13.2.2026
Von Witzin nach Rabensteinfeld
9:57 h, 43,1 km, 461 hm Aufstieg, 444 hm Abstieg
Zusammenfassung: Nachdem ich in Sternberg eingekauft habe, laufe ich einige Kilometer mit Förster Ulrich Dohle durch sein Revier. Dabei unterhalten wir uns über die Frage, warum die AfD im Osten so stark ist und ich erfahre etwas über die Hoffnungsgeschichte des Nationalen Naturerbes. Auf einer eigenen Route abseits des Naturparkwegs laufe ich dann meist durch verschneite Wälder weiter. Dabei wandere ich hier häufiger auf kleinen Pfaden, als das meist auf dem Naturparkweg der Fall ist. Schließlich erreiche Ich Rabensteinfeld unweit von Schwerin.
Bereits in der Dunkelheit bin ich am nächsten Morgen wieder unterwegs. Es hat leicht geschneit, so dass die Landschaft sanft überzuckert ist. Bald habe ich den Ort Witzin hinter mir gelassen und laufe durch eine abwechslungsreiche Feldmark. Besonders schön finde ich, dass immer wieder einzelne knorrige Eichen am Weg stehen. Schließlich geht es in den Wald, der hier meist von Kiefern geprägt wird, unter denen aber an vielen Stellen auch Buchen wachsen. Obwohl es schon hell ist, ruft noch ein ein Waldkauz. Während sich schließlich linker Hand der Groß Radeber See erstreckt, wächst rechts ein Buchenwald auf steilen Hügeln. Einige Tafeln erläutern Wissenswertes zum Wald. Ich passiere ein archäologisches Freilichtmuseum und Tafeln verraten, dass ich jetzt in den Naturpark Sternberger Seenland gelange. Uli hat mir gestern erzählt, dass die Naturparke in den östlichen Bundesländern einen ganz anderen Stellenwert als im Westen haben. So gibt es hier Ranger und häufig auch Informationszentren, was es im Westen nicht gibt. Das Freilichtmuseum behandelt einen Altslawischen Tempelort des neunten und zehnten Jahrhunderts. bald gelange ich nach Groß Raden, wo an der Kirche zahlreiche Dohlen rufen. Es gibt im Ort eine Pension und ein Oldtimer Museum. Ich folge dann längere Zeit einem Radweg parallel zu einer Straße. Eine Sache, über die ich gestern Abend mit Uli gesprochen habe, fällt mir wieder ein. In Mecklenburg-Vorpommern habe ich noch kein Windrad gesehen. Laut Uli liegt das daran, dass man die Windräder hier stark konzentriert hat. Das heißt, man hat die Naturparkregionen und auch die Waldgebete bisher frei von Windrädern gehalten. Ein meiner Meinung nach sehr sinnvolles Vorgehen, was auch woanders Schule machen sollte. Natürlich brauchen wir für die Energiewende viele Windräder, aber diese sollten nicht überall verteilt werden, sondern soweit wie möglich konzentriert stehen um möglichst geringe negative Wirkungen auf die Landschaft zu erhalten.
Ein Stück weiter sehe ich tatsächlich zwei rufende, Kraniche unweit der Straße! ich durchquere den Ort Sternberger Burg, wo es Kanustationen an der Mildenitz gibt. Auf einer großen Koppel, die auch ein Waldstück einschließt, ist eine große Herde wolliger Schafe eingepfercht.
Schließlich erreiche ich Sternberg, wo ich im Aldi Supermarkt für die nächsten drei Tage einkaufe. Kaum bin ich fertig, taucht Ulrich Dohle wieder auf, mit dem ich mich für heute verabredet habe. Er will mit mir einige Kilometer laufen und mir dabei etwas von seinem Revier zeigen. Bald knüpfen wir an unser Gespräch von gestern Abend an, in dem Ulrich geäußert hatte, dass ihm das Erstarken der AfD Angst macht. Wir diskutieren über die Tatsache, dass hier im Osten mehr als doppelt so viele Leute diese Partei wählen als im Westen. Was sind die Ursachen hierfür? Dazu ist es wichtig einige Dinge zu wissen, die bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung zurückgehen. Damals wurden die meisten ostdeutschen Betriebe geschlossen, was zu einer großen Massenarbeitslosigkeit führte. Eine existenzielle Erfahrung, die vielen noch tief in den Knochen sitzt. Hinzu kommt, dass fast alle Führungsstellen egal ob in Verwaltung, Wirtschaft oder Wissenschaft fast ausschließlich mit Leuten aus dem Westen besetzt wurden, ein Zustand an dem sich bis heute wenig geändert hat. Viele Vermögenswerte, egal ob Immobilien, landwirtschaftliche Flächen oder Wald fielen ebenfalls an Besitzer aus dem Westen. Das ist auch ein Grund dafür, dass es im Osten im Schnitt wenig Vermögen gibt. Ulrich erzählt, dass es immerhin einen Ostmilliardör gäbe, dem stehen aber wohl um die 170 im Westen gegenüber! Und obwohl natürlich viel in den Aufbau der Infrastruktur investiert wurde und das in manchen Regionen auch Früchte getragen hat, ist die Wirtschaft im Osten seit 20 Jahren nicht mehr gewachsen und das Lohnniveau stagniert bei 70-80 Prozent des Westens. Das alles hat offensichtlich bei vielen Ostdeutschen ein latentes Gefühl der Benachteiligung hervorgerufen, verbunden mit der Angst vor erneutem starken Abstieg wie nach der Wende. Weil man sich von der herkömmlichen Politik nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte keine Verbesserungen mehr erhofft, wählt man halt im Zweifelsfall AfD. Barack Obama würde sagen: „Its the economy, stupid“. Angst vor zu viel Migration etc. spielt sicher auch eine Rolle, ebenso wie von manchen Medien geschürte Ängste.
So denken viele, gerade die Grünen würden sie mit einem „Heizungsgesetz“ zu Investitionen zwingen, die sie nicht leisten können. Hier müsste der Staat mit einem gut ausgestatteten Programm ansetzen, mit dem Leuten, die es sich sonst nicht leisten können, Wärmepumpen etc. finanziert werden. Natürlich kostet das Geld, aber warum das in Deutschland kein Problem sein muss, dazu kommen wir ein anderes Mal…
Außerdem wäre es wichtig, dass die Demokratie wieder handlungsfähiger wird, beispielsweise durch Verlängerung der Amtsperioden und Konzentration der ständigen Landtagswahlen auf einen Termin um zu Vermeiden, dass praktisch ständig Wahlkampf herrscht.
Uns ist jedenfalls klar, dass nur durch konkretes Handeln, das Vertrauen in die Demokratie im Osten wieder hergestellt werden kann.
Während wir durch das abwechslungsreiche Kaarzer Holz laufen, erzählt mir Uli die interessante Geschichte des Nationalen Naturerbes, zu dem auch dieses Gebiet gehört: Als vor 15-20 Jahren die Bundeswehr stark verkleinert wurde, benötigte man Übungsflächen in der Größe von 150.000 ha nicht mehr, das ist 6 x der Nationalpark Bayerischer Wald! In dieser Zeit, wo noch die neoliberale Devise galt, Staatseigentum wenn irgend möglich zu veräußern, dachte man zunächst daran, die Flächen komplett an Privateigentümer zu veräußern, so wie man das ja auch mit dem Treuhandwald gemacht hatte. Glücklicherweise wurden aber nur 6-8000 ha tatsächlich verkauft, vor allem weil es zu Protesten kam. Auch Ulrich hatte sich gegen die Verkäufe eingesetzt. Am Ende wurde dann der Löwenanteil der Flächen für Naturschutzzwecke gewidmet, mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), als bei weitem größte Eigentümerin. Auch das Kaarzer Holz gehört dieser Organisation und langfristig ist das Ziel, die komplette Fläche zu einer neuen Wildnis zu entwickeln. Eine echte Hoffnungsgeschichte, wie ich finde! Die Interessen der Natur haben diesmal gegen das kurzfristige Geldverdienen gewonnen!
Ulrich erzählt mir viel weiteres Interessantes und zwischendurch treffen wir auch seine Waldarbeiter. Egal ob bei der Wiedervernässung von Mooren oder dem Offenhalten besonderer Flächen, Naturschutz spielt hier eine große Rolle!
An einer Infotafel drehen wir noch einige Videos, dann setze ich meinen Weg alleine fort.
Nachdem wir uns getrennt haben, laufe ich auf einem relativ schmalen Weg weiter durch den abwechslungsreichen Wald des Kaarzer Holzes. Ich nehme hier eine eigene Route abseits des Naturparkwegs. Die vom Borkenkäfer zum Absterben gebrachten Fichten bleiben hier ganz bewusst stehen, was die Wiederbewaldung durch den Schattenwurf der toten Bäume erheblich erleichtert.Später folge ich dann einer fast zugewachsenen Schneise auf der schon viele junge Buchen stehen. An den Rändern wachsen hier einige mächtige Eichen. Es ist sehr schön, durch den verschneiten Winterwald zu laufen! Schließlich passiere ich den kleinen Ort Jülchendorf und komme bald wieder in den Wald. Ein schmaler Weg führt mich dann bald längere Zeit am Waldrand entlang, wo ich Kraniche rufen höre. Teilweise wachsen hier am Waldrand Buchen, die mehr als 1,50 m Durchmesser haben!
Schließlich geht es wieder tiefer in den Wald, der zunächst von ausgedehnten Buchenbeständen geprägt ist. Später geht es dann weiter durch überwiegenden Kiefernwald, allerdings mit dichtem Unterwuchs aus Buchen und auch Fichten an vielen Stellen. In der Nähe des Glambecksees überquere ich eine Straße. Ein schmaler Pfad führt mich dann durch dichten, jungen Wald.Ein von Gebüsch eingefasster, schmaler Weg führt mich dann weiter durch die Felder. Eine Zeit lang laufe ich durch einen Bereich mit vielen dichten, jungen Kiefern Aufforstungen. Es scheint fast, als würde die alte Kahlschlagwirtschaft hier noch weiter leben. Ich überquere eine Straße und laufe weiter an einem Waldrand, der von Ansitzkanzeln gesäumt ist. Die Jäger könnten sich ohne Probleme von Kanzel zu Kanzel, gegenseitig erschießen…
Ein Sträßchen führt mich zu der kleinen Siedlung Augustenhof, wo es einen Artenschutzturm gibt, der Fledermäusen und Vögeln wie Falken und Eulen eine Heimat bietet. Bald überquert das Sträßchen die Warnow, ein kleines Flüsschen, das auch bei Paddlern beliebt ist. Es schneit bereits den ganzen Nachmittag und ist ziemlich ungemütlich.Ein abwechslungsreicher Weg zieht sich durch eine Mischung aus Wald und offenem Land. Eine Tafel verrät, dass diese Landschaft von der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern betreut wird. Sie hat diesen ehemaligen militärischen Übungsplatz 2011 als Teil des Nationalen Naturerbes übertragen bekommen, in einer Größe von 34 ha. Vor Pinnow sehe ich eine Gruppe Hundespaziergängerinnen und ein einzelnes Reh flüchtet über einen weißen Acker. Weiter geht es dann auf Straßen durch den relativ großen Ort Pinnow. Hier merkt man, dass Schwerin nicht mehr weit ist. Schließlich geht es noch ein Stück durch den Wald, das Steilufer hinab zum Pinnowsee. Unten am See sehe ich zu meinem Erstaunen ein Elternpaar mit einem Kind, das gerade ein Feuer entzündet hat!
Kurz darauf gelange ich nach Rabensteinfeld, wo ich ein Zimmer in dem großen, zur Zeit aber fast leeren Hotel Rabenstein gebucht habe.
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