Mittwoch, 25. März 2026

WdH 48 Von Rüdesheim nach Rheinböllen

 





Mi, 25.3.2026


WdH 48: Von Rüdesheim nach Rheinböllen


7:15 h, 31,1 km, 1224 hm Anstieg, 728 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nach dem sehr guten Frühstück im Hotel am Markt, gehe ich zum Fähranleger, wo ich mich mit Dirk treffe, der heute mit mir wandern möchte. Wir fahren rüber nach Bingen, wo der Soonwaldsteig beginnt. Dirk ist ein sportlicher 63-jähriger, der sein Berufsleben größtenteils bei der Entwicklungsorganisation Oxfam verbracht hat und auch privat sozial immer stark engagiert war. Außerdem gilt seine Leidenschaft dem Laufen, auf Strecken bis zu 100 km. Bald lassen wir Bingen hinter uns und wandern durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Wir unterhalten uns über Themen, wie man der zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich begegnen kann und wie man mit dem Thema Migration umgehen sollte. Dirk erzählt, dass das Helfen, ihn persönlich stark bereichert. Dann entfernen wir uns vom Rhein und laufen das Morgenbachtal hoch, sehr idyllisch. Jetzt hagelt und schneit es und ist deutlich kühler geworden. Schließlich steigen wir ein Stück ab nach Rheinböllen, wo wir uns verabschieden. Für mich geht es dann wieder aufwärts zu den Höhen des Soonwalds um die 600 m. Seit meinem letzten Besuch hat die Zahl der Windräder hier unheimlich zugenommen. Ich hoffe sehr, dass das morgen nicht so weitergeht!


Heute lasse ich es mal ganz entspannt angehen, da es im Hotel erst um 9:00 Uhr Frühstück gibt. Vorher gehe ich einkaufen hier in Rüdesheim und genieße dann das super gute Frühstück.

Gegen 10:30 Uhr, bin ich am Anleger der Personenfähre nach Bingen. Dort wartet auch schon Dirk auf mich, der mich vor einiger Zeit angeschrieben hatte, um mit mir ein Stück gemeinsam zu wandern. Dirk ist sympathisch, 63 Jahre alt und hat den größten Teil seines Berufslebens bei Oxfam verbracht, wo er die Läden aufgebaut hat, mit denen die Entwicklungsprojekte dieser Organisation teilweise finanziert werden. Davor hat er sich auch um Obdachlose gekümmert und zuletzt in einem Hospiz Sterbende begleitet. Sein großes Hobby ist das Laufen, was er auf Distanzen bis zu 100 km leidenschaftlich ausübt. Aber auch das Wandern interessiert ihn, und er würde gerne mal eine mehrere 100 km lange Tour machen. Vielleicht von seinem Wohnort bis zu der Partnerstadt seiner Gemeinde in Frankreich. Schließlich erreichen wir Bingen, wo wir gegen elf loslaufen. Am Bahnhof gelangen wir auf den Soonwaldsteig, dem der NST jetzt folgt. 

Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und laufen durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Hier sind wir fast alleine, nur eine junge Frau vollführt Yogaübungen für Instagram vor ihrer Kamera. An der Burg Rheinstein erhalten wir einen schönen Ausblick über den Rhein und das andere Ufer, wo ich ja die letzten Tage gelaufen bin. Dirk erzählt, dass Oxfam sich sehr mit dem Thema Gerechtigkeit auf nationaler und auch globaler Ebene beschäftigt. Er selber sieht auch in Deutschland die zunehmende Vermögensungleichheit als Problem an. Er befürchtet, dass die Zahl der Menschen wächst, die sich nicht zuletzt aus diesem Grund abgehängt fühlen, und dann Parteien wählen, die Besserung versprechen, wie die AfD. Ich frage ihn, wie er denkt, dass man die zunehmend auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich wieder schließen kann. Da erwähnt er gleich die Vermögenssteuer, die in Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr erhoben wird aber dazu beitragen könnte die zunehmende Vermögensungleichheit abzubauen. Auch das Argument, das Kapital ein „scheuhes Reh“ ist und leicht ins Ausland verschoben werden kann, sieht er nicht. Viele Vermögensbestandteile wie Immobilien lassen sich nicht so einfach verschieben und auch Kapitalflüsse können heutzutage international ziemlich gut überwacht werden. Letztenendes könnte man sogar so etwas wie eine Exit Tax einführen, was sogar in dem ziemlich kapitalistischen USA der Fall ist. Er sieht auch die Besteuerung von Finanztransaktionen als gute Möglichkeit. Der Charme dabei ist, dass man auch mit sehr geringen Steuersätzen, sehr hohe Einnahmen erzielen kann für den Staat. Dirk setzt sich schon seit Ende der Achtzigerjahre in Flüchtlingsinitiativen für Menschen aus anderen Ländern ein, die zu uns kommen. Seiner Erfahrung nach wollen die meisten von ihnen arbeiten und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren. Dies sollte erleichtert werden, in dem Geflüchtete sofort arbeiten dürfen. Denn Arbeit ist bekanntlich der beste Weg zur Integration. Andererseits sieht er auch ganz klar, dass wir nicht jeden aufnehmen können, der gerne zu uns möchte und der Staat auch die Möglichkeit haben muss, Leute bei denen die Fluchtgründe weggefallen sind wieder abzuschieben. 

Die Arbeit im Hospiz fand er sehr schön, und es hat ihm noch einmal einen anderen Blick auf das Leben und vor allen Dingen die Endlichkeit unseres Daseins gegeben. Er hat erlebt, wie wichtig es ist, dass Leute liebevoll und zugewandt, am Ende ihres Lebens begleitet werden. 

Schließlich entfernt sich der Weg vom Rhein und wir laufen das wunderschöne Morgenbachtal aufwärts. Noch scheint teilweise die Sonne und wir sehen Ameisen, die sich um ihren Haufen kümmern und regelrecht umherwimmeln. 

Auch im Ruhestand möchte Dirk sich sozial engagieren, ob in seiner Kirchengemeinde oder bei der psychosozialen Notfallbetreuung, die von Freiwilligen, beispielsweise bei Verkehrsunfällen geleistet wird. Er sieht es so, dass einerseits es wichtig ist, Hilfe zu leisten wo notwendig, aber andererseits das einem auch persönlich viel gibt.

Etwas später schlägt das Wetter um. Der Himmel verdunkelt sich, es fängt an zu hageln und später schneit es sogar. Während wir weiter aufsteigen, ist es ziemlich windig, jetzt überwiegen Fichten und eine scharfe Brise streicht über die Kämme. Später wandern wir über die Hochfläche des Kandrich, wo auf ehemaligen Sturmflächen neuer Wald wächst. Hier stehen schon seit einigen Jahren etliche Windräder. Schließlich geht es abwärts zum Bahnhof Rheinböllen, wo wir uns verabschieden, da Dirk von hier mit dem Bus zurückfahren möchte. Ich dagegen steige wieder auf zu den Höhen des Soonwalds auf über 600 Metern. . Hier gibt es inzwischen noch weit mehr Windräder als bei meinem letzten Besuch 2021 und wo der Blick weiter schweifen kann, sieht man überall Windräder. Ich hoffe, sie werden mich nicht morgen noch den ganzen Tag begleiten. Der Soonwald war so ein schönes, stilles, einsames Waldgebiet und ist zumindest hier jetzt total verlärmt und hat meiner Meinung nach viel von seinem Reiz durch die Windkraftanlagen verloren. 

Es gibt hier noch alte Fichten aber auch Borkenkäferflächen wo man kleine Trupps von Bäumen pflanzt die in Holzgattern vor Wildverbiss geschützt werden. 

Schließlich finde ich eine kleine Schutzhütte, wo ich mein Nachtlager aufschlage.




















Dienstag, 24. März 2026

WdH 47 Von Dörscheid nach Rüdesheim

 




Di, 24.3.2026


WdH 47: Von Dörscheid nach Rüdesheim 


9:40 h, 38,5 km, 1199 hm Aufstieg, 1349 hm Abstieg 


Zusammenfassung:


Früh am Morgen sehe ich schon zwei Muffelschafe mit ihren Lämmern, hier ist der Nachwuchs schon da!

Heute sehe ich, wie man versucht mit Pflegemaßnahmen die halboffene Landschaft zu erhalten. Ich bewundere die Burg Kaub auf einer Rheininsel und treffe Fabi, der eine dreitägige Wanderung unternimmt und gerne auch mal länger unterwegs sein möchte. Grundsätzlich könnte er ein Sabbatjahr nehmen und sieht selber bei seiner Arbeit in einem Krankenhaus, dass man seine Träume nicht aufschieben sollte. Hinter Kaub laufe ich mehr auf Fahrwegen als gestern, daher gefällt mir dieser Abschnitt nicht ganz so gut. Der Frühling schreitet weiter fort, die ersten Buchenblätter haben ihre Knospen gesprengt und in einem Teich sind Erdkröten bei der Paarung. Schließlich kürze ich ein Stück nach Rüdesheim ab und steige in einem Hotel ab. Endlich mal wieder Wäsche waschen und duschen. Abends esse ich dann zusammen mit meiner alten Freundin Kristin, einer Lehrerin, die leider bestätigt, dass das Bildungsniveau gesunken ist. 


In der Morgendämmerung bin ich wieder unterwegs. Zunächst geht es noch ein Stück durch den Wald, aber bald steige ich durch die felsigen Gebüsche an der Rheinkante wieder auf. Anschließend geht es über Wiesen und Felder. Hier sehe ich zwei Muffelschafe mit ihren kleinen Lämmern und aus den Gebüschen höre ich es Blöken. Etwas später sehe ich dann noch mal vier Mufflons. Ich durchquere den kleinen Ort Dörscheid und gelange in die Dörscheider Heide, ein größeres Gebiet, wo man umfangreiche Naturschutzmaßnahmen durchgeführt hat, zum Beispiel Entbuschungen mit einer Raupe und spätere Schaf- sowie Ziegen Beweidung. Das ist für mich auch in Ordnung. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man hier versucht einen statischen Zustand zu bewahren. Eben die alte Kulturlandschaft. Mit Naturschutz im eigentlichen Sinne hat das wenig zu tun, denn Natur ist etwas wildes, was sich stetig weiter entwickelt und über lange Zeiträume auch keine starren Zustände kennt. Genau diese Dynamik macht die Natur aus und ist extrem wichtig für Sie. Aber wie gesagt, hier an dieser Stelle finde ich das durchaus gut, dass das gemacht wird. Dadurch hat man eine sehr schöne Halboffene Landschaft geschaffen und wahrscheinlich eine ziemlich große Artenvielfalt auf kleiner Fläche.

Schließlich geht es steil abwärts, das letzte Stück auch auf Treppen. Unterwegs erhalte ich schon einen Ausblick auf die Burg Kaub, die auf einer Rheininsel liegt, mit ihrem Zwiebelturm und den weißen Mauern. Vom Örtchen Kaub am Rhein geht es steil wieder hoch zur Burg Pfalzgrafenstein.

Weiter geht es relativ flach an den alten Weinbergsmauern vorbei im Hang, der heute wieder von Sträuchern erobert worden ist. Schließlich führt mich ein Pfad weiter durch den Wald, wo ich Fabi treffe, einen Ultraleichtwanderer, der hier eine drei Tage Tour macht. Wir unterhalten uns ein wenig, hauptsächlich über Ausrüstung. Er arbeitet im Krankenhaus und erzählt, dass er dort eigentlich ein Sabbatjahr nehmen kann, um so mal einen großen Wandertraum zu verwirklichen. Ich sage ihm, dass er das vielleicht nicht zu lange aufschieben sollte. Daraufhin antwortet er, dass ich damit absolut recht habe, das sieht er jeden Tag im Krankenhaus!

Dann setzt jeder seinen Weg fort.

Ein Fahrweg führt mich in ein kleines Tal, aus dem ein Pfad  heraus führt. Bald bin ich wieder direkt über dem Rhein. Hier sehe ich in den Gebüschen zwei Mufflons ziemlich nah. Während woanders die Wildschafe im Wald eher unbeliebt sind, weil sie junge Bäume verbeißen und die Rinde ältere Bäume abschälen, sind sie hier wahrscheinlich willkommen, weil sie dabei mithelfen, die Landschaft offen zu halten.

Schließlich führt der Pfad runter ins Niedertal, wo sich die Wildschweine im Schlamm gewälzt und sich hinterher an den Bäumen gescheuert haben, wovon die Erdspuren zeugen. Ein Typ, der sich Grenzvogt nennt, hat hier an der Grenze zu Hessen einige Hütten, ein verschlossenes Toilettenhäuschen und ein Baumhaus. Schließlich führt der Pfad wieder aus dem Tal hinaus und dann unmittelbar oberhalb des Rheins weiter.

Bald geht der Pfad in einen Fahrweg über. Ich komme an einem Kirschbaum vorbei, der von Bienen intensiv umsummt wird. Am Brunnen Oberthal mit tröpfelndem Zulauf fülle ich meine Wasserflasche wieder auf.

Oberhalb von Lorchhausen komme ich an zahlreichen Elektrozäunen vorbei, die dazu dienen, die Schafe und Ziegen, die hier weiden, an Ort und Stelle zu halten. Zwei Männer, die ich treffe, machen gerade Pause. Sie erzählen, dass sie den Auftrag haben die Zauntrassen freizuhalten von Sträuchern. Eine Tafel verrät, das die Maßnahmen hier von der DB Netz AG durchgeführt werden als Kompensationmaßnahme für Baumaßnahmen an anderer Stelle.

Dann gelange ich in das Tal bei Lorchhausen und steige zunächst auf Asphalt, dann auf Fahrwegen wieder auf und laufe über dem Rhein durch die Gebüsche weiter. Hier gibt es unterhalb auch Weinberge.

Ich passiere den Turm der Burg Nollig und steige dann sehr steil ab nach Lorch. Das erste Stück ist sogar mit Drahtseilen gesichert. Es geht dann ein kleines Stück durch den Ort, bevor es auf einem Fahrweg wieder nach oben geht. Längere Zeit laufe ich dann durch die Weinberge, aus denen ich durch ein Tor und einen Gitterrost gelange, mit denen man versucht die Weinberge so abzuschirmen, dass keine Wildschweine reinkommen können.

Auf Fahrwegen geht es dann durch die ehemaligen Weinberge, die jetzt Gebüsche sind. Ich gelange in ein Tal mit etlichen abgezäunten Gärten.

Weiter geht es dann teilweise auf  Graswegen. Auf dem anderen Ufer klafft eine riesige Wunde im Hang, wahrscheinlich ein Steinbruch. Unmittelbar daneben liegt eine alte Burg, so viel zum Thema Weltkulturerbe Mittelrheintal…

Weiter geht’s auf einem Fahrweg. An einer Stelle wird eine Mulchraupe von einem Schlepper, an dem eine Seilwinde befestigt ist, rauf und runter gelassen.

Im Wald, gelange ich an einen kleinen Teich, wo hohe Geräusche verraten, dass die Erdkröten gerade bei der Paarung sind. Tatsächlich kann ich dann ein Weibchen mit dem deutlich kleineren Männchen auf ihrem Rücken im Wasser fotografieren.

Als es dann auf einem Forstweg aufwärts geht, verkündet ein Schild, dass dies ein Naturwaldreservat und eine Kernfläche Naturschutz ist. ja In Hessen hat man 10 % des Staatswalds aus der Nutzung genommen. Allerdings sind das häufig Flächen wie diese, steil und wenig produktiv, d.h. ohnehin kaum nutzbar. Wichtig ist es aber auch Flächen aus der Nutzung zu nehmen, wo richtig dicke Bäume stehen, die normalerweise bewirtschaftet werden würden. Wenn man das nicht in ausreichendem Maße tut, sind diese 10 % lediglich eine Art Mogelpackung, etwas überspitzt ausgedrückt.

Schließlich bin ich wieder auf einem Pfad oberhalb des Steilabfalls hin zum Rhein. Hier haben die ersten Buchenblätter ihre Knospenhüllen gesprengt. Es ist hier extrem trocken, steil und steinig. Erstaunlich, dass hier überhaupt einige Buchen neben den Eichen wachsen können.

Bald habe ich den Bereich um den Teufelskandrich, wie der Ort heißt, hinter mir gelassen und laufe auf einem Fahrweg weiter durch den Wald. Da ich mir das Stück um Assmannshausen und das Niederwalddenkmal ersparen will, was ich von etlichen Besuchen gut kenne, und wo mir zuviel los ist, verlasse ich ungefähr 10 km vor Rüdesheim den Rheinsteig und nehme eine Alternativroute, die direkter ist. 

Durch die Feldflur geht es auf Asphalt runter nach Aulhausen. Über dem Dorf kreist niedrig ein Rotmilan. Aus dem Ort führt ein Pfad steil hoch in den abwechslungsreichen Niederwald. 

Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge einem Fahrweg am Rand der Weinberge abwärts nach Rüdesheim, während rechts von mir die Seilbahn zum Niederwalddenkmal hochfährt.

In dem Ort ist relativ viel los, offenbar sind auch chinesische Gäste da. 

Bald habe ich mein schon vor Tagen gebuchtes, günstiges Hotel gefunden. Ich wasche Wäsche und mich selber, danach plane ich ein wenig. 

Später kommt meine alte Freundin Kristin und wir gehen zusammen essen. Kristin ist Lehrererin an einer Gesamtschule und betreut die Jahrgänge von der sechsten bis zum Abitur. Sie stimmt mit der Analyse von Martin gestern völlig überein, dass das allgemeine Bildungsniveau stark gesunken sei. Drei Gründe hält sich hierfür ausschlaggebend: Überfrachtete Lehrpläne, die mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Schüler aufgrund der Überreizung in den sozialen Medien und den Anspruch des Staates möglichst jeden zum Abitur zu führen. Das habe die Hürden die Oberstufe zu erreichen, stark gesenkt, so dass auch Schüler zum Abitur kommen, denen das früher niemals möglich gewesen wäre. Das habe allerdings ein allgemeines Sinken des Niveaus bewirkt. Sie versucht, der mangelnden Konzentrationsfähigkeit zwar mit Achtsamkeitsübungen zu begegnen, ist sich aber bewusst, dass das natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Nach schönem Essen und angenehmen Gesprächen gehen wir schließlich wieder auseinander.


















Montag, 23. März 2026

WdH 46 Von Filsen nach Dörscheid

 




Mo, 23.3.2026


WdH 46: Von Filsen nach Dörscheid


11:52 h, 41,6 km, 1634 hm Aufstieg, 1493 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute ist ein toller Wandertag bei schönem Wetter meist auf schmalen Pfaden in der spektakulären Landschaft des Mittelrheins. Ob am Hang in den niedrigen Eichenwäldern, den tiefen Tälern oder am Waldrand auf der Höhe, stets ändert sich die Szenerie mit spektakulären Ausblicken über den Rhein gewürzt von Burgen wie Katz und Maus. Heute sind wenig andere Leute unterwegs, aber mit Maria, die eine dreitägige Wanderung unternimmt unterhalte ich mich kurz. Ihr Wunsch wäre, dass die Menschen wieder mehr direkten Kontakt miteinander pflegen. 

Als es schon fast dunkel ist, besucht mich Martin, ein Förster den ich schon bei meiner Wanderung 2021 getroffen hatte. Er erzählt, von den vielen jungen Menschen, die sich für die Forstberufe interessieren, stellt aber auch fest, dass das allgemeine Bildungsniveau stark gesunken ist, etwas woran dringend gearbeitet werden muss!


Bereits um 6:00 Uhr bin ich wieder unterwegs. Bald verlasse ich den Wald und gelange in die abwechslungsreiche Flur von Filsen. Dort gibt es einen Kirschen- und einen Bienenlehpfad. Kurz streife ich die Ortslage und wandere dann hoch über dem Rhein weiter. Auf dem anderen Ufer erstreckt sich die Stadt Boppard.

Der folgende Abschnitt gefällt mir sehr gut. Zunächst geht es durch den niedrigwüchsigen Eichenwald, dann oberhalb des Rheins an der Grenzlinie zwischen Gebüschen und angrenzenden Wiesen und Feldern auf einem schmalen Pfad weiter. Ich sehe mehrmals Rehe und einen Hasen. Hier fangen schon Wolfsmilch gelb an zu blühen und Knoblauchsrauke in weiß.

Weiter geht es ein Stück relativ flach auf einem Forstweg, bis ich wieder auf schönen Pfaden durch den Laubwald wandere in dem Buchfinken und Zilp Zalps rufen. 

Ich überquere eine große Waldwiese, natürlich wie immer umrundet von überdimensionierten Ansitzkanzeln. In manchen dieser Kästen könnte man wahrscheinlich schlafen!

Ein Pfad führt mich dann durch den niedrigen Eichenwald mit seinen Moos- und Flechtenpolstern steil bergab zu einer Straße.

Auf Asphalt geht es aufwärts zur Liebenburg, von wo es ebenso steil weitergeht, zum Kamm hoch über dem Rhein. Hier wachsen viele Schlüsselblumen und auch die ersten Sternmieren blühen. Teilweise sind die Hänge schon grün überzogen, einerseits von den Hainbuchen die blühen und ihre Blätter schon draußen haben, aber auch von blühendem Französischen Ahorn, der an diese Trockenhänge besonders angepasst ist.

An einem schönen Waldrand entlang erreiche ich den Ort Lykershausen, der idyllisch auf der Höhe gelegen ist. Hier gibt es sogar einen Kiosk, der allerdings montags geschlossen hat. Wie so oft in solchen Orten, ist allerdings niemand auf der Straße zu sehen. Als ich wieder in den Wald gelange, erinnere ich mich an meine große Tour 2021, wo ich hier mit einem Filmteam des SWR war, das festhalten wollte, wie ich mein Lager aufschlage.

Auf Forstwegen gelange ich durch vielfältigen Wald nicht zu steil zu einem schönen Aussichtspunkt über dem Rhein, sogar mit Sitzschaukel. Wie auch gestern schon an solchen Punkten, lädt ein poetischer Text zum Nachdenken ein, während man dort ausruht. Sehr schön!

Der Wald hier ist abwechslungsreich und ruhig. Überall gibt es etwas zu sehen und zu hören, ein Wandertraum!

Am Georgenbach fülle ich meine Wasserflasche auf und wandere weiter talabwärts. Irgendwann kommt mir eine junge Wanderin mit Rucksack entgegen, die ich anspreche. Maria hat einen Bürojob und ist auf einer drei Tage Tour auf dem Rheinsteig unterwegs. Ebenso wie ich, liebt sie die Einsamkeit und freut sich darüber, dass man die hier finden kann. Sie würde sich wünschen, dass die Menschen miteinander anders umgehen, sprich wieder mehr Kontakt zueinander pflegen und herzlicher sind. Ansonsten denkt sie, dass KI auch in ihrem Bereich vieles verändern wird, aber alles, was mit Kundenkontakt zu tun hat, weiterhin menschliche Arbeit erfordern wird. Nach einem schönen, aber kurzen Gespräch verabschieden wir uns und jeder läuft in seine Richtung weiter.

Bald geht es wieder steil hoch, zunächst auf Asphalt, dann auf einem Pfad im Wald.

Nach einem kleinen Stück durch Wiesen erreiche ich Oberkestert,  ein sehr kleines Dörfchen, wo es Uschis Wanderstation gibt. Dort gibt es Essen, Getränke und auch Zimmer. Leider möchte ich heute noch etliche Kilometer zurücklegen, daher raste ich hier nicht. 

Der Ort ist herrlich gelegen, über dem Rhein, sehr ruhig und abgeschieden. Bald lasse ich die Wiesen hinter mir und bin wieder im Wald. Eidechsen rascheln durchs Laub und ich kann einen hübschen Aurorafalter fotografieren, der gerade Sonne tankt. Es geht abwärts zum rauschenden Pulsbach. Anschließend geht es auf einem Pfad weiter durch niedrigen Eichenwald am Hang. Ein Stück weit ist der Weg ziemlich felsig. Hier wächst auch ein Wacholder.

Durch Wald, in dem auch Douglasien wachsen, geht es dann relativ flach weiter zur Abbruchkante über dem Rhein, wo es auch Wiesenstreifen mit einigen Bäumen gibt.

Von einem Aussichtspunkt erhalte ich noch mal einen tollen Blick zurück über die Rheinhänge auf meiner Seite, dann geht es bald in einem trockenen Tal wieder aufwärts. Ein Lehrpfad, erzählt etwas zum Bergbau früherer Zeiten.

Bald laufe ich eine Zeit lang durch Felder und Wiesen, die relativ flach sind, bevor es wieder in den Wald geht.

Ein Pfad führt mich dann in Serpentinen bergab. Gegenüber sehe ich die Burg Maus. Das Wellmich Tal, in das ich jetzt gehe, wird auf den Seiten von schroffen Felswänden begrenzt, etwas was man hier im Mittelgebirge kaum vermuten würde!

Ich erreiche die Häuser von Wellmich und steige dann in Serpentinen auf zur Burg Maus. 

Auch hinter der Burg geht es weiter steil aufwärts. Schließlich erreiche ich die Höhe über dem Rhein und laufe durch Gebüsche und am Waldrand entlang.

Obwohl der Rhein nicht weit entfernt ist, ist es relativ still und es ist schön zwischen am Wiesen und Gebüschen über dem Rhein zu laufen

Schließlich führt mich einPfad sehr steil runter nach Sankt Goarshausen. Dort kann ich nicht widerstehen und kaufe mir im Rewe erst einmal 1 l Milch und eine Schale Walnusseis, die ich an Ort und Stelle verspeise. 

Mit vollem Magen geht es sehr steil rauf auf die Höhe, wo ich eine schöne Aussicht auf die Burg Katz erhalte. Dagegen ist die Burg Rheinfels auf der anderen Seite im Gegenlicht nicht gut zu erkennen und die Burg  Maus ist schon weiter entfernt.

Bald erreiche ich Patersberg, wo ich den Rheinsteig für einige Kilometer verlasse. Ich habe nämlich keine Lust auf den Rummel an der Loreley, zumal ich dort 2021 auch gewesen bin.

Bald habe ich den Ort hinter mir gelassen und folge Graswegen am Waldrand. Ich bin hier auf einer Rundtour des Rheinsteigs. 

Schließlich führt ein Pfad  durch den Eichenwald bergab, zum Bornbach mit einer schönen Fachwerkmühle im Talgrund.

Dann laufe ich oberhalb des Baches das Tal aufwärts, wo ich an einer weiteren Mühle vorbeikomme. Es geht noch ein Stück durch den Wald, dann komme ich in die offene Flur, überquere eine Straße und bin wieder auf dem Rheinsteig.

Bald kann ich zurück zum steilen Felsen der Loreley schauen, mit ausgedehntem Plateau auf der Höhe.

Durch schöne, offene Kulturlandschaft, teilweise an Gebüschen entlang, steige ich ab zum Bornichbach. Dort kommt mir ein englisch sprechendes Paar mit Rucksack entgegen. Offensichtlich richtige Wanderer!

Ein Stück folge ich einem breiten Forstweg meist durch Buchenwald. Ich gelange an einer sehr schönen Hütte vorbei an den Rand des Urbachtals, dem ich erst mal eine Zeit lang aufwärts folge. Entlang von Weinbergsmauern steige ich schließlich steil ab in das Tal durch Gebüsch, dass sich inzwischen zum Teil wieder zum Wald entwickelt hat.

Schließlich geht es zunächst auf einem Forstweg, dann auf Pfaden wieder nach oben. Da ich ja keine Stirnlampe mehr habe, suche ich mir schon früh ein Plätzchen abseits des Wegs. 

Als es schon fast dunkel ist, kommt Martin vorbei, ein Förster den ich schon vor 5 Jahren auf meiner Wanderung getroffen hatte. Freundlicherweise hat er mir eine Stirnlampe mitgebracht!

Zum Thema Hoffnung meint er , dass die ganz wichtig sei, auch wenn es wie beim Thema Klimawandel nicht gut aussieht.

Einerseits freut es ihn, wieviele, motivierte junge Leute sich für die Forstberufe interessieren, andererseits stellt er fest, dass das allgemeine Bildungsniveau gesunken ist, eine Sache an der unbedingt gearbeitet werden muss!

Auch er wünscht sich mehr direkten, zwischenmenschlichen Kontakt, nicht nur auf der digitalen Ebene, hat aber auch kein Rezept wie das gelingen kann. 

Da es schon spät ist, verabschieden wir uns bald wieder und ich mache mich an meine „Hausaufgaben“.