Mittwoch, 22. April 2026

WdH 75 Von Ottwangen nach Au

 



Mi, 22.4.2026


WdH 75: Von Ottwangen nach Au


11:41 h, 38,8 km, 1332 hm Aufstieg, 919 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Teilweise durch Laubwald, teilweise durch die offene Flur mit Streuobstwiesen auf denen die Apfelbäume blühen, laufe ich am nächsten Morgen weiter. Vor mir ragen die Schwarzwaldberge auf, während sich jenseits der Schweizer Grenze das Jura erstreckt.  Hier nur durchzurennen, à la „Laufen, essen, schlafen“, wäre schade, denn es gibt überall Schönes und Interessantes zu sehen. Oberhalb des Wehra Stausees gelange ich auf den Schluchtensteig, dem der NST jetzt folgt. Dieser hat seinen Namen wirklich verdient, da er oft als schmaler Pfad spektakulär im Hang oder entlang von sprudelnden Nebenbächen führt. Obwohl dies eine sehr attraktive Strecke ist und keine Wolke am Himmel steht, begegnet mir nur ein Wanderer. Hier kommen viele Höhenmeter zusammen, daher bin ich froh, dass der Wandertag zu Ende ist, als ich mein Cowboycamp aufschlage. 


Es dauert nicht lange, bis ich am nächsten Morgen aus dem Wald gelangen. Hier äsen zwei Rehe auf einer Wiese. Durch die grüne, offene Landschaft geht es weiter nach Adelhausen. Überall rufen Gartenrotschwänze und ich sehe einen Rotmilan ganz nah in einem Baum sitzen. Hinter dem Ort geht es zunächst auf Asphaltwegen weiter.

Auf Forstwegen laufe ich durch ein weiteres Laubwaldgebiet. Hier gelange ich auf den anderen Arm des Westwegs. Anschließend geht es durch die offene Landschaft zur Hohe

Flum. Dort gibt es einen niedrigen Aussichtsturm aus Stein. Man hat von hier eine tolle Aussicht, sowohl zu den Bergen des Schwarzwalds,  als auch dem Jura, beziehungsweise dem Schweizer Mittelgebirge.

Weiter geht es meistens durch den Wald, teilweise aber auch in Waldrand Nähe. Überall gibt es Neues zu sehen, ob das die blühende Einbeere ist, mit vier Blättern, in deren Mitte die unscheinbare Blüte liegt, der weiß blühende Wiesenkerbel, die blühenden Heckenkirschen oder die unscheinbaren Blüten der Gräser. Auf dieser Höhe hat auch bereits die letzte Baumart ihre Blätter entfaltet, nämlich die Esche. Die Singdrosseln sind noch häufig zu hören, aber wir haben gestern tatsächlich schon eine junge gesehen, die aber noch kaum fliegen konnte.

Jetzt, wo die Tour langsam dem Ende zugeht, schweifen meine Gedanken relativ häufig ab. Das ist ja grundsätzlich gut. Beim Wandern kriegt man den Kopf frei und kann sich über vieles Gedanken machen, auch wie das eigene Leben weitergehen soll, und was man für neue Pläne schmieden will. Andererseits ist es schade, wenn man auf einer Wanderung,  gerade bei so tollem Wetter wie heute, und im Frühling, wo die Landschaft noch schöner ist als sonst, nicht wirklich in der Gegenwart ist. Tatsächlich nehme ich mir dann manchmal vor, auf jedes Detail ganz bewusst zu achten. Das schärft die Sinne und man sieht dann tatsächlich viel mehr. Im Buddhismus nennt man das ganze Achtsamkeit, ein Begriff, der bei uns ja auch in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Solche Begriffe kriegen ja schnell einen leicht esoterischen Touch, was mir eher fremd ist. Aber das Konzept  an sich finde ich nicht schlecht.

Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, wenn man das wandern. 

Wenn man das Wandern auf die Formel: Laufen, Essen, Schlafen reduziert, wie manche das ja tun, und sogar behaupten, dass für sie Landschaft und Natur keine große Rolle beim Wandern spielen, dann nimmt man sich ganz viel. Für mich ist das Erlebnis von Natur und Landschaft etwas ganz Wesentliches bei meinen Wanderungen. Selbst bei dieser Deutschlandtour, bei der ich mir ja bewusst vorgenommen hatte, pro Tag lange Strecken zu laufen, kommt dieses in die Natur eintauchen, keineswegs zu kurz.

Schließlich laufe ich wieder längere Zeit durch die Flur, leider meist auf Asphaltwegen. Eine Krähe in einem blühenden Obstbaum lässt sich nicht von mir stören. Über den Wiesen liegt, wie auch gestern schon, das Zirpen der Grillen. So kommt ein Hauch von Sommer in die Frühlingslandschaft. Linker Hand ragen die Waldberge des Schwarzwalds auf, durch die ich bald wieder wandern werde.

Hier auf den Streuobstwiesen finde ich das rosa-weiß der Apfelbäume besonders schön.

Schließlich verlasse ich den NST, der zum Beginn des Schluchtensteigs in der Stadt Wehr führt, stattdessen folge ich einem Radweg parallel zur Bundesstraße Richtung Hasel, laufe aber bald wieder auf Feldwegen. 

Auf dem Hotzenwald Querweg laufe ich durch den Ort Hasel. Hier auf einer Wiese, blüht schon der Salbei.

Teilweise auf Pfaden geht es wieder in den Wald. Gestern hatte ich mich noch mit Judith darüber unterhalten, heute ist er da: ich höre den ersten Waldlaubsänger! Dieser Vogel ist stets aus dem Winterquartier zurück, sobald die Buchen austreiben. Judith hatte tatsächlich schon welche gehört. Für mich ist das der Erste. Ich passiere einen mächtigen Bergahorn  mit etwa 1 m Durchmesser und sehe einige Eiben. Schließlich gelange ich zurück auf den NST, der hier dem Schluchtensteig oberhalb des Wehra Stausees folgt.

Zunächst laufe ich auf einem Forstweg, der dann aber bald in einen Steig übergeht, der durch den Steilhang verläuft. Der Wald hier ist eine Kernzone des Biosphärenreservats und gleichzeitig als Bannwald ausgewiesen. Hier wachsen Eichen neben Tannen, vor allem aber auch Buchen. Bei den Tannen finde ich die frischen, hellgrünen Triebe wunderbar. Teilweise ist der Pfad ziemlich steinig. An manchen Stellen gibt es regelrechte Geröllhalden, die nur locker, teilweise mit Haselnuss Sträuchern bewachsen sind. Es gibt relativ viel Totholz und einige ziemlich dicke Buchen.

Lediglich ein Mann begegnet mir. Ansonsten habe ich den Steig für mich alleine. Auch der Blick in die gegenüberliegenden Hänge mit den hellen Buchen und dunkleren Fichten und Tannen ist fantastisch. Das Wetter heute ist strahlend und wolkenlos. An manchen Stellen blühen viele Walderdbeeren, und ich sehe eine weghuschende Waldeidechse. Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut!

Schließlich steige ich zur Straße ab, wo ich die Wehra auf einer Brücke überquere. Hier hängen Plakate, die auf eine junge Frau hinweisen, die hier 2020 verschwunden ist. Eine Belohnung von 100.000 € wird auf sachdienliche Hinweise ausgelobt. Wahnsinn, kaum zu Glauben, dass man auf einer Wanderung in Deutschland spurlos verschwinden kann!

Auf der anderen Seite geht es einen Nebenbach, den Sägengraben sehr steil hoch. Toll, wie hier das Wasser über die Felsen plätschert. Die Farnwedel entrollen sich gerade, und es gibt Baumstämme, die von Polstern aus Moos und Sauerklee komplett bedeckt sind. Zwei nebeneinander stehende gigantische Tannen mit wahrscheinlich 1,50 m Durchmesser beeindrucken mich besonders. Schließlich verlasse ich den Bach und laufe auf einem Steig im Hang zurück zum Wehratal und laufe hoch über der Schlucht weiter. Auch hier auf 700 m Höhe ist die Buche bei weiten der dominierende Baum. Es gibt aber auch immer wieder einige alte Tannen. Fichten sind eher selten. Auf der anderen Schluchtseite gibt es an einigen Stellen steil aufragende Felsklippen. Etwas störend ist lediglich ab und zu der Lärm der Straße unten, vor allem durch Motorräder, aber das hält sich an diesem Wochentag in Grenzen.

Stellenweise ist der Steig etwas ausgesetzt d.h. er ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.

Schließlich folge ich einem Fahrweg runter nach Au im Wehratal, wo ich eine Zeit auf der Straße laufe.

Dann führt ein Grasweg, der in einen befestigten Weg übergeht, steil nach oben. Abseits des Wegs finde ich schließlich eine flache Stelle für mein Cowboycamp. Später raschelt es im Laub und ein Rehbock kommt ganz in der Nähe vorbei. Als er mich bemerkt, läuft er bellend davon. Außerdem fliegt ein Schwarzspecht vorbei.
























Dienstag, 21. April 2026

WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen

 



Di, 21.4.2026


WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen


10:58 h, 36,5 km, 948 hm Aufstieg, 1413 hm Abstieg


Zusammenfassung: Nach einem entspannten Frühstück mit meinen netten Gastgebern, fahre ich mit Judith zurück in den Wald. Wir besteigen den Blauen, einen weiteren tollen Aussichtsberg. Anschließend geht es lange bergab durch den Wald, der immer grüner und laubbaumreicher wird. Wir unterhalten uns intensiv, und Judith erzählt über ihre Weiterbildung zur Wildnispädagogin, sowie ihre Erfahrungen  im Wolfsmonitorring. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald, bewundern blühende Wiesen und Obstbäume und gelangen in die Wolfsschlucht. Diese ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. Anschließend geht es noch einige Zeit durch die offene Feldflur, bevor es durch ein großes Waldgebiet zur Burg Rötteln über Lörrach geht. In der Stadt nehmen wir Abschied und ich verlasse hier den Westweg, dem ich seit Titisee gefolgt war. Dieser Abschnitt des berühmtesten Schwazwaldwegs hat mir sehr gut gefallen, insbesondere der Belchen, die relativ häufigen Pfade und die oft schönen Wälder. 

Ich verlasse die Stadt und wandere durch ein großes Laubwaldgebiet, wo ich schließlich mein Lager aufschlage.


Nachdem wir morgens zusammen gemütlich gefrühstückt haben, mit selbst gebackenem  Brot und eigenen Hühnereiern, fahren Judith und ich zurück zur Egertenhütte. Die Hündin Mina ist auch dabei. Von dort geht es bergan zum Blauen, mit 1165 m weniger hoch als Feldberg und Belchen. Nichtsdestotrotz gibt es einen Aussichtsturm und ein Hotel, da man einen tollen Ausblick in die Rheinebene mit dem Markgräfler Land und hinüber zu Vogesen und Jura erhält. Anschließend steigen wir lange ab. Je tiefer wir gelangen, desto laubbaumreicher wird der Wald. Die Buchen hier haben alle schon ihre Knospen gesprengt, und der Wald wirkt unheimlich grün. Hier blüht auch schon der Waldmeister. Während wir laufen, unterhalte ich mich intensiv mit Judith. Sie hat Sozialpädagogik und Sport studiert und im Frankfurter Raum mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet. Da ihr das viel Energie geraubt hat und sie mehr Kontakt zur Natur haben wollte, hat sie eine Ausbildung zur Wildnispädagogin gemacht. Dabei hat sie viel gelernt wie zum Beispiel Spuren lesen. Was ihr dabei weniger gefallen hat, ist die Idealisierung der Wildnis und der Naturvölker. Es ist natürlich auch leicht paradox, dass es Schulen gibt in Deutschland, die sich Wildnisschulen nennen, obwohl wir hier keine wirkliche Wildnis mehr haben. Aber das ist nun mal die Bezeichnung einer bestimmten Philosophie, die wie so vieles, aus Amerika gekommen ist. Sie fand die praktischen Inhalte ganz gut, die dort gelehrt wurden, aber mit dem theoretischen Unterbau hat sie so ihre Probleme. 

Darüber hinaus hat sie eine Ausbildung zum Biosphärenguide gemacht und hatte eine Anstellung im Wolfsmonitorring, bei der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg. Dazu war sie zum Beispiel auf Fortbildung im Kerngebiet der Wölfe in der Oberlausitz. Einmal als man ihr die Koordinaten einer vermuteten Wolfsfährte geschickt hatte, konnte sie die bestätigen. Darüber hinaus fand sie eine Luchsfährte und eine Auerhahnspur. Alles an einem Tag im Feldberggebiet! Vieles ihrer Naturkenntnis hat Judith sich auch im Selbststudium angeeignet. So merke ich, dass sie sich sehr gut mit Pflanzen auskennt sowie mit Vogelstimmen. Sie erzählt, dass das Verhältnis der Landbevölkerung im Schwarzwald zum Wolf teilweise sehr negativ ist. Es gibt dort viele Ängste, was das Weidevieh, vor allem die Kälber angeht. Dabei kommen bisher Wolfsrisse sehr selten vor. Tatsächlich gibt es in ihrem Dorf keinen Vollerwerbsbauern mehr, aber viele machen ihre Weideviehhaltung und den Waldbau im Nebenberuf. Da Thomas und sie ziemlich fit sind, werden die beiden gerne dazu geholt, wenn die Rinder von einer Weide zur anderen getrieben werden müssen. An der Dorfbevölkerung weiß Judith vor allem die Ehrlichkeit zu schätzen. Außerdem gibt es ein ausgeprägtes Heimatgefühl, was für sie ebenfalls etwas Positives ist. Wir unternehmen einen kurzen Abstecher zur Burgruine Sausenburg, wo wir noch einmal einen fantastischen Ausblick zurück zum Belchen, und über die dunkel und hellgrün gefärbten üppigen Wälder erhalten. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald. Hier blüht auf den Wiesen flächendeckend, teilweise der Hahnenfuß aber auch andere Blumen wie der Bocksbart. Im Wald hatten wir die unscheinbaren, aber interessanten Blüten des Aronstab entdeckt. Hinter dem Ort beginnt ein sehr schöner Abschnitt, der sich Wolfsschlucht nennt. Er ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. An einer Stelle gibt es sogar eine kleine Höhle, das Bruderloch, in der ein Einsiedler gelebt haben soll. 

Schließlich gelangen wir wieder aus dem Wald und laufen längere Zeit durch die offene Feldflur mit blühenden Obstbäumen und Weingärten. Wir passieren Hammerstein und Wollbach und gelangen schließlich wieder in ein großes, von Laubbäumen geprägtes Waldgebiet. Hier sind recht viele Leute, meist mit Hunden unterwegs, so dass Mina häufig Kontakt aufnimmt. Schließlich erreichen wir die Burg Rötteln über Lörrach. Allerdings ist die Gastronomie geschlossen, daher steigen wir in den Ort ab, wo Judith von Thomas abgeholt wird. In Lörrach, bzw. Basel endet der Westweg und der NST folgt weniger bekannten Wegen. Ich kaufe im Supermarkt ein, so dass ich jetzt wieder Essen für die letzten elf Tage bis Stuttgart im Rucksack habe, der dadurch wieder deutlich schwerer ist. Nicht dass mein Essen schon alle gewesen wäre, aber ich will zu Trainingszwecken noch mal das Rucksackgewicht erhöhen. Ich laufe recht lange durch die Stadt, überquere die A 98 und wandere dann eine ganze Zeit teilweise auf Pfaden durch Laubwald mit mächtigen Eichen. Auf nur 300-400 m Höhe ist der Frühling weiter fortgeschritten, Weißdorn und Goldnessel blühen üppig. Hier sind viele Leute am Abend noch unterwegs: Reiter, Radfahrer, Läufer und Spaziergänger. Schließlich suche ich mir einen Platz im Laubwald zwischen Buchen und Eichen mit jungen Bäumen drunter für mein Freiluftlager.























Montag, 20. April 2026

WdH 73 Vom Feldberg zur Egerten Hütte

 



Mo, 20.4.2026


WdH 73: Vom Feldberg zur Egerten- Hütte


9:32 h, 33,1 km, 852 hm Aufstieg, 1260 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der heutige Abschnitt meiner Wanderung vom Feldberg zum Belchen und weiter ist wirklich atemberaubend. Oft geht es auf schmalen Pfaden durch schöne Wälder, wo zunehmend auch Buchen mit ihrem frischen Grün wachsen. Der Belchen selber hat einen sehr schönen Gipfel, der tolle Aussichten bietet. Nicht nur der Wald, auch die Wiesenlandschaften hier sind sehr schön. Schließlich erreiche ich die Egertenhütte, wo mich Judith abholt und ich den Abend mit ihr und ihrem Mann Thomas in Wies verbringe. Die Beiden stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main Gebiet, und sind, da sie unabhängig voneinander mit ihrem Leben unzufrieden waren, auf Umwegen hier gelandet. Zwar verdienen sie viel weniger, sind dafür aber deutlich zufriedener. Vor allem die Natur der Ungebung lieben sie. Allerdings ist das in gewisser Weise auch ein Spagat. Einerseits wissen Sie ein Haus mit großem Garten und Tieren als feste Basis sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie als „Halbnomaden“ auch immer wieder in die Welt. Aber dieser Konflikt ist lösbar! Bei tollem Essen unterhalten wir uns sehr gut, und fallen schließlich müde ins Bett.


In der Morgendämmerung ruft ein Uhu, allerdings weit entfernt. Als ich aufbreche, ist der Schnee auf dem Weg noch hart von der Kälte der Nacht. Meist laufe ich jetzt am Rand von offenen Gras-und Heidelbeerflächen. Dabei ergeben sich bereits schöne Ausblicke zum Belchen. Entfernt ragen die Vogesen auf der anderen Rheinseite auf. Der Morgen ist ruhig und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Trotz der frühen Stunde kommt mir schon jemand mit Fernglas entgegen. Ich höre Ringdrosseln rufen und sehe  eine auf einer Grasfläche. Ja, der Südschwarzwald hat schon etwas Alpines. Das bestätigt sich auch, als ich am Waldrand, in der Nähe des Gasthof Stübenwasen, zwei Gämsen sehe. Ich bin hier im Biosphärengebiet Schwarzwald, das über 2000 ha Kernflächen hat. Außerdem gibt es hier das Naturschutzgebiet Feldberg mit etwa 4000 ha Größe. Es existieren zwar unbewirtschaftete Kernzonen und Bannwälder, aber an den meisten Orten wird Forstwirtschaft betrieben. Vom Gasthaus Stübenwasen folge ich einem Forstweg weiter durch den Wald.

Auf großer Fläche wurde hier gerade in dem alten Fichtenwald sehr stark ausgezeichnet, oft 5-10 Bäume nebeneinander. Es scheint, als wolle man hier regelrecht Löcher in den Wald hacken. Auch viele Buchen sind zum Fällen markiert. Ich frage mich, ob man dies als Biotopverbesserung für die Auerhühner ansieht? Falls ja, ist das aus meiner Sicht totaler Quatsch, wenn man sich anschaut, wo es wirklich noch viel Auerwild gibt, wie in den Karpaten, sind dort dichte Wälder, in denen sich Lücken von selber ergeben,  aber man so etwas Künstliches wie hier nicht schaffen muss. Aber vielleicht liege ich ja auch falsch und man will nur viel Holz auf einmal ernten. Jedenfalls tut es mir sehr leid, dass der Charakter dieses alten Waldes demnächst sehr stark verändert sein wird.

Ich passiere das nordische Skigebiet Nothschrei mit Loipen und Hotels an der Straße. Hier gibt es auch einen Olympiastützpunkt. Ich bin froh, dass ich das Ganze schnell hinter mir lasse und ein hübsches Bachtal hochlaufe. Dann geht es weiter durch alte, einsame Fichtenwälder. Im Gegensatz zum Mittleren Schwarzwald, hat man hier wieder eher das Gefühl, in einem großen, weitläufigen Waldgebiet zu sein. Schließlich gelange ich aus dem Wald in eine hügelige Wiesenlandschaft, wo ich wiederum herrliche Ausblicke zum Belchen erhalte, der jetzt schon viel näher gekommen ist, sowie in die weitere Umgebung. Eine tolle Landschaft!

Schließlich erreiche ich das Wiedener Eck an der Straße, die ins Münstertal hinführt. Es gibt hier ein Hotel, und die Aussichten sind wirklich fantastisch, zumal das Wetter heute klar und sonnig ist.

Weiter folge ich meist einem Steig. Neben den Fichten gibt es hier auch immer wieder Buchen. An manchen Stellen gedeiht hier Bärlauch, von dem ich eifrig nasche. Außerdem blühen die Schlüsselblumen noch prächtig. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Buchen hier gerade erst ihre Knospen öffnen, aber ein paar Meter weiter unten, der Buchenwald schon in helles Grün getaucht ist. Mir begegnet ein junger Franzose, der auf Tramptour durch Europa ist, und hier eine Wanderung macht. Teilweise führt der Pfad an ziemlich steilen Hängen entlang. Auch das letzte Stück ist noch mal richtig steil. Der Gipfel des Belchen  ist waldfrei und bietet herrliche Ausblicke auf 1414 Meter Höhe. Ich finde auch, dass der Belchen der schönste Berg des Schwarzwalds ist, auch wenn der Feldberg ein paar Meter höher ist. Ich habe den Gipfel ganz für mich alleine. Leider ist es jetzt um die Mittagszeit etwas dunstig. Über mir kreist ein Rotmilan, und beim Aufstieg denke ich, einen Wanderfalken gehört zu haben. Schließlich beginne ich den Abstieg. Teilweise treten hier Felsen offen zu Tage,  eine Landschaft, die ein bisschen an die Alpen erinnert. Die Berge in der weiteren Umgebung sind nicht mehr nur in das Dunkel des reinen Fichtenwalds getaucht, sondern das helle Grün der Buchen mischt sich vielerorts darunter.

Der Abstieg führt über einen steilen Pfad, der sich entlang des Berges windet, vorbei an steil aufragenden Klippen und dicken, umgestürzten Fichten.Es gibt sogar Seilsicherungen, die verhindern sollen, dass man vom Weg runter purzelt. Schließlich gelange ich aber auf einen Fahrweg. 

Mit dauernden tollen Aussichten geht es bergab zum Haldenhof, enem Gasthaus. Von hier laufe ich parallel zu einer Straße wieder nach oben zur Kreuzweghütte. Auf dem Parkplatz hier steht das Baubüro einer Windenergie Firma. Es wäre schade, wenn diese wirklich schöne Gegend ebenso wie andere, die ich unterwegs gesehen habe, durch den Bau von Windrädern verschandelt würde. Hinter dem Parkplatz geht es meist auf Pfaden durch sehr beeindruckenden Wald. Hauptsächlich wachsen hier Tannen und Fichten aber auch Buchen und einige mächtige Douglasien sind vertreten. Überall wächst Baumnachwuchs. Insgesamt ist der Wald hier lichter als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. Schließlich erreiche ich die Egerten-Hütte, wo ich eine Viertelstunde warte, bis mich Judith abholt. Sie war auf mich durch den Podcast „Frei raus“ von Christo Förster aufmerksam geworden. Bevor wir abfahren, entdecken wir einen toten Dachs am Parkplatz. Wahrscheinlich war er angefahren worden und dann dort gestorben. Sehr schade! Während wir nach Wies fahren wo Judith und ihr Mann

Thomas, beide 45, leben, unterhalten wir uns bereits sehr gut. Bei dem schönen Hof angekommen, erscheint auch Thomas, der gerade mit Hündin Mina von einem Spaziergang zurückkommt. Wir trinken Kaffee mit Blick in den Garten, wo Hühner leben, und Eidechsen sich in einer Trockenmauer eingenistet haben. Nachdem ich später geduscht habe, essen wir zusammen und unterhalten uns dabei intensiv. Beide stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet, waren mit ihrer Situation aber sehr unzufrieden. Über Umwege, wo sie teilweise in Wohnwagen und sogar in einer Jurte gewohnt haben, sind sie nach Wies gekommen. Zuvor hatte Thomas als Speditionskaufmann in der Nähe in Basel gearbeitet. Da er mit seinem Beruf sehr unzufrieden war, hat er sich umorientiert und arbeitet jetzt als Lehrer für geistig Behinderte. Dabei verdient er zwar nur noch ein Viertel seines ursprünglichen Gehalts, ist aber viel zufriedener. Beide erzählen, dass die Leute hier zunächst eher zurückhaltend sind, aber da sie sich im Dorfleben engagiert haben, ist die Stimmung etwas aufgetaut. So hilft Judith im Dorfladen und betreut den Garten des Museums, einem uralten Schwarzwälder Bauernhof. Beide sind leidenschaftlich gerne draußen, Wandern und Laufen. Beim Laufen stoßen sie immer wieder auf durch Forstarbeiten total zerfahrene Wege, auch Wanderwege. Sie haben versucht, dieses unter anderem beim Biosphärengebiet zur Sprache zu bringen, sind aber bisher auf taube Ohren gestoßen. Eigentlich soll in so einem Biosphärengebiet ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus entwickelt werden. Hier gibt es offensichtlich noch Nachholbedarf!

Neben den Beiden gibt es auch etliche andere Zuzügler in dem 250 Seelen- Dorf. Oft Familien aus der Stadt, die möchten, dass ihre Kinder in einer anderen Umgebung aufwachsen. Judith erzählt, dass sie sich ein bisschen als Halbnomadin sieht. Einerseits weiß sie ein Zuhause als feste Basis, wo sie auch Tiere halten kann, sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie, ebenso wie Thomas aber auch immer wieder hinaus in die Welt. Natürlich ist das mit einem großen Haus, Garten und Tieren nicht ganz einfach zu verwirklichen, aber es gibt dafür durchaus Lösungen. 

Wir reden darüber, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, vor allem da viele Arbeitsplätze durch die Entwicklung bei KI und Robotik wegfallen werden. Die beiden sehen das sehr positiv und als etwas, was den Menschen Freiräume eröffnet, jenseits der Notwendigkeit des täglichen Broerwerbs. Es ist sehr schön mit dem sympathischen Paar zusammenzusitzen, aber schließlich sind wir alle müde und gehen schlafen.