Freitag, 13. März 2026

WdH 36 Von Manderbach nach Breitscheid

 




Fr, 13.3.2026


WdH 36: Von Manderbach nach Breitscheid


10:21 h, 41 km, 1233 hm Aufstieg, 1083 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Es dauert nicht lange, bevor ich am Morgen den Rand von Dillenburg erreiche. Ich steige zum Bismarck Tempel auf, von wo man einen schönen Überblick über die Stadt mit ihrem Schloss erhält. Hier verlässt der NST den Rothaarsteig und führt auf dem Lahn-Dill-Bergland-Pfad weiter. Von Niederscheld steige ich zum Naturschutzgebiet Weiße Höll auf, mit seinen Magerrasen und einigen Hutebäumen. Im Monzenbachtal sehe ich den ersten Seidelbast des Jahres, mit seinen spektakulären, rosa Blüten. Durch den Wald geht es nach Seelbach, wo ich die B 255 überquere. Der folgende Abschnitt ist sehr schön und verläuft größtenteils auf Pfaden. Es gibt hier nicht nur Wald, sondern auch Wiesen und Gebüsche. Schließlich steige ich steil ab nach Herborn, wo ich durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern laufe. Eigentlich folgt der NST ab hier dem Westerwaldsteig , da dieser aber über eine längere Strecke in der Nähe der A 45 verläuft, wähle ich eine eigene Route, auf der ich über Amdorf nach Erdbach gelange. Hier schaue ich mir zwei Höhlen an, in denen vorgeschichtliche Funde gemacht wurden. Vor Breitscheid versinkt der Erdbach im Boden und tritt erst später wieder aus. Da es inzwischen regnet, habe ich mir hier eine günstige Unterkunft gebucht, in der ich  herzlich empfangen werde und erst mal Kaffee trinke.


Bereits in der Morgendämmerung um 6:15 Uhr bin ich wieder unterwegs. Im Wald hier liegen viele gefällte Eichen. Ich streife den Ortsrand von Manderbach und laufe ein Stück auf unbefestigten Wegen durch nasse Wiesen, in denen es auch gefroren hat. Dann geht es noch mal durch ein Waldstück, bevor ich ins Tal vor Dillenburg komme. Hier ist es sehr laut und es gibt viel Industrie. Bald steige ich steil im Wald wieder auf, wo der erste Lärchensporn blüht, und stellenweise hellgrünes Perlgras aus dem braunen Laub sprießt. 

Ich erreiche den Bismarck Tempel, der eine Aussicht über Dillenburg mit dem Schloss gewährt und verlasse hier den Rothaarsteig, der unten in der Stadt endet. 

Ab jetzt folgt der NST dem Lahn-Dill-Bergland-Pfad, der über knapp 90 Kilometer von Marburg nach Dillenburg, bzw. Herborn führt. Dieser verläuft über dem lauten Dilltal, meist in Laubwald an den ziemlich steilen Hängen. Teilweise gibt es hier aber auch ausgedehnte Gebüsche. Weißdorn und Schlehen werden schon langsam grün.

Ich steige ab nach Niederscheld und dann auf einem Pfad ziemlich steil wieder hoch. Hier befindet sich das Naturschutzgebiet Weiße Höll mit seinen Orchideenreichen Magerrasen. Die Orchideen blühen leider noch nicht, aber ich erinnere mich daran, wie ich für dieses Gebiet etwa 2008 oder 2009 den Naturschutz Pflegeplan erstellt habe! 

Ein Fahrweg führt oberhalb des steilen Hangs weiter. Hier sind einige mächtige, über 300 Jahre alte Hutebäume zu sehen, Zeugen der vergangenen Nutzung. 

Schließlich laufe ich auf Fahrwegen das Monzenbachtal hoch. Im Talgrund gibt es einige Tümpel und Weidengebüsche, an den Hängen wächst Laubwald. Aber es gibt auch Freiflächen. Dort stand früher Fichtenwald, eine Tafel verkündet, dass 75 % der Fichtenbestände im Forstamt Herborn abgestorben sind. 

Hier entdecke ich einige rosa Farbtupfer, das ist der erste Seidelbast! Der Seidelbast ist ein kleiner Strauch, der seine Blüten direkt aus den Stämmchen und Ästen treibt, wie das auch bei Kakao in den Tropen der Fall ist. Schilder weisen hier auf die bevorstehende Krötenwanderung hin, aber bisher war es für die Amphibien wahrscheinlich noch nachts zu kalt.

Oben angekommen, geht es weiter durch große Laubwälder. Schließlich komme ich an den Nesselhofer Teichen vorbei, einigen Gewässern, mitten im Wald. Dunkle Felsen zeigen die ehemalige Grube Konstanze an, wo Kupfer gefördert wurde.

Schließlich steige ich ab an den Rand von Seelbach, wo ich die B 255 überquere und dann wieder ziemlich steil in den Wald aufsteige. Auf diesem Höhenrücken bin ich meist auf Pfaden unterwegs. Außer Wald gibt es hier auch Wiesen und Gebüsche. Trotz der Nähe zu Herborn, eine schöne Landschaft. Leider ist es jetzt bewölkt und grau. Neben dem Lahn-Dill-Bergland-Pfad, verläuft hier auch die Extra Tour Dernbach Wiesen, sehr schön!

Schließlich führt mich ein steiler Weg bergab. Von einem Aussichtspunkt kann man bereits Herborn mit seinem Schloss überblicken. Hier blühen auch schon Veilchen und Immergrün. Unglaublich was für ein Verkehrslärm unten an der Bundesstraße herrscht! Dagegen ist die Fußgängerzone in der Altstadt von Herborn mit ihren Fachwerkhäusern recht schön. Da demnächst Kommunalwahlen sind, haben hier die verschiedenen Parteien ihre Stände aufgebaut. Eigentlich folgt der NST ab hier dem insgesamt 235 Kilometer langen Westerwaldsteig, da dieser aber eine ganze Weile direkt neben der A 45 verläuft, entscheide ich mich für eine Variante, die die Autobahn lediglich überquert. Aus dem Ort geht es relativ steil bergauf, ich überquere die A 45 und wandere auf Forstwegen weiter durch den Laubwald.

Bald folge ich einem Tal durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, mit Wiesen und Gebüschen abwärts und gelange auf eine Höhe, unter der Amdorf liegt. Entfernt darüber ragt bereits der Fernsehturm der Fuchskaute, des höchsten Berges im Westerwald auf. Ich folge einem asphaltierten Weg zu dem Dorf.

Hinter Amdorf geht es dann auf einem Radweg abseits der Straße den Erdbach aufwärts zum Ort Erdbach. Hier beginnt es zu regnen. Ein Pfad führt mich an zwei Höhlen im Kalkgestein vorbei, in denen Funde aus vorgeschichtlicher Zeit gemacht wurden. In der Nähe gibt es das Herbstlabyrinth, ein Höhlensystem von über 6 Kilometer Länge!

Weiter geht es am Waldrand oberhalb einer tiefen Schlucht. Vor Erdbach gelange ich dann an die Stelle, wo der gleichnamige Bach im Erdboden versinkt und erst weiter unterhalb wieder an die Oberfläche tritt. Ich kaufe kurz im Nahkauf ein und gehe dann zur sehr günstigen Villa Jani, wo ich ein Zimmer spontan im Internet gebucht hatte. Ich werde herzlich empfangen und genieße erst einmal einen Kaffee.


















Donnerstag, 12. März 2026

WdH 35 Von Lützel nach Manderbach


 


Do, 12.3.2026


WdH 35: Von Lützel nach Manderbach


10:26 h, 42,6 km, 831 hm Aufstieg, 1072 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem Olli mich zurück nach Lützel gebracht hat, wandere ich von dort wieder los. Das obere Edertal entpuppt sich als malerisches Juwel, mit seinen Sumpfflächen, Birken- und Erlengehölzen. Interessanterweise passiere ich heute kurz hintereinander die Quellen von Eder, Sieg und Lahn, neben weniger bekannten Bächen.  Ich passiere zwei abgeschiedene Örtchen  und gelange in das wohl größte Katastrophengebiet am Rothaarsteig. Wahnsinn auf welch großen Flächen hier der Fichtenwald abgestorben ist! Mir völlig unverständlich ist, dass man einige Windräder direkt an dem Premium Weg platziert hat. Muss das wirklich sein? Schließlich gelange ich in niedrigere Höhen, wo ich teilweise auf unbefestigten Wegen durch vielfältigen Wald laufe. Vor Manderbach schlage ich schließlich mein Lager auf der Veranda einer Hütte auf. Ich habe morgen nur noch wenige Kilometer auf dem Rothaarsteig vor mir. Obwohl der Weg einige Höhepunkte bietet, hat er mir insgesamt nicht besonders gefallen. Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, eine attraktivere Strecke zu schaffen?


Morgens beim Duschen entdecke ich doch tatsächlich die erste Zecke des Jahres an meinem rechten Schienbein! Ich genieße das reichhaltige Frühstücksbuffet im Dahlbrucher Hof und werde dann von Olli wieder abgeholt.

Schon um 7:30 Uhr kann ich dann von Lützel loslaufen. Es ist noch etwas bewölkt, aber bald erscheint auch blauer Himmel. Es dauert nicht lange, bis ich ins obere Edertal abbiege. Die Eder ist hier ein etwa 3 m breiter, mäandernder Bach. Das breite Tal wird durch Sumpfflächen, Weidengebüsche, Erlen- und Birkenwald geprägt und gefällt mir sehr gut!

An einer Stelle ragen auf dem gegenüberliegenden Hang in regelmäßigen Abständen Fichtenstümpfe auf, die in etwa 3 m Höhe abgeschnitten wurden. Diese dienen zur Markierung der Rückgassen, über die das Holz von den Borkenkäferflächen gefahren wurde. Ein sehr sinnvolles Vorgehen, da ansonsten bei der ersten Durchforstung im neu entstehenden Wald vielleicht in 20 oder 30 Jahren wieder neue Rückgassen angelegt werden würden, wodurch die Fläche des befahrenen Bodens sich erhöhen würde. Um die Befahrung zu minimieren, ist es daher sehr wichtig, die Rückegassen tatsächlich dauerhaft zu kennzeichnen. 

Ein Pfad führt durch das Ederbruch mit seiner Moorvegetation. Inzwischen bewirkt die Sonne, das Schwaden von Dunst aufsteigen, ein schönes Bild!

Hier entspringt die Eder auf 620 m Höhe.

Etliche Tafeln geben interessante Informationen über die Natur des Ederoberlaufs.

Nachdem ich auf einem Forstweg ein Stück durch recht schönen Wald mit alten Buchen und Fichten gelaufen bin, gelange ich in von Wald umgebene, offene Bereiche. Über dieser Mulde drehen sich vier Windräder.

Auf der rechten Seite sind die Hänge in großen Umfang entwaldet und enorm viele Plastikwuchshüllen zeigen, dass man sich bemüht, neuen Wald anzulegen.

Ein Sträßchen führt mich schließlich durch das abgeschiedene Dörfchen Benfe.

Als ich wieder in den Wald komme, treffe ich den ersten Spaziergänger des Morgens.

Bald gelange ich in einen riesigen Freiflächenbereich. Dort hat man alles gemulcht, wahrscheinlich um eine künftige Pflanzung zu erleichtern. Dass das mit unheimlicher Bodenbeeinträchtigung einhergeht, nimmt man dabei offenbar in Kauf.

Der obere Teil der Flächen ist schon bepflanzt. Größtenteils mit Douglasie, teilweise auch mit Buchen, wahrscheinlich um Anspruch auf eine Förderung zu haben. Da die Flächen aber räumlich voneinander getrennt sind, entstehen hier keine echten Mischbestände. Die Forstbehörde, die für die Bewilligung dieser Fördergelder zuständig ist, sollte sich diese Flächen dringend einmal anschauen!

Bald erreiche ich die malerisch auf einer Anhöhe gelegenen wenigen Häuser von Großenbach.

An der Siegquelle vorbei laufe ich durch schönen Buchenwald und folge einem Pfad, der einem mit verschiedenen Stationen ermöglicht, den Wald anders wahrzunehmen. Später verläuft der Weg auch über größere Freiflächen, teilweise direkt neben einer wenig befahrenen Straße. Weiter geht es über große Freiflächen, die zum Teil von Ginster erobert wurden. Dort ist es gar nicht so einfach, den Wald wieder zu etablieren.

Ich passiere die verstreuten Gehöfte des Lahnhof, wo sich die Lahnquelle befindet. Dann folge ich einem Pfad parallel zur Straße durch meist jungen Fichtenwald, aber auch relativ offene Flächen.

Über große Freiflächen gelange ich zum kleinen Rothaar, einem Entdeckerpfad für Kinder.

In der Nähe der Ilse Quelle hat man am Hang trockene Fichten stehen gelassen, was man hier sonst überhaupt nicht sieht. Schade, weil das wahrscheinlich die Wiederbewaldung erleichtern würde. Die Ilse Quelle galt im Mittelalter als heilkräftig und wurde deswegen auch der Heilige  Born genannt, ich trinke auch aus der Quelle und erwarte jetzt wundersames was meine Gesundheit angeht…

Ab dem Jagdberg mit der Dietzhölztal Hütte, folge ich der Eisenstraße, einem alten Handelsweg, dessen Pflasterung teilweise noch zu erkennen ist. Hier im Siegerland hat das Eisenerz schon zur Zeit der Kelten, 650 Jahre vor Christi Geburt eine große Rolle gespielt.

Weiter geht es über den aussichtsreichen Kamm, wo ein scharfer Wind bläst.

Es ist erschreckend, in welch großen Umfang hier der Wald verloren gegangen ist. Das ist sicher das größte Katastrophengebiet auf dem Rothaarsteig! All die Freiflächen sind in der Borkenkäfermassenvermehrung von 2018-2020 entstanden, ob hier in 20 Jahren wohl überall wieder ein junger Wald wächst?

Schließlich gelange ich an die Dillquelle. Das Gebiet kenne ich gut, weil ich ungefähr 2009 hier einen Naturschutzplan erstellt habe, indem es darum ging, den Oberlauf der Dill naturnaher zu gestalten. Das der alte Fichtenwald hier auf so großer Fläche absterben würde, habe ich mir damals nicht träumen lassen.  Dieses Katastrophengebiet zu sehen ist wirklich erschütternd, es sollte uns alarmieren, die zahlreichen noch immer vorhandenen, reinen Nadelwälder in Mischwälder zu überführen!

Schließlich passiere ich drei Windräder unmittelbar am Rothaarsteig, nicht weit entfernt wird ein Weiteres gebaut. Die Rotoren erzeugen ein ständiges unangenehmes Geräusch. Wie gesagt, ich bin absolut für Windkraft, aber das Windräder mitten in den Wald gestellt werden müssen und noch dazu an einen so stark beworbenen Fernwanderweg sehe ich überhaupt nicht ein!

Tatsächlich hat man über ein Stück sogar die Zufahrt zu den Windrädern auf den Rothaarsteig gelegt! So ein Weg ist dann ungefähr doppelt so breit wie ein normaler Waldweg, krass! Bald verläuft der Rothaarsteig als Pfad unmittelbar neben der Trasse, ob einem das das Gefühl gibt, auf einenm naturnahen Wanderweg unterwegs zu sein, stelle ich sehr in Frage.

Um es noch einmal ganz klar auszudrücken: Windräder werden nicht in den Wald gestellt, weil es woanders keine Möglichkeiten gibt, sondern weil a) die Waldbesitzer insbesondere Staat und Kommunen aber auch private daran verdienen wollen. b) es weniger Widerstand gibt,  weil Siedlungen meistens weiter entfernt sind.

Ich will auch nicht ausschließen, dass ich zu empfindlich bin, was das angeht. Immerhin hat man in Sicht und Hörweite der Windräder auf der Tiefenrother Höhe einen besonderen Aussichtspunkt, mit zwei Ruheliegen geschaffen. Offenbar sind andere Leute diesbezüglich viel toleranter…

Schließlich gelange ich in tiefere Lagen um 500 m und verlasse das Katastrophengebiet. Hier wachsen viele Eichen und Birken, die aus der früheren Haubergwirtschaft stammen. Dabei wurden ganze Hänge alle 20 Jahre kahlgeschlagen und aus den Stümpfen schlugen dann die Eichen wieder aus. Diese Art der Forstwirtschaft ist sehr alt und wird auch als Niederwaldwirtschaft bezeichnet. Hier hatte sie lange den Sinn Holzkohle für die Eisenherstellung zu erhalten, heute geht es in den Haubergen aber ausschließlich um Brennholz.

Lange geht es dann teilweise auf unbefestigten Wegen durch ein abwechslungsreiches Waldgebiet mit Buchen, Fichten Lärchen und Kiefern. Schließlich folge ich einem Kamm oberhalb des Dorfes Fellerdilln. Die sechs Windräder, die sich über dem Ort drehen, hört man bis hierher.

Es hängen hier sehr viele Nistkästen und Tafeln zu verschiedenen Vogelarten. Kein Wunder, irgendwann komme ich an der Hütte des Vogelschutzvereins vorbei, die Besucher dazu einlädt, dort zu rasten.

Ein asphaltierten Weg führt mich dann am Waldrand entlang nach Rodenbach. Heute ist es zwar sonnig, aber ziemlich kühl, so dass ich mit Jacke laufe.

Hinter Rodenbach steige ich wieder zum Wald auf und folge dann einem Bach abwärts, vorbei an Teichanlagen und Waldwiesen im Mischwald. Bevor ich aus dem Wald komme, entdecke ich etwas abseits am Bach eine Hütte, wo ich auf der Veranda mein Lager beziehe. In der Nähe springt ein dunkles Eichhörnchen herum. 

In wenigen Kilometern erreiche ich das Ende des Rothaarsteigs, wie ist mein Fazit? Obwohl der Weg schöne Teile hat, wie den Kamm bei Brilon, die Bruchhauser Steine, die Hochheide am Clemensberg, das Edertal und einige Waldpassagen mit alten Bäumen, gefällt mir vieles nicht. Der Fahrweganteil ist nach wie vor hoch, der „Schweinezaun“ stört enorm und Windräder passen nicht zu einem Premiumweg. Außerdem können die vielen großen Freiflächen die die Borkenkäfer hinterlassen haben, ganz schön deprimierend sein, auch wenn sie Ausblicke bieten. 































Mittwoch, 11. März 2026

WdH 34 Von Latrop nach Lützel

 




Mi, 11.3.2026


WdH 34: Von Latrop nach Lützel 


10:00 h, 33,5 km, 651 hm Aufstieg, 770 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute ist einer der wenigen Tage, an denen mir das Wandern keinen Spaß macht. Es regnet fast den ganzen Tag und ist dabei kühl und windig. Meist laufe ich über Forstwege, und komme dabei sogar an neuen Windradstandorten unmittelbar am Rothaarsteig vorbei! Manchmal geht es durch schönen, alten Buchen-und Fichtenwald, das ist aber die Ausnahme. Zwar komme ich durch kein Dorf, dennoch gefallen mir die weiten Wälder nur mäßig. Selbst wo eigentlich naturnahe Wege verlaufen würden, ist der Weg entlang des „Schweinezauns“ ziemlich zerfahren. Ein Highlight ist die Box, die der Trail Angel Olli für mich am Weg deponiert hat. Auch als ich Lützel erreiche und keine Unterkunft finde aber nicht im Regen schlafen will, wird Olli meine Rettung! Er holt mich ab, bringt mich zu einem Hotel und abends unterhalten wir uns an einem chinesischen Buffet intensiv. Dabei geht es um so unterschiedliche Themen wie seine „Wanderkarriere“, die wirtschaftlichen Aussichten seines Arbeitgebers, eines großen Maschinenbauunternehmens und seine Angst vor der AfD. Schließlich bringt Olli mich satt und zufrieden zurück zur Unterkunft.


In der Nacht regnet es ab und zu und auch am Morgen als ich aufbreche, tröpfelt es noch. Wieder folge ich Kilometer lang dem Zaun, der die afrikanische Schweinepest abhalten soll. 

Ein Zelt steht direkt neben dem Weg, meine Freunde von gestern?

Als ich die Millionen Bank erreiche, regnet es ziemlich intensiv, so dass ich mich erst einmal unterstelle. Hier hatte ich 2021 auf meiner 6000 km Deutschland Wanderung übernachtet. Als es aufhört laufe ich weiter, da durchzuckt mich ein Schmerz am rechten Unterrücken. Offenbar meldet sich der Ischiasnerv. Ein paar Kilometer ist es ziemlich schmerzhaft und ich bin auch nicht mehr so schnell, aber dann wird es wieder besser. Es ist windig und ziemlich ungemütlich. Bei Jagdhaus lasse ich den großen Bogen des Rothaarsteigs aus und wandere auf dem Kamm weiter. Hier gibt es auch wieder einige Weihnachtsbaumplantagen. Bald bin ich aber wieder im Wald, der hier fast ausschließlich aus Fichten besteht. An der Somborn Quelle fülle ich meine Wasserflasche auf. Schließlich erreiche ich das Ende des Zauns und frage mich, selbst wenn man daran glaubt, dass das eine notwendige Maßnahme ist, kann so ein Zaun tatsächlich verhindern, dass Wildschweine dauerhaft nicht auf die andere Seite gelangen?

Ich erreiche den Rhein Weser Turm, wo jedoch alles geschlossen ist. Dann geht es lange abwärts ins Schwarzbachtal, ein Naturschutzgebiet mit einigen offenen Wiesenflächen. In einem Tümpel bewegen sich Grasfrösche, die zum Teil ihre dunklen Laichkugeln schon am Ufer abgesetzt haben. Anschließend wandere ich bei jetzt stärker werdendem Regen wieder aufwärts. An einer Stelle liegt ein großer Haufen auf dem Weg, wahrscheinlich von einem Wisent, die man hier vor einigen Jahren ausgesetzt hatte. 

Beim Dreiherrnstein verlasse ich kurz den Weg, da Olli an einem Wanderparkplatz eine Kiste mit „Trailmagic“ deponiert hat. Sie ist mit Zahlenschloss gesichert und enthält von Riegeln über Kaffee zu Obst allerhand, was das Wandererherz zum Hüpfen bringt. Es regnet jetzt ziemlich stark, daher kann ich nur ganz kurz etwas in das beiliegende Buch schreiben. Olli unterstützt mit dieser Kiste die NST- Wanderer, was für eine tolle Idee!

Es regnet jetzt so, dass mir das Wandern keinen Spaß mehr macht und das will was heißen! Ich durchquere das Tal des Elberndorfer Baches wo auch Birken auf den Moorflächen wachsen. Wieder weiter oben stelle ich fest, dass hier Flächen für Windräder vorbereitet werden. Unglaublich, direkt am Rothaarsteig! 

Außerdem gelange ich wieder an den „Schweinezaun“ wo abgelegte Drahtrollen verraten, dass er noch weiter gebaut werden soll…

Bei Ginsberger Hof gelange ich an einige Häuser. Eine Hütte ist eine Ranger Station. Tatsächlich werden schon seit 2003 solche Ranger hier am Rothaarsteig eingesetzt, die von Wegepflege bis zu Umweltbildung unterschiedliche Aufgaben haben, und zum Landesbetrieb, Wald und Holz NRW gehören.

Vor dem Weiler ging es ein Stück weit durch schönen Wald mit alten Buchen und Fichten.

Weiter geht es in die Nähe des GInsburg Turms, den ich ebenso wie den folgenden Giller Turm wegen des Wetters auslasse. Schließlich erreiche ich Lützel und beschließe in eine Unterkunft zu gehen. Leider ist die Pension hier ausgebucht. Aber Olli, der gerade seine Kiste wieder einsammelt, verspricht mich abzuholen. In der Zwischenzeit buche ich eine Unterkunft in Dahlbruch, zu der Olli mich dann fährt. Für später verabreden wir uns zum Essen, bei dem ich dann mehr über ihn erfahren werde. 

Zunächst kann ich aber aus meinen nassen Sachen steigen und eine heiße Dusche wärmt mich wieder auf.

Pünktlich um 19:00 Uhr ist Olli da, ein Mann Anfang 50, der hier aus der Gegend stammt, schon immer naturverbunden war, aber erst seit drei Jahren das Wandern für sich entdeckt hat. Dadurch ist er auch auf den NST gestoßen und kam auf die Idee mit der Trail Magic, da es zwischen Winterberg und Dillenburg keine Verpflegungsmöglichkeit auf dem Trail gibt. Er arbeitet bei einer großen Maschinenbaufirma, die sowohl internationale Niederlassungen als auch Kunden hat. Allem Unken über die deutsche Wirtschaft zum Trotz, geht es seiner Firma gut und es ist auch nicht abzusehen, dass sich das ändert. 

Während vor allem ich, als ausgehungerter Wanderer, mich am chinesischen Buffet großzügig bediene, unterhalten wir uns über viele Themen. 

Wie so vielen macht ihm der Aufstieg der AfD Angst, zumal seiner Meinung nach viele diese Partei aus irrationalen Gründen wählen. Er hat eine 14-jährige Tochter und macht sich nicht nur wegen ihr Sorgen um die international fortschreitende Umweltzerstörung und sieht aus diesem Grund auch den hohen Energiebedarf von Rechenzentren sehr kritisch. Apropos Umweltzerstörung: Hier im Rothaargebirge hatte man vor einigen Jahren die seit Jahrhunderten in Deutschland ausgestorbenen Wisente wieder angesiedelt. Olli erzählt, dass dieses Unterfangen auf Druck aus der Forstwirtschaft beendet wurde und alle Wisente jetzt wieder in Gattern gehalten werden. Offenbar aber doch nicht alle, wie mein Fund von heute Morgen zeigt…

Satt und zufrieden setzt mich Olli schließlich wieder bei meiner Unterkunft ab.