Dienstag, 10. März 2026

WdH 32 Vom Diemelsee nach Küstelberg

 



Mo, 9.3.2026


WdH 32: Vom Diemelsee nach Küstelberg


12:30 h, 49,2 km, 1364 hm Aufstieg, 1238 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem mich in der Nacht zweimal Wildschweine besucht haben, ich sie jedoch nicht gesehen habe, bin ich früh am Morgen wieder unterwegs. Ich folge jetzt zunächst der Sauerländer Wald Route. Beim Weiler Huckeshol sehe ich ein Muffelschaf, die nächste Wildart auf meiner Wanderung! 

In Brilon kaufe ich ein und wandere frisch gestärkt weiter. Nun folge ich dem Rothaarsteig, dem ältesten der neuen Wanderwege, die vor ungefähr 20 Jahren entstanden sind. Tatsächlich folgt der Weg oft Pfaden über den Kamm des Rothaargebirges. Dieser ist keineswegs flach, sondern es geht über viele Erhebungen, mit teilweise knackigen Steigungen. Über weite Strecken gibt es keinen alten Wald mehr, dafür kann man weite Ausblicke genießen.

Ich treffe Eva, die als Personalleiterin für 3000 Kita Angestellte verantwortlich ist. Sie erzählt mir einiges aus diesem Bereich. 

Die Bruchhauser Steine sind bis zu 92 m hohe Vulkanfelsen, eine unerwartete Erscheinung hier im Sauerland! Hier und auf dem Weg zum Langenberg, mit 843 m der höchste Gipfel des Rothaargebirges gibt es auch noch viel intakten alten Fichtenwald. Tatsächlich kann man hier an diesem Montag Waldeinsamkeit spüren. Dennoch treffe ich noch zweimal Leute, die den Rothaarsteig erwandern wollen. Schließlich gelange ich nach Küstelberg, wo ich in einem von mir gebuchten Apartment duschen, Wäsche waschen und kochen kann. Paradies!


In der Nacht höre ich zweimal Wildschweine in meiner Nähe, sehe sie jedoch nicht und ein Uhu ruft entfernt. Bereits in der Dämmerung bin ich wieder unterwegs. Hier folge ich der Sauerländer Waldroute, da ich den Diemelsteig gestern Abend verlassen habe. Zunächst folge ich lange Zeit unbefestigten Wegen, meist durch Buchenwald. Einige Male sehe ich Rehe. In der Nähe des Weilers Huckeshol, beobachte ich ein Muffelschaf, das mich einige Zeit anschaut und schließlich im Wald verschwindet. Lange Zeit geht es dann auf Forstwegen bergab. Viele der großen freien Flächen sind lediglich mit Holunder und Brombeeren bewachsen. Junge Bäume fehlen noch. Schließlich geht es noch mal ein Stück auf einem Pfad durch den Buchenwald. Dann folge ich ein der Hoppecke, einem recht großen Bach. Jetzt bin ich schon am Rand von Brilon, habe aber noch einige Kilometer bis ins Zentrum zu laufen. Vor mir sehe ich den Ort mit einer großen Kirche und vielen dunklen Schieferdächern. Schließlich kaufe ich in einem Penny Supermarkt ein, unter anderem, eine Banane, einen Apfel und Schokolade, was ich alles gleich esse und etwas zum Kochen für heute Abend, da ich eine Unterkunft gebucht habe. 

In Brilon beginnt der Rothaarsteig, dem ich für einige Tage folgen will, Der Rothaarsteig war der erste der neuen Wanderwege, mit denen vor etwa 20 Jahren das wandern modernisiert werden sollte. Von Beginn war das Ziel, diese Wege eher auf Naturnahen Faden laufen zu lassen, statt auf breiten Forstwegen. Ich bin gespannt, was mich jetzt auf dem Rothaarsteig erwartet.

Am Drübel bei Brilon, sind die Holunderblätter schon draußen. Ich passiere den Kurpark und gelange zum Kyrilltor bei Petersborn. Mit einer Skulptur aus aufgestellten Baumstämmen, gedenkt man dem Sturm Kyrill, der hier 2007 für große Verheerung gesorgt hat. Als ich weiter laufe, stelle ich fest, dass der größte Teil der damals vom Sturm betroffenen Flächen heute wieder Fichtenwald ist. Es wäre sehr sinnvoll, wenn auf den von der Borkenkäfer Kalamität 2018-2020 betroffenen Flächen, ein gemischter Wald entstehen würde. Zwar sehe ich an manchen Stellen hier auch Birken und Ebereschen, aber die Fichte dominiert. Auf dem Weg zum Borberg hat man einen Pfad unmittelbar neben den Fahrweg gelegt. Das wirkt auf mich zunächst etwas künstlich, tatsächlich hat man aber in dem dichten Jungwald das Gefühl, nicht direkt neben einem großen Weg zu laufen.  

Ich treffe Eva, die den Briloner Kammweg wandert. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt, dass sie Personalleiterin beim Bistum Paderborn ist. Als solche ist sie für 3000 Kita Mitarbeiterinnen zuständig. Tatsächlich sind das fast ausschließlich Frauen. Die Zahl der Männer bleibt im zweistelligen Bereich. Sie erzählt, dass das auch daran liegt, dass manche Eltern Vorbehalte gegenüber Erziehern hätten, da sie Missbrauch ihrer Kinder fürchten. Laut Eva werden die Erzieherinnen heute recht gut bezahlt. Die meisten arbeiten in Teilzeit. Tatsächlich dürfen Erzieherinnen vom ersten Tag einer Schwangerschaft an in Mutterschutz gehen. Verglichen mit den üblichen acht Wochen ist das eine sehr großzügige Regelung. 

Ausländische Kinder würden in der Kita immer schnell deutsch lernen, eine wichtige Vorraussetzung für die mögliche, spätere Integration in unsere Gesellschaft!

Eva erzählt, dass auch Kinder von muslimischen Eltern aufgenommen werden. Diese würden im Zweifelsfall aber ihre Kinder lieber in nicht religiöse Kindergärten geben. 

Sie sagt, dass es nicht einfach ist, Personal zu finden, es aber noch keinen Notstand gibt. Obwohl die kirchlichen Kitas überwiegend vom Staat finanziert werden, hat die Kirche das Recht, Mitarbeiter abzulehnen, die nicht mit der Religion verbunden sind. Ein ziemliches Privileg der Kirchen, bei dem man sich fragen muss, ob das noch zeitgemäß ist. In anderen Bereichen wäre eine so diskriminierende Personalauswahl nicht denkbar.

Nach der netten Begegnung wandere ich weiter. 

Am Borberg gibt es die kümmerlichen Reste einer Burg und eine kleine Kapelle.

Der folgende Abschnitt verläuft überwiegend auf Pfaden mit viel auf und ab. Dabei sind die Steigungen zum Teil ziemlich knackig. Der Rothaarsteig folgt hier tatsächlich dem Kamm. Dieser ist aber keineswegs flach, sondern wird von zahlreichen Erhebungen unterbrochen. Ein großer Teil des alten Waldes ist hier verschwunden, so dass man zahlreiche Ausblicke in die Umgebung genießen kann. An vielen Stellen hat man junge Bäume gepflanzt, was teilweise auch von Firmen unterstützt wird, wie Schilder zeigen.

Ich treffe Elias, der aus dem Ruhrgebiet kommt, und hier auf dem Rothaarsteig, seine erste, einwöchige Fernwanderweg durchführen will. Bis jetzt gefällt es ihm sehr gut!

Schließlich erreiche ich die Gegend um die Bruchhauser Steine. Da der Rothaarsteig nicht direkt zu den Felsen führt, unternehme ich einen Abstecher. Die vier vulkanischen Steine sind bis zu 92 m hoch und sehr eindrucksvoll. Es gab hier auch eine Wallanlage in früheren Zeiten. Was mir gar nicht gefällt ist, dass es hier eine Stiftung gibt, die der adelige Privatwald Besitzer und das Land NRW eingerichtet haben. Normalerweise muss man Eintritt für den Bereich der Steine bezahlen. Da die Saison noch nicht begonnen hat, ist das für mich aber kein Problem. Dennoch denke ich, dass das freie Waldbetretungsrecht in Deutschland ein sehr hohes Gut ist, was durch solche Dinge nicht unterhöhlt werden sollte!

Hier wächst auch noch intakter Fichtenwald. Ich steige zum Langenberg auf, mit 843 m der höchste Berg Nordrhein-Westfalens und des Rothaargebirges. Hier laufe ich teilweise durch alten Buchenwald aber auch Fichtenwald.

Hinter dem Langenberg gelange ich zur Hochheidehütte. Dort bin ich 2014 bei einer Wanderung auf der Winterberger Hochtour mit meinem Freund Reimund versackt…

Vom Clemens Berg ergibt sich eine weite Aussicht. Allerdings liegt unterhalb ein Diabas Steinbruch. Von hier wandere ich ein Stück durch die offenen Flächen der Hochheide, die mich ein wenig an den Heidschnuckenweg erinnern. Auch hier hat die frühere menschliche Nutzung Heide entstehen lassen. 

Ich treffe dann zwei junge Männer, die ebenfalls den Rothaarsteig wandern. 

Anschließend geht es auf Pfaden durch alte, noch intakte Fichtenwälder, wo schon ein Rauhfußkauz ruft. Vorher hatte ich schon Tannenhäher gehört, die man sonst aus den Alpen kennt. 

Schließlich gelange ich aus dem Wald, als die Sonne hinter den Bergen versinkt. Ich erreiche Küstelberg, wo ich für die Nacht ein Apartment gebucht habe. Ich kann hier duschen, Wäsche waschen und kochen, Paradies!



























Sonntag, 8. März 2026

WdH 31 Von Goldhausen zum Diemelsee

 



So, 8.3.2026


WdH 31: Von Goldhausen zum Diemelsee


12:00 h, 49,7 km, 1175 hm Aufstieg, 1165 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Den größten Teil des Tages folge ich dem 63 km langen Diemelsteig, einem Rundweg. Die Landschaft ist ziemlich abwechslungsreich mit eher kleinen Wäldern und vielen offenen Abschnitten, wo der Weg häufig an Waldrändern verläuft. Dennoch gefällt es mir hier nicht allzu gut. Zu viel Zivilisation: Windräder Straßen oder Häuser sind meistens zu sehen. Ich passiere zwei Trekkingplätze, auf denen Wanderer übernachten können. Diese muss man allerdings vorab buchen und darf sein Zelt nur auf eine hölzerne Plattform stellen, was nicht funktioniert, wenn das Zelt mit Heringen verankert werden muss. 

Heute habe ich zwei interessante Begegnungen: Eine Frau in Flechtorf kommt gerade aus dem Gottesdienst und erzählt, dass ihr die Religion viel für ihr Leben gibt. Obwohl das Dorf nicht weit entfernt von der Stadt Korbach ist, ziehen trotzdem viele Leute weg. Danach treffe ich Mara, die eine Gruppe von Geologie Studierenden während einer Projektwoche anleitet. Sie erzählt, dass sie durchaus Potenzial für Geothermie in Deutschland sieht.

Spätnachmittags wartet der Höhepunkt des Tages auf mich: Ich wandere zu einem tollen Aussichtspunkt hoch über dem Diemelsee und gelange dann abwärts zu seiner Staumauer. Da ich kein Wasser mehr habe, habe ich Glück, als mir Leute, die in einem Wohnwagen auf einem Parkplatz übernachten, etwas abgeben. Anschließend steige ich wieder auf und sehe die Sonne hinter dem See versinken. Schließlich schlage ich in einem dichten jungen Fichtenbestand mein Cowboy Camp auf.


Nach einer ruhigen Nacht, bin ich in der Morgendämmerung wieder unterwegs, als der abnehmenden Mond untergeht. Bald erreiche ich Goldhausen, das seinen Namen zurecht trägt, da hier früher Gold gefunden wurde. Hier gelange ich auch wieder auf den NST, dessen Kompassnadel mir zunächst die Richtung weist. Hinter dem Ort geht es auf einem Asphaltweg durch Felder und Wiesen, über denen die Lerchen singen.

Auch heute Nacht hat es wieder gefroren, aber ich hoffe, dass die aufgehende Sonne bald Wärme bringt. In der Ferne zeigt sich die Stadt Korbach und auf den Hügeln steht ein großer Windpark.

Schließlich gelange ich in den Wald und wandere an dem Bächlein Marbeck hoch. Hier hat man einen Lehrpfad eingerichtet mit Tafeln, die holländische Untertitel haben. Die Nähe der Nachbarn ist hier schon spürbar! Am Bach hat man kürzlich größtenteils die Fichten entfernt. Was brachial aussieht, ist eine Naturschutzmaßnahme, denn die Bäche vertragen die Beschattung durch die Fichten nicht besonders gut und ihre Nadeln versauern das Wasser. Leider hat man bei der Aktion das nicht beachtet, denn viele Zweige liegen im Bach und tragen so zur Versauerung bei. Als ich den Bach verlasse und auf ein Plateau gelange, sehe ich, wie man die abgestorbenen Fichten stehen gelassen hat, um darunter Buchen zu pflanzen. Genau richtig!  So kann man den Schatten der toten Fichten zum Schutz der jungen Bäume nutzen.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge asphaltierten Feldwegen zu dem größeren Ort Rhena. Der NST verläuft hier auf dem Waldecker Weg  (X 21)

Hinter dem Ort folge ich einem asphaltierten Feldweg, der unter einem Eisenbahnviadukt hindurch führt. Ein Stück weit geht es durch den Wald, dann gelange ich in eine Landschaft aus Bergwiesen und Wald. Hier komme ich auf den insgesamt 63 km langen Diemelsteig, der ein Rundweg ist und hier vom NST genutzt wird. Bei einer Hütte gibt es eine Holzplattform und ein Schild verrät, dass dies ein Übernachtungsplatz ist. Er muss allerdings gebucht werden, und man darf nur auf der Holzplattform zelten, was ich nicht gut finde, da viele Zelte mit Heringen verankert werden müssen. Außerdem gibt es eine Komposttoilette. Ein Schild gibt die Regeln vor: Auf einem Hobo darf hier nicht gekocht werden. Daneben steht auf dem Schild, dass die Saison erst am 1. April beginnt. Außerdem wird das Märchen erzählt, dass die Jagdbehörde hier die Jagd ausüben würde,  in den Morgen und Abendstunden. Das ist natürlich totaler Quatsch! In  Deutschland üben nicht Jagdbehörden die Jagd aus sondern private Jäger, beziehungsweise im Staatswald auch die Förster. 

Ab hier, folge ich eine Zeit lang einem Weg der Stille. Hier gibt es in regelmäßigen Abständen Zitate berühmte Leute, über die man beim Wandern nachdenken kann. Der Wald aus Buchen und Fichten ist recht abwechslungsreich. Irgendwann komme ich auf eine Hochfläche, die lediglich von jungen Bäumen bewachsen ist. Teilweise haben sich Fichten wieder angesiedelt, teilweise hat man Douglasien gepflanzt. Es gibt aber auch Nordmanntannen, die als Weihnachtsbäume verkauft werden, wofür das Sauerland berühmt ist. Ein kurzes Stück laufe ich auf einem Pfad durch den Buchenwald, aber meistens folge ich befestigten Wirtschaftswegen. Schließlich gelange ich aus dem Wald und sehe vor mir Flechtdorf in einer Mulde liegen, darüber ragen einige Windräder auf. Am Waldrand fliegen zehn Kolkraben laut rufend. Obwohl Aas  in der Nähe liegt? Außerdem sehe ich einen Rotmilan.

In dem recht großen Ort  Flechtdorf sehe ich eine Frau aus dem Gotteshaus einer freien evangelischen Gemeinde kommen. Sie wirkt offensichtlich beschwingt und trägt zwei Rosen in der Hand. Also spreche ich sie an, worauf sich ein kleines Gespräch ergibt. Ich stelle die provozierende Frage, ob die freien evangelischen Gemeinden eine Sekte seien, sie versteht, dass das nur eine leichte Provokation ist und erzählt, dass ihr die Kirche viel gibt und sie freier sei als herkömmliche Kirchen. Im Gegensatz zu evangelischer und katholischer Kirche verzeichnen die freien evangelischen Gemeinden tatsächlich enormen Zulauf. Sie ist hier auf einem Hof aufgewachsen, aber von drei Kindern ist lediglich noch ein Bruder da, der den Hof übernommen hat. Dies sei relativ typisch, mehr Leute würden wegziehen als dazukommen. Obwohl Korbach mit einiger Industrie nicht ganz weit entfernt ist, ziehen viele Menschen auch hier offenbar lieber in größere Städte. Die Rosen hat sie übrigens zum Weltfrauentag geschenkt bekommen, der heute ist. Während wir uns unterhalten, kommt ein anderes Paar vorbei, das ebenfalls in der Kirche gewesen war. Die Frau, mit der ich mich unterhalte, stellt sie als Neuankömmlinge vor, doch dann stellt sich schnell heraus, dass sie schon seit 30 Jahren da sind!

Aus dem Dorf geht es auf einem Pfad steil nach oben zu einem Hügel, von dem man eigentlich eine schöne Aussicht über die Fachwerkhäuser hat. Leider verdecken Bäume die Sicht. 

Aus dem Wald laufen fünf Rehe aufs offene Feld. Immer am Waldrand entlang, laufe ich einen ziemlichen Bogen. Hier wachsen zarte Blümchen, die an Trockenheit angepasst sind, wie das Frühlingsfingerkraut mit seinen gelben Blüten. Ich überquere eine Straße und gelange in den Wald. Hier nasche ich mal wieder Bärlauch.

Dann sehe ich drei junge Frauen. Eine von Ihnen hockt am Boden und hat einen Hammer in der Hand. Ich spreche sie an, und es stellt sich heraus, dass Mara Geologie in Jena studiert und eine Gruppe von Studierenden im ersten Semester begleitet, die hier ein Gebiet während einer Projektwoche geologisch kartieren. Sie erzählt, dass es für Geologen vielfältige Tätigkeitsbereiche gibt, unter anderem die Suche nach Endlagerstätten für Atommüll, nach seltenen Erden aber auch Geothermie.  Geothermie macht mich neugierig, so frage ich nach und erfahre, dass auch in Deutschland das Potenzial für diese Art Energie zu gewinnen gar nicht so klein ist. Im Oberrheingraben beispielsweise bei Bruchsal gibt es schon solche Anlagen. Natürlich hat die Technologie wie alles im Leben ihre Risiken.So können unter Umständen kleinere Erdbeben ausgelöst werden. Nach dem interessanten Gespräch gelange ich bald aus dem Wald und steige auf zum Lenkenberg mit 513 m Höhe. Von dort ergeben sich schöne Aussichten zu den Bergkuppen der Umgebung. Allerdings ragen im Nordosten auch zahlreiche Windräder auf. Weiter geht es durch die abwechslungsreiche, offene Landschaft, bis an den Rand von Wirmighausen. 

Ich überquere eine Straße und gelange an den Waldrand, wo sich eine Wanderin gerade ausruht. Ein Stück weiter geht es wieder über die Straße, und dann folge ich einem Bachtal aufwärts nach Adorf. Der Weg am Waldrand, wo linker Hand eine Wiese ist, gefällt mir gut, ein älteres Paar, das auf einer Bank sitzt, spricht mich kurz auf meine Wanderung an. Schließlich erreiche ich den größeren Ort Adorf, den ich am Rand durchquere. 

Von Adorf geht es zunächst steil nach oben. Ich komme an einem weiteren Trekking Platz vorbei, diesmal mit überdachter Plattform. Dann geht es wieder abwärts zu einer Straße, die ich überquere und einem Bach ein Stück folge.  Lange laufe ich auf Asphaltwegen durch die offene Landschaft, die viele Ausblicke gewährt. Allerdings gibt es für mich hier zu viel Zivilisation. Überall sind Windräder zu sehen, Straßen oder Häuser. Das Ganze macht nicht wirklich wirklich den Eindruck von Natur, sondern eher von einem, wenn auch schönen Garten.

Dann kommt das beste Stück des Tages: Eine ganze Zeit lang laufe ich auf relativ schmalen, unbefestigten Wegen am sonnigen Waldrand entlang. Dann geht es durch Buchenwald zum Aussichtspunkt St. Muffert, hoch über dem Diemelsee, zu dem die Schieferklippen steil abfallen. Durch den Wald geht es weiter aufwärts zum Eisenberg auf knapp 600 m Höhe. Der Abstieg erfolgt in lang gezogenen Serpentinen. Schließlich erreiche ich den Diemelsee und laufe über die Staumauer. Ich habe kaum noch Wasser und weiß, dass auf meiner Route erst mal nichts mehr kommt. Daher frage ich zunächst einen Motorradfahrer, ob er mir was geben kann. Dieser hat aber nichts dabei. Alle Cafés und Restaurants haben noch geschlossen, daher sehe ich schon einer durstigen Nacht entgegen, als ich eine Frau vor einem Wohnwagen sehe. Ich spreche sie an und tatsächlich bekomme ich meine Wasserflasche aufgefüllt. Puh, Glück gehabt! Bald geht es wieder in den Wald d.h. eigentlich über große offene Flächen, die in der Dürre 2018-2020 entstanden sind. Krasser Weise hat man hier teilweise mit Fichten wieder aufgeforstet… 

Im Sonnenuntergang ergeben sich noch mal schöne Ausblicke über den Diemelsee und die dahinter auf ragenden Bergkuppen. Schließlich erreiche ich wieder geschlossenen Wald und schlage mein Cowboylager in einem dichten jungen Fichtenbestand auf.
























Samstag, 7. März 2026

WdH 30 Von Basdorf nach Goldhausen


 



7.3.2026


Von Basdorf nach Goldhausen


WdH 30: 11:55 h, 49,9 km, 1035 hm Aufstieg, 905 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Rechtzeitig als die aufgehende Sonne den Edersee zart lila färbt, gelange ich ans Ufer. Bald entfernt sich der Pfad aber wieder und führt steil in den Hang. Im Gegensatz zu gestern stört hier keine Straße und der Wald ist ein absoluter Traum! Besonders der Knorreichenstieg ist wunderschön. Vor Herzhausen laufe ich noch längere Zeit auf einem Fahrweg hoch über dem See, wo ich schöne Aussichten erhalte. Leider verdecken die Bäume die Sicht an den meisten Stellen.

In Herzhausen verlasse ich den NST und nehme eine eigene Route, da ich mir bekannte Orte wieder sehen möchte. Buchenberg, das malerisch auf einer Hochfläche liegt, wo man schöne Ausblicke zu den Bergkuppen ringsum erhält, war 1995 mein Wohnort für ein Jahr. Durch den Wald oberhalb der Eder geht es nach Ederbringhausen, wo ich gerade richtig komme, um mir etwas von einem Bäckerwagen zu kaufen. Weiter geht es das malerische Orketal  aufwärts. Hier war ich früher einige Male mit dem Schlauchboot unterwegs. Meist laufe ich abseits vom Fluss, der mit Stromschnellen und kleinen Inseln unheimlich abwechslungsreich ist. Gut Reckenberg mitten im Wald ist ein Traum. Das Tal  gefällt mir besonders schön, weil es hier keine Straße gibt und es daher sehr abgelegen wirkt. Hinter Dalwigkstal laufe ich lange im Wiesen geprägten Aartal aufwärts, wo ich am Bach zwei Wasseramseln sehe. Schließlich steige ich zum Eschenberg auf, wo ich einem schmalen Weg auf dem Kamm folge. Ich bin hier auf dem 70 km langen Lichtenfelser Panorama Weg unterwegs. In der Dämmerung schlage ich schließlich mein Lager abseits des Weges auf.


Am Morgen bin ich bald wieder auf dem Urwaldsteig, der hier zunächst relativ weit vom See entfernt auf einem Pfad verläuft. Beim Campingplatz Fürstenlager gelange ich dann wieder an den Edersee, dessen Ufer ich hier ein Stück weit folge. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn jetzt färbt gerade die aufgehende Sonne den See zart lila. Schon bald geht es aber wieder steil nach oben. Tatsächlich sind die Steigungen für ein Mittelgebirge hier zum Teil ganz schön knackig! An einer Stelle wurde sogar ein Seil als Hilfe fest gemacht. Zwar macht der Wald insgesamt einen vitalen Eindruck. Dennoch sind bei vielen Eichen und Buchen Äste in den Kronen in den Dürrejahren vertrocknet. Das heißt nicht, dass diese Bäume tot sind. Aber sie sind natürlich geschwächt. Der Knorreichenstieg ist ein weiterer Höhepunkt des Urwaldsteigs. Die weiten Laubwälder hier sind wirklich ein Traum für jeden Waldfreund! Einmal sehe ich einige Rehe abspringen. Auf dem See hatte ich einige Haubentaucher und Kormorane gesehen. Bei Asel  gelange ich auf eine Straße, der ich ein Stück folge. In den Wiesen hat es auch diese Nacht gefroren. An einem Altersheim vorbei geht es wieder in den Wald. Teilweise gibt es hier auch Fichten, die allerdings zum größten Teil längst abgestorben sind. Einige Bäume liegen hier über dem Weg, stellen aber kein wirkliches Hindernis da. Ein Fahrweg führt dann längere Zeit über dem steilen Seeufer entlang. Da die Bäume noch unbelaubt sind, kann ich gut über den See blicken. Vor Herzhausen erreiche ich schließlich einen asphaltierten Weg, auf dem bereits einige Spaziergänger mit Hunden und Kinderwagen unterwegs sind. In  Herzhausen, an der Uferpromenade nehme ich Abschied vom See, vom Urwaldsteig und zunächst auch vom NST. Ab hier folge ich einer eigenen Route durch Gebiete, die ich von früher gut kenne und die ich wieder sehen möchte.

Ich passiere den Bahnhof und biege dann von der Straße ab. Auf einem Fahrweg geht es an einem Bächlein aufwärts.

Ich passiere ein Schild, das auf eine Naturwald Entwicklungfläche hinweist, wie die aus der Nutzung genommenen Wälder offenbar jetzt in Hessen heißen. In dem steilen Tal gibt es noch einige kleine Wiesenstücke. Nach einem langen Aufstieg, erreiche ich eine Hochfläche, wo sich schöne Aussichten auf die bewaldeten Bergkuppen der Umgebung bieten. Es gibt hier sogar eine kleine Wachholderheide und eine sehr nett gemachte Hütte, wo man laut einem Schild einfach nur da sitzen soll. Dann laufe ich durch den Ort Buchenberg, wo ich 1995 als ganz junger Förster ein Jahr lang gewohnt habe. Ein wirklich idyllisches Dorf! Ich meine sogar das Haus wieder zu erkennen, indem ich damals gelebt habe. 

Über dem Ort kreisen zwei Rotmilane. Ein asphaltierter Weg führt mich über die Wiesen Richtung Wald. Von hier ergeben sich Aussichten zu den bewaldeten Hängen auf der anderen Seite des Edertals. Leider schallt der Lärm der Bundesstraße im Tal bis hier oben. 

Ich passiere ein Feldgehölz, das mit niedrigen Eichen und Buchen bewachsen ist. Etwas typisches für diese Gegend mit ihren trockenen, nährstoffarmen  Böden.

Eine Fläche am Waldrand, in der damals Eichen gepflanzt worden waren und in der wir Mäuse gefangen haben, ist jetzt ein geschlossener junger Wald.

Der Weg, auf dem ich jetzt laufe, verläuft im Wald oberhalb der Eder. Die Hänge hier sind sehr steil. Überwiegend wachsen junge Buchen, es gibt nur wenig alte Bäume. Zitronenfalter schweben über dem Weg. Schließlich erreiche ich den Rand von Ederbringhausen, wo gerade ein Bäckerwagen unterwegs ist. Ich nutze die Gelegenheit und kaufe mir ein Brötchen und zwei süße Teilchen  für zwischendurch. Der Mann der mich bedient, erzählt, dass sich diese rollende Bäckerei durchaus lohnt und natürlich wissen die Leute in den Dörfern diesen Service zu schätzen. Bis hierher bin ich dem Wanderweg X1 gefolgt, jetzt geht es auf dem X 8 weiter. 

Zunächst geht es durch die Wiesen zwischen Straße und Orke, einem hier etwa 8 m breiten Flüsschen. Ich durchquere Niederorke und laufe ein Stück durch die Wiesen, bevor es in den Wald geht. Schließlich hört der Fahrweg auf, und ein Erdweg läuft weiter hoch über dem Fluss, den ich unter mir fließen sehe. Auf der anderen Seite des Tals liegt das Gut, Reckenberg, mit einem schwarzen und zwei roten Türmen sowie drei Gebäuden in unglaublich malerischer Lage. Leider wird der Ausblick von den Bäumen verdeckt. An den Hängen wächst ein älterer Laubwald aus Buchen und Eichen. Der Fluss ist unheimlich lebendig mit vielen Mäandern, kleinen Stromschnellen und Inseln. Ich erinnere mich daran, wie ich hier einige Male mit einem Schlauchboot runtergefahren bin,lange, bevor es per Packrafts gab.Es  gibt hier im Tal keine Straße, was mit zu dem wildromantischen Eindruck beiträgt.

Ich unterhalte mich kurz mit einem Paar, dass hier ebenfalls unterwegs ist und laufe dann auf einem Fahrweg ziemlich steil nach oben, bis es wieder runter zum Fluss geht. Das schmale Tal ist auf ganzer Länge von Wiesen gesäumt, die zum Teil von Wildschweinen umgewühlt wurden. Ich erinnere mich daran, wie ich bei einer Bootsfahrt an einem Weidezaun gekentert bin, der quer über den Fluss gespannt war! Schließlich erscheint der Ort Dalwigkstal vor mir.

Ich verlasse die Orke und steige bald steil in den Wald auf. Hier stehen abgestorbene Fichten, unter denen sich Hainbuchen angesiedelt haben. An einer anderen Stelle liegen Wuchshüllen herum und einige sitzen noch an Bäumen, die schon mehrere Meter hoch sind, so ist das mit den Wuchshüllen!

Aus dem Wald gelange ich in das Tal der Aar, dem ich dann lange folge. Es ist breiter, als dass der Orke und wird von Wiesen geprägt. Die Aar ist schmaler aber auch mehrere Meter breit. Zwei Motorradfahrer überholen mich und ein Quad kommt mir entgegen. eigentlich sind diese Wege für nicht landwirtschaftlichen Verkehr gesperrt…

Irgendwann verläuft der Weg dicht am Bach. . Hier sehe ich zweimal Wasseramseln vorbeifliegen. Bei einem Hof fährt ein junger Bauer ziemlich rasant auf seinem Trecker herum, vermutlich um Mist einzuarbeiten. Ich gelange an der Aar Mühle an eine Straße, und steige bald ziemlich lange und steil im Wald auf. Schließlich erreiche ich einen Kamm, der durch dichten, älteren Buchenwald führt, der ganz wie wenig bewirtschafteter Bauernwald wirkt. Es wächst hier etwas Bärlauch, womit ich mein Essen aufbessere. Ich erhalte eine schöne Aussicht im Sonnenuntergang auf die gegenüberliegenden Gipfel des Rothaargebirges und erreiche ein weißes Gipfelkreuz. Eine Tafel verkündet, das hier der 70 km lange Lichtenfelser Panorama Weg verläuft, dem ich schon im Orketal  gefolgt bin. In der Dämmerung schlage ich schließlich mein Zelt, etwas abseits des Wegs im Wald auf.