Dienstag, 28. April 2026

WdH 81 Von Nendingen zum Steibruch Dotternhausen

 



Di, 28.4.2026


WdH 81: Von Nendingen zum Steinbruch Dotternhausen


12:23 h, 42,2 km, 1243 hm Aufstieg, 1147 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Während ich am Morgen weiter durch den Wald laufe, kommt mir ein Dachs schnurstracks entgegen, bemerkt mich nicht, und verschwindet erst, als er sich mir bis auf weniger als 5 m genährt hat, im Wald. Bei Nendingen überquere ich die hier noch ziemlich kleine Donau. Durch das Ursental steige ich dann langsam empor zur Schwäbischen Alb. Dort gelange ich auf den Albsteig auch HW 1oder Nordrand Weg genannt. Hinter einem Segelfluggelände treffe ich Andreas, der mir sehr viele Fragen zum Wandern stellt.

Bei Gosheim steige ich dann auf den höchsten Berg der Schwäbischen Alb, den Lemberg mit 1015 m, der von einem hohen Aussichtsturm gekrönt wird. Im Gegensatz zu 2021 als ich etwas später hier war, haben in diesem Jahr die Buchen schon ausgetrieben. Ich folge dem Rand des Abfalls noch ein wenig und passiere dann die beiden Orte Deilingen und Ratshausen. Hinter diesem Ort steige ich 300 Höhenmeter auf. Ich sehe die ersten Orchideen des Frühlings und wandere schließlich auf einem Pfad, der sehr steil und mit Geländer gesichert ist. Leider ist es jetzt etwas dunstig, daher sind die Ausblicke nicht ganz so schön. An einem großen Steinbruch vorbei steige ich schließlich ein Stück ab und suche mir einen Lagerplatz im Wald. Dort entdeckt mich ein Jäger mit seinem Hund, der sehr freundlich ist und überhaupt kein Problem damit hat, dass ich hier im Wald schlafe.


Wie auch gestern Abend schon, ruft in der Dämmerung ein Sperlingkauz Intensiv. Zum Frühstück gibt es außer meinem Müsli noch Kuchen, den Franz gestern mitgebracht hatte. Als ich aufbreche, laufe ich erst einmal einige Kilometer durch einen schönen Wald, zwar mit vielen Fichten, aber wie auch gestern schon, mit üppigem Unterwuchs aus Buchen und stellenweise auch Tannen. Dann glaube ich, kaum meinen Augen zu trauen, ein Dachs läuft gerade auf mich zu, dem Forstweg folgend. Er bemerkt mich nicht und und kommt bis auf etwa 5 m an mich heran, bevor er den Weg verlässt. Ein tolles, außergewöhnliches Erlebnis! 

Schließlich verlasse ich den Wald und laufe durch den ausgedehnten Ort Nendingen, wo jetzt am Morgen ziemlich viel Verkehr ist. Ich trinke einen Kaffee, überquere die Donau, die hier eher ein Bach ist, und lasse dann den Ort hinter mir.

Auf einem asphaltierten Feldweg geht es in das zunächst breite Ursental, wo ich zunächst über die von Wald eingefassten Wiesen laufe. Bald hört der Asphalt auf und es geht durch den Wald weiter. Hier wachsen überwiegend alte Fichten, aber Laubbäume sind nie weit entfernt. Das Tal gefällt mir sehr gut. Ich sehe ein Mönchsgrasmückenmännchen mit seiner schwarzen Kappe, einen Kolkraben in einem Baum und höre Hohltauben und einen Grünspecht. Langsam, aber stetig geht es Talaufwärts. Hier blühen noch gelbe Anemonen Schlüsselblumen, Lerchensporn und Milzkraut. Weiter oben im Tal passiere ich üppig bewachsene Kalksteinfelsen, und gelange dann an Skipisten mit Lift vorbei zu einer Straße der ich eine Zeit lang folge.

Dann geht es auf Forstwegen durch den Fichtenwald, bis ich schließlich den Segelflugplatz Klippeneck erreichen. Dort stoße ich auf den Albsteig oder HW 1, der dem ganzen Nordrand der Schwäbischen Alb folgt.

Bald treffe ich Andreas, einen Mann in meinem Alter, der eine Tageswanderung unternimmt und mir sehr viele Fragen zu meiner Tour,  meiner Ausrüstung und so weiter stellt. Eine nette Begegnung. Teilweise laufe ich dann auf Pfaden direkt am Rand des Steilabfalls des Plateaus. Ich passiere steile, gelbe Klippen und überquere die Straße beim Radarturm Gosheim. Dann laufe ich lange Zeit durch den recht großen Wort und steige von einer Straße zum Lemberg auf. Ein Stück auf einem Pfad mit Serpentinen. Oben, auf dem mit 1015 m höchsten Berg der Schwäbischen Alb steht ein hoher Turm. Angeblich soll man von oben die Schweizer Alpen und auch die Zugspitze sehen können,  aber jetzt um die Mittagszeit ist es zu dunstig. Ich erinnere mich daran, als ich 2021 auf meiner großen Deutschland Wanderung hier oben war. Das war Anfang Mai und damals hatten die Buchen noch nicht ausgetrieben. In diesem Jahr ist das ganz anders. Das helle Grün hat sich schon überall entfaltet.

Auf einem Pfad steige ich ab zum Lembergsattel, von dort geht es dann wieder aufwärts zum Hochberg Ein Stück abwärts passiere ich die Nikolauskapelle und erreiche dann die Schörzinger Hütte des Alb Vereins.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und wandere über die Wiesen nach Deilingen. Für ein Stück laufe ich barfuß, das tut gut! Ich wundere mich immer, wie viel Industrie es in kleinen schwäbischen Orten gibt, da ist Deilingen keine Ausnahme.

Am Waldrand sehe ich einen Trauermantel und Vergissmeinnicht blüht. Es geht noch ein Stück durch den Wald. Dann laufe ich durch die Wiesen nach Ratshausen, wo ich mir am Friedhof meine Wasserflasche auffülle. 

Vom Ort geht es zunächst auf Asphalt berghoch. An einer Stelle sehe ich einen Flecken der ersten Orchideen in diesem Frühjahr, Breitblättriges Knabenkraut! Hinter einem Wanderparkplatz führt dann ein Pfad im Wald hoch, der irgendwann steil und steinig wird und sogar mit einem Geländer gesichert ist. Hier entdecke ich eine andere Orchideenart, gelblich und unscheinbar, gelb blühenden Färberginster, Mehlbeeren, die ebenfalls blühen und es wachsen Wacholder und Eiben nebeneinander, etwas, was man auch nicht so oft sieht.

Nach 300 Höhenmetern Aufstieg, erreiche ich die ehemalige Burg Plettenberg, von wo sich ein schöner Ausblick zurück auf meine Route ergibt. Von einer Burg oder auch nur einer Ruine ist allerdings kein Stein zu sehen. Ein Stück weiter liegt rechter Hand eine offene Fläche, die mit einigen Wacholdern bestanden ist. Links fällt das Plateau steil ab und ist mit Wald bewachsen. Ich laufe jetzt relativ flach auf der Kante vorbei an Wacholdern und Buchen sowie einigen

tiefbeasteten Fichten auf der offenen Fläche. Hier blühen auch noch

Buschwindröschen, Veilchen und sehr viele Wiesenprimeln.

Ich passiere eine verschlossene Hütte des Alb Vereins mit Spielplatz und laufe ein Stück auf einem breiten, frisch geschotterten Weg am Rand eines Steinbruch. Dann zweige ich auf einen Pfad ab. Irgendwann kann ich in den umzäunten Steinbruch blicken, der sogar eine eigene Seilbahn hat.

Ich steige dann noch ein Stück ab und schlage nicht weit entfernt von einem Erdweg in einem Buchenwald mit einigen Kiefern mein Cowboycamp auf. Ich bin gerade damit angefangen, als ein hochgewachsener Mann mit umgehängten Fernglas und Hund an der Leine erscheint. Er ist tatsächlich ein Jäger und ist sehr freundlich. Wir unterhalten uns ein wenig und er hat kein Problem damit, dass ich hier bleibe. 
















Montag, 27. April 2026

WdH 80: Von Liggeringen nach Nendingen

 




Mo, 27.4.2026


WdH 80: Von Liggeringen nach Nendingen


13:26 h, 41,2 km, 961 hm Aufstieg, 709 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon früh am Morgen steige ich zur Ruine Altbodman auf und gelange dann an den Bodensee. Eine Zeit lang folge ich dem Ufer zum Teil an Schilfbeständen vorbei und verlasse dann den Nord Süd Trail endgültig. Auf einer eigenen Route gehe ich nach Stockach, wo ich mich mit Bärbel treffe, die meinen Weg schon seit Jahren verfolgt. Wir wandern auf dem HW 9, dem Heuberg-Allgäu Weg zusammen weiter. Dabei erzählt mir Bärbel von ihren Problemen mit der Forstbürokratie im Zusammenhang mit Genehmigungen für ihre Tätigkeit als Anbieterin für Wald Meditation und Waldbaden. Zuvor hat sie im Steuerbüro gearbeitet und erzählt mir, wie auch dort die Bürokratie im Laufe der Jahre immer mehr ausgeufert ist. Sie hat vier Seiten mit Fragen an mich vorbereitet, eine davon finde ich besonders interessant: Was bezwecke ich mit meinem Projekt? Dazu muss ich sagen, dass ich mir nicht anmaße damit irgendetwas wirklich zu verändern. Allerdings glaube ich, dass auch kleine Denkanstöße, mit denen man einige Menschen erreicht, durchaus etwas Positives bewirken können. Ich sehe das ganz bescheiden, aber auch realistisch. Andererseits finde ich es ganz für mich persönlich sehr interessant, während der Wanderung mit den verschiedensten Leuten über ganz unterschiedliche Themen gesprochen zu haben. Ebenso fand ich es sehr interessant, das Thema Wandern in Deutschland aus meiner durch die internationalen Erfahrungen getönten Brille zu betrachten.

In Neuhausen ob Eck wartet Bärbels Lebensgefährte Franz auf uns, und wir trinken zusammen Kaffee. Nach 2 Stunden des Zusammensitzen verabschieden wir uns und ich wandere in ein größeres Waldgebiet, wo ich schließlich in einem Fichtenwald mein Freiluftlager aufschlage.


Bereits um 5:30 Uhr im noch fast Dunklen bin ich wieder unterwegs. Es geht durch den Buchenwald auf einem Pfad ziemlich steil aufwärts. Wo sich der Wald öffnet, sehe ich auf einem Acker fünf weibliche Damhirsche. Ein Stück weiter erhalte ich in der Nähe der Ruine Altbodman einen schönen Ausblick über den Bodensee. Hier blühen schon die Kastanien. Es geht dann abwärts zum Bodensee und bei Bodman laufe ich durch ein Naturschutzgebiet mit Schilfbeständen und Weiden wo die Nachtigallen singen und Blässhühner und Stockenenten schwimmen. Hier verlasse ich dann den Nord Süd Trail endgültig und nehme ab jetzt für die letzten fünf Tage bis Stuttgart eine eigene Route.

Lange laufe ich auf einem Pfad durch ein schönes Mischwaldgebiet, überquere die A 98 und erreiche Stockach. Hier treffe ich mich mit Bärbel, einer 64-jährigen Frau, die aber wesentlich jünger aussieht und meinen Weg verfolgt, seitdem sie mein erstes Buch gelesen hat. Wir folgen ab jetzt dem Heuberg-Allgäu Weg des Schwäbischen Albvereins, auch HW 9 genannt. Bald lassen wir die Stadt hinter uns und wandern durch eine ruhige, abwechslungsreiche Landschaft zum Teil offen zum Teil bewaldet nach Hoppetenzell. Bärbel hat vier Seiten mit Fragen an mich notiert, die sie mir im Verlaufe unserer Wanderung stellt. Dabei geht es um mich als Person, um meine Reisen, den Wald, Praktisches zum Thema Wandern und mein aktuelles Projekt. Bärbel hat in einem Steuerbüro gearbeitet und ist seit zehn Jahren im Bereich Wald Meditation, Waldbaden und systemische Aufstellung tätig. Sie erzählt wie bürokratisch häufig die Forstämter die notwendigen Genehmigungen hierfür handhaben. Wie an vielen Stellen wäre auch hier etwas weniger Bürokratie und etwas mehr Wohlwollen eine gute Sache. Aus ihrer Erfahrung im Steuerbüro erzählt sie, dass auch in diesem Bereich die Bürokratie immer ausgeprägter geworden ist, über die Jahre. Es wäre dringend notwendig, auch hier einiges zu vereinfachen. Außerdem müsste die Regierung gegebene Versprechen auch einhalten. Als Beispiel hierfür erzählt sie, dass bei der Erteilung der Corona Hilfen gesagt wurde, dass darauf Steuern gezahlt werden müssen, aber nicht, dass diese zurückzuzahlen seien, sobald wieder bestimmte Umsätze überschritten worden sind. Eine ihrer Fragen finde ich besonders interessant: Was bezwecke ich mit meinem Projekt? Dazu muss ich sagen, dass ich mir nicht anmaße damit irgendetwas wirklich zu verändern. Allerdings glaube ich, dass auch kleine Denkanstöße, mit denen man einige Menschen erreicht, durchaus etwas Positives bewirken können. Ich sehe das ganz bescheiden, aber auch realistisch. Andererseits finde ich es ganz für mich persönlich sehr interessant, während der Wanderung mit den verschiedensten Leuten über ganz unterschiedliche Themen gesprochen zu haben. Ebenso fand ich es sehr interessant, das Thema Wandern in Deutschland aus meiner durch die internationalen Erfahrungen getönten Brille zu betrachten.

Auf Forstwegen wandern wir dann lange durch recht abwechslungsreichen Wald nach Neuhausen ob Eck. Hier treffen wir uns mit Franz, dem Lebensgefährten von Bärbel. Er hat in seinem Bus Kuchen und Herzhaftes mitgebracht und kocht für uns Kaffee, den wir auf Klappstühlen vor seinem Gefährt einnehmen. Die Beiden sind ebenso wie ich begeisterte Reisende, auch über dieses Thema haben wir uns viel zu sagen. Nach 2 Stunden zusammensitzen, verabschieden wir uns schließlich und ich setze meinen Weg alleine fort. Bald bin ich wieder in einem großen Waldgebiet, wo zwar überwiegend Fichten wachsen, aber fast überall junge Buchen darunter gedeihen. Schließlich suche ich mir im Fichtenwald ein Plätzchen für mein Cowboycamp. Ein schöner ereignisreicher Tag geht zu Ende.




















WdH 79 Von Weiterdingen nach Liggeringen

 



So, 26.4.2026


WdH 79: Von Weiterdingen nach Liggeringen


12:08 h, 40,8 km, 1051 hm Aufstieg, 1029 hm Abstieg 


Zusammenfassung: In der Abenddämmerung höre ich Laubfrösche rufen, was ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Der erste Teil meiner heutigen Wanderung führt weiter durch die abwechslungsreiche Kulturlandschaft des Hegau. Ich wandere wieder an Vulkankegeln, wie Hohenkrähen und Mägdeberg vorbei. Besonders toll finde ich, dass ich Pirole rufen höre und später sogar sehe, ein seltenes Ereignis, diesen tropisch anmutenden Vogel beobachten zu können! Ich umgehe Singen auf einer Route, die die Stadt vermeidet und laufe dann auf dem Querweg weiter. Hier geht es für meinen Geschmack durch zu viele Ortschaften. In Liggeringen werde ich von zwei Paaren angesprochen, ob ich fernwandere und nach kurzer Unterhaltung nach Hause eingeladen, wo ich im Bauwagen übernachten darf. Zuvor genieße ich eine Dusche und schönes Essen und vor allem gute Gespräche mit meinen Gastgebern. Clemens war Betriebsrat bei einer Klinik und kritisiert die meist prozentualen Lohnerhöhungen, die Lohnungleichheiten nur weiter verschärfen. Besser wären feste Eurobeträge, im Zweifelsfall in den unteren Lohngruppen mehr. Christiane ist als Krankenpflegerin auf Diabetes spezialisiert gewesen und meint, mangelnde Bewegung wäre für diese grassieren Krankheit ein Hauptfaktor. Alle sind sehr an meiner Wanderung interessiert und ich gebe natürlich gerne Auskunft über mich und mein Projekt.


Als ich noch vor Sonnenaufgang aufbreche, rufen bereits die Kuckucke. Bald gelange ich aus dem Wald und laufe an einem Schiffgebiet vorbei. Daher wohl die vielen Mücken… Bald geht es durch die Wiesen steil hoch zum Berg Hohenstoffeln.  Hier geht gerade die Sonne auf, wie schön! Im Wald steige ich aufwärts und Schilder verraten, dass sich hier ein Naturschutzgebiet befindet. Wie immer ist natürlich das Betreten außerhalb der Wege, das Lagern und so weiter verboten. Andererseits hat hier gerade eine große Holzerntemaßnahme stattgefunden. Das Holz liegt noch am Weg. Und die Rückassen sind viel zu dicht beisammen und stark zerfahren, so viel zum Thema Naturschutzgebiet… 

Ich verstecke meinen Rucksack und laufe dann hoch zum Gipfel. Am Gipfelkreuz liegt jemand in seinen Schlafsack eingemummelt, cooler Platz zum übernachten! Ich genieße die Aussicht bis zu den Schweizer Alpen und unterhalte mich dann noch kurz mit dem Mann, der hier übernachtet hat. Anschließend gehe ich zurück zu meinem Rucksack und laufe weiter. Der Sennhof am Rand des Berges, bietet noch einmal einen tollen Ausblick bis zum Bodensee und es gibt hier einen fließenden Brunnen.

Ab jetzt laufe ich durch eine sehr abwechslungsreiche Kulturlandschaft zum Teil auf Graswegen, zum Teil aber auch auf Asphalt. Nachtigallen, Gartenrotschwänze und Wendehalse rufen, besonders aber freut mich der Pirol, der aus den Erlen in einer Senke seine tropisch klingende Stimme ertönen lässt. Diesen auffallend gelben Vogel sieht man so gut wie nie, da er hoch in den Baumkronen lebt. 

Fast ständig ergeben sich schöne Ausblicke. Es gibt kleine Felder, Wiesen, Trockenrasen, Gebüsche und Hecken, sehr schön! Am Sittenberg steht ein Kreuz. Weiter geht es zur Burg Mägdeberg. Dort im Wald, wie auch am Hohenstoffeln, wächst viel Bärlauch.

Ich laufe an der Burg Hohenkrähen, die auf einem steilen Felsen liegt, vorbei, folge ein Stück der Straße und verlasse dann am Hegau Haus den Freiburg-Bodensee Weg, um Singen weitgehend zu umgehen. Zwei Rehe flüchten als von unten Fahrradfahrer und ich von oben komme. Kurz danach sehe ich unglaublicherweise zwei Pirole zunächst in einer hohen Weide, dann auf dem Gipfel einer abgestorbenen Fichte. Sie rufen sogar hoch flötend. Leider sind sie zu weit entfernt für ein gutes Foto. 

Ich überquere die A 81 und folge dann einige Zeit der Radolfzeller Aach, einem recht breiten Flüsschen. Hier sind sehr viele Leute unterwegs. Am Himmel steht ein Zeppelin, der natürlich zum Bodensee hervorragend passt.

Als Leute grillen, unterdrücke ich die Versuchung zu sagen „Das riecht ja lecker“ mit der Hoffnung darauf, etwas zu ergattern… 

Schließlich habe ich den Rand von Singen hinter mir gelassen und gelange bei Friedlingen im Wald wieder auf den Querweg.

Ich unterquere die B 33 und laufe teilweise durch Mischwald, teilweise am Waldrand auf Forstwegen nach Steißlingen. Am Waldrand wachsen sogar Elsbeeren, eine der seltenen Baumarten in Deutschland. In Steißlingen gönne ich mir einen Eisbecher. 

Aus dem Ort geht es aufwärts in den Wald. Hier komme ich vom Querweg ab, und finde einen schönen Pfad für eine Teilstrecke. Die markierten Wanderwege sind nicht immer die besten!

In Stahringen gelange ich wieder auf den Querweg. Hier fülle ich mir an einem Brunnen 3 Liter Wasser ab. Auf Asphalt geht es weiter nach Güttingen.

Dort laufe ich kurz falsch, bis ich realisiere, dass der NST hier den Querweg verlässt.

Vom Ort führt ein schöner Pfad aufwärts in den Wald. Am Waldrand blühen die Buchen unscheinbar. Der Aaronstab lässt schon seine Fruchtkörper sprießen. Als ich in die Flur gelange, erhalte ich fantastische überblicke über den jetzt nahen Bodensee mit seinen Inseln und die schneebedeckten Schweizer Bergen dahinter.

Weiter geht es auf einem asphaltierten Feldweg. Jetzt haben sich die Schleierwolken weitgehend wieder aufgelöst, die heute Mittag erschienen waren, und der blaue Himmel ist zurück. Hier stehen Obstbäume, teilweise sogar auf den Feldern. Wahrscheinlich wären die an den meisten anderen Orten längst verschwunden, weil sie den Maschinen natürlich im Weg sind.

Vor Liggeringen, sehe ich gleich drei Turmfalken. Einen kann ich in einem Mistel besetzten, abgestorbenen Obstbaum gut fotografieren. Zwei Wanderer mit großen Rucksäcken, die mir entgegen kommen, haben merkwürdigerweise offensichtlich keine Lust ein paar Worte mit mir zu wechseln und laufen rasch weiter. 

Am Ortsausgang kommen mir zwei Paare Ende 60 entgegen, Clemens spricht mich an, ob ich auf einer Fernwanderung sei. Daraus ergibt sich eine kurze Unterhaltung, an deren Ende ich eingeladen werde, bei Clemens und seiner Frau Claudia zu übernachten. Die anderen beiden sind der Bruder von Clemens, Felix und dessen Frau Christiane. Ein Stück weiter bei ihrem schönen Haus, darf ich mich im Bauwagen im Garten einrichten und dann erst mal Rasieren und Duschen, welch eine Wohltat! Danach essen wir zusammen draußen, und ich beantworte ganz viele Fragen zu mir, zu meinem Projekt und zum Wandern allgemein. Clemens hat zunächst Feinmechaniker gelernt, dann zum Krankenpfleger umgeschult und war die letzten 13 Jahre seines Berufsleben Betriebsrat in einer Klinik. 

Er erzählt später, dass er die prozentualen Lohnerhöhungen die in der Regel bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften vereinbart werden, für problematisch hält, da sie Lohnungleichheiten verstärken. 

Seine Frau hat sich im Wesentlichen um die vier Kinder gekümmert. Felix war Lehrer und zuletzt für die Ausstattung der Schulen mit Medien zuständig. Seine Frau Christiane hatte sich als Krankenpflegerin später auf Diabetes und dessen Prävention spezialisiert. Sie meint ein häufig unterschätzter Hauptfaktor für die Krankheit sei die mangelnde körperliche Bewegung vieler Leute heute. Natürlich sprechen wir auch über mein „Hoffnungs-Projekt“ Ebenso wie ich denken meine neuen Freunde, dass die Politik in Deutschland wieder handlungsfähig gemacht werden muss, zum Beispiel durch eine Verlängerung der Wahlperiode, aber die Beschränkung auf eine Amtszeit, damit in der Regierungszeit auch unbequeme, aber dringend notwendige Reformen eingeleitet werden. Was das angeht, sind alle der selben Meinung wie ich, das erheblicher Bedarf in allen möglichen Bereichen in Deutschland besteht. Ebenso halten Sie das Thema Mut für einen Schlüsselfaktor und den Abbau von Bürokratie wo diese unnötig ist, für dringend geboten. Obwohl diese Leute, und wie sie mehr bestätigen, der ganze Landkreis Konstanz ziemlich reich ist, sind auch sie der Meinung, dass die stark zunehmende ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland ein großes Problem ist, was durch eine Änderung der Besteuerung zumindest beschränkt werden kann. Clemens und Claudia haben seit relativ kurzer Zeit das Fernwandern für sich entdeckt und sind seit zwei Jahren Trailangel für den Nord Süd Trail. Allerdings haben sie außer mir bisher erst einen Gast gehabt. Nach guten Gesprächen mit diesen freundlichen Leuten lege ich mich schließlich im Bauwagen schlafen.