Montag, 20. April 2026

WdH 73 Vom Feldberg zur Egerten Hütte

 



Mo, 20.4.2026


WdH 73: Vom Feldberg zur Egerten- Hütte


9:32 h, 33,1 km, 852 hm Aufstieg, 1260 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der heutige Abschnitt meiner Wanderung vom Feldberg zum Belchen und weiter ist wirklich atemberaubend. Oft geht es auf schmalen Pfaden durch schöne Wälder, wo zunehmend auch Buchen mit ihrem frischen Grün wachsen. Der Belchen selber hat einen sehr schönen Gipfel, der tolle Aussichten bietet. Nicht nur der Wald, auch die Wiesenlandschaften hier sind sehr schön. Schließlich erreiche ich die Egertenhütte, wo mich Judith abholt und ich den Abend mit ihr und ihrem Mann Thomas in Wies verbringe. Die Beiden stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main Gebiet, und sind, da sie unabhängig voneinander mit ihrem Leben unzufrieden waren, auf Umwegen hier gelandet. Zwar verdienen sie viel weniger, sind dafür aber deutlich zufriedener. Vor allem die Natur der Ungebung lieben sie. Allerdings ist das in gewisser Weise auch ein Spagat. Einerseits wissen Sie ein Haus mit großem Garten und Tieren als feste Basis sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie als „Halbnomaden“ auch immer wieder in die Welt. Aber dieser Konflikt ist lösbar! Bei tollem Essen unterhalten wir uns sehr gut, und fallen schließlich müde ins Bett.


In der Morgendämmerung ruft ein Uhu, allerdings weit entfernt. Als ich aufbreche, ist der Schnee auf dem Weg noch hart von der Kälte der Nacht. Meist laufe ich jetzt am Rand von offenen Gras-und Heidelbeerflächen. Dabei ergeben sich bereits schöne Ausblicke zum Belchen. Entfernt ragen die Vogesen auf der anderen Rheinseite auf. Der Morgen ist ruhig und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Trotz der frühen Stunde kommt mir schon jemand mit Fernglas entgegen. Ich höre Ringdrosseln rufen und sehe  eine auf einer Grasfläche. Ja, der Südschwarzwald hat schon etwas Alpines. Das bestätigt sich auch, als ich am Waldrand, in der Nähe des Gasthof Stübenwasen, zwei Gämsen sehe. Ich bin hier im Biosphärengebiet Schwarzwald, das über 2000 ha Kernflächen hat. Außerdem gibt es hier das Naturschutzgebiet Feldberg mit etwa 4000 ha Größe. Es existieren zwar unbewirtschaftete Kernzonen und Bannwälder, aber an den meisten Orten wird Forstwirtschaft betrieben. Vom Gasthaus Stübenwasen folge ich einem Forstweg weiter durch den Wald.

Auf großer Fläche wurde hier gerade in dem alten Fichtenwald sehr stark ausgezeichnet, oft 5-10 Bäume nebeneinander. Es scheint, als wolle man hier regelrecht Löcher in den Wald hacken. Auch viele Buchen sind zum Fällen markiert. Ich frage mich, ob man dies als Biotopverbesserung für die Auerhühner ansieht? Falls ja, ist das aus meiner Sicht totaler Quatsch, wenn man sich anschaut, wo es wirklich noch viel Auerwild gibt, wie in den Karpaten, sind dort dichte Wälder, in denen sich Lücken von selber ergeben,  aber man so etwas Künstliches wie hier nicht schaffen muss. Aber vielleicht liege ich ja auch falsch und man will nur viel Holz auf einmal ernten. Jedenfalls tut es mir sehr leid, dass der Charakter dieses alten Waldes demnächst sehr stark verändert sein wird.

Ich passiere das nordische Skigebiet Nothschrei mit Loipen und Hotels an der Straße. Hier gibt es auch einen Olympiastützpunkt. Ich bin froh, dass ich das Ganze schnell hinter mir lasse und ein hübsches Bachtal hochlaufe. Dann geht es weiter durch alte, einsame Fichtenwälder. Im Gegensatz zum Mittleren Schwarzwald, hat man hier wieder eher das Gefühl, in einem großen, weitläufigen Waldgebiet zu sein. Schließlich gelange ich aus dem Wald in eine hügelige Wiesenlandschaft, wo ich wiederum herrliche Ausblicke zum Belchen erhalte, der jetzt schon viel näher gekommen ist, sowie in die weitere Umgebung. Eine tolle Landschaft!

Schließlich erreiche ich das Wiedener Eck an der Straße, die ins Münstertal hinführt. Es gibt hier ein Hotel, und die Aussichten sind wirklich fantastisch, zumal das Wetter heute klar und sonnig ist.

Weiter folge ich meist einem Steig. Neben den Fichten gibt es hier auch immer wieder Buchen. An manchen Stellen gedeiht hier Bärlauch, von dem ich eifrig nasche. Außerdem blühen die Schlüsselblumen noch prächtig. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Buchen hier gerade erst ihre Knospen öffnen, aber ein paar Meter weiter unten, der Buchenwald schon in helles Grün getaucht ist. Mir begegnet ein junger Franzose, der auf Tramptour durch Europa ist, und hier eine Wanderung macht. Teilweise führt der Pfad an ziemlich steilen Hängen entlang. Auch das letzte Stück ist noch mal richtig steil. Der Gipfel des Belchen  ist waldfrei und bietet herrliche Ausblicke auf 1414 Meter Höhe. Ich finde auch, dass der Belchen der schönste Berg des Schwarzwalds ist, auch wenn der Feldberg ein paar Meter höher ist. Ich habe den Gipfel ganz für mich alleine. Leider ist es jetzt um die Mittagszeit etwas dunstig. Über mir kreist ein Rotmilan, und beim Aufstieg denke ich, einen Wanderfalken gehört zu haben. Schließlich beginne ich den Abstieg. Teilweise treten hier Felsen offen zu Tage,  eine Landschaft, die ein bisschen an die Alpen erinnert. Die Berge in der weiteren Umgebung sind nicht mehr nur in das Dunkel des reinen Fichtenwalds getaucht, sondern das helle Grün der Buchen mischt sich vielerorts darunter.

Der Abstieg führt über einen steilen Pfad, der sich entlang des Berges windet, vorbei an steil aufragenden Klippen und dicken, umgestürzten Fichten.Es gibt sogar Seilsicherungen, die verhindern sollen, dass man vom Weg runter purzelt. Schließlich gelange ich aber auf einen Fahrweg. 

Mit dauernden tollen Aussichten geht es bergab zum Haldenhof, enem Gasthaus. Von hier laufe ich parallel zu einer Straße wieder nach oben zur Kreuzweghütte. Auf dem Parkplatz hier steht das Baubüro einer Windenergie Firma. Es wäre schade, wenn diese wirklich schöne Gegend ebenso wie andere, die ich unterwegs gesehen habe, durch den Bau von Windrädern verschandelt würde. Hinter dem Parkplatz geht es meist auf Pfaden durch sehr beeindruckenden Wald. Hauptsächlich wachsen hier Tannen und Fichten aber auch Buchen und einige mächtige Douglasien sind vertreten. Überall wächst Baumnachwuchs. Insgesamt ist der Wald hier lichter als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. Schließlich erreiche ich die Egerten-Hütte, wo ich eine Viertelstunde warte, bis mich Judith abholt. Sie war auf mich durch den Podcast „Frei raus“ von Christo Förster aufmerksam geworden. Bevor wir abfahren, entdecken wir einen toten Dachs am Parkplatz. Wahrscheinlich war er angefahren worden und dann dort gestorben. Sehr schade! Während wir nach Wies fahren wo Judith und ihr Mann

Thomas, beide 45, leben, unterhalten wir uns bereits sehr gut. Bei dem schönen Hof angekommen, erscheint auch Thomas, der gerade mit Hündin Mina von einem Spaziergang zurückkommt. Wir trinken Kaffee mit Blick in den Garten, wo Hühner leben, und Eidechsen sich in einer Trockenmauer eingenistet haben. Nachdem ich später geduscht habe, essen wir zusammen und unterhalten uns dabei intensiv. Beide stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet, waren mit ihrer Situation aber sehr unzufrieden. Über Umwege, wo sie teilweise in Wohnwagen und sogar in einer Jurte gewohnt haben, sind sie nach Wies gekommen. Zuvor hatte Thomas als Speditionskaufmann in der Nähe in Basel gearbeitet. Da er mit seinem Beruf sehr unzufrieden war, hat er sich umorientiert und arbeitet jetzt als Lehrer für geistig Behinderte. Dabei verdient er zwar nur noch ein Viertel seines ursprünglichen Gehalts, ist aber viel zufriedener. Beide erzählen, dass die Leute hier zunächst eher zurückhaltend sind, aber da sie sich im Dorfleben engagiert haben, ist die Stimmung etwas aufgetaut. So hilft Judith im Dorfladen und betreut den Garten des Museums, einem uralten Schwarzwälder Bauernhof. Beide sind leidenschaftlich gerne draußen, Wandern und Laufen. Beim Laufen stoßen sie immer wieder auf durch Forstarbeiten total zerfahrene Wege, auch Wanderwege. Sie haben versucht, dieses unter anderem beim Biosphärengebiet zur Sprache zu bringen, sind aber bisher auf taube Ohren gestoßen. Eigentlich soll in so einem Biosphärengebiet ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus entwickelt werden. Hier gibt es offensichtlich noch Nachholbedarf!

Neben den Beiden gibt es auch etliche andere Zuzügler in dem 250 Seelen- Dorf. Oft Familien aus der Stadt, die möchten, dass ihre Kinder in einer anderen Umgebung aufwachsen. Judith erzählt, dass sie sich ein bisschen als Halbnomadin sieht. Einerseits weiß sie ein Zuhause als feste Basis, wo sie auch Tiere halten kann, sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie, ebenso wie Thomas aber auch immer wieder hinaus in die Welt. Natürlich ist das mit einem großen Haus, Garten und Tieren nicht ganz einfach zu verwirklichen, aber es gibt dafür durchaus Lösungen. 

Wir reden darüber, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, vor allem da viele Arbeitsplätze durch die Entwicklung bei KI und Robotik wegfallen werden. Die beiden sehen das sehr positiv und als etwas, was den Menschen Freiräume eröffnet, jenseits der Notwendigkeit des täglichen Broerwerbs. Es ist sehr schön mit dem sympathischen Paar zusammenzusitzen, aber schließlich sind wir alle müde und gehen schlafen.



























Sonntag, 19. April 2026

WdH 72 Von der Kalten Herberge zum Feldberg

 




So, 19.4.2026


WdH 72: Von der Kalten Herberge zum Feldberg


12:11 h, 39,9 km, 1301 hm Aufstieg, 995 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nachdem ich losgegangen bin, sehe ich entfernt den oben noch schneebedeckten Feldberg, mein heutiges Ziel. Ich passiere Neustadt und verlasse am Hochfirst den Mittelweg, dem ich etwa drei Tage lang gefolgt bin. Dieser hat mir tatsächlich auch nur so mittel gefallen. Zu viele Forstwege, teilweise Asphalt und streckenweise in Straßennähe. Allerdings fand ich den kilometerlangen Pfad durch die Plenterwälder hinter Freudenstadt grandios. 

Ab Titisee folge ich dann wieder dem Westweg. Ich streife Hinterzarten und steige zum Feldberg auf, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Erstaunlicherweise ist an diesem Sonntag fast niemand hier oben, außer mir nur eine E-Bikerin und Sabrina und Reto, die auf dem Westweg nach Basel laufen wollen.  

Auch als ich absteige, liegt zum Teil noch Schnee auf den Wegen und bei meinem Lagerplatz auf über 1300 m Höhe im Wald. 


Am Morgen geht es zunächst auf einem Asphaltsträßchen weiter nach oben. Es dauert nicht lange, dann sehe ich einen breiten, oben noch schneebedeckten Berg vor mir. Der Feldberg! Im Wald hier wachsen viele mächtige Fichten, teilweise auch Tannen. Ich passiere das einsame Gasthaus Hochberg und laufe teilweise am Waldrand mit Blick über die Wiesen.

Während ich so weiter durch den ruhigen Morgen im Wald laufe, singen die Misteldrosseln, und über mir erstreckt sich ein weitgehend bewölkter, aber freundlicher Himmel.

Ich überquere eine Straße und laufe durch einen weiteren alten Fichtenwald. Als ich aus dem Wald komme, gibt es eine schönen Ausblick zum Feldbergmassiv, was jetzt schon deutlich näher gekommen ist. Wolken und Sonne heute Morgen geben schöne Farbspiele. Bei einer Quelle in einer Wiese kann ich meine Wasserflasche wieder auffüllen und sehe einen Rotmilan über dem Wald kreisen. 

Ich überquere eine weitere Straße und laufe dann lange durch großenteils alten Fichtenwald. Bei der Max-Engelmann Hütte ergibt sich noch einmal eine schöne Aussicht Richtung Feldberg. Von hier steige ich durch die Wiesen nach Neustadt ab.

Neustadt macht auf mich einen netten Eindruck. Die Kirche ist für einen so kleinen Ort ziemlich riesig. Ich kehre in einem Café ein, wo mich ein offensichtlich italienischer Gast auf meinen Rucksack anspricht und fragt, ob ich auch ein Zelt dabei habe. Er selber wandert auch gerne und ist schon von München nach Venedig über die Alpen gelaufen. Frisch gestärkt geht es weiter. Doch zunächst suche ich die öffentliche Toilette am Weg auf. Die ist kostenlos und erstaunlich saube. Schade, dass das in Deutschland eher selten der Fall ist, entweder gibt es gar keine Klos oder man muss dafür bezahlen. Auf schmalen Pfaden geht es durch den Fichtenwald empor Richtung Hochfirst. Ein Stück folge ich einen Bächlein, was über eine üppig grüne Stufe abfällt.

Schließlich verlasse ich beim Saiger Kreuz den Mittelweg und laufe direkt nach Titisee, knapp 5 km weit.

Heute am fünften Tag nach Karlsruhe, drückt der Rucksack nirgendwo mehr, was in den vergangenen Tagen ganz anders war. Natürlich ist er inzwischen auch ein bisschen leichter, aber wahrscheinlich habe ich mich auch wieder an diesen so ganz anderen Rucksack gewöhnt. Eine große Tanne am Weg mit über 1 m Durchmesser ist zum Fällen ausgezeichnet. Muss das wirklich sein? Es gibt hier ohnehin nur relativ wenig Tannen und so alte, majestätische erst recht nicht. Kann man so einen Baum nicht einfach mal stehen lassen?

Als gegen elf der Titisee tief unter mir erscheint, hat sich der Himmel ziemlich verdunkelt und es sieht nach Regen aus.

Es fallen dann aber lediglich ein paar Tropfen. Schließlich erreiche ich den Titisee mit dem gleichnamigen Ort. Dieser ist ein wahrer Touristenmagnet, neben vielen deutschen sind offensichtlich auch etliche ausländische Gäste hier unterwegs. Es gibt ein üppiges Angebot an Hotels, Gastronomie und einschlägigen Souvenirläden. Mir ist hier viel zu viel los, daher suche ich rasch das Weite. In Titisee gelange ich auch wieder auf den NST, der hier dem Westweg folgt. Ich nehme aber zunächst eine Variante durch den Wald, da ich keine Lust habe, am Seeufer mit Campingplatz weiter zu laufen. 

Schließlich gelange ich wieder auf den mit einer roten Raute gekennzeichneten Westweg und folge ihm weiter, auf schmalen, Wegen durch den Fichtenwald zur Skischanze an der Kessler Höhe oberhalb von Hinterzarten.

Ich steige dann bis an den Rand von Hinterzarten ab, wo sich ein Blick auf den Ort mit seinen großen Hotels eröffnet. Bald geht es wieder bergan, meist auf Pfaden. Ich passiere einen kleinen Teich, wo Biber an den Bäumen ihre Spuren hinterlassen haben. Hier blühen viele Sumpfdotterblumen und weiße Pestwurz. Rechts ragen steile, moosbedeckte Granitfelsen auf.

Ich erinnere mich daran, wie ich 2021 auf meiner großen Deutschlandtour, mit Mädels der Greenpeace-Gruppe Freiburg hier hoch gestiegen bin. Damals hat es geregnet und es war ziemlich kalt. Dennoch war unsere Stimmung gut. Tatsächlich bin ich ja schon häufiger auf den Feldberg gewandert, allerdings ist dies das erste Mal, das ich alleine bin. Das ist etwas ganz Anderes, da man alleine seine Umgebung viel intensiver wahrnimmt. Wenn man mit anderen zusammen ist, unterhält man sich in der Regel und ist dadurch ziemlich abgelenkt. Obwohl das natürlich auch durchaus schön sein kann.

Als das Terrain etwas abflacht, führt ein Forstweg durch die Wiesen am Häusle Bauernhof vorbei, wo es eine Getränkestation gibt. Hier habe ich noch einmal einen Blick zum Feldberg, der bereits deutlich näher gekommen ist. Weiter geht es auf einem Forstweg durch den Fichtenwald zur Schutzhütte Rufenholzplatz. Insgesamt sind trotz recht schönem Wetter hier erstaunlich wenig Leute unterwegs. Aber als ich meine Schokolade esse, kommt ein Wandererpaar vorbei, und wir kommen ins Gespräch. Die beiden sind in Titisee gestartet und wollen in fünf Tagen den Westweg bis nach Basel laufen. Sie übernachten in der Regel an Schutzhütten.

Hinter der Hütte geht es im Wald weiter hoch. Als ich an einen Abzweig komme, biege ich vom Westweg ab. Nach einem kurzen Stück gelange ich dann auf den Steig, der den Sägenbach hoch führt. Ab 1200 m Höhe gibt es erste Schneeflecken. Stellenweise sind hier die alten Fichten abgestorben. Allerdings sind diese Flächen eher klein, im Vergleich zu anderen Gebieten.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und laufe über die Wiesen zur Baldenweger Hütte. Es ist klar heute, so dass ich tolle Aussichten genießen kann. Es gibt zwar noch etwas Schnee, aber der ist kein Problem. Weiter geht es aufwärts zu den Grasflächen auf dem weiten Gipfelplateau des Feldbergs. Der Gipfel ist unscheinbar mit verschiedenen Anlagen versehen. 

Schließlich erreiche ich den Gipfel, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Es regnet hier an zwei von drei Tagen, insgesamt 1900 mm im Jahr,  fast so viel wie im Regenwald! Dennoch gibt es hier oben viele Sonnenstunden, allerdings liegt die Jahresmitteltemperatur nur bei 3°. Das ist eben so kalt wie in Nordnorwegen. Obwohl heute Sonntag ist und das Wetter keineswegs schlecht, ist außer mir nur noch eine E-Bikeerin hier oben, und das Paar, was ich an der Hütte getroffen hatte. So einsam hab ich den Feldberg noch nie erlebt!

Südlich vom Feldberg beginnt Neuland für mich, wo ich noch nie war. Ich bin gespannt!

Schließlich steige ich ab durch die Wiesen zur St. Wilhelmer Hütte, wo ich Sabrina und Reto wieder treffe, ein wanderbegeistertes Paar aus Köln um die 40. Neben dieser Tour wollen sie im Sommer drei Monate in Österreich und Slowenien wandern. Auch als ich weiter wandere, ist der Weg zum Teil noch schneebedeckt. Schließlich schlage ich abseits in einem mittelalten Fichtenwald mit Schneeflecken mein Lager auf. Es ist ziemlich kühl und windig hier auf etwa 1300 m, aber im Wald ist es o.k. 


























Samstag, 18. April 2026

WdH 71 Von hinter Schiltach zur Kalten Herberge

 



Sa, 18.4.2026


WdH 71: Von hinter Schiltach bis zur Kalten Herberge


12:45 h, 44,8 km, 1020 hm Aufstieg, 833 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Als ich heute weiter auf dem Mittelweg laufe, hat sich die Landschaft verändert. Statt den riesigen, geschlossenen Wäldern des Nordschwarzwalds, sind hier immer wieder Wiesen mit vielen einzelnen Höfen eingesprengt. Der Wald ist nicht mehr so grandios, sondern wird von fast reinen Fichtenbeständen dominiert. Es wird höchste Zeit, hier den Umbau zum Mischwald einzuleiten. Aber ich fürchte, das wird von selber kaum geschehen, und die Waldbesitzer werden bei der nächsten „Katastrophe“, seien es Borkenkäfer oder Stürme, wieder nach dem Staat rufen. Eigentum verpflichtet, und der Staat müsste hier viel klarer vorschreiben, was im Wald zu tun ist. Auf einem Abschnitt passiere ich Windräder, und laufe teilweise auf asphaltierten Wirtschaftswegen. Zweimal folgt der Mittelweg längere Zeit einer Straße, was ich nicht besonders schön finde. Ich durchquere Sankt Georgen, wo ich mich an meinen Besuch 1983 erinnere, zur Zeit des „Waldsterbens“ Damals sahen die Tannen wirklich schlecht aus, haben sich aber glücklicherweise erholt, da die Politik gehandelt hat. Entschwefelungsanlagen und Katalysatoren wurden eingeführt, womit das Problem weitgehend gelöst wurde. Heute ist der Klimawandel die nächste, ungleich größere Herausforderung. Ich hoffe auch dafür wird es Lösungen geben. 

Hinter dem Gasthaus Kalte Herberge schlage ich schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf.


Nach einer ruhigen Nacht bin ich morgens früh schon unterwegs. Durch den Wald geht es hoch bis auf 881 m Höhe am Mooswald Turm, wo es auch eine Gaststätte des Schwarzwaldvereins gibt. Von hier geht es runter zur Straße bei Fahrenbühl. Obwohl es hier zwei Hotels gibt,  ist um diese Zeit natürlich noch alles ruhig. Im Sonnenaufgang laufe ich dann durch die Wiesen auf einem asphaltierten Weg. Schließlich geht es in den Wald. Wobei hier im mittleren Schwarzwald die Wälder nicht so stark dominieren wie weiter im Norden. Immer mal wieder komme ich auch an Wiesen vorbei, wo auch stets irgendwo ein einzelner Hof in Sicht ist, etwas was typisch für den Schwarzwald ist. Ich komme in der Nähe einiger Windräder vorbei, dort sind die Waldwege sehr breit. Was häufig vergessen wird, im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern im Wald ist, dass die für den Standort gerodete Fläche relativ klein ist, aber da die Wege in der Regel stark verbreitet werden müssen, viel mehr Waldverlust hinzukommt. Außerdem sind diese breiten Trassen Angriffspunkte für Stürme und tragen zur allgemeinen Austrocknung des Waldes bei. D.h. meine Meinung bleibt klar: Windräder im Wald sollten, wenn überhaupt, nur der absolute Ausnahmefall unter sehr günstigen Bedingungen sein. 

Der Wald besteht hier meist aus Fichten, aber auch Tannen sind noch dabei. Ein Eichhörnchen turnt vor mir an einem Stamm hoch. Ich sehe eine Tannenmeise und einen Kleiber. Ich passiere den Windkapf, eine Höhe mit Gasthaus auf etwa 900 m und laufe zunächst auf einem asphaltierten Weg weiter.

Bald geht es aber auf einem Forstweg durch den Wald. Ein Schwarzspecht fliegt rufend über die Bäume. Schließlich gelange ich wieder in offenes Gelände mit Wiesen und verstreuten Höfen. Hier sind die Wege wieder hauptsächlich asphaltiert. An einer Quelle in einer Wiese kann ich mir endlich Wasser auffüllen.

Hinter dem Zuckerhof bis Sankt Georgen geht es wieder durch den Wald, teilweise sogar auf Pfaden. An diesem schönen Samstag sind hier schon einige Radfahrer unterwegs.

Ich erinnere mich daran, wie ich 1983 auf meiner Reise durch Deutschland mit dem Tramper Monatsticket der Bahn hierher gekommen war. Das war die Zeit des sogenannten Waldsterbens. Tatsächlich sahen damals vor allem die Tannen im Schwarzwald sehr schlecht aus. Manche sagen, beim Waldsterben ist alles übertrieben worden und dass es heute bei der Klimakrise genauso ist. Allerdings muss man sagen, dass man damals gehandelt hat. Entschwefelunganlagen für Kraftwerke wurden eingeführt und Katalysatoren für PKW’s. Das hat das Problem glücklicherweise weitgehend gelöst. Im Umkehrschluss heißt das, dass auch unsere heutigen Probleme lösbar sind, auch wenn sie größer und schwieriger erscheinen!

In Sankt Georgen kehre ich im Café des Edeka ein. Frisch gestärkt laufe ich dann aus dem Ort. Am Waldrand sehe ich die bisher größten Tanten im Schwarzwald, mit über 1,5 m Durchmesser. Was für Bäume!

Am Waldrand in der Nähe von Brigach kreist ein Rotmilan. Der Mittelweg ist hier nie besonders weit vom Waldrand entfernt und verläuft zum Teil auf Pfaden. Der Wald ist komplett von Fichten geprägt, allerdings geben Ebereschen und Holunder entlang der Wege den Eindruck, dass wenigstens noch ein paar andere Gehölzarten vorhanden sind.

Längere Zeit folgt der Mittelweg dann als Pfad einer Straße. Nicht gerade das schönste Wandererlebnis…

Es geht über den mehr als 1000 m hohen Kesselberg, und an einer Stelle passiere ich einen historischen Galgen, wo noch im 18. Jahrhundert Menschen hingerichtet wurden. Ich passiere die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau und dann wendet sich der Weg endlich ab von der Straße. Mittlerweile sind heute sehr viele E-Biker unterwegs.

Schließlich geht es in den Wald aufwärts zum Stöcklewaldturm. Bis nach Furtwangen bleibe ich jetzt meistens im Wald. Nur an einigen Stellen gibt es auch Wiesen. Der Wald ist sehr einförmig und besteht fast ausschließlich aus Fichten. Dabei sind durchaus auch noch alte Bestände vertreten. Stellenweise wächst dichte Naturverjüngung darunter, aber wiederum nur aus Fichten. Lediglich an den Wegen gibt es vereinzelt alte Tanten. Dass Mischwald stabiler ist und man dringend weg muss von den reinen Fichtenwäldern scheint hier noch nicht angekommen zu sein. Wenn aber Stürme oder Borkenkäfer den Wald verheeren wird bestimmt auch hier wieder nach dem Staat gerufen, der für die so genannte Katastrophe entschädigen soll, wie das bisher immer geschehen ist. Solche schädlichen Subventionen sollte der Staat unterlassen. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass er seinen Wald zum Mischwald umbauen muss, ist letztenendes selber schuld, wenn er irgendwann vor riesigen Kahlflächen steht.

Nun, Eigentum verpflichtet ja auch. Bei der großen Bedeutung des Waldes für uns alle, sollte der Gesetzgeber doch hier viel stärkere Forderungen an die Waldeigentümer stellen. Selbstverständlich muss im Staatswald mit gutem Beispiel vorausgegangen werden, was leider längst noch nicht überall der Fall ist. Zu denken, angesichts des Klimawandels, der ja auch bei uns angekommen ist, man kann mit der herkömmlichen Fichtenwirtschaft weitermachen wie bisher ist ein arger Trugschluss wie sich wahrscheinlich schon in der nächsten Dürre, die diesmal vielleicht auch in Süddeutschland zuschlägt, zeigen wird. Jetzt ist die Zeit zum Handeln, aber rasch!

An den Wegen blüht hier stellenweise die Weiße Pestwurz.

Schließlich geht es runter in die Industriestadt Furtwangen. Als ich langsam aus der Stadt raus laufe, komme ich an drei vielleicht zehn- bis zwölfjährigen Jungs vorbei, die dort bei ihren Fahrrädern sitzen. Kaum bin ich vorbei, schmeißt doch tatsächlich einer mit einem Fichtenzapfen nach mir und trifft mich am Bein. Das kann natürlich nicht ungestraft geschehen! Ich hebe einen Zapfen auf, gehe auf die Jungs zu, der Übeltäter rennt weg, aber ich treffe ihn am Bein. Rache ist süß! Natürlich ist das alles nur Spaß und niemand wird wehgetan. 

Aus dem Ort geht es etwa 200 Höhenmeter recht steil hoch bevor das Terrain auf ungefähr 1000 Höhe Meter Höhe wieder abflacht. Eine Zeit lang verläuft der Weg dann meist als Pfad parallel zu einer Straße, bevor er an der Heubacher Höhe auf den Westweg trifft, der hier für ein Stück deckungsgleich mit dem Mittelweg ist.

Schließlich erreiche ich das Gasthaus Kalte Herberge. Dort hatte ich um Weihnachten 2003 schon mal übernachtet.

Damals hatten wir vor, auf Ski durch den Schwarzwald zu laufen. Da aber kein Schnee lag, sind wir stattdessen auf dem Westweg gewandert.

Ein nettes Paar aus Stuttgart, das mit seinen Kindern dort ist, spricht mich vor dem Gasthof an und fragt, was ich so mache.

Nach kurzer Unterhaltung laufe ich weiter auf dem Mittelweg, der Westweg ist hier abgebogen, und schlage schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf.