Di, 24.3.2026
WdH 47: Von Dörscheid nach Rüdesheim
9:40 h, 38,5 km, 1199 hm Aufstieg, 1349 hm Abstieg
Zusammenfassung:
Früh am Morgen sehe ich schon zwei Muffelschafe mit ihren Lämmern, hier ist der Nachwuchs schon da!
Heute sehe ich, wie man versucht mit Pflegemaßnahmen die halboffene Landschaft zu erhalten. Ich bewundere die Burg Kaub auf einer Rheininsel und treffe Fabi, der eine dreitägige Wanderung unternimmt und gerne auch mal länger unterwegs sein möchte. Grundsätzlich könnte er ein Sabbatjahr nehmen und sieht selber bei seiner Arbeit in einem Krankenhaus, dass man seine Träume nicht aufschieben sollte. Hinter Kaub laufe ich mehr auf Fahrwegen als gestern, daher gefällt mir dieser Abschnitt nicht ganz so gut. Der Frühling schreitet weiter fort, die ersten Buchenblätter haben ihre Knospen gesprengt und in einem Teich sind Erdkröten bei der Paarung. Schließlich kürze ich ein Stück nach Rüdesheim ab und steige in einem Hotel ab. Endlich mal wieder Wäsche waschen und duschen. Abends esse ich dann zusammen mit meiner alten Freundin Kristin, einer Lehrerin, die leider bestätigt, dass das Bildungsniveau gesunken ist.
In der Morgendämmerung bin ich wieder unterwegs. Zunächst geht es noch ein Stück durch den Wald, aber bald steige ich durch die felsigen Gebüsche an der Rheinkante wieder auf. Anschließend geht es über Wiesen und Felder. Hier sehe ich zwei Muffelschafe mit ihren kleinen Lämmern und aus den Gebüschen höre ich es Blöken. Etwas später sehe ich dann noch mal vier Mufflons. Ich durchquere den kleinen Ort Dörscheid und gelange in die Dörscheider Heide, ein größeres Gebiet, wo man umfangreiche Naturschutzmaßnahmen durchgeführt hat, zum Beispiel Entbuschungen mit einer Raupe und spätere Schaf- sowie Ziegen Beweidung. Das ist für mich auch in Ordnung. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man hier versucht einen statischen Zustand zu bewahren. Eben die alte Kulturlandschaft. Mit Naturschutz im eigentlichen Sinne hat das wenig zu tun, denn Natur ist etwas wildes, was sich stetig weiter entwickelt und über lange Zeiträume auch keine starren Zustände kennt. Genau diese Dynamik macht die Natur aus und ist extrem wichtig für Sie. Aber wie gesagt, hier an dieser Stelle finde ich das durchaus gut, dass das gemacht wird. Dadurch hat man eine sehr schöne Halboffene Landschaft geschaffen und wahrscheinlich eine ziemlich große Artenvielfalt auf kleiner Fläche.
Schließlich geht es steil abwärts, das letzte Stück auch auf Treppen. Unterwegs erhalte ich schon einen Ausblick auf die Burg Kaub, die auf einer Rheininsel liegt, mit ihrem Zwiebelturm und den weißen Mauern. Vom Örtchen Kaub am Rhein geht es steil wieder hoch zur Burg Pfalzgrafenstein.
Weiter geht es relativ flach an den alten Weinbergsmauern vorbei im Hang, der heute wieder von Sträuchern erobert worden ist. Schließlich führt mich ein Pfad weiter durch den Wald, wo ich Fabi treffe, einen Ultraleichtwanderer, der hier eine drei Tage Tour macht. Wir unterhalten uns ein wenig, hauptsächlich über Ausrüstung. Er arbeitet im Krankenhaus und erzählt, dass er dort eigentlich ein Sabbatjahr nehmen kann, um so mal einen großen Wandertraum zu verwirklichen. Ich sage ihm, dass er das vielleicht nicht zu lange aufschieben sollte. Daraufhin antwortet er, dass ich damit absolut recht habe, das sieht er jeden Tag im Krankenhaus!
Dann setzt jeder seinen Weg fort.
Ein Fahrweg führt mich in ein kleines Tal, aus dem ein Pfad heraus führt. Bald bin ich wieder direkt über dem Rhein. Hier sehe ich in den Gebüschen zwei Mufflons ziemlich nah. Während woanders die Wildschafe im Wald eher unbeliebt sind, weil sie junge Bäume verbeißen und die Rinde ältere Bäume abschälen, sind sie hier wahrscheinlich willkommen, weil sie dabei mithelfen, die Landschaft offen zu halten.
Schließlich führt der Pfad runter ins Niedertal, wo sich die Wildschweine im Schlamm gewälzt und sich hinterher an den Bäumen gescheuert haben, wovon die Erdspuren zeugen. Ein Typ, der sich Grenzvogt nennt, hat hier an der Grenze zu Hessen einige Hütten, ein verschlossenes Toilettenhäuschen und ein Baumhaus. Schließlich führt der Pfad wieder aus dem Tal hinaus und dann unmittelbar oberhalb des Rheins weiter.
Bald geht der Pfad in einen Fahrweg über. Ich komme an einem Kirschbaum vorbei, der von Bienen intensiv umsummt wird. Am Brunnen Oberthal mit tröpfelndem Zulauf fülle ich meine Wasserflasche wieder auf.
Oberhalb von Lorchhausen komme ich an zahlreichen Elektrozäunen vorbei, die dazu dienen, die Schafe und Ziegen, die hier weiden, an Ort und Stelle zu halten. Zwei Männer, die ich treffe, machen gerade Pause. Sie erzählen, dass sie den Auftrag haben die Zauntrassen freizuhalten von Sträuchern. Eine Tafel verrät, das die Maßnahmen hier von der DB Netz AG durchgeführt werden als Kompensationmaßnahme für Baumaßnahmen an anderer Stelle.
Dann gelange ich in das Tal bei Lorchhausen und steige zunächst auf Asphalt, dann auf Fahrwegen wieder auf und laufe über dem Rhein durch die Gebüsche weiter. Hier gibt es unterhalb auch Weinberge.
Ich passiere den Turm der Burg Nollig und steige dann sehr steil ab nach Lorch. Das erste Stück ist sogar mit Drahtseilen gesichert. Es geht dann ein kleines Stück durch den Ort, bevor es auf einem Fahrweg wieder nach oben geht. Längere Zeit laufe ich dann durch die Weinberge, aus denen ich durch ein Tor und einen Gitterrost gelange, mit denen man versucht die Weinberge so abzuschirmen, dass keine Wildschweine reinkommen können.
Auf Fahrwegen geht es dann durch die ehemaligen Weinberge, die jetzt Gebüsche sind. Ich gelange in ein Tal mit etlichen abgezäunten Gärten.
Weiter geht es dann teilweise auf Graswegen. Auf dem anderen Ufer klafft eine riesige Wunde im Hang, wahrscheinlich ein Steinbruch. Unmittelbar daneben liegt eine alte Burg, so viel zum Thema Weltkulturerbe Mittelrheintal…
Weiter geht’s auf einem Fahrweg. An einer Stelle wird eine Mulchraupe von einem Schlepper, an dem eine Seilwinde befestigt ist, rauf und runter gelassen.
Im Wald, gelange ich an einen kleinen Teich, wo hohe Geräusche verraten, dass die Erdkröten gerade bei der Paarung sind. Tatsächlich kann ich dann ein Weibchen mit dem deutlich kleineren Männchen auf ihrem Rücken im Wasser fotografieren.
Als es dann auf einem Forstweg aufwärts geht, verkündet ein Schild, dass dies ein Naturwaldreservat und eine Kernfläche Naturschutz ist. ja In Hessen hat man 10 % des Staatswalds aus der Nutzung genommen. Allerdings sind das häufig Flächen wie diese, steil und wenig produktiv, d.h. ohnehin kaum nutzbar. Wichtig ist es aber auch Flächen aus der Nutzung zu nehmen, wo richtig dicke Bäume stehen, die normalerweise bewirtschaftet werden würden. Wenn man das nicht in ausreichendem Maße tut, sind diese 10 % lediglich eine Art Mogelpackung, etwas überspitzt ausgedrückt.
Schließlich bin ich wieder auf einem Pfad oberhalb des Steilabfalls hin zum Rhein. Hier haben die ersten Buchenblätter ihre Knospenhüllen gesprengt. Es ist hier extrem trocken, steil und steinig. Erstaunlich, dass hier überhaupt einige Buchen neben den Eichen wachsen können.
Bald habe ich den Bereich um den Teufelskandrich, wie der Ort heißt, hinter mir gelassen und laufe auf einem Fahrweg weiter durch den Wald. Da ich mir das Stück um Assmannshausen und das Niederwalddenkmal ersparen will, was ich von etlichen Besuchen gut kenne, und wo mir zuviel los ist, verlasse ich ungefähr 10 km vor Rüdesheim den Rheinsteig und nehme eine Alternativroute, die direkter ist.
Durch die Feldflur geht es auf Asphalt runter nach Aulhausen. Über dem Dorf kreist niedrig ein Rotmilan. Aus dem Ort führt ein Pfad steil hoch in den abwechslungsreichen Niederwald.
Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge einem Fahrweg am Rand der Weinberge abwärts nach Rüdesheim, während rechts von mir die Seilbahn zum Niederwalddenkmal hochfährt.
In dem Ort ist relativ viel los, offenbar sind auch chinesische Gäste da.
Bald habe ich mein schon vor Tagen gebuchtes, günstiges Hotel gefunden. Ich wasche Wäsche und mich selber, danach plane ich ein wenig.
Später kommt meine alte Freundin Kristin und wir gehen zusammen essen. Kristin ist Lehrererin an einer Gesamtschule und betreut die Jahrgänge von der sechsten bis zum Abitur. Sie stimmt mit der Analyse von Martin gestern völlig überein, dass das allgemeine Bildungsniveau stark gesunken sei. Drei Gründe hält sich hierfür ausschlaggebend: Überfrachtete Lehrpläne, die mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Schüler aufgrund der Überreizung in den sozialen Medien und den Anspruch des Staates möglichst jeden zum Abitur zu führen. Das habe die Hürden die Oberstufe zu erreichen, stark gesenkt, so dass auch Schüler zum Abitur kommen, denen das früher niemals möglich gewesen wäre. Das habe allerdings ein allgemeines Sinken des Niveaus bewirkt. Sie versucht, der mangelnden Konzentrationsfähigkeit zwar mit Achtsamkeitsübungen zu begegnen, ist sich aber bewusst, dass das natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Nach schönem Essen und angenehmen Gesprächen gehen wir schließlich wieder auseinander.
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