten, dunklen Basaltfelsen vorbei fließt. Heute ist es trotz des kühlen Wetters noch grüner als gestern. Die Lerchensporne sind stärker aufgeblüht und die Hainbuchen Blätter haben ihre Knospen gesprengt. Ein besonders schöner Abschnitt ist oberhalb von Gemünden und Westerburg, wo es lange Zeit über einen Pfad durch den Buchenwald und am Waldrand entlang geht. Nach einem langen, nassen Tag schlage ich schließlich mein Lager in Hörweite von Windrädern in einer Hütte auf.


Nachdem ich auf dem Zimmer Müsli gegessen und Kaffee getrunken habe, starte ich in der Morgendämmerung in einen ungemütlichen Tag. Es regnet leicht aber kontinuierlich, daher trage ich Regenjacke- und Hose. Bald sehe ich drei Rehe und passiere dann die große Grasfläche des Breitscheider Flugplatzes. Die Landschaft hier ist recht abwechslungsreich, mit Grasflächen in denen einzelne Weißdornsträucher stehen und kleinen Waldstücken. Ich passiere den Heisterberger Weiher mit seinem Campingplatz und gelange in das Naturschutzgebiet Bermershude, wo ein Laubwaldrest die Zeit vom 16-18. JH. überdauert hat, als der Westerwald weitgehend entwaldet war. 

Der Westerwaldsteig verläuft hier immer mal wieder über unbefestigte Wege, aber die nahe Bundesstraße stört. Als ich zur Fuchskaute aufsteige, mit 645 m Höhe der höchste Berg des Westerwalds, verwandelt sich der Regen in Schnee und es ist neblig, was zu der kargen Landschaft passt. Von einem Gipfel bekomme ich nichts mit und steige an einem Windrad vorbei ab. Immer wieder geht es durch Wald, meist aus rel. jungen Ahornen und Eschen, immer wieder gibt es aber auch sumpfige, mit Erlen bestandene Sumpfflächen. Fichtenwald gibt es nur noch wenig, dafür aber etliche Freiflächen auf denen häufig Wuchshüllen aus Plastik stehen.

Als zwei Wanderer mit Rucksack mir entgegen kommen, spreche ich sie an. Bastian und André sind Mitte 40 und wollen nach Herborn laufen. Kurioserweise wollen sie in Breitscheid in der selben Unterkunft wie ich absteigen. Als ich von meinem Projekt erzähle, erwähnt Bastian, dass es uns in Deutschland immer noch sehr gut geht, verglichen mit den meisten Ländern und es doch nicht so schlimm wäre, sollten wir in Zukunft weniger Wohlstand haben.

Ich passiere den Ort Rehe, wandere ein Stück am Krombachstausee entlang und gelange in ein etwas größeres Waldgebiet, dass zum Teil zu einem Übungsplatz der Bundeswehr gehört. So schön ich unbefestigte Wege auch finde, heute sind sie nass und schlammig. 

Zweimal verkündet ein aufgehängter Zettel, dass der Westerwaldsteig hier gesperrt sei, ohne eine Umleitung anzubieten. Für die erste Sperrung sehe ich keinen Grund, bei der zweiten hat ein Harvester gearbeitet, der aber längst fertig ist. 

Nachdem ich an Rennerod vorbei bin, regnet es etwa eine halbe Stunde lang heftiger, so dass ich unter einem abgestellten Ladewagen Schutz suche. 

Schließlich gelange ich in die Holzbachschlucht wo ein wilder Bach über moosbedeckte Basaltbrocken fließt. Leider sind erst einige Lerchensporne aufgeblüht und die Blüten der gelben und weißen Buschwindröschen noch geschlossen. 

Oberhalb von Gemünden führt dann lange ein Pfad am Waldrand entlang, der schließlich durch den Buchenwald oberhalb von Westerburg führt, was unterhalb recht steiler Klippen liegt. 

Ich laufe durch Hergenroth und passiere dann die offenen Flächen eines ehemaligen BW- Geländes. Ich überquere eine Straße und gelange in einen Wald, in dem sich Windräder drehen. Eine Fläche mit Laubbäumen wurde gerade frisch gerodet, wohl für ein Weiteres. In der Dämmerung beziehe ich schließlich mein Lager in einer Hütte, in deutlicher Hörweite der Windenergie Anlagen.