Samstag, 21. März 2026

WdH 43 Von Breite Heide nach Hammerstein

 



Fr, 20.3.2026


WdH 43: Von Breite Heide nach Hammerstein 


10:50 h, 38,8 km, 1387 hm Aufstieg, 1471 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem ich die Ausläufer des Siebengebirges verlassen habe, laufe ich den Großteil des Tages in Rheinnähe. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass hier wirklich viele Höhenmeter zusammen kommen. Es ist etwas dunstig, daher kann ich die vielen Aussichtspunkte nicht richtig genießen. In dem hübschen Städtchen Linz kaufe ich ein und das Schloss Arenfels bei Bad Hönningen ist sehenswert. Vor allem gefallen mir aber die oft schmalen Pfade, durch wilde Gebüsche, die langsam wieder zu Wald werden, nachdem auf großen Flächen Wein- und Gartenbau aufgegeben wurden. Wir sollten der Natur viel öfter erlauben, sich ohne unser Zutun zu entfalten!

Was mir nicht gefällt ist, dass es viel zu oft in die Orte geht. Erst am Nachmittag gelange ich dann wieder in ein schönes, stilles Waldgebiet, wo ich für einige Kilometer den Rheinsteig verlasse, der bald wieder in Flussnähe verläuft. 


Obwohl ich abends nach jeder Etappe die Kilometer durchaus in den Knochen spüre, vor allem in meinem rechten Fuß, in dem das Sprunggelenk vor 15 Jahren operiert worden war, bin ich am Morgen stets wieder gut ausgeruht. Vor allem, wenn ich draußen geschlafen habe. In Unterkünften schlafe ich erstaunlicherweise meistens nicht so gut. Wahrscheinlich trägt die frische sauerstoffreiche Luft zur Erholung bei. Mal abgesehen davon, dass ich mich unter dem Sternenhimmel, der letzte Nacht besonders schön war, steht’s wohl fühle. Bald nach meinem Aufbruch verlasse ich die Hochfläche und laufe bergab, teilweise auf einem Pfad. Dann folge ich dem Bach weiter, parallel zu einer Straße. Die Drosseln singen und es scheint wieder ein schöner Tag zu werden. Man könnte ja glauben, dass nach sechs Wochen das Wandern für mich seinen Reiz verloren hat. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich wieder aufbrechen kann und genieße es in den Tag zu wandern. Für mich ist das Glück: Die Mischung aus Freiheit in der Natur und körperliche Anstrengung ist genau das, was meinem Körper und meinem Geist gut tut.

An einer Kreuzung steht ein Schild, worauf steht, dass das Betreten und Befahren des Privatweg verboten ist, unterzeichnet mit der Eigentümer. Was das betreten angeht, ist so etwas in Deutschland glücklicherweise nicht möglich! Wir haben ein freies Waldbetretungsrecht, was so gut wie gar keinen Einschränkungen unterliegt. Ich finde, das ist ein sehr hohes Gut, worauf wir richtig stolz sein können.

Ich fülle meine Wasserflasche auf und wandere in einem Bachtal durch dichten, mittelalten alten Laubwald aufwärts.

Schließlich folge ich dem Waldrand auf den schon die Morgensonne scheint, in der Nähe von Bruchhausen.

Weiter geht es über das Plateau der Bruchhauser Heide, an einem Gut mit Campingplatz vorbei,  durch die Felder, in denen es auch Alleen gibt. In der Ferne erscheint noch einmal der Drachenfels der steil zum Rheintal abfällt und die Erhebungen des Siebengebirges.

Die Kastanien einer Allee tragen zum Teil schon grüne Blätter.

Durch wildes, grünes Buschland, aus dem einzelne knorriger Eichen ragen, geht es dann abwärts an einem Weinberg vorbei zu einer befahrenen Straße, wo es einen kleinen künstlichen Wasserfall gibt. Anschließend geht es durch Buchenwald voller Buschwindröschen wieder aufwärts.

Als ich zu einem Funkmast mit Ruhebank direkt über dem Rhein komme, setz ich erst mal meinen Blogpost von gestern ab.

Ich durchquere den kleinen Ort Orsberg und wandere weiter Richtung Erpeler Ley. Ein Eichhörnchen läuft an einem Buchenstamm hoch, kurz danach sehe ich ein weiteres. 

Durch Eichenwald mit dichtem Weißdornunterwuchs geht es zum Erpeler Ley, einem Bergvorsprung hoch über dem Rhein, der eine schöne Aussicht erlaubt. Da es hier einen Parkplatz gibt, sind bereits etliche andere Leute hier.

Zunächst relativ flach im Wald, dann steil durch Gebüsche geht es runter nach Kasbach. Nach einigen Schritten in dem Ort, geht es dann wieder steil hoch, das normale Muster auf dem Rheinsteig! Hier höre ich den hohen Gesang der Mönchsgrasmücke, ein weiterer Rückkehrer aus Afrika.

Über Ockenfels gelange ich in das hübsche Städtchen Linz. Dort genehmige ich mir nach dem Einkauf erst mal 1 l Milch und eine Schokolade. Am Marktplatz vorbei, steige ich schließlich wieder durch Wald steil auf zum Kaiserberg, wo sich eine weitere schöne Aussicht über den Rhein eröffnet.

Ein Pfad führt dann steil aufwärts oberhalb einer eingeschnittenen Schlucht, wo ich eine besonders markante Buche bestaune. 

Schließlich laufe ich längere Zeit durch den Ort Dattenberg, der auf der Höhe über dem Rhein liegt.

Durch wilde Gebüsche gar nicht so hoch über dem Rhein gelange ich nach Leubsdorf. Vorher erläutert eine interessante Tafel die Geschichte der Kulturlandschaft hier, wie sie wohl typisch für das Mittelrheintal ist. Während um 1930 die Landschaft noch ziemlich offen war mit Weinbau und Gärten, sah man 1960 schon erste Verbuschungstendenzen. Heute gibt es bei Leubsdorf keinen Weinbau mehr und auch keine Gärten an den Hängen. Dafür befinden sich die ehemaligen Kulturen in verschiedenen Sukzessionstadien hin zum Wald. An manchen Stellen herrschen reine Gebüsche vor. Es gibt aber auch Partien die schon wieder richtig Wald geworden sind. Eine sehr interessante Entwicklung, die auf so großer Fläche wahrscheinlich ziemlich einzigartig in Deutschland ist. Was wir hier sehen, ist eine Entwicklung zurück zu einer Naturlandschaft. Dazu passen natürlich nicht die vielen Siedlungen und Verkehrstrassen, aber nichtsdestotrotz hat auch diese „kleine Wildnis“ etwas Schönes.

Tatsächlich brauchen wir weltweit große, von Menschen weitgehend unbeeinflusste Flächen, auf denen die Evolution weiter wirken kann. Das sind dann auch Horte der Biodiversität und nicht zuletzt können wir dort beobachten, wie die Ökosysteme sich ohne unseren Einfluss an den Klimawandel anpassen. 30 % der grundsätzlich nutzbaren Erdoberfläche gelten als Minimum, es gibt aber auch Experten die 50 Prozent fordern, und auch erklären, dass wir uns eigentlich wilde Natur in dieser Größenordnung erlauben können. 

Hinter Leubsdorf gelange ich auf die Höhe über dem Rhein, wo auf Wiesen, Pferde und Kühe weiden und es auch Felder gibt.

Ich streife den Ort Ariendorf und laufe relativ flach oberhalb des Rheins durch Wald und Gebüsch weiter.

Dann passiere ich das eindrucksvolle, gelbe Schloss Arenfels und steige steil am Rand der Weinberge auf, bis es im Hang durch die Reben weitergeht. Unter mir erstreckt sich die Stadt Bad Hönningen.

Ich streife den Ort,  und laufe relativ flach zum Teil auf Asphalt weiter. Danach geht es ein Stück durch den Wald, bevor ich das idyllische Lampental mit seinen Wiesen, Hecken und Gebüschen durchstreife. Ich umrunde das Tal in einem weiten Bogen zunächst auf- und dann wieder absteigend.

Dann gelange ich an den Ortsrand von Rheinbrohl und steige auf einem Pfad steil hoch durch das Buschland zum Aussichtspunkt Brohler Ley,  der mit seinen Felsen steil zum Rhein abfällt. Unterwegs sehe ich die Grüne Nieswurz, eine ziemlich bizarre Pflanze, die typisch für das Rheintal ist und die ersten Wiesenprimeln mit ihren gelben Blüten. Über dem Aussichtspunkt kreist ein Rotmilan. Leider ist durch den Dunst wie überall heute, die Aussicht  nicht besonders schön. Auf den steinigen Hängen hier sind viele Eichen abgestorben, offenbar Opfer der Dürre zwischen 2018 und 2020.

Weiter geht es durch beeindruckenden Eichenwald mit Hainbuchen. Auf diesem trockenen Standort werden die Bäume zwar nicht besonders groß, dennoch ist es schön hier. Was mir vielleicht am Besten gefällt, ist, dass hier endlich der Lärm des Rheintals verschwunden ist. Ich beobachte einen Habicht und zwei Kleiber. 

Nachdem ich dem Hang eine Zeitgefolgt bin, steige ich zum Hammersteinbach ab.

Hier verlasse ich den Rheinsteig, um eine eigene Route zu nehmen, die im Wald bleibt, statt wie der Rheinsteig zurück an den Fluss mit seinen vielen Siedlungen führt. Ich finde es so schön hier, dass ich schon bald den Weg verlasse und steil hangauf gehe. Bald entdecke ich einen alten Erdweg, perfekt! 

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