Mittwoch, 25. März 2026

WdH 48 Von Rüdesheim nach Rheinböllen

 





Mi, 25.3.2026


WdH 48: Von Rüdesheim nach Rheinböllen


7:15 h, 31,1 km, 1224 hm Anstieg, 728 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nach dem sehr guten Frühstück im Hotel am Markt, gehe ich zum Fähranleger, wo ich mich mit Dirk treffe, der heute mit mir wandern möchte. Wir fahren rüber nach Bingen, wo der Soonwaldsteig beginnt. Dirk ist ein sportlicher 63-jähriger, der sein Berufsleben größtenteils bei der Entwicklungsorganisation Oxfam verbracht hat und auch privat sozial immer stark engagiert war. Außerdem gilt seine Leidenschaft dem Laufen, auf Strecken bis zu 100 km. Bald lassen wir Bingen hinter uns und wandern durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Wir unterhalten uns über Themen, wie man der zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich begegnen kann und wie man mit dem Thema Migration umgehen sollte. Dirk erzählt, dass das Helfen, ihn persönlich stark bereichert. Dann entfernen wir uns vom Rhein und laufen das Morgenbachtal hoch, sehr idyllisch. Jetzt hagelt und schneit es und ist deutlich kühler geworden. Schließlich steigen wir ein Stück ab nach Rheinböllen, wo wir uns verabschieden. Für mich geht es dann wieder aufwärts zu den Höhen des Soonwalds um die 600 m. Seit meinem letzten Besuch hat die Zahl der Windräder hier unheimlich zugenommen. Ich hoffe sehr, dass das morgen nicht so weitergeht!


Heute lasse ich es mal ganz entspannt angehen, da es im Hotel erst um 9:00 Uhr Frühstück gibt. Vorher gehe ich einkaufen hier in Rüdesheim und genieße dann das super gute Frühstück.

Gegen 10:30 Uhr, bin ich am Anleger der Personenfähre nach Bingen. Dort wartet auch schon Dirk auf mich, der mich vor einiger Zeit angeschrieben hatte, um mit mir ein Stück gemeinsam zu wandern. Dirk ist sympathisch, 63 Jahre alt und hat den größten Teil seines Berufslebens bei Oxfam verbracht, wo er die Läden aufgebaut hat, mit denen die Entwicklungsprojekte dieser Organisation teilweise finanziert werden. Davor hat er sich auch um Obdachlose gekümmert und zuletzt in einem Hospiz Sterbende begleitet. Sein großes Hobby ist das Laufen, was er auf Distanzen bis zu 100 km leidenschaftlich ausübt. Aber auch das Wandern interessiert ihn, und er würde gerne mal eine mehrere 100 km lange Tour machen. Vielleicht von seinem Wohnort bis zu der Partnerstadt seiner Gemeinde in Frankreich. Schließlich erreichen wir Bingen, wo wir gegen elf loslaufen. Am Bahnhof gelangen wir auf den Soonwaldsteig, dem der NST jetzt folgt. 

Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und laufen durch schönen Laubwald oberhalb des Rheins. Hier sind wir fast alleine, nur eine junge Frau vollführt Yogaübungen für Instagram vor ihrer Kamera. An der Burg Rheinstein erhalten wir einen schönen Ausblick über den Rhein und das andere Ufer, wo ich ja die letzten Tage gelaufen bin. Dirk erzählt, dass Oxfam sich sehr mit dem Thema Gerechtigkeit auf nationaler und auch globaler Ebene beschäftigt. Er selber sieht auch in Deutschland die zunehmende Vermögensungleichheit als Problem an. Er befürchtet, dass die Zahl der Menschen wächst, die sich nicht zuletzt aus diesem Grund abgehängt fühlen, und dann Parteien wählen, die Besserung versprechen, wie die AfD. Ich frage ihn, wie er denkt, dass man die zunehmend auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich wieder schließen kann. Da erwähnt er gleich die Vermögenssteuer, die in Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr erhoben wird aber dazu beitragen könnte die zunehmende Vermögensungleichheit abzubauen. Auch das Argument, das Kapital ein „scheuhes Reh“ ist und leicht ins Ausland verschoben werden kann, sieht er nicht. Viele Vermögensbestandteile wie Immobilien lassen sich nicht so einfach verschieben und auch Kapitalflüsse können heutzutage international ziemlich gut überwacht werden. Letztenendes könnte man sogar so etwas wie eine Exit Tax einführen, was sogar in dem ziemlich kapitalistischen USA der Fall ist. Er sieht auch die Besteuerung von Finanztransaktionen als gute Möglichkeit. Der Charme dabei ist, dass man auch mit sehr geringen Steuersätzen, sehr hohe Einnahmen erzielen kann für den Staat. Dirk setzt sich schon seit Ende der Achtzigerjahre in Flüchtlingsinitiativen für Menschen aus anderen Ländern ein, die zu uns kommen. Seiner Erfahrung nach wollen die meisten von ihnen arbeiten und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren. Dies sollte erleichtert werden, in dem Geflüchtete sofort arbeiten dürfen. Denn Arbeit ist bekanntlich der beste Weg zur Integration. Andererseits sieht er auch ganz klar, dass wir nicht jeden aufnehmen können, der gerne zu uns möchte und der Staat auch die Möglichkeit haben muss, Leute bei denen die Fluchtgründe weggefallen sind wieder abzuschieben. 

Die Arbeit im Hospiz fand er sehr schön, und es hat ihm noch einmal einen anderen Blick auf das Leben und vor allen Dingen die Endlichkeit unseres Daseins gegeben. Er hat erlebt, wie wichtig es ist, dass Leute liebevoll und zugewandt, am Ende ihres Lebens begleitet werden. 

Schließlich entfernt sich der Weg vom Rhein und wir laufen das wunderschöne Morgenbachtal aufwärts. Noch scheint teilweise die Sonne und wir sehen Ameisen, die sich um ihren Haufen kümmern und regelrecht umherwimmeln. 

Auch im Ruhestand möchte Dirk sich sozial engagieren, ob in seiner Kirchengemeinde oder bei der psychosozialen Notfallbetreuung, die von Freiwilligen, beispielsweise bei Verkehrsunfällen geleistet wird. Er sieht es so, dass einerseits es wichtig ist, Hilfe zu leisten wo notwendig, aber andererseits das einem auch persönlich viel gibt.

Etwas später schlägt das Wetter um. Der Himmel verdunkelt sich, es fängt an zu hageln und später schneit es sogar. Während wir weiter aufsteigen, ist es ziemlich windig, jetzt überwiegen Fichten und eine scharfe Brise streicht über die Kämme. Später wandern wir über die Hochfläche des Kandrich, wo auf ehemaligen Sturmflächen neuer Wald wächst. Hier stehen schon seit einigen Jahren etliche Windräder. Schließlich geht es abwärts zum Bahnhof Rheinböllen, wo wir uns verabschieden, da Dirk von hier mit dem Bus zurückfahren möchte. Ich dagegen steige wieder auf zu den Höhen des Soonwalds auf über 600 Metern. . Hier gibt es inzwischen noch weit mehr Windräder als bei meinem letzten Besuch 2021 und wo der Blick weiter schweifen kann, sieht man überall Windräder. Ich hoffe, sie werden mich nicht morgen noch den ganzen Tag begleiten. Der Soonwald war so ein schönes, stilles, einsames Waldgebiet und ist zumindest hier jetzt total verlärmt und hat meiner Meinung nach viel von seinem Reiz durch die Windkraftanlagen verloren. 

Es gibt hier noch alte Fichten aber auch Borkenkäferflächen wo man kleine Trupps von Bäumen pflanzt die in Holzgattern vor Wildverbiss geschützt werden. 

Schließlich finde ich eine kleine Schutzhütte, wo ich mein Nachtlager aufschlage.




















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