Samstag, 25. April 2026

WdH 78 Von Achdorf nach Weiterdingen

 



Sa, 25.4.2026


WdH 78: Von Achdorf nach Weiterdingen


10:44 h, 36,4 km, 936 hm Aufstieg, 1017 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Morgens folge ich zunächst noch der Wutach, die hier ein ganz normaler Fluss ist, und wandere dann zu den Schleifenbachfällen in der Nähe von Blumberg. Diese fallen in drei Stufen jeweils mehrere Meter in Pools ab und bieten ein für deutsche Verhältnisse spektakuläres Schauspiel. Bald verlasse ich den Schluchtensteig und folge ab jetzt dem Querweg Freiburg-Bodensee. Allerdings suche ich mir heute zu einem großen Teil meiner eigene Route, um einige Ortsdurchquerungen zu vermeiden. Ein Abschnitt ist sehr schön, die Alte Poststraße, die über einen Höhenrücken verläuft. Von hier ergeben sich zahlreiche Ausblicke über die Vulkankegel des Hegau bis zum Bodensee. Da es nirgendwo Wasser gibt, erbitte ich mir an einem Gut 1,5 l. Ich steige hoch zur Ruine Hohenheven, wo ich einige Schwalbenschwanz Schmetterlinge sehe, die hier oben ihren Hochzeitsflug absolvieren. Weiter geht es durch summende und blühende Trockenrasen, sehr schön! Schließlich schlage ich in einem Laubwald unterhalb der Burg Hohenstoffeln mein Freiluftlager auf, wo die ersten Mücken der Saison aktiv sind.


Morgens laufe ich zunächst auf einem Fahrweg durch ziemlich zerpflücken Wald, der offenbar vom Borkenkäfern stark betroffen wurde. Weiter geht es durch die Wiesen oberhalb des Wutachtals, die Wutach ist hier lediglich ein ganz normaler Fluss. Man kann sich kaum vorstellen, wie großartig die Wutschlucht ein Stück weiter aufwärts ist. Bei Achdorf überquere ich den Fluss auf einer Brücke und steige bald auf zu einem sehr grünen Laubwald. Hier drin verborgen und über Leitern erreichbar sind die Schleifenbachfälle. Hier fällt der Bach in drei Stufen, unter denen sich jeweils ein Pool befindet, mehrere Meter tief in einer engen Schlucht spektakulär ab. Ein weiteres tolles Naturschauspiel! 

Ich wandere aus der Schlucht und gehe dann durch den Wald oberhalb von Blumberg, wo ich noch einmal eine richtig große Tanne sehe. 

Auch heute hat es in den Tälern gefroren, aber bald scheint die Sonne wieder aus einem wolkenlosen Himmel und erwärmt das Land.

Es geht durch den Buchenwald am Buchberg, und bald danach verlasse ich den Schluchtensteig endgültig und folge ab jetzt grob dem Querweg Freiburg- Bodensee.

Ein Pfad führt am Waldrand entlang, oberhalb von Magerrasen mit Wachholder. Aus den Gebüschen ertönt der Gesang der Klappergrasmücke.

Ich überquere eine Straße und gelange in den Buchenwald, wo ich zunächst einem Pfad folge. Bald geht es dann allerdings auf Fahrwege, überwiegend durch die offene Landschaft, wo ich ständig Straßenlärm höre und schließlich Randen erreiche.

Hinter dem Ort springt ein kleiner, brauner Frosch über den Asphalt. Kann das sein, dass hier die Entwicklung vom Laich zum fertigen Frosch schon abgeschlossen ist?

Im Wald weiche ich vom NST ab, da ich den Schlenker nach Riedöschingen vermeiden will. Bald gelange ich in die offene Flur, wo es runter zu einer Straße und dann hoch zum Waldrand geht. Hier treffe ich dann auch den NST wieder. Auf einem Wirtschaftsweg geht es durch alten, dichten Fichten -Tannenwald.

Dann folge ich einem krass Grasweg am Waldrand entlang, wo sich tolle Aussichten über Tengen, die vulkanischen Bergkuppen der Umgebung bis hin zur Burg Hohenstoffeln, mit einem doppelten Hügel, meinem heutigen Ziel ergeben.

Am Waldrand entlang geht es zu einer Straße, wo eine Freiflächensolaranlage steht. Kurz danach wandere ich in den Wald. Auf einem Grasweg ziehe ich meine Schuhe aus, und laufe eine Strecke barfuß. Das tut gut und ist bestimmt auch nicht schlecht zur Kräftigung der Füße. Man sollte so etwas viel öfter machen!

Ich folge dann lange dem Alten Postweg, der über einen Höhenrücken führt, und fantastische Ausblicke zu den Vulkankegeln des Hegau bis zum Bodensee bietet. Leider ist das Licht jetzt um die Mittagszeit etwas grell. Daher sind die Schweizer Alpen kaum auszumachen, aber ich kann mir vorstellen, dass das hier bei klarem Wetter ein wundervolles Panorama ist. In der Nähe der Napoleon Hütte laufen viele Leute in Tracht herum, offenbar Angehörige einer Musikkapelle.

Auf dem schönen Weg sind etliche Leute unterwegs mit Fahrrädern und auch zu Fuß, an vielen Stellen gibt es Sitzgelegenheiten um die Aussicht zu genießen. Schließlich verlasse ich den Freiburg-Bodensee Weg, der einen Schwenk nach Engen macht, und laufe direkt zum Hohenheven, einem Vulkankegel mit Burg. 

Meist laufe ich auf asphaltierten Feldwegen. Bei zwei Höfen ist kein Mensch zu sehen, aber bei einem Gut unterhalb des Bergs sehe ich eine Frau auf dem Balkon und rufe ihr zu, ob ich Wasser haben kann. Tatsächlich kommt sie dann mit anderthalb Litern, die ich dringend nötig habe, da es hier ansonsten nirgendwo Wasser gibt. Ein relativ steiler Aufstieg führt mich zur Burg Hoheneven. Hier sind einige Leute unterwegs, da man einen Turm besteigen kann. Allerdings ist die Aussicht nicht gerade berauschend. Was mir viel mehr gefällt, sind die Schwalbenschwänze, die hier durch die Luft fliegen. Diese schönen Schmetterlinge lieben solche erhöhten Punkte für ihre Hochzeitsflüge. Es blühen bereits Schöllkraut, Wiesenstorchschnabel und Salbei. 

Ich folge dann einem Pfad bergab im Wald, wo die Kuckucke rufen und der Waldmeister blüht. Am Waldrand verlasse ich wieder den NST, der hier einen Schlenker nach Welschingen macht und nehme stattdessen eine direktere Route in Richtung der Ruine Hohenstoffeln. Es geht durch traumhafte Trockenrasen, wo es summt und zirpt und schon allerhand blüht. Außerdem wachsen hier jede Menge Sträucher, von Weißdorn bis zum Schneeball. 

Am Mühlbach fülle ich mir meinen Wassersack mit 2 l auf, zum ersten Mal auf dieser Wanderung! Der Bach fließt nicht nur durch Wald, daher fülle ich mir hier nur ungern mein Wasser ab. Aber der Liter den ich noch habe, ist bei der Wärme definitiv zu wenig. Hier an der Straße werden schon die ersten Wiesen gemäht. Bald geht es aber wieder in den schattigen Laubwald, wo ich schon früh unter Douglasien, die von Buchen umgeben sind, mein Freiluftlager aufschlage. Zum ersten Mal auf dieser Wanderung, schwirren hier einige Mücken umher. Es ist auch abends hier auf 530 m Höhe ziemlich mild. Eigentlich hatte ich vorgehabt, bei der Ruine Hohenstoffeln zu lagern, aber ich fürchte, dass dort an diesem schönen Samstag noch lange viel los ist. 

Die Mücken verschwinden erst, als es richtig dunkel ist und langsam kälter wird. Später höre ich dann noch Laubfrösche rufen, seit vielen Jahren das erste Mal wieder für mich!


















Freitag, 24. April 2026

WdH 77 Vom Schluchsee nach Achdorf

 



Fr, 24.4.2026


WdH 77: Vom Schluchsee nach Achdorf


11:29 h, 36,4 km, 831 hm Aufstieg, 1219 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Im beginnenden Sonnenaufgang erhalte ich noch einmal einen Blick über den Schluchsee. In einem idyllischen Tal hinter Fischbach sehe ich Schafe und schwarzwaldtypische Hinterwälder Rinder. Wie auch anderswo, äußern Plakate Bedenken, dass, wenn sich der Wolf etabliert, es mit der Weidewirtschaft im Schwarzwald vorbei ist. Ich halte das für stark übertrieben, da es viele Beispiele aus anderen Regionen Europas gibt, wo eine Koexistenz von Wölfen und Weidevieh durchaus möglich ist. In Lenzkirch nehme ich in einer Bäckerei ein zweites Frühstück ein, und erreiche dann bald die Haslachschlucht, die am Zusammenfluss mit der Gutach zur Wutach wird. Die etwa 30 km lange Schlucht durchschneidet fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands und ist entsprechend vielfältig, was die Natur angeht. Nach meinem Empfinden wahrscheinlich das absolute Highlight meiner ganzen Deutschland Wanderung! Leider sind heute für meinen Geschmack etwas zu viele Besucher da, kein Wunder bei dem schönen, strahlenden Wetter. Nachdem ich die Schlucht verlassen habe, wird es nicht mehr lange dauern, bis ich auch den Schluchtensteig hinter mir lasse. Dieser hat mir überaus gut gefallen! Lediglich der Abschnitt zwischen Todtmoos und dem Schluchsee verläuft für meinen Geschmack zu viel auf Forstwegen. Hier wäre eine Verlegung auf schmale Pfade begrüßenswert. 


Meine Luftmatratze scheint ein kleines Loch zu haben, daher verliert sie über Nacht Luft. Es geht allerdings nicht soweit, dass ich richtig hart liege, aber es ist deutlich. Meiner Erfahrung nach, dauert es nie besonders lange, bevor bei Luftmatratzen so etwas passiert. Deswegen verwende ich seit vielen Jahren eigentlich nur noch feste Matten, auf denen ich genauso gut schlafe. Der Vorteil der Luftmatratze, und warum ich sie diesmal mitgenommen habe, ist, dass sie bei Kälte besser isoliert. Da ich ja schon am 5. Februar aufgebrochen bin, war dies diesmal ein wichtiger Punkt. Ich steige steil hoch zum Bildstein, von wo sich noch einmal ein Blick auf den Schluchsee mit den Schweizer Bergen im beginnenden Sonnenaufgang im Hintergrund ergibt. 

Auf einem Forstweg geht es dann runter nach Fischbach. Dort kommt mir bereits ein Mann entgegen, dessen Hund weit voraus läuft und mir ziemlich aggressiv begegnet. Als ich den Mann darauf anspreche, dass man so einen Hund an der Leine zu führen hat, leint er ihn sofort an. Hinter Fischbach geht es wieder im Wald recht steil hoch und dann abwärts ins Tal des Schwendebächle. Ich sehe ein Reh und einen Hasen auf dem Weg. Das Tal ist sehr idyllisch, mit vielen Schafen auf der Weide und den braunen, relativ schlanken Hinterwälder Kühen, die durch ihr geringes Gewicht an die Bedingungen im Schwarzwald gut angepasst sind. Ein Plakat suggeriert, dass die Weideviehhaltung im Schwarzwald ihrem Ende entgegen geht, sobald der Wolf fest etabliert ist. Hierzu muss man sagen, dass es in vielen anderen Gebirgen Europas schon seit langem ein Miteinander von Weidevieh und Wölfen gibt. Natürlich gibt es dann und wann Übergriffe, aber man kann nicht sagen, dass der Wolf das Ende der Weideviehhaltung bedeuten wird.

Schließlich geht es durch überwiegend Wald runter nach Lenzkirch. Obwohl auch heute wieder ein strahlend schöner Tag ist, hat es in den Senken gefroren.

In Lenzkirch nehme ich erst einmal ein zweites Frühstück in einer netten Bäckerei ein, wo man mich gleich fragt, ob ich draußen geschlafen habe…

Vom Kaffee beflügelt, laufe ich auf Asphalt aus dem Ort im Haslach Tal. 

Schließlich führt ein Pfad runter, direkt zur Haslach, der ich ein kleines Stück folge, bevor ich steil wieder aussteige. Hier haben Biber gearbeitet. Als ich das letzte Mal vor fünf Jahren hier war, habe ich noch keine Biberspuren gesehen. Eine Tafel erklärt, dass die Wutach hier auf 30 km Länge, 160 Höhenmeter abfällt, und dabei fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands durchschneidet. Daher ist die Schlucht sehr vielfältig, was Tier- und Pflanzenwelt angeht.

Neben dem Schluchtensteig, verläuft hier auch der Querweg Freiburg-Bodensee, dem der NST wahrscheinlich längere Zeit folgen wird.

Eine Zeit lang laufe ich auf einem Fahrweg oberhalb der Haslach Schlucht. Ich passiere eine mächtige Fichte mit etwa 1,3 m Durchmesser, die als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.

Auf einem Steig geht es abwärts zum Bach, der am Rechenfelsen durch eine enge Klamm fließt. Hier geht es dann wieder aufwärts. Parallel zum Schluchtensteig verläuft hier oberhalb ein Radweg. 

Schließlich gelange ich an den Zusammenfluss von Haslach und Gutach. Weiter abwärts heißt der Fluss jetzt Wutach. Die Wutach ist hier ein bis zu 10 m breites, munteres Flüsschen, in dem zahlreiche Felsbrocken liegen. Ein Paar sitzt auf einer Bank an der Mündung. Zunächst verläuft der Pfad in Bachnähe. Hier wachsen überwiegend Fichten und Buchen, an nassen Stellen auch Erlen. Die Buschwindröschen sind noch nicht ganz verblüht, außerdem gedeihen Schlüsselblumen und Veilchen. Es gibt auch sonnige Lichtungen voll Sehgen, Haselnusssträuchern und Brennnesseln.

Von der Rötenbach Mündung, wo ich drei Leute sehe, geht es wieder nach oben, wo ich dann einem Fahrweg folge. Die Wutach ist hier aufgestaut. Das Stauwehr ist mehrere Meter hoch und für Fische völlig unüberwindlich. Ein Stückchen weiter gelange ich an das Kraftwerk Stallegg. Eine Tafel informiert über die Geschichte. Schon 1895 wurde hier ein Kraftwerk erichtet, was allerdings 1979 stillgelegt wurde. Statt die Möglichkeit zu nutzen, die Wutach wieder komplett für Fische und andere Lebewesen durchgängig zu machen, erfolgte im Jahr 2000 die Wiederinbetriebnahme der Kraftwerksanlage. Was den Naturschutz angeht, begnügt mich man sich wie so oft mit Ermahnungen auf den Wegen zu bleiben, was die Wanderer angeht, aber an die wirklichen Probleme, wie hier das Stauwehr, geht niemand ran. Bedauerlich!

Eine Tafel unterrichtet darüber, dass hier einige der größten Tannen Deutschlands wachsen. Die höchste war 53 m hoch,  ist allerdings umgestürzt. Der aktuelle Spitzenreiter liegt bei 51 m. Das ist ziemlich beachtlich, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Buchen in Deutschland um die 30 m hoch werden und auch sonst ist im Wirtschaftswald bei dieser Höhe meistens Schluss. Laut der Tafel, ist der höchste Baum Deutschlands allerdings zur Zeit eine Douglasie bei Freiburg, die 68 m Höhe erreicht.

Hinter dem Kraftwerk fällt die Schlucht steil ab, und der Pfad verläuft hoch im Hang. Jetzt ist die Wutach ein rauschender Wildbach.

Relativ flach geht es im Hang weiter zu den Klippen des Räuberschlößle. Leider erhält man hier keine besonders gute Aussicht.

Weiter geht es relativ flach durch den schönen Buchen-Tannen-Fichtenmischwald. Entlang von Haselnussgebüschen geht es dann nach oben aus dem Wald. Hier färbt der Löwenzahn die Wiesen gelb und die Schlehen den Waldrand weiß.

Ein Fahrweg führt mich wieder in den Wald, wo am Wegrand zahlreiche Sinterquellen entspringen, voller farbiger Mose.

Schließlich geht es auf einem Pfad bergab zur Straße an der Schattenmühle. Hier stehen ziemlich viele Autos auf dem Parkplatz. Ich treffe jetzt auch etliche Leute. Weiter geht es auf einem Pfad relativ dicht an der Wutach. Hier blühen die Frühlingsplatterbsen.

Schließlich passiere ich einen Mini Wasserfall, sehr fotogen! Allerdings sind für meinen Geschmack heute an diesem sonnigen Freitagmittag viel zu viele Menschen hier unterwegs.

Schließlich geht es auf einem Fahrweg oberhalb eines lieblichen Wiesengrund weiter. An den Seiten gibt es teilweise einen steilen, felsigen Trockenrasen. Hier wachsen später im Jahr bestimmt auch Orchideen. 

Auf der anderen Talseite erstreckt sich ein großer Felsrutsch, und auf meiner Seite, etwas zurückgesetzt, ragen steile, gelbliche Wände auf.

Ich überquere die Wutach auf einem Holzsteg und treffe jemand, vielleicht ein Franzose, der mit Zelt und Rucksack hier einige Tage lang wandern will. Am anderen Ufer liegt Bad Boll, einst Standort eines international renommierten Hotels, von dem aber heute nur noch eine kleine Kirche zeugt. Das Naturschutzgebiet Wutachschlucht gibt es schon seit 1939, es wurde allerdings einige Male erweitert.

Weiter geht es zunächst in Flussnähe vorbei an alten Eichen und Wiesen auf denen Schlüsselblumen, Schaumkraut und Pestwurz blühen. Bald ragt rechts eine gigantische Kalksteinwand auf. hier fällt ein hübscher Wasserfall über eine Kalksinterterrasse hinab.

Eine Wasseramsel fliegt flussauf an mir vorbei und am Bach wachsen jetzt auch Ulmen, Linden, Ahorne und blühende Traubenkirschen. 

Ein mit Drahtseilen gesicherter Steig führt steil hoch in die Wand über der Wutach. Hier ergibt sich ein grandioser Ausblick, gerade mit dem hellen Grün der Buchen. Hier begegnet mir ein Mann, der mich anspricht. Er ist wahrscheinlich einige Jahre älter als ich und kommt aus der Region. Wir tauschen uns darüber aus wie großartig die Wutachschlucht ist, auch im internationalen Vergleich. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber er erzählt, dass ein Freund von ihm in einer Kolumne in der Frankfurter Rundschau, das für und wieder eines Tempolimits erörtert hat. Daraufhin bekam er massive Drohungen, die bis zum Vierteilen  gingen. Wir beide sind der Meinung, dass so etwas verfolgt werden muss, man sich aber nicht einschüchtern lassen und weiterhin seine Meinung kundtun sollte. Schließlich geht es runter zum Fluss, wo ich Bärlauchblätter nasche. Eine Hütte an einer Wiese lädt zum Rasten ein.

Anschließend geht es noch einmal hoch und entlang einer hellen Felswand, bevor es relativ flach durch jungen Wald aus Ahornen und Eschen weitergeht. Hier blühen gelbe Anemonen und zweimal sehe ich einen Trauermantel Schmetterling.

Von der nächsten Steilwand führt eine Metalltreppe herunter. Eine Stufe ist leider durchgebrochen, sie sollte dringend repariert werden. Eine kleine, hübsche, grüne Zauneidechse wischt vor mir über den Weg.

Einmal gehe ich auf eine Kiesbank, wo auf der gegenüberliegenden Seite eine steile Felswand aufragt. Hier fliegt eine gelbe Gebirgsbachstelze an mir vorbei und ein Graureiher fliegt aus dem Bachbett auf. Ein Stück weiter sehe ich einen Angler auf der anderen Flussseite. Ob Fischen wohl hier im Naturschutzgebiet erlaubt ist?

Ich überquere den Fluss und laufe im flachen Laubwald, in dem nur wenige Fichten wachsen, weiter. Bald geht es wieder über den Fluss und ich kann flach weiterlaufen. Es wächst hier viel Silberblatt und auch an Bärlauch ist kein Mangel. An einer Stelle sehe ich mehrere blühende Schuppenwurz, eine unscheinbare, parasitisch lebende Orchidee. Bald geht es noch einmal entlang

der Felsen, dicht am Fluss. Dieses Muster aus flachen Abschnitten und Steigen in der Felswand wiederholt sich immer wieder. Ein Stockenten Paar am Ufer stört sich gar nicht an mir.

An einem weiteren Holzsteg beginnt der Ausstieg aus der Schlucht. Schließlich erreiche ich die Straße bei der Wutachmühle und folge einem Fahrweg, der parallel dazu verläuft. Irgendwann geht es auf einem Pfad weiter und ich schlage schließlich mein Cowboycamp im Laubwald mit dichtem Unterwuchs auf. 


























Donnerstag, 23. April 2026

WdH 76 Von Au zum Schluchsee

 



Do, 23.4.2026


WdH 76: Von Au zum Schluchsee


12:12 h, 39,6 km, 1310 hm Aufstieg, 1140 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute laufe ich den ganzen Tag auf dem Schluchtensteig weiter. Ich passiere Todtmoos und laufe die Wehra weiter aufwärts bis zur Nähe der Quelle. Als ich den Wald verlasse, gelange ich in eine Traumlandschaft aus extensiv bewirtschafteten Weiden und Wald, wo ich Aussichten einerseits zu den schneebedeckten, hohen Schweizer Bergen, andererseits zurück zum Feldberg erhalte. Sehr schön , vor allem da keine einzige Wolke am Himmel steht. 

Tafeln erklären, dass die Weiden durch extensive Rinderbrweidung offen gehalten werden. 

Schließlich erreiche ich St. Blasien, das von einem riesigen Kloster geprägt wird. Der folgende Abschnitt zum Schluchsee ist nicht sehr interessant, da ich auf breiten Forstwegen laufe. Der See selber hat eine tiefblaue Farbe und gefällt mir durchaus. Vom Ufer steige ich dann ein Stück auf, kann meine Wasserflasche noch mal auffüllen und beziehe schließlich ein Freiluftlager in einem jungen Wald.


In der Nacht ist es zwar recht windig, aber ich schlafe trotzdem gut. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen, dass ich aus dem Wald komme und durch Schwarzenbach laufe. Als es wieder in den Wald geht, passiere ich die Gerweck Tanne. Ein Baum, vor dem man nur staunen kann, mit über 2 m Durchmesser! Leider wurde sie gerade beim Holzrücken beschädigt. Wie kann das sein, dass man auf so einen Baum nicht acht gibt?

Auf Forstwegen wandere ich weiter nach Todtmoos. Der Wald hier ist ziemlich eindrucksvoll mit vielen dicken Tannen, aber es ist auch überall Baumnachwuchs vorhanden und viel mehr Buchen als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. 

Todtmoos ist ein netter Touristenort, leider hat hier um diese Zeit noch keine Bäckerei geöffnet, in der ich mir einen Kaffee holen kann. Das Thermometer im Ort zeigt lediglich 3° an! Hinter dem Ort wandere ich auf einem Steig das Wehratal weiter hoch. Die Wehra ist hier nur noch ein kleines Bächlein . Dafür ist das Tal umso schöner, mit großen Tannen und moosbedeckten Felsblöcken.

Einige Male fliegt ein Graureiher vor mir aus dem Bachbett auf. Schließlich verlasse ich das Tal und steige steil bergauf zur Straße am Ibacher Kreuz. Weiter geht es auf einem Forstweg oberhalb der Wehraquelle bergauf durch wunderschönen Tannen-Buchenwald.

Als ich aus dem Wald gelange, laufe ich durch eine Traumlandschaft! Hügelige, karge Weiden auf denen zum Teil Felsbrocken liegen, gesprenkelt mit Wachholdern und einzelnen, markanten Buchen, feuchte Senken mit Binsen und der Wald ist natürlich allgegenwärtig. Unglaublich sind die Aussichten in der Gegend von Ibach. Die Schweizer Alpen mit ihren Viertausendern türmen sich in scheinbar greifbarer Nähe auf. Dabei sind sie noch 160 km entfernt. Außerdem erscheint noch einmal der Buckel des Feldbergs, zudem die waldbedeckten Höhenzüge die zu ihm reichen. Über den Weiden rüttelt ein Turmfalke, auf der Stelle stehend. Im Wald läuft entfernt, der Statur und Bewegung nach zu urteilen, wahrscheinlich ein Dachs vor mir auf dem Weg. Falls ich mich irgendwann einmal nieder lassen will, wäre das hier eine Gegend, die mich sehr anzieht!

Tafeln erklären etwas zum Schluchtensteig, der insgesamt 118 km lang ist, wovon ich den größten Teil begehe und zu den Wiesen rund um Ibach. Diese sind tatsächlich seit altersher im Gemeindebesitz und jeder Bauer hat das Recht, sein Vieh auf diese Weiden zu treiben. Für das Winterfutter muss er aber selber sorgen, mit Gras von seinen eigenen Mähwiesen. Hier wird kaum gedüngt, deswegen wachsen hier viele seltene Pflanzen, faszinierend!

Als ich kurz auf einer Straße laufe, hält ein älterer Radfahrer bei mir und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt, dass er sich ebenfalls in das Ibacher Hochtal, das vom Feldberggletscher geformt wurde, verliebt hat und durch Zufall hier auch eine Wohnung mieten konnte. Das sei allerdings ziemlich schwierig da  in der Regel nicht vermietet wird. 

Interessanterweise gibt es hier Kisten, die mit Eicheln beschickt wurden, damit Eichelhäher und andere Tiere, die Eicheln verstecken, häufig die Fundorte vergessen und dann eventuell eine junge Eiche hoch wachsen kann. Das ist vor allem interessant, weil hier zur Zeit in über 1000 m Höhe noch gar keine Eichen wachsen. Rechnet man damit, dass sich das zukünftig durch den Klimawandel ändern wird? 

Mir begegnet eine offensichtlich ziemlich alte Frau, die mit größerem Rucksack unterwegs ist. Leider scheint sie kaum Deutsch zu sprechen,  daher kommen wir nicht ins Gespräch. Interessante Tafeln verraten einiges über die Landschaft und die Weidewirtschaft hier. Letztenendes geht es dabei um die Erzeugung von Kalbfleisch. So sehr klar ist, dass grundsätzlich Fleischerzeugung starke negative Auswirkungen auf die Umwelt hat, trägt hier die Rinderhaltung entscheidend zum Erhalt dieser reizvollen Landschaft bei.

Überraschenderweise begegnen mir dann kurz hintereinander zwei Frauen aus Hanau, die den Schluchtensteig wandern und zwei einzelnen Wanderer. Ich passiere die Kreuzfeld Hütte, wo es noch einmal einen tollen Ausblick zu den Schweizer Bergen gibt.

Dann steige ich ab zum Klosterweiher, und erhalte bei Horbach noch einmal ein Ausblick zu den Schweizer Bergen. Weiter geht es zum Teil auf einem Pfad. Auch hier erläutern Tafeln etwas zur Geschichte der Landschaft. So gibt es  einen Berg, der durch die Aufgabe der Beweidung wieder zu Wald geworden ist. Heute sieht nur noch der Kenner, dass dies einmal eine Weide war.

Weiter geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Wiesen. An einer Stelle ist ein Transporter abgestellt, und ein Papier in der Windschutzscheibe verrät, dass sie sich um Mitarbeiter des Biosphärengebiets handelt. Ich sehe, dass dort eine Reihe von Jugendlichen unter Aufsicht, Fichtenzweige von den Borstgrasrasen wegräumen. Offenbar ist dies Teil einer Pflegemaßnahme zur Offenhaltung der früheren Weiden.

Als ab den fünfziger Jahren auch in den armen Hotzenwald langsam die Modernisierung vordrang, gaben viele Bauern ihre Weiden auf, und forsteten sie mit Fichten auf. Wahrscheinlich wäre ein Großteil der Landschaft hier heute wieder Wald, wenn nicht durch Fördergelder die Landwirte dabei unterstützt würden, die Landschaft offen zu halten. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Rückkehr des Waldes wirklich etwas so Schlechtes wäre, aber das Landschaftsbild würde sich stark verändern, und auch für Touristen wäre die Landschaft wahrscheinlich weniger attraktiv, da Menschen den Wechsel von Wald und offenen Flächen, die Ausblicke erlauben, zu schätzen wissen.

Ich passiere den Lehenkopf mit hölzernem Aussichtsturm und beginne dann den langen Abstieg durch den Wald, auf einem Pfad. Ich höre großes Getöse, und als ich an einen Forstweg komme, sehe ich, wie feine Äste von einer Maschine zerhackt und auf einen LKW geschüttet werden. Hier werden wahrscheinlich Hackschnitzel für Heizanlagen hergestellt. Hierzu muss man wissen, dass im Wald die meisten Nährstoffe in den feinen Ästen stecken. Werden diese nun für so eine Aktion dem Wald genommen, führt das langfristig, vor allem auf ärmeren Böden wie hier, zu Nährstoffmangel. Diesen Effekt hatten wir großräumig bis nach dem zweiten Weltkrieg, wo oft auch das kleinste Ästchen als Brennmaterial aus dem Wald geholt wurde. Wollen wir wirklich, dass unsere Böden im Wald wieder so verarmen? 

Schließlich gelange ich nach St. Blasien, was durch ein riesiges Benediktinerkloster geprägt wird, mit gigantischer kuppelförmiger Basilika. Natürlich kann ich bei dem sonnigen Wetter der Gelegenheit nicht widerstehen und gönne mir eine Eisschale. Frisch gestärkt laufe ich weiter durch den Ort und dann auf einem Steig die relativ kurze Windberg Schlucht aufwärts. Am Ende gibt es hier einen 6 m hohen Wasserfall.

Schließlich geht es auf einem Forstweg ziemlich steil aufwärts, durch geschlossenen alten Wald, der hauptsächlich von Fichten geprägt wird . Aber überall sind auch Buchen und Tannen dabei,  ein schöner Mischwald!

Als das Terrain abflacht, führt der NST nach Althütte, ich dagegen bleibe auf einem Forstweg im Wald. Dieser besteht hier jetzt ganz überwiegend aus Fichten, Tannen und Buchen sind ziemlich selten.

Es geht dann noch ziemlich lange auf Forstwegen weiter. Der Wald ist zwar schön, aber das Laufen auf den breiten Wegen ist nicht sehr interessant. Hier büßt der Schluchtensteig an Qualität ein! Irgendwann sehe ich den tiefblauen Schluchsee unter mir. Der Weg verläuft später ziemlich dicht am See und zuletzt unterhalb des Dörfchens Aha direkt über dem Seeufer. Der Wasserspiegel scheint ziemlich niedrig zu sein, da überall das Ufer von einem steinigen Streifen gesäumt wird. Schließlich wende ich mich vom See ab und passiere ein großes Hotel, sowie einen Naturcampingplatz. Dann geht es wieder aufwärts. Ich kann meine Flasche an einem Brunnen noch mal füllen und schlage dann in einem jungen Buchen- Fichtenwald mein Freiluftlager auf.