Fr, 10.4.2026
WdH 64: Von Neustadt zur Rietburg
11:05 h, 25,7 km, 1123 hm Aufstieg, 894 hm Abstieg
Zusammenfassung: Nach dem tollen Frühstück bei meinen lieben Gastgebern, fährt Volker mich zurück nach Neustadt, wo ich mich mit Günter treffe, der als Wanderleiter beim DAV sich hier hervorragend auskennt. Daher weichen wir teilweise vom Weinsteig ab und folgen häufig schönen Pfaden über die Kämme an Sandsteinfelsen vorbei. Dabei reden wir über Günters Erfahrungen mit einer solidarischen Mieterinitiative, die es schafft sich das Eigenkapital für normale Bankkredite über zinsgünstige Darlehen von wohlmeinenden Unterstützern zu beschaffen. Beim Bau eines Hauses für 12 Parteien haben sie es geschafft die Kosten niedrig aber gleichzeitig energetisch effizient zu bauen um so den resultierenden Mietpreis um 50-100 Prozent gegenüber vergleichbaren Häusern zu senken!
Auf dem Kalmit kehren wir ein und ich absolviere dann ein langes Interview mit einer Journalistin. Auf unserem weiteren Weg kommen wir sogar an einigen Kletterfelsen vorbei. Schließlich trennen wir uns und ich schlage mein Lagee auf einem recht steilen, alten Erdweg auf.
Nachdem ich ein tolles Frühstück mit Petra und Volker genossen habe, bringt Volker mich nach Neustadt zum Bahnhof. Dort muss ich ein bisschen warten, bis Günter mit der Bahn aus Mannheim ankommt. Er ist ein sportlicher 68-jähriger, der als Wanderleiter beim DAV engagiert ist, und durch den Artikel in der Frankfurter Rundschau auf mich aufmerksam geworden ist.
Da Günter sich hier hervorragend auskennt, wählen wir teilweise eine andere Route als den Weinsteig. Unser Weg folgt teilweise dem so genannten Königsweg, der etliche der höchsten Gipfel des Pfälzer Waldes miteinander verbindet, auf einer Strecke von 50 km und unglaublichen 2500 Höhenmetern Aufstieg! Zunächst geht es hoch zum Nollenkopf. Während wir so dahin wandern, unterhalten wir uns viel über ein Thema, dass Günter sehr am Herzen liegt: Bezahlbarer Wohnraum. Er selber lebt seit zehn Jahren in einem Wohnprojekt des Mietshäuser Syndikats, mit elf anderen Parteien. Die Idee dabei ist, Mieter, denen es an Eigenkapital für den Erwerb einer Immobilie fehlt, die Möglichkeit zu geben, so zu wohnen, ohne Eigentümer zu sein. Das nötige Eigenkapital für den Bau solche Häuser, kommt aus so genannten Eigenkrediten, die von Leuten in der Regel gegeben werden, die diese Projekt positiv finden. Der Zinssatz liegt bei niedrigen anderthalb Prozent dafür. Hat man das nötige Eigenkapital zusammen, ist es kein Problem, dann einen normalen Kredit bei einer Bank zu erhalten. Beim Bau wird wert darauf gelegt, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Nichtsdestotrotz erwähnt Günter, dass es Ihnen trotzdem gelungen ist, in sehr Energie sparender Weise zu bauen. Nichtsdestotrotz ist es ihnen gelungen, den Mietpreis, der daraus resultiert, 50-100 % unter dem Ortsüblichen zu halten. Günter sieht das Argument, dass behördliche Auflagen und die Baukosten solche Projekte so verteuert hätten, dass gar nicht mehr günstig für Mieter gebaut werden kann, als von ihrem Projekt und anderen widerlegt an. Eine interessante Idee, von der es bundesweit über 200 Objekte gibt. Um dieser Idee zu stärkerer Verbreitung zu verhelfen, ist allerdings noch eine ganze Menge Energie nötig und wünschenswert wäre auch eine Beteiligung oder Förderung durch die jeweiligen Kommunen. meint Günter. Er sieht es generell so, dass Wohnen ein Menschenrecht ist, was grundsätzlich nicht zur Gewinnerzielung oder Spekulation genutzt werden sollte.
Weiter geht es auf tollen Pfaden zum Teil Kämmen folgend über Hohe Loog und Taubenkopf zum Kalmit. Dort oben gibt es mal wieder eine Hütte des Pfälzer Waldvereins, die geöffnet ist. Wir essen und trinken dort und warten auf eine Journalistin der Rheinpfalz, die später ein langes Interview mit mir zu meiner Tour und meinem Projekt führt. Anschließend laufen Günter und ich weiter durch den Wald. Eines unserer Themen dabei ist auch, dass in Deutschland die hohen Vermögen immer stärker anwachsen. Das ist Günters Meinung nach ein großes Problem, was auch letztenendes Demokratie gefährdend ist. Er sieht die Besteuerung durch den Staat als Ausweg, der gleichzeitig den Charme hat, dem Staat große Mittel zu verschaffen.
Wir passieren einige schöne Sandsteinfelsen, wo teilweise junge Leute am Bouldern sind, mit ausgelegten Matten, die sie im Sturzfall schützen. Wir überqueren den Hochberg und trennen uns schließlich, da Günter zum Bahnhof nach Edenkoben möchte, um zurück nach Hause zu gelangen. Ich laufe noch ein Stück weiter, fülle meine Wasserflasche an einem Brunnen auf und schlage schließlich mein Lager auf einem aufgegebenen Erdweg auf. Zwar etwas steil, aber okay. Ich achte ziemlich darauf, die stacheligen Schalen der Esskastanien von meinem Platz zu entfernen.












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