Samstag, 21. März 2026

WdH 44 Von Hammerstein nach Weitersburg

 



Sa, 21.3.2026


WdH 44: Von Hammerstein nach Weitersburg


12:03 h, 44,3 km, 1296 hm Aufstieg, 1333 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der Morgen beginnt mit fantastischen Tierbegegnungen: Sechs Wildschweine ziehen vor mir über den Weg. Ich denke, sie sind verschwunden, aber ich kann sie noch im Unterholz beobachten, beispielsweise wie sie sich an einem Baum scheuern. Dann gelange ich auf von Wald umgebene, offene Flächen, die stark von den Wildschweinen zerwühlt wurden. Hier beobachte ich mehrere Rotwildrudel. Besonders schön ist es, als die als Feuerball aufgehende Sonne den Hintergrund für das äsende Rotwild bietet. Später zieht dann ein 20-köpfiges Rudel auf mich zu, bevor es schließlich zum Wald abdreht. Zurück im Wald sehe ich noch einige Male Wildschweine und Rotwild und sogar ein mindestens zehnköpfiges Muffelwildrudel. Unglaubliche Tierbeobachtungen, fast fühle ich mich wie in der Serengeti!

Ich laufe auf meiner eigenen Route durch ein schönes Waldgebiet und gelange dann an der Wied zurück auf den Rheinsteig. Heute verläuft der Weg meist im Wald entfernt vom Rhein. Ich passiere den Zoo Neuwied und das Schloss Sayn mit darüberliegender Burg. An diesem Samstag sind ziemlich viele Leute unterwegs. Schließlich finde ich hinter der A 48 ein gutes Plätzchen.


Wie immer bin ich schon in der Morgendämmerung unterwegs. Zunächst geht es im Wald weiter das Tal aufwärts. Als ich an den Rand einer Freifläche gelange, überqueren sechs Wildschweine vor mir den Weg. Zunächst denke ich, dass ich sie im angrenzenden Wald mit dichten jungen Buchen nicht mehr sehen kann. Aber ich sehe doch noch mal einige von ihnen, die sich zum Beispiel an den Bäumen scheuern. Wahrscheinlich haben sie zuvor im Schlamm gebadet? Leider ist es noch etwas zu dunkel zum Fotografieren, so dass ich wahrscheinlich nur schlechte Bilder mache. Ein Stück weiter stehen auf der Freifläche, die von den Wildschweinen total zerwühlt worden ist, in zwei unterschiedlichen Gruppen mindestens 20 Stück Rotwild. Unglaublich, bin ich in der Serengeti gelandet? Ein Stück weit entfernt sind noch mal mindestens 8 weitere Tiere, unglaublich zwei so große und scheue Wildarten an diesem frühen Morgen so kurz hintereinander gut beobachten zu können! Etwas weiter sehe ich entfernt noch einmal weitere 8 Wildschweine über den Acker laufen und fünf Rothirsche zeichnen sich malerisch vor der roten Kugel der aufgehenden Sonne ab. Wunderschön!

Sie sind nur etwa 50 Meter entfernt und ich kann sie längere Zeit beobachten,  bis sie mit einem dumpfen Bellen abspringen. 

Schließlich kommen etwa 20 der mächtigen Tiere noch mal auf mich zu, bis sie schließlich im Wald verschwinden.

Ein Stück weiter, als ich einem Asphaltsträßchen durch den urigen Wald folge, sehe ich entfernt ein weiteres Wildschwein laufen. Ein Schwarzspecht fliegt vor mir über die Straße. Zwei weitere Rothirsche ziehen unmittelbar vor mir über den Asphalt. Dann sehe ich ein Reh in nur 10 m Entfernung und unmittelbar danach ein mindestens zehnköpfiges Rudel Muffelwild auf einer frisch gemulchten Freifläche. Sie schauen mich kurz an und verschwinden dann in den Wald. Unglaublich, wie viele große, scheue Wildtiere ich gerade in ganz kurzer Zeit gesehen habe!

Mein weiterer Weg führt mich durch ein wirklich schönes Waldgebiet. Am Anfang noch mit sehr urigem Eichen- und Buchenwald, aber auch später mit viel alten Laubwaldbeständen. Ich folge zum Teil dem mit R gekennzeichneten Rheinhöhenweg, weiche aber schließlich davon ab.

Eine Rundtour, die zum Rheinsteig gehört und rot markiert ist, führt mich teilweise auf Pfaden schließlich runter zur Wied, einem vielleicht 30 m breiten, netten Fluss. Hier an der Laubachsmühle, mit sich drehendem Rad, gelange ich auch wieder auf den Rheinsteig. Der folgt hier der Schlucht des Laubachs aufwärts. Zwei gelbe Gebirgsbachstezen streiten sich offenbar gerade über ihr Territorium.

Schon bald steige ich über Serpentinen durch Eichen- und teilweise auch lange aus der schönen Schlucht auf, bis ich die Höhe bei Rengstorf erreiche. Ein Reh springt von einer Wiese ab und hier höre ich den Lärm einer Bundesstraße. 

In Rengsdorf unternehme ich einen Abstecher zum Einkaufen. Ich glaube, es gibt kein Land auf der Welt, wo es so hektisch in einem Supermarkt, besonders an der Kasse zugeht, wie in Deutschland oder positiv aus ausgedrückt: Hier ist die Effektivität am höchsten, aber angenehm finde ich das überhaupt nicht. Und für die Mitarbeiter muss es die Hölle sein…

Bald bin ich wieder auf dem Rheinsteig, der am Ortsrand verläuft. Freiwillig räumen Müll weg, was für eine schöne Idee! Allerdings wäre es noch besser, wenn der Müll gar nicht erst in die Landschaft geschmissen würde...

Es geht noch eine ganze Weile am Ortsrand vorbei. Schließlich führt mich ein Pfad durch den Buchenwald oberhalb des Engelsbachtals,  wo es einige mächtige Bäume gibt.

Dann führt der Weg in das Tal, wo auch der römische Limes verlaufen ist. Bald geht es aber wieder raus und am Waldrand weiter. Meist auf Fahrwegen, geht es weiter durch den abwechslungsreichen Laubwald vorbei an einigen beeindruckenden Buchen und Eichen. 

Weiter geht es auf einem Pfad durch Unterholzreichen  Wald mit vielen Robinien. Ein Schild vom Rheinsteig erklärt, dass dieser Pfad zur Zeit wegen der Gefahr umstürzender Bäume und von Astbruch gesperrt sei. Man hat hier sogar die Markierungen übermalt. Als ich auf dem Pfad wandere, nehme ich nichts Außergewöhnliches war. Warum hält man sich nicht einfach an den Wortlaut im Bundeswaldgesetz, der eigentlich alles sagt: „Das Betreten des Waldes zu Zwecken der Erholung geschieht auf eigene Gefahr“. Damit ist doch eigentlich alles klar?

An Obstbäumen vorbei gelange ich zum Zoo Neuwied, wo an diesem Samstag allerhand los ist.

Durch Unterholzreichen Laubwald geht es nach Sayn mit Schmetterlingsgarten, Park und Schloss. Hier ist auch ziemlich viel los. Anschließend wandere ich rauf zur Burg und dann auf einem Pfad, einem Bergkamm im Eichenwald folgend, weiter. P dazu verläuft eine Straße. Auf dem Parkplatz steht ein BMW und jemand spielt sehr laute arabische Musik ab. Außerdem knallt es ständig von einem nahen Schießstand. So nett hier der Wald und die Wege auch sind, für mich ist das nicht der wahre Naturgenuss…

Ich folge einem Kamm durch den trockenen Eichenwald und steige in ein Tal ab. Anschließend geht es lange wieder ziemlich steil bergauf bis zum Römerturm, von wo man einen schönen Ausblick hat. Vorher habe ich eine Mutter mit ihrer Tochter getroffen, die mich nach meiner Wanderung gefragt hat. Die Frau ist mit 29 im Jahr 1992 aus Kasachstan ausgereist und seitdem lebt sie hier. Als ich die Frage, ob sie die Übersiedlung jemals bereut hat, sagt sie tatsächlich, dass sie lieber in Kasachstan geblieben wäre. Man  denkt ja, Deutschland sei das gelobte Land für jeden, offenbar aber nicht für sie. Sie meint, ihr wäre es damals nicht schlecht in Kasachstan gegangen, aber ihr Mann habe nach Deutschland gewollt.

Bevor eine elfköpfige Wandergruppe mich einholt, verabschiede ich mich von den beiden, und nehme rasch die Beine in die Hand, und steige weiter auf. Schließlich flacht das Terrain ab, und ich kann einem Forstweg folgen, an einigen mächtigen Weißtannen vorbei.

Schließlich gelange ich in die offene Flur, über der ein Kolkrabe rufend kreist. Entfernt sehe ich die Windungen des Rheins und dahinter die Gipfel des Siebengebirges, die von schräg durch die Wolken brechenden Sonnenstrahlen beleuchtet werden.

Durch den Laubwald geht es dann runter bis an den Rand von Bendorf. Ein Hohlweg führt mich zwischen Sträuchern wieder aufwärts.

Schließlich geht es durch die offenen Felder unter der A 48 hindurch. Ich gelange in ein Bachtal und finde in einem Feldgehölz mit steilem Hang oben ein flaches Plätzchen. 























WdH 43 Von Breite Heide nach Hammerstein

 



Fr, 20.3.2026


WdH 43: Von Breite Heide nach Hammerstein 


10:50 h, 38,8 km, 1387 hm Aufstieg, 1471 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem ich die Ausläufer des Siebengebirges verlassen habe, laufe ich den Großteil des Tages in Rheinnähe. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass hier wirklich viele Höhenmeter zusammen kommen. Es ist etwas dunstig, daher kann ich die vielen Aussichtspunkte nicht richtig genießen. In dem hübschen Städtchen Linz kaufe ich ein und das Schloss Arenfels bei Bad Hönningen ist sehenswert. Vor allem gefallen mir aber die oft schmalen Pfade, durch wilde Gebüsche, die langsam wieder zu Wald werden, nachdem auf großen Flächen Wein- und Gartenbau aufgegeben wurden. Wir sollten der Natur viel öfter erlauben, sich ohne unser Zutun zu entfalten!

Was mir nicht gefällt ist, dass es viel zu oft in die Orte geht. Erst am Nachmittag gelange ich dann wieder in ein schönes, stilles Waldgebiet, wo ich für einige Kilometer den Rheinsteig verlasse, der bald wieder in Flussnähe verläuft. 


Obwohl ich abends nach jeder Etappe die Kilometer durchaus in den Knochen spüre, vor allem in meinem rechten Fuß, in dem das Sprunggelenk vor 15 Jahren operiert worden war, bin ich am Morgen stets wieder gut ausgeruht. Vor allem, wenn ich draußen geschlafen habe. In Unterkünften schlafe ich erstaunlicherweise meistens nicht so gut. Wahrscheinlich trägt die frische sauerstoffreiche Luft zur Erholung bei. Mal abgesehen davon, dass ich mich unter dem Sternenhimmel, der letzte Nacht besonders schön war, steht’s wohl fühle. Bald nach meinem Aufbruch verlasse ich die Hochfläche und laufe bergab, teilweise auf einem Pfad. Dann folge ich dem Bach weiter, parallel zu einer Straße. Die Drosseln singen und es scheint wieder ein schöner Tag zu werden. Man könnte ja glauben, dass nach sechs Wochen das Wandern für mich seinen Reiz verloren hat. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich wieder aufbrechen kann und genieße es in den Tag zu wandern. Für mich ist das Glück: Die Mischung aus Freiheit in der Natur und körperliche Anstrengung ist genau das, was meinem Körper und meinem Geist gut tut.

An einer Kreuzung steht ein Schild, worauf steht, dass das Betreten und Befahren des Privatweg verboten ist, unterzeichnet mit der Eigentümer. Was das betreten angeht, ist so etwas in Deutschland glücklicherweise nicht möglich! Wir haben ein freies Waldbetretungsrecht, was so gut wie gar keinen Einschränkungen unterliegt. Ich finde, das ist ein sehr hohes Gut, worauf wir richtig stolz sein können.

Ich fülle meine Wasserflasche auf und wandere in einem Bachtal durch dichten, mittelalten alten Laubwald aufwärts.

Schließlich folge ich dem Waldrand auf den schon die Morgensonne scheint, in der Nähe von Bruchhausen.

Weiter geht es über das Plateau der Bruchhauser Heide, an einem Gut mit Campingplatz vorbei,  durch die Felder, in denen es auch Alleen gibt. In der Ferne erscheint noch einmal der Drachenfels der steil zum Rheintal abfällt und die Erhebungen des Siebengebirges.

Die Kastanien einer Allee tragen zum Teil schon grüne Blätter.

Durch wildes, grünes Buschland, aus dem einzelne knorriger Eichen ragen, geht es dann abwärts an einem Weinberg vorbei zu einer befahrenen Straße, wo es einen kleinen künstlichen Wasserfall gibt. Anschließend geht es durch Buchenwald voller Buschwindröschen wieder aufwärts.

Als ich zu einem Funkmast mit Ruhebank direkt über dem Rhein komme, setz ich erst mal meinen Blogpost von gestern ab.

Ich durchquere den kleinen Ort Orsberg und wandere weiter Richtung Erpeler Ley. Ein Eichhörnchen läuft an einem Buchenstamm hoch, kurz danach sehe ich ein weiteres. 

Durch Eichenwald mit dichtem Weißdornunterwuchs geht es zum Erpeler Ley, einem Bergvorsprung hoch über dem Rhein, der eine schöne Aussicht erlaubt. Da es hier einen Parkplatz gibt, sind bereits etliche andere Leute hier.

Zunächst relativ flach im Wald, dann steil durch Gebüsche geht es runter nach Kasbach. Nach einigen Schritten in dem Ort, geht es dann wieder steil hoch, das normale Muster auf dem Rheinsteig! Hier höre ich den hohen Gesang der Mönchsgrasmücke, ein weiterer Rückkehrer aus Afrika.

Über Ockenfels gelange ich in das hübsche Städtchen Linz. Dort genehmige ich mir nach dem Einkauf erst mal 1 l Milch und eine Schokolade. Am Marktplatz vorbei, steige ich schließlich wieder durch Wald steil auf zum Kaiserberg, wo sich eine weitere schöne Aussicht über den Rhein eröffnet.

Ein Pfad führt dann steil aufwärts oberhalb einer eingeschnittenen Schlucht, wo ich eine besonders markante Buche bestaune. 

Schließlich laufe ich längere Zeit durch den Ort Dattenberg, der auf der Höhe über dem Rhein liegt.

Durch wilde Gebüsche gar nicht so hoch über dem Rhein gelange ich nach Leubsdorf. Vorher erläutert eine interessante Tafel die Geschichte der Kulturlandschaft hier, wie sie wohl typisch für das Mittelrheintal ist. Während um 1930 die Landschaft noch ziemlich offen war mit Weinbau und Gärten, sah man 1960 schon erste Verbuschungstendenzen. Heute gibt es bei Leubsdorf keinen Weinbau mehr und auch keine Gärten an den Hängen. Dafür befinden sich die ehemaligen Kulturen in verschiedenen Sukzessionstadien hin zum Wald. An manchen Stellen herrschen reine Gebüsche vor. Es gibt aber auch Partien die schon wieder richtig Wald geworden sind. Eine sehr interessante Entwicklung, die auf so großer Fläche wahrscheinlich ziemlich einzigartig in Deutschland ist. Was wir hier sehen, ist eine Entwicklung zurück zu einer Naturlandschaft. Dazu passen natürlich nicht die vielen Siedlungen und Verkehrstrassen, aber nichtsdestotrotz hat auch diese „kleine Wildnis“ etwas Schönes.

Tatsächlich brauchen wir weltweit große, von Menschen weitgehend unbeeinflusste Flächen, auf denen die Evolution weiter wirken kann. Das sind dann auch Horte der Biodiversität und nicht zuletzt können wir dort beobachten, wie die Ökosysteme sich ohne unseren Einfluss an den Klimawandel anpassen. 30 % der grundsätzlich nutzbaren Erdoberfläche gelten als Minimum, es gibt aber auch Experten die 50 Prozent fordern, und auch erklären, dass wir uns eigentlich wilde Natur in dieser Größenordnung erlauben können. 

Hinter Leubsdorf gelange ich auf die Höhe über dem Rhein, wo auf Wiesen, Pferde und Kühe weiden und es auch Felder gibt.

Ich streife den Ort Ariendorf und laufe relativ flach oberhalb des Rheins durch Wald und Gebüsch weiter.

Dann passiere ich das eindrucksvolle, gelbe Schloss Arenfels und steige steil am Rand der Weinberge auf, bis es im Hang durch die Reben weitergeht. Unter mir erstreckt sich die Stadt Bad Hönningen.

Ich streife den Ort,  und laufe relativ flach zum Teil auf Asphalt weiter. Danach geht es ein Stück durch den Wald, bevor ich das idyllische Lampental mit seinen Wiesen, Hecken und Gebüschen durchstreife. Ich umrunde das Tal in einem weiten Bogen zunächst auf- und dann wieder absteigend.

Dann gelange ich an den Ortsrand von Rheinbrohl und steige auf einem Pfad steil hoch durch das Buschland zum Aussichtspunkt Brohler Ley,  der mit seinen Felsen steil zum Rhein abfällt. Unterwegs sehe ich die Grüne Nieswurz, eine ziemlich bizarre Pflanze, die typisch für das Rheintal ist und die ersten Wiesenprimeln mit ihren gelben Blüten. Über dem Aussichtspunkt kreist ein Rotmilan. Leider ist durch den Dunst wie überall heute, die Aussicht  nicht besonders schön. Auf den steinigen Hängen hier sind viele Eichen abgestorben, offenbar Opfer der Dürre zwischen 2018 und 2020.

Weiter geht es durch beeindruckenden Eichenwald mit Hainbuchen. Auf diesem trockenen Standort werden die Bäume zwar nicht besonders groß, dennoch ist es schön hier. Was mir vielleicht am Besten gefällt, ist, dass hier endlich der Lärm des Rheintals verschwunden ist. Ich beobachte einen Habicht und zwei Kleiber. 

Nachdem ich dem Hang eine Zeitgefolgt bin, steige ich zum Hammersteinbach ab.

Hier verlasse ich den Rheinsteig, um eine eigene Route zu nehmen, die im Wald bleibt, statt wie der Rheinsteig zurück an den Fluss mit seinen vielen Siedlungen führt. Ich finde es so schön hier, dass ich schon bald den Weg verlasse und steil hangauf gehe. Bald entdecke ich einen alten Erdweg, perfekt! 

Freitag, 20. März 2026

WdH 42 Von Birlinghoven nach Breite Heide

 




Do, 19.3.2026


WdH 42 Von Birlighoven nach Breite Heide


11:19 h, 40,4 km, 1469 hm Aufstieg, 1294 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon früh am nächsten Morgen gelange ich auf den Rheinsteig, dem der NST ab jetzt folgt. Mit dabei ist Volker, Referent im Umweltministerium von NRW und begeisterter Wanderer. Er ist gerade dabei ein Buch über die Geschichte der Menschheit und die Entwicklungen der Zukunft zu schreiben. Er sieht ein Problem in der Entfremdung von der Natur und den fehlenden Kontakt in menschlichen Gemeinschaften. Hoffnung schöpft er aus lokalen Initiativen, die für ihn gute Wege aufzeigen können, die dann vielleicht zum Mainstream werden. Ebenso wie ich denkt er, dass wir vor einer technologischen Revolution stehen, die noch weiter gehend sein wird, als die Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Daraus ergeben sich Chancen, aber auch eine Übergagszeit des Chaos ist für ihn denkbar. Beruflich hat er auch mit der EU zu tun, die er als wichtiges Friedensprojekt sieht, was weiter ausgebaut werden sollte. Wir unterhalten uns über viele weitere Dinge, aber schon nach gut zwei Stunden heißt es Abschied nehmen.

Das Siebengebirge, dass ich heute durchwandere, ist ein tolles Laubwaldgebiet mit etlichen Basaltkuppen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass an diesem Donnerstag hier erstaunlich viele Tageswanderer unterwegs sind. 

Als ich einmal falsch abbiege, nehme ich eine eigene Route, bei der ich den Himmerich besteige und ein Stück querwaldein gehen muss, bevor ich wieder auf den Rheinsteig stoße. Heute ist der Tag meiner Wanderung mit den meisten Höhenmeter bisher…


Noch im Halbdunkel bin ich wieder unterwegs. Schon bald habe ich den Geistinger Wald hinter mir gelassen und durchquere Birlinghoven. Anschließend geht es durch ein relativ kleines Laubwaldgebiet, bevor ich auf einem Asphalt Weg durch die Felder laufe. Jetzt geht die Sonne auf und es verspricht wieder ein sehr schöner Tag zu werden.

Ich gehe durch Gielgen und erreiche dann meinen Treffpunkt mit Volker Ochsenfahrt am Ennert. Er hat mich angeschrieben, da er schon länger verfolgt, was ich mache. Der 52-jährige ist Referent im Umweltministerium in NRW und grüner Kommunalpolitiker. Schon bald erscheint der freundlich wirkende Mann. Und wir laufen auch gleich los. Zunächst geht es durch das Waldgebiet des Ennert, wo wir am Foveaux- Häuschen, auf den Rheinsteig gelangen, dem der NST ab jetzt folgt. Volker ist dabei, ein Buch zu schreiben, indem es um die Geschichte der Menschheit geht und die Frage, ob es Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein wichtiges Thema für ihn ist die Entfremdung des Menschen von der Natur und auch der heute oft fehlende Kontakt innerhalb lokaler Gemeinschaften. In solchen Gemeinschaften, als kleine Inseln, von denen sich Entwicklungen ausbreiten können, liegt seine Hoffnung. Wir reden über viele verschiedene Themen. Da er teilweise auch mit der EU zu tun hat, betont er, dass die EU vor allem ein wichtiges Friedensprojekt ist, dass auch ehemals verfeindete Staaten wie Deutschland und Frankreich zusammen gebracht hat. Natürlich gibt es in der Organisation der EU Dinge, die zu kompliziert und zum Teil auch undemokratisch sind. Nichtsdestotrotz sieht er es so wie ich, dass  die Zusammenarbeit innerhalb der EU in allen Bereichen weiter ausgebaut werden sollte. 

Volker sieht ebenso wie ich die rasante Entwicklung im KI Bereich und hofft, dass zukünftige Entscheidungen zu einem großen Teil auf dieser Technik beruhen und dadurch rationaler werden. Es sollte natürlich nicht so sein, dass die KI demokratische Entscheidungen ersetzt, aber sie sollten von ihr begleitet werden, im Idealfall in Nutzung von Expertenkommissionen aus den verschiedenen Bereichen. Deren Ratschläge sollten viel stärker als bisher berücksichtigt werden. 

Was die Frage der Finanzierbarkeit des Staates angeht, sieht Volker es im Prinzip so wie ich, das bisher hauptsächlich der Faktor Arbeit besteuert wurde, in Zukunft aber das Augenmerk stärker auf den Vermögen liegen muss. Diese wurden in Deutschland ja innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut und es liegt nun im Interesse der Vermögenden smit ihrem Geld einen Beitrag für einen funktionierenden Staat zu leisten. Wenn das in ausreichendem Maß umgesetzt wird, eröffnen sich für den Staat ganz neue Spielräume und auch der Faktor Arbeit könnte entlastet werden. 

Volker hält es für absolut möglich, dass sich Deutschland komplett aus regenerativen Energien versorgt. Voraussetzung dafür wäre aber eine wesentlich konsequentere Politik in diesem Bereich. Nebelkerzen wie der Bau neuer Atomkraftwerke oder auch Gaskraftwerke für so genannte Dunkelflauten, die aber nur ganz selten vorkommen und heutzutage leicht mit Batteriespeichern abgefangen werden können , sind in dem Zusammenhang kontraproduktiv. 

Auch das Thema Migration sollte unserer Meinung nach viel stärker rational angegangen werden. Einerseits brauchen wir in vielen Bereichen Arbeitskräfte von außen. Andererseits können wir in Deutschland natürlich auch nicht jeden aufnehmen. Er hat Erfahrungen aus Indien und ich aus Afrika. Und tatsächlich möchte jeder zweite in diesen Ländern, mit denen man spricht am liebsten gleich nach Deutschland mitgenommen werden, ein Ding der Unmöglichkeit!

Volkers Meinung nach birgt  die technologische Entwicklung in vielen Bereichen das Potenzial für unheimliche Verbesserungen auf vielen Ebenen. Aber er hält es auch für möglich, dass es eine Übergangszeit gibt, die eher chaotisch und weniger angenehm ist, bevor es dann wieder besser wird. Als Beispiel führt er die Geschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert an. Auch damals wurde der Kapitalismus im eigenen Interesse der Kapitalisten, durch die Einführung von Sozialversicherungen gebändigt. Bismarck, der das in Deutschland eingeführt hat, war garantiert kein Kommunist. Das heißt, wahrscheinlich werden auch die Leute an den Schaltstellen der technologischen Entwicklung ein Interesse daran haben, dass nicht nur sie unvorstellbar reich werden, sondern ein Teil des Reichtums in die Gesellschaft zurückfließt. Darauf ist zu hoffen.

Bereits nach etwas über 2 Stunden, die wie im Flug vergehen, verabschieden wir uns und ich wandere alleine weiter, vorbei an Weinbergen, die eine Aussicht auf das dicht besiedelte Gebiet am Rhein bieten. Durch Laubwald gelange ich an den Rand des Klosters Heisterbach.

Steine mit Inschriften erzählen etwas aus der Zeit der Mönche, die im Mittelalter weite Teile der Region stark geprägt haben.

Bald komme ich in einen Bereich, wo Motorsägen heulen und sehr viele Wege mit Bannern gesperrt sind. Ich frage mich, wie es sein kann, dass hier nicht mal eine Umleitung ausgeschildert wird, obwohl der Rheinsteig ja nun wirklich ein wichtiger und beliebter Wanderweg ist!

Ein Pfad führt mich steil rauf zum Petersberg, wo es ehemals ein Gästehaus der Bundesregierung gab und jetzt ein Luxushotel ansässig ist. Unterwegs sehe ich die frisch ausgetriebenen Blätter von jungen Bergahornen und Vogelkirschen. Im Unterwuchs blühen Lerchensporn und Buschwindröschen. 

Als ich ein Stück absteige, erklingt aus den mächtigen Eichen am Rand einer Wiese, ein lautes Staren Konzert.

Durch den Laubwald geht es bergab. Ich überquere eine verkehrsreich Straße und sehe einen Schwarzspecht laut rufend vor mir abfliegen. Es geht recht steil auf dem Forstweg aufwärts zu der kleinen runden Lietschen-Hütte, von dort folgt ein Pfad dem Kamm mit Aussicht zum spitzen Gipfel des Drachenfels. Leider ist es etwas dunstig.

Ich passiere eine weitere kleine Hütte mit potentiell schöner Aussicht und laufe auf dem Pfad weiter durch Eichenwald mit viel Ilex. Leider ist dieser schöne Abschnitt viel zu schnell wieder vorbei, und es geht auf einem Forstweg weiter. Bald erreiche ich das Milchhäuschen, wo ich auf der Sonnenterrasse Käsespätzle esse und alkoholfreies Bier trinke. 

Weiter folge ich einer Lindenallee, die durch Wiesen führt.

Ich erreiche die Schienen der Bahn, die zum Drachenfels führt, bei der Drachenburg und folge dann einem asphaltierten Weg steil bergauf. Oben auf dem Drachenfels ist viel los an diesem Donnerstagmittag. Für meinen Geschmack viel zu viel und ich nehme rasch Reissaus. Ein Pfad führt mich an Felsen vorbei, steil bergab. Hier blühen bereits die Spitzahorne grüngelb.

Ich laufe bergab, bis direkt oberhalb von Rhöndorf, wo der Rhein nicht mehr weit entfernt ist. Bald geht es wieder aufwärts in den Wald. Dort zeigen die Haselnußsträucher ihre ersten zarten Blätter und ich sehe Esskastanien, die die Römer mit dem Wein mit an den Rhein gebracht haben. Dann führt ein Pfad steil aufwärts zum Teil über kleine, schräge Felsen. Hier wächst hauptsächlich Eichenwald unter dem Ilex gedeiht. Es sind hier im Siebengebirge erstaunlich viele Tageswanderer unterwegs, aber es ist auch wunderschön hier. Ich passiere moosbedeckte kleinen Felsen unterhalb eines steilen Felsabbruchs, auf dem auf dem nur ganz niedrige Eichen wachsen. Unterhalb des Pfads wachsen aber auch mächtige Buchen. Ich erreiche die Breiberghütte und folge dem Pfad weiter. Auf der anderen Talseite erstrecken sich eine ganze Reihe von bewaldeten Kuppen. Entfernt sehe ich das weiße Gebäude auf dem Petersberg. Ein Reh flüchtet vor mir durch das Laub, aus dem stellenweise die weißen Blüten der Buschwindröschen leuchten. Schließlich gelange ich auf einen Forstweg, der mich zur Waldgaststätte Löwenburger Hof führt, von der man einen schönen Ausblick über Streuobstwiesen hat. Ab hier geht es auf einem Forstweg abwärts. Ich sehe die ersten frischen Borkenkäfer Fichten des Frühjahrs. Bei Ihnen ist die Rinde teilweise bereits abgefallen aber die Nadeln sind noch grün.

Ich folge dann lange dem Tal eines Bächlein abwärts, meist durch Buchenwald, aber es stehen auch noch einige mächtige Fichten am Weg. An einer Stelle befindet sich ein aufgestauter Teich. Ab der Löwenburg habe ich die meisten Besucher hinter mir gelassen und kann den Wald jetzt wieder weitgehend allein genießen. 

Ich überquere die befahrene Schmelztalstraße und wandere auf einem Pfad zunächst steil in einem Bachtal hoch , dann weiter parallel zur Straße, bis ich oberhalb eines Parkplatzes bin. Von hier führt ein Erdweg weiter bergauf. Im Oktober, als ich die Chance genutzt hatte, zwischen zwei Vorträgen wandern zu gehen, lief hier gerade eine Holzernte Maßnahme. Dennoch ist der Erdweg nicht zerfahren, sondern tadellos zu begehen. So muss das sein!

Weiter geht’s auf einem Forstweg. Als ich feststelle, dass ich falsch laufe, nehme ich eine eigene Variante, den Rheinsteig hier kenne ich ja ohnehin schon. 

Etwas abseits meines Weges ragt der Himmerich auf, eine Basaltkuppe, deren eine Seite eine steile Felswand ist. Man kann hier zur Löwenburg und zum Rhein schauen, allerdings ist es etwas dunstig und die Aussicht ist auch etwas zugewachsen.

Als ich weiter laufe, passiere ich einen älteren Mann, der nackt auf einem Holzstapel liegt. Leider existiert der Weg, den ich weiter nehmen wollte aus meiner Karten App nicht. Da ich keine Lust habe zurückzugehen gehe ich ein Stück querdurch. Da man hier die abgestorbenen Fichten überall hat stehen lassen, kann das ein schwieriges Unterfangen sein. Tatsächlich komme ich ganz gut voran und bin bald wieder auf einem festen Weg.

Schließlich gelange ich wieder auf den Rheinsteig und suche mir bald einen Platz unter Eichen und Hainbuchen. Es ist noch relativ früh, aber ich will die Stille des Waldes noch einmal genießen, bevor ich in die laute Rheinnähe komme.