Sonntag, 19. April 2026

WdH 72 Von der Kalten Herberge zum Feldberg

 




So, 19.4.2026


WdH 72: Von der Kalten Herberge zum Feldberg


12:11 h, 39,9 km, 1301 hm Aufstieg, 995 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nachdem ich losgegangen bin, sehe ich entfernt den oben noch schneebedeckten Feldberg, mein heutiges Ziel. Ich passiere Neustadt und verlasse am Hochfirst den Mittelweg, dem ich etwa drei Tage lang gefolgt bin. Dieser hat mir tatsächlich auch nur so mittel gefallen. Zu viele Forstwege, teilweise Asphalt und streckenweise in Straßennähe. Allerdings fand ich den kilometerlangen Pfad durch die Plenterwälder hinter Freudenstadt grandios. 

Ab Titisee folge ich dann wieder dem Westweg. Ich streife Hinterzarten und steige zum Feldberg auf, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Erstaunlicherweise ist an diesem Sonntag fast niemand hier oben, außer mir nur eine E-Bikerin und Sabrina und Reto, die auf dem Westweg nach Basel laufen wollen.  

Auch als ich absteige, liegt zum Teil noch Schnee auf den Wegen und bei meinem Lagerplatz auf über 1300 m Höhe im Wald. 


Am Morgen geht es zunächst auf einem Asphaltsträßchen weiter nach oben. Es dauert nicht lange, dann sehe ich einen breiten, oben noch schneebedeckten Berg vor mir. Der Feldberg! Im Wald hier wachsen viele mächtige Fichten, teilweise auch Tannen. Ich passiere das einsame Gasthaus Hochberg und laufe teilweise am Waldrand mit Blick über die Wiesen.

Während ich so weiter durch den ruhigen Morgen im Wald laufe, singen die Misteldrosseln, und über mir erstreckt sich ein weitgehend bewölkter, aber freundlicher Himmel.

Ich überquere eine Straße und laufe durch einen weiteren alten Fichtenwald. Als ich aus dem Wald komme, gibt es eine schönen Ausblick zum Feldbergmassiv, was jetzt schon deutlich näher gekommen ist. Wolken und Sonne heute Morgen geben schöne Farbspiele. Bei einer Quelle in einer Wiese kann ich meine Wasserflasche wieder auffüllen und sehe einen Rotmilan über dem Wald kreisen. 

Ich überquere eine weitere Straße und laufe dann lange durch großenteils alten Fichtenwald. Bei der Max-Engelmann Hütte ergibt sich noch einmal eine schöne Aussicht Richtung Feldberg. Von hier steige ich durch die Wiesen nach Neustadt ab.

Neustadt macht auf mich einen netten Eindruck. Die Kirche ist für einen so kleinen Ort ziemlich riesig. Ich kehre in einem Café ein, wo mich ein offensichtlich italienischer Gast auf meinen Rucksack anspricht und fragt, ob ich auch ein Zelt dabei habe. Er selber wandert auch gerne und ist schon von München nach Venedig über die Alpen gelaufen. Frisch gestärkt geht es weiter. Doch zunächst suche ich die öffentliche Toilette am Weg auf. Die ist kostenlos und erstaunlich saube. Schade, dass das in Deutschland eher selten der Fall ist, entweder gibt es gar keine Klos oder man muss dafür bezahlen. Auf schmalen Pfaden geht es durch den Fichtenwald empor Richtung Hochfirst. Ein Stück folge ich einen Bächlein, was über eine üppig grüne Stufe abfällt.

Schließlich verlasse ich beim Saiger Kreuz den Mittelweg und laufe direkt nach Titisee, knapp 5 km weit.

Heute am fünften Tag nach Karlsruhe, drückt der Rucksack nirgendwo mehr, was in den vergangenen Tagen ganz anders war. Natürlich ist er inzwischen auch ein bisschen leichter, aber wahrscheinlich habe ich mich auch wieder an diesen so ganz anderen Rucksack gewöhnt. Eine große Tanne am Weg mit über 1 m Durchmesser ist zum Fällen ausgezeichnet. Muss das wirklich sein? Es gibt hier ohnehin nur relativ wenig Tannen und so alte, majestätische erst recht nicht. Kann man so einen Baum nicht einfach mal stehen lassen?

Als gegen elf der Titisee tief unter mir erscheint, hat sich der Himmel ziemlich verdunkelt und es sieht nach Regen aus.

Es fallen dann aber lediglich ein paar Tropfen. Schließlich erreiche ich den Titisee mit dem gleichnamigen Ort. Dieser ist ein wahrer Touristenmagnet, neben vielen deutschen sind offensichtlich auch etliche ausländische Gäste hier unterwegs. Es gibt ein üppiges Angebot an Hotels, Gastronomie und einschlägigen Souvenirläden. Mir ist hier viel zu viel los, daher suche ich rasch das Weite. In Titisee gelange ich auch wieder auf den NST, der hier dem Westweg folgt. Ich nehme aber zunächst eine Variante durch den Wald, da ich keine Lust habe, am Seeufer mit Campingplatz weiter zu laufen. 

Schließlich gelange ich wieder auf den mit einer roten Raute gekennzeichneten Westweg und folge ihm weiter, auf schmalen, Wegen durch den Fichtenwald zur Skischanze an der Kessler Höhe oberhalb von Hinterzarten.

Ich steige dann bis an den Rand von Hinterzarten ab, wo sich ein Blick auf den Ort mit seinen großen Hotels eröffnet. Bald geht es wieder bergan, meist auf Pfaden. Ich passiere einen kleinen Teich, wo Biber an den Bäumen ihre Spuren hinterlassen haben. Hier blühen viele Sumpfdotterblumen und weiße Pestwurz. Rechts ragen steile, moosbedeckte Granitfelsen auf.

Ich erinnere mich daran, wie ich 2021 auf meiner großen Deutschlandtour, mit Mädels der Greenpeace-Gruppe Freiburg hier hoch gestiegen bin. Damals hat es geregnet und es war ziemlich kalt. Dennoch war unsere Stimmung gut. Tatsächlich bin ich ja schon häufiger auf den Feldberg gewandert, allerdings ist dies das erste Mal, das ich alleine bin. Das ist etwas ganz Anderes, da man alleine seine Umgebung viel intensiver wahrnimmt. Wenn man mit anderen zusammen ist, unterhält man sich in der Regel und ist dadurch ziemlich abgelenkt. Obwohl das natürlich auch durchaus schön sein kann.

Als das Terrain etwas abflacht, führt ein Forstweg durch die Wiesen am Häusle Bauernhof vorbei, wo es eine Getränkestation gibt. Hier habe ich noch einmal einen Blick zum Feldberg, der bereits deutlich näher gekommen ist. Weiter geht es auf einem Forstweg durch den Fichtenwald zur Schutzhütte Rufenholzplatz. Insgesamt sind trotz recht schönem Wetter hier erstaunlich wenig Leute unterwegs. Aber als ich meine Schokolade esse, kommt ein Wandererpaar vorbei, und wir kommen ins Gespräch. Die beiden sind in Titisee gestartet und wollen in fünf Tagen den Westweg bis nach Basel laufen. Sie übernachten in der Regel an Schutzhütten.

Hinter der Hütte geht es im Wald weiter hoch. Als ich an einen Abzweig komme, biege ich vom Westweg ab. Nach einem kurzen Stück gelange ich dann auf den Steig, der den Sägenbach hoch führt. Ab 1200 m Höhe gibt es erste Schneeflecken. Stellenweise sind hier die alten Fichten abgestorben. Allerdings sind diese Flächen eher klein, im Vergleich zu anderen Gebieten.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und laufe über die Wiesen zur Baldenweger Hütte. Es ist klar heute, so dass ich tolle Aussichten genießen kann. Es gibt zwar noch etwas Schnee, aber der ist kein Problem. Weiter geht es aufwärts zu den Grasflächen auf dem weiten Gipfelplateau des Feldbergs. Der Gipfel ist unscheinbar mit verschiedenen Anlagen versehen. 

Schließlich erreiche ich den Gipfel, mit 1493 m der höchste Punkt meiner Wanderung. Es regnet hier an zwei von drei Tagen, insgesamt 1900 mm im Jahr,  fast so viel wie im Regenwald! Dennoch gibt es hier oben viele Sonnenstunden, allerdings liegt die Jahresmitteltemperatur nur bei 3°. Das ist eben so kalt wie in Nordnorwegen. Obwohl heute Sonntag ist und das Wetter keineswegs schlecht, ist außer mir nur noch eine E-Bikeerin hier oben, und das Paar, was ich an der Hütte getroffen hatte. So einsam hab ich den Feldberg noch nie erlebt!

Südlich vom Feldberg beginnt Neuland für mich, wo ich noch nie war. Ich bin gespannt!

Schließlich steige ich ab durch die Wiesen zur St. Wilhelmer Hütte, wo ich Sabrina und Reto wieder treffe, ein wanderbegeistertes Paar aus Köln um die 40. Neben dieser Tour wollen sie im Sommer drei Monate in Österreich und Slowenien wandern. Auch als ich weiter wandere, ist der Weg zum Teil noch schneebedeckt. Schließlich schlage ich abseits in einem mittelalten Fichtenwald mit Schneeflecken mein Lager auf. Es ist ziemlich kühl und windig hier auf etwa 1300 m, aber im Wald ist es o.k. 


























Samstag, 18. April 2026

WdH 71 Von hinter Schiltach zur Kalten Herberge

 



Sa, 18.4.2026


WdH 71: Von hinter Schiltach bis zur Kalten Herberge


12:45 h, 44,8 km, 1020 hm Aufstieg, 833 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Als ich heute weiter auf dem Mittelweg laufe, hat sich die Landschaft verändert. Statt den riesigen, geschlossenen Wäldern des Nordschwarzwalds, sind hier immer wieder Wiesen mit vielen einzelnen Höfen eingesprengt. Der Wald ist nicht mehr so grandios, sondern wird von fast reinen Fichtenbeständen dominiert. Es wird höchste Zeit, hier den Umbau zum Mischwald einzuleiten. Aber ich fürchte, das wird von selber kaum geschehen, und die Waldbesitzer werden bei der nächsten „Katastrophe“, seien es Borkenkäfer oder Stürme, wieder nach dem Staat rufen. Eigentum verpflichtet, und der Staat müsste hier viel klarer vorschreiben, was im Wald zu tun ist. Auf einem Abschnitt passiere ich Windräder, und laufe teilweise auf asphaltierten Wirtschaftswegen. Zweimal folgt der Mittelweg längere Zeit einer Straße, was ich nicht besonders schön finde. Ich durchquere Sankt Georgen, wo ich mich an meinen Besuch 1983 erinnere, zur Zeit des „Waldsterbens“ Damals sahen die Tannen wirklich schlecht aus, haben sich aber glücklicherweise erholt, da die Politik gehandelt hat. Entschwefelungsanlagen und Katalysatoren wurden eingeführt, womit das Problem weitgehend gelöst wurde. Heute ist der Klimawandel die nächste, ungleich größere Herausforderung. Ich hoffe auch dafür wird es Lösungen geben. 

Hinter dem Gasthaus Kalte Herberge schlage ich schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf.


Nach einer ruhigen Nacht bin ich morgens früh schon unterwegs. Durch den Wald geht es hoch bis auf 881 m Höhe am Mooswald Turm, wo es auch eine Gaststätte des Schwarzwaldvereins gibt. Von hier geht es runter zur Straße bei Fahrenbühl. Obwohl es hier zwei Hotels gibt,  ist um diese Zeit natürlich noch alles ruhig. Im Sonnenaufgang laufe ich dann durch die Wiesen auf einem asphaltierten Weg. Schließlich geht es in den Wald. Wobei hier im mittleren Schwarzwald die Wälder nicht so stark dominieren wie weiter im Norden. Immer mal wieder komme ich auch an Wiesen vorbei, wo auch stets irgendwo ein einzelner Hof in Sicht ist, etwas was typisch für den Schwarzwald ist. Ich komme in der Nähe einiger Windräder vorbei, dort sind die Waldwege sehr breit. Was häufig vergessen wird, im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern im Wald ist, dass die für den Standort gerodete Fläche relativ klein ist, aber da die Wege in der Regel stark verbreitet werden müssen, viel mehr Waldverlust hinzukommt. Außerdem sind diese breiten Trassen Angriffspunkte für Stürme und tragen zur allgemeinen Austrocknung des Waldes bei. D.h. meine Meinung bleibt klar: Windräder im Wald sollten, wenn überhaupt, nur der absolute Ausnahmefall unter sehr günstigen Bedingungen sein. 

Der Wald besteht hier meist aus Fichten, aber auch Tannen sind noch dabei. Ein Eichhörnchen turnt vor mir an einem Stamm hoch. Ich sehe eine Tannenmeise und einen Kleiber. Ich passiere den Windkapf, eine Höhe mit Gasthaus auf etwa 900 m und laufe zunächst auf einem asphaltierten Weg weiter.

Bald geht es aber auf einem Forstweg durch den Wald. Ein Schwarzspecht fliegt rufend über die Bäume. Schließlich gelange ich wieder in offenes Gelände mit Wiesen und verstreuten Höfen. Hier sind die Wege wieder hauptsächlich asphaltiert. An einer Quelle in einer Wiese kann ich mir endlich Wasser auffüllen.

Hinter dem Zuckerhof bis Sankt Georgen geht es wieder durch den Wald, teilweise sogar auf Pfaden. An diesem schönen Samstag sind hier schon einige Radfahrer unterwegs.

Ich erinnere mich daran, wie ich 1983 auf meiner Reise durch Deutschland mit dem Tramper Monatsticket der Bahn hierher gekommen war. Das war die Zeit des sogenannten Waldsterbens. Tatsächlich sahen damals vor allem die Tannen im Schwarzwald sehr schlecht aus. Manche sagen, beim Waldsterben ist alles übertrieben worden und dass es heute bei der Klimakrise genauso ist. Allerdings muss man sagen, dass man damals gehandelt hat. Entschwefelunganlagen für Kraftwerke wurden eingeführt und Katalysatoren für PKW’s. Das hat das Problem glücklicherweise weitgehend gelöst. Im Umkehrschluss heißt das, dass auch unsere heutigen Probleme lösbar sind, auch wenn sie größer und schwieriger erscheinen!

In Sankt Georgen kehre ich im Café des Edeka ein. Frisch gestärkt laufe ich dann aus dem Ort. Am Waldrand sehe ich die bisher größten Tanten im Schwarzwald, mit über 1,5 m Durchmesser. Was für Bäume!

Am Waldrand in der Nähe von Brigach kreist ein Rotmilan. Der Mittelweg ist hier nie besonders weit vom Waldrand entfernt und verläuft zum Teil auf Pfaden. Der Wald ist komplett von Fichten geprägt, allerdings geben Ebereschen und Holunder entlang der Wege den Eindruck, dass wenigstens noch ein paar andere Gehölzarten vorhanden sind.

Längere Zeit folgt der Mittelweg dann als Pfad einer Straße. Nicht gerade das schönste Wandererlebnis…

Es geht über den mehr als 1000 m hohen Kesselberg, und an einer Stelle passiere ich einen historischen Galgen, wo noch im 18. Jahrhundert Menschen hingerichtet wurden. Ich passiere die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau und dann wendet sich der Weg endlich ab von der Straße. Mittlerweile sind heute sehr viele E-Biker unterwegs.

Schließlich geht es in den Wald aufwärts zum Stöcklewaldturm. Bis nach Furtwangen bleibe ich jetzt meistens im Wald. Nur an einigen Stellen gibt es auch Wiesen. Der Wald ist sehr einförmig und besteht fast ausschließlich aus Fichten. Dabei sind durchaus auch noch alte Bestände vertreten. Stellenweise wächst dichte Naturverjüngung darunter, aber wiederum nur aus Fichten. Lediglich an den Wegen gibt es vereinzelt alte Tanten. Dass Mischwald stabiler ist und man dringend weg muss von den reinen Fichtenwäldern scheint hier noch nicht angekommen zu sein. Wenn aber Stürme oder Borkenkäfer den Wald verheeren wird bestimmt auch hier wieder nach dem Staat gerufen, der für die so genannte Katastrophe entschädigen soll, wie das bisher immer geschehen ist. Solche schädlichen Subventionen sollte der Staat unterlassen. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass er seinen Wald zum Mischwald umbauen muss, ist letztenendes selber schuld, wenn er irgendwann vor riesigen Kahlflächen steht.

Nun, Eigentum verpflichtet ja auch. Bei der großen Bedeutung des Waldes für uns alle, sollte der Gesetzgeber doch hier viel stärkere Forderungen an die Waldeigentümer stellen. Selbstverständlich muss im Staatswald mit gutem Beispiel vorausgegangen werden, was leider längst noch nicht überall der Fall ist. Zu denken, angesichts des Klimawandels, der ja auch bei uns angekommen ist, man kann mit der herkömmlichen Fichtenwirtschaft weitermachen wie bisher ist ein arger Trugschluss wie sich wahrscheinlich schon in der nächsten Dürre, die diesmal vielleicht auch in Süddeutschland zuschlägt, zeigen wird. Jetzt ist die Zeit zum Handeln, aber rasch!

An den Wegen blüht hier stellenweise die Weiße Pestwurz.

Schließlich geht es runter in die Industriestadt Furtwangen. Als ich langsam aus der Stadt raus laufe, komme ich an drei vielleicht zehn- bis zwölfjährigen Jungs vorbei, die dort bei ihren Fahrrädern sitzen. Kaum bin ich vorbei, schmeißt doch tatsächlich einer mit einem Fichtenzapfen nach mir und trifft mich am Bein. Das kann natürlich nicht ungestraft geschehen! Ich hebe einen Zapfen auf, gehe auf die Jungs zu, der Übeltäter rennt weg, aber ich treffe ihn am Bein. Rache ist süß! Natürlich ist das alles nur Spaß und niemand wird wehgetan. 

Aus dem Ort geht es etwa 200 Höhenmeter recht steil hoch bevor das Terrain auf ungefähr 1000 Höhe Meter Höhe wieder abflacht. Eine Zeit lang verläuft der Weg dann meist als Pfad parallel zu einer Straße, bevor er an der Heubacher Höhe auf den Westweg trifft, der hier für ein Stück deckungsgleich mit dem Mittelweg ist.

Schließlich erreiche ich das Gasthaus Kalte Herberge. Dort hatte ich um Weihnachten 2003 schon mal übernachtet.

Damals hatten wir vor, auf Ski durch den Schwarzwald zu laufen. Da aber kein Schnee lag, sind wir stattdessen auf dem Westweg gewandert.

Ein nettes Paar aus Stuttgart, das mit seinen Kindern dort ist, spricht mich vor dem Gasthof an und fragt, was ich so mache.

Nach kurzer Unterhaltung laufe ich weiter auf dem Mittelweg, der Westweg ist hier abgebogen, und schlage schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf. 
















Freitag, 17. April 2026

WdH 70 Von Freudenstadt bis hinter Schiltach

 



Fr, 17.4.2026


WdH 70 Von Freudenstadt nach hinter Schiltach


13:00 h, 42,3 km, 1042 hm Anstieg, 1025 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nach meinem Aufbruch gelange ich nach Freudenstadt, ein hoch gelegener, recht großer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten hatte. Weiter geht es auf dem Mittelweg nach Zwieselberg, wo der Tourismus wohl schon bessere Zeiten erlebt hat. Hinter dem Ort beginnt ein fantastischer Abschnitt. Über Kilometer wandere ich auf einem schmalen Pfad, der einer alten Grenze folgt, durch beeindruckende, alte Tannen-Fichtenwälder. Dabei handelt es sich um so genannten Plenterwald. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, das alte und junge, große und kleine, dicke und dünne Bäume zusammen auf der selben Fläche stehen. Hier werden stets nur einzelne Bäume genutzt, und starke Auflichtungen komplett vermieden. Das ist zwar kein Naturwald, denn eigentlich würde es hier viel mehr Buchen geben, aber trotzdem ist dieser Wald sehr schön. Schließlich geht es auf Forstwegen weiter, und dann lange abwärts ins Kinzigtal nach Schiltach. In dem netten, auf lediglich ungefähr 400 m gelegenen Ort, stärke ich mich und steige dann steil wieder auf. Es dauert lange, bis ich abends ein geeignetes Plätzchen für mein Cowboy Camp finde, aber schließlich kann ich zur Ruhe kommen.


Noch in der Abenddämmerung fliegt eine Waldschnepfe rufend über mir. Ein Reh bellt heiser in der Nähe, ansonsten ist die Nacht ruhig. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen und ich gelange aus dem Wald durch die Wiesen hinab nach Freudenstadt. Ein größerer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten habe. Leider sind die Cafés zu dieser frühen Stunde noch geschlossen, daher kann ich mir kein Heißgetränk gönnen.

Schließlich verlasse ich die Stadt und wandere durch beeindruckende Wälder vor allem mit vielen alten Tannen, meist auf Forstwegen weiter. Aus dem Tal der Kleinen Kinzig, führt ein Pfad hoch nach Zwieselberg, einem kleinen Ort, der so wirkt, als seien die goldenen Zeiten des Tourismus lange vorbei.

Weiter geht’s auch auf einem Pfad durch alten Tannen-Fichtenwald. Hier liegen gefällte Bäume. Aber im Gegensatz zu anderen Bildern, die ich schon auf dieser Reise gesehen habe, sieht man hier den Eingriff dem Wald überhaupt nicht an. So muss das sein! Früher galt der Grundsatz, dass man beim Einschlag mäßig vorgeht. Das ist leider vielerorts offensichtlich in Vergessenheit geraten. Daher sehen viele Wälder, in denen gerade eine Holzernte stattgefunden hat, bei uns heute leider so aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Das muss aber nicht sein, wie dieses Beispiel hier zeigt.

Es ist sehr schön Kilometer weit auf dem schmalen Pfad durch die riesigen, schattigen Tannen- Fichtenwälder zu wandern. Lichtungen sind hier tatsächlich eine Seltenheit. Und wenn vorhanden, stets ziemlich klein. Die großen Kahlflächen, die andere Mittelgebirge prägen, habe ich hier bisher noch nicht gesehen. Der Pfad folgt übrigens einer alten Grenze. Was an zahlreichen  Grenzsteinen zu erkennen ist. Obwohl der Wald so schattig ist, wachsen fast überall Heidelbeeren ziemlich üppig. Außerdem gibt es dichte Moosteppiche, ein grünes Paradies!

Allerdings ist dies kein Naturwald, in dem ursprünglichen Wald hier waren Laubbäume, vor allem Buchen, viel häufiger. Da diese jedoch wesentlich weniger Wert hatten, sind sie im Laufe der Zeit aus dem Wald bis auf kleine Reste weitgehend verschwunden. Dabei kann man sich gut vorstellen, dass der Wald, wenn er noch gemischter wäre eine höhere Stabilität aufweisen würde und vielleicht sogar ertragreicher wäre, da das Buchenlaub auch zur Bodenverbesserung beiträgt. Allerdings, wenn man sich die stattlichen Bäume hier so anschaut, ist das wahrscheinlich nicht wirklich nötig, aus Sicht der Waldbesitzer.

Nachdem ich kurz an einen Fahrweg gelangt bin, führt ein Pfad weiter. Allerdings ist der Wald jetzt sehr anders. Mittelalte Fichten auf weiter Fläche. Die alten Bäume und das Miteinander von jung und alt, dick und dünn, hoch und niedrig, gibt es hier jetzt nicht mehr. Das ist tatsächlich eine Besonderheit der Plenterwälder, wie es sie in Deutschland nur im Schwarzwald, im Allgäu und im bayerischen Wald gibt. Traditionell ist das bäuerlicher Wald, indem stets nur einzelne Bäume genutzt wurden, nicht der ganze Wald kahlgeschlagen, wie dies sonst überall der Fall war. Der Penterwald ist auch heute noch eine durchaus profitable Form der Waldnutzung. Allerdings erfordert er viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung im Umgang mit dem Wald, was leider nicht überall vorhanden ist. Daher überwiegen auch im Schwarzwald die gleichförmigen Nadelwaldbestände, die man  kennt. Bald bin ich aber wieder in altem Wald.

Ein Stück weiter gibt es doch tatsächlich einmal Ausblicke in die dicht bewaldeten, grünen Hänge. Ein Pfad führt mich dann steil nach oben, ein kleines Stück wurde gerade von Maschinen zerfahren. 

Weiter geht es auf Forstwegen zur Emil-  und zur Salzlecke Hütte. Unterwegs überhole ich eine neun köpfige französische Wandergruppe. Dummerweise lasse ich meinen Nussbeutel an der Emil Hütte liegen, und als ich das merke, bin ich schon zu weit entfernt um wieder zurückzugehen. Ärgerlich!

Der Kamm, dem der Forstweg jetzt folgt, ist schmaler und fällt zu den Seiten steil ab. Daher ergeben sich immer wieder Ausblicke nicht nur über Wald, sondern zum Teil auch schon zu kleinen Wiesen auf ebenen Absätzen. Zwar gibt es auch noch älteren Wald aber oft laufe ich durch Bestände, die nach dem Sturm Lothar 1999 entstanden sind, meist Fichten, aber teilweise auch Douglasien. 

Schließlich beginnt der lange Abstieg nach Schiltach im Kinzigtal. Am Kohlbrunnen kann ich kühles Wasser trinken. Etwas später komme ich am ersten Haus vorbei und folge einem Asphaltweg weiter.

An einem schönen Gehöft vorbei, steige ich steil ab durch den Wald. Zuletzt folge ich einem Bach, der schließlich in einem Wiesengrund abflacht. Hier blühen schon die ersten Roten Lichtnelken  und ich sehe einen Trauermantel. Das ist ein großer, seltener Waldschmetterling, den man nicht allzu häufig sieht.

Schließlich erreiche ich das nette Fachwerkstädtchen Schiltach an der Kinzig, die kein tobender Fluss, sondern eher ein Bach ist. Hier genehmige ich mir erst einmal, wie schon häufiger, eine Schale Walnusseis und 1 l Milch. So gestärkt beginne ich dann den langen Aufstieg von lediglich etwas über 400 m Höhe. Ein Stück folge ich einem Steig, dann zieht sich ein Fahrweg im Hang empor. Einige Male kann ich noch Aussichten zurück ins Tal genießen. Ein E-Biker hält an und fragt, was ich so mache und wie ich übernachte. Er scheint voller Anerkennung zu sein. 

Am Höhengasthof Heuwiese flacht das Terrain schließlich ab. 

Ein Stück geht es auf einem Pfad durch den Wald, bis ich an eine Straße gelange. Danach komme ich an einigen Häusern vorbei. Allerdings ist ein Brunnen entweder eingezäunt oder ein Tümpel auf dem Enten schwimmen. Beides nicht optimal und es wäre schon schön, wenn ich meinen Wasservorrat noch auffüllen könnte. Dann komme ich am Waldrand an eine weitere Stelle, wo Trinkwasser auf meiner Karte eingezeichnet ist. Das ist aber lediglich ein Depot mit Getränken,  alle alkoholisch, die man erwerben kann. Bald geht es wieder steil aufwärts in den Wald. Es ist schon recht spät, aber kein guter Lagerplatz in Sicht. Mir begegnen 2 E-Mountainbiker, und trotz der späten Stunde heulen noch die Motorsägen. Schließlich verlasse ich den Weg und finde eine ebene Stelle im Fichtenwald für mein Cowboy Lager. Als es schon fast dunkel ist, fliegt auch heute eine Waldschnepfe rufend über mir.