Freitag, 20. März 2026

WdH 42 Von Birlinghoven nach Breite Heide

 




Do, 19.3.2026


WdH 42 Von Birlighoven nach Breite Heide


11:19 h, 40,4 km, 1469 hm Aufstieg, 1294 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon früh am nächsten Morgen gelange ich auf den Rheinsteig, dem der NST ab jetzt folgt. Mit dabei ist Volker, Referent im Umweltministerium von NRW und begeisterter Wanderer. Er ist gerade dabei ein Buch über die Geschichte der Menschheit und die Entwicklungen der Zukunft zu schreiben. Er sieht ein Problem in der Entfremdung von der Natur und den fehlenden Kontakt in menschlichen Gemeinschaften. Hoffnung schöpft er aus lokalen Initiativen, die für ihn gute Wege aufzeigen können, die dann vielleicht zum Mainstream werden. Ebenso wie ich denkt er, dass wir vor einer technologischen Revolution stehen, die noch weiter gehend sein wird, als die Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Daraus ergeben sich Chancen, aber auch eine Übergagszeit des Chaos ist für ihn denkbar. Beruflich hat er auch mit der EU zu tun, die er als wichtiges Friedensprojekt sieht, was weiter ausgebaut werden sollte. Wir unterhalten uns über viele weitere Dinge, aber schon nach gut zwei Stunden heißt es Abschied nehmen.

Das Siebengebirge, dass ich heute durchwandere, ist ein tolles Laubwaldgebiet mit etlichen Basaltkuppen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass an diesem Donnerstag hier erstaunlich viele Tageswanderer unterwegs sind. 

Als ich einmal falsch abbiege, nehme ich eine eigene Route, bei der ich den Himmerich besteige und ein Stück querwaldein gehen muss, bevor ich wieder auf den Rheinsteig stoße. Heute ist der Tag meiner Wanderung mit den meisten Höhenmeter bisher…


Noch im Halbdunkel bin ich wieder unterwegs. Schon bald habe ich den Geistinger Wald hinter mir gelassen und durchquere Birlinghoven. Anschließend geht es durch ein relativ kleines Laubwaldgebiet, bevor ich auf einem Asphalt Weg durch die Felder laufe. Jetzt geht die Sonne auf und es verspricht wieder ein sehr schöner Tag zu werden.

Ich gehe durch Gielgen und erreiche dann meinen Treffpunkt mit Volker Ochsenfahrt am Ennert. Er hat mich angeschrieben, da er schon länger verfolgt, was ich mache. Der 52-jährige ist Referent im Umweltministerium in NRW und grüner Kommunalpolitiker. Schon bald erscheint der freundlich wirkende Mann. Und wir laufen auch gleich los. Zunächst geht es durch das Waldgebiet des Ennert, wo wir am Foveaux- Häuschen, auf den Rheinsteig gelangen, dem der NST ab jetzt folgt. Volker ist dabei, ein Buch zu schreiben, indem es um die Geschichte der Menschheit geht und die Frage, ob es Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein wichtiges Thema für ihn ist die Entfremdung des Menschen von der Natur und auch der heute oft fehlende Kontakt innerhalb lokaler Gemeinschaften. In solchen Gemeinschaften, als kleine Inseln, von denen sich Entwicklungen ausbreiten können, liegt seine Hoffnung. Wir reden über viele verschiedene Themen. Da er teilweise auch mit der EU zu tun hat, betont er, dass die EU vor allem ein wichtiges Friedensprojekt ist, dass auch ehemals verfeindete Staaten wie Deutschland und Frankreich zusammen gebracht hat. Natürlich gibt es in der Organisation der EU Dinge, die zu kompliziert und zum Teil auch undemokratisch sind. Nichtsdestotrotz sieht er es so wie ich, dass  die Zusammenarbeit innerhalb der EU in allen Bereichen weiter ausgebaut werden sollte. 

Volker sieht ebenso wie ich die rasante Entwicklung im KI Bereich und hofft, dass zukünftige Entscheidungen zu einem großen Teil auf dieser Technik beruhen und dadurch rationaler werden. Es sollte natürlich nicht so sein, dass die KI demokratische Entscheidungen ersetzt, aber sie sollten von ihr begleitet werden, im Idealfall in Nutzung von Expertenkommissionen aus den verschiedenen Bereichen. Deren Ratschläge sollten viel stärker als bisher berücksichtigt werden. 

Was die Frage der Finanzierbarkeit des Staates angeht, sieht Volker es im Prinzip so wie ich, das bisher hauptsächlich der Faktor Arbeit besteuert wurde, in Zukunft aber das Augenmerk stärker auf den Vermögen liegen muss. Diese wurden in Deutschland ja innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut und es liegt nun im Interesse der Vermögenden smit ihrem Geld einen Beitrag für einen funktionierenden Staat zu leisten. Wenn das in ausreichendem Maß umgesetzt wird, eröffnen sich für den Staat ganz neue Spielräume und auch der Faktor Arbeit könnte entlastet werden. 

Volker hält es für absolut möglich, dass sich Deutschland komplett aus regenerativen Energien versorgt. Voraussetzung dafür wäre aber eine wesentlich konsequentere Politik in diesem Bereich. Nebelkerzen wie der Bau neuer Atomkraftwerke oder auch Gaskraftwerke für so genannte Dunkelflauten, die aber nur ganz selten vorkommen und heutzutage leicht mit Batteriespeichern abgefangen werden können , sind in dem Zusammenhang kontraproduktiv. 

Auch das Thema Migration sollte unserer Meinung nach viel stärker rational angegangen werden. Einerseits brauchen wir in vielen Bereichen Arbeitskräfte von außen. Andererseits können wir in Deutschland natürlich auch nicht jeden aufnehmen. Er hat Erfahrungen aus Indien und ich aus Afrika. Und tatsächlich möchte jeder zweite in diesen Ländern, mit denen man spricht am liebsten gleich nach Deutschland mitgenommen werden, ein Ding der Unmöglichkeit!

Volkers Meinung nach birgt  die technologische Entwicklung in vielen Bereichen das Potenzial für unheimliche Verbesserungen auf vielen Ebenen. Aber er hält es auch für möglich, dass es eine Übergangszeit gibt, die eher chaotisch und weniger angenehm ist, bevor es dann wieder besser wird. Als Beispiel führt er die Geschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert an. Auch damals wurde der Kapitalismus im eigenen Interesse der Kapitalisten, durch die Einführung von Sozialversicherungen gebändigt. Bismarck, der das in Deutschland eingeführt hat, war garantiert kein Kommunist. Das heißt, wahrscheinlich werden auch die Leute an den Schaltstellen der technologischen Entwicklung ein Interesse daran haben, dass nicht nur sie unvorstellbar reich werden, sondern ein Teil des Reichtums in die Gesellschaft zurückfließt. Darauf ist zu hoffen.

Bereits nach etwas über 2 Stunden, die wie im Flug vergehen, verabschieden wir uns und ich wandere alleine weiter, vorbei an Weinbergen, die eine Aussicht auf das dicht besiedelte Gebiet am Rhein bieten. Durch Laubwald gelange ich an den Rand des Klosters Heisterbach.

Steine mit Inschriften erzählen etwas aus der Zeit der Mönche, die im Mittelalter weite Teile der Region stark geprägt haben.

Bald komme ich in einen Bereich, wo Motorsägen heulen und sehr viele Wege mit Bannern gesperrt sind. Ich frage mich, wie es sein kann, dass hier nicht mal eine Umleitung ausgeschildert wird, obwohl der Rheinsteig ja nun wirklich ein wichtiger und beliebter Wanderweg ist!

Ein Pfad führt mich steil rauf zum Petersberg, wo es ehemals ein Gästehaus der Bundesregierung gab und jetzt ein Luxushotel ansässig ist. Unterwegs sehe ich die frisch ausgetriebenen Blätter von jungen Bergahornen und Vogelkirschen. Im Unterwuchs blühen Lerchensporn und Buschwindröschen. 

Als ich ein Stück absteige, erklingt aus den mächtigen Eichen am Rand einer Wiese, ein lautes Staren Konzert.

Durch den Laubwald geht es bergab. Ich überquere eine verkehrsreich Straße und sehe einen Schwarzspecht laut rufend vor mir abfliegen. Es geht recht steil auf dem Forstweg aufwärts zu der kleinen runden Lietschen-Hütte, von dort folgt ein Pfad dem Kamm mit Aussicht zum spitzen Gipfel des Drachenfels. Leider ist es etwas dunstig.

Ich passiere eine weitere kleine Hütte mit potentiell schöner Aussicht und laufe auf dem Pfad weiter durch Eichenwald mit viel Ilex. Leider ist dieser schöne Abschnitt viel zu schnell wieder vorbei, und es geht auf einem Forstweg weiter. Bald erreiche ich das Milchhäuschen, wo ich auf der Sonnenterrasse Käsespätzle esse und alkoholfreies Bier trinke. 

Weiter folge ich einer Lindenallee, die durch Wiesen führt.

Ich erreiche die Schienen der Bahn, die zum Drachenfels führt, bei der Drachenburg und folge dann einem asphaltierten Weg steil bergauf. Oben auf dem Drachenfels ist viel los an diesem Donnerstagmittag. Für meinen Geschmack viel zu viel und ich nehme rasch Reissaus. Ein Pfad führt mich an Felsen vorbei, steil bergab. Hier blühen bereits die Spitzahorne grüngelb.

Ich laufe bergab, bis direkt oberhalb von Rhöndorf, wo der Rhein nicht mehr weit entfernt ist. Bald geht es wieder aufwärts in den Wald. Dort zeigen die Haselnußsträucher ihre ersten zarten Blätter und ich sehe Esskastanien, die die Römer mit dem Wein mit an den Rhein gebracht haben. Dann führt ein Pfad steil aufwärts zum Teil über kleine, schräge Felsen. Hier wächst hauptsächlich Eichenwald unter dem Ilex gedeiht. Es sind hier im Siebengebirge erstaunlich viele Tageswanderer unterwegs, aber es ist auch wunderschön hier. Ich passiere moosbedeckte kleinen Felsen unterhalb eines steilen Felsabbruchs, auf dem auf dem nur ganz niedrige Eichen wachsen. Unterhalb des Pfads wachsen aber auch mächtige Buchen. Ich erreiche die Breiberghütte und folge dem Pfad weiter. Auf der anderen Talseite erstrecken sich eine ganze Reihe von bewaldeten Kuppen. Entfernt sehe ich das weiße Gebäude auf dem Petersberg. Ein Reh flüchtet vor mir durch das Laub, aus dem stellenweise die weißen Blüten der Buschwindröschen leuchten. Schließlich gelange ich auf einen Forstweg, der mich zur Waldgaststätte Löwenburger Hof führt, von der man einen schönen Ausblick über Streuobstwiesen hat. Ab hier geht es auf einem Forstweg abwärts. Ich sehe die ersten frischen Borkenkäfer Fichten des Frühjahrs. Bei Ihnen ist die Rinde teilweise bereits abgefallen aber die Nadeln sind noch grün.

Ich folge dann lange dem Tal eines Bächlein abwärts, meist durch Buchenwald, aber es stehen auch noch einige mächtige Fichten am Weg. An einer Stelle befindet sich ein aufgestauter Teich. Ab der Löwenburg habe ich die meisten Besucher hinter mir gelassen und kann den Wald jetzt wieder weitgehend allein genießen. 

Ich überquere die befahrene Schmelztalstraße und wandere auf einem Pfad zunächst steil in einem Bachtal hoch , dann weiter parallel zur Straße, bis ich oberhalb eines Parkplatzes bin. Von hier führt ein Erdweg weiter bergauf. Im Oktober, als ich die Chance genutzt hatte, zwischen zwei Vorträgen wandern zu gehen, lief hier gerade eine Holzernte Maßnahme. Dennoch ist der Erdweg nicht zerfahren, sondern tadellos zu begehen. So muss das sein!

Weiter geht’s auf einem Forstweg. Als ich feststelle, dass ich falsch laufe, nehme ich eine eigene Variante, den Rheinsteig hier kenne ich ja ohnehin schon. 

Etwas abseits meines Weges ragt der Himmerich auf, eine Basaltkuppe, deren eine Seite eine steile Felswand ist. Man kann hier zur Löwenburg und zum Rhein schauen, allerdings ist es etwas dunstig und die Aussicht ist auch etwas zugewachsen.

Als ich weiter laufe, passiere ich einen älteren Mann, der nackt auf einem Holzstapel liegt. Leider existiert der Weg, den ich weiter nehmen wollte aus meiner Karten App nicht. Da ich keine Lust habe zurückzugehen gehe ich ein Stück querdurch. Da man hier die abgestorbenen Fichten überall hat stehen lassen, kann das ein schwieriges Unterfangen sein. Tatsächlich komme ich ganz gut voran und bin bald wieder auf einem festen Weg.

Schließlich gelange ich wieder auf den Rheinsteig und suche mir bald einen Platz unter Eichen und Hainbuchen. Es ist noch relativ früh, aber ich will die Stille des Waldes noch einmal genießen, bevor ich in die laute Rheinnähe komme.





















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