Mi, 11.3.2026
WdH 34: Von Latrop nach Lützel
10:00 h, 33,5 km, 651 hm Aufstieg, 770 hm Abstieg
Zusammenfassung: Heute ist einer der wenigen Tage, an denen mir das Wandern keinen Spaß macht. Es regnet fast den ganzen Tag und ist dabei kühl und windig. Meist laufe ich über Forstwege, und komme dabei sogar an neuen Windradstandorten unmittelbar am Rothaarsteig vorbei! Manchmal geht es durch schönen, alten Buchen-und Fichtenwald, das ist aber die Ausnahme. Zwar komme ich durch kein Dorf, dennoch gefallen mir die weiten Wälder nur mäßig. Selbst wo eigentlich naturnahe Wege verlaufen würden, ist der Weg entlang des „Schweinezauns“ ziemlich zerfahren. Ein Highlight ist die Box, die der Trail Angel Olli für mich am Weg deponiert hat. Auch als ich Lützel erreiche und keine Unterkunft finde aber nicht im Regen schlafen will, wird Olli meine Rettung! Er holt mich ab, bringt mich zu einem Hotel und abends unterhalten wir uns an einem chinesischen Buffet intensiv. Dabei geht es um so unterschiedliche Themen wie seine „Wanderkarriere“, die wirtschaftlichen Aussichten seines Arbeitgebers, eines großen Maschinenbauunternehmens und seine Angst vor der AfD. Schließlich bringt Olli mich satt und zufrieden zurück zur Unterkunft.
In der Nacht regnet es ab und zu und auch am Morgen als ich aufbreche, tröpfelt es noch. Wieder folge ich Kilometer lang dem Zaun, der die afrikanische Schweinepest abhalten soll.
Ein Zelt steht direkt neben dem Weg, meine Freunde von gestern?
Als ich die Millionen Bank erreiche, regnet es ziemlich intensiv, so dass ich mich erst einmal unterstelle. Hier hatte ich 2021 auf meiner 6000 km Deutschland Wanderung übernachtet. Als es aufhört laufe ich weiter, da durchzuckt mich ein Schmerz am rechten Unterrücken. Offenbar meldet sich der Ischiasnerv. Ein paar Kilometer ist es ziemlich schmerzhaft und ich bin auch nicht mehr so schnell, aber dann wird es wieder besser. Es ist windig und ziemlich ungemütlich. Bei Jagdhaus lasse ich den großen Bogen des Rothaarsteigs aus und wandere auf dem Kamm weiter. Hier gibt es auch wieder einige Weihnachtsbaumplantagen. Bald bin ich aber wieder im Wald, der hier fast ausschließlich aus Fichten besteht. An der Somborn Quelle fülle ich meine Wasserflasche auf. Schließlich erreiche ich das Ende des Zauns und frage mich, selbst wenn man daran glaubt, dass das eine notwendige Maßnahme ist, kann so ein Zaun tatsächlich verhindern, dass Wildschweine dauerhaft nicht auf die andere Seite gelangen?
Ich erreiche den Rhein Weser Turm, wo jedoch alles geschlossen ist. Dann geht es lange abwärts ins Schwarzbachtal, ein Naturschutzgebiet mit einigen offenen Wiesenflächen. In einem Tümpel bewegen sich Grasfrösche, die zum Teil ihre dunklen Laichkugeln schon am Ufer abgesetzt haben. Anschließend wandere ich bei jetzt stärker werdendem Regen wieder aufwärts. An einer Stelle liegt ein großer Haufen auf dem Weg, wahrscheinlich von einem Wisent, die man hier vor einigen Jahren ausgesetzt hatte.
Beim Dreiherrnstein verlasse ich kurz den Weg, da Olli an einem Wanderparkplatz eine Kiste mit „Trailmagic“ deponiert hat. Sie ist mit Zahlenschloss gesichert und enthält von Riegeln über Kaffee zu Obst allerhand, was das Wandererherz zum Hüpfen bringt. Es regnet jetzt ziemlich stark, daher kann ich nur ganz kurz etwas in das beiliegende Buch schreiben. Olli unterstützt mit dieser Kiste die NST- Wanderer, was für eine tolle Idee!
Es regnet jetzt so, dass mir das Wandern keinen Spaß mehr macht und das will was heißen! Ich durchquere das Tal des Elberndorfer Baches wo auch Birken auf den Moorflächen wachsen. Wieder weiter oben stelle ich fest, dass hier Flächen für Windräder vorbereitet werden. Unglaublich, direkt am Rothaarsteig!
Außerdem gelange ich wieder an den „Schweinezaun“ wo abgelegte Drahtrollen verraten, dass er noch weiter gebaut werden soll…
Bei Ginsberger Hof gelange ich an einige Häuser. Eine Hütte ist eine Ranger Station. Tatsächlich werden schon seit 2003 solche Ranger hier am Rothaarsteig eingesetzt, die von Wegepflege bis zu Umweltbildung unterschiedliche Aufgaben haben, und zum Landesbetrieb, Wald und Holz NRW gehören.
Vor dem Weiler ging es ein Stück weit durch schönen Wald mit alten Buchen und Fichten.
Weiter geht es in die Nähe des GInsburg Turms, den ich ebenso wie den folgenden Giller Turm wegen des Wetters auslasse. Schließlich erreiche ich Lützel und beschließe in eine Unterkunft zu gehen. Leider ist die Pension hier ausgebucht. Aber Olli, der gerade seine Kiste wieder einsammelt, verspricht mich abzuholen. In der Zwischenzeit buche ich eine Unterkunft in Dahlbruch, zu der Olli mich dann fährt. Für später verabreden wir uns zum Essen, bei dem ich dann mehr über ihn erfahren werde.
Zunächst kann ich aber aus meinen nassen Sachen steigen und eine heiße Dusche wärmt mich wieder auf.
Pünktlich um 19:00 Uhr ist Olli da, ein Mann Anfang 50, der hier aus der Gegend stammt, schon immer naturverbunden war, aber erst seit drei Jahren das Wandern für sich entdeckt hat. Dadurch ist er auch auf den NST gestoßen und kam auf die Idee mit der Trail Magic, da es zwischen Winterberg und Dillenburg keine Verpflegungsmöglichkeit auf dem Trail gibt. Er arbeitet bei einer großen Maschinenbaufirma, die sowohl internationale Niederlassungen als auch Kunden hat. Allem Unken über die deutsche Wirtschaft zum Trotz, geht es seiner Firma gut und es ist auch nicht abzusehen, dass sich das ändert.
Während vor allem ich, als ausgehungerter Wanderer, mich am chinesischen Buffet großzügig bediene, unterhalten wir uns über viele Themen.
Wie so vielen macht ihm der Aufstieg der AfD Angst, zumal seiner Meinung nach viele diese Partei aus irrationalen Gründen wählen. Er hat eine 14-jährige Tochter und macht sich nicht nur wegen ihr Sorgen um die international fortschreitende Umweltzerstörung und sieht aus diesem Grund auch den hohen Energiebedarf von Rechenzentren sehr kritisch. Apropos Umweltzerstörung: Hier im Rothaargebirge hatte man vor einigen Jahren die seit Jahrhunderten in Deutschland ausgestorbenen Wisente wieder angesiedelt. Olli erzählt, dass dieses Unterfangen auf Druck aus der Forstwirtschaft beendet wurde und alle Wisente jetzt wieder in Gattern gehalten werden. Offenbar aber doch nicht alle, wie mein Fund von heute Morgen zeigt…
Satt und zufrieden setzt mich Olli schließlich wieder bei meiner Unterkunft ab.















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