Fr, 24.4.2026
WdH 77: Vom Schluchsee nach Achdorf
11:29 h, 36,4 km, 831 hm Aufstieg, 1219 hm Abstieg
Zusammenfassung: Im beginnenden Sonnenaufgang erhalte ich noch einmal einen Blick über den Schluchsee. In einem idyllischen Tal hinter Fischbach sehe ich Schafe und schwarzwaldtypische Hinterwälder Rinder. Wie auch anderswo, äußern Plakate Bedenken, dass, wenn sich der Wolf etabliert, es mit der Weidewirtschaft im Schwarzwald vorbei ist. Ich halte das für stark übertrieben, da es viele Beispiele aus anderen Regionen Europas gibt, wo eine Koexistenz von Wölfen und Weidevieh durchaus möglich ist. In Lenzkirch nehme ich in einer Bäckerei ein zweites Frühstück ein, und erreiche dann bald die Haslachschlucht, die am Zusammenfluss mit der Gutach zur Wutach wird. Die etwa 30 km lange Schlucht durchschneidet fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands und ist entsprechend vielfältig, was die Natur angeht. Nach meinem Empfinden wahrscheinlich das absolute Highlight meiner ganzen Deutschland Wanderung! Leider sind heute für meinen Geschmack etwas zu viele Besucher da, kein Wunder bei dem schönen, strahlenden Wetter. Nachdem ich die Schlucht verlassen habe, wird es nicht mehr lange dauern, bis ich auch den Schluchtensteig hinter mir lasse. Dieser hat mir überaus gut gefallen! Lediglich der Abschnitt zwischen Todtmoos und dem Schluchsee verläuft für meinen Geschmack zu viel auf Forstwegen. Hier wäre eine Verlegung auf schmale Pfade begrüßenswert.
Meine Luftmatratze scheint ein kleines Loch zu haben, daher verliert sie über Nacht Luft. Es geht allerdings nicht soweit, dass ich richtig hart liege, aber es ist deutlich. Meiner Erfahrung nach, dauert es nie besonders lange, bevor bei Luftmatratzen so etwas passiert. Deswegen verwende ich seit vielen Jahren eigentlich nur noch feste Matten, auf denen ich genauso gut schlafe. Der Vorteil der Luftmatratze, und warum ich sie diesmal mitgenommen habe, ist, dass sie bei Kälte besser isoliert. Da ich ja schon am 5. Februar aufgebrochen bin, war dies diesmal ein wichtiger Punkt. Ich steige steil hoch zum Bildstein, von wo sich noch einmal ein Blick auf den Schluchsee mit den Schweizer Bergen im beginnenden Sonnenaufgang im Hintergrund ergibt.
Auf einem Forstweg geht es dann runter nach Fischbach. Dort kommt mir bereits ein Mann entgegen, dessen Hund weit voraus läuft und mir ziemlich aggressiv begegnet. Als ich den Mann darauf anspreche, dass man so einen Hund an der Leine zu führen hat, leint er ihn sofort an. Hinter Fischbach geht es wieder im Wald recht steil hoch und dann abwärts ins Tal des Schwendebächle. Ich sehe ein Reh und einen Hasen auf dem Weg. Das Tal ist sehr idyllisch, mit vielen Schafen auf der Weide und den braunen, relativ schlanken Hinterwälder Kühen, die durch ihr geringes Gewicht an die Bedingungen im Schwarzwald gut angepasst sind. Ein Plakat suggeriert, dass die Weideviehhaltung im Schwarzwald ihrem Ende entgegen geht, sobald der Wolf fest etabliert ist. Hierzu muss man sagen, dass es in vielen anderen Gebirgen Europas schon seit langem ein Miteinander von Weidevieh und Wölfen gibt. Natürlich gibt es dann und wann Übergriffe, aber man kann nicht sagen, dass der Wolf das Ende der Weideviehhaltung bedeuten wird.
Schließlich geht es durch überwiegend Wald runter nach Lenzkirch. Obwohl auch heute wieder ein strahlend schöner Tag ist, hat es in den Senken gefroren.
In Lenzkirch nehme ich erst einmal ein zweites Frühstück in einer netten Bäckerei ein, wo man mich gleich fragt, ob ich draußen geschlafen habe…
Vom Kaffee beflügelt, laufe ich auf Asphalt aus dem Ort im Haslach Tal.
Schließlich führt ein Pfad runter, direkt zur Haslach, der ich ein kleines Stück folge, bevor ich steil wieder aussteige. Hier haben Biber gearbeitet. Als ich das letzte Mal vor fünf Jahren hier war, habe ich noch keine Biberspuren gesehen. Eine Tafel erklärt, dass die Wutach hier auf 30 km Länge, 160 Höhenmeter abfällt, und dabei fast alle geologischen Schichten Süddeutschlands durchschneidet. Daher ist die Schlucht sehr vielfältig, was Tier- und Pflanzenwelt angeht.
Neben dem Schluchtensteig, verläuft hier auch der Querweg Freiburg-Bodensee, dem der NST wahrscheinlich längere Zeit folgen wird.
Eine Zeit lang laufe ich auf einem Fahrweg oberhalb der Haslach Schlucht. Ich passiere eine mächtige Fichte mit etwa 1,3 m Durchmesser, die als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.
Auf einem Steig geht es abwärts zum Bach, der am Rechenfelsen durch eine enge Klamm fließt. Hier geht es dann wieder aufwärts. Parallel zum Schluchtensteig verläuft hier oberhalb ein Radweg.
Schließlich gelange ich an den Zusammenfluss von Haslach und Gutach. Weiter abwärts heißt der Fluss jetzt Wutach. Die Wutach ist hier ein bis zu 10 m breites, munteres Flüsschen, in dem zahlreiche Felsbrocken liegen. Ein Paar sitzt auf einer Bank an der Mündung. Zunächst verläuft der Pfad in Bachnähe. Hier wachsen überwiegend Fichten und Buchen, an nassen Stellen auch Erlen. Die Buschwindröschen sind noch nicht ganz verblüht, außerdem gedeihen Schlüsselblumen und Veilchen. Es gibt auch sonnige Lichtungen voll Sehgen, Haselnusssträuchern und Brennnesseln.
Von der Rötenbach Mündung, wo ich drei Leute sehe, geht es wieder nach oben, wo ich dann einem Fahrweg folge. Die Wutach ist hier aufgestaut. Das Stauwehr ist mehrere Meter hoch und für Fische völlig unüberwindlich. Ein Stückchen weiter gelange ich an das Kraftwerk Stallegg. Eine Tafel informiert über die Geschichte. Schon 1895 wurde hier ein Kraftwerk erichtet, was allerdings 1979 stillgelegt wurde. Statt die Möglichkeit zu nutzen, die Wutach wieder komplett für Fische und andere Lebewesen durchgängig zu machen, erfolgte im Jahr 2000 die Wiederinbetriebnahme der Kraftwerksanlage. Was den Naturschutz angeht, begnügt mich man sich wie so oft mit Ermahnungen auf den Wegen zu bleiben, was die Wanderer angeht, aber an die wirklichen Probleme, wie hier das Stauwehr, geht niemand ran. Bedauerlich!
Eine Tafel unterrichtet darüber, dass hier einige der größten Tannen Deutschlands wachsen. Die höchste war 53 m hoch, ist allerdings umgestürzt. Der aktuelle Spitzenreiter liegt bei 51 m. Das ist ziemlich beachtlich, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Buchen in Deutschland um die 30 m hoch werden und auch sonst ist im Wirtschaftswald bei dieser Höhe meistens Schluss. Laut der Tafel, ist der höchste Baum Deutschlands allerdings zur Zeit eine Douglasie bei Freiburg, die 68 m Höhe erreicht.
Hinter dem Kraftwerk fällt die Schlucht steil ab, und der Pfad verläuft hoch im Hang. Jetzt ist die Wutach ein rauschender Wildbach.
Relativ flach geht es im Hang weiter zu den Klippen des Räuberschlößle. Leider erhält man hier keine besonders gute Aussicht.
Weiter geht es relativ flach durch den schönen Buchen-Tannen-Fichtenmischwald. Entlang von Haselnussgebüschen geht es dann nach oben aus dem Wald. Hier färbt der Löwenzahn die Wiesen gelb und die Schlehen den Waldrand weiß.
Ein Fahrweg führt mich wieder in den Wald, wo am Wegrand zahlreiche Sinterquellen entspringen, voller farbiger Mose.
Schließlich geht es auf einem Pfad bergab zur Straße an der Schattenmühle. Hier stehen ziemlich viele Autos auf dem Parkplatz. Ich treffe jetzt auch etliche Leute. Weiter geht es auf einem Pfad relativ dicht an der Wutach. Hier blühen die Frühlingsplatterbsen.
Schließlich passiere ich einen Mini Wasserfall, sehr fotogen! Allerdings sind für meinen Geschmack heute an diesem sonnigen Freitagmittag viel zu viele Menschen hier unterwegs.
Schließlich geht es auf einem Fahrweg oberhalb eines lieblichen Wiesengrund weiter. An den Seiten gibt es teilweise einen steilen, felsigen Trockenrasen. Hier wachsen später im Jahr bestimmt auch Orchideen.
Auf der anderen Talseite erstreckt sich ein großer Felsrutsch, und auf meiner Seite, etwas zurückgesetzt, ragen steile, gelbliche Wände auf.
Ich überquere die Wutach auf einem Holzsteg und treffe jemand, vielleicht ein Franzose, der mit Zelt und Rucksack hier einige Tage lang wandern will. Am anderen Ufer liegt Bad Boll, einst Standort eines international renommierten Hotels, von dem aber heute nur noch eine kleine Kirche zeugt. Das Naturschutzgebiet Wutachschlucht gibt es schon seit 1939, es wurde allerdings einige Male erweitert.
Weiter geht es zunächst in Flussnähe vorbei an alten Eichen und Wiesen auf denen Schlüsselblumen, Schaumkraut und Pestwurz blühen. Bald ragt rechts eine gigantische Kalksteinwand auf. hier fällt ein hübscher Wasserfall über eine Kalksinterterrasse hinab.
Eine Wasseramsel fliegt flussauf an mir vorbei und am Bach wachsen jetzt auch Ulmen, Linden, Ahorne und blühende Traubenkirschen.
Ein mit Drahtseilen gesicherter Steig führt steil hoch in die Wand über der Wutach. Hier ergibt sich ein grandioser Ausblick, gerade mit dem hellen Grün der Buchen. Hier begegnet mir ein Mann, der mich anspricht. Er ist wahrscheinlich einige Jahre älter als ich und kommt aus der Region. Wir tauschen uns darüber aus wie großartig die Wutachschlucht ist, auch im internationalen Vergleich. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber er erzählt, dass ein Freund von ihm in einer Kolumne in der Frankfurter Rundschau, das für und wieder eines Tempolimits erörtert hat. Daraufhin bekam er massive Drohungen, die bis zum Vierteilen gingen. Wir beide sind der Meinung, dass so etwas verfolgt werden muss, man sich aber nicht einschüchtern lassen und weiterhin seine Meinung kundtun sollte. Schließlich geht es runter zum Fluss, wo ich Bärlauchblätter nasche. Eine Hütte an einer Wiese lädt zum Rasten ein.
Anschließend geht es noch einmal hoch und entlang einer hellen Felswand, bevor es relativ flach durch jungen Wald aus Ahornen und Eschen weitergeht. Hier blühen gelbe Anemonen und zweimal sehe ich einen Trauermantel Schmetterling.
Von der nächsten Steilwand führt eine Metalltreppe herunter. Eine Stufe ist leider durchgebrochen, sie sollte dringend repariert werden. Eine kleine, hübsche, grüne Zauneidechse wischt vor mir über den Weg.
Einmal gehe ich auf eine Kiesbank, wo auf der gegenüberliegenden Seite eine steile Felswand aufragt. Hier fliegt eine gelbe Gebirgsbachstelze an mir vorbei und ein Graureiher fliegt aus dem Bachbett auf. Ein Stück weiter sehe ich einen Angler auf der anderen Flussseite. Ob Fischen wohl hier im Naturschutzgebiet erlaubt ist?
Ich überquere den Fluss und laufe im flachen Laubwald, in dem nur wenige Fichten wachsen, weiter. Bald geht es wieder über den Fluss und ich kann flach weiterlaufen. Es wächst hier viel Silberblatt und auch an Bärlauch ist kein Mangel. An einer Stelle sehe ich mehrere blühende Schuppenwurz, eine unscheinbare, parasitisch lebende Orchidee. Bald geht es noch einmal entlang
der Felsen, dicht am Fluss. Dieses Muster aus flachen Abschnitten und Steigen in der Felswand wiederholt sich immer wieder. Ein Stockenten Paar am Ufer stört sich gar nicht an mir.
An einem weiteren Holzsteg beginnt der Ausstieg aus der Schlucht. Schließlich erreiche ich die Straße bei der Wutachmühle und folge einem Fahrweg, der parallel dazu verläuft. Irgendwann geht es auf einem Pfad weiter und ich schlage schließlich mein Cowboycamp im Laubwald mit dichtem Unterwuchs auf.

































































