Donnerstag, 26. März 2026

WdH 49: Von Rheinböllen nach Schneppenbach

 




Do, 26.3.2025


WdH 49: Von Rheinböllen nach Schneppenbach


11:14 h, 39,2 km, 1039 hm Aufstieg, 1330 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der Morgen beginnt kalt und grau. Tatsächlich schneit es bald. Glücklicherweise lasse ich die wummernden Geräusche der Windräder bald hinter mir und kann die Stille des Soonwalds genießen. Meist geht es auf Pfaden durch den abwechslungsreichen Wald. Hier gibt es unter anderem ausgedehnte, alte Buchenbestände. Durch einen Solchen geht es hoch zur Alteburg, wo ich den Aussichtsturm besteige. Anschließend gelange ich für eine kurze Zeit aus dem Wald und steige dann zur Burg Koppenstein auf, wo ich 2021 im Burgturm übernachtet hatte. 

Dann geht es runter zum Simmerbach und anschließend lange hoch zum Kamm des Lützelsoon. Dieser ist von Felsbrocken übersät und etwas ganz Besonderes. Am Teufelsfelsen steht eine unglaubliche Hütte, die sogar zum Übernachten einlädt. Bald, nachdem ich sie passiert habe, steige ich ab ins Hahnenbachtal, ein weiterer Höhepunkt des Soonwaldsteigs mit bemoosten Felsen, kleinen Wiesen, Teichen und dem Bach selber. Etwas abseits liegt die Schmidtburg, die erstaunlich ausgedehnt ist und einen schönen Überblick über das Tal bietet. Ein Stück weiter finde ich dann ein nettes Plätzchen für die Nacht.

Obwohl der Soonwaldsteig durch die Windräder an Reiz verloren hat, zählt er immer noch zu meinen Lieblingswegen in Deutschland!




Als ich morgens wieder aufbreche, ist es grau und kalt. Es dauert dann auch nicht lange, bis es schneit. Es ist so kalt, dass der Schnee auch erst mal liegen bleibt. Teilweise laufe ich auf richtigen Pfaden, wo man manchmal sogar denkt, ob hier der Weg überhaupt verlaufen kann. Teile sind ziemlich nass und von Fahrrädern etwas zerfahren. Große Teile des Waldes sind hier von Birken geprägt, die sich nach einem großen Sturm angesiedelt haben. Dazwischen wachsen aber auch Fichten und Buchen. Es ist nun Sache der forstlichen Pflege daraus einen Mischwald zu formen, in dem keine Baumart die absolute Oberhand gewinnt. Dann gelange ich an das Naturwaldreservat Schwappelbruch, cooler Name der von dem Schwanken des Moorbodens herrührt. Im Dialekt eben schwappeln wenn man über diese Flächen geht. Der Wald hier ist geprägt von uralten Eichen, aber auch Bergahornen und Hainbuchen, die auf dem nassen Boden wachsen. 

Etwas später gelange ich an die Glashütter Wiesen eine große, offene Insel in dem weiten geschlossenen Waldgebiet. Leider sieht man inzwischen auch hier entfernt Windräder.

Schließlich führt mich ein Pfad durch ausgedehnten, alten Buchenwald aufwärts. Ich erinnere mich an 2021, wo ich hier mit dem Revierförster unterwegs war, der Angst um die Buchen in seinem Bereich äußerte. Augenscheinlich hat sich hier aber glücklicherweise wenig verändert. Ich passiere den Fernsehturm Ellerspring und überquere eine Straße.

Weiter geht es zunächst meist auf Pfaden durch dichten, eher jungen Wald. Es gibt hier aber auch noch ältere Fichtenbestände. Dann folge ich längere Zeit einem breiten Forstweg und steige schließlich auf einem Pfad durch ausgedehnten alten Buchenwald hoch zur Alteburg mit einem steinernen Aussichtsturm oben. Leider ist die Aussicht nicht besonders schön, da der Turm nicht hoch genug ist. Es hagelt immer mal wieder, aber zwischendurch kommen  auch die Sonne und der blaue Himmel raus. 

Gestern hinter Rheinböllen mit den vielen Windrädern war ich ja eher frustriert vom Soonwaldsteig, aber heute bin ich ziemlich begeistert. Man kann hier nach wie vor Stille und Waldeinsamkeit finden und dieses große, vielfältige Waldgebiet ist wirklich toll.

Von der Alteburg führt ein Pfad in den Buchenwald, der hier mit Felsbrocken durchsetzt ist, hinab zu einer Straße. Hier gelange ich erst mal aus dem Wald und laufe teilweise über Wiesen und überquere weitere Straßen. Es geht dann noch einmal in den Wald, wo ich an einem Bach meine Wasserflasche auffüllen kann. Schließlich beginnt der Anstieg zur Burg Koppenstein. Eine Tafel verrät, dass man hier sogenannte Stammbäume erwerben kann. Diese werden mit einer Plakette versehen, und man kann sie als Erinnerung an einen besonderen Tag oder auch als Kompensation für den persönlichen CO2 Abdruck nutzen. Diese Bäume werden natürlich nicht gefällt. Ein interessantes Konzept, mit dem Wald Geld abseits der Holznutzung zu verdienen.

Um die Burg Koppenstein blühen die Lerchensporne. Es gibt hier zahlreiche Moos bedeckte Quarzitfelsen. An der Burg, die im wesentlichen aus einem hohen Turm besteht, gibt es eine Hütte, wo 2021, als ich hier war, ein Vater mit seinen beiden kleinen Kindern übernachtet hatte. Ich hatte an dem Abend dann im Burgturm geschlafen. 

Von der Burg geht es ein Stück den felsigen Kamm entlang, dann eine Zeit lang im Hang, wo recht viele Douglasien wachsen. Ziemlich bald geht es auf einem Pfad relativ felsig nach oben, wo es eine Aussicht gibt. Unterhalb erstreckt sich ein Steinbruch, von dem man aber eigentlich nichts sieht. Danach folgt ein langer steiniger Abstieg zum Simmerbachtal. Hier kommt mir ein älteres Paar entgegen. Der Mann erzählt, dass er schon seit elf Tagen unterwegs sei und fragt, wo ich denn gestartet bin. Als ich „in Angermünde“ antworte, weiß er sogar wo das ist, da er aus Berlin kommt. 

Der Simmerbach ist ein recht schönes, schnell fließendes Bächlein. Dahinter geht es hauptsächlich auf Forstwegen im Zickzack lange im Hang bergauf. Schließlich erreiche ich den Kamm des Lützelsoon. Zur Linken fällt der steil ab und ist dicht mit niedrigen Eichen bewachsen , die aus der früheren Niederwaldnutzung stammen. bewachsen. Rechts ist der Kamm zunächst flacher. Später geht es dann relativ mühsam zwischen großen Steinbrocken hindurch. An einer Stelle haben Leute aus den Steinen ganz viele Haufen gebaut. Schließlich erreiche ich den Teufelsfelsen, ein steil aufragender Quarzitbrocken mit Aussichtsturm daneben und einer unglaublichen Hütte: Ein Blockhaus mit Fenstern, Veranda mit toller Aussicht, österlich geschmückt, und im Inneren lädt ein Schild sogar zum Übernachten ein und man kann hier sogar Wasser kaufen. Wenn man kein Kleingeld hat, geht das auch in dem man einen Barcode scannt und dann zu PayPal geleitet wird. Was es alles gibt! 

Ich bin versucht hier zu bleiben, aber es ist noch ein bisschen früh, deshalb mache ich mich dann an den Abstieg.

Bald lasse ich den Wald hinter mir und laufe ein Stück durch die offene Flur. Dann geht es ein Bächlein abwärts, bis ich das Hahnenbachtal erreiche. Dieses ist wunderschön, mit moosbedeckten Felsen, Niederwaldbäumen, alten Stollen,  etlichen Teichen und natürlich dem plätschernden, einige Meter breiten Bach selber. Es gibt hier zahlreiche Tafeln die Erklärungen zum Bach und seiner Geschichte geben.

Dann verlasse ich den Hahnenbach und laufe ein Stück bis zur Schmidtburg. Diese liegt auf einem Absatz über dem Tal und ist erstaunlich groß. Es dauert einige Zeit, bis ich Alles erkundet habe und der Blick über das Tal und zu den Waldbergen mit dahinter dunkel drohenden Wolken ist wirklich toll. Ich gehe dann noch ein Stück weiter und schlage schließlich auf einer kleinen, ebenen Fläche im Wald, über dem Bach, mein Lager auf.


























Mittwoch, 25. März 2026

WdH 48 Von Rüdesheim nach Rheinböllen

 





Mi, 25.3.2026


WdH 48: Von Rüdesheim nach Rheinböllen


7:15 h, 31,1 km, 1224 hm Anstieg, 728 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nach dem sehr guten Frühstück im Hotel am Markt, gehe ich zum Fähranleger, wo ich mich mit Dirk treffe, der heute mit mir wandern möchte. Wir fahren rüber nach Bingen, wo der Soonwaldsteig beginnt. Dirk ist ein sportlicher 63-jähriger, der sein Berufsleben größtenteils bei der Entwicklungsorganisation Oxfam verbracht hat und auch privat sozial immer stark engagiert war. Außerdem gilt seine Leidenschaft dem Laufen, auf Strecken bis zu 100 km. Bald lassen wir Bingen hinter uns und wandern durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Wir unterhalten uns über Themen, wie man der zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich begegnen kann und wie man mit dem Thema Migration umgehen sollte. Dirk erzählt, dass das Helfen, ihn persönlich stark bereichert. Dann entfernen wir uns vom Rhein und laufen das Morgenbachtal hoch, sehr idyllisch. Jetzt hagelt und schneit es und ist deutlich kühler geworden. Schließlich steigen wir ein Stück ab nach Rheinböllen, wo wir uns verabschieden. Für mich geht es dann wieder aufwärts zu den Höhen des Soonwalds um die 600 m. Seit meinem letzten Besuch hat die Zahl der Windräder hier unheimlich zugenommen. Ich hoffe sehr, dass das morgen nicht so weitergeht!


Heute lasse ich es mal ganz entspannt angehen, da es im Hotel erst um 9:00 Uhr Frühstück gibt. Vorher gehe ich einkaufen hier in Rüdesheim und genieße dann das super gute Frühstück.

Gegen 10:30 Uhr, bin ich am Anleger der Personenfähre nach Bingen. Dort wartet auch schon Dirk auf mich, der mich vor einiger Zeit angeschrieben hatte, um mit mir ein Stück gemeinsam zu wandern. Dirk ist sympathisch, 63 Jahre alt und hat den größten Teil seines Berufslebens bei Oxfam verbracht, wo er die Läden aufgebaut hat, mit denen die Entwicklungsprojekte dieser Organisation teilweise finanziert werden. Davor hat er sich auch um Obdachlose gekümmert und zuletzt in einem Hospiz Sterbende begleitet. Sein großes Hobby ist das Laufen, was er auf Distanzen bis zu 100 km leidenschaftlich ausübt. Aber auch das Wandern interessiert ihn, und er würde gerne mal eine mehrere 100 km lange Tour machen. Vielleicht von seinem Wohnort bis zu der Partnerstadt seiner Gemeinde in Frankreich. Schließlich erreichen wir Bingen, wo wir gegen elf loslaufen. Am Bahnhof gelangen wir auf den Soonwaldsteig, dem der NST jetzt folgt. 

Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und laufen durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Hier sind wir fast alleine, nur eine junge Frau vollführt Yogaübungen für Instagram vor ihrer Kamera. An der Burg Rheinstein erhalten wir einen schönen Ausblick über den Rhein und das andere Ufer, wo ich ja die letzten Tage gelaufen bin. Dirk erzählt, dass Oxfam sich sehr mit dem Thema Gerechtigkeit auf nationaler und auch globaler Ebene beschäftigt. Er selber sieht auch in Deutschland die zunehmende Vermögensungleichheit als Problem an. Er befürchtet, dass die Zahl der Menschen wächst, die sich nicht zuletzt aus diesem Grund abgehängt fühlen, und dann Parteien wählen, die Besserung versprechen, wie die AfD. Ich frage ihn, wie er denkt, dass man die zunehmend auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich wieder schließen kann. Da erwähnt er gleich die Vermögenssteuer, die in Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr erhoben wird aber dazu beitragen könnte die zunehmende Vermögensungleichheit abzubauen. Auch das Argument, das Kapital ein „scheuhes Reh“ ist und leicht ins Ausland verschoben werden kann, sieht er nicht. Viele Vermögensbestandteile wie Immobilien lassen sich nicht so einfach verschieben und auch Kapitalflüsse können heutzutage international ziemlich gut überwacht werden. Letztenendes könnte man sogar so etwas wie eine Exit Tax einführen, was sogar in dem ziemlich kapitalistischen USA der Fall ist. Er sieht auch die Besteuerung von Finanztransaktionen als gute Möglichkeit. Der Charme dabei ist, dass man auch mit sehr geringen Steuersätzen, sehr hohe Einnahmen erzielen kann für den Staat. Dirk setzt sich schon seit Ende der Achtzigerjahre in Flüchtlingsinitiativen für Menschen aus anderen Ländern ein, die zu uns kommen. Seiner Erfahrung nach wollen die meisten von ihnen arbeiten und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren. Dies sollte erleichtert werden, in dem Geflüchtete sofort arbeiten dürfen. Denn Arbeit ist bekanntlich der beste Weg zur Integration. Andererseits sieht er auch ganz klar, dass wir nicht jeden aufnehmen können, der gerne zu uns möchte und der Staat auch die Möglichkeit haben muss, Leute bei denen die Fluchtgründe weggefallen sind wieder abzuschieben. 

Die Arbeit im Hospiz fand er sehr schön, und es hat ihm noch einmal einen anderen Blick auf das Leben und vor allen Dingen die Endlichkeit unseres Daseins gegeben. Er hat erlebt, wie wichtig es ist, dass Leute liebevoll und zugewandt, am Ende ihres Lebens begleitet werden. 

Schließlich entfernt sich der Weg vom Rhein und wir laufen das wunderschöne Morgenbachtal aufwärts. Noch scheint teilweise die Sonne und wir sehen Ameisen, die sich um ihren Haufen kümmern und regelrecht umherwimmeln. 

Auch im Ruhestand möchte Dirk sich sozial engagieren, ob in seiner Kirchengemeinde oder bei der psychosozialen Notfallbetreuung, die von Freiwilligen, beispielsweise bei Verkehrsunfällen geleistet wird. Er sieht es so, dass einerseits es wichtig ist, Hilfe zu leisten wo notwendig, aber andererseits das einem auch persönlich viel gibt.

Etwas später schlägt das Wetter um. Der Himmel verdunkelt sich, es fängt an zu hageln und später schneit es sogar. Während wir weiter aufsteigen, ist es ziemlich windig, jetzt überwiegen Fichten und eine scharfe Brise streicht über die Kämme. Später wandern wir über die Hochfläche des Kandrich, wo auf ehemaligen Sturmflächen neuer Wald wächst. Hier stehen schon seit einigen Jahren etliche Windräder. Schließlich geht es abwärts zum Bahnhof Rheinböllen, wo wir uns verabschieden, da Dirk von hier mit dem Bus zurückfahren möchte. Ich dagegen steige wieder auf zu den Höhen des Soonwalds auf über 600 Metern. . Hier gibt es inzwischen noch weit mehr Windräder als bei meinem letzten Besuch 2021 und wo der Blick weiter schweifen kann, sieht man überall Windräder. Ich hoffe, sie werden mich nicht morgen noch den ganzen Tag begleiten. Der Soonwald war so ein schönes, stilles, einsames Waldgebiet und ist zumindest hier jetzt total verlärmt und hat meiner Meinung nach viel von seinem Reiz durch die Windkraftanlagen verloren. 

Es gibt hier noch alte Fichten aber auch Borkenkäferflächen wo man kleine Trupps von Bäumen pflanzt die in Holzgattern vor Wildverbiss geschützt werden. 

Schließlich finde ich eine kleine Schutzhütte, wo ich mein Nachtlager aufschlage.




















Dienstag, 24. März 2026

WdH 47 Von Dörscheid nach Rüdesheim

 




Di, 24.3.2026


WdH 47: Von Dörscheid nach Rüdesheim 


9:40 h, 38,5 km, 1199 hm Aufstieg, 1349 hm Abstieg 


Zusammenfassung:


Früh am Morgen sehe ich schon zwei Muffelschafe mit ihren Lämmern, hier ist der Nachwuchs schon da!

Heute sehe ich, wie man versucht mit Pflegemaßnahmen die halboffene Landschaft zu erhalten. Ich bewundere die Burg Kaub auf einer Rheininsel und treffe Fabi, der eine dreitägige Wanderung unternimmt und gerne auch mal länger unterwegs sein möchte. Grundsätzlich könnte er ein Sabbatjahr nehmen und sieht selber bei seiner Arbeit in einem Krankenhaus, dass man seine Träume nicht aufschieben sollte. Hinter Kaub laufe ich mehr auf Fahrwegen als gestern, daher gefällt mir dieser Abschnitt nicht ganz so gut. Der Frühling schreitet weiter fort, die ersten Buchenblätter haben ihre Knospen gesprengt und in einem Teich sind Erdkröten bei der Paarung. Schließlich kürze ich ein Stück nach Rüdesheim ab und steige in einem Hotel ab. Endlich mal wieder Wäsche waschen und duschen. Abends esse ich dann zusammen mit meiner alten Freundin Kristin, einer Lehrerin, die leider bestätigt, dass das Bildungsniveau gesunken ist. 


In der Morgendämmerung bin ich wieder unterwegs. Zunächst geht es noch ein Stück durch den Wald, aber bald steige ich durch die felsigen Gebüsche an der Rheinkante wieder auf. Anschließend geht es über Wiesen und Felder. Hier sehe ich zwei Muffelschafe mit ihren kleinen Lämmern und aus den Gebüschen höre ich es Blöken. Etwas später sehe ich dann noch mal vier Mufflons. Ich durchquere den kleinen Ort Dörscheid und gelange in die Dörscheider Heide, ein größeres Gebiet, wo man umfangreiche Naturschutzmaßnahmen durchgeführt hat, zum Beispiel Entbuschungen mit einer Raupe und spätere Schaf- sowie Ziegen Beweidung. Das ist für mich auch in Ordnung. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man hier versucht einen statischen Zustand zu bewahren. Eben die alte Kulturlandschaft. Mit Naturschutz im eigentlichen Sinne hat das wenig zu tun, denn Natur ist etwas wildes, was sich stetig weiter entwickelt und über lange Zeiträume auch keine starren Zustände kennt. Genau diese Dynamik macht die Natur aus und ist extrem wichtig für Sie. Aber wie gesagt, hier an dieser Stelle finde ich das durchaus gut, dass das gemacht wird. Dadurch hat man eine sehr schöne Halboffene Landschaft geschaffen und wahrscheinlich eine ziemlich große Artenvielfalt auf kleiner Fläche.

Schließlich geht es steil abwärts, das letzte Stück auch auf Treppen. Unterwegs erhalte ich schon einen Ausblick auf die Burg Kaub, die auf einer Rheininsel liegt, mit ihrem Zwiebelturm und den weißen Mauern. Vom Örtchen Kaub am Rhein geht es steil wieder hoch zur Burg Pfalzgrafenstein.

Weiter geht es relativ flach an den alten Weinbergsmauern vorbei im Hang, der heute wieder von Sträuchern erobert worden ist. Schließlich führt mich ein Pfad weiter durch den Wald, wo ich Fabi treffe, einen Ultraleichtwanderer, der hier eine drei Tage Tour macht. Wir unterhalten uns ein wenig, hauptsächlich über Ausrüstung. Er arbeitet im Krankenhaus und erzählt, dass er dort eigentlich ein Sabbatjahr nehmen kann, um so mal einen großen Wandertraum zu verwirklichen. Ich sage ihm, dass er das vielleicht nicht zu lange aufschieben sollte. Daraufhin antwortet er, dass ich damit absolut recht habe, das sieht er jeden Tag im Krankenhaus!

Dann setzt jeder seinen Weg fort.

Ein Fahrweg führt mich in ein kleines Tal, aus dem ein Pfad  heraus führt. Bald bin ich wieder direkt über dem Rhein. Hier sehe ich in den Gebüschen zwei Mufflons ziemlich nah. Während woanders die Wildschafe im Wald eher unbeliebt sind, weil sie junge Bäume verbeißen und die Rinde ältere Bäume abschälen, sind sie hier wahrscheinlich willkommen, weil sie dabei mithelfen, die Landschaft offen zu halten.

Schließlich führt der Pfad runter ins Niedertal, wo sich die Wildschweine im Schlamm gewälzt und sich hinterher an den Bäumen gescheuert haben, wovon die Erdspuren zeugen. Ein Typ, der sich Grenzvogt nennt, hat hier an der Grenze zu Hessen einige Hütten, ein verschlossenes Toilettenhäuschen und ein Baumhaus. Schließlich führt der Pfad wieder aus dem Tal hinaus und dann unmittelbar oberhalb des Rheins weiter.

Bald geht der Pfad in einen Fahrweg über. Ich komme an einem Kirschbaum vorbei, der von Bienen intensiv umsummt wird. Am Brunnen Oberthal mit tröpfelndem Zulauf fülle ich meine Wasserflasche wieder auf.

Oberhalb von Lorchhausen komme ich an zahlreichen Elektrozäunen vorbei, die dazu dienen, die Schafe und Ziegen, die hier weiden, an Ort und Stelle zu halten. Zwei Männer, die ich treffe, machen gerade Pause. Sie erzählen, dass sie den Auftrag haben die Zauntrassen freizuhalten von Sträuchern. Eine Tafel verrät, das die Maßnahmen hier von der DB Netz AG durchgeführt werden als Kompensationmaßnahme für Baumaßnahmen an anderer Stelle.

Dann gelange ich in das Tal bei Lorchhausen und steige zunächst auf Asphalt, dann auf Fahrwegen wieder auf und laufe über dem Rhein durch die Gebüsche weiter. Hier gibt es unterhalb auch Weinberge.

Ich passiere den Turm der Burg Nollig und steige dann sehr steil ab nach Lorch. Das erste Stück ist sogar mit Drahtseilen gesichert. Es geht dann ein kleines Stück durch den Ort, bevor es auf einem Fahrweg wieder nach oben geht. Längere Zeit laufe ich dann durch die Weinberge, aus denen ich durch ein Tor und einen Gitterrost gelange, mit denen man versucht die Weinberge so abzuschirmen, dass keine Wildschweine reinkommen können.

Auf Fahrwegen geht es dann durch die ehemaligen Weinberge, die jetzt Gebüsche sind. Ich gelange in ein Tal mit etlichen abgezäunten Gärten.

Weiter geht es dann teilweise auf  Graswegen. Auf dem anderen Ufer klafft eine riesige Wunde im Hang, wahrscheinlich ein Steinbruch. Unmittelbar daneben liegt eine alte Burg, so viel zum Thema Weltkulturerbe Mittelrheintal…

Weiter geht’s auf einem Fahrweg. An einer Stelle wird eine Mulchraupe von einem Schlepper, an dem eine Seilwinde befestigt ist, rauf und runter gelassen.

Im Wald, gelange ich an einen kleinen Teich, wo hohe Geräusche verraten, dass die Erdkröten gerade bei der Paarung sind. Tatsächlich kann ich dann ein Weibchen mit dem deutlich kleineren Männchen auf ihrem Rücken im Wasser fotografieren.

Als es dann auf einem Forstweg aufwärts geht, verkündet ein Schild, dass dies ein Naturwaldreservat und eine Kernfläche Naturschutz ist. ja In Hessen hat man 10 % des Staatswalds aus der Nutzung genommen. Allerdings sind das häufig Flächen wie diese, steil und wenig produktiv, d.h. ohnehin kaum nutzbar. Wichtig ist es aber auch Flächen aus der Nutzung zu nehmen, wo richtig dicke Bäume stehen, die normalerweise bewirtschaftet werden würden. Wenn man das nicht in ausreichendem Maße tut, sind diese 10 % lediglich eine Art Mogelpackung, etwas überspitzt ausgedrückt.

Schließlich bin ich wieder auf einem Pfad oberhalb des Steilabfalls hin zum Rhein. Hier haben die ersten Buchenblätter ihre Knospenhüllen gesprengt. Es ist hier extrem trocken, steil und steinig. Erstaunlich, dass hier überhaupt einige Buchen neben den Eichen wachsen können.

Bald habe ich den Bereich um den Teufelskandrich, wie der Ort heißt, hinter mir gelassen und laufe auf einem Fahrweg weiter durch den Wald. Da ich mir das Stück um Assmannshausen und das Niederwalddenkmal ersparen will, was ich von etlichen Besuchen gut kenne, und wo mir zuviel los ist, verlasse ich ungefähr 10 km vor Rüdesheim den Rheinsteig und nehme eine Alternativroute, die direkter ist. 

Durch die Feldflur geht es auf Asphalt runter nach Aulhausen. Über dem Dorf kreist niedrig ein Rotmilan. Aus dem Ort führt ein Pfad steil hoch in den abwechslungsreichen Niederwald. 

Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge einem Fahrweg am Rand der Weinberge abwärts nach Rüdesheim, während rechts von mir die Seilbahn zum Niederwalddenkmal hochfährt.

In dem Ort ist relativ viel los, offenbar sind auch chinesische Gäste da. 

Bald habe ich mein schon vor Tagen gebuchtes, günstiges Hotel gefunden. Ich wasche Wäsche und mich selber, danach plane ich ein wenig. 

Später kommt meine alte Freundin Kristin und wir gehen zusammen essen. Kristin ist Lehrererin an einer Gesamtschule und betreut die Jahrgänge von der sechsten bis zum Abitur. Sie stimmt mit der Analyse von Martin gestern völlig überein, dass das allgemeine Bildungsniveau stark gesunken sei. Drei Gründe hält sich hierfür ausschlaggebend: Überfrachtete Lehrpläne, die mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Schüler aufgrund der Überreizung in den sozialen Medien und den Anspruch des Staates möglichst jeden zum Abitur zu führen. Das habe die Hürden die Oberstufe zu erreichen, stark gesenkt, so dass auch Schüler zum Abitur kommen, denen das früher niemals möglich gewesen wäre. Das habe allerdings ein allgemeines Sinken des Niveaus bewirkt. Sie versucht, der mangelnden Konzentrationsfähigkeit zwar mit Achtsamkeitsübungen zu begegnen, ist sich aber bewusst, dass das natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Nach schönem Essen und angenehmen Gesprächen gehen wir schließlich wieder auseinander.