Mi, 22.4.2026
WdH 75: Von Ottwangen nach Au
11:41 h, 38,8 km, 1332 hm Aufstieg, 919 hm Abstieg
Zusammenfassung: Teilweise durch Laubwald, teilweise durch die offene Flur mit Streuobstwiesen auf denen die Apfelbäume blühen, laufe ich am nächsten Morgen weiter. Vor mir ragen die Schwarzwaldberge auf, während sich jenseits der Schweizer Grenze das Jura erstreckt. Hier nur durchzurennen, à la „Laufen, essen, schlafen“, wäre schade, denn es gibt überall Schönes und Interessantes zu sehen. Oberhalb des Wehra Stausees gelange ich auf den Schluchtensteig, dem der NST jetzt folgt. Dieser hat seinen Namen wirklich verdient, da er oft als schmaler Pfad spektakulär im Hang oder entlang von sprudelnden Nebenbächen führt. Obwohl dies eine sehr attraktive Strecke ist und keine Wolke am Himmel steht, begegnet mir nur ein Wanderer. Hier kommen viele Höhenmeter zusammen, daher bin ich froh, dass der Wandertag zu Ende ist, als ich mein Cowboycamp aufschlage.
Es dauert nicht lange, bis ich am nächsten Morgen aus dem Wald gelangen. Hier äsen zwei Rehe auf einer Wiese. Durch die grüne, offene Landschaft geht es weiter nach Adelhausen. Überall rufen Gartenrotschwänze und ich sehe einen Rotmilan ganz nah in einem Baum sitzen. Hinter dem Ort geht es zunächst auf Asphaltwegen weiter.
Auf Forstwegen laufe ich durch ein weiteres Laubwaldgebiet. Hier gelange ich auf den anderen Arm des Westwegs. Anschließend geht es durch die offene Landschaft zur Hohe
Flum. Dort gibt es einen niedrigen Aussichtsturm aus Stein. Man hat von hier eine tolle Aussicht, sowohl zu den Bergen des Schwarzwalds, als auch dem Jura, beziehungsweise dem Schweizer Mittelgebirge.
Weiter geht es meistens durch den Wald, teilweise aber auch in Waldrand Nähe. Überall gibt es Neues zu sehen, ob das die blühende Einbeere ist, mit vier Blättern, in deren Mitte die unscheinbare Blüte liegt, der weiß blühende Wiesenkerbel, die blühenden Heckenkirschen oder die unscheinbaren Blüten der Gräser. Auf dieser Höhe hat auch bereits die letzte Baumart ihre Blätter entfaltet, nämlich die Esche. Die Singdrosseln sind noch häufig zu hören, aber wir haben gestern tatsächlich schon eine junge gesehen, die aber noch kaum fliegen konnte.
Jetzt, wo die Tour langsam dem Ende zugeht, schweifen meine Gedanken relativ häufig ab. Das ist ja grundsätzlich gut. Beim Wandern kriegt man den Kopf frei und kann sich über vieles Gedanken machen, auch wie das eigene Leben weitergehen soll, und was man für neue Pläne schmieden will. Andererseits ist es schade, wenn man auf einer Wanderung, gerade bei so tollem Wetter wie heute, und im Frühling, wo die Landschaft noch schöner ist als sonst, nicht wirklich in der Gegenwart ist. Tatsächlich nehme ich mir dann manchmal vor, auf jedes Detail ganz bewusst zu achten. Das schärft die Sinne und man sieht dann tatsächlich viel mehr. Im Buddhismus nennt man das ganze Achtsamkeit, ein Begriff, der bei uns ja auch in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Solche Begriffe kriegen ja schnell einen leicht esoterischen Touch, was mir eher fremd ist. Aber das Konzept an sich finde ich nicht schlecht.
Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, wenn man das wandern.
Wenn man das Wandern auf die Formel: Laufen, Essen, Schlafen reduziert, wie manche das ja tun, und sogar behaupten, dass für sie Landschaft und Natur keine große Rolle beim Wandern spielen, dann nimmt man sich ganz viel. Für mich ist das Erlebnis von Natur und Landschaft etwas ganz Wesentliches bei meinen Wanderungen. Selbst bei dieser Deutschlandtour, bei der ich mir ja bewusst vorgenommen hatte, pro Tag lange Strecken zu laufen, kommt dieses in die Natur eintauchen, keineswegs zu kurz.
Schließlich laufe ich wieder längere Zeit durch die Flur, leider meist auf Asphaltwegen. Eine Krähe in einem blühenden Obstbaum lässt sich nicht von mir stören. Über den Wiesen liegt, wie auch gestern schon, das Zirpen der Grillen. So kommt ein Hauch von Sommer in die Frühlingslandschaft. Linker Hand ragen die Waldberge des Schwarzwalds auf, durch die ich bald wieder wandern werde.
Hier auf den Streuobstwiesen finde ich das rosa-weiß der Apfelbäume besonders schön.
Schließlich verlasse ich den NST, der zum Beginn des Schluchtensteigs in der Stadt Wehr führt, stattdessen folge ich einem Radweg parallel zur Bundesstraße Richtung Hasel, laufe aber bald wieder auf Feldwegen.
Auf dem Hotzenwald Querweg laufe ich durch den Ort Hasel. Hier auf einer Wiese, blüht schon der Salbei.
Teilweise auf Pfaden geht es wieder in den Wald. Gestern hatte ich mich noch mit Judith darüber unterhalten, heute ist er da: ich höre den ersten Waldlaubsänger! Dieser Vogel ist stets aus dem Winterquartier zurück, sobald die Buchen austreiben. Judith hatte tatsächlich schon welche gehört. Für mich ist das der Erste. Ich passiere einen mächtigen Bergahorn mit etwa 1 m Durchmesser und sehe einige Eiben. Schließlich gelange ich zurück auf den NST, der hier dem Schluchtensteig oberhalb des Wehra Stausees folgt.
Zunächst laufe ich auf einem Forstweg, der dann aber bald in einen Steig übergeht, der durch den Steilhang verläuft. Der Wald hier ist eine Kernzone des Biosphärenreservats und gleichzeitig als Bannwald ausgewiesen. Hier wachsen Eichen neben Tannen, vor allem aber auch Buchen. Bei den Tannen finde ich die frischen, hellgrünen Triebe wunderbar. Teilweise ist der Pfad ziemlich steinig. An manchen Stellen gibt es regelrechte Geröllhalden, die nur locker, teilweise mit Haselnuss Sträuchern bewachsen sind. Es gibt relativ viel Totholz und einige ziemlich dicke Buchen.
Lediglich ein Mann begegnet mir. Ansonsten habe ich den Steig für mich alleine. Auch der Blick in die gegenüberliegenden Hänge mit den hellen Buchen und dunkleren Fichten und Tannen ist fantastisch. Das Wetter heute ist strahlend und wolkenlos. An manchen Stellen blühen viele Walderdbeeren, und ich sehe eine weghuschende Waldeidechse. Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut!
Schließlich steige ich zur Straße ab, wo ich die Wehra auf einer Brücke überquere. Hier hängen Plakate, die auf eine junge Frau hinweisen, die hier 2020 verschwunden ist. Eine Belohnung von 100.000 € wird auf sachdienliche Hinweise ausgelobt. Wahnsinn, kaum zu Glauben, dass man auf einer Wanderung in Deutschland spurlos verschwinden kann!
Auf der anderen Seite geht es einen Nebenbach, den Sägengraben sehr steil hoch. Toll, wie hier das Wasser über die Felsen plätschert. Die Farnwedel entrollen sich gerade, und es gibt Baumstämme, die von Polstern aus Moos und Sauerklee komplett bedeckt sind. Zwei nebeneinander stehende gigantische Tannen mit wahrscheinlich 1,50 m Durchmesser beeindrucken mich besonders. Schließlich verlasse ich den Bach und laufe auf einem Steig im Hang zurück zum Wehratal und laufe hoch über der Schlucht weiter. Auch hier auf 700 m Höhe ist die Buche bei weiten der dominierende Baum. Es gibt aber auch immer wieder einige alte Tannen. Fichten sind eher selten. Auf der anderen Schluchtseite gibt es an einigen Stellen steil aufragende Felsklippen. Etwas störend ist lediglich ab und zu der Lärm der Straße unten, vor allem durch Motorräder, aber das hält sich an diesem Wochentag in Grenzen.
Stellenweise ist der Steig etwas ausgesetzt d.h. er ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.
Schließlich folge ich einem Fahrweg runter nach Au im Wehratal, wo ich eine Zeit auf der Straße laufe.
Dann führt ein Grasweg, der in einen befestigten Weg übergeht, steil nach oben. Abseits des Wegs finde ich schließlich eine flache Stelle für mein Cowboycamp. Später raschelt es im Laub und ein Rehbock kommt ganz in der Nähe vorbei. Als er mich bemerkt, läuft er bellend davon. Außerdem fliegt ein Schwarzspecht vorbei.


































































