Montag, 27. April 2026

WdH 80: Von Liggeringen nach Nendingen

 




Mo, 27.4.2026


WdH 80: Von Liggeringen nach Nendingen


13:26 h, 41,2 km, 961 hm Aufstieg, 709 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon früh am Morgen steige ich zur Ruine Altbodman auf und gelange dann an den Bodensee. Eine Zeit lang folge ich dem Ufer zum Teil an Schilfbeständen vorbei und verlasse dann den Nord Süd Trail endgültig. Auf einer eigenen Route gehe ich nach Stockach, wo ich mich mit Bärbel treffe, die meinen Weg schon seit Jahren verfolgt. Wir wandern auf dem HW 9, dem Heuberg-Allgäu Weg zusammen weiter. Dabei erzählt mir Bärbel von ihren Problemen mit der Forstbürokratie im Zusammenhang mit Genehmigungen für ihre Tätigkeit als Anbieterin für Wald Meditation und Waldbaden. Zuvor hat sie im Steuerbüro gearbeitet und erzählt mir, wie auch dort die Bürokratie im Laufe der Jahre immer mehr ausgeufert ist. Sie hat vier Seiten mit Fragen an mich vorbereitet, eine davon finde ich besonders interessant: Was bezwecke ich mit meinem Projekt? Dazu muss ich sagen, dass ich mir nicht anmaße damit irgendetwas wirklich zu verändern. Allerdings glaube ich, dass auch kleine Denkanstöße, mit denen man einige Menschen erreicht, durchaus etwas Positives bewirken können. Ich sehe das ganz bescheiden, aber auch realistisch. Andererseits finde ich es ganz für mich persönlich sehr interessant, während der Wanderung mit den verschiedensten Leuten über ganz unterschiedliche Themen gesprochen zu haben. Ebenso fand ich es sehr interessant, das Thema Wandern in Deutschland aus meiner durch die internationalen Erfahrungen getönten Brille zu betrachten.

In Neuhausen ob Eck wartet Bärbels Lebensgefährte Franz auf uns, und wir trinken zusammen Kaffee. Nach 2 Stunden des Zusammensitzen verabschieden wir uns und ich wandere in ein größeres Waldgebiet, wo ich schließlich in einem Fichtenwald mein Freiluftlager aufschlage.


Bereits um 5:30 Uhr im noch fast Dunklen bin ich wieder unterwegs. Es geht durch den Buchenwald auf einem Pfad ziemlich steil aufwärts. Wo sich der Wald öffnet, sehe ich auf einem Acker fünf weibliche Damhirsche. Ein Stück weiter erhalte ich in der Nähe der Ruine Altbodman einen schönen Ausblick über den Bodensee. Hier blühen schon die Kastanien. Es geht dann abwärts zum Bodensee und bei Bodman laufe ich durch ein Naturschutzgebiet mit Schilfbeständen und Weiden wo die Nachtigallen singen und Blässhühner und Stockenenten schwimmen. Hier verlasse ich dann den Nord Süd Trail endgültig und nehme ab jetzt für die letzten fünf Tage bis Stuttgart eine eigene Route.

Lange laufe ich auf einem Pfad durch ein schönes Mischwaldgebiet, überquere die A 98 und erreiche Stockach. Hier treffe ich mich mit Bärbel, einer 64-jährigen Frau, die aber wesentlich jünger aussieht und meinen Weg verfolgt, seitdem sie mein erstes Buch gelesen hat. Wir folgen ab jetzt dem Heuberg-Allgäu Weg des Schwäbischen Albvereins, auch HW 9 genannt. Bald lassen wir die Stadt hinter uns und wandern durch eine ruhige, abwechslungsreiche Landschaft zum Teil offen zum Teil bewaldet nach Hoppetenzell. Bärbel hat vier Seiten mit Fragen an mich notiert, die sie mir im Verlaufe unserer Wanderung stellt. Dabei geht es um mich als Person, um meine Reisen, den Wald, Praktisches zum Thema Wandern und mein aktuelles Projekt. Bärbel hat in einem Steuerbüro gearbeitet und ist seit zehn Jahren im Bereich Wald Meditation, Waldbaden und systemische Aufstellung tätig. Sie erzählt wie bürokratisch häufig die Forstämter die notwendigen Genehmigungen hierfür handhaben. Wie an vielen Stellen wäre auch hier etwas weniger Bürokratie und etwas mehr Wohlwollen eine gute Sache. Aus ihrer Erfahrung im Steuerbüro erzählt sie, dass auch in diesem Bereich die Bürokratie immer ausgeprägter geworden ist, über die Jahre. Es wäre dringend notwendig, auch hier einiges zu vereinfachen. Außerdem müsste die Regierung gegebene Versprechen auch einhalten. Als Beispiel hierfür erzählt sie, dass bei der Erteilung der Corona Hilfen gesagt wurde, dass darauf Steuern gezahlt werden müssen, aber nicht, dass diese zurückzuzahlen seien, sobald wieder bestimmte Umsätze überschritten worden sind. Eine ihrer Fragen finde ich besonders interessant: Was bezwecke ich mit meinem Projekt? Dazu muss ich sagen, dass ich mir nicht anmaße damit irgendetwas wirklich zu verändern. Allerdings glaube ich, dass auch kleine Denkanstöße, mit denen man einige Menschen erreicht, durchaus etwas Positives bewirken können. Ich sehe das ganz bescheiden, aber auch realistisch. Andererseits finde ich es ganz für mich persönlich sehr interessant, während der Wanderung mit den verschiedensten Leuten über ganz unterschiedliche Themen gesprochen zu haben. Ebenso fand ich es sehr interessant, das Thema Wandern in Deutschland aus meiner durch die internationalen Erfahrungen getönten Brille zu betrachten.

Auf Forstwegen wandern wir dann lange durch recht abwechslungsreichen Wald nach Neuhausen ob Eck. Hier treffen wir uns mit Franz, dem Lebensgefährten von Bärbel. Er hat in seinem Bus Kuchen und Herzhaftes mitgebracht und kocht für uns Kaffee, den wir auf Klappstühlen vor seinem Gefährt einnehmen. Die Beiden sind ebenso wie ich begeisterte Reisende, auch über dieses Thema haben wir uns viel zu sagen. Nach 2 Stunden zusammensitzen, verabschieden wir uns schließlich und ich setze meinen Weg alleine fort. Bald bin ich wieder in einem großen Waldgebiet, wo zwar überwiegend Fichten wachsen, aber fast überall junge Buchen darunter gedeihen. Schließlich suche ich mir im Fichtenwald ein Plätzchen für mein Cowboycamp. Ein schöner ereignisreicher Tag geht zu Ende.




















WdH 79 Von Weiterdingen nach Liggeringen

 



So, 26.4.2026


WdH 79: Von Weiterdingen nach Liggeringen


12:08 h, 40,8 km, 1051 hm Aufstieg, 1029 hm Abstieg 


Zusammenfassung: In der Abenddämmerung höre ich Laubfrösche rufen, was ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Der erste Teil meiner heutigen Wanderung führt weiter durch die abwechslungsreiche Kulturlandschaft des Hegau. Ich wandere wieder an Vulkankegeln, wie Hohenkrähen und Mägdeberg vorbei. Besonders toll finde ich, dass ich Pirole rufen höre und später sogar sehe, ein seltenes Ereignis, diesen tropisch anmutenden Vogel beobachten zu können! Ich umgehe Singen auf einer Route, die die Stadt vermeidet und laufe dann auf dem Querweg weiter. Hier geht es für meinen Geschmack durch zu viele Ortschaften. In Liggeringen werde ich von zwei Paaren angesprochen, ob ich fernwandere und nach kurzer Unterhaltung nach Hause eingeladen, wo ich im Bauwagen übernachten darf. Zuvor genieße ich eine Dusche und schönes Essen und vor allem gute Gespräche mit meinen Gastgebern. Clemens war Betriebsrat bei einer Klinik und kritisiert die meist prozentualen Lohnerhöhungen, die Lohnungleichheiten nur weiter verschärfen. Besser wären feste Eurobeträge, im Zweifelsfall in den unteren Lohngruppen mehr. Christiane ist als Krankenpflegerin auf Diabetes spezialisiert gewesen und meint, mangelnde Bewegung wäre für diese grassieren Krankheit ein Hauptfaktor. Alle sind sehr an meiner Wanderung interessiert und ich gebe natürlich gerne Auskunft über mich und mein Projekt.


Als ich noch vor Sonnenaufgang aufbreche, rufen bereits die Kuckucke. Bald gelange ich aus dem Wald und laufe an einem Schiffgebiet vorbei. Daher wohl die vielen Mücken… Bald geht es durch die Wiesen steil hoch zum Berg Hohenstoffeln.  Hier geht gerade die Sonne auf, wie schön! Im Wald steige ich aufwärts und Schilder verraten, dass sich hier ein Naturschutzgebiet befindet. Wie immer ist natürlich das Betreten außerhalb der Wege, das Lagern und so weiter verboten. Andererseits hat hier gerade eine große Holzerntemaßnahme stattgefunden. Das Holz liegt noch am Weg. Und die Rückassen sind viel zu dicht beisammen und stark zerfahren, so viel zum Thema Naturschutzgebiet… 

Ich verstecke meinen Rucksack und laufe dann hoch zum Gipfel. Am Gipfelkreuz liegt jemand in seinen Schlafsack eingemummelt, cooler Platz zum übernachten! Ich genieße die Aussicht bis zu den Schweizer Alpen und unterhalte mich dann noch kurz mit dem Mann, der hier übernachtet hat. Anschließend gehe ich zurück zu meinem Rucksack und laufe weiter. Der Sennhof am Rand des Berges, bietet noch einmal einen tollen Ausblick bis zum Bodensee und es gibt hier einen fließenden Brunnen.

Ab jetzt laufe ich durch eine sehr abwechslungsreiche Kulturlandschaft zum Teil auf Graswegen, zum Teil aber auch auf Asphalt. Nachtigallen, Gartenrotschwänze und Wendehalse rufen, besonders aber freut mich der Pirol, der aus den Erlen in einer Senke seine tropisch klingende Stimme ertönen lässt. Diesen auffallend gelben Vogel sieht man so gut wie nie, da er hoch in den Baumkronen lebt. 

Fast ständig ergeben sich schöne Ausblicke. Es gibt kleine Felder, Wiesen, Trockenrasen, Gebüsche und Hecken, sehr schön! Am Sittenberg steht ein Kreuz. Weiter geht es zur Burg Mägdeberg. Dort im Wald, wie auch am Hohenstoffeln, wächst viel Bärlauch.

Ich laufe an der Burg Hohenkrähen, die auf einem steilen Felsen liegt, vorbei, folge ein Stück der Straße und verlasse dann am Hegau Haus den Freiburg-Bodensee Weg, um Singen weitgehend zu umgehen. Zwei Rehe flüchten als von unten Fahrradfahrer und ich von oben komme. Kurz danach sehe ich unglaublicherweise zwei Pirole zunächst in einer hohen Weide, dann auf dem Gipfel einer abgestorbenen Fichte. Sie rufen sogar hoch flötend. Leider sind sie zu weit entfernt für ein gutes Foto. 

Ich überquere die A 81 und folge dann einige Zeit der Radolfzeller Aach, einem recht breiten Flüsschen. Hier sind sehr viele Leute unterwegs. Am Himmel steht ein Zeppelin, der natürlich zum Bodensee hervorragend passt.

Als Leute grillen, unterdrücke ich die Versuchung zu sagen „Das riecht ja lecker“ mit der Hoffnung darauf, etwas zu ergattern… 

Schließlich habe ich den Rand von Singen hinter mir gelassen und gelange bei Friedlingen im Wald wieder auf den Querweg.

Ich unterquere die B 33 und laufe teilweise durch Mischwald, teilweise am Waldrand auf Forstwegen nach Steißlingen. Am Waldrand wachsen sogar Elsbeeren, eine der seltenen Baumarten in Deutschland. In Steißlingen gönne ich mir einen Eisbecher. 

Aus dem Ort geht es aufwärts in den Wald. Hier komme ich vom Querweg ab, und finde einen schönen Pfad für eine Teilstrecke. Die markierten Wanderwege sind nicht immer die besten!

In Stahringen gelange ich wieder auf den Querweg. Hier fülle ich mir an einem Brunnen 3 Liter Wasser ab. Auf Asphalt geht es weiter nach Güttingen.

Dort laufe ich kurz falsch, bis ich realisiere, dass der NST hier den Querweg verlässt.

Vom Ort führt ein schöner Pfad aufwärts in den Wald. Am Waldrand blühen die Buchen unscheinbar. Der Aaronstab lässt schon seine Fruchtkörper sprießen. Als ich in die Flur gelange, erhalte ich fantastische überblicke über den jetzt nahen Bodensee mit seinen Inseln und die schneebedeckten Schweizer Bergen dahinter.

Weiter geht es auf einem asphaltierten Feldweg. Jetzt haben sich die Schleierwolken weitgehend wieder aufgelöst, die heute Mittag erschienen waren, und der blaue Himmel ist zurück. Hier stehen Obstbäume, teilweise sogar auf den Feldern. Wahrscheinlich wären die an den meisten anderen Orten längst verschwunden, weil sie den Maschinen natürlich im Weg sind.

Vor Liggeringen, sehe ich gleich drei Turmfalken. Einen kann ich in einem Mistel besetzten, abgestorbenen Obstbaum gut fotografieren. Zwei Wanderer mit großen Rucksäcken, die mir entgegen kommen, haben merkwürdigerweise offensichtlich keine Lust ein paar Worte mit mir zu wechseln und laufen rasch weiter. 

Am Ortsausgang kommen mir zwei Paare Ende 60 entgegen, Clemens spricht mich an, ob ich auf einer Fernwanderung sei. Daraus ergibt sich eine kurze Unterhaltung, an deren Ende ich eingeladen werde, bei Clemens und seiner Frau Claudia zu übernachten. Die anderen beiden sind der Bruder von Clemens, Felix und dessen Frau Christiane. Ein Stück weiter bei ihrem schönen Haus, darf ich mich im Bauwagen im Garten einrichten und dann erst mal Rasieren und Duschen, welch eine Wohltat! Danach essen wir zusammen draußen, und ich beantworte ganz viele Fragen zu mir, zu meinem Projekt und zum Wandern allgemein. Clemens hat zunächst Feinmechaniker gelernt, dann zum Krankenpfleger umgeschult und war die letzten 13 Jahre seines Berufsleben Betriebsrat in einer Klinik. 

Er erzählt später, dass er die prozentualen Lohnerhöhungen die in der Regel bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften vereinbart werden, für problematisch hält, da sie Lohnungleichheiten verstärken. 

Seine Frau hat sich im Wesentlichen um die vier Kinder gekümmert. Felix war Lehrer und zuletzt für die Ausstattung der Schulen mit Medien zuständig. Seine Frau Christiane hatte sich als Krankenpflegerin später auf Diabetes und dessen Prävention spezialisiert. Sie meint ein häufig unterschätzter Hauptfaktor für die Krankheit sei die mangelnde körperliche Bewegung vieler Leute heute. Natürlich sprechen wir auch über mein „Hoffnungs-Projekt“ Ebenso wie ich denken meine neuen Freunde, dass die Politik in Deutschland wieder handlungsfähig gemacht werden muss, zum Beispiel durch eine Verlängerung der Wahlperiode, aber die Beschränkung auf eine Amtszeit, damit in der Regierungszeit auch unbequeme, aber dringend notwendige Reformen eingeleitet werden. Was das angeht, sind alle der selben Meinung wie ich, das erheblicher Bedarf in allen möglichen Bereichen in Deutschland besteht. Ebenso halten Sie das Thema Mut für einen Schlüsselfaktor und den Abbau von Bürokratie wo diese unnötig ist, für dringend geboten. Obwohl diese Leute, und wie sie mehr bestätigen, der ganze Landkreis Konstanz ziemlich reich ist, sind auch sie der Meinung, dass die stark zunehmende ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland ein großes Problem ist, was durch eine Änderung der Besteuerung zumindest beschränkt werden kann. Clemens und Claudia haben seit relativ kurzer Zeit das Fernwandern für sich entdeckt und sind seit zwei Jahren Trailangel für den Nord Süd Trail. Allerdings haben sie außer mir bisher erst einen Gast gehabt. Nach guten Gesprächen mit diesen freundlichen Leuten lege ich mich schließlich im Bauwagen schlafen.





















Samstag, 25. April 2026

WdH 78 Von Achdorf nach Weiterdingen

 



Sa, 25.4.2026


WdH 78: Von Achdorf nach Weiterdingen


10:44 h, 36,4 km, 936 hm Aufstieg, 1017 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Morgens folge ich zunächst noch der Wutach, die hier ein ganz normaler Fluss ist, und wandere dann zu den Schleifenbachfällen in der Nähe von Blumberg. Diese fallen in drei Stufen jeweils mehrere Meter in Pools ab und bieten ein für deutsche Verhältnisse spektakuläres Schauspiel. Bald verlasse ich den Schluchtensteig und folge ab jetzt dem Querweg Freiburg-Bodensee. Allerdings suche ich mir heute zu einem großen Teil meiner eigene Route, um einige Ortsdurchquerungen zu vermeiden. Ein Abschnitt ist sehr schön, die Alte Poststraße, die über einen Höhenrücken verläuft. Von hier ergeben sich zahlreiche Ausblicke über die Vulkankegel des Hegau bis zum Bodensee. Da es nirgendwo Wasser gibt, erbitte ich mir an einem Gut 1,5 l. Ich steige hoch zur Ruine Hohenheven, wo ich einige Schwalbenschwanz Schmetterlinge sehe, die hier oben ihren Hochzeitsflug absolvieren. Weiter geht es durch summende und blühende Trockenrasen, sehr schön! Schließlich schlage ich in einem Laubwald unterhalb der Burg Hohenstoffeln mein Freiluftlager auf, wo die ersten Mücken der Saison aktiv sind.


Morgens laufe ich zunächst auf einem Fahrweg durch ziemlich zerpflücken Wald, der offenbar vom Borkenkäfern stark betroffen wurde. Weiter geht es durch die Wiesen oberhalb des Wutachtals, die Wutach ist hier lediglich ein ganz normaler Fluss. Man kann sich kaum vorstellen, wie großartig die Wutschlucht ein Stück weiter aufwärts ist. Bei Achdorf überquere ich den Fluss auf einer Brücke und steige bald auf zu einem sehr grünen Laubwald. Hier drin verborgen und über Leitern erreichbar sind die Schleifenbachfälle. Hier fällt der Bach in drei Stufen, unter denen sich jeweils ein Pool befindet, mehrere Meter tief in einer engen Schlucht spektakulär ab. Ein weiteres tolles Naturschauspiel! 

Ich wandere aus der Schlucht und gehe dann durch den Wald oberhalb von Blumberg, wo ich noch einmal eine richtig große Tanne sehe. 

Auch heute hat es in den Tälern gefroren, aber bald scheint die Sonne wieder aus einem wolkenlosen Himmel und erwärmt das Land.

Es geht durch den Buchenwald am Buchberg, und bald danach verlasse ich den Schluchtensteig endgültig und folge ab jetzt grob dem Querweg Freiburg- Bodensee.

Ein Pfad führt am Waldrand entlang, oberhalb von Magerrasen mit Wachholder. Aus den Gebüschen ertönt der Gesang der Klappergrasmücke.

Ich überquere eine Straße und gelange in den Buchenwald, wo ich zunächst einem Pfad folge. Bald geht es dann allerdings auf Fahrwege, überwiegend durch die offene Landschaft, wo ich ständig Straßenlärm höre und schließlich Randen erreiche.

Hinter dem Ort springt ein kleiner, brauner Frosch über den Asphalt. Kann das sein, dass hier die Entwicklung vom Laich zum fertigen Frosch schon abgeschlossen ist?

Im Wald weiche ich vom NST ab, da ich den Schlenker nach Riedöschingen vermeiden will. Bald gelange ich in die offene Flur, wo es runter zu einer Straße und dann hoch zum Waldrand geht. Hier treffe ich dann auch den NST wieder. Auf einem Wirtschaftsweg geht es durch alten, dichten Fichten -Tannenwald.

Dann folge ich einem krass Grasweg am Waldrand entlang, wo sich tolle Aussichten über Tengen, die vulkanischen Bergkuppen der Umgebung bis hin zur Burg Hohenstoffeln, mit einem doppelten Hügel, meinem heutigen Ziel ergeben.

Am Waldrand entlang geht es zu einer Straße, wo eine Freiflächensolaranlage steht. Kurz danach wandere ich in den Wald. Auf einem Grasweg ziehe ich meine Schuhe aus, und laufe eine Strecke barfuß. Das tut gut und ist bestimmt auch nicht schlecht zur Kräftigung der Füße. Man sollte so etwas viel öfter machen!

Ich folge dann lange dem Alten Postweg, der über einen Höhenrücken führt, und fantastische Ausblicke zu den Vulkankegeln des Hegau bis zum Bodensee bietet. Leider ist das Licht jetzt um die Mittagszeit etwas grell. Daher sind die Schweizer Alpen kaum auszumachen, aber ich kann mir vorstellen, dass das hier bei klarem Wetter ein wundervolles Panorama ist. In der Nähe der Napoleon Hütte laufen viele Leute in Tracht herum, offenbar Angehörige einer Musikkapelle.

Auf dem schönen Weg sind etliche Leute unterwegs mit Fahrrädern und auch zu Fuß, an vielen Stellen gibt es Sitzgelegenheiten um die Aussicht zu genießen. Schließlich verlasse ich den Freiburg-Bodensee Weg, der einen Schwenk nach Engen macht, und laufe direkt zum Hohenheven, einem Vulkankegel mit Burg. 

Meist laufe ich auf asphaltierten Feldwegen. Bei zwei Höfen ist kein Mensch zu sehen, aber bei einem Gut unterhalb des Bergs sehe ich eine Frau auf dem Balkon und rufe ihr zu, ob ich Wasser haben kann. Tatsächlich kommt sie dann mit anderthalb Litern, die ich dringend nötig habe, da es hier ansonsten nirgendwo Wasser gibt. Ein relativ steiler Aufstieg führt mich zur Burg Hoheneven. Hier sind einige Leute unterwegs, da man einen Turm besteigen kann. Allerdings ist die Aussicht nicht gerade berauschend. Was mir viel mehr gefällt, sind die Schwalbenschwänze, die hier durch die Luft fliegen. Diese schönen Schmetterlinge lieben solche erhöhten Punkte für ihre Hochzeitsflüge. Es blühen bereits Schöllkraut, Wiesenstorchschnabel und Salbei. 

Ich folge dann einem Pfad bergab im Wald, wo die Kuckucke rufen und der Waldmeister blüht. Am Waldrand verlasse ich wieder den NST, der hier einen Schlenker nach Welschingen macht und nehme stattdessen eine direktere Route in Richtung der Ruine Hohenstoffeln. Es geht durch traumhafte Trockenrasen, wo es summt und zirpt und schon allerhand blüht. Außerdem wachsen hier jede Menge Sträucher, von Weißdorn bis zum Schneeball. 

Am Mühlbach fülle ich mir meinen Wassersack mit 2 l auf, zum ersten Mal auf dieser Wanderung! Der Bach fließt nicht nur durch Wald, daher fülle ich mir hier nur ungern mein Wasser ab. Aber der Liter den ich noch habe, ist bei der Wärme definitiv zu wenig. Hier an der Straße werden schon die ersten Wiesen gemäht. Bald geht es aber wieder in den schattigen Laubwald, wo ich schon früh unter Douglasien, die von Buchen umgeben sind, mein Freiluftlager aufschlage. Zum ersten Mal auf dieser Wanderung, schwirren hier einige Mücken umher. Es ist auch abends hier auf 530 m Höhe ziemlich mild. Eigentlich hatte ich vorgehabt, bei der Ruine Hohenstoffeln zu lagern, aber ich fürchte, dass dort an diesem schönen Samstag noch lange viel los ist. 

Die Mücken verschwinden erst, als es richtig dunkel ist und langsam kälter wird. Später höre ich dann noch Laubfrösche rufen, seit vielen Jahren das erste Mal wieder für mich!