Donnerstag, 23. April 2026

WdH 76 Von Au zum Schluchsee

 



Do, 23.4.2026


WdH 76: Von Au zum Schluchsee


12:12 h, 39,6 km, 1310 hm Aufstieg, 1140 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute laufe ich den ganzen Tag auf dem Schluchtensteig weiter. Ich passiere Todtmoos und laufe die Wehra weiter aufwärts bis zur Nähe der Quelle. Als ich den Wald verlasse, gelange ich in eine Traumlandschaft aus extensiv bewirtschafteten Weiden und Wald, wo ich Aussichten einerseits zu den schneebedeckten, hohen Schweizer Bergen, andererseits zurück zum Feldberg erhalte. Sehr schön , vor allem da keine einzige Wolke am Himmel steht. 

Tafeln erklären, dass die Weiden durch extensive Rinderbrweidung offen gehalten werden. 

Schließlich erreiche ich St. Blasien, das von einem riesigen Kloster geprägt wird. Der folgende Abschnitt zum Schluchsee ist nicht sehr interessant, da ich auf breiten Forstwegen laufe. Der See selber hat eine tiefblaue Farbe und gefällt mir durchaus. Vom Ufer steige ich dann ein Stück auf, kann meine Wasserflasche noch mal auffüllen und beziehe schließlich ein Freiluftlager in einem jungen Wald.


In der Nacht ist es zwar recht windig, aber ich schlafe trotzdem gut. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen, dass ich aus dem Wald komme und durch Schwarzenbach laufe. Als es wieder in den Wald geht, passiere ich die Gerweck Tanne. Ein Baum, vor dem man nur staunen kann, mit über 2 m Durchmesser! Leider wurde sie gerade beim Holzrücken beschädigt. Wie kann das sein, dass man auf so einen Baum nicht acht gibt?

Auf Forstwegen wandere ich weiter nach Todtmoos. Der Wald hier ist ziemlich eindrucksvoll mit vielen dicken Tannen, aber es ist auch überall Baumnachwuchs vorhanden und viel mehr Buchen als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. 

Todtmoos ist ein netter Touristenort, leider hat hier um diese Zeit noch keine Bäckerei geöffnet, in der ich mir einen Kaffee holen kann. Das Thermometer im Ort zeigt lediglich 3° an! Hinter dem Ort wandere ich auf einem Steig das Wehratal weiter hoch. Die Wehra ist hier nur noch ein kleines Bächlein . Dafür ist das Tal umso schöner, mit großen Tannen und moosbedeckten Felsblöcken.

Einige Male fliegt ein Graureiher vor mir aus dem Bachbett auf. Schließlich verlasse ich das Tal und steige steil bergauf zur Straße am Ibacher Kreuz. Weiter geht es auf einem Forstweg oberhalb der Wehraquelle bergauf durch wunderschönen Tannen-Buchenwald.

Als ich aus dem Wald gelange, laufe ich durch eine Traumlandschaft! Hügelige, karge Weiden auf denen zum Teil Felsbrocken liegen, gesprenkelt mit Wachholdern und einzelnen, markanten Buchen, feuchte Senken mit Binsen und der Wald ist natürlich allgegenwärtig. Unglaublich sind die Aussichten in der Gegend von Ibach. Die Schweizer Alpen mit ihren Viertausendern türmen sich in scheinbar greifbarer Nähe auf. Dabei sind sie noch 160 km entfernt. Außerdem erscheint noch einmal der Buckel des Feldbergs, zudem die waldbedeckten Höhenzüge die zu ihm reichen. Über den Weiden rüttelt ein Turmfalke, auf der Stelle stehend. Im Wald läuft entfernt, der Statur und Bewegung nach zu urteilen, wahrscheinlich ein Dachs vor mir auf dem Weg. Falls ich mich irgendwann einmal nieder lassen will, wäre das hier eine Gegend, die mich sehr anzieht!

Tafeln erklären etwas zum Schluchtensteig, der insgesamt 118 km lang ist, wovon ich den größten Teil begehe und zu den Wiesen rund um Ibach. Diese sind tatsächlich seit altersher im Gemeindebesitz und jeder Bauer hat das Recht, sein Vieh auf diese Weiden zu treiben. Für das Winterfutter muss er aber selber sorgen, mit Gras von seinen eigenen Mähwiesen. Hier wird kaum gedüngt, deswegen wachsen hier viele seltene Pflanzen, faszinierend!

Als ich kurz auf einer Straße laufe, hält ein älterer Radfahrer bei mir und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt, dass er sich ebenfalls in das Ibacher Hochtal, das vom Feldberggletscher geformt wurde, verliebt hat und durch Zufall hier auch eine Wohnung mieten konnte. Das sei allerdings ziemlich schwierig da  in der Regel nicht vermietet wird. 

Interessanterweise gibt es hier Kisten, die mit Eicheln beschickt wurden, damit Eichelhäher und andere Tiere, die Eicheln verstecken, häufig die Fundorte vergessen und dann eventuell eine junge Eiche hoch wachsen kann. Das ist vor allem interessant, weil hier zur Zeit in über 1000 m Höhe noch gar keine Eichen wachsen. Rechnet man damit, dass sich das zukünftig durch den Klimawandel ändern wird? 

Mir begegnet eine offensichtlich ziemlich alte Frau, die mit größerem Rucksack unterwegs ist. Leider scheint sie kaum Deutsch zu sprechen,  daher kommen wir nicht ins Gespräch. Interessante Tafeln verraten einiges über die Landschaft und die Weidewirtschaft hier. Letztenendes geht es dabei um die Erzeugung von Kalbfleisch. So sehr klar ist, dass grundsätzlich Fleischerzeugung starke negative Auswirkungen auf die Umwelt hat, trägt hier die Rinderhaltung entscheidend zum Erhalt dieser reizvollen Landschaft bei.

Überraschenderweise begegnen mir dann kurz hintereinander zwei Frauen aus Hanau, die den Schluchtensteig wandern und zwei einzelnen Wanderer. Ich passiere die Kreuzfeld Hütte, wo es noch einmal einen tollen Ausblick zu den Schweizer Bergen gibt.

Dann steige ich ab zum Klosterweiher, und erhalte bei Horbach noch einmal ein Ausblick zu den Schweizer Bergen. Weiter geht es zum Teil auf einem Pfad. Auch hier erläutern Tafeln etwas zur Geschichte der Landschaft. So gibt es  einen Berg, der durch die Aufgabe der Beweidung wieder zu Wald geworden ist. Heute sieht nur noch der Kenner, dass dies einmal eine Weide war.

Weiter geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Wiesen. An einer Stelle ist ein Transporter abgestellt, und ein Papier in der Windschutzscheibe verrät, dass sie sich um Mitarbeiter des Biosphärengebiets handelt. Ich sehe, dass dort eine Reihe von Jugendlichen unter Aufsicht, Fichtenzweige von den Borstgrasrasen wegräumen. Offenbar ist dies Teil einer Pflegemaßnahme zur Offenhaltung der früheren Weiden.

Als ab den fünfziger Jahren auch in den armen Hotzenwald langsam die Modernisierung vordrang, gaben viele Bauern ihre Weiden auf, und forsteten sie mit Fichten auf. Wahrscheinlich wäre ein Großteil der Landschaft hier heute wieder Wald, wenn nicht durch Fördergelder die Landwirte dabei unterstützt würden, die Landschaft offen zu halten. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Rückkehr des Waldes wirklich etwas so Schlechtes wäre, aber das Landschaftsbild würde sich stark verändern, und auch für Touristen wäre die Landschaft wahrscheinlich weniger attraktiv, da Menschen den Wechsel von Wald und offenen Flächen, die Ausblicke erlauben, zu schätzen wissen.

Ich passiere den Lehenkopf mit hölzernem Aussichtsturm und beginne dann den langen Abstieg durch den Wald, auf einem Pfad. Ich höre großes Getöse, und als ich an einen Forstweg komme, sehe ich, wie feine Äste von einer Maschine zerhackt und auf einen LKW geschüttet werden. Hier werden wahrscheinlich Hackschnitzel für Heizanlagen hergestellt. Hierzu muss man wissen, dass im Wald die meisten Nährstoffe in den feinen Ästen stecken. Werden diese nun für so eine Aktion dem Wald genommen, führt das langfristig, vor allem auf ärmeren Böden wie hier, zu Nährstoffmangel. Diesen Effekt hatten wir großräumig bis nach dem zweiten Weltkrieg, wo oft auch das kleinste Ästchen als Brennmaterial aus dem Wald geholt wurde. Wollen wir wirklich, dass unsere Böden im Wald wieder so verarmen? 

Schließlich gelange ich nach St. Blasien, was durch ein riesiges Benediktinerkloster geprägt wird, mit gigantischer kuppelförmiger Basilika. Natürlich kann ich bei dem sonnigen Wetter der Gelegenheit nicht widerstehen und gönne mir eine Eisschale. Frisch gestärkt laufe ich weiter durch den Ort und dann auf einem Steig die relativ kurze Windberg Schlucht aufwärts. Am Ende gibt es hier einen 6 m hohen Wasserfall.

Schließlich geht es auf einem Forstweg ziemlich steil aufwärts, durch geschlossenen alten Wald, der hauptsächlich von Fichten geprägt wird . Aber überall sind auch Buchen und Tannen dabei,  ein schöner Mischwald!

Als das Terrain abflacht, führt der NST nach Althütte, ich dagegen bleibe auf einem Forstweg im Wald. Dieser besteht hier jetzt ganz überwiegend aus Fichten, Tannen und Buchen sind ziemlich selten.

Es geht dann noch ziemlich lange auf Forstwegen weiter. Der Wald ist zwar schön, aber das Laufen auf den breiten Wegen ist nicht sehr interessant. Hier büßt der Schluchtensteig an Qualität ein! Irgendwann sehe ich den tiefblauen Schluchsee unter mir. Der Weg verläuft später ziemlich dicht am See und zuletzt unterhalb des Dörfchens Aha direkt über dem Seeufer. Der Wasserspiegel scheint ziemlich niedrig zu sein, da überall das Ufer von einem steinigen Streifen gesäumt wird. Schließlich wende ich mich vom See ab und passiere ein großes Hotel, sowie einen Naturcampingplatz. Dann geht es wieder aufwärts. Ich kann meine Flasche an einem Brunnen noch mal füllen und schlage dann in einem jungen Buchen- Fichtenwald mein Freiluftlager auf.


























Mittwoch, 22. April 2026

WdH 75 Von Ottwangen nach Au

 



Mi, 22.4.2026


WdH 75: Von Ottwangen nach Au


11:41 h, 38,8 km, 1332 hm Aufstieg, 919 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Teilweise durch Laubwald, teilweise durch die offene Flur mit Streuobstwiesen auf denen die Apfelbäume blühen, laufe ich am nächsten Morgen weiter. Vor mir ragen die Schwarzwaldberge auf, während sich jenseits der Schweizer Grenze das Jura erstreckt.  Hier nur durchzurennen, à la „Laufen, essen, schlafen“, wäre schade, denn es gibt überall Schönes und Interessantes zu sehen. Oberhalb des Wehra Stausees gelange ich auf den Schluchtensteig, dem der NST jetzt folgt. Dieser hat seinen Namen wirklich verdient, da er oft als schmaler Pfad spektakulär im Hang oder entlang von sprudelnden Nebenbächen führt. Obwohl dies eine sehr attraktive Strecke ist und keine Wolke am Himmel steht, begegnet mir nur ein Wanderer. Hier kommen viele Höhenmeter zusammen, daher bin ich froh, dass der Wandertag zu Ende ist, als ich mein Cowboycamp aufschlage. 


Es dauert nicht lange, bis ich am nächsten Morgen aus dem Wald gelangen. Hier äsen zwei Rehe auf einer Wiese. Durch die grüne, offene Landschaft geht es weiter nach Adelhausen. Überall rufen Gartenrotschwänze und ich sehe einen Rotmilan ganz nah in einem Baum sitzen. Hinter dem Ort geht es zunächst auf Asphaltwegen weiter.

Auf Forstwegen laufe ich durch ein weiteres Laubwaldgebiet. Hier gelange ich auf den anderen Arm des Westwegs. Anschließend geht es durch die offene Landschaft zur Hohe

Flum. Dort gibt es einen niedrigen Aussichtsturm aus Stein. Man hat von hier eine tolle Aussicht, sowohl zu den Bergen des Schwarzwalds,  als auch dem Jura, beziehungsweise dem Schweizer Mittelgebirge.

Weiter geht es meistens durch den Wald, teilweise aber auch in Waldrand Nähe. Überall gibt es Neues zu sehen, ob das die blühende Einbeere ist, mit vier Blättern, in deren Mitte die unscheinbare Blüte liegt, der weiß blühende Wiesenkerbel, die blühenden Heckenkirschen oder die unscheinbaren Blüten der Gräser. Auf dieser Höhe hat auch bereits die letzte Baumart ihre Blätter entfaltet, nämlich die Esche. Die Singdrosseln sind noch häufig zu hören, aber wir haben gestern tatsächlich schon eine junge gesehen, die aber noch kaum fliegen konnte.

Jetzt, wo die Tour langsam dem Ende zugeht, schweifen meine Gedanken relativ häufig ab. Das ist ja grundsätzlich gut. Beim Wandern kriegt man den Kopf frei und kann sich über vieles Gedanken machen, auch wie das eigene Leben weitergehen soll, und was man für neue Pläne schmieden will. Andererseits ist es schade, wenn man auf einer Wanderung,  gerade bei so tollem Wetter wie heute, und im Frühling, wo die Landschaft noch schöner ist als sonst, nicht wirklich in der Gegenwart ist. Tatsächlich nehme ich mir dann manchmal vor, auf jedes Detail ganz bewusst zu achten. Das schärft die Sinne und man sieht dann tatsächlich viel mehr. Im Buddhismus nennt man das ganze Achtsamkeit, ein Begriff, der bei uns ja auch in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Solche Begriffe kriegen ja schnell einen leicht esoterischen Touch, was mir eher fremd ist. Aber das Konzept  an sich finde ich nicht schlecht.

Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, wenn man das wandern. 

Wenn man das Wandern auf die Formel: Laufen, Essen, Schlafen reduziert, wie manche das ja tun, und sogar behaupten, dass für sie Landschaft und Natur keine große Rolle beim Wandern spielen, dann nimmt man sich ganz viel. Für mich ist das Erlebnis von Natur und Landschaft etwas ganz Wesentliches bei meinen Wanderungen. Selbst bei dieser Deutschlandtour, bei der ich mir ja bewusst vorgenommen hatte, pro Tag lange Strecken zu laufen, kommt dieses in die Natur eintauchen, keineswegs zu kurz.

Schließlich laufe ich wieder längere Zeit durch die Flur, leider meist auf Asphaltwegen. Eine Krähe in einem blühenden Obstbaum lässt sich nicht von mir stören. Über den Wiesen liegt, wie auch gestern schon, das Zirpen der Grillen. So kommt ein Hauch von Sommer in die Frühlingslandschaft. Linker Hand ragen die Waldberge des Schwarzwalds auf, durch die ich bald wieder wandern werde.

Hier auf den Streuobstwiesen finde ich das rosa-weiß der Apfelbäume besonders schön.

Schließlich verlasse ich den NST, der zum Beginn des Schluchtensteigs in der Stadt Wehr führt, stattdessen folge ich einem Radweg parallel zur Bundesstraße Richtung Hasel, laufe aber bald wieder auf Feldwegen. 

Auf dem Hotzenwald Querweg laufe ich durch den Ort Hasel. Hier auf einer Wiese, blüht schon der Salbei.

Teilweise auf Pfaden geht es wieder in den Wald. Gestern hatte ich mich noch mit Judith darüber unterhalten, heute ist er da: ich höre den ersten Waldlaubsänger! Dieser Vogel ist stets aus dem Winterquartier zurück, sobald die Buchen austreiben. Judith hatte tatsächlich schon welche gehört. Für mich ist das der Erste. Ich passiere einen mächtigen Bergahorn  mit etwa 1 m Durchmesser und sehe einige Eiben. Schließlich gelange ich zurück auf den NST, der hier dem Schluchtensteig oberhalb des Wehra Stausees folgt.

Zunächst laufe ich auf einem Forstweg, der dann aber bald in einen Steig übergeht, der durch den Steilhang verläuft. Der Wald hier ist eine Kernzone des Biosphärenreservats und gleichzeitig als Bannwald ausgewiesen. Hier wachsen Eichen neben Tannen, vor allem aber auch Buchen. Bei den Tannen finde ich die frischen, hellgrünen Triebe wunderbar. Teilweise ist der Pfad ziemlich steinig. An manchen Stellen gibt es regelrechte Geröllhalden, die nur locker, teilweise mit Haselnuss Sträuchern bewachsen sind. Es gibt relativ viel Totholz und einige ziemlich dicke Buchen.

Lediglich ein Mann begegnet mir. Ansonsten habe ich den Steig für mich alleine. Auch der Blick in die gegenüberliegenden Hänge mit den hellen Buchen und dunkleren Fichten und Tannen ist fantastisch. Das Wetter heute ist strahlend und wolkenlos. An manchen Stellen blühen viele Walderdbeeren, und ich sehe eine weghuschende Waldeidechse. Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut!

Schließlich steige ich zur Straße ab, wo ich die Wehra auf einer Brücke überquere. Hier hängen Plakate, die auf eine junge Frau hinweisen, die hier 2020 verschwunden ist. Eine Belohnung von 100.000 € wird auf sachdienliche Hinweise ausgelobt. Wahnsinn, kaum zu Glauben, dass man auf einer Wanderung in Deutschland spurlos verschwinden kann!

Auf der anderen Seite geht es einen Nebenbach, den Sägengraben sehr steil hoch. Toll, wie hier das Wasser über die Felsen plätschert. Die Farnwedel entrollen sich gerade, und es gibt Baumstämme, die von Polstern aus Moos und Sauerklee komplett bedeckt sind. Zwei nebeneinander stehende gigantische Tannen mit wahrscheinlich 1,50 m Durchmesser beeindrucken mich besonders. Schließlich verlasse ich den Bach und laufe auf einem Steig im Hang zurück zum Wehratal und laufe hoch über der Schlucht weiter. Auch hier auf 700 m Höhe ist die Buche bei weiten der dominierende Baum. Es gibt aber auch immer wieder einige alte Tannen. Fichten sind eher selten. Auf der anderen Schluchtseite gibt es an einigen Stellen steil aufragende Felsklippen. Etwas störend ist lediglich ab und zu der Lärm der Straße unten, vor allem durch Motorräder, aber das hält sich an diesem Wochentag in Grenzen.

Stellenweise ist der Steig etwas ausgesetzt d.h. er ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.

Schließlich folge ich einem Fahrweg runter nach Au im Wehratal, wo ich eine Zeit auf der Straße laufe.

Dann führt ein Grasweg, der in einen befestigten Weg übergeht, steil nach oben. Abseits des Wegs finde ich schließlich eine flache Stelle für mein Cowboycamp. Später raschelt es im Laub und ein Rehbock kommt ganz in der Nähe vorbei. Als er mich bemerkt, läuft er bellend davon. Außerdem fliegt ein Schwarzspecht vorbei.
























Dienstag, 21. April 2026

WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen

 



Di, 21.4.2026


WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen


10:58 h, 36,5 km, 948 hm Aufstieg, 1413 hm Abstieg


Zusammenfassung: Nach einem entspannten Frühstück mit meinen netten Gastgebern, fahre ich mit Judith zurück in den Wald. Wir besteigen den Blauen, einen weiteren tollen Aussichtsberg. Anschließend geht es lange bergab durch den Wald, der immer grüner und laubbaumreicher wird. Wir unterhalten uns intensiv, und Judith erzählt über ihre Weiterbildung zur Wildnispädagogin, sowie ihre Erfahrungen  im Wolfsmonitorring. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald, bewundern blühende Wiesen und Obstbäume und gelangen in die Wolfsschlucht. Diese ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. Anschließend geht es noch einige Zeit durch die offene Feldflur, bevor es durch ein großes Waldgebiet zur Burg Rötteln über Lörrach geht. In der Stadt nehmen wir Abschied und ich verlasse hier den Westweg, dem ich seit Titisee gefolgt war. Dieser Abschnitt des berühmtesten Schwazwaldwegs hat mir sehr gut gefallen, insbesondere der Belchen, die relativ häufigen Pfade und die oft schönen Wälder. 

Ich verlasse die Stadt und wandere durch ein großes Laubwaldgebiet, wo ich schließlich mein Lager aufschlage.


Nachdem wir morgens zusammen gemütlich gefrühstückt haben, mit selbst gebackenem  Brot und eigenen Hühnereiern, fahren Judith und ich zurück zur Egertenhütte. Die Hündin Mina ist auch dabei. Von dort geht es bergan zum Blauen, mit 1165 m weniger hoch als Feldberg und Belchen. Nichtsdestotrotz gibt es einen Aussichtsturm und ein Hotel, da man einen tollen Ausblick in die Rheinebene mit dem Markgräfler Land und hinüber zu Vogesen und Jura erhält. Anschließend steigen wir lange ab. Je tiefer wir gelangen, desto laubbaumreicher wird der Wald. Die Buchen hier haben alle schon ihre Knospen gesprengt, und der Wald wirkt unheimlich grün. Hier blüht auch schon der Waldmeister. Während wir laufen, unterhalte ich mich intensiv mit Judith. Sie hat Sozialpädagogik und Sport studiert und im Frankfurter Raum mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet. Da ihr das viel Energie geraubt hat und sie mehr Kontakt zur Natur haben wollte, hat sie eine Ausbildung zur Wildnispädagogin gemacht. Dabei hat sie viel gelernt wie zum Beispiel Spuren lesen. Was ihr dabei weniger gefallen hat, ist die Idealisierung der Wildnis und der Naturvölker. Es ist natürlich auch leicht paradox, dass es Schulen gibt in Deutschland, die sich Wildnisschulen nennen, obwohl wir hier keine wirkliche Wildnis mehr haben. Aber das ist nun mal die Bezeichnung einer bestimmten Philosophie, die wie so vieles, aus Amerika gekommen ist. Sie fand die praktischen Inhalte ganz gut, die dort gelehrt wurden, aber mit dem theoretischen Unterbau hat sie so ihre Probleme. 

Darüber hinaus hat sie eine Ausbildung zum Biosphärenguide gemacht und hatte eine Anstellung im Wolfsmonitorring, bei der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg. Dazu war sie zum Beispiel auf Fortbildung im Kerngebiet der Wölfe in der Oberlausitz. Einmal als man ihr die Koordinaten einer vermuteten Wolfsfährte geschickt hatte, konnte sie die bestätigen. Darüber hinaus fand sie eine Luchsfährte und eine Auerhahnspur. Alles an einem Tag im Feldberggebiet! Vieles ihrer Naturkenntnis hat Judith sich auch im Selbststudium angeeignet. So merke ich, dass sie sich sehr gut mit Pflanzen auskennt sowie mit Vogelstimmen. Sie erzählt, dass das Verhältnis der Landbevölkerung im Schwarzwald zum Wolf teilweise sehr negativ ist. Es gibt dort viele Ängste, was das Weidevieh, vor allem die Kälber angeht. Dabei kommen bisher Wolfsrisse sehr selten vor. Tatsächlich gibt es in ihrem Dorf keinen Vollerwerbsbauern mehr, aber viele machen ihre Weideviehhaltung und den Waldbau im Nebenberuf. Da Thomas und sie ziemlich fit sind, werden die beiden gerne dazu geholt, wenn die Rinder von einer Weide zur anderen getrieben werden müssen. An der Dorfbevölkerung weiß Judith vor allem die Ehrlichkeit zu schätzen. Außerdem gibt es ein ausgeprägtes Heimatgefühl, was für sie ebenfalls etwas Positives ist. Wir unternehmen einen kurzen Abstecher zur Burgruine Sausenburg, wo wir noch einmal einen fantastischen Ausblick zurück zum Belchen, und über die dunkel und hellgrün gefärbten üppigen Wälder erhalten. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald. Hier blüht auf den Wiesen flächendeckend, teilweise der Hahnenfuß aber auch andere Blumen wie der Bocksbart. Im Wald hatten wir die unscheinbaren, aber interessanten Blüten des Aronstab entdeckt. Hinter dem Ort beginnt ein sehr schöner Abschnitt, der sich Wolfsschlucht nennt. Er ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. An einer Stelle gibt es sogar eine kleine Höhle, das Bruderloch, in der ein Einsiedler gelebt haben soll. 

Schließlich gelangen wir wieder aus dem Wald und laufen längere Zeit durch die offene Feldflur mit blühenden Obstbäumen und Weingärten. Wir passieren Hammerstein und Wollbach und gelangen schließlich wieder in ein großes, von Laubbäumen geprägtes Waldgebiet. Hier sind recht viele Leute, meist mit Hunden unterwegs, so dass Mina häufig Kontakt aufnimmt. Schließlich erreichen wir die Burg Rötteln über Lörrach. Allerdings ist die Gastronomie geschlossen, daher steigen wir in den Ort ab, wo Judith von Thomas abgeholt wird. In Lörrach, bzw. Basel endet der Westweg und der NST folgt weniger bekannten Wegen. Ich kaufe im Supermarkt ein, so dass ich jetzt wieder Essen für die letzten elf Tage bis Stuttgart im Rucksack habe, der dadurch wieder deutlich schwerer ist. Nicht dass mein Essen schon alle gewesen wäre, aber ich will zu Trainingszwecken noch mal das Rucksackgewicht erhöhen. Ich laufe recht lange durch die Stadt, überquere die A 98 und wandere dann eine ganze Zeit teilweise auf Pfaden durch Laubwald mit mächtigen Eichen. Auf nur 300-400 m Höhe ist der Frühling weiter fortgeschritten, Weißdorn und Goldnessel blühen üppig. Hier sind viele Leute am Abend noch unterwegs: Reiter, Radfahrer, Läufer und Spaziergänger. Schließlich suche ich mir einen Platz im Laubwald zwischen Buchen und Eichen mit jungen Bäumen drunter für mein Freiluftlager.