So, 19.4.2026
WdH 72: Von der Kalten Herberge zum Feldberg
12:11 h, 39,9 km, 1301 hm Aufstieg, 995 hm Abstieg
Zusammenfassung: Schon bald nachdem ich losgegangen bin, sehe ich entfernt den oben noch schneebedeckten Feldberg, mein heutiges Ziel. Ich passiere Neustadt und verlasse am Hochfirst den Mittelweg, dem ich etwa drei Tage lang gefolgt bin. Dieser hat mir tatsächlich auch nur so mittel gefallen. Zu viele Forstwege, teilweise Asphalt und streckenweise in Straßennähe. Allerdings fand ich den kilometerlangen Pfad durch die Plenterwälder hinter Freudenstadt grandios.
Ab Titisee folge ich dann wieder dem Westweg. Ich streife Hinterzarten und steige zum Feldberg auf, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Erstaunlicherweise ist an diesem Sonntag fast niemand hier oben, außer mir nur eine E-Bikerin und Sabrina und Reto, die auf dem Westweg nach Basel laufen wollen.
Auch als ich absteige, liegt zum Teil noch Schnee auf den Wegen und bei meinem Lagerplatz auf über 1300 m Höhe im Wald.
Am Morgen geht es zunächst auf einem Asphaltsträßchen weiter nach oben. Es dauert nicht lange, dann sehe ich einen breiten, oben noch schneebedeckten Berg vor mir. Der Feldberg! Im Wald hier wachsen viele mächtige Fichten, teilweise auch Tannen. Ich passiere das einsame Gasthaus Hochberg und laufe teilweise am Waldrand mit Blick über die Wiesen.
Während ich so weiter durch den ruhigen Morgen im Wald laufe, singen die Misteldrosseln, und über mir erstreckt sich ein weitgehend bewölkter, aber freundlicher Himmel.
Ich überquere eine Straße und laufe durch einen weiteren alten Fichtenwald. Als ich aus dem Wald komme, gibt es eine schönen Ausblick zum Feldbergmassiv, was jetzt schon deutlich näher gekommen ist. Wolken und Sonne heute Morgen geben schöne Farbspiele. Bei einer Quelle in einer Wiese kann ich meine Wasserflasche wieder auffüllen und sehe einen Rotmilan über dem Wald kreisen.
Ich überquere eine weitere Straße und laufe dann lange durch großenteils alten Fichtenwald. Bei der Max-Engelmann Hütte ergibt sich noch einmal eine schöne Aussicht Richtung Feldberg. Von hier steige ich durch die Wiesen nach Neustadt ab.
Neustadt macht auf mich einen netten Eindruck. Die Kirche ist für einen so kleinen Ort ziemlich riesig. Ich kehre in einem Café ein, wo mich ein offensichtlich italienischer Gast auf meinen Rucksack anspricht und fragt, ob ich auch ein Zelt dabei habe. Er selber wandert auch gerne und ist schon von München nach Venedig über die Alpen gelaufen. Frisch gestärkt geht es weiter. Doch zunächst suche ich die öffentliche Toilette am Weg auf. Die ist kostenlos und erstaunlich saube. Schade, dass das in Deutschland eher selten der Fall ist, entweder gibt es gar keine Klos oder man muss dafür bezahlen. Auf schmalen Pfaden geht es durch den Fichtenwald empor Richtung Hochfirst. Ein Stück folge ich einen Bächlein, was über eine üppig grüne Stufe abfällt.
Schließlich verlasse ich beim Saiger Kreuz den Mittelweg und laufe direkt nach Titisee, knapp 5 km weit.
Heute am fünften Tag nach Karlsruhe, drückt der Rucksack nirgendwo mehr, was in den vergangenen Tagen ganz anders war. Natürlich ist er inzwischen auch ein bisschen leichter, aber wahrscheinlich habe ich mich auch wieder an diesen so ganz anderen Rucksack gewöhnt. Eine große Tanne am Weg mit über 1 m Durchmesser ist zum Fällen ausgezeichnet. Muss das wirklich sein? Es gibt hier ohnehin nur relativ wenig Tannen und so alte, majestätische erst recht nicht. Kann man so einen Baum nicht einfach mal stehen lassen?
Als gegen elf der Titisee tief unter mir erscheint, hat sich der Himmel ziemlich verdunkelt und es sieht nach Regen aus.
Es fallen dann aber lediglich ein paar Tropfen. Schließlich erreiche ich den Titisee mit dem gleichnamigen Ort. Dieser ist ein wahrer Touristenmagnet, neben vielen deutschen sind offensichtlich auch etliche ausländische Gäste hier unterwegs. Es gibt ein üppiges Angebot an Hotels, Gastronomie und einschlägigen Souvenirläden. Mir ist hier viel zu viel los, daher suche ich rasch das Weite. In Titisee gelange ich auch wieder auf den NST, der hier dem Westweg folgt. Ich nehme aber zunächst eine Variante durch den Wald, da ich keine Lust habe, am Seeufer mit Campingplatz weiter zu laufen.
Schließlich gelange ich wieder auf den mit einer roten Raute gekennzeichneten Westweg und folge ihm weiter, auf schmalen, Wegen durch den Fichtenwald zur Skischanze an der Kessler Höhe oberhalb von Hinterzarten.
Ich steige dann bis an den Rand von Hinterzarten ab, wo sich ein Blick auf den Ort mit seinen großen Hotels eröffnet. Bald geht es wieder bergan, meist auf Pfaden. Ich passiere einen kleinen Teich, wo Biber an den Bäumen ihre Spuren hinterlassen haben. Hier blühen viele Sumpfdotterblumen und weiße Pestwurz. Rechts ragen steile, moosbedeckte Granitfelsen auf.
Ich erinnere mich daran, wie ich 2021 auf meiner großen Deutschlandtour, mit Mädels der Greenpeace-Gruppe Freiburg hier hoch gestiegen bin. Damals hat es geregnet und es war ziemlich kalt. Dennoch war unsere Stimmung gut. Tatsächlich bin ich ja schon häufiger auf den Feldberg gewandert, allerdings ist dies das erste Mal, das ich alleine bin. Das ist etwas ganz Anderes, da man alleine seine Umgebung viel intensiver wahrnimmt. Wenn man mit anderen zusammen ist, unterhält man sich in der Regel und ist dadurch ziemlich abgelenkt. Obwohl das natürlich auch durchaus schön sein kann.
Als das Terrain etwas abflacht, führt ein Forstweg durch die Wiesen am Häusle Bauernhof vorbei, wo es eine Getränkestation gibt. Hier habe ich noch einmal einen Blick zum Feldberg, der bereits deutlich näher gekommen ist. Weiter geht es auf einem Forstweg durch den Fichtenwald zur Schutzhütte Rufenholzplatz. Insgesamt sind trotz recht schönem Wetter hier erstaunlich wenig Leute unterwegs. Aber als ich meine Schokolade esse, kommt ein Wandererpaar vorbei, und wir kommen ins Gespräch. Die beiden sind in Titisee gestartet und wollen in fünf Tagen den Westweg bis nach Basel laufen. Sie übernachten in der Regel an Schutzhütten.
Hinter der Hütte geht es im Wald weiter hoch. Als ich an einen Abzweig komme, biege ich vom Westweg ab. Nach einem kurzen Stück gelange ich dann auf den Steig, der den Sägenbach hoch führt. Ab 1200 m Höhe gibt es erste Schneeflecken. Stellenweise sind hier die alten Fichten abgestorben. Allerdings sind diese Flächen eher klein, im Vergleich zu anderen Gebieten.
Schließlich gelange ich aus dem Wald und laufe über die Wiesen zur Baldenweger Hütte. Es ist klar heute, so dass ich tolle Aussichten genießen kann. Es gibt zwar noch etwas Schnee, aber der ist kein Problem. Weiter geht es aufwärts zu den Grasflächen auf dem weiten Gipfelplateau des Feldbergs. Der Gipfel ist unscheinbar mit verschiedenen Anlagen versehen.
Schließlich erreiche ich den Gipfel, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Es regnet hier an zwei von drei Tagen, insgesamt 1900 mm im Jahr, fast so viel wie im Regenwald! Dennoch gibt es hier oben viele Sonnenstunden, allerdings liegt die Jahresmitteltemperatur nur bei 3°. Das ist eben so kalt wie in Nordnorwegen. Obwohl heute Sonntag ist und das Wetter keineswegs schlecht, ist außer mir nur noch eine E-Bikeerin hier oben, und das Paar, was ich an der Hütte getroffen hatte. So einsam hab ich den Feldberg noch nie erlebt!
Südlich vom Feldberg beginnt Neuland für mich, wo ich noch nie war. Ich bin gespannt!
Schließlich steige ich ab durch die Wiesen zur St. Wilhelmer Hütte, wo ich Sabrina und Reto wieder treffe, ein wanderbegeistertes Paar aus Köln um die 40. Neben dieser Tour wollen sie im Sommer drei Monate in Österreich und Slowenien wandern. Auch als ich weiter wandere, ist der Weg zum Teil noch schneebedeckt. Schließlich schlage ich abseits in einem mittelalten Fichtenwald mit Schneeflecken mein Lager auf. Es ist ziemlich kühl und windig hier auf etwa 1300 m, aber im Wald ist es o.k.























































