Samstag, 4. April 2026

WdH 58 Von Bergweiler nach St. Wendel

 



Sa, 4.4.2026


WdH 58 Von Bergweiler nach St. Wendel 


Zusammenfassung: Der Morgen ist nass, aber warm, so dass ich zum ersten Mal ohne Handschuhe loslaufen kann. Es ist grau und die Wolken hängen tief, später zeigen sich aber auch blaue Fenster. Irgendwann erreiche ich Marpingen, wo ich Kaffee trinke und über das Thema Mut nachdenke, über das ich gestern auch mit Oliver gesprochen habe. Hieran mangelt es in Deutschland auf jeden Fall! Politiker sind nicht mutig genug entscheidende Reformen zu wagen, weil sie Angst haben, Stimmen zu verlieren und die Bürger wären wahrscheinlich auch nicht bereit, ihre Rentenversicherung, deren langfristiger Weiterbestand unter den gegebenen Umständen keinesfalls sicher ist, gegen ein solideres kapitalgedecktes System einzutauschen, was natürlich, aber auch mehr Risiken birgt. Schließlich erreiche ich Sankt Wendel, wo ich mir erst mal die Haare schneiden lasse und dabei mit Mahmud ins Gespräch komme. Einem Syrer, der vor neun Jahren hierhergekommen ist und eine regelrechte Erfolgsgeschichte erlebt hat, die darin gipfelt, dass er mittlerweile einen eigenen Salon hat und deutscher Staatsbürger ist. Mahmud gibt aber auch zu, dass es durchaus Landsleute gibt, die sich vom deutschen Sozialstaat unterhalten lassen. Schließlich checke ich in einem Hotel ein, wo ich Wäsche wasche und mich dusche. Luxus schmeckt umso süßer, je länger man ihn entbehrt hat!


Die Nacht ist ziemlich warm und es regnet. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass sich braune Nacktschnecken überall bei mir anheften, sogar in den Schuhen, echt eklig!

Schließlich baue ich im leichten Regen mein Zelt ab und laufe ein Stück querfeldein durch den Wald, bevor ich nach Bergweiler gelangen. Ich laufe durch den Ort und gelange dann in den Wald. Dort stoße ich schon bald auf das Heiligenhäuschen, eine Marienkapelle. Es gibt dort Wasser und man kann überdacht sitzen. Perfekt! Da ich heute Morgen noch nicht gefrühstückt habe, weil ich gestern versäumt hatte, in dem Restaurant noch mal mein Wasser aufzufüllen und danach nichts mehr kam. So esse ich erst mal mein Müsli mit dem Rest meiner Schokocreme und laufe dann weiter in den grauen Tag, mit tief hängenden Wolken und ständigem, leichten Nieseln.

Durch die offene Landschaft wandere ich bis an den Rand von Sotzweiler wo ist dann in den Entscheider Wald geht.

Dies ist ein schönes Waldgebiet mit vielen Eichen und Buchen, wo mit der Feuchtigkeit das frische Grün des Frühlings wie gewaschen aussieht.

Über die offene Flur erreiche ich Marpingen. Während ich durch den Ort gehe, denke ich über ein Thema nach, über das ich gestern mit Oliver gesprochen habe: Mut und wie wichtig diese Tugend ist. Leider scheint Mut in Deutschland nicht besonders verbreitet zu sein. Das fängt bei den Schildern an die vor einer Gefahr warnen, wenn ein Wanderweg eine Straße quert. Dabei sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass man an einer Straße darauf achtet, nicht vom Verkehr überrollt zu werden. Aber nein, es muss ein Schild gestellt werden, und so setzt sich das über Verkehrssicherungsmaßnahmen im Wald bis zu irgendwelche Protokollen in Schulen und Kindergärten fort. Niemand ist offensichtlich mehr bereit, irgendein Risiko einzugehen. Das gilt offenbar auch ganz besonders für die Politik. Der letzte Politiker in Deutschland, der wohl tatsächlich eine Politik durchgesetzt hat, die zu der Zeit vielleicht sinnvoll war, aber ihn seine Wiederwahl gekostet hat, war Gerhard Schröder und das ist schon über 20 Jahre her. Seitdem hat man das Gefühl, dass Politiker, egal welche Entscheidung, nicht mehr bereit sind sie zu fällen, weil sie fürchten Wählerstimmen zu verlieren oder gar nicht mehr gewählt zu werden. Diesen Teufelskreis gilt es unbedingt zu durchbrechen. Ein Bestandteil davon wäre, die Wählbarkeit einer Regierung auf eine Amtsperiode zu beschränken, diese dafür aber zu verlängern, um mehr Zeit für langfristiges Handeln zu haben. Vielleicht brauchen wir aber auch in unserer Demokratie tatsächlich Elemente eines Präsidialsystems wie in Frankreich oder den USA.

Auch für den einzelnen Bürger ist Mut erforderlich, wenn wie dringend notwendig, die derzeitige Rentenversicherung auf ein System umgestellt wird, das auf der Anlage des Kapitals basiert. Natürlich sind damit Risiken verbunden, aber wo kein Risiko da keine Gewinnchance!

Aber zu glauben, wie viele es offenbar tun, dass man mit einfach so weiter wir uns irgendwie durchwursteln ist reine Illusion! Heute gilt wahrscheinlich mehr als je zuvor, dass die Ablehnung von Veränderung zu einem tiefgehendem wirtschaftlichen und gesellschaftlichem Abstieg führt!

In Marpingen trinke ich erst mal im Edeka Kaffee, bevor ich weiter laufe. 

Vor dem Laden stehen Männer und verteilen Ostereier. Natürlich nehme ich auch gerne eines und merke erst beim Pellen, dass die CDU mir frohe Ostern wünscht, okay aber ehrlich gesagt, hätte ich das Ei natürlich auch genommen, wenn ich gewusst hätte, dass es von dieser Partei kommt…

Schließlich erreiche ich den Härtelwald am Ortsrand. Hier gibt es eine weitere Marienkapelle und ein Kreuzweg führt nach oben zu einer Andachtstätte. Offenbar hat es hier im 19. Jahrhundert bereits Marienerscheinungen und Wunderheilungen gegeben. Daher ist Marpingen offenbar bis heute ein bekannter Wallfahrtsort. Immerhin hat eine Toilette dort geöffnet, was in Deutschland die Ausnahme ist. Meistens sind die Klos an solchen Orten nämlich verschlossen.

Bald gelange ich aus dem Wald und folge asphaltierten Wegen über einen Höhenrücken, der viele Ausblicke in die Umgebung zulässt. Jetzt gibt es sogar schon kleine Fensterchen blauen Himmels. Ich erreiche den Marpinger Ortsteil Rheinstraße.

Dann geht es einige Zeit durch ein Waldgebiet, wo hauptsächlich Laubbäume wachsen. Anschließend laufe ich am Rand eines großen Golfplatzes und gelange dann nach St. Wendel. Hier lasse ich mir erst einmal die Haare schneiden, Maschinenschnitt ganz kurz, und unterhalte mich dabei mit Mahmud. Er ist vor neun Jahren aus Syrien gekommen, hat gleich einen Job gefunden als Friseur, die deutsche Sprache erlernt, seinen Meister gemacht,  ist seit zwei Jahren deutscher Staatsbürger und hat jetzt einen eigenen Friseursalon. Eine echte Erfolgsgeschichte des 41-jährigen! Allerdings sagt er, wenn er ohne seine Familie wäre, die inzwischen schon hier verwurzelt ist, würde er jetzt zurück nach Syrien gehen. Ebenso würde er viele andere kennen, die diesen Schritt mittlerweile gemacht haben. Er sagt aber auch, dass er Landsleute kennt, die es in Deutschland nicht geschafft haben, die die Sprache nicht gelernt haben, keinen Job haben und sich auf staatlicher Unterstützung ausruhen. Es wäre ja auch komisch, wenn es das nicht geben würde! Allerdings müsste dann hier tatsächlich der deutsche Staat einsetzen und dafür sorgen, dass diese Leute in die ursprüngliche Heimat zurückkehren. Frisch geschoren, gehe ich zum Domhotel, wo ich eine Übernachtung gebucht habe. Bald gehe ich noch einkaufen, wasche dann ein paar Sachen, dusche und relaxe. Wie gut das tut! Mit Oliver hatte ich mich auch gestern über das Thema unterhalten, wie viel angenehmer Luxus wirkt, nachdem man ihn eine Zeit lang entbehrt hat. Ich habe ihm gesagt, dass er so vielleicht auch seine Frau mal zum Übernachten im Wald kriegt, die das ansonsten ziemlich ablehnt. Aber wenn sie weiß, dass sie hinterher weiches Bett und warme Dusche umso mehr genießen kann, vielleicht ist sie ja doch zu diesem kleinen Abenteuer bereit?











Freitag, 3. April 2026

WdH 57 Von Oppen nach Bergweiler

 



Fr, 3.4.2026


WdH 57:  Von Oppen nach Bergweiler


11:31 h, 42,1 km, 882 hm Aufstieg, 799 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem ich einige Kilometer durch Wald und Flur vorbei am Schloss Münchweiler gelaufen bin, treffe ich mich in Dagstuhl mit Oliver der an einer Förderschule arbeitet. Dass Kinder mit Migrationshintergrund, die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht klar kommen, hier zu generell lernschwachen Kindern gesteckt werden, hält er für nicht optimal. Besser wäre es die Ideologie der sofortigen Integration für alle aufzugeben und stattdessen Kinder die noch kein Deutsch können, erst mal die Sprache lernen zu lassen. Darüber hinaus unterhalten wir uns über viele weitere Themen, laufen durch abwechslungsreichen Wald und Wieden und kehren zusammen im Gutshof Imsbach ein, wo wir regionaltypische Klöße essen. 

Hinter Theley verabschieden wir uns und ich steige zum aussichtsreichen Schaumberg hoch. Jetzt folge ich dem Panoramaweg St. Wendeler Land und schlage schließlich mein Lager im Wald auf. 


Heute Morgen geht es zunächst lange durch schönen Wald mit vielen alten Buchen, wo die Hohltauben rufen. Oberhalb eines Golfplatzes, erhalte ich eine schöne Aussicht.

Teilweise folge ich jetzt einem Traumschleifchen, der Forsthof Runde. Diese verläuft zum Teil auch auf Pfaden. Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge einer Allee zu dem Barock Schloss Münchweiler.

Anschließend geht es durch offene Feldflur. Eine Variante, die ich nehmen will, ist als Weg teilweise nicht vorhanden. Daher muss ich ein Stück Straße laufen. Schließlich geht es wieder in den Wald. Dieser ist recht bunt gemischt. Ein Eichhörnchen läuft vor mir über den Weg, und ich höre die ersten Fitis Laubsänger dieses Frühjahrs, ein weiterer Zugvogel ist zurück!

Schließlich gelange ich aus dem Wald und laufe einige Zeit durch Noswendel. Anschließend geht es durch die Feld Flur nach Dagstuhl, wo ich mich mit Oliver treffe.

Tatsächlich muss ich nicht lange warten und Oliver,  ein 48-jähriger Sozialarbeiter, der an einer Förderschule arbeitet, erscheint. Er kennt mich aus dem Podcast von Christo Förster und verfolgt seitdem meinen Weg. Zunächst laufen wir recht viel auf Asphalt bis Altland. Danach wird der Weg schöner es dauert nicht lange und wir unterhalten uns intensiv über verschiedene Themen. Er sagt, die Hälfte der Schüler an seiner Schule habe einen Migrationshintergrund. In Deutschland ist es so, dass alle Schüler zunächst einer Regelschule zugeordnet werden. Wenn sie dort mangels  Sprachkenntnissen nicht klarkommen, werden sie dann an die Förderschule abgegeben, wo man sich eigentlich um lernschwache Schüler kümmert. Ich frage ihn, ob diese Mischung denn sinnvoll sei, und er sagt, dass das tatsächlich keineswegs immer der Fall ist. Auch er würde ein System für sinnvoll halten, bei dem Schüler ohne Deutschkenntnisse zunächst mal die Sprache erlernen, bevor sie in Regelklassen zu Deutsch sprechenden Kindern kommen. 

Aber für viele Bildungspolitiker scheint sofortige Integration eine ideologische Notwendigkeit zu sein, auch wenn in der Realität vieles dagegen spricht. 

Ein Problem im Schulbetrieb ist für ihn die übertriebene Bürokratie. Ein prägnantes Beispiel sind die Lüftungsprotokolle, die während der Corona Zeit geführt werden mussten. Seiner Meinung nach ist für alles viel Papierkram notwendig. sei es normale Tätigkeiten zu protokollieren oder Projekte bewilligt zu bekommen. Hier könnte man viel vereinfachen! 

Oliver hat drei Kinder und lebt seit 2016 in einem eigenen Haus. Mit der Wärmepumpe, die er von Anfang an betreibt, ist er sehr zufrieden. Seit neuem hat er auch eine Fotovoltaikanlage, mit der er teilweise den Strom für die Wärmepumpe selber erzeugt. Dieser wird in einer Batterie zwischen gespeichert. Ideal! Wenn Leute heute noch Gasheizungen favorisieren, ist das seiner Meinung nach schon lange von der Zeit überholt.

Seine Frau ist Beamtin, dennoch sieht er wie ich,  die Privilegien der Beamten, was den Vergleich von Pensionen und Renten angeht,  als unbegründet und etwas, was man alleine der Gerechtigkeit willen abschaffen sollte.

Wir unterhalten uns aber auch über allgemeinere gesellschaftliche Themen. So sieht auch er ein bedingungsloses Grundeinkommen für in der Zukunft notwendig und wünschenswert. Tatsächlich ist interessant, dass in dieser Woche der Digital Minister, von der CDU auch das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel gebracht hat im Zusammenhang mit den durch den KI-Vormarsch wegfallenden Jobs. Wenn schon jemand aus dieser Ecke so etwas sagt…

Oliver ist sehr sportlich und liebt die Natur. So versucht er auch erlebnispädagogische Elemente immer wieder in seinen beruflichen Alltag zu integrieren. Seiner Meinung nach ist grundsätzlich der Betreuungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen gestiegen. Dies sei nicht alleine eine Folge des zunehmenden Konsums sozialer Medien, sondern die Folge einer immer stärkeren Orientierungslosigkeit innerhalb der Gesellschaft, wo auch die Eltern häufig keine Werte mehr vermitteln können.

Hinter Altland kommen wir dann in einen sehr schönen Bereich durch den wir teilweise auf Pfaden laufen. Laubwälder werden hier von Wiesen abwechslungsreich unterbrochen. Jetzt an diesem Karfreitag sind auch eine ganze Menge Leute unterwegs. Wir kreuzen die A1 und kehren dann im Hofgut Imsbach ein, wo wir regional typisch Klöße essen. Das Hofgut wurde übrigens von der EU gefördert. Die EU halten wir beide für eine sehr gute Einrichtung. Allerdings ist auch klar, dass die Zahl der Mitglieder nicht unendlich wachsen sollte. So halten wir eine Neuaufnahme großer Länder wie der Türkei oder der Ukraine für nicht wünschenswert, da das die Verhältnisse in der EU noch weiter komplizieren würde.

Schließlich laufen wir weiter nach Theley, wo wir uns trennen.

Ich wandere alleine weiter am Schaumberg, der traumhafte Aussichten in die Umgebung gewährt. Auch hier sind eine Menge Leute unterwegs. Besonders schön finde ich die vielen markanten Einzelbäume. egal ob Ahorne, Eschen, Eichen oder Buchen. Ich folge jetzt dem Panoramaweg Sankt Wendeler Land. Als es schließlich ruhiger wird, verlasse ich den Weg und finde eine flache Stelle im Laubwald am Hang für mein Lager. Bald besucht mich noch eine Rötelmaus. Ansonsten esse ich und erledige meine üblichen Hausaufgaben.
















Donnerstag, 2. April 2026

WdH 56 Von Keuchingen nach Oppen

 



Do, 2.4.2026


WdH 56 Von Keuchingen nach Oppen


Zusammenfassung: Am frühen Morgen habe ich die Saarschleife ganz für mich alleine! Dabei ist der Ausblick auf die Nebelbänke, die über dem Fluss liegen, phänomenal! 

Leider bin ich zu früh für die Fähre, daher gehe ich direkt an der Saar weiter. Inzwischen habe ich den Saar-Hunsrück Steig verlassen, und es ist nicht mehr klar, auf welchen Wegen der NST verläuft. Im Wald sehe ich wie so oft, viele Brennholzstapel aufgeschichtet. Dazu stelle ich die Frage ob Heizen mit Holz wirklich nachhaltig ist. Mehr dazu gibt es im Blog zu lesen. Die weitere Strecke ist nicht besonders interessant, mit relativ viel Asphalt. etlichen Ortsberührungen und laufen auf Fahrwegen. Nichtsdestotrotz genieße ich bei dem schönen Wetter einige tolle Aussichten und habe dann ein ruhiges Waldlager.


11:17 h, 42,4 km, 973 hm Aufstieg, 1011 hm Abstieg 


Am Morgen geht es weiter durch schönen Laubwald, zum Teil mit alten Buchen. Über der Saar tief unten liegt noch ein flauschiges Nebelmeer, spektakulär! Es gibt einige schöne Aussichtspunkte, der beste ist aber die Aussicht Cloef. Zu dieser frühen Stunde bin ich dort noch ganz alleine, was sicher außergewöhnlich ist. So kann ich die fantastische Stimmung mit dem Morgennebel über der Saarschleife ganz für mich genießen.

Dort befindet sich auch die hohe Konstruktion eines Baumwipfelpfads. Warum muss man so etwas an einen sowieso schon spektakulären Ort stellen? 

Hier verlasse ich den Saar-Hunsrück Steig, der noch 30 km weiter nach Perl führt. Bald steige ich ins Steinbachtal ab. Der Bach fließt hier über Felsbrocken. Es gibt sogar einen kleinen Wasserfall. Die Vegetation ist ziemlich üppig. Es gibt sogar Farne, die aus dem Moos in einer Astgabel wachsen. Sowas kennt man ja sonst fast nur aus dem Regenwald. 

Schließlich gelange ich an die Saar, wo es Unterkünfte gibt, die auf Stelzen stehen. Interessant. Die Fähre Welles ist laut einer Tafel wohl erst in einer Stunde , ab 10:00 Uhr in Betrieb, so lange will ich nicht warten und laufe stattdessen die Straße entlang der Saar, wo noch wenig Verkehr herrscht.

Eine Bisamratte schwimmt am Ufer und ein Nilgans Paar mit schon recht großen Küken lässt sich nicht stören.

Schließlich folge ich einem Radweg entlang der Saar, wo mir eine Kompanie Soldaten auf einem Marsch entgegenkommt. In der Nacht hat es gefroren, und es wird erst jetzt langsam wärmer, obwohl die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel scheint. Bei Besseringen überquere ich die Saar erneut auf einer Brücke und laufe ein Stück durch den Ort. Hier scheint der NST auf dem mit einem M gekennzeichneten Merzig Weg zu verlaufen. Dann und wann ist aber auch die grüne Kompassnadel vorhanden.

Bald bin ich wieder im Wald. Dieser ist zunächst überwiegend von Fichten, Douglasien  und Lärchen geprägt. Dann überquere ich eine Straße und laufe durch ein recht abwechslungsreiches Waldgebiet ein kurzes Stück sogar auf einem Erdweg, meist aber auf befestigten Forststraßen. Hier wie an vielen anderen Orten ist auffällig, wie viele relativ kleine Buchenholz Stapel an den Wegen aufgereiht sind. Diese werden in der Regel an private Brennholz Abnehmer verkauft, die vor allem das Buchenholz schätzen. Von manchen wird Holzverbrennung ja nach wie vor als nachhaltig beurteilt, aber es gibt einige gewichtige Argumente, die dem entgegenstehen:Zum einen entweicht das im Holz gebundene Kohlendioxid natürlich bei der Verbrennung sofort wieder in die Atmosphäre. Dazu wird oft gesagt, dass Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, so dass im Grunde genommen es nichts ausmacht, dass das CO2 in die Atmosphäre entweicht, weil es anderenorts ja gleich im Holz wieder gebunden wird. 

Das ist theoretisch richtig, allerdings nur theoretisch, wenn man sich die weltweite Bilanz anschaut. Weltweit geht nämlich immer noch leider jedes Jahr sehr viel Wald verloren und auch die vorhandenen Wälder verlieren an Substanz, d.h. dieses Argument greift global gesehen überhaupt nicht. Im Gegenzug erhöht die hohe Nachfrage natürlich auch den Druck auf den Wald. Klar, in Deutschland haben wir eine nachhaltige Forstwirtschaft, die geregelt ist. Nichtsdestotrotz ist unser mittlerer Holzvorrat, d.h. die Menge an Holz, die auf 1 ha Fläche steht, im Vergleich zu Naturwäldern ziemlich niedrig. D.h. wenn man weniger Holz nutzt als nachwächst, ließe sich dieser Holzvorrat in relativ kurzer Zeit erheblich steigern und damit würde dann auch viel mehr CO2 im Holz gebunden werden können. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass dichtere Wälder, gerade Buchenwälder, auch resilienter im Klimawandel sind, da sie teilweise ihr eigenes Klima durch Verdunstung und Beschattung herstellen. Je lichter Buchenwälder werden, desto schwerer fällt es dieser Baumart, ihr eigenes Klima herzustellen. Außerdem muss man sagen, dass die Brennholznutzung in Konkurrenz zu anderen Nutzungen steht. So haben sich selbst zu meiner aktiven Zeit als Förster, was ja schon paar Jahre her ist., Einkäufer, die zum Beispiel den Rohstoff für Spanplatten kaufen, darüber beschwert, dass es ihnen immer schwerer fällt, ausreichend Nachschub zu organisieren, aufgrund der hohen Brennholz Nachfrage. Auch wenn beispielsweise Spanplatten nicht unbedingt das langlebigste Holzerzeugnis sind, wird in ihnen natürlich das CO2 viel länger gebunden, als bei einer direkten Verbrennung. Daher ist bei der Holznutzung  immer eine stoffliche Verwendung viel besser als die direkte Verbrennung. 

Also ihr Brennholzliebhaber, wenn ihr wirklich etwas Gutes für das Klima und die Umwelt tun wollt, dann stellt auf Wärmepumpen um! Diese sind schon jetzt, obwohl wir erst ungefähr 60 % des benötigten Stroms aus Wind und Sonne erzeugen, nachhaltiger als Brennholz. 

Ein Stück weiter gelange ich in ein Waldstück, wo man die abgestorbenen Fichten hat stehen lassen. Unter ihnen wachsen Buchen und andere junge Bäume. Außerdem ist der Wald hier auffallend gemischt, auch mit älteren Douglasien und ziemlich stufig aufgebaut. Das ist das Waldgut Jungenwald, dass ich 2021 mit dem Betreuer Klaus Borger besucht hatte. Klaus hatte mir damals auch seine Strategie im Umgang mit den Borkenkäfer Fichten erläutert. Er meinte. es bringe nichts, die befallenen Bäume ständig zu fällen und dadurch neue warme und lichte Fronten zu schaffen. Im Gegensatz dazu würde der Borkenkäfervormarsch zumindest manchmal zum stehen kommen, wenn man die abgestorbenen Bäume einfach stehen lässt und so zumindest noch ein wenig Schattenwirkung erhält. Das funktioniert sicher nicht immer, aber gerade wenn klar ist, dass die Borkenkäfer die sich bereits entwickelt haben, längst aus den befallenen Bäumen ausgeflogen sind, ist es auf jeden Fall sinnvoll diese stehen zu lassen.

Schließlich gelange ich aus dem Wald, und folge einer Straße nach Bachem. 

Bald habe ich den Ort hinter mir gelassen und bin wieder im Wald. Hier kann ich mal wieder einige Bärlauchblätter naschen.

Bevor ich nach Rimlingen steil absteige, fülle ich meine Wasserflasche am Franziskus Brunnen auf. Hinter Rimlingen geht es auf einem Asphaltweg steil hoch, zu einer ausgedehnten Ebene, wo sich 360° Ausblicke ergeben, natürlich wie so oft hier, mit Windrädern überall. Nichtsdestotrotz ist die Aussicht tatsächlich schön und Feldlerchen jubilieren am Himmel.

Es gibt jetzt nur noch die sporadische NST – Kompassnadel als Markierung. Ich weiß daher nicht, was für einem Weg der NST nun folgt.

Dann geht es steil aufwärts in ein Laubwaldgebiet. Hier gelange ich auf den mit einem roten Punkt gekennzeichneten Saar Moselweg. Bald geht es auf einem Fahrweg am Waldrand entlang, dann eben in den Wald. Ungewöhnlich viele der Laubbäume hier sind abgestorben oder haben trockene Äste in den Kronen. Es gibt zwar zig Informationstafeln, aber nichts wird dazu gesagt, was hier los ist. Wahrscheinlich hat die Trockenheit zwischen 2018 und 2020 hier besonders stark zugeschlagen.

Schließlich geht es auf einem Pfad abwärts und dann aus dem Wald. Auch hier ergeben sich schöne Ausblicke. Weiter geht es runter nach Erbringen, einem Ort durch den ich eine ganze Zeit laufe.

Dann laufe ich auf Asphaltwegen, auf denen erstaunlich viele Autos fahren, durch die offene Feldmark. Auch hier ist wieder nichts von einer Wegemarkierung zu erkennen. Es wäre schön, wenn die Leute vom NST ihre Energie und ihre Markierungen in erster Linie darauf verwenden würden,  in diesen Abschnitten des NST, wo keine besonders gute Wegemarkierung vorhanden ist, tatsächlich eine ordentliche Markierung herzustellen. Dort wo schon so gut markierte Wege wie. der Rheinsteig oder der Rothaarsteig verlaufen, dienen die Markierungen ja eigentlich nur dazu, den NST bekannter zu machen. Ob das mit diesen sporadischen Markierungen wirklich erreicht wird, halte ich für ziemlich fraglich. Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, ist die Kompassnadel zwar aufgefallen, aber sie konnten überhaupt keine Verbindung zum NST herstellen.

Am Ortsrand von Reimsbach geht es dann wieder bergauf in den Wald. Allerdings auch hier nicht besonders lange. Dann laufe ich ein Stück auf einem Asphaltweg am Waldrand entlang und runter nach Oppen.

Hier weiche ich vom NST ab und nehme für zwei Kilometer eine eigene Route in den Wald. Nachdem ich an einem Bach meine Wasserflasche aufgefüllt habe, schlage ich bald mein Lager zwischen alten Fichten in einem tollen Mischwald auf. Die Saarschleife heute Morgen war ein Highlight, ansonsten war die Strecke heute eher mäßig: Zu viel Asphalt, zu viele Orte, schlecht markiert. 

Später klatscht es kurz und zwei große Greifvögel, wahrscheinlich Habichte, sitzen in unmittelbarer Nähe auf dem Boden, fliegen aber bald wieder weiter.