Do, 9.4.2026
WdH 63: Von Wachenheim nach Neustadt
6:37 h, 22,9 km, 828 hm Aufstieg, 1008 hm Abstieg
Zusammenfassung: Am Morgen passiere ich die Kernzone Stabenberg des Biosphärenreservats Pfälzer Wald. Auf insgesamt 20 Flächen mit über 5000 ha Größe wurde hier die Forstwitschaft eingestellt, ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.
Auf schönen Pfaden erreiche ich den Gipfel des Weinbiet und steige dann nach Neustadt ab. Dort holt mich Volker ab und ich bin bei ihm und seiner Frau Petra zu Gast. Wir hatten uns schon 2021 kennen gelernt und sind herzlich miteinander wie alte Freunde.
Die Beiden produzieren mit Photovoltaik mehr Strom als sie verbrauchen, trotz Laden des E-Autos!
Volker interessiert sich sehr für Biodiversität und ist insbesondere ein Kenner, was Schmetterlinge und Pilze angeht. Seiner Beobachtung nach, haben vor allem viele Insektenarten Probleme. Als Lösung sieht er auch in der Landwirtschaft es für wichtig an, Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Leider ist zur Zeit hier der Trend gegenläufig, wobei eine herbeifantasierte Lebensmittelknappheit durch den Ukrainekrieg als Argument dient.
Am Morgen bin ich bald auf dem Kamm und steige dann auf einem Pfad steil ab ins Tal des Wachenheimer Bachs, wo es einen Campingplatz gibt. Von hier geht es auf zur Wachtenburg , einer ziemlich großen Anlage, wo es auch Bewirtung gibt. Allerdings natürlich noch nicht um diese Zeit. Kurz darauf steige ich an einem Weinberg vorbei wieder in den Wald. Es gibt hier sehr viele Esskastanien, die einerseits schon ihre grünen Knospen öffnen, andererseits teilweise noch braune Blätter tragen. Der Kiefernwald ist teilweise ziemlich niedrig und erinnert ein wenig an mediterrane Pinienwälder. Auch die Eichen auf diesem kargen Boden nehmen manchmal skurrile Formen an. Um diese frühe Zeit bin ich auf den Pfaden noch ganz alleine, was ich sehr schön finde.
Ich höre Fliegenschnäpper singen, ein weiterer Zugvogel, der wieder da ist. Dann verkündet ein Schild, dass ich in ein Naturschutzgebiet gelange. Nichtsdestotrotz wurde hier in pink gerade unheimlich stark ausgezeichnet, d.h Bäume zum Fällen markiert. Klar Holznutzung ist in gewissem Maße notwendig. Aber was sollen die überaus starken Eingriffe, die ich auf dieser Wanderung immer wieder feststelle. Mir scheint das den Handelnden teilweise jedes Gefühl für den Wald abhandengekommen ist. Es zählt offenbar nur noch, dass die Maschinen möglichst viel Futter haben. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich kein Förster mehr bin und daher auch nicht mehr mit all den negativen Seiten dieses Berufs verbunden bin.
Ich bin natürlich ein Romantiker, aber für mich ist der schönste Wald ein unbewirtschafteter Naturwald!
Etwas später gelange ich zu den Heidenlöchern, den Resten einer Fliehburg auf einem Bergsporn. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Menschen aus der Ebene in Kriegszeiten hierhin zurückgezogen haben.
Ich steige zur Michaelskapelle ab und weiter ins Sensental. Den Abstecher von hier nach Deidesheim erspare ich mir und laufe stattdessen am Rand von Weinbergen und Wald oberhalb des Ortes weiter.
Bald stoße ich wieder auf den Weinsteig und laufe im Wald weiter. Eine Tafel verkündet, dass sich hier eine Kernzone des Biosphärenreservats Pfälzerwald befindet, mit Namen Stabenberg. In Biosphärenreservaten sollen 3 % der Gesamtfläche der Natur überlassen werden, d.h. nicht bewirtschaftet. Hier im Pfälzer Wald, da das Biosphärenreservat recht groß ist, sind das insgesamt 5400 ha, die sich auf 20 Kernzonen aufteilen. Die Kernzone Stabenberg hat lediglich 230 ha Größe und schützt einen Kiefern-Trockenwald auf mageren Standorten. Natürlich mal wieder unproduktiver Wald…Was ich ziemlich überflüssig finde ist, dass man abseits der markierten Wanderwege die Kernzone nicht betreten darf. Ich halte das erleben von Wildnis, wenn auch hier lediglich zukünftiger Wildnis, für etwas sehr wichtiges, was halt nicht durch solche Verbote eingeschränkt werden sollte, die im Zweifelsfall auch Naturschutzfachlich überhaupt nicht notwendig sind. Auf der Tafel wird darauf verwiesen, dass das Betreten der Kernzone gefährlich ist, wegen Totholz. Aber das ist eine typische Gefahr des Waldes, und man sollte da nicht überbesorgt sein.
Schließlich erreiche ich den Rand von Königsbach, wo die Tulpen blühen, Hausrotschwänze von den Dächern rufen und ein Eichhörnchen über die Straße flitzt.
So schön es hier am Hardtrand auch ist, die angrenzende Ebene ist sehr dicht besiedelt.
Bald geht es wieder auf Pfaden durch den Kiefernwald. Schließlich laufe ich das Moosbachtal hoch, mit sehr vielen unterschiedlichen Laubbäumen, wo ein Zaunkönig jubiliert.
Als ich aus dem Tal steige, nehme ich eine Mountainbikeroute als Abkürzung, was sich als Fehler entpuppt. Tatsächlich muss ich dann ein Stück den Hang sehr steil ohne Weg hochsteigen, bis ich wieder auf dem Weinsteig bin. Dieser führt als Pfad sehr schön weiter nach oben. Neben dem Kiefernwald gibt es zum Teil auch alte Fichten, Buchen und moosbedeckte Sandsteinblöcke. Schließlich erreiche ich den Weinbiet mit etwa 550 m einer der höchsten Berge hier am Rand des Pfälzer Waldes. Natürlich gibt es auch hier oben einen Turm und eine Hütte des Pfälzerwald Vereins.
Auch bergab geht es auf einem Pfad. In Neustadt angekommen, gehe ich im Aldi einkaufen und setze mich mit einer Schale Walnusseis auf eine Bank am Bach. Während ich gerade telefoniere, rücken drei schwergewichtige Frauen an und deuten mit sehr unfreundlichen Gesten an, dass ich meinen Rucksack von der Bank nehmen soll. Ich fluche, komme aber ihrem Wunsch nach. Der Sprache nach handelt es sich um Ukrainerinnen, was sie bejahen, obwohl sie kein Deutsch können. Als die eine neben mir mich mit ihrer Zigarette voll qualmt, bitte ich sie mit Gesten das zu lassen. Schließlich entfernen sich die Frauen und setzen sich auf eine andere Bank.
Etwas später kommt eine andere Frau und fragt freundlich, ob sie sich zu mir setzen kann. Was für ein Unterschied!
Schließlich holt mich Volker ab, ein Förster, der als Waldpädagoge bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz arbeitet. Wir hatten uns auf meiner großen Deutschlandtour 2021 kennen gelernt und er hat mich eingeladen auch diesmal wieder zu ihm und seiner Frau Petra zu kommen.
Wir sitzen dann zunächst bei Kaffee und später bei leckerem Essen auf der sonnigen Terrasse zusammen und unterhalten uns gut, wie alte Freunde.
Die beiden leben seit 2016 in einem Niedrigenergiehaus, wo sie über die ganze Zeit mehr Strom produzieren als sie verbrauchen, sogar mit Laden des E- Autos. Dabei müssen sie zwar im Winter Strom zukaufen, geben aber im Sommer viel mehr Strom ins Netz ab, als sie verbrauchen. Man wundert sich, dass solche Modelle nicht noch weitere Verbreitung finden, denn die Ergebnisse müssten eigentlich jeden überzeugen. Man kommt nicht umhin, hier an den Einfluss der Stromkonzerne zu denken, die Kohle- und Gasstrom teuer verkaufen wollen…
Die Beiden sehen zwar eher besorgt auf die kurzfristige Entwicklung, haben aber Hoffnung, dass sich die Dinge wieder grundsätzlich verbessern können.
Volker interessiert sich sehr für Biodiversität und ist insbesondere ein Kenner, was Schmetterlinge und Pilze angeht. Seiner Beobachtung nach, haben vor allem viele Insektenarten Probleme. Als Lösung sieht er auch in der Landwirtschaft es für wichtig an, Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Leider ist zur Zeit hier der Trend gegenläufig, wobei eine herbeifantasierte Lebensmittelknappheit durch den Ukrainekrieg als Argument dient.
Darüber hinaus unterhalten wir uns über viele weitere Themen, bevor wir gegen Mitternacht schlafen gehen.

















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