Samstag, 18. April 2026

WdH 71 Von hinter Schiltach zur Kalten Herberge

 



Sa, 18.4.2026


WdH 71: Von hinter Schiltach bis zur Kalten Herberge


12:45 h, 44,8 km, 1020 hm Aufstieg, 833 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Als ich heute weiter auf dem Mittelweg laufe, hat sich die Landschaft verändert. Statt den riesigen, geschlossenen Wäldern des Nordschwarzwalds, sind hier immer wieder Wiesen mit vielen einzelnen Höfen eingesprengt. Der Wald ist nicht mehr so grandios, sondern wird von fast reinen Fichtenbeständen dominiert. Es wird höchste Zeit, hier den Umbau zum Mischwald einzuleiten. Aber ich fürchte, das wird von selber kaum geschehen, und die Waldbesitzer werden bei der nächsten „Katastrophe“, seien es Borkenkäfer oder Stürme, wieder nach dem Staat rufen. Eigentum verpflichtet, und der Staat müsste hier viel klarer vorschreiben, was im Wald zu tun ist. Auf einem Abschnitt passiere ich Windräder, und laufe teilweise auf asphaltierten Wirtschaftswegen. Zweimal folgt der Mittelweg längere Zeit einer Straße, was ich nicht besonders schön finde. Ich durchquere Sankt Georgen, wo ich mich an meinen Besuch 1983 erinnere, zur Zeit des „Waldsterbens“ Damals sahen die Tannen wirklich schlecht aus, haben sich aber glücklicherweise erholt, da die Politik gehandelt hat. Entschwefelungsanlagen und Katalysatoren wurden eingeführt, womit das Problem weitgehend gelöst wurde. Heute ist der Klimawandel die nächste, ungleich größere Herausforderung. Ich hoffe auch dafür wird es Lösungen geben. 

Hinter dem Gasthaus Kalte Herberge schlage ich schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf.


Nach einer ruhigen Nacht bin ich morgens früh schon unterwegs. Durch den Wald geht es hoch bis auf 881 m Höhe am Mooswald Turm, wo es auch eine Gaststätte des Schwarzwaldvereins gibt. Von hier geht es runter zur Straße bei Fahrenbühl. Obwohl es hier zwei Hotels gibt,  ist um diese Zeit natürlich noch alles ruhig. Im Sonnenaufgang laufe ich dann durch die Wiesen auf einem asphaltierten Weg. Schließlich geht es in den Wald. Wobei hier im mittleren Schwarzwald die Wälder nicht so stark dominieren wie weiter im Norden. Immer mal wieder komme ich auch an Wiesen vorbei, wo auch stets irgendwo ein einzelner Hof in Sicht ist, etwas was typisch für den Schwarzwald ist. Ich komme in der Nähe einiger Windräder vorbei, dort sind die Waldwege sehr breit. Was häufig vergessen wird, im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern im Wald ist, dass die für den Standort gerodete Fläche relativ klein ist, aber da die Wege in der Regel stark verbreitet werden müssen, viel mehr Waldverlust hinzukommt. Außerdem sind diese breiten Trassen Angriffspunkte für Stürme und tragen zur allgemeinen Austrocknung des Waldes bei. D.h. meine Meinung bleibt klar: Windräder im Wald sollten, wenn überhaupt, nur der absolute Ausnahmefall unter sehr günstigen Bedingungen sein. 

Der Wald besteht hier meist aus Fichten, aber auch Tannen sind noch dabei. Ein Eichhörnchen turnt vor mir an einem Stamm hoch. Ich sehe eine Tannenmeise und einen Kleiber. Ich passiere den Windkapf, eine Höhe mit Gasthaus auf etwa 900 m und laufe zunächst auf einem asphaltierten Weg weiter.

Bald geht es aber auf einem Forstweg durch den Wald. Ein Schwarzspecht fliegt rufend über die Bäume. Schließlich gelange ich wieder in offenes Gelände mit Wiesen und verstreuten Höfen. Hier sind die Wege wieder hauptsächlich asphaltiert. An einer Quelle in einer Wiese kann ich mir endlich Wasser auffüllen.

Hinter dem Zuckerhof bis Sankt Georgen geht es wieder durch den Wald, teilweise sogar auf Pfaden. An diesem schönen Samstag sind hier schon einige Radfahrer unterwegs.

Ich erinnere mich daran, wie ich 1983 auf meiner Reise durch Deutschland mit dem Tramper Monatsticket der Bahn hierher gekommen war. Das war die Zeit des sogenannten Waldsterbens. Tatsächlich sahen damals vor allem die Tannen im Schwarzwald sehr schlecht aus. Manche sagen, beim Waldsterben ist alles übertrieben worden und dass es heute bei der Klimakrise genauso ist. Allerdings muss man sagen, dass man damals gehandelt hat. Entschwefelunganlagen für Kraftwerke wurden eingeführt und Katalysatoren für PKW’s. Das hat das Problem glücklicherweise weitgehend gelöst. Im Umkehrschluss heißt das, dass auch unsere heutigen Probleme lösbar sind, auch wenn sie größer und schwieriger erscheinen!

In Sankt Georgen kehre ich im Café des Edeka ein. Frisch gestärkt laufe ich dann aus dem Ort. Am Waldrand sehe ich die bisher größten Tanten im Schwarzwald, mit über 1,5 m Durchmesser. Was für Bäume!

Am Waldrand in der Nähe von Brigach kreist ein Rotmilan. Der Mittelweg ist hier nie besonders weit vom Waldrand entfernt und verläuft zum Teil auf Pfaden. Der Wald ist komplett von Fichten geprägt, allerdings geben Ebereschen und Holunder entlang der Wege den Eindruck, dass wenigstens noch ein paar andere Gehölzarten vorhanden sind.

Längere Zeit folgt der Mittelweg dann als Pfad einer Straße. Nicht gerade das schönste Wandererlebnis…

Es geht über den mehr als 1000 m hohen Kesselberg, und an einer Stelle passiere ich einen historischen Galgen, wo noch im 18. Jahrhundert Menschen hingerichtet wurden. Ich passiere die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau und dann wendet sich der Weg endlich ab von der Straße. Mittlerweile sind heute sehr viele E-Biker unterwegs.

Schließlich geht es in den Wald aufwärts zum Stöcklewaldturm. Bis nach Furtwangen bleibe ich jetzt meistens im Wald. Nur an einigen Stellen gibt es auch Wiesen. Der Wald ist sehr einförmig und besteht fast ausschließlich aus Fichten. Dabei sind durchaus auch noch alte Bestände vertreten. Stellenweise wächst dichte Naturverjüngung darunter, aber wiederum nur aus Fichten. Lediglich an den Wegen gibt es vereinzelt alte Tanten. Dass Mischwald stabiler ist und man dringend weg muss von den reinen Fichtenwäldern scheint hier noch nicht angekommen zu sein. Wenn aber Stürme oder Borkenkäfer den Wald verheeren wird bestimmt auch hier wieder nach dem Staat gerufen, der für die so genannte Katastrophe entschädigen soll, wie das bisher immer geschehen ist. Solche schädlichen Subventionen sollte der Staat unterlassen. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass er seinen Wald zum Mischwald umbauen muss, ist letztenendes selber schuld, wenn er irgendwann vor riesigen Kahlflächen steht.

Nun, Eigentum verpflichtet ja auch. Bei der großen Bedeutung des Waldes für uns alle, sollte der Gesetzgeber doch hier viel stärkere Forderungen an die Waldeigentümer stellen. Selbstverständlich muss im Staatswald mit gutem Beispiel vorausgegangen werden, was leider längst noch nicht überall der Fall ist. Zu denken, angesichts des Klimawandels, der ja auch bei uns angekommen ist, man kann mit der herkömmlichen Fichtenwirtschaft weitermachen wie bisher ist ein arger Trugschluss wie sich wahrscheinlich schon in der nächsten Dürre, die diesmal vielleicht auch in Süddeutschland zuschlägt, zeigen wird. Jetzt ist die Zeit zum Handeln, aber rasch!

An den Wegen blüht hier stellenweise die Weiße Pestwurz.

Schließlich geht es runter in die Industriestadt Furtwangen. Als ich langsam aus der Stadt raus laufe, komme ich an drei vielleicht zehn- bis zwölfjährigen Jungs vorbei, die dort bei ihren Fahrrädern sitzen. Kaum bin ich vorbei, schmeißt doch tatsächlich einer mit einem Fichtenzapfen nach mir und trifft mich am Bein. Das kann natürlich nicht ungestraft geschehen! Ich hebe einen Zapfen auf, gehe auf die Jungs zu, der Übeltäter rennt weg, aber ich treffe ihn am Bein. Rache ist süß! Natürlich ist das alles nur Spaß und niemand wird wehgetan. 

Aus dem Ort geht es etwa 200 Höhenmeter recht steil hoch bevor das Terrain auf ungefähr 1000 Höhe Meter Höhe wieder abflacht. Eine Zeit lang verläuft der Weg dann meist als Pfad parallel zu einer Straße, bevor er an der Heubacher Höhe auf den Westweg trifft, der hier für ein Stück deckungsgleich mit dem Mittelweg ist.

Schließlich erreiche ich das Gasthaus Kalte Herberge. Dort hatte ich um Weihnachten 2003 schon mal übernachtet.

Damals hatten wir vor, auf Ski durch den Schwarzwald zu laufen. Da aber kein Schnee lag, sind wir stattdessen auf dem Westweg gewandert.

Ein nettes Paar aus Stuttgart, das mit seinen Kindern dort ist, spricht mich vor dem Gasthof an und fragt, was ich so mache.

Nach kurzer Unterhaltung laufe ich weiter auf dem Mittelweg, der Westweg ist hier abgebogen, und schlage schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf. 
















Freitag, 17. April 2026

WdH 70 Von Freudenstadt bis hinter Schiltach

 



Fr, 17.4.2026


WdH 70 Von Freudenstadt nach hinter Schiltach


13:00 h, 42,3 km, 1042 hm Anstieg, 1025 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nach meinem Aufbruch gelange ich nach Freudenstadt, ein hoch gelegener, recht großer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten hatte. Weiter geht es auf dem Mittelweg nach Zwieselberg, wo der Tourismus wohl schon bessere Zeiten erlebt hat. Hinter dem Ort beginnt ein fantastischer Abschnitt. Über Kilometer wandere ich auf einem schmalen Pfad, der einer alten Grenze folgt, durch beeindruckende, alte Tannen-Fichtenwälder. Dabei handelt es sich um so genannten Plenterwald. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, das alte und junge, große und kleine, dicke und dünne Bäume zusammen auf der selben Fläche stehen. Hier werden stets nur einzelne Bäume genutzt, und starke Auflichtungen komplett vermieden. Das ist zwar kein Naturwald, denn eigentlich würde es hier viel mehr Buchen geben, aber trotzdem ist dieser Wald sehr schön. Schließlich geht es auf Forstwegen weiter, und dann lange abwärts ins Kinzigtal nach Schiltach. In dem netten, auf lediglich ungefähr 400 m gelegenen Ort, stärke ich mich und steige dann steil wieder auf. Es dauert lange, bis ich abends ein geeignetes Plätzchen für mein Cowboy Camp finde, aber schließlich kann ich zur Ruhe kommen.


Noch in der Abenddämmerung fliegt eine Waldschnepfe rufend über mir. Ein Reh bellt heiser in der Nähe, ansonsten ist die Nacht ruhig. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen und ich gelange aus dem Wald durch die Wiesen hinab nach Freudenstadt. Ein größerer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten habe. Leider sind die Cafés zu dieser frühen Stunde noch geschlossen, daher kann ich mir kein Heißgetränk gönnen.

Schließlich verlasse ich die Stadt und wandere durch beeindruckende Wälder vor allem mit vielen alten Tannen, meist auf Forstwegen weiter. Aus dem Tal der Kleinen Kinzig, führt ein Pfad hoch nach Zwieselberg, einem kleinen Ort, der so wirkt, als seien die goldenen Zeiten des Tourismus lange vorbei.

Weiter geht’s auch auf einem Pfad durch alten Tannen-Fichtenwald. Hier liegen gefällte Bäume. Aber im Gegensatz zu anderen Bildern, die ich schon auf dieser Reise gesehen habe, sieht man hier den Eingriff dem Wald überhaupt nicht an. So muss das sein! Früher galt der Grundsatz, dass man beim Einschlag mäßig vorgeht. Das ist leider vielerorts offensichtlich in Vergessenheit geraten. Daher sehen viele Wälder, in denen gerade eine Holzernte stattgefunden hat, bei uns heute leider so aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Das muss aber nicht sein, wie dieses Beispiel hier zeigt.

Es ist sehr schön Kilometer weit auf dem schmalen Pfad durch die riesigen, schattigen Tannen- Fichtenwälder zu wandern. Lichtungen sind hier tatsächlich eine Seltenheit. Und wenn vorhanden, stets ziemlich klein. Die großen Kahlflächen, die andere Mittelgebirge prägen, habe ich hier bisher noch nicht gesehen. Der Pfad folgt übrigens einer alten Grenze. Was an zahlreichen  Grenzsteinen zu erkennen ist. Obwohl der Wald so schattig ist, wachsen fast überall Heidelbeeren ziemlich üppig. Außerdem gibt es dichte Moosteppiche, ein grünes Paradies!

Allerdings ist dies kein Naturwald, in dem ursprünglichen Wald hier waren Laubbäume, vor allem Buchen, viel häufiger. Da diese jedoch wesentlich weniger Wert hatten, sind sie im Laufe der Zeit aus dem Wald bis auf kleine Reste weitgehend verschwunden. Dabei kann man sich gut vorstellen, dass der Wald, wenn er noch gemischter wäre eine höhere Stabilität aufweisen würde und vielleicht sogar ertragreicher wäre, da das Buchenlaub auch zur Bodenverbesserung beiträgt. Allerdings, wenn man sich die stattlichen Bäume hier so anschaut, ist das wahrscheinlich nicht wirklich nötig, aus Sicht der Waldbesitzer.

Nachdem ich kurz an einen Fahrweg gelangt bin, führt ein Pfad weiter. Allerdings ist der Wald jetzt sehr anders. Mittelalte Fichten auf weiter Fläche. Die alten Bäume und das Miteinander von jung und alt, dick und dünn, hoch und niedrig, gibt es hier jetzt nicht mehr. Das ist tatsächlich eine Besonderheit der Plenterwälder, wie es sie in Deutschland nur im Schwarzwald, im Allgäu und im bayerischen Wald gibt. Traditionell ist das bäuerlicher Wald, indem stets nur einzelne Bäume genutzt wurden, nicht der ganze Wald kahlgeschlagen, wie dies sonst überall der Fall war. Der Penterwald ist auch heute noch eine durchaus profitable Form der Waldnutzung. Allerdings erfordert er viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung im Umgang mit dem Wald, was leider nicht überall vorhanden ist. Daher überwiegen auch im Schwarzwald die gleichförmigen Nadelwaldbestände, die man  kennt. Bald bin ich aber wieder in altem Wald.

Ein Stück weiter gibt es doch tatsächlich einmal Ausblicke in die dicht bewaldeten, grünen Hänge. Ein Pfad führt mich dann steil nach oben, ein kleines Stück wurde gerade von Maschinen zerfahren. 

Weiter geht es auf Forstwegen zur Emil-  und zur Salzlecke Hütte. Unterwegs überhole ich eine neun köpfige französische Wandergruppe. Dummerweise lasse ich meinen Nussbeutel an der Emil Hütte liegen, und als ich das merke, bin ich schon zu weit entfernt um wieder zurückzugehen. Ärgerlich!

Der Kamm, dem der Forstweg jetzt folgt, ist schmaler und fällt zu den Seiten steil ab. Daher ergeben sich immer wieder Ausblicke nicht nur über Wald, sondern zum Teil auch schon zu kleinen Wiesen auf ebenen Absätzen. Zwar gibt es auch noch älteren Wald aber oft laufe ich durch Bestände, die nach dem Sturm Lothar 1999 entstanden sind, meist Fichten, aber teilweise auch Douglasien. 

Schließlich beginnt der lange Abstieg nach Schiltach im Kinzigtal. Am Kohlbrunnen kann ich kühles Wasser trinken. Etwas später komme ich am ersten Haus vorbei und folge einem Asphaltweg weiter.

An einem schönen Gehöft vorbei, steige ich steil ab durch den Wald. Zuletzt folge ich einem Bach, der schließlich in einem Wiesengrund abflacht. Hier blühen schon die ersten Roten Lichtnelken  und ich sehe einen Trauermantel. Das ist ein großer, seltener Waldschmetterling, den man nicht allzu häufig sieht.

Schließlich erreiche ich das nette Fachwerkstädtchen Schiltach an der Kinzig, die kein tobender Fluss, sondern eher ein Bach ist. Hier genehmige ich mir erst einmal, wie schon häufiger, eine Schale Walnusseis und 1 l Milch. So gestärkt beginne ich dann den langen Aufstieg von lediglich etwas über 400 m Höhe. Ein Stück folge ich einem Steig, dann zieht sich ein Fahrweg im Hang empor. Einige Male kann ich noch Aussichten zurück ins Tal genießen. Ein E-Biker hält an und fragt, was ich so mache und wie ich übernachte. Er scheint voller Anerkennung zu sein. 

Am Höhengasthof Heuwiese flacht das Terrain schließlich ab. 

Ein Stück geht es auf einem Pfad durch den Wald, bis ich an eine Straße gelange. Danach komme ich an einigen Häusern vorbei. Allerdings ist ein Brunnen entweder eingezäunt oder ein Tümpel auf dem Enten schwimmen. Beides nicht optimal und es wäre schon schön, wenn ich meinen Wasservorrat noch auffüllen könnte. Dann komme ich am Waldrand an eine weitere Stelle, wo Trinkwasser auf meiner Karte eingezeichnet ist. Das ist aber lediglich ein Depot mit Getränken,  alle alkoholisch, die man erwerben kann. Bald geht es wieder steil aufwärts in den Wald. Es ist schon recht spät, aber kein guter Lagerplatz in Sicht. Mir begegnen 2 E-Mountainbiker, und trotz der späten Stunde heulen noch die Motorsägen. Schließlich verlasse ich den Weg und finde eine ebene Stelle im Fichtenwald für mein Cowboy Lager. Als es schon fast dunkel ist, fliegt auch heute eine Waldschnepfe rufend über mir.





















Donnerstag, 16. April 2026

WdH 69 Von Bad Herrenalb nach Freudenstadt

 




Do, 16.4.2026


WdH 69 Von Bad Herrenalb nach Freudenstadt 


12:54 h, 42,8 km, 866 hm Aufstieg, 578 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Als ich am Morgen weiter im Albtal hoch wandere, entdecke ich einen Feuersalamander auf dem Weg, eine Tierart, die ich besonders mag!

Bald gelange ich an den Ursprung des Bachs, wo der Albsteig nach etwa 40 Kilometern endet. Er verläuft zwar durchgehend auf Wirtschaftswegen, ermöglicht aber relativ sanft von Karlsruhe in den Schwarzwald zu gelangen, ohne die Schleife über Pforzheim, die der NST wählt. Zwar laufe ich dann auch kurz auf Westweg und NST, biege dann aber auf den Mittelweg ab. Fast den ganzen Tag laufe ich oft durch beeindruckende Nadelwälder, lediglich ein Ort liegt auf meiner Route. Da auf dem Maximiliansweg teilweise noch Schnee liegt, habe ich heute beschlossen meine Wanderung an der Haustüre in Stuttgart zu beenden, also vom Bodensee über die Schwäbische Alb zu laufen. Wer am 1.5 die letzten Kilometer von Esslingen mitlaufen möchte, kann sich gerne bei mir melden!


Noch fast im Dunkeln gehe ich um kurz nach sechs morgens wieder los. Auch heute folge ich zunächst dem Tal der Alb weiter aufwärts. Es dauert nicht lange, bis ich die einzelnen Gebäude der Plötz Sägemühle passiere, die eine lange Geschichte hat.

Weiter geht es recht steil im Tal aufwärts. Ich sehe kurz einen Fuchs auf dem Weg und etwas später einen Feuersalamander, der scheinbar unbeweglich ist. Mittlerweile blüht hier auch schon der Hirschholunder. Zum Alb Ursprung führt ein Pfad, dem ich dann weiter nach oben folge. Allerdings wurde hier vor kurzem Holz geerntet, so dass von dem eigentlichen Weg nichts mehr zu erkennen ist. Also gehe ich sehr steil eine Rückegasse hoch, bis ich auf knapp 900 m Höhe bei der Hahnenfalz Hütte auf den Westweg stoße. Hier bin ich jetzt auch wieder auf der Route des NST.

Kurz folge ich einem Pfad, dann geht es aber auf Forstwegen relativ sanft ansteigend durch weite Fichtenwälder weiter. Hier sehe ich ein Reh und zweimal springt ein Eichhörnchen über den Weg. Die jungen Fichten sind seit dem Sturm Lothar Weihnachten 1999 gewachsen . Schließlich erreiche ich den Hohlohturm auf knapp 1000 m Höhe, von wo mein Blick zurück ins Albtal schweift. Hier ist die 3000 km Marke des NST. Ich habe etwas weniger Kilometer, so um die 2750. Kurz vor dem Turm habe ich eine Straße gequert, wo ein Auto vorbei kam, ansonsten habe ich heute noch keinen Menschen gesehen und es ist immerhin schon 9:45 Uhr.

An der Prinzenhütte verlasse ich den Westweg fürs Erste und damit auch den NST. Stattdessen folge ich ab jetzt dem  Mittelweg weiter, der parallel zum Westweg von Norden nach Süden durch den Schwarzwald läuft. Ich kenne den Westweg schon von einigen Besuchen, daher möchte ich diesmal gerne den Mittelweg erkunden. Die Prinzenhütte gehört Forst BW, was ein Schild aussagt, der Zutritt ist lediglich den Mitarbeitern gestattet, wie ein anderes Schild verrät. Ich kenne solche Forsthütten noch aus meiner Zeit als Förster. Früher waren sie wichtige Stützpunkte für die Waldarbeit, das ist aber schon lange her. Heute dienen sie normalerweise lediglich privaten Feiern der Förster und teilweise auch von Jagdgästen. Allerdings handelt es sich dabei um öffentliche Einrichtungen. Da stellt sich die Frage, warum diese Hütten nicht auch Wanderern zugänglich gemacht werden? In anderen Ländern wie zum Beispiel auch unserem Nachbarland Frankreich, ist es auch möglich, in solchen Hütten zu übernachten. Warum geht das in Deutschland nicht? Dann

folge ich ein Stück einem Forstweg. Hier sind große Mengen an dünnen Zweigen aufgeschichtet. Wahrscheinlich hat man die Fichten aus einem Moor in der Nähe entfernt, als Naturschutzmaßnahme. Ich weiß natürlich nicht, ob diese Moore in der Vergangenheit wie so häufig durch Gräben entwässert wurden und sich deswegen die Fichten ansiedeln konnten oder einfach aufgrund der zunehmenden Trockenheit das Moor nicht mehr so nass ist, dass Bäume dort nicht wachsen können. Auf jeden Fall ist das eine positive Pflegemaßnahme, denn Moore sind sehr wichtig, sowohl als CO2 Speicher als auch als Lebensräume. Bald folge ich Kilometer weit einem schmalen Pfad durch meist dichten, jungen Fichtenwald. Allerdings ist der Unterwuchs aus Heidekraut oder Heidelbeere auch häufig sehr dicht,  ein ziemlich uriger Wald! Ab der Totenmann Hütte laufe ich dann wieder auf einem breiten Forstweg.

Im Gegensatz zu der Zeit, als ich mit meinem kleinen Rucksack unterwegs war, mache ich heute eine kurze Mittagspause, bei der ich mich hinsetze, die Schuhe ausziehe, die Strümpfe und meine Füße etwas lüften lasse. Ich esse Schokolade, sowie Apfelringe und Wurstknacker, die mir Anke noch zugesteckt hat.

Etwas später laufe ich teilweise durch alten Nadelwald. Es dominiert zwar die Fichte, aber immer sind auch Tannen dabei. Buchen sind dagegen eher eine Seltenheit hier, aber es gibt sie durchaus. An den Wegrändern blüht immer noch der Huflattich.

Schließlich öffnet sich der Wald zum ersten Mal heute, ich gelange in Wiesen und schließlich nach Besenfeld. Durch den Ort führt eine verkehrsreiche Straße und fünf hohe Windräder ragen über dem Dorf auf. Ich telefoniere mit Anke und sie sagt, ich muss jede Gelegenheit nutzen, um Kalorien zu tanken und tatsächlich schaut sie, was es in Besenfeld gibt, gleich im Internet nach und ja, ich kehre dann in einer Bäckerei ein und genehmige mir ein Stück Frankfurter Kranz, mein Lieblingskuchen und eine große Tasse Kaffee! So gestärkt, fliege ich weiter.

Eine Zeit lang geht es noch die Straße entlang, bevor der Mittelweg wieder in den Wald abbiegt. Eine Tafel weist darauf hin, dass es hier ein Waldrefugium gibt. Das sind in Baden-Württemberg zwischen ein bis 3 ha große Flächen mit besonders altem Wald und viel Totholz. Der Gedanke ist, dass man auf diesen Flächen Arten, die alte Bäume und Totholz brauchen, Wald erhalten kann. Nun sind diese Flächen dafür natürlich langfristig viel zu klein, müssen also ergänzt werden um ein Netz von Habitatbäumen in jedem bewirtschaften Wald und großflächigen Waldreservaten mit 1000 ha Mindestfläche, die ebenfalls komplett aus der forstliche Nutzung genommen werden. Diese Waldrefugien können also nur ein kleiner Baustein des Waldnaturschutzes sein.

Weiter geht es durch die ausgedehnten, oft alten Nadelwälder. Diese sind zwar erstaunlich dunkel, aber dennoch wachsen an vielen Stellen junge Tannen hoch, so dass häufig mehrere Generationen von Bäumen auf der selben Fläche stehen. Sehr eindrucksvoll!

Was mich hier auch immer wieder begeistert, sind die ziemlich zahlreichen starken Tannen, die bis zu 1 m Durchmesser erreichen. Natürlich können Tannen noch wesentlich dicker werden, wie ich es zum Beispiel in den Karpaten oder auch im Bayerischen Wald gesehen habe. Aber im Wirtschafts Wald ist 1 m Durchmesser schon ganz gut, aber es wäre natürlich schön, wenn es auch hier größere Flächen gäbe, wo die Tannen richtig alt werden dürfen.

Der Weg verläuft eine ganze Zeit in der Nähe der B 294 und kommt einmal auch direkt an die Straße. Ich bin immer wieder schockiert, wenn ich aus dem Wald an eine verkehrsreiche Straße komme, wie laut und hektisch mir das vorkommt, obwohl früher für mich Autofahren völlig normal war.

Ich habe heute dann auch einen Entschluss gefasst,  wo ich meine Wanderung beenden will. Eigentlich hatte ich ja vor durch die Bayerischen Alpen nach Berchtesgaden zu laufen. Allerdings bin ich dafür zu früh dran, denn den Maximiliansweg kann man eigentlich erst ab Mitte Mai sinnvoll begehen. Der geht halt häufiger über 2000 m Höhe raus und da liegt schon noch Schnee, das hab ich vor zwei Tagen von zu Hause aus gecheckt. Das sieht man zum Beispiel auf Webcams und ich glaube da wird sich auch nicht so viel dran ändern, bis ich dort bin. Zunächst hatte ich gedacht  am Bodensee die Wanderung zu beenden, aber die Idee die ich heute habe, finde ich noch cooler und zwar vom Bodensee über die schwäbische Alb nach Hause. sprich nach Stuttgart zu laufen. Das direkt an der Haustüre die Wanderung zu beenden begeistert mich irgendwie. Ich hab dann mal kalkuliert und tatsächlich wäre der 1. Mai, also ein Feiertag, der Tag, wo ich ankomme! Also, wer aus Stuttgart und Umgebung kommt und die letzten Kilometer von Esslingen mit mir laufen möchte, der ist herzlich dazu eingeladen! 

Neben den Tannen und Fichten sind immer auch mal Douglasien eingemischt, die hier ebenfalls beachtliche Dimensionen erreichen. 

Gegen 19 Uhr schlage ich dann mein Freiluftlager in einem Tannen- Fichtenwald mit viel Unterwuchs auf.