Freitag, 10. April 2026

WdH 64 Von Neustadt zur Rietburg

 




Fr, 10.4.2026


WdH 64: Von Neustadt zur Rietburg


11:05 h, 25,7 km, 1123 hm Aufstieg, 894 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nach dem tollen Frühstück bei meinen lieben Gastgebern, fährt Volker mich zurück nach Neustadt, wo ich mich mit Günter treffe, der als Wanderleiter beim DAV sich hier hervorragend auskennt. Daher weichen wir teilweise vom Weinsteig ab und folgen häufig schönen Pfaden über die Kämme an Sandsteinfelsen vorbei.  Dabei reden wir über Günters Erfahrungen mit einer solidarischen Mieterinitiative, die es schafft sich das Eigenkapital für normale Bankkredite über zinsgünstige Darlehen von wohlmeinenden Unterstützern zu beschaffen.  Beim Bau eines Hauses für 12 Parteien haben sie es geschafft die Kosten niedrig aber gleichzeitig energetisch effizient zu bauen um so den resultierenden Mietpreis um 50-100 Prozent gegenüber vergleichbaren Häusern zu senken!

Auf dem Kalmit kehren wir ein und ich absolviere dann ein langes Interview mit einer Journalistin. Auf unserem weiteren Weg kommen wir sogar an einigen Kletterfelsen vorbei. Schließlich trennen wir uns und ich schlage mein Lagee auf einem recht steilen, alten Erdweg auf. 


Nachdem ich ein tolles Frühstück mit Petra und Volker genossen habe, bringt Volker mich nach Neustadt zum Bahnhof. Dort muss ich ein bisschen warten, bis Günter mit der Bahn aus Mannheim ankommt. Er ist ein sportlicher 68-jähriger, der als Wanderleiter beim DAV engagiert ist, und durch den Artikel in der Frankfurter Rundschau auf mich aufmerksam geworden ist.

Da Günter sich hier hervorragend auskennt, wählen wir teilweise eine andere Route als den Weinsteig. Unser Weg folgt teilweise dem so genannten Königsweg, der etliche der höchsten Gipfel des Pfälzer Waldes miteinander verbindet, auf einer Strecke von 50 km und unglaublichen 2500 Höhenmetern Aufstieg! Zunächst geht es hoch zum Nollenkopf. Während wir so dahin wandern, unterhalten wir uns viel über ein Thema, dass Günter sehr am Herzen liegt: Bezahlbarer Wohnraum. Er selber lebt seit zehn Jahren in einem Wohnprojekt des Mietshäuser Syndikats, mit elf anderen Parteien. Die Idee dabei ist, Mieter, denen es an Eigenkapital für den Erwerb einer Immobilie fehlt, die Möglichkeit zu geben, so zu wohnen, ohne Eigentümer zu sein. Das nötige Eigenkapital für den Bau solche Häuser, kommt aus so genannten Eigenkrediten,  die von Leuten in der Regel gegeben werden, die diese Projekt positiv finden. Der Zinssatz liegt bei niedrigen anderthalb Prozent dafür. Hat man das nötige Eigenkapital zusammen, ist es kein Problem, dann einen normalen Kredit bei einer Bank zu erhalten. Beim Bau wird wert darauf gelegt, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Nichtsdestotrotz erwähnt Günter, dass es Ihnen trotzdem gelungen ist, in sehr Energie sparender Weise zu bauen. Nichtsdestotrotz ist es ihnen gelungen, den Mietpreis, der daraus resultiert, 50-100 % unter dem Ortsüblichen zu halten. Günter sieht das Argument, dass behördliche Auflagen und die Baukosten solche Projekte so verteuert hätten, dass gar nicht mehr günstig für Mieter gebaut werden kann, als von ihrem Projekt und anderen widerlegt an. Eine interessante Idee, von der es bundesweit über 200 Objekte gibt. Um dieser Idee zu stärkerer Verbreitung zu verhelfen, ist allerdings noch eine ganze Menge Energie nötig und wünschenswert wäre auch eine Beteiligung oder Förderung durch die jeweiligen Kommunen. meint Günter. Er sieht es generell so, dass Wohnen ein Menschenrecht ist, was grundsätzlich nicht zur Gewinnerzielung oder Spekulation genutzt werden sollte.

Weiter geht es auf tollen Pfaden zum Teil Kämmen folgend über Hohe Loog und Taubenkopf zum Kalmit. Dort oben gibt es mal wieder eine Hütte des Pfälzer Waldvereins, die geöffnet ist. Wir essen und trinken dort und warten auf eine Journalistin der Rheinpfalz, die später ein langes Interview mit mir zu meiner Tour und meinem Projekt führt. Anschließend laufen Günter und ich weiter durch den Wald. Eines unserer Themen dabei ist auch, dass in Deutschland die hohen Vermögen immer stärker anwachsen. Das ist Günters Meinung nach ein großes Problem, was auch letztenendes Demokratie gefährdend ist. Er sieht die Besteuerung durch den Staat als Ausweg, der gleichzeitig den Charme hat, dem Staat große Mittel zu verschaffen.

Wir passieren einige schöne Sandsteinfelsen, wo teilweise junge Leute am Bouldern sind, mit ausgelegten Matten, die sie im Sturzfall schützen. Wir überqueren den Hochberg und trennen uns schließlich, da Günter zum Bahnhof nach Edenkoben möchte, um zurück nach Hause zu gelangen. Ich laufe noch ein Stück weiter, fülle meine Wasserflasche an einem Brunnen auf und schlage schließlich mein Lager auf einem aufgegebenen Erdweg auf. Zwar etwas steil, aber okay. Ich achte ziemlich darauf, die stacheligen Schalen der Esskastanien von meinem Platz zu entfernen.













Donnerstag, 9. April 2026

WdH 63 Von Wachenheim nach Neustadt

 




Do, 9.4.2026


WdH 63: Von Wachenheim nach Neustadt 


6:37 h, 22,9 km, 828 hm Aufstieg, 1008 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Am Morgen passiere ich die Kernzone Stabenberg des Biosphärenreservats Pfälzer Wald. Auf insgesamt 20 Flächen mit über 5000 ha Größe wurde hier die Forstwitschaft eingestellt, ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.

Auf schönen Pfaden erreiche ich den Gipfel des Weinbiet und steige dann nach Neustadt ab. Dort holt mich Volker ab und ich bin bei ihm und seiner Frau Petra zu Gast. Wir hatten uns schon 2021 kennen gelernt und sind herzlich miteinander wie alte Freunde.

Die Beiden produzieren mit Photovoltaik mehr Strom als sie verbrauchen, trotz Laden des E-Autos!

Volker interessiert sich sehr für Biodiversität und ist insbesondere ein Kenner, was Schmetterlinge und Pilze angeht. Seiner Beobachtung nach, haben vor allem viele Insektenarten Probleme. Als Lösung sieht er auch in der Landwirtschaft es für wichtig an, Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Leider ist zur Zeit hier der Trend gegenläufig, wobei eine herbeifantasierte Lebensmittelknappheit durch den Ukrainekrieg als Argument dient. 


Am Morgen bin ich bald auf dem Kamm und steige dann auf einem Pfad steil ab ins Tal des Wachenheimer Bachs, wo es einen Campingplatz gibt. Von hier geht es auf zur Wachtenburg , einer ziemlich großen Anlage, wo es auch Bewirtung gibt. Allerdings natürlich noch nicht um diese Zeit. Kurz darauf steige ich an einem Weinberg vorbei wieder in den Wald. Es gibt hier sehr viele Esskastanien, die einerseits schon ihre grünen Knospen öffnen, andererseits teilweise noch braune Blätter tragen. Der Kiefernwald ist teilweise ziemlich niedrig und erinnert ein wenig an mediterrane Pinienwälder. Auch die Eichen auf diesem kargen Boden nehmen manchmal skurrile Formen an. Um diese frühe Zeit bin ich auf den Pfaden noch ganz alleine,  was ich sehr schön finde.

Ich höre Fliegenschnäpper singen, ein weiterer Zugvogel, der wieder da ist. Dann verkündet ein Schild, dass ich in ein Naturschutzgebiet gelange. Nichtsdestotrotz wurde hier in pink gerade unheimlich stark ausgezeichnet, d.h Bäume zum Fällen markiert. Klar Holznutzung ist in gewissem Maße notwendig. Aber was sollen die überaus starken Eingriffe, die ich auf dieser Wanderung immer wieder feststelle. Mir scheint das den Handelnden teilweise jedes Gefühl für den Wald abhandengekommen ist. Es zählt offenbar nur noch, dass die Maschinen möglichst viel Futter haben. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich kein Förster mehr bin und daher auch nicht mehr mit all den negativen Seiten dieses Berufs verbunden bin.

Ich bin natürlich ein Romantiker, aber für mich ist der schönste Wald ein unbewirtschafteter Naturwald!

Etwas später gelange ich zu den Heidenlöchern, den Resten einer Fliehburg auf einem Bergsporn. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Menschen aus der Ebene in Kriegszeiten hierhin zurückgezogen haben.

Ich steige zur Michaelskapelle ab und weiter ins Sensental. Den Abstecher von hier nach Deidesheim erspare ich mir und laufe stattdessen am Rand von Weinbergen und Wald oberhalb des Ortes weiter.

Bald stoße ich wieder auf den Weinsteig und laufe im Wald weiter. Eine Tafel verkündet, dass sich hier eine Kernzone des Biosphärenreservats Pfälzerwald befindet, mit Namen Stabenberg. In Biosphärenreservaten sollen 3 % der Gesamtfläche der Natur überlassen werden, d.h. nicht bewirtschaftet. Hier im Pfälzer Wald, da das Biosphärenreservat recht groß ist, sind das insgesamt 5400 ha, die sich auf 20 Kernzonen aufteilen. Die Kernzone Stabenberg hat lediglich 230 ha Größe und schützt einen Kiefern-Trockenwald auf mageren Standorten. Natürlich mal wieder unproduktiver Wald…Was ich ziemlich überflüssig finde ist, dass man abseits der markierten Wanderwege die Kernzone nicht betreten darf. Ich halte das erleben von Wildnis, wenn auch hier lediglich zukünftiger Wildnis, für etwas sehr wichtiges, was halt nicht durch solche Verbote eingeschränkt werden sollte, die im Zweifelsfall auch Naturschutzfachlich überhaupt nicht notwendig sind. Auf der Tafel wird darauf verwiesen, dass das Betreten der Kernzone gefährlich ist, wegen Totholz. Aber das ist eine typische Gefahr des Waldes, und man sollte da nicht überbesorgt sein.

Schließlich erreiche ich den Rand von Königsbach, wo die Tulpen blühen, Hausrotschwänze von den Dächern rufen und ein Eichhörnchen über die Straße flitzt.

So schön es hier am Hardtrand auch ist, die angrenzende Ebene ist sehr dicht besiedelt.

Bald geht es wieder auf Pfaden durch den Kiefernwald. Schließlich laufe ich das Moosbachtal hoch,  mit sehr vielen unterschiedlichen Laubbäumen, wo ein Zaunkönig jubiliert. 

Als ich aus dem Tal steige, nehme ich eine Mountainbikeroute als Abkürzung, was sich als Fehler entpuppt. Tatsächlich muss ich dann ein Stück den Hang sehr steil ohne Weg hochsteigen, bis ich wieder auf dem Weinsteig bin. Dieser führt als Pfad sehr schön weiter nach oben. Neben dem Kiefernwald gibt es zum Teil auch alte Fichten, Buchen und moosbedeckte Sandsteinblöcke. Schließlich erreiche ich den Weinbiet mit etwa 550 m einer der höchsten Berge hier am Rand des Pfälzer Waldes. Natürlich gibt es auch hier oben einen Turm und eine Hütte des Pfälzerwald Vereins.

Auch bergab geht es auf einem Pfad. In Neustadt angekommen, gehe ich im Aldi einkaufen und setze mich mit einer Schale Walnusseis auf eine Bank am Bach. Während ich gerade telefoniere, rücken drei schwergewichtige Frauen an und deuten mit sehr unfreundlichen Gesten an, dass ich meinen Rucksack von der Bank nehmen soll. Ich fluche, komme aber ihrem Wunsch nach. Der Sprache nach handelt es sich um Ukrainerinnen, was sie bejahen, obwohl sie kein Deutsch können. Als die eine neben mir mich mit ihrer Zigarette voll qualmt, bitte ich sie mit Gesten das zu lassen. Schließlich entfernen sich die Frauen und setzen sich auf eine andere Bank.

Etwas später kommt eine andere Frau und fragt freundlich, ob sie sich zu mir setzen kann. Was für ein Unterschied!

Schließlich holt mich Volker ab, ein Förster, der als Waldpädagoge bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz arbeitet. Wir hatten uns auf meiner großen Deutschlandtour 2021 kennen gelernt und er hat mich eingeladen auch diesmal wieder zu ihm und seiner Frau Petra zu kommen. 

Wir sitzen dann zunächst bei Kaffee und später bei leckerem Essen auf der sonnigen Terrasse zusammen und unterhalten uns gut, wie alte Freunde.

Die beiden leben seit 2016 in einem Niedrigenergiehaus, wo sie über die ganze Zeit mehr Strom produzieren als sie verbrauchen, sogar mit Laden des E- Autos. Dabei müssen sie zwar im Winter Strom zukaufen, geben aber im Sommer viel mehr Strom ins Netz ab, als sie verbrauchen. Man wundert sich, dass solche Modelle nicht noch weitere Verbreitung finden, denn die Ergebnisse müssten eigentlich jeden überzeugen. Man kommt nicht umhin, hier an den Einfluss der Stromkonzerne zu denken, die Kohle- und Gasstrom teuer verkaufen wollen…

Die Beiden sehen zwar eher besorgt auf die kurzfristige Entwicklung, haben aber Hoffnung, dass sich die Dinge wieder grundsätzlich verbessern können.

Volker interessiert sich sehr für Biodiversität und ist insbesondere ein Kenner, was Schmetterlinge und Pilze angeht. Seiner Beobachtung nach, haben vor allem viele Insektenarten Probleme. Als Lösung sieht er auch in der Landwirtschaft es für wichtig an, Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Leider ist zur Zeit hier der Trend gegenläufig, wobei eine herbeifantasierte Lebensmittelknappheit durch den Ukrainekrieg als Argument dient. 

Darüber hinaus unterhalten wir uns über viele weitere Themen, bevor wir gegen Mitternacht schlafen gehen. 




















Mittwoch, 8. April 2026

WdH 62 Vom Donnersberg nach Wachenheim


 



Mi, 8.4.2026


WdH 62: Vom Donnersberg nach Wachenheim


12:14, 47,2 km, 1300 hm Aufstieg, 1524 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nach einer Nacht unter den Sternen, steige ich morgens zum Donnersberg auf. Als ich circa 660 m Höhe erreicht habe, kurz vor dem Gipfelplateau, verlasse ich den NST, der hier einen weiten Bogen durch waldfreie Landschaften macht. Stattdessen nehme ich eine eigene Route. Ein schöner Weg führt mich oberhalb des Wildensteiner Tals abwärts. Es gibt hier Vulkanfelsen und steile trockene Hänge. In einer Mischung aus dem Offenland und Wald geht es zur Klosterruine Rosenthal, die heute von einem Verein gepflegt wird. Hinter der A6 folge ich dem Leininger Wanderweg, vorbei an der Burg Alt-Leiningen, in der eine Jugendherberge eingerichtet wurde. Schließlich geht es im Wald steil bergauf. Hier habe ich das Vulkangestein des Donnersbergs verlassen und bin jetzt im Sandstein des Pfälzer Waldes. Dementsprechend hat sich auch die Vegetation geändert. Hier herrschen Kiefern vor, nichtsdestotrotz ist der Wald sehr abwechslungsreich. Schließlich erreiche ich den Pfälzer Waldsteig, der teilweise auf Pfaden verläuft. Bei dem herrlichen Wetter heute sind hier eine ganze Reihe Menschen unterwegs. Irgendwann steige ich ab zu dem netten Wein Städtchen Bad Dürkheim. Durch Weinberge und dann Wald, wandere ich schließlich weiter und schlage später mein Cowboy Camp im Kiefern-Eichenwald auf. Hier im Wald fühle ich mich einfach am wohlsten!


Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht bin ich morgens wieder unterwegs, bergauf zum Donnersberg. Eine Tafel erzählt etwas über das Methusalem Projekt des hiesigen Forstamts. Dabei werden einzelne Bäume aus der Nutzung heraus genommen und dürfen wirklich alt werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die tatsächlich auch an anderen Orten praktiziert wird, aber meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig. Schon in den neunziger Jahren habe ich von einem alten Förster gelernt: „Der schönste Baum bleibt im Wald“ und genau so sollte es sein, damit auch unsere Nachfahren sich, wenn alles gut geht, noch an wirklich alten Baumgestalten erfreuen können.

Durch den Laubwald steige ich hoch bis auf 660 m und verlasse dann den MST, kurz vor dem Gipfelplateau. Der NST macht hier einen weiten Bogen in Bereiche, wo es gar keinen Wald gibt, stattdessen nehme ich lieber eine Route die mehr im Wald bleibt und dann irgendwann auf den Pfälzer Weinsteig stößt, dem der NST auch folgt. 

Ich folge einem Pfad entlang von Felsen auf einem Kamm. An einem schönen Aussichtspunkt lade ich dann erst mal meinen Blogpost von gestern hoch.

Ich folge dann weiter einem Forstweg abwärts. Er verläuft im Hang, oberhalb erstreckt sich ein felsiger Kamm. Unterhalb geht es steil runter zum Wildensteiner Tal. An den Hängen erstreckt sich trockener Eichen- und Buchenwald. Viele Bäume sind abgestorben, wohl während der letzten Dürre. Unten im Tal erfreut das lindgrün wahrscheinlich vor allem der Felsenahorne,  mein Auge. Die Hänge hier sind Naturwaldreservat, aber ohnehin kaum nutzbar…

Schließlich verlasse ich den Wald und passiere eine Streuobstwiese mit blühenden Kirsch- und Birnbäumen. Hier höre ich die Geräusche eines Wendehals, das ist ein relativ wenig bekannter Vertreter aus der Familie der Spechte, der solche Lebensräume liebt.

Auf Asphaltwegen erreiche ich Steinbach, überquere dann die A 63 und gelange nach Standenbühl, wo auch ein Jakobsweg verläuft. Hier erklärt eine Tafel, was Schelmenpilger waren. Im Mittelalter als es breiten Schichten der Bevölkerung schlecht ging, zogen arme Männer,  als Pilger verkleidet durch die Lande, und erbettelten sich mit diesem Status allerhand Wohltätigkeit bei Klöstern und anderen Einrichtungen. Um diesem Unwesen Einhalt zu gewähren, wurde dann eingeführt, dass sich die Pilger ausweisen müssen, zum Beispiel mit einem Schreiben ihres Pfarrers. Interessante Geschichte, vielleicht sollte ich auch  Schelmenpilger werden…

Ich wandere weiter, teilweise auf einem gepflasterten Weg aufwärts durch die Felder, durchquere dann einen Eichenwald und laufe in der offenen Flur weiter zu einem Waldrand. Von hier ergeben sich noch mal tolle Blicke über die Senke zu dem großen Bergmassiv des Donnersbergs. Allerdings gelange ich hier auch an fünf Windrädern vorbei.

Schließlich geht es durch den Wald zum Göllheimer Häuschen, einer ehemaligen Gaststätte. Teilweise auf schmalen Wegen wandere ich dann durch den Wald weiter zum Kloster Rosenthal. Vorher sehe ich am hellichten Morgen einen Rehbock auf dem Acker vor dem Wald, der, als er mich bemerkt, gemächlich die Flucht ergreift. Das ehemalige Kloster,  ein gotischer Backsteinbau wird heute von einem Verein gepflegt. Aus dem Turm rufen Falken und zu Füßen, der Ruine liegt ein kleiner Ort. Am Friedhof fülle ich mir Wasser ab, und laufe dann weiter durch schönen Laubwald.

Wie relativ häufig in Rheinland-Pfalz, komme ich an einer Anpflanzung vorbei, wo eine Tafel darüber informiert, „was der Klimawandel hier angerichtet hat“ und erwähnt, welche Baumarten gepflanzt wurden, in diesem Fall Eichen, Linden und Esskastanien. Ich finde eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit!

Ich laufe dann längere Zeit am Rand von Steinborn, bevor es wieder in den Wald geht. Hier habe ich den Vulkan geprägten Bereich um den Donnersberg hinter mir gelassen und bin im Buntsandstein, der für den Pfälzer Wald typisch ist. Dementsprechend wachsen hier jetzt auch überwiegend Kiefern, allerdings mit dichtem  Unterwuchs aus jungen Buchen. Eine Mischung, die für weite Teile des Pfälzer Waldes typisch ist.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und überquere die A6 bei Wattenheim. Ich folge jetzt dem Leininger Wanderweg LW, der recht abwechslungsreich, teilweise über Pfade führt. Allerdings sind Straßen und Häuser hier nie besonders weit entfernt. In Altleiningen gibt es eine Jugendherberge in der Burg. Ein Stück weit gehe ich in den Ort, wo es einen Brunnen mit 20 Röhren gibt, wo ich mein Wasser auffülle. Bald bin ich wieder auf einem Pfad im Kiefernwald oberhalb des Orts. 

Beim Parkplatz Langental gelange ich noch einmal an eine Straße. Ich bin überrascht, wie viele Autos hier stehen. Von hier folge ich dem Leininger Burgenweg durch den Wald aufwärts.

Tatsächlich bekommt man hier schon einen Eindruck davon, was den Pfälzer Wald ausmacht, das größte, geschlossene, deutsche Waldgebiet! Es sind zwar nur ein paar Kilometer von der Hektik weiter unten, aber hier kann man tatsächlich schon die Ruhe spüren, obwohl einige Spaziergänger unterwegs sind. Es dauert nicht lange, dann gelange ich auf den Pfälzer Weinsteig mit seiner roten Markierung, der ich ab jetzt folge. Bald laufe ich ziemlich eben auf schönen Pfaden durch wundervollen Mischwald. Neben den Kiefern gibt es hier auch viele Birken, Lärchen und Esskastanien. Außerdem wachsen überall junge Bäume. Auf den Pfaden hat man den Eindruck wirklich im Wald zu sein, statt nur hindurch zu laufen , sehr schön!

Allerdings geht es dann auch bald in intensiv durchforsteten Wald mit zahlreichen Rückgassen. Ebenso verläuft der Weg dann bald wieder auf einem Fahrweg.

Beim Parkplatz Lindemannsruhe an der Straße ist sehr viel los. Kein Wunder, das Restaurant hat geöffnet und man kann draußen sitzen.

Ein kleines Mädchen, das ein Stück hinter ihrer Familie zurückgeblieben ist, begrüßt mich freundlich mit „Guten Tag“ Offenbar ist hier ein Kind gut erzogen. Ich finde, es ist viel wert, wenn man sich gegenseitig grüßt. Natürlich ist das in einer Millionenstadt nicht unbedingt möglich, aber auf einem Wanderweg, wo die Zahl der Menschen in der Regel übersichtlich ist, ist das einfach eine schöne Geste.

Ein Stückchen weiter am Bismarckturm kann man auch essen und trinken. Kein Wunder, auch dort sind viele Leute.

Von hier geht es ziemlich steil nach unten. Am Gayerbrunnen, der nach einem Forst Professor benannt wurde, der sich schon im 19. Jahrhundert für die Einführung einer naturgemäßen Waldwirtschaft eingesetzt hat, fülle ich noch einmal meine Flasche auf. Weiter unten wachsen hier auch Eichen, die teilweise bereits unscheinbar grün blühen.

Die Esskastanien sind ebenfalls dabei, ihre Blätter zu entfalten. An einem Baumstumpf sehe ich zwei Waldeidechsen, die sich aber leider wieder verkriechen, bevor ich sie fotografieren kann. Von der Kaiser Wilhelm Höhe öffnet sich schon ein Ausblick auf Bad Dürkheim.

Schließlich geht es an einem Steinbruch vorbei, teilweise zwischen Mauern, steil abwärts. Hier blühen schon Schöllkraut und Mondviole. 

Die Stadt ist recht schön und natürlich sitzen viele Leute vor den Cafés. Bald laufe ich aus der Stadt durch die Weinberge, wo auch viele Leute unterwegs sind.

Dann folge ich einem Pfad, der sich durch trockenen Kiefern-Eichenwald am Hang entlang windet und schließlich ins Poppental absteigt. Zunächst auf einem Fahrweg, dann auf einem Pfad geht es wieder hoch, bis ich im Kiefern- Eichenwald mein Cowboycamp aufschlage. Im Wald unter den Sternen zu schlafen ist wunderschön und schadet der Natur überhaupt nicht. Wer wirklich etwas für den Wald tun will, sollte mehr Flächen ohne Bewirtschaftung fordern.