Sonntag, 8. März 2026

WdH 31 Von Goldhausen zum Diemelsee

 



So, 8.3.2026


WdH 31: Von Goldhausen zum Diemelsee


12:00 h, 49,7 km, 1175 hm Aufstieg, 1165 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Den größten Teil des Tages folge ich dem 63 km langen Diemelsteig, einem Rundweg. Die Landschaft ist ziemlich abwechslungsreich mit eher kleinen Wäldern und vielen offenen Abschnitten, wo der Weg häufig an Waldrändern verläuft. Dennoch gefällt es mir hier nicht allzu gut. Zu viel Zivilisation: Windräder Straßen oder Häuser sind meistens zu sehen. Ich passiere zwei Trekkingplätze, auf denen Wanderer übernachten können. Diese muss man allerdings vorab buchen und darf sein Zelt nur auf eine hölzerne Plattform stellen, was nicht funktioniert, wenn das Zelt mit Heringen verankert werden muss. 

Heute habe ich zwei interessante Begegnungen: Eine Frau in Flechtorf kommt gerade aus dem Gottesdienst und erzählt, dass ihr die Religion viel für ihr Leben gibt. Obwohl das Dorf nicht weit entfernt von der Stadt Korbach ist, ziehen trotzdem viele Leute weg. Danach treffe ich Mara, die eine Gruppe von Geologie Studierenden während einer Projektwoche anleitet. Sie erzählt, dass sie durchaus Potenzial für Geothermie in Deutschland sieht.

Spätnachmittags wartet der Höhepunkt des Tages auf mich: Ich wandere zu einem tollen Aussichtspunkt hoch über dem Diemelsee und gelange dann abwärts zu seiner Staumauer. Da ich kein Wasser mehr habe, habe ich Glück, als mir Leute, die in einem Wohnwagen auf einem Parkplatz übernachten, etwas abgeben. Anschließend steige ich wieder auf und sehe die Sonne hinter dem See versinken. Schließlich schlage ich in einem dichten jungen Fichtenbestand mein Cowboy Camp auf.


Nach einer ruhigen Nacht, bin ich in der Morgendämmerung wieder unterwegs, als der abnehmenden Mond untergeht. Bald erreiche ich Goldhausen, das seinen Namen zurecht trägt, da hier früher Gold gefunden wurde. Hier gelange ich auch wieder auf den NST, dessen Kompassnadel mir zunächst die Richtung weist. Hinter dem Ort geht es auf einem Asphaltweg durch Felder und Wiesen, über denen die Lerchen singen.

Auch heute Nacht hat es wieder gefroren, aber ich hoffe, dass die aufgehende Sonne bald Wärme bringt. In der Ferne zeigt sich die Stadt Korbach und auf den Hügeln steht ein großer Windpark.

Schließlich gelange ich in den Wald und wandere an dem Bächlein Marbeck hoch. Hier hat man einen Lehrpfad eingerichtet mit Tafeln, die holländische Untertitel haben. Die Nähe der Nachbarn ist hier schon spürbar! Am Bach hat man kürzlich größtenteils die Fichten entfernt. Was brachial aussieht, ist eine Naturschutzmaßnahme, denn die Bäche vertragen die Beschattung durch die Fichten nicht besonders gut und ihre Nadeln versauern das Wasser. Leider hat man bei der Aktion das nicht beachtet, denn viele Zweige liegen im Bach und tragen so zur Versauerung bei. Als ich den Bach verlasse und auf ein Plateau gelange, sehe ich, wie man die abgestorbenen Fichten stehen gelassen hat, um darunter Buchen zu pflanzen. Genau richtig!  So kann man den Schatten der toten Fichten zum Schutz der jungen Bäume nutzen.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge asphaltierten Feldwegen zu dem größeren Ort Rhena. Der NST verläuft hier auf dem Waldecker Weg  (X 21)

Hinter dem Ort folge ich einem asphaltierten Feldweg, der unter einem Eisenbahnviadukt hindurch führt. Ein Stück weit geht es durch den Wald, dann gelange ich in eine Landschaft aus Bergwiesen und Wald. Hier komme ich auf den insgesamt 63 km langen Diemelsteig, der ein Rundweg ist und hier vom NST genutzt wird. Bei einer Hütte gibt es eine Holzplattform und ein Schild verrät, dass dies ein Übernachtungsplatz ist. Er muss allerdings gebucht werden, und man darf nur auf der Holzplattform zelten, was ich nicht gut finde, da viele Zelte mit Heringen verankert werden müssen. Außerdem gibt es eine Komposttoilette. Ein Schild gibt die Regeln vor: Auf einem Hobo darf hier nicht gekocht werden. Daneben steht auf dem Schild, dass die Saison erst am 1. April beginnt. Außerdem wird das Märchen erzählt, dass die Jagdbehörde hier die Jagd ausüben würde,  in den Morgen und Abendstunden. Das ist natürlich totaler Quatsch! In  Deutschland üben nicht Jagdbehörden die Jagd aus sondern private Jäger, beziehungsweise im Staatswald auch die Förster. 

Ab hier, folge ich eine Zeit lang einem Weg der Stille. Hier gibt es in regelmäßigen Abständen Zitate berühmte Leute, über die man beim Wandern nachdenken kann. Der Wald aus Buchen und Fichten ist recht abwechslungsreich. Irgendwann komme ich auf eine Hochfläche, die lediglich von jungen Bäumen bewachsen ist. Teilweise haben sich Fichten wieder angesiedelt, teilweise hat man Douglasien gepflanzt. Es gibt aber auch Nordmanntannen, die als Weihnachtsbäume verkauft werden, wofür das Sauerland berühmt ist. Ein kurzes Stück laufe ich auf einem Pfad durch den Buchenwald, aber meistens folge ich befestigten Wirtschaftswegen. Schließlich gelange ich aus dem Wald und sehe vor mir Flechtdorf in einer Mulde liegen, darüber ragen einige Windräder auf. Am Waldrand fliegen zehn Kolkraben laut rufend. Obwohl Aas  in der Nähe liegt? Außerdem sehe ich einen Rotmilan.

In dem recht großen Ort  Flechtdorf sehe ich eine Frau aus dem Gotteshaus einer freien evangelischen Gemeinde kommen. Sie wirkt offensichtlich beschwingt und trägt zwei Rosen in der Hand. Also spreche ich sie an, worauf sich ein kleines Gespräch ergibt. Ich stelle die provozierende Frage, ob die freien evangelischen Gemeinden eine Sekte seien, sie versteht, dass das nur eine leichte Provokation ist und erzählt, dass ihr die Kirche viel gibt und sie freier sei als herkömmliche Kirchen. Im Gegensatz zu evangelischer und katholischer Kirche verzeichnen die freien evangelischen Gemeinden tatsächlich enormen Zulauf. Sie ist hier auf einem Hof aufgewachsen, aber von drei Kindern ist lediglich noch ein Bruder da, der den Hof übernommen hat. Dies sei relativ typisch, mehr Leute würden wegziehen als dazukommen. Obwohl Korbach mit einiger Industrie nicht ganz weit entfernt ist, ziehen viele Menschen auch hier offenbar lieber in größere Städte. Die Rosen hat sie übrigens zum Weltfrauentag geschenkt bekommen, der heute ist. Während wir uns unterhalten, kommt ein anderes Paar vorbei, das ebenfalls in der Kirche gewesen war. Die Frau, mit der ich mich unterhalte, stellt sie als Neuankömmlinge vor, doch dann stellt sich schnell heraus, dass sie schon seit 30 Jahren da sind!

Aus dem Dorf geht es auf einem Pfad steil nach oben zu einem Hügel, von dem man eigentlich eine schöne Aussicht über die Fachwerkhäuser hat. Leider verdecken Bäume die Sicht. 

Aus dem Wald laufen fünf Rehe aufs offene Feld. Immer am Waldrand entlang, laufe ich einen ziemlichen Bogen. Hier wachsen zarte Blümchen, die an Trockenheit angepasst sind, wie das Frühlingsfingerkraut mit seinen gelben Blüten. Ich überquere eine Straße und gelange in den Wald. Hier nasche ich mal wieder Bärlauch.

Dann sehe ich drei junge Frauen. Eine von Ihnen hockt am Boden und hat einen Hammer in der Hand. Ich spreche sie an, und es stellt sich heraus, dass Mara Geologie in Jena studiert und eine Gruppe von Studierenden im ersten Semester begleitet, die hier ein Gebiet während einer Projektwoche geologisch kartieren. Sie erzählt, dass es für Geologen vielfältige Tätigkeitsbereiche gibt, unter anderem die Suche nach Endlagerstätten für Atommüll, nach seltenen Erden aber auch Geothermie.  Geothermie macht mich neugierig, so frage ich nach und erfahre, dass auch in Deutschland das Potenzial für diese Art Energie zu gewinnen gar nicht so klein ist. Im Oberrheingraben beispielsweise bei Bruchsal gibt es schon solche Anlagen. Natürlich hat die Technologie wie alles im Leben ihre Risiken.So können unter Umständen kleinere Erdbeben ausgelöst werden. Nach dem interessanten Gespräch gelange ich bald aus dem Wald und steige auf zum Lenkenberg mit 513 m Höhe. Von dort ergeben sich schöne Aussichten zu den Bergkuppen der Umgebung. Allerdings ragen im Nordosten auch zahlreiche Windräder auf. Weiter geht es durch die abwechslungsreiche, offene Landschaft, bis an den Rand von Wirmighausen. 

Ich überquere eine Straße und gelange an den Waldrand, wo sich eine Wanderin gerade ausruht. Ein Stück weiter geht es wieder über die Straße, und dann folge ich einem Bachtal aufwärts nach Adorf. Der Weg am Waldrand, wo linker Hand eine Wiese ist, gefällt mir gut, ein älteres Paar, das auf einer Bank sitzt, spricht mich kurz auf meine Wanderung an. Schließlich erreiche ich den größeren Ort Adorf, den ich am Rand durchquere. 

Von Adorf geht es zunächst steil nach oben. Ich komme an einem weiteren Trekking Platz vorbei, diesmal mit überdachter Plattform. Dann geht es wieder abwärts zu einer Straße, die ich überquere und einem Bach ein Stück folge.  Lange laufe ich auf Asphaltwegen durch die offene Landschaft, die viele Ausblicke gewährt. Allerdings gibt es für mich hier zu viel Zivilisation. Überall sind Windräder zu sehen, Straßen oder Häuser. Das Ganze macht nicht wirklich wirklich den Eindruck von Natur, sondern eher von einem, wenn auch schönen Garten.

Dann kommt das beste Stück des Tages: Eine ganze Zeit lang laufe ich auf relativ schmalen, unbefestigten Wegen am sonnigen Waldrand entlang. Dann geht es durch Buchenwald zum Aussichtspunkt St. Muffert, hoch über dem Diemelsee, zu dem die Schieferklippen steil abfallen. Durch den Wald geht es weiter aufwärts zum Eisenberg auf knapp 600 m Höhe. Der Abstieg erfolgt in lang gezogenen Serpentinen. Schließlich erreiche ich den Diemelsee und laufe über die Staumauer. Ich habe kaum noch Wasser und weiß, dass auf meiner Route erst mal nichts mehr kommt. Daher frage ich zunächst einen Motorradfahrer, ob er mir was geben kann. Dieser hat aber nichts dabei. Alle Cafés und Restaurants haben noch geschlossen, daher sehe ich schon einer durstigen Nacht entgegen, als ich eine Frau vor einem Wohnwagen sehe. Ich spreche sie an und tatsächlich bekomme ich meine Wasserflasche aufgefüllt. Puh, Glück gehabt! Bald geht es wieder in den Wald d.h. eigentlich über große offene Flächen, die in der Dürre 2018-2020 entstanden sind. Krasser Weise hat man hier teilweise mit Fichten wieder aufgeforstet… 

Im Sonnenuntergang ergeben sich noch mal schöne Ausblicke über den Diemelsee und die dahinter auf ragenden Bergkuppen. Schließlich erreiche ich wieder geschlossenen Wald und schlage mein Cowboylager in einem dichten jungen Fichtenbestand auf.
























Samstag, 7. März 2026

WdH 30 Von Basdorf nach Goldhausen


 



7.3.2026


Von Basdorf nach Goldhausen


WdH 30: 11:55 h, 49,9 km, 1035 hm Aufstieg, 905 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Rechtzeitig als die aufgehende Sonne den Edersee zart lila färbt, gelange ich ans Ufer. Bald entfernt sich der Pfad aber wieder und führt steil in den Hang. Im Gegensatz zu gestern stört hier keine Straße und der Wald ist ein absoluter Traum! Besonders der Knorreichenstieg ist wunderschön. Vor Herzhausen laufe ich noch längere Zeit auf einem Fahrweg hoch über dem See, wo ich schöne Aussichten erhalte. Leider verdecken die Bäume die Sicht an den meisten Stellen.

In Herzhausen verlasse ich den NST und nehme eine eigene Route, da ich mir bekannte Orte wieder sehen möchte. Buchenberg, das malerisch auf einer Hochfläche liegt, wo man schöne Ausblicke zu den Bergkuppen ringsum erhält, war 1995 mein Wohnort für ein Jahr. Durch den Wald oberhalb der Eder geht es nach Ederbringhausen, wo ich gerade richtig komme, um mir etwas von einem Bäckerwagen zu kaufen. Weiter geht es das malerische Orketal  aufwärts. Hier war ich früher einige Male mit dem Schlauchboot unterwegs. Meist laufe ich abseits vom Fluss, der mit Stromschnellen und kleinen Inseln unheimlich abwechslungsreich ist. Gut Reckenberg mitten im Wald ist ein Traum. Das Tal  gefällt mir besonders schön, weil es hier keine Straße gibt und es daher sehr abgelegen wirkt. Hinter Dalwigkstal laufe ich lange im Wiesen geprägten Aartal aufwärts, wo ich am Bach zwei Wasseramseln sehe. Schließlich steige ich zum Eschenberg auf, wo ich einem schmalen Weg auf dem Kamm folge. Ich bin hier auf dem 70 km langen Lichtenfelser Panorama Weg unterwegs. In der Dämmerung schlage ich schließlich mein Lager abseits des Weges auf.


Am Morgen bin ich bald wieder auf dem Urwaldsteig, der hier zunächst relativ weit vom See entfernt auf einem Pfad verläuft. Beim Campingplatz Fürstenlager gelange ich dann wieder an den Edersee, dessen Ufer ich hier ein Stück weit folge. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn jetzt färbt gerade die aufgehende Sonne den See zart lila. Schon bald geht es aber wieder steil nach oben. Tatsächlich sind die Steigungen für ein Mittelgebirge hier zum Teil ganz schön knackig! An einer Stelle wurde sogar ein Seil als Hilfe fest gemacht. Zwar macht der Wald insgesamt einen vitalen Eindruck. Dennoch sind bei vielen Eichen und Buchen Äste in den Kronen in den Dürrejahren vertrocknet. Das heißt nicht, dass diese Bäume tot sind. Aber sie sind natürlich geschwächt. Der Knorreichenstieg ist ein weiterer Höhepunkt des Urwaldsteigs. Die weiten Laubwälder hier sind wirklich ein Traum für jeden Waldfreund! Einmal sehe ich einige Rehe abspringen. Auf dem See hatte ich einige Haubentaucher und Kormorane gesehen. Bei Asel  gelange ich auf eine Straße, der ich ein Stück folge. In den Wiesen hat es auch diese Nacht gefroren. An einem Altersheim vorbei geht es wieder in den Wald. Teilweise gibt es hier auch Fichten, die allerdings zum größten Teil längst abgestorben sind. Einige Bäume liegen hier über dem Weg, stellen aber kein wirkliches Hindernis da. Ein Fahrweg führt dann längere Zeit über dem steilen Seeufer entlang. Da die Bäume noch unbelaubt sind, kann ich gut über den See blicken. Vor Herzhausen erreiche ich schließlich einen asphaltierten Weg, auf dem bereits einige Spaziergänger mit Hunden und Kinderwagen unterwegs sind. In  Herzhausen, an der Uferpromenade nehme ich Abschied vom See, vom Urwaldsteig und zunächst auch vom NST. Ab hier folge ich einer eigenen Route durch Gebiete, die ich von früher gut kenne und die ich wieder sehen möchte.

Ich passiere den Bahnhof und biege dann von der Straße ab. Auf einem Fahrweg geht es an einem Bächlein aufwärts.

Ich passiere ein Schild, das auf eine Naturwald Entwicklungfläche hinweist, wie die aus der Nutzung genommenen Wälder offenbar jetzt in Hessen heißen. In dem steilen Tal gibt es noch einige kleine Wiesenstücke. Nach einem langen Aufstieg, erreiche ich eine Hochfläche, wo sich schöne Aussichten auf die bewaldeten Bergkuppen der Umgebung bieten. Es gibt hier sogar eine kleine Wachholderheide und eine sehr nett gemachte Hütte, wo man laut einem Schild einfach nur da sitzen soll. Dann laufe ich durch den Ort Buchenberg, wo ich 1995 als ganz junger Förster ein Jahr lang gewohnt habe. Ein wirklich idyllisches Dorf! Ich meine sogar das Haus wieder zu erkennen, indem ich damals gelebt habe. 

Über dem Ort kreisen zwei Rotmilane. Ein asphaltierter Weg führt mich über die Wiesen Richtung Wald. Von hier ergeben sich Aussichten zu den bewaldeten Hängen auf der anderen Seite des Edertals. Leider schallt der Lärm der Bundesstraße im Tal bis hier oben. 

Ich passiere ein Feldgehölz, das mit niedrigen Eichen und Buchen bewachsen ist. Etwas typisches für diese Gegend mit ihren trockenen, nährstoffarmen  Böden.

Eine Fläche am Waldrand, in der damals Eichen gepflanzt worden waren und in der wir Mäuse gefangen haben, ist jetzt ein geschlossener junger Wald.

Der Weg, auf dem ich jetzt laufe, verläuft im Wald oberhalb der Eder. Die Hänge hier sind sehr steil. Überwiegend wachsen junge Buchen, es gibt nur wenig alte Bäume. Zitronenfalter schweben über dem Weg. Schließlich erreiche ich den Rand von Ederbringhausen, wo gerade ein Bäckerwagen unterwegs ist. Ich nutze die Gelegenheit und kaufe mir ein Brötchen und zwei süße Teilchen  für zwischendurch. Der Mann der mich bedient, erzählt, dass sich diese rollende Bäckerei durchaus lohnt und natürlich wissen die Leute in den Dörfern diesen Service zu schätzen. Bis hierher bin ich dem Wanderweg X1 gefolgt, jetzt geht es auf dem X 8 weiter. 

Zunächst geht es durch die Wiesen zwischen Straße und Orke, einem hier etwa 8 m breiten Flüsschen. Ich durchquere Niederorke und laufe ein Stück durch die Wiesen, bevor es in den Wald geht. Schließlich hört der Fahrweg auf, und ein Erdweg läuft weiter hoch über dem Fluss, den ich unter mir fließen sehe. Auf der anderen Seite des Tals liegt das Gut, Reckenberg, mit einem schwarzen und zwei roten Türmen sowie drei Gebäuden in unglaublich malerischer Lage. Leider wird der Ausblick von den Bäumen verdeckt. An den Hängen wächst ein älterer Laubwald aus Buchen und Eichen. Der Fluss ist unheimlich lebendig mit vielen Mäandern, kleinen Stromschnellen und Inseln. Ich erinnere mich daran, wie ich hier einige Male mit einem Schlauchboot runtergefahren bin,lange, bevor es per Packrafts gab.Es  gibt hier im Tal keine Straße, was mit zu dem wildromantischen Eindruck beiträgt.

Ich unterhalte mich kurz mit einem Paar, dass hier ebenfalls unterwegs ist und laufe dann auf einem Fahrweg ziemlich steil nach oben, bis es wieder runter zum Fluss geht. Das schmale Tal ist auf ganzer Länge von Wiesen gesäumt, die zum Teil von Wildschweinen umgewühlt wurden. Ich erinnere mich daran, wie ich bei einer Bootsfahrt an einem Weidezaun gekentert bin, der quer über den Fluss gespannt war! Schließlich erscheint der Ort Dalwigkstal vor mir.

Ich verlasse die Orke und steige bald steil in den Wald auf. Hier stehen abgestorbene Fichten, unter denen sich Hainbuchen angesiedelt haben. An einer anderen Stelle liegen Wuchshüllen herum und einige sitzen noch an Bäumen, die schon mehrere Meter hoch sind, so ist das mit den Wuchshüllen!

Aus dem Wald gelange ich in das Tal der Aar, dem ich dann lange folge. Es ist breiter, als dass der Orke und wird von Wiesen geprägt. Die Aar ist schmaler aber auch mehrere Meter breit. Zwei Motorradfahrer überholen mich und ein Quad kommt mir entgegen. eigentlich sind diese Wege für nicht landwirtschaftlichen Verkehr gesperrt…

Irgendwann verläuft der Weg dicht am Bach. . Hier sehe ich zweimal Wasseramseln vorbeifliegen. Bei einem Hof fährt ein junger Bauer ziemlich rasant auf seinem Trecker herum, vermutlich um Mist einzuarbeiten. Ich gelange an der Aar Mühle an eine Straße, und steige bald ziemlich lange und steil im Wald auf. Schließlich erreiche ich einen Kamm, der durch dichten, älteren Buchenwald führt, der ganz wie wenig bewirtschafteter Bauernwald wirkt. Es wächst hier etwas Bärlauch, womit ich mein Essen aufbessere. Ich erhalte eine schöne Aussicht im Sonnenuntergang auf die gegenüberliegenden Gipfel des Rothaargebirges und erreiche ein weißes Gipfelkreuz. Eine Tafel verkündet, das hier der 70 km lange Lichtenfelser Panorama Weg verläuft, dem ich schon im Orketal  gefolgt bin. In der Dämmerung schlage ich schließlich mein Zelt, etwas abseits des Wegs im Wald auf.


























Freitag, 6. März 2026

WdH 29 Von der Weidelsburg nach Basdorf

 





6.3.2026


WdH 29: Von der Weidelsburg nach Basdorf


10:45 h, 39,7 km, 989 hm Aufstieg, 1100 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Noch im Morgengrauen verlasse ich „meine“ Burg, in deren Nähe schon ein Wanderfalke ruft. 

In Naumburg trinke ich in einem Supermarkt Kaffee und kaufe ein. Bald danach erreiche ich ein großes, stilles Waldgebiet, das ich meist auf naturnahen Pfaden durchwandere. Vom Sengelsberg schweift mein Blick zu den Laubwaldbergen des Nationalparks Kellerwald- Edersee und zum Schloss Waldeck auf einem Hügel.

In dem Touristenort Waldeck verlasse ich den Habichtswaldsteig, der mir sehr gut gefallen hat und gelange auf den Urwaldsteig, der um den Edersee führt. Als ich zwei jungen Leuten die Frage nach einer guten Zukunft für Deutschland stelle, ist das nicht sehr ergiebig. 

Teilweise ist der Wald hier stark durch Motorräder verlärmt, es gibt aber auch ruhige Abschnitte. Ein Höhepunkt ist die Kahle Hardt, ein sehr steiler Hang, auf dem bonsaiartige, aber uralte Eichen wachsen. Schließlich schlage ich mein Lager bei einer Hütte außerhalb des Parks auf der Veranda auf. 


In der Nacht habe ich gut geschlafen. Allerdings musste ich einmal umziehen, als es mir in meiner Nische zu windig wurde. Aber ich hatte abends schon einen geschützteren  Platz ausfindig gemacht, wo ich dann gut weiterschlummern konnte.

Bereits in der Dämmerung bin ich wieder unterwegs. Am Burgberg blühen Märzbecher. Ich höre das hohe Rufen eines Wanderfalken, der wahrscheinlich in der Burg wohnt. Auf einem Pfad geht es zunächst durch alten Buchenwald abwärts. Am Waldrand steht eine markante Eiche mit einer großen Höhle, die vielleicht ein Lebensraum für viele Tiere ist. Außerhalb des Waldes ist das Gras weiß von Frost. Bald geht es wieder in den Wald, der hier zum Teil auch aus Kiefern und Douglasien besteht. Die Sonne geht als oranger Ball auf. Schließlich gelange ich aus dem Wald und nehme eine Abkürzung durch die Felder nach Naumburg, wo ich im Edeka einkaufen will.

In dem Supermarkt angekommen, trinke ich erst mal Kaffee und kaufe dann ein. Haferflocken, Müsli, Studentenfutter, Erdnüsse und Butter für die nächsten drei Tage, außerdem einen Apfel. Die Originalverpackungen lasse ich im Supermarkt und fülle alles in meine 3 l Gefrierbeutel, die ich immer dabei habe. Im Zentrum von Naumburg mit seinen Fachwerkhäusern,  gelange ich wieder auf den Habichtswaldsteig. 

Am Ortsrand wandere ich kurz durch ein Tal mit jungen Streuobstbäumen. Dann geht es durch eine weite Feldflur über der zwei Rotmilane kreisen, teilweise auf Graswegen nach oben zum Wald. Das große, stille Waldgebiet, durch das ich jetzt laufe, gefällt mir sehr gut. Im Tal des Ballenbachs, das in den Wald eingebettet ist, gibt es Wiesen und Fischteiche. Meist laufe ich auf unbefestigten Wegen durch den Wald, der von der Buche dominiert wird, es aber auch Fichten , Kiefern, Lärchen und Douglasien gibt. Das der Wald intensiv bewirtschaftet wird, zeigen zahlreiche Farbmarkierungen, die die Bäume kennzeichnen, die gefällt werden sollen. Auf einem Plateau gibt es einige Freiflächen, wo sich inzwischen größtenteils Fichten angesiedelt haben. Teilweise laufe ich entlang von historischen Grenzsteinen. Hier war einmal die Grenze zwischen der Stadt Naumburg, die lange zum Bistum Mainz gehört hat und dem Fürstentum Waldeck. Der Habichtswaldsteig ist hier teilweise deckungsgleich mit dem Hugenottenweg. Dieser thematisiert die Geschichte der Hugenotten, die wegen ihrem evangelischen Glauben im 17. Jahrhundert aus Frankreich vertrieben wurden, und in Hessen aufgenommen wurden. Noch heute zeugen französische Familiennamen in manchen Gegenden Hessens von dieser Geschichte. Ein Schwarzspecht fliegt vor mir auf und lässt sich an einem Baum nieder. Schließlich führt mich ein Fahrweg entlang des Kißbachs aus dem Wald, wo am Waldeingang ein sehr schönes Fachwerkhaus steht. An einer Bank gibt es eine Pausenbox mit Riegeln und Getränken, sowie kleinen Schnapsflaschen. Es wird um eine Spende gebeten.

Bald geht es durch die Feldflur teilweise auf Graswegen hoch zum Sengelsberg. Von dort ergibt sich ein schöner Blick über die großen Laubwälder des Nationalparks Kellerwald – Edersee und zum Schloss Waldeck, das auf einem Hügel thront. Schließlich geht es in den Wald des Weinbergs. Hier gibt es größere Flächen, die auf den ersten Blick nur mit trockenem Gras bewachsen sind. Aber wahrscheinlich sind sie schon wieder aufgeforstet worden. Man hat hier teilweise auch Holzzäune verwendet, statt der üblichen Metalldrähte. Ebenso werden für einzelne Bäume Holzkonstruktionen zum Schutz verwendet, statt der üblichen Plastikwuchshüllen. 

Auf Fahrwegen geht es relativ schnell wieder aus dem Wald. Hier laufe ich ein kurzes Stück auf Asphaltwegen durch eine ziemlich ausgeräumt Feldflur. Dann geht es an einer Waldwiese vorbei aus dem Wald über eine Straße. Während ich ein weidenbestandenes Tal hoch laufe, sehe ich vier Rehe auf einer Wiese unter einer Stromleitung. Leider bemerken sie mich etwas zu früh, so dass ich sie nicht fotografieren kann. Außerdem sehe ich hier neben den üblichen Vögeln wie Rotkehlchen und Kohlmeisen, eine singende Heckenbraunelle. Schließlich kommen die Häuser von Waldeck in Sicht.

Waldeck ist relativ groß mit Hotels, Cafés und Restaurants. Der Ort macht einen netten Eindruck, allerdings hat die Touristensaison noch nicht begonnen.  Bald gelange ich zu einem Aussichtspunkt von dem aus ich die Ederseetalsperre überblicken kann, ebenso wie das Schloss Waldeck, das gegenüber auf meiner Höhe liegt. Hier endet der Habichtswaldsteig und ich folge ab jetzt dem Urwaldsteig,  der um den Edersee herum führt. An einer Trockenmauer sehe ich die ersten Veilchen. Bald bin ich wieder im Wald, wo ich zwei junge Leute anspreche, die mir entgegenkommen. Die beiden machen einen freundlichen Eindruck, haben aber keine Zeit sich länger mit mir zu unterhalten, als ich die Frage nach einer guten Zukunft für Deutschland stelle. Immerhin sagt die Frau, dass Natur, und einen sonnigen Tag genießen, auf jeden Fall dazugehört. Der Mann sagt gleich, dass er nicht aus Deutschland kommt. Woraufhin ich entgegne, dass das nichts macht. 

Leicht frustriert gehe ich weiter. Zunächst schalt der Lärm der Motorräder von der Uferstraße hoch. Ich passiere die Talstation der Seilbahn Waldeck und weiter geht es in den Wald, wo ich ab jetzt erst mal niemand mehr treffe. Hauptsächlich wachsen hier Buchen, die auf dem trockenen Standort meist nicht sehr groß sind. Auf ganz trockenen Hängen hier nehmen sie sogar eher gestauchte, zwergartige Formen an. Dieser Teil wurde erst vor sechs Jahren in den Nationalpark integriert. Daher laufe ich teilweise noch auf breiten Wirtschaftswegen, teilweise aber auf auch auf schmalen Steigen durch den Laubwald. An einem Bächlein, fülle ich meine Wasserflasche auf und genieße ein Getränk mit Elektrolyten, die mir Catharina geschenkt hatte. Dabei sitze ich in der Sonne und habe Socken sowie Schuhe ausgezogen.

Ich überhole ein Paar, was ich unschlüssig ist, wie es weiterlaufen soll, da es noch bis zur Staumauer will. Eigentlich ist das die falsche Richtung hier! An manchen Stellen wurde ein Pfad relativ neu geschaffen, das merke ich unter anderem daran, dass der GPX – Track des NST anders verläuft. Teilweise liegt der Felsen so bloß und es ist so trocken, dass hier Rentierflechten wachsen! Diese würde man sonst eher in der Tundra Skandinaviens vermuten. Obwohl man ja allgemein sagt, dass die Douglasie wenig invasiv ist, gibt es hier zum Teil junge Bäume dieser Baumart in den trockenen Flächen. Das ist wohl auch der Grund, warum die alten Douglasien  hier am Weg unlängst gefällt worden sind. Der Weg verläuft zum Teil in sehr steilen Hängen, die man hier im Mittelgebirge eigentlich gar nicht erwarten würde. Mir begegnen noch wenige andere, gut gelaunte Wanderer, aber meistens habe ich den Weg für mich alleine. Bei Nieder–Werbe erreiche ich schließlich den See. Hier gelange ich auch wieder an eine Straße, die sich zwischenzeitlich entfernt hatte.

Von Nieder –Werbe geht es steil nach oben, so dass ich ins Schwitzen komme. Der weitere Weg nach Scheid ist dann nicht sehr interessant. Überwiegend gleichförmiger, mittelalter, Buchenwald. Dazu vom See die Geräuschkulisse der Motorräder. In Deutschland wird doch alles geregelt, warum kümmert sich niemand um die Lautstärke von Motorrädern? Was ist mit E-Motorrädern?

Scheid ist ein Ort, der auf einer Halbinsel im Edersee liegt und beherbergt einen großen Campingplatz. Bald laufe ich auf einem Pfad weiter. Er folgt dem extrem steilen Hang der Kahlen Hardt. Es ist hier so steil, dass der Hang teilweise unbegehbar ist! Dennoch wachsen hier bizarre, bonsaiförmige Eichen. Diese sind trotz ihrer geringen Größe wohl teilweise schon mehrere 100 Jahre alt! Da der Boden hier so flachgründig ist, krallen sich die Wurzeln mancher Bäume regelrecht in den Fels fest. Tief unter mir glitzert der Edersee, an dem es zahlreiche Stellen gibt, an denen Boote liegen. Als ich gerade auf einem Pfad weiter hoch steige, erscheinen auf dem Fahrweg unterhalb zwei Typen mit ihren Quads. Sie unterhalten sich laut und drehen schließlich um. Krass, dass sie es wagen, mit ihren Maschinen im Nationalpark herumzufahren! Schließlich gelange ich auf einen Fahrweg, der mich an die Nationalpark Grenze führt. Dort entdecke ich etwas abseits im Wald eine Hütte. Das ist die Pflanzgarten – Hütte, die eine große, überdachte Veranda hat. Ideal zum übernachten!

Schade, dass die Hütten der Forstverwaltungen nicht für die Öffentlichkeit geöffnet werden, wie es das beispielsweise in Finnland und Frankreich gibt.

Als es dunkel wird, ruft ein Sperlingskauz.