Donnerstag, 30. April 2026

WdH 83 Das Ende: Von Schlatt nach Metzingen

 



Do, 30.4.2026


WdH 83 Das Ende: Von Schlatt nach Metzingen 


11:36 h, 41,8 km, 1002 hm Aufstieg, 1502 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute laufe ich meistens auf einer Alternativroute zum Albsteig, den ich hier von mehreren Besuchen bereits gut kenne. 

Während ich auf einem ziemlich ebenen Forstweg laufe, denke ich über diese Wanderung nach, die bald zu Ende geht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Wanderung hat mir große Freude gemacht und ich bin begeistert von der Vielfalt der Landschaft und auch der großen Schönheit, die ich an vielen Stellen in Deutschland gefunden habe. Es hat mir durchaus gefallen, mich der Herausforderung zu stellen, jeden Tag große Strecken zu laufen, aber ich denke, insgesamt ist ein Rhythmus bei dem etwas mehr Zeit für Pausen und Streifzüge abends und morgens bleibt, mir eigentlich lieber. Was ich wieder gemerkt habe: Für mich das Allerwichtigste beim Wandern ist, tief in der Natur zu versinken. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch. Aber bestimmt können manche nachempfinden, dass man in dem Verbunden sein mit der Natur tiefes Glück finden kann. 

Da ich den letzten Tag bis nach Hause bereits weitgehend kenne und weiß, das er nicht besonders attraktiv ist, beende ich meine Wanderung dann spontan in Metzingen und fahre dann mit dem Zug nach Stuttgart.

Auf wegderhoffnung.blogspot.com

findet ihr einige Zahlen zu meiner Wanderung.

Vor allem interessiert mich, wie euch meine Dokumentation gefallen hat? Seid ihr an Buch, und/oder Vortrag dazu interessiert?


In der Nacht und am Morgen ist es ziemlich windig, aber geschützt im Wald geht es. Nach meinem Aufbruch gelange ich bald an den Albtrauf, wo sich im Sonnenaufgang ein schöner Blick auf das Schloss Hohenzollern ergibt, hoch auf einem spitzen Hügel. Als ich aus dem Wald gelange, sehe ich zwei Rehe am Waldrand. Im Wald verkündet eine Tafel, dass die Gemeinde Burladingen Waldrefugien von 1-3 ha Größe ausgewiesen hat, in denen keine Bäume mehr gefällt werden. Schön, dass nicht nur der Staat, sondern auch eine Kommune so etwas macht. 

Ich suche mir jetzt meine eigene Route, aber wieder mal sind nicht alle Wege, die in der Karte verzeichnet sind, auch tatsächlich vorhanden. Aber was soll’s? Schließlich gelange ich an den Waldrand. Ich gehe ein kleines Stück quer durch und laufe dann auf einem Feldweg zu dem idyllisch gelegenen Ort Talheim. Von hier laufe ich weiter auf einer Alternativ Route, meist auf Forstwegen. 

Später folge ich dann aber auch zum Teil steilen Pfaden aufwärts durch den Buchenwald zum Bolberg. Hier treffe ich kurz auf den Albsteig, laufe dann aber wieder auf einer Alternativ Route weiter, die mich zum Teil auf einem Pfad durch den Hang führt.

Während ich auf einem ziemlich ebenen Forstweg laufe, denke ich über diese Wanderung nach, die bald zu Ende geht. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Wanderung hat mir große Freude gemacht und ich bin begeistert von der Vielfalt der Landschaft und auch der großen Schönheit, die ich an vielen Stellen in Deutschland gefunden habe. Es hat mir durchaus gefallen, mich der Herausforderung zu stellen, jeden Tag große Strecken zu laufen, aber ich denke, insgesamt ist ein Rhythmus bei dem etwas mehr Zeit für Pausen und Streifzüge abends und morgens bleibt, mir eigentlich lieber. Was ich wieder gemerkt habe: Für mich das Allerwichtigste beim Wandern ist, tief in der Natur zu versinken. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch. Aber bestimmt können manche nachempfinden, dass man in dem Verbunden sein mit der Natur tiefes Glück finden kann. Natürlich gab es auch schwierige Zeiten, das ist normal, wenn man weit über 3000 km läuft, aber nichts davon war so, dass ich jemals ans Aufgeben gedacht hätte. Zwar bin ich tatsächlich der Typ, der gerne mit sich alleine ist und so die Natur am Besten genießen kann, aber die Begegnungen mit den Leuten unterwegs, waren eine echte Bereicherung. Fast alle Gespräche, die ich geführt habe, waren tief gehend und sind weit über den üblichen Smalltalk, den es natürlich beim Wandern auch gibt, hinausgegangen. Ich habe dadurch viel gelernt, aber in etlichen Punkten hat sich meine eigenen Sicht auf die Dinge verfestigt. 

Was das Wandern in Deutschland angeht, sehe ich zwei Dinge mit einiger Sorge: Das eine ist die in vielen Regionen gegebene starke Ausbreitung von Windrädern und seit relativ kurzer Zeit auch von Freiflächen Solaranlagen. Diese beeinträchtigen für mich  die Landschaftsästhetik stark und auch das Gefühl in der Natur versinken zu können. Daher bin ich der Meinung, dass diese entlang der sowieso schon gestörten Verkehrslinien, wie Autobahnen, Bundesstraßen und so weiter konzentriert werden müssen. Studien sagen, dass wir lediglich 2 % der Landesfläche zur Erzeugung erneuerbarer Energien benötigen. Es ist dafür also wirklich nicht nötig, diese bis in den letzten Winkel bisher noch relativ harmonischer Landschaften zu verstreuen. Der zweite Punkt ist die Forstwirtschaft, hier insbesondere, dass an vielen Stellen, bisher vorhandene, schmale Pfade als Maschinenwege benutzt werden und so ihren Charakter eines besonders schönen Wanderwegs verlieren. 

Ich denke eigentlich sind beide Punkte mit ein wenig Verständnis und gutem Willen zu entschärfen. Allerdings habe ich dafür zur Zeit  nicht wirklich viel Optimismus. 

Vorbild für den Nord Süd Trail, dem ich ja die meiste Zeit gefolgt bin, sind die großen Wanderwege in den USA. Auch dort am PCT beispielsweise, hat es zur Zeit seiner Einrichtung und auch noch lange danach durchaus Forstwirtschaft gegeben. Man ist dort auch über zerfahrene Wege und Kahlschläge gelaufen. Das gibt es dort heute nicht mehr. Die Korridore der großen Wanderwege sind im Prinzip geschützte Gebiete, wo das Wandern Priorität hat. Etwas wie ich finde, durchaus Vorbildliches.

Vor Denklingen gelange ich wieder auf den Albsteig. Im Ort treffe ich zuerst eine Wandergruppe die Englisch miteinander spricht, dann kommt mir am Ortsende Deric entgegen, ein 26-jähriger Amerikaner aus Massachusetts, der in Heilbronn bei einer Tech Firma arbeitet. Er ist seit zwei Jahren da und spricht schon super  Deutsch. Eigentlich wollte er noch dichter an die Alpen, aber Heilbronn ist für ihn auch nicht schlecht und er läuft jetzt den Albsteig, welcher ihm sehr gut gefällt. 

Bald laufe ich relativ flach auf einem Forstweg durch den Buchenwald, wo ein Kolkrabe einen Habicht abdrängt, der dann gewandt zwischen den Bäumen hindurch gleitet.

Ich überquere eine Straße und gelange in den nächsten Wald, wo ich einem Grasweg folge. Ich höre es Rascheln und denke an Rehe. Aber nein, zwei Hasen scheinen ein Wettrennen miteinander zu veranstalten.

Kurz gelange ich an offene Flächen mit Wacholder, dann führt ein Pfad weiter abwärts. Hier stehen zum Teil einige dicke,  tief beastete Buchen, wahrscheinlich Hutewaldbäume, die noch aus der Zeit stammen, als die Landschaft komplett vom Vieh beweidet wurde. Schließlich gelange ich in ein Tal, dem ich nach Lichtenstein folge.

Nachdem ich durch den Ort gelaufen bin, geht es das Tal des Stahlecker Bachs hoch. Linker Hand befindet sich ein Naturschutzgebiet mit Orchideen, die aber noch nicht blühen. Vor mir ragt ein Berg mit zwei hellen Kalkklippen auf.

Schließlich folge ich einem Fahrweg in ein Seitental, der dann in einen Pfad übergeht, der steil im Wald durch eine Kernzone aufsteigt. Beim Übersberger Hof stoße ich dann wieder auf den Albsteig.

Dieser verläuft hier als Pfad am Steilabbruch. Im Wald wachsen außer Buchen, auch Ahorne, Linden, Ulmen. Eschen und ich sehe sogar eine große Eiche. Als ich noch einmal auf die Karte schaue für die Etappe morgen, stelle ich fest, dass ich durch etliche Orte laufen müsste und die Strecke, die ich zum größten Teil schon kenne, ziemlich unattraktiv ist. Daraufhin beschließe ich kurzerhand meine Wanderung in Metzingen zu beenden, also unmittelbar am Rand der Schwäbischen Alb. Von dort ist es mit der Bahn nur ein Katzensprung nach Hause und ich freue mich sehr darauf, meine Freundin Anke wiederzusehen.

Ich laufe dann eine ganze Zeit über ausgedehnte Weiden, auf denen Pferde grasen. Diese gehören zu einem Gestüt. Ich passiere das Fachwerkgebäude des Schafhauses und laufe auf einem Asphaltweg zwischen mächtigen Linden zu einer Straße, die ich überquere.

Ich passiere offene Magerrasen und gelange zu einem Spielplatz, wo mächtige Linden stehen. Ein Pfad führt mich zum Hännersteigfels auf 767 m Höhe, wo ich eine schöne Aussicht zur Burgruine Achalm bei Reutlingen genießen kann. Hier nehme ich Abschied von der Schwäbischen Alb und auch von meiner 85 Tage langen Wanderung durch Deutschland. 

Ich laufe unter einer Hochspannungsleitung durch die die zwei Pumpspeicherbecken  miteinander verbindet, und verlasse den Albsteig , um den langen Abstieg nach Metzingen zu beginnen.

Zunächst laufe ich ein Stück auf einem Fahrweg durch den Buchenwald, dann führt ein steiler Pfad in Serpentinen bergab. Schließlich laufe ich durch die Streuobstwiesen Landschaft oberhalb des Stausees Glems.

Ein asphaltierte Weg führt an dem türkisen See entlang, danach geht es in den Wald. Hier laufe ich auf einem Pfad zwischen alten Eichen und Buchen. Später wandere ich dann am Waldrand entlang, wo ich noch einmal zurückschauen kann, auf die Höhen der Alb. Es gibt hier viele Obstbäume, die Wiesen sind gelb von Hahnenfußund die Grillen zirpen.

Schließlich komme ich aus dem Wald, wo ich zuvor noch eine eindrucksvolle, alte Eiche  gesehen habe. Jetzt liegen die letzten 2 km in die Stadt zum Bahnhof vor mir. Obwohl ich eigentlich keinen Anlass habe, einen Blues zu entwickeln, da ich im Gegensatz zu anderen Wanderern, die nach ihrem großen Abenteuer wieder zurück zu ihrer Arbeit müssen, ja keinen Alltag kenne, bin ich trotzdem irgendwie merkwürdig gestimmt. Klar, ich weiß, bald werde ich wieder unterwegs sein. Nichts desto Trotz fühle ich mich melancholisch, jetzt wo diese Wanderung zu Ende geht.

Schon um 17:30 bin ich dann am Bahnhof von Metzingen und sitze bald im überfüllten Zug nach Stuttgart. 

Für Statistikliebhaber hier noch ein paar Zahlen: 

Ich war 85 Tage vom 5.2 bis 30.4 unterwegs. Davon bin ich an 83 Tagen insgesamt 3344 Kilometer gelaufen, was einem Schnitt von 40,3 km pro Wandertag entspricht. 71664 Höhenmeter Aufstieg habe ich bewältigt, was durchschnittlich 863 Höhenmeter pro Tag waren. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass ich die ersten 22 Tage im relativ flachen Norddeutschland unterwegs war. Ein Paar Schuhe hätte ausgereicht, aber ich bin nach meinem Besuch in Stuttgart die letzten 18 Tage in anderen Schuhen gelaufen. Erstaunlicherweise hat ein paar Socken die ganze Strecke durchgehalten. Was die Temperaturen angeht, waren etwa - 12 Grad das Minimum und 22 Grad das Maximum. Lediglich an 4 Tagen hat es die meiste Zeit geregnet. 13 Mal war ich in einer bezahlten Unterkunft, in erster Linie in den ersten drei Wochen wo ich viel Eis und Schnee hatte. 10 Nächte habe ich bei freundlichen Menschen eingeladen verbracht. 60 Nächte habe ich im Wald verbracht, die meisten davon unter freiem Himmel. 
















WdH 82 Vom Steinbruch Dotternhausen nach Schlatt

 



Mi, 29.4.2026


WdH 82: Vom Steinbruch Dotternhausen nach Schlatt


12:47 h, 47,5 km, 1405 hm Aufstieg, 1450 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem es morgens noch etwas bewölkt ist, entfaltet sich ein weiterer, strahlend schöner Tag. Zunächst folge ich dem Albsteig weiter über Lochenstein und Hörnle. Klassische Landschaften der Schwäbischen Alb, teilweise offene Flächen mit Wachholder und anderen Büschen, steile Aufstiege, helle Kalkklippen. Dazwischen immer wieder Wald, der häufig ziemlich gemischt ist und nie das helle Grün der Buchen fehlt. Von Laufen an der Ayach steige ich lange hoch auf und begegne anderen Wanderern, die den Albsteig in Etappen laufen und ihr Gepäck transportieren lassen. Als ich mir eine eigene Route auf einem Pfad am Rand eines Bannwald suche, komme ich mir ein bisschen wie im Urwald vor,  ein toller Wald mit alten Bäumen, viel Totholz und viel Unterwuchs, sowie hellen Felsen. Ich passiere den hübschen Ort Burgfelden auf 900 m Höhe und treffe einige Zeit später die Schäferin Lea, die mit 500 Schützlingen unterwegs ist. Sie ist 28 und Vater und Großvater sind ebenfalls Schäfer, d.h. sie setzt diese Tradition fort, obwohl das bedeutet das ganze Jahr bei Wind und Wetter draußen zu sein. Ich folge einem der Traufgänge genannten Rundwanderwege als Alternative zum Albsteig und steige schließlich durch den Wald lange nach Jungingen ab. Hinter dem Ort, wo ich mir mal wieder eine Schale Walnusseis gönne, geht es wieder hoch zum Albtrauf, wo ich schließlich mein Cowboy Camp in einer Insel von alten Bäumen umgeben von jungem Wald aufschlage.


Am Morgen steige ich zunächst ein Stück ab, dann durch den Fichtenwald aufwärts zum gespaltenen Stein, zerklüfteten Felsen. Die Abstiegsroute ist sehr schön,  zum Teil geht es an  offenen Wacholderflächen vorbei. Irgendwann erhalte ich eine fantastische Aussicht rüber zum Lochenstein, für mich die Schwäbische Alb in Perfektion, weite zum Teil hellgrüne Wälder aus denen schroffe Kalkfelsen heraus schauen. Dann geht es wieder steil aufwärts zum Lochenstein selber, auf knapp 1000 m, wo man eine schöne Aussicht erhält und es zum Teil offene Grasflächen mit Büschen gibt. Auf der Abstiegsroute komme ich an einem Wasserhahn vorbei, wo „kein Trinkwasser“ dran steht, was mich aber nicht weiter stört. Das übliche, deutsche Sicherheitsdenken…

Es geht dann runter zum verkehrsreichen Lochen Pass mit seinem Lärm ein ganz schönes Kontrastprogramm. An der Jugendherberge Lochen vorbei geht es dann auf einem Pfad im Wald wieder aufwärts. Schließlich öffnet sich das Terrain und der Pfad flacht ab. Es geht jetzt durch die malerische Landschaft am Hörnle mit ihren Rasenflächen, die von Gehölzen durchsetzt sind und Waldstücken, eine sehr schöne Landschaft! 

Schließlich steige ich von der Höhe ab. Ein toller Pfad abseits des Albsteigs, führt mich am Rand eines Bannwalds entlang. Wahnsinn, wie viel Bärlauch hier wächst. Auf dieser relativ ebenen Stufe wachsen auch mächtige Tannen, Fichten und Buchen. Ein bisschen fühlt es sich an, in einem Urwald zu sein. Ich sehe ein Reh und Federn lassen auf einen vielleicht vom Uhu geschlagenen Greifvogel tippen. 

Schließlich geht es auf Forstwegen runter nach Laufen an der Eyach. Aus dem Ort auf lediglich 600 m Höhe, geht es dann zunächst auf Asphalt dann auf einem Fahrweg im Wald nach oben. Zwei Männer und eine Frau mit Rucksäcken kommen mir entgegen. Wir unterhalten uns, und es stellt sich heraus, dass sie den Albsteig in Etappen laufen, allerdings ihr Gepäck zur jeweiligen Unterkunft transportieren lassen. Warum auch nicht!

Schließlich geht es noch relativ steil auf einem Pfad weiter hoch, bis ich den schmalen Steinberg Grat auf knapp 900 m Höhe erreiche.

Ich laufe dann noch ein Stück weiter aufwärts auf ein Plateau. Von hier reicht mein Blick noch einmal zurück über Laufen zum Hörnle mit seinen Felsklippen.

Bald komme ich aus dem Wald und erreiche den netten Ort Burgfelden, traumhaft gelegen auf über 900 m, mit Künstler Ateliers und Ausstellungen. 

Hinter dem Ort geht es noch ein Stück durch schöne Wiesen, dann zunächst auf einem Forstweg später auf einem Pfad in den Wald. Ich steige dann ein Stück ab zu einem Brunnen, wo ich Wasser zapfen und meine Füße kühlen kann. Unterhalb liegt Pfeffingen. Hier treffe ich ein älteres, ebenfalls wanderndes Paar. Als ich mich von der Straße entferne, treffe ich die 28-jährige Schäferin Lea, die mit zwei Hunden, drei Eseln und einer 500-köpfigen Schafherde unterwegs ist. Sie erzählt, dass auch ihr Vater und Großvater Schäfer waren beziehungsweise sind und das deswegen für sie etwas ganz Natürliches ist, auch diesen Beruf zu übernehmen. Im Winter ist zwar ein Teil der Herde im Stall, aber der größte Teil wird auch dann draußen gehütet, nicht auf der Alb, sondern im Stuttgarter Raum. Es geht den ganzen Tag mit der Herde frei über die offenen Flächen, erst abends kommen die Schafe in einen Pferch. Geld wird hauptsächlich mit Landschaftspflege Fördergeldern verdient, für die Wolle gibt es fast nichts, so dass das Schafscheren teurer ist, als das, was sie mit der Wolle verdienen. Das Lammfleisch ist allerdings auch durchaus gefragt. Ihre Familie verkauft die Lämmer allerdings lebend und schlachtet nicht. Sie erzählt, dass sie die Esel nur dabei habe, weil sie ihr Freude machen, denn in dieser Gegend gibt es noch keine Wölfe.  

6 Wochen lang muss eine Weide nachwachsen, bevor die Schafe erneut kommen können. 

Klar wird sie oft angesprochen, aber meist entwickelt sich daraus keine längere Unterhaltung. 

Heute ist das Wetter ja traumhaft,  aber wenn man sich vorstellt, dass sie das ganze Jahr mit der Herde draußen ist, bei Wind und Wetter, verdient das hohe Anerkennung.

Weiter geht es zum Teil auf Wiesenwegen zum Teil im Wald auf das offene Plateau, wo ich auch auf Asphalt zwischen Feldern wandere. Nachdem es gestern und heute Morgen zunächst bewölkt war, liegt jetzt wieder ein strahlend blauer Himmel über dem Land, da offenbar der frische Wind die Wolken weg geblasen hat.

Ich passiere den Wanderparkplatz Zitterhof und bin bald wieder im Wald. Hier auf der schwäbischen Alb gibt es recht viele Wanderparkplätze. Oft sind sie auch mit einem Dixi Klo ausgestattet, allerdings zwei, die ich heute Morgen gesehen habe, waren verschlossen.

Durch den Wald geht es zur Straße, wo sich der Wanderparkplatz Stich befindet. Es gibt hier sogenannte Traufgänge, Rundwanderwege, die bestimmt schön sind.

Hier verlasse ich dann auch erst mal den Albsteig und folge einer solchen Runde.

An Wacholden vorbei, wandere ich teilweise auf Graswegen durch liebliche Wiesentäler voller Schaumkraut und Löwenzahn sowie Wiesenprimeln . Hier fliegt ein Rotmilan rufend am Waldrand entlang.

An zwei Höfen vorbei, wo ich einen weiteren Rotmilan sehe, gelange ich zurück zum Albtrauf. Hier kann ich wieder auf die Ebene hinab blicken. Bei dem schönen Wetter sind etliche Leute unterwegs. Es dauert aber nicht lange, als ich einem Pfad abwärts folge, das sich der Wald wieder einsam anfühlt. Später laufe ich dann aber auch auf Forstwegen. Der Wald hier ist wunderschön, eine Art grüne Hölle, hauptsächlich aus Buchen mit Unterwuchs überall, aber teilweise auch aus Tannen, die aus dem Buchengrün ragen. Abgesehen davon gibt es auch einige Ulmen an den Wegen. An einer Stelle sehe ich zwei angebundene Pferde gesattelt und mit Packtaschen versehen. Als ich genau hinschaue sehe ich einen Mann, der sich dahinter quer über den Weg hingelegt hat und offensichtlich schläft. Es würde mich sehr interessieren, was der Mann mit den Pferden vorhat, aber ich will seinen Schlaf nicht stören. Ein Stück weiter gelange ich an eine Hütte, wo es eine sprudelnde Quelle gibt, die in einen Baumstamm fällt. Hier fülle ich mir noch einmal 3 l Wasser auf.

Auf Fahrwegen geht es im Wald weiter, bis ich schließlich in die offene Flur und dann nach Jungingen komme. Ich streife den Ort allerdings nur am Rand. Als ein Netto vor mir auftaucht, kann ich nicht widerstehen und hole mir erst mal eine Schale Walnusseis. 

Ich laufe ein Stück die ziemlich verkehrsreiche Straße entlang und steige dann wieder hoch in den Wald, wo ich auf einem Fahrweg laufe. Ein Sperber streicht durch den Fichtenwald und entfernt sehe ich das Märchenschloss Hohenzollern auf einem Hügel. Ein Weg in Mapout existiert nicht, daher muss ich ein Stück zurück laufen und steige dann steil hoch zum Trauf, wo ich wieder auf den Albsteig stoße. Etwas weiter schlage ich mein Cowboycamp unter großen Tannen und Buchen, umgeben von vielen jungen Bäumen auf. Ein Reh springt ab und ein Eichhörnchen huscht in der Nähe herum. 
























Dienstag, 28. April 2026

WdH 81 Von Nendingen zum Steibruch Dotternhausen

 



Di, 28.4.2026


WdH 81: Von Nendingen zum Steinbruch Dotternhausen


12:23 h, 42,2 km, 1243 hm Aufstieg, 1147 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Während ich am Morgen weiter durch den Wald laufe, kommt mir ein Dachs schnurstracks entgegen, bemerkt mich nicht, und verschwindet erst, als er sich mir bis auf weniger als 5 m genährt hat, im Wald. Bei Nendingen überquere ich die hier noch ziemlich kleine Donau. Durch das Ursental steige ich dann langsam empor zur Schwäbischen Alb. Dort gelange ich auf den Albsteig auch HW 1oder Nordrand Weg genannt. Hinter einem Segelfluggelände treffe ich Andreas, der mir sehr viele Fragen zum Wandern stellt.

Bei Gosheim steige ich dann auf den höchsten Berg der Schwäbischen Alb, den Lemberg mit 1015 m, der von einem hohen Aussichtsturm gekrönt wird. Im Gegensatz zu 2021 als ich etwas später hier war, haben in diesem Jahr die Buchen schon ausgetrieben. Ich folge dem Rand des Abfalls noch ein wenig und passiere dann die beiden Orte Deilingen und Ratshausen. Hinter diesem Ort steige ich 300 Höhenmeter auf. Ich sehe die ersten Orchideen des Frühlings und wandere schließlich auf einem Pfad, der sehr steil und mit Geländer gesichert ist. Leider ist es jetzt etwas dunstig, daher sind die Ausblicke nicht ganz so schön. An einem großen Steinbruch vorbei steige ich schließlich ein Stück ab und suche mir einen Lagerplatz im Wald. Dort entdeckt mich ein Jäger mit seinem Hund, der sehr freundlich ist und überhaupt kein Problem damit hat, dass ich hier im Wald schlafe.


Wie auch gestern Abend schon, ruft in der Dämmerung ein Sperlingkauz Intensiv. Zum Frühstück gibt es außer meinem Müsli noch Kuchen, den Franz gestern mitgebracht hatte. Als ich aufbreche, laufe ich erst einmal einige Kilometer durch einen schönen Wald, zwar mit vielen Fichten, aber wie auch gestern schon, mit üppigem Unterwuchs aus Buchen und stellenweise auch Tannen. Dann glaube ich, kaum meinen Augen zu trauen, ein Dachs läuft gerade auf mich zu, dem Forstweg folgend. Er bemerkt mich nicht und und kommt bis auf etwa 5 m an mich heran, bevor er den Weg verlässt. Ein tolles, außergewöhnliches Erlebnis! 

Schließlich verlasse ich den Wald und laufe durch den ausgedehnten Ort Nendingen, wo jetzt am Morgen ziemlich viel Verkehr ist. Ich trinke einen Kaffee, überquere die Donau, die hier eher ein Bach ist, und lasse dann den Ort hinter mir.

Auf einem asphaltierten Feldweg geht es in das zunächst breite Ursental, wo ich zunächst über die von Wald eingefassten Wiesen laufe. Bald hört der Asphalt auf und es geht durch den Wald weiter. Hier wachsen überwiegend alte Fichten, aber Laubbäume sind nie weit entfernt. Das Tal gefällt mir sehr gut. Ich sehe ein Mönchsgrasmückenmännchen mit seiner schwarzen Kappe, einen Kolkraben in einem Baum und höre Hohltauben und einen Grünspecht. Langsam, aber stetig geht es Talaufwärts. Hier blühen noch gelbe Anemonen Schlüsselblumen, Lerchensporn und Milzkraut. Weiter oben im Tal passiere ich üppig bewachsene Kalksteinfelsen, und gelange dann an Skipisten mit Lift vorbei zu einer Straße der ich eine Zeit lang folge.

Dann geht es auf Forstwegen durch den Fichtenwald, bis ich schließlich den Segelflugplatz Klippeneck erreichen. Dort stoße ich auf den Albsteig oder HW 1, der dem ganzen Nordrand der Schwäbischen Alb folgt.

Bald treffe ich Andreas, einen Mann in meinem Alter, der eine Tageswanderung unternimmt und mir sehr viele Fragen zu meiner Tour,  meiner Ausrüstung und so weiter stellt. Eine nette Begegnung. Teilweise laufe ich dann auf Pfaden direkt am Rand des Steilabfalls des Plateaus. Ich passiere steile, gelbe Klippen und überquere die Straße beim Radarturm Gosheim. Dann laufe ich lange Zeit durch den recht großen Wort und steige von einer Straße zum Lemberg auf. Ein Stück auf einem Pfad mit Serpentinen. Oben, auf dem mit 1015 m höchsten Berg der Schwäbischen Alb steht ein hoher Turm. Angeblich soll man von oben die Schweizer Alpen und auch die Zugspitze sehen können,  aber jetzt um die Mittagszeit ist es zu dunstig. Ich erinnere mich daran, als ich 2021 auf meiner großen Deutschland Wanderung hier oben war. Das war Anfang Mai und damals hatten die Buchen noch nicht ausgetrieben. In diesem Jahr ist das ganz anders. Das helle Grün hat sich schon überall entfaltet.

Auf einem Pfad steige ich ab zum Lembergsattel, von dort geht es dann wieder aufwärts zum Hochberg Ein Stück abwärts passiere ich die Nikolauskapelle und erreiche dann die Schörzinger Hütte des Alb Vereins.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und wandere über die Wiesen nach Deilingen. Für ein Stück laufe ich barfuß, das tut gut! Ich wundere mich immer, wie viel Industrie es in kleinen schwäbischen Orten gibt, da ist Deilingen keine Ausnahme.

Am Waldrand sehe ich einen Trauermantel und Vergissmeinnicht blüht. Es geht noch ein Stück durch den Wald. Dann laufe ich durch die Wiesen nach Ratshausen, wo ich mir am Friedhof meine Wasserflasche auffülle. 

Vom Ort geht es zunächst auf Asphalt berghoch. An einer Stelle sehe ich einen Flecken der ersten Orchideen in diesem Frühjahr, Breitblättriges Knabenkraut! Hinter einem Wanderparkplatz führt dann ein Pfad im Wald hoch, der irgendwann steil und steinig wird und sogar mit einem Geländer gesichert ist. Hier entdecke ich eine andere Orchideenart, gelblich und unscheinbar, gelb blühenden Färberginster, Mehlbeeren, die ebenfalls blühen und es wachsen Wacholder und Eiben nebeneinander, etwas, was man auch nicht so oft sieht.

Nach 300 Höhenmetern Aufstieg, erreiche ich die ehemalige Burg Plettenberg, von wo sich ein schöner Ausblick zurück auf meine Route ergibt. Von einer Burg oder auch nur einer Ruine ist allerdings kein Stein zu sehen. Ein Stück weiter liegt rechter Hand eine offene Fläche, die mit einigen Wacholdern bestanden ist. Links fällt das Plateau steil ab und ist mit Wald bewachsen. Ich laufe jetzt relativ flach auf der Kante vorbei an Wacholdern und Buchen sowie einigen

tiefbeasteten Fichten auf der offenen Fläche. Hier blühen auch noch

Buschwindröschen, Veilchen und sehr viele Wiesenprimeln.

Ich passiere eine verschlossene Hütte des Alb Vereins mit Spielplatz und laufe ein Stück auf einem breiten, frisch geschotterten Weg am Rand eines Steinbruch. Dann zweige ich auf einen Pfad ab. Irgendwann kann ich in den umzäunten Steinbruch blicken, der sogar eine eigene Seilbahn hat.

Ich steige dann noch ein Stück ab und schlage nicht weit entfernt von einem Erdweg in einem Buchenwald mit einigen Kiefern mein Cowboycamp auf. Ich bin gerade damit angefangen, als ein hochgewachsener Mann mit umgehängten Fernglas und Hund an der Leine erscheint. Er ist tatsächlich ein Jäger und ist sehr freundlich. Wir unterhalten uns ein wenig und er hat kein Problem damit, dass ich hier bleibe.