Do, 26.2.2026
WdH 21: Von Scheuen nach Brelingen im Walde
10:51 h, 47,7 km, 55 hm Aufstieg, 63 hm Abstieg
Zusammenfassung: Heute laufe ich zunächst die letzten Kilometer auf dem Heidschnuckenweg, der mir ganz gut gefallen hat. Allerdings fand ich die mittleren beiden Tage zwischen dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und dem Natuepark Südheide weniger schön.
Hinter Celle gelange ich wieder auf den E 1, der hier gut markiert ist. Am Rand von Wietzenbruch beobachte ich einen Schwarzspecht in nur fünf Meter Entfernung, ein tolles Erlebnis!
Lange Zeit wandere ich auf breiten, schnurgeraden Waldwegen und insgesamt auch auf viel Asphalt. Hinter Wennebostel wird es dann aber überraschend schön, mit schmalen Waldpfaden und einer abwechslungsreichen Feldflur.
Schließlich holt mich Gabi ab, die mit dem Fernwandern beginnen will und durch Christo Förster“s Podcast auf mich aufmerksam geworden ist. Bei leckerem Essen unterhalten wir uns intensiv.
Sie erzählt, dass es ihr oft schwer fällt, die Hoffnung zu behalten und zieht sich daher teilweise eher ins Private zurück. Ich erwidere, dass viele Entwicklungen Zeit brauchen und langsam beginnen um dann irgendwann Fahrt aufzunehmen. Ein Beispiel dafür ist für mich die Elektromobilität. So lange E- Autos teuer sind, mit geringer Reichweite und noch nicht gut ausgebildeter Ladestrukrur, haben sie sich nur schleppend verkauft. Aber jetzt, da diese Probleme überwunden sind, erfolgt meiner Meinung nach der Durchbruch in Kürze.
Auch für das politische Geschehen gilt wohl teilweise, dass es erst schlechter werden muss bevor es besser wird. So halte ich es für wahrscheinlich, dass sich die Verhältnisse in Amerika wieder verändern und auch bei uns kann ich mir vorstellen, dass sich irgendwann eine progressivere Politik durchsetzt.
Noch in der Dunkelheit breche ich wieder auf. Ein Stück geht es quer durch den Wald, bis ich auf einen Weg gelange, der mich an eine viel befahrene Straße führt. Anschließend geht es auf einem Pfad an einem Teich vorbei durch den Wald an den Ortsrand von Groß Hehlen. Ich durchquere den Ort und laufe dann am Waldrand weiter. Heute scheint wieder ein schöner Tag zu werden. Die Sonne geht als oranger Ball hinter dem Ort auf. Auch hier wird mit Bannern gegen den Neubau einer ICE Strecke protestiert. Mir erschließt es sich nicht, warum man nicht die schon vorhandene Strecke ertüchtigt. Es ist jetzt schon richtig frühlingshaft im Wald, mit trommelnden Spechten, singenden Buchfinken und jubelnden Meisen. Ich folge längere Zeit einem abwechslungsreichen Waldrand, an dem neben Kiefern auch Eichen und Birken wachsen. Durch die Felder erreiche ich dann Klein Hehlen. Ein Stück geht es am Ortsrand entlang dann laufe ich durch den Wald auf einem recht schönen Weg am noch eisbedeckten Waldsee vorbei. Ich laufe durch die Aller Wiesen und gelange dann an eine Straßenbrücke, die über die Aller führt. Den Abstecher des Heidschnuckenwegs, nach Celle hinein, erspare ich mir.
Nachdem ich ein Stück einer viel befahrenen Straße gefolgt bin, gelange ich wieder auf den Nord Süd Trail, der hier wieder den Europäischen Fernwanderweg eins benutzt. Dieser ist auch die meiste Zeit auf dem Heidschnuckenweg verlaufen, und wird mit einem X gekennzeichnet. Ein Stück lang führt ein breiter Weg durch den Kiefernwald, auf dem einige Radfahrer unterwegs sind. An einer Waldgaststätte zweigt ein Fußpfad ab, der parallel zu einem Kanal führt. Hier wachsen viele alte Eichen und es sind etliche, ältere Spaziergängerinnen unterwegs. Auch nachdem ich den Kanal verlasse, verläuft der E1 als schmaler Fußweg weiter durch den überwiegenden Kiefernwald. An einer Stelle beobachte ich drei Rehe. Am Rand von Wietzenbruch sehe ich einen Schwarzspecht in nur 5 m Entfernung in lediglich 2 m Höhe an einer Efeu besetzten Kiefer. Der Specht arbeitet dort eine ganze Zeit und lässt sich fotografieren. Schließlich fliegt er auf den Erdboden und hämmert an einem Baumstumpf herum. Dabei zeigt er kaum Scheu, beziehungsweise bemerkt mich nicht. Ein tolles Erlebnis! Ein Stück weit geht es auf einem Fußweg durch den Kiefernwald, dann folge ich ein kleines Stück einer Straße und biege auf einen breiten Waldweg ab, der geradeaus führt. Ich komme an einer Fläche vorbei, wo wo man den Kiefernwald fast kahl geschlagen hat. Nur einige wenige Bäume sind stehen geblieben. Das geerntete Holz und ein Großteil des Reisigs ist noch am Weg aufgestapelt. Das sind Methoden aus einer anderen, längst überwundenen Zeit . Man kann den Wald auch viel sanfter verjüngen! Auf der anderen Seite des Weges kann man sehen, wie es auch funktioniert, hier hat man Buchen unter die Kiefern gepflanzt.
Ein Schild, „Vorsicht, Zecken“, dient wahrscheinlich weniger dazu Leute vor den Plagegeistern zu schützen, als Wanderer aus dem Wald fernzuhalten, natürlich aus jagdlichen Gründen!
Kurze Zeit später kommt mir ein grünes Auto mit Schriftzug Jagdschutz im Fenster entgegen. Warum dürfen Jäger eigentlich ständig kreuz und quer durch den Wald fahren, während das für andere Leute verboten ist?
Es geht weiter, Schnurgerade auf dem breiten Weg durch den ausgedehnten Wald, wo meistens auch andere Bäume unter den Kiefern wachsen. Der E 1 ist hier sehr gut markiert, allerdings wäre ein Wegeverlauf auf schmalen wegen deutlich schöner.
Ich überquere eine Straße und folge einem asphaltierten Weg zum Gut Rixförde. Hier kreisen sieben Bussarde gleichzeitig über einer Weide, und ich sehe einen Sperber. Offenbar werden hier viele Pferde gehalten, die zum Teil auch auf der Weide stehen. Ich folge einem schmalen Weg zwischen einer Baumreihe weiter durch die Weiden, wo teilweise Wildschweine gewühlt haben. Am Waldrand zwitschert ein Schwarm Zeisige in einer Gruppe von Erlen. Ich überquere eine viel befahrene Straße und laufe dann ein Stück einen Weg, an dem im moorigen Birkenwald gerade Holz geerntet wurde und der voll Reisig liegt.
Weiter geht es schnurgeradeaus auf einem breiten Waldweg, der durch den Nadelwald führt. Aus einem Seitengraben fülle ich mir nach Erde schmeckendes Wasser ab. Im Wald hier sind einige Wiesen eingestreut. Ein asphaltierten Weg führt dann an frisch geköpften Weiden vorbei. Rechter Hand erschrecken sich Spargelfelder, die noch mit Plastik abgedeckt sind. Auf den Feldern hockt ein Schwarm Stare, die auch schon aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt sind.
Am Eingang von Fuhrberg erwartet mich eine große Biogasanlage, wie es sie häufig in Niedersachsen gibt. Eigentlich ist die Idee, aus Pflanzen Energie zu machen, auf den ersten Blick eine gute Sache. Allerdings ist das ein ziemlich ineffektiver Weg Wärme zu erzeugen. Im Vergleich zu einer Biogasanlage ist eine Wärmepumpe fünf mal effektiver. Daher ist die Erzeugung von Biogas ziemlich teuer und würde wohl in Deutschland nicht praktiziert , wenn sie nicht stark subventioniert werden würde. Zur Zeit überlegt die Regierung Biogas, dem konventionellen Gas beizumischen und das Ganze weiter zu fördern. Ich halte das für einen Irrweg, der wahrscheinlich der eigenen Klientel der Landwirte und Gasunternehmen mehr nutzt als der Bevölkerung. Warum baut man nicht Wind und Sonne entschlossener aus und fördert die Anschaffung von Wärmepumpen viel stärker? Fuhrberg ist ein relativ großes, verkehrsreiches Dorf und ich bin froh, als ich es hinter mir gelassen habe.
Schließlich endet auch der Asphalt, dem ich bis hierher über 4 km gefolgt war, und es geht auf einem breiten Weg am Waldrand entlang weiter. Während ich heute Morgen erst schüchtern aufgeblühte Krokusse gesehen hatte, stehen sie hier am sonnigen Waldrand bereits in voller Blüte. Die leuchtenden Haselkätzchen sind ein gelber Traum! Bald geht es wieder in den Kiefernwald, unter dem hier auf großer Fläche Buchen wachsen. Leider wirkt der Lärm der nahen A7 hier sehr störend. Etwas später führt mich ein unbefestigte Weg durch abwechslungsreichen Wald, in dem es auch Erlen und Eichen neben den Kiefern gibt. Graswege führen mich zur A7 die ich unterquere. Anschließend geht es ein Stück entlang der Wietze. Während ich einem Erlen gesäumten Graben folge, sehe ich in einem Rapsfeld mit dürren Halmen sieben Rehe, darunter zwei Böcke mit großen Geweihen. Jetzt am Nachmittag laufe ich wieder im T-Shirt.
Durch die Felder erreiche ich Wennebostel. Ein Schnurgerader, asphaltierter Feldweg, der von Eichen flankiert wird, führt mich aus dem Ort hinaus. Ich überquere eine Straße und laufe auf einem schmalen Fußpfad durch abwechslungsreichen Wald, ein ganz anderes Wandergefühl! An einem eisbedeckten Tümpel vorbei, geht es weiter durch den Kiefernwald, mit vielen Heidelbeeren, aber auch Birken und Buchen. Ganz kurz geht es auf Asphalt. Dann biege ich vor einigen Häusern wieder in den Wald ab. Bald komme ich an einem umzäunten Gelände vorbei, hinter dem sich eine Ruine verbirgt. Was hier wohl mal war? Ich gelange an eine kleine Straße, wo ein Krötenzaun aufgebaut ist. Die Amphibien werden wohl bald anfangen zu wandern. Jetzt geht es auf einem breiteren, unbefestigten Weg weiter durch den abwechslungsreichen Wald. Dann führt ein Pfad auf einem Erdwall weiter, der mit Buchen bestanden ist und mich an meine Kindheit im Sondermühlener Holz erinnert. Rechts und links liegen einige Wasser gefüllte Tümpel. Dann führt mich ein breiter Grasweg an einer großen Waldwiese entlang. Im milden Spätnachmittagslicht geht es entlang von Baumreihen, an Koppeln, Zuckerrüben, und anderen satt Grün strahlenden Feldern entlang. Der Weg passiert Waldstücke mit viel Ilex, geht aber immer wieder in die Feldflur hinaus, sprich er ist ziemlich abwechslungsreich. Ein unbefestigter Weg führt mich dann aus dem Wald , zurück in die Feldflur an eine kleine Straße. Auch diese führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die durch Waldstreifen und Baumgruppen an Gräben aufgelockert wird. Kurz vor 17:30 Uhr erreiche ich schließlich die wenigen Häuser von Brelingen im Walde, wo mich Gabi abholen will.
Schon bald erscheint sie, eine Frau die etwas jünger als ich ist und ursprünglich aus Bayern stammt, aber hier schon seit 20 Jahren lebt. Wir fahren nach Otternhagen, wo ich mich erst mal einrichten darf, inklusive Dusche und etwas Wäsche waschen. Gabi hat mich in einem Podcast bei Christo Förster gehört und möchte gerne mit dem Fernwandern beginnen, daher interessiert sie sich auch sehr für meine Ausrüstung. Später sitzen wir bei Schupfnudeln mit Wirsing und Hackfleisch sowie alkoholfreiem Bier gemütlich zusammen und unterhalten uns intensiv. Sie erzählt, dass es ihr oft schwer fällt, die Hoffnung zu behalten und zieht sich daher teilweise eher ins Private zurück. Ich erwidere, dass viele Entwicklungen Zeit brauchen und langsam beginnen um dann irgendwann Fahrt aufzunehmen. Ein Beispiel dafür ist für mich die Elektromobilität. So lange E- Autos teuer sind, mit geringer Reichweite und noch nicht gut ausgebildeter Ladestrukrur, haben sie sich nur schleppend verkauft. Aber jetzt, da diese Probleme überwunden sind, erfolgt meiner Meinung nach der Durchbruch in Kürze.
Auch für das politische Geschehen gilt wohl teilweise, dass es erst schlechter werden muss bevor es besser wird. So halte ich es für wahrscheinlich, dass sich die Verhältnisse in Amerika wieder verändern und auch bei uns kann ich mir vorstellen, dass sich irgendwann eine progressivere Politik durchsetzt. Wir stimmen beide darin überein, dass unser demokratisches System Reformen braucht um wieder handlungsfähiger zu werden.
Als wir schließlich schlafen gehen ist es schon spät und ich muss mich gut erholen, da wir morgen zusammen wandern wollen.