Freitag, 13. Februar 2026

WdH 9 Von Witzin nach Rabensteinfeld

 



13.2.2026


Von Witzin nach Rabensteinfeld


9:57 h, 43,1 km, 461 hm Aufstieg, 444 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem ich in Sternberg eingekauft habe, laufe ich einige Kilometer mit Förster Ulrich Dohle durch sein Revier. Dabei unterhalten wir uns über die Frage, warum die AfD im Osten so stark ist und ich erfahre etwas über die Hoffnungsgeschichte des Nationalen Naturerbes. Auf einer eigenen Route abseits des Naturparkwegs laufe ich dann meist durch verschneite Wälder weiter. Dabei wandere ich hier häufiger auf kleinen Pfaden, als das meist auf dem Naturparkweg der Fall ist. Schließlich erreiche Ich Rabensteinfeld unweit von Schwerin.


Bereits in der Dunkelheit bin ich am nächsten Morgen wieder unterwegs. Es hat leicht geschneit, so dass die Landschaft sanft überzuckert ist. Bald habe ich den Ort Witzin hinter mir gelassen und laufe durch eine abwechslungsreiche Feldmark. Besonders schön finde ich, dass immer wieder einzelne knorrige Eichen am Weg stehen. Schließlich geht es in den Wald, der hier meist von Kiefern geprägt wird, unter denen aber an vielen Stellen auch Buchen wachsen. Obwohl es schon hell ist, ruft noch ein ein Waldkauz. Während sich schließlich linker Hand der Groß Radeber See erstreckt, wächst rechts ein Buchenwald auf steilen Hügeln. Einige Tafeln erläutern Wissenswertes zum Wald. Ich passiere ein archäologisches Freilichtmuseum und Tafeln verraten, dass ich jetzt in den Naturpark Sternberger Seenland gelange. Uli hat mir gestern erzählt, dass die Naturparke in den östlichen Bundesländern einen ganz anderen Stellenwert als im Westen haben. So gibt es hier Ranger und häufig auch Informationszentren, was es im Westen nicht gibt. Das Freilichtmuseum behandelt einen Altslawischen Tempelort des neunten und zehnten Jahrhunderts. bald gelange ich nach Groß Raden, wo an der Kirche zahlreiche Dohlen rufen. Es gibt im Ort eine Pension und ein Oldtimer Museum. Ich folge dann längere Zeit einem Radweg parallel zu einer Straße. Eine Sache, über die ich gestern Abend mit Uli gesprochen habe, fällt mir wieder ein. In Mecklenburg-Vorpommern habe ich noch kein Windrad gesehen. Laut Uli liegt das daran, dass man die Windräder hier stark konzentriert hat. Das heißt, man hat die Naturparkregionen und auch die Waldgebete bisher frei von Windrädern gehalten. Ein meiner Meinung nach sehr sinnvolles Vorgehen, was auch woanders Schule machen sollte. Natürlich brauchen wir für die Energiewende viele Windräder, aber diese sollten nicht  überall verteilt werden, sondern soweit wie möglich konzentriert stehen um möglichst geringe negative Wirkungen auf die Landschaft zu erhalten. 

Ein Stück weiter sehe ich tatsächlich zwei rufende, Kraniche unweit der Straße! ich durchquere den Ort Sternberger Burg, wo es Kanustationen an der Mildenitz gibt. Auf einer großen Koppel, die auch ein Waldstück einschließt, ist eine große Herde wolliger Schafe eingepfercht.

Schließlich erreiche ich Sternberg, wo ich im Aldi Supermarkt für die nächsten drei Tage einkaufe. Kaum bin ich fertig, taucht Ulrich Dohle wieder auf, mit dem ich mich für heute verabredet habe. Er will mit mir einige Kilometer laufen und mir dabei etwas von seinem Revier zeigen. Bald knüpfen wir an unser Gespräch von gestern Abend an, in dem Ulrich geäußert hatte, dass ihm das Erstarken der AfD Angst macht. Wir diskutieren über die Tatsache, dass hier im Osten mehr als doppelt so viele Leute diese Partei wählen als im Westen. Was sind die Ursachen hierfür? Dazu ist es wichtig einige Dinge zu wissen, die bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung zurückgehen. Damals wurden die meisten ostdeutschen Betriebe geschlossen, was zu einer großen Massenarbeitslosigkeit führte. Eine existenzielle Erfahrung, die vielen noch tief in den Knochen sitzt. Hinzu kommt, dass fast alle Führungsstellen egal ob in Verwaltung, Wirtschaft oder Wissenschaft fast ausschließlich mit Leuten aus dem Westen besetzt wurden, ein Zustand an dem sich bis heute wenig geändert hat. Viele Vermögenswerte, egal ob Immobilien, landwirtschaftliche Flächen oder Wald fielen ebenfalls an Besitzer aus dem Westen. Das ist auch ein Grund dafür, dass es im Osten im Schnitt wenig Vermögen gibt. Ulrich erzählt, dass es immerhin einen Ostmilliardör gäbe, dem stehen aber wohl um die 170 im Westen gegenüber! Und obwohl natürlich viel in den Aufbau der Infrastruktur investiert wurde und das in manchen Regionen auch Früchte getragen hat, ist die Wirtschaft im Osten seit 20 Jahren nicht mehr gewachsen und das Lohnniveau stagniert bei 70-80 Prozent des Westens. Das alles hat offensichtlich bei vielen Ostdeutschen ein latentes Gefühl der Benachteiligung hervorgerufen, verbunden mit der Angst vor erneutem starken Abstieg wie nach der Wende. Weil man sich von der herkömmlichen Politik nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte keine Verbesserungen mehr erhofft, wählt man halt im Zweifelsfall AfD. Barack Obama würde sagen: „Its the economy, stupid“. Angst vor zu viel Migration etc. spielt sicher auch eine Rolle, ebenso wie von manchen Medien geschürte Ängste.  

So denken viele, gerade die Grünen würden sie mit einem „Heizungsgesetz“ zu Investitionen zwingen, die sie nicht leisten können. Hier müsste der Staat mit einem gut ausgestatteten Programm ansetzen, mit dem Leuten, die es sich sonst nicht leisten können, Wärmepumpen etc. finanziert werden. Natürlich kostet das Geld, aber warum das in Deutschland kein Problem sein muss, dazu kommen wir ein anderes Mal…

Außerdem wäre es wichtig, dass die Demokratie wieder handlungsfähiger wird, beispielsweise durch Verlängerung der Amtsperioden und Konzentration der ständigen Landtagswahlen auf einen Termin um zu Vermeiden, dass praktisch ständig Wahlkampf herrscht. 

Uns ist jedenfalls klar, dass nur durch konkretes Handeln, das Vertrauen in die Demokratie im Osten wieder hergestellt werden kann.

Während wir durch das abwechslungsreiche Kaarzer Holz laufen, erzählt mir Uli die interessante Geschichte des Nationalen Naturerbes, zu dem auch dieses Gebiet gehört: Als vor 15-20 Jahren die Bundeswehr stark verkleinert wurde, benötigte man Übungsflächen in der Größe von 150.000 ha nicht mehr, das ist 6 x der Nationalpark Bayerischer Wald! In dieser Zeit, wo noch die neoliberale Devise galt, Staatseigentum wenn irgend möglich zu veräußern, dachte man zunächst daran, die Flächen komplett an Privateigentümer zu veräußern, so wie man das ja auch mit dem Treuhandwald gemacht hatte. Glücklicherweise wurden aber nur 6-8000 ha tatsächlich verkauft, vor allem weil es zu Protesten kam. Auch Ulrich hatte sich gegen die Verkäufe eingesetzt. Am Ende wurde dann der Löwenanteil der Flächen für Naturschutzzwecke gewidmet, mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), als bei weitem größte Eigentümerin. Auch das Kaarzer Holz gehört dieser Organisation und langfristig ist das Ziel, die komplette Fläche zu einer neuen Wildnis zu entwickeln. Eine echte Hoffnungsgeschichte, wie ich finde! Die Interessen der Natur haben diesmal gegen das kurzfristige Geldverdienen gewonnen! 

Ulrich erzählt mir viel weiteres Interessantes und zwischendurch treffen wir auch seine Waldarbeiter. Egal ob bei der Wiedervernässung von Mooren oder dem Offenhalten besonderer Flächen, Naturschutz spielt hier eine große Rolle!

An einer Infotafel drehen wir noch einige Videos, dann setze ich meinen Weg alleine fort.

Nachdem wir uns getrennt haben, laufe ich auf einem relativ schmalen Weg weiter durch den abwechslungsreichen Wald des Kaarzer Holzes. Ich nehme hier eine eigene Route abseits des Naturparkwegs. Die vom Borkenkäfer zum Absterben gebrachten Fichten bleiben hier ganz bewusst stehen, was die Wiederbewaldung durch den Schattenwurf der toten Bäume erheblich erleichtert.Später folge ich dann einer fast zugewachsenen Schneise auf der schon viele junge Buchen stehen. An den Rändern wachsen hier einige mächtige Eichen. Es ist sehr schön, durch den verschneiten Winterwald zu laufen! Schließlich passiere ich den kleinen Ort Jülchendorf und komme bald wieder in den Wald. Ein schmaler Weg führt mich dann bald längere Zeit am Waldrand entlang, wo ich Kraniche rufen höre. Teilweise wachsen hier am Waldrand Buchen, die mehr als 1,50 m Durchmesser haben!

Schließlich geht es wieder tiefer in den Wald, der zunächst von ausgedehnten Buchenbeständen geprägt ist. Später geht es dann weiter durch überwiegenden Kiefernwald, allerdings mit dichtem Unterwuchs aus Buchen und auch Fichten an vielen Stellen. In der Nähe des Glambecksees überquere ich eine Straße. Ein schmaler Pfad führt mich dann durch dichten, jungen Wald.Ein von Gebüsch eingefasster, schmaler Weg führt mich dann weiter durch die Felder. Eine Zeit lang laufe ich durch einen Bereich mit vielen dichten, jungen Kiefern Aufforstungen. Es scheint fast, als würde die alte Kahlschlagwirtschaft hier noch weiter leben. Ich überquere eine Straße und laufe weiter an einem Waldrand, der von Ansitzkanzeln gesäumt ist. Die Jäger könnten sich ohne Probleme von Kanzel zu Kanzel, gegenseitig erschießen…

Ein Sträßchen führt mich zu der kleinen Siedlung Augustenhof, wo es einen Artenschutzturm gibt, der Fledermäusen und Vögeln wie Falken und Eulen eine Heimat bietet. Bald überquert das Sträßchen die Warnow, ein kleines Flüsschen, das auch bei Paddlern beliebt ist. Es schneit bereits den ganzen Nachmittag und ist ziemlich ungemütlich.Ein abwechslungsreicher Weg zieht sich durch eine Mischung aus Wald und offenem Land. Eine Tafel verrät, dass diese Landschaft von der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern betreut wird. Sie hat diesen ehemaligen militärischen Übungsplatz 2011 als Teil des Nationalen Naturerbes übertragen bekommen,  in einer Größe von 34 ha. Vor Pinnow sehe ich eine Gruppe Hundespaziergängerinnen und ein einzelnes Reh flüchtet über einen weißen Acker. Weiter geht es dann auf Straßen durch den relativ großen Ort Pinnow. Hier merkt man, dass Schwerin nicht mehr weit ist. Schließlich geht es noch ein Stück durch den Wald, das Steilufer hinab zum Pinnowsee. Unten am See sehe ich zu meinem Erstaunen ein Elternpaar mit einem Kind, das gerade ein Feuer entzündet hat!

Kurz darauf gelange ich nach Rabensteinfeld, wo ich ein Zimmer in dem großen, zur Zeit aber fast leeren Hotel Rabenstein gebucht habe. 


















Donnerstag, 12. Februar 2026

WdH 8 Neu Schwinz-Witzin

 



12.2.2026


WdH 8: Von Neu Schwinz nach Witzin


8,25 h, 34,2 km, 261 hm Aufstieg, 275 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bei meinem Aufbruch beginnt es zu regnen und hört den ganzen Tag nicht mehr auf. Nach einigen Kilometern erreiche ich den Ort Dobbertin, der von einer großen Klosteranlage am See geprägt wird. Während hier heute eine diakonische Einrichtung zu Hause ist, verfügte das Kloster einst über riesigen Landbesitz und hat der ganzen Gegend seinen Stempel aufgedrückt. Schöne Pfade führen mich am Dobbertiner See entlang. Einige Zeit später erreiche ich das Durchbruchs Tal der Mildenitz. Hier verläuft ein Pfad längere Zeit über dem 5-6 m breiten Bach, in dem viel Totholz liegt. Leider ist die Szenerie bei diesem Wetter nicht so schön, ansonsten ist das bestimmt ein sehr wild romantischer Ort. Auch durch den Buchenwald am Woserinsee führt ein einsamer Pfad. . Hier sehe ich sogar einen Seeadler auffliegen. Teile des Sees sind bereits eisfrei, wo sich viele Wasservögel sammeln. Schließlich wandere ich durch eine offene Landschaft, in der es aber auch noch Wald gibt, der meist Buchengeprägt ist. Viele Informationstafeln verraten Wissenswertes über die Gegend. Als ich schließlich den Ort Witzin erreiche, bin ich sehr froh aus dem Regen zu kommen und ein schönes Zimmer in meiner gestern telefonisch gebuchten Unterkunft zu beziehen.


Die Nacht war feucht, aber nicht zu kalt. Noch im Dunkeln, um 7:00 Uhr breche ich wieder auf während es von den Bäumen kräftig tropft. Bald gehe ich durch den Wald an einer Tongrube entlang. Hinter dem kleinen Ort Lischow sehe ich einen Fuchs davon laufen. Es taut sehr stark, und die Wiesen sind zum Teil wieder gelbgrün. Schließlich erreiche ich den größeren Ort Dobbertin. Er wird von einer großen, ehemaligen Klosteranlage aus roten Backsteinen geprägt. Heute ist das Kloster Sitz einer großen Diakonie Einrichtung. Besonders eindrucksvoll ist die große Kirche. Auch um 8:00 Uhr morgens herrscht schon viel Leben hier. Ich laufe durch den Klosterpark und gelange auf einen Pfad,  der durch den Wald am See entlang nach Helmsrade führt. Es regnet und ist ziemlich unangenehm. Die Ferienhäuser hier sind natürlich auch zur Zeit alle verlassen. Weiter geht’s auf dem Pfad am Seeufer, bis ich auf einen Fahrweg stoße. Es regnet jetzt so stark, dass ich meine Regenhose überziehe. Bald geht es in ein großes Waldgebiet, überwiegend aus Kiefern, aber auch Buchen. An einer alten Mühle biege ich auf einen Pfad entlang der Mildenitz ab. Die etwa 5-6 Meter breite Mildenitz, fließt hier durch ein Durchbruchstal mit relativ steilen Böschungen. Man könnte den Bach theoretisch mit dem Boot befahren, allerdings liegt sehr viel Totholz im Wasser. Hauptsächlich geht es durch Buchenwald, aber es gibt auch Ahorne und sogar Tannen. Irgendwann wendet sich der Pfad vom Bach ab, überquert eine Straße und führt dann entlang des Woseriner Sees. Dieser ist hauptsächlich von Buchenwald umgeben. Ich sehe einen Schwarzspecht abfliegen und einen Seeadler, der sich schwerfällig aus einem Uferbaum erhebt. Auf dem See gibt es einige offene Stellen, an denen sich schwarze Blesshühner sammeln. 

Der Regen wird stärker, und ich habe ziemlich kalte, nasse Hände, daher hole ich das Handy nur noch selten heraus. Außerdem machen die Regentropfen das Display ziemlich rasch unbrauchbar. Ich laufe durch eine jetzt offenere, einsame Landschaft mit nur wenigen winzigen Örtchen. Interessant sind die vielen Informationstafeln, die über unterschiedliche Themen informieren. Sei es die Entwicklung des Waldes, ein Kesselmoor, was in der Vergangenheit entwässert wurde, die Geschichte des Klosters Dobbertin, dass die ganze Gegend bestimmt hat und über 25.000 ha Landbesitz hatte oder auch vorgeschichtliche Stätten wie einen Urnen Friedhof, der mit großen Steinen eingefasst ist, oder ein Hügelgrab mitten auf einem Acker. Ich sehe viele Stockenten und einen Bussard. Da ich rasch aus dem Regen raus möchte, kürze ich zweimal eine längere Strecke ab. Gegen 15:20 Uhr erreiche ich schließlich die Pension Freigeist, die ich gestern Abend telefonisch gebucht hatte. In dem schönen Zimmer kann ich meine Sachen ausbreiten, so dass sie hoffentlich über Nacht trocknen.

Später treffe ich mich im Restaurant mit Ulrich Dohle, einem Förster der lange Zeit Vorsitzender der Gewerkschaft BdF war. Wir hatten uns schon 2021 auf meiner großen Waldwandertour getroffen, daher freuen wir uns beide auf ein Wiedersehen. Ebenso wie ich ist er eher ein optimistischer Mensch. Daher teilen wir auch die Ansicht, wenn wir beim Ausbau erneuerbarer Energien viel entschlossener agieren würden, dass dauerhaft nur positiv sein kann. Auch weil es uns unabhängiger macht und die Stromkosten sinken werden. Denn weltweit gesehen ist Energie aus Wind und Sonne längst am Günstigsten! Unsere hohen Strompreise resultieren wohl zu einem guten Teil aus der Quasi Monopolstellung der großen Energiekonzerne, die leider auch von der aktuellen Politik sehr stark gestützt wird. Das ist zwar ärgerlich, wird den Siegeszug der Erneuerbaren aber nur verlangsamen, nicht beenden!

Viel zu schnell verabschieden wir uns wieder, verabreden aber morgen ein Stück zusammen zu laufen.








WdH 7 Groß Bäbelin- Neu Schwinz

 



11.2.2026


Von Groß Böbelin bis Neu Schwinz


9:59 h, 41,5 km, 204 hm Aufstieg, 221 hm Abstieg


Zusammenfassung: Fast den ganzen Tag laufe ich durch den Naturpark Nossentiner- Schwinzer Heide, das größte Waldgebiet Mecklenburg- Vorpommerns. Hier erlebe ich an diesem grauen Wintertag richtige Einsamkeit. Meist geht es auf Fahrwegen durch die überwiegend von Kiefern geprägten Wälder, aber entlang einiger Seen wandere ich auf schmalen Pfaden durch den Mischwald. Auf den vielen Informationstafeln kann man eine Menge über die Gegend lernen. 


In der Nacht fallen noch viele Tropfen von den Bäumen oder es regnet. Ich wache immer wieder auf, weil die Kälte aus dem verschneiten Boden nach oben kriecht. Nachdem ich im Zelt Müsli gefrühstückt habe, breche ich um kurz nach sieben wieder auf. Bald erreiche ich den Waldweg wieder dem ich nach Groß Bäbelin folge. Ab dort laufe ich durch die graue verschneite, offene Landschaft, in der die Wege meistens geräumt, aber dennoch Schnee bedeckt sind. Hier begleitet mich das ständige Rauschen der A 19. Einmal hoppelt ein Hase vor mir davon. Nachdem ich eine Straße überquert habe, folge ich einem Plattenweg. Ein Auto überholt mich, und ich gelange auf eine Straße, die mich nach Linstow führt. Hier beginnt schon der Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide. Ein kleines Museum macht auf die Geschichte der Wolhyniendeutschen aufmerksam, die in der heutigen Ukraine gelebt haben und nach dem Krieg teilweise hierhin umgesiedelt wurden.Im Ort überquere ich das plätschernde Bächlein Nebel. Es wurde hier sogar ein Wasseramselweg angelegt. Ich folge dem Sträßchen weiter zum Ort Bornkrug, ab dem die Straße in den Wald führt. Ich bin jetzt in der Nossentiner Schwinzer Heide, dem größten Waldgebiet Mecklenburg-Vorpommern. Es scheint mir weitgehend von Kiefern geprägt zu werden, und erinnert an die Wälder Brandenburgs. Ich unterquere die A 16 und sehe bald Wolfsspuren und Kot der großen Raubtiere im Schnee. Es scheint hier sehr viel Wild zu geben, worauf die zahlreichen Fährten deuten. Einige Male sehe ich Damwild, darunter auch Hirsche mit großem  Geweih. Im Kiefernwald fehlt meist der Underwuchs aus anderen Bäumen, wie ich ihn zum Beispiel im  Müritzgebiet gesehen habe. Teilweise säumen alte Eichen den breiten Weg. Schließlich gelange ich zum Waldgut Glave, einer winzigen Ansiedlung und laufe auf einer Straße weiter. Hier kommt mir ein Auto entgegen. Bald führt die Straße am Waldrand entlang durch ein nebliges Wiesengebiet. Ein Stück weiter zweigt ein Pfad zu einem Beobachtungsturm für Seeadler ab. Bald geht es wieder in den Wald. Ich überquere eine Straße und laufe auf einem Radweg weiter. Schließlich gelange ich auf einen Fußpfad, der durch den Mischwald entlang des Paschensees führt.  Dann erreiche ich den kleinen Ort Wooster-Teerofen, wo ich niemand auf der Straße sehe. Immerhin gibt es einen Wohnwagen, der zur Bücherkiste umgebaut wurde. Bald bin ich wieder auf einemPfad. Dieser verläuft durch den Mischwald am Langhagensee vorbei. Gegenüber erstreckt sich ein Campingplatz, wo aber um diese Zeit natürlich nichts los ist. Einige Wacholder, die hier unter Kiefern, wachsen, geben der Landschaft ein ganz besonderes Gepräge. Bald verrät ein Schild, dass der Weg nun durch einen militärischen Sicherheitsbereich führt, aber legal benutzt werden darf. Schließlich gelange ich wieder auf einen Fahrweg. Der Weg führt abseits des Sees durch den Kiefernwald. Ein Stück folge ich dann wieder einem Pfad, bevor ich zurück auf den breiten Weg komme. Ein Pfad führt mich an zwei kleinen Seen vorbei. Ich gelange an einige ehemalige Bunker, die offenbar als Fledermausquartiere hergerichtet worden sind. Ein eigener Lehrpfad beschäftigt sich mit den Fledermäusen, die in dieser Gegend schon seit 1983 intensiv erforscht werden. Ich überquere eine größere Straße und folge dann einem Weg im Wald am Krummen See entlang. Im winzigen Ort Neu-Sammit, bin ich überrascht, ein großes Freizeit- und Familienhaus vorzufinden. Weiter geht es durch den Wald entlang dem von großen Eichen gesäumten Langsee. Es gibt hier aber auch beeindruckend hohe Douglasien. Bald verläuft der Weg in einigem Abstand vom See entlang einer baumgesäumte Wiese. Linker Hand grenzt ein hügeliger Wald an, indem es auch wieder mehr Laubbäume gibt.Vor Alt-Sammit kommt mir ein Radfahrer entgegen, der mit seinem Hund unterwegs ist. Da sein Rad nur sehr schmale Reifen hat, schlittert er ziemlich dahin. Der Weg führt nicht in den Ort, sondern am Waldrand entlang. Danach folge ich einer Allee mit einer hohen Böschung weiter durch die Felder. Hier kommt mir tatsächlich ein Wanderer entgegen, mit kleinem Rucksack. Allerdings reagiert er auf meinen Versuch, mit ihm ins Gespräch zu kommen, eher abweisend, so gehen wir wieder auseinander.Es  ist jetzt ziemlich neblig und die Landschaft wirkt grau und ungemütlich. Bald geht es in ein großes Waldgebiet, wo es neben Kiefern auch Buchen gibt. Wie heute den ganzen Tag stoße ich immer wieder auf Naturschutzgebietschilder, meistens mit dem Zusatzschild „ Betreten verboten“Ein Stück weiter unterrichtet eine Tafel über das Naturwaldreservat Jellen. Hier werden einige Hektar eines Kiefernbestandes geschützt, der schon 1791 begründet wurde. D.h. diese Kiefern sind mittlerweile über 230 Jahre alt! Bereits nach 16:00 Uhr kommt mir tatsächlich noch ein Auto entgegen. Die Kiefern und auch Lärchenbestände hier sind oft mit Buchen unterstanden.Ich komme durch den winzigen Wald Ort Jellen, wo ich zwar keinen Menschen sehe, aber die Häuser noch bewohnt zu sein scheinen.Da ich den ganzen Tag noch kein Wasser aufgenommen habe, fülle ich an einer Pfütze, wo das Wasser über dem Eis steht,  mit meiner Falttasse 1 l Wasser in meine Flasche ab.

Kurz darauf passiere ich die etwa vier Häuser von Neu Schwinz. Es beginnt stärker zu regnen, daher schlage ich schon um kurz nach 17:00 Uhr mein Zelt, unweit des Weges und auch in Straßennähe auf.






















Dienstag, 10. Februar 2026

WdH 6 Von Waren bis vor Groß Bäbelin

 




10.2.2026


Von Waren bis vor Groß Bäbelin


9:27 h, 40,3 km, 418 hm Aufstieg, 382 hm Abstieg 


Nachdem ich noch auf dem Zimmer gefrühstückt habe, bin ich bereits vor 7:00 Uhr wieder unterwegs. Ich durchqueren das Stadtzentrum von Waren mit dem Marktplatz und gelange zu einem Netto Supermarkt, wo ich für die nächsten drei Tage einkaufe. Entlang des Tiefwarensees mit seinen Kleingartenanlagen wandere ich dann aus der Stadt. Es gibt hier nirgends eine Markierung des Naturparkweges. Ein kurzer steiler Abstieg führt mich auf einen Fußpfad, der direkt am Seeufer entlang führt. Auf der rechten Seite steigt die von Laubbäumen bestandene Böschung ziemlich steil an. Neben Eichen und Buchen wachsen hier auch knorrige Linden. Ich passiere die Wolfsschlucht, ein kleines Tälchen in der Endmoräne, das zum See abfällt. Eine Tafel erzählt etwas über die Wölfe, die hier noch im 17. und 18. Jahrhundert verbreitet waren. Ich passiere eine kleine Hütte und stoße nach knapp 6 km hinter Waren tatsächlich auch wieder auf eine Markierung. Der Pfad verläuft dann ein Stück weit durch offene Bereiche, bis er an die Straße beim Hotel, beziehungsweise der Klinik Amsee stößt. Hinter dem großen Gelände führt ein Pfad weiter in den Wald. Der Wegeverlauf ist hier etwas verwirrend, aber schließlich stoße ich wieder auf einen deutlichen Weg, der am Waldrand entlang führt. Auch heute ist es wieder grau, und aus der Ferne höre ich Straßenlärm. Außerdem laufen Hochspannungsleitungen durch die Felder. Bald biege ich in die Warener Buchen ab, ein großes, hügeliges Waldgebiet, das von größtenteils alten Laubbäumen geprägt wird. Ein Stück weit laufe ich auf einem Erdweg durch den verharschten Schnee, wo das Vorankommen gar nicht so einfach ist. Die Fahrwege wurden hier aber auch teilweise noch nicht befahren. Die zahlreichen Fährten im Schnee zeigen, dass das Wild die Wege gern benutzt. Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge einer schönen Lindenallee durch die verschneite Landschaft. Eine Tafel zeigt an, dass ich jetzt in den Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See komme.

Weiter geht es am Hecken gesäumten Waldrand entlang, bevor mich ein breiter Weg wieder in den Wald führt. Auch dieses Waldgebiet ist überwiegend von Laubbäumen bestimmt. In den Senken wachsen Erlen. Hier habe ich  das Gefühl, so richtig wieder in der Einsamkeit zu sein. Ich höre auch keinen Verkehrslärm mehr.

Ein Auto der Landesforsten Mecklenburg-Vorpommern überholt mich und ich gelange in einen Bereich, in dem gerade Holz eingeschlagen wurde. Vor allem Douglasien sind am Weg aufgestapelt. Etwas später passiere ich vier mächtige, alte Eichen, die an einem kleinen Teich stehen. In diesem Waldgebiet gibt es aber auch größere Freiflächen, wo wahrscheinlich in der Vergangenheit Fichten standen, und man jetzt teilweise mit Laubbäumen wieder aufgeforstet hat. Drei Rehe poltern vor mir ab und ich laufe unter einer zischenden Hochspannungsleitung hindurch. Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge dem Hecken gesäumten  Weg weiter, wo ich etliche Wachholderdrosseln sehe. Jetzt gegen Mittag scheint es leicht zu tauen, wodurch sich Eisbomben von den Bäumen lösen. Die Erlen in einer Senke scheinen auf kleinen Hügeln zu stehen, wahrscheinlich ist hier der Torfkörper abgesackt. Bald geht es wieder in den Wald hinein, indem es neben Eichen und Buchen auch einige Fichten und Douglasien gibt.Ich passiere einige Zäune, in deren Schutz man tatsächlich wieder Fichten gepflanzt hat! Eine schon seit langem umgefallene Buche versperrt den Weg. Drumherum hat sich eine Umfahrung gebildet. Eine vereiste Straße führt mich am Waldrand entlang, zu der Straße zwischen Moltzow und Schwinkendorf. Hier steht ein großer Einzelhof mit Reetdach. Weiter geht es auf einem Fahrweg am Waldrand entlang. In der Nähe einer alten, knorrigen Eiche springt ein Reh ab. Die hügelige Feldflur, in die ich jetzt gelange, ist mit Hecken, Gebüschen, Einzelbäumen und Weiden sehr abwechslungsreich. Ab einem Hofladen und Naturcamp wandere ich auf einem gepflasterten Weg. 

Der Weg ist weitgehend eisfrei, und an einer Stelle überquere ich ein plätscherndes Bächlein. Ein Stück abseits des Weges in eine Gruppe von Eichen eingebettet liegt die Sagel  Kapelle. Ich komme an einer Ruine vorbei, in der man vielleicht übernachten kann. Ein Auto kommt mir entgegen, und ich wandere weiter auf einem vereisten Weg, der von Allee Bäumen eingerahmt wird. Ein Buntspecht zeigt sich kurz. Ich überquere eine Straße, auf, der einige Autos fahren und gelange auf einen asphaltierten Weg, an den Weiden angrenzen, auf denen Pferde stehen. An einigen Einzelhäusern vorbei, folge ich dem Weg weiter, der schließlich wieder unbefestigt ist. Ein Sträßchen führt mich durch den Ort Klocksin, wo sich ein Banner gegen Windkraftanlagen in der Müritz Region wendet. Ein Fahrweg führt mich weiter durch die weiträumige Kulturlandschaft mit Hecken Feldgehölzen, aber auch einer großen Hochspannungsleitung und riesigen Feldern. Einmal sehe ich ein großes Rudel Damwild. wohl um die 20 Stück. Eines der Tiere ist sogar weiß.

Dann erklingt in der Ferne das Trompeten von Kranichen. Schon im Februar? Gestern hatte ich mit Heidi einen Rotmilan gesehen, der normalerweise um diese Zeit auch noch nicht da ist. Ein Schild erzählt etwas über einen Trockenrasen, der auf einem kleinen Hügel wächst. An den fünf Häusern von Klein Rehberg vorbei, folge ich dem Weg durch die abwechslungsreiche Landschaft weiter. Immer noch sehe ich in der Ferne das große Damwildrudel.  Es ist hier ziemlich hügelig, und der Wald ist nicht weit entfernt. Bald gelange ich an die Stelle, wo sich der Naturpark Weg in eine Nord- und eine Süd Route aufteilt. Ich überquere eine Straße und folge einem Fußweg an einem Wäldchen aus Aspen und Erlen vorbei, indem ich vier Rehe aus nächster Nähe sehe. Dann verläuft der Weg zwischen hohen Böschungen. Das Stapfen durch den vereisten Schnee ist hier ziemlich mühsam.

Ich erreiche Vollrathsruhe, einen Ort an der Bahnlinie nach Stralsund, der sicher auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Ich mag mich täuschen, aber ich habe das Gefühl, hier den früheren Braunkohlehausbrand der DDR wieder zu riechen. Eine Allee aus Linden, von denen die meisten mit Misteln bewachsen sind, führt mich aus dem Ort. Ständig regnet es kleine Eisstücke herunter. Nachmittags zeigt sich dann schüchtern ein ganz klein wenig blauer Himmel. Ich nutze die Gelegenheit und baue in der Allee mein Stativ auf, um einige Fotos von mir beim Gehen zu machen. Schließlich führt der Weg in den Wald, wo auch schöne alte Eichen wachsen.

Ich erreiche den winzigen Ort Hallalit. Beim letzten Haus tobt ein Hund herum, als er mich bemerkt. Ein Sträßchen führt von Kastanien gesäumt Richtung Wald. Hier ist auch ein Amazon Transporter unterwegs.

Als ich den Wald erreiche, ist der Weg unter einer Schneedecke verschwunden, so dass ich nicht mehr sagen kann, ob er noch asphaltiert ist. Ich sehe zwei Hundespaziergängerinnen mit Kamera und Stativ, die aber abbiegen, bevor ich sie erreiche. Der Wald besteht aus ausgedehnten alten Buchen Beständen.. Es gibt aber auch größere alte Fichtenwälder. Mittlerweile tropft es ziemlich stark von den Bäumen, so dass es ziemlich nass ist. Es gibt hier auch große Anpflanzungen von exotischen Baumarten wie Thujas. Bevor ich den Wald verlasse, will ich mein Lager aufschlagen. Daher verlasse ich um 16:15 den Weg und suche mir eine Stelle im offenen Kiefern- Buchenwald, wo ich den Schnee festtrampele und dann mein Zelt mit zwei Wanderstöcken aufbaue. Innen lege ich eine Plastikplane aus, auf der ich meine kurze Luftmatratze aufblase. Ich ziehe meine Daunenjacke über und packe den Rucksack im Zelt aus. Es tropft noch von den Bäumen. Schließlich schlüpfe ich in Inlett und Daunenquilt und esse dann Brot mit Butter, Köse und Wurst. bevor ich meine „Hausaufgaben“ mache.