Donnerstag, 12. März 2026

WdH 35 Von Lützel nach Manderbach


 


Do, 12.3.2026


WdH 35: Von Lützel nach Manderbach


10:26 h, 42,6 km, 831 hm Aufstieg, 1072 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Nachdem Olli mich zurück nach Lützel gebracht hat, wandere ich von dort wieder los. Das obere Edertal entpuppt sich als malerisches Juwel, mit seinen Sumpfflächen, Birken- und Erlengehölzen. Interessanterweise passiere ich heute kurz hintereinander die Quellen von Eder, Sieg und Lahn, neben weniger bekannten Bächen.  Ich passiere zwei abgeschiedene Örtchen  und gelange in das wohl größte Katastrophengebiet am Rothaarsteig. Wahnsinn auf welch großen Flächen hier der Fichtenwald abgestorben ist! Mir völlig unverständlich ist, dass man einige Windräder direkt an dem Premium Weg platziert hat. Muss das wirklich sein? Schließlich gelange ich in niedrigere Höhen, wo ich teilweise auf unbefestigten Wegen durch vielfältigen Wald laufe. Vor Manderbach schlage ich schließlich mein Lager auf der Veranda einer Hütte auf. Ich habe morgen nur noch wenige Kilometer auf dem Rothaarsteig vor mir. Obwohl der Weg einige Höhepunkte bietet, hat er mir insgesamt nicht besonders gefallen. Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, eine attraktivere Strecke zu schaffen?


Morgens beim Duschen entdecke ich doch tatsächlich die erste Zecke des Jahres an meinem rechten Schienbein! Ich genieße das reichhaltige Frühstücksbuffet im Dahlbrucher Hof und werde dann von Olli wieder abgeholt.

Schon um 7:30 Uhr kann ich dann von Lützel loslaufen. Es ist noch etwas bewölkt, aber bald erscheint auch blauer Himmel. Es dauert nicht lange, bis ich ins obere Edertal abbiege. Die Eder ist hier ein etwa 3 m breiter, mäandernder Bach. Das breite Tal wird durch Sumpfflächen, Weidengebüsche, Erlen- und Birkenwald geprägt und gefällt mir sehr gut!

An einer Stelle ragen auf dem gegenüberliegenden Hang in regelmäßigen Abständen Fichtenstümpfe auf, die in etwa 3 m Höhe abgeschnitten wurden. Diese dienen zur Markierung der Rückgassen, über die das Holz von den Borkenkäferflächen gefahren wurde. Ein sehr sinnvolles Vorgehen, da ansonsten bei der ersten Durchforstung im neu entstehenden Wald vielleicht in 20 oder 30 Jahren wieder neue Rückgassen angelegt werden würden, wodurch die Fläche des befahrenen Bodens sich erhöhen würde. Um die Befahrung zu minimieren, ist es daher sehr wichtig, die Rückegassen tatsächlich dauerhaft zu kennzeichnen. 

Ein Pfad führt durch das Ederbruch mit seiner Moorvegetation. Inzwischen bewirkt die Sonne, das Schwaden von Dunst aufsteigen, ein schönes Bild!

Hier entspringt die Eder auf 620 m Höhe.

Etliche Tafeln geben interessante Informationen über die Natur des Ederoberlaufs.

Nachdem ich auf einem Forstweg ein Stück durch recht schönen Wald mit alten Buchen und Fichten gelaufen bin, gelange ich in von Wald umgebene, offene Bereiche. Über dieser Mulde drehen sich vier Windräder.

Auf der rechten Seite sind die Hänge in großen Umfang entwaldet und enorm viele Plastikwuchshüllen zeigen, dass man sich bemüht, neuen Wald anzulegen.

Ein Sträßchen führt mich schließlich durch das abgeschiedene Dörfchen Benfe.

Als ich wieder in den Wald komme, treffe ich den ersten Spaziergänger des Morgens.

Bald gelange ich in einen riesigen Freiflächenbereich. Dort hat man alles gemulcht, wahrscheinlich um eine künftige Pflanzung zu erleichtern. Dass das mit unheimlicher Bodenbeeinträchtigung einhergeht, nimmt man dabei offenbar in Kauf.

Der obere Teil der Flächen ist schon bepflanzt. Größtenteils mit Douglasie, teilweise auch mit Buchen, wahrscheinlich um Anspruch auf eine Förderung zu haben. Da die Flächen aber räumlich voneinander getrennt sind, entstehen hier keine echten Mischbestände. Die Forstbehörde, die für die Bewilligung dieser Fördergelder zuständig ist, sollte sich diese Flächen dringend einmal anschauen!

Bald erreiche ich die malerisch auf einer Anhöhe gelegenen wenigen Häuser von Großenbach.

An der Siegquelle vorbei laufe ich durch schönen Buchenwald und folge einem Pfad, der einem mit verschiedenen Stationen ermöglicht, den Wald anders wahrzunehmen. Später verläuft der Weg auch über größere Freiflächen, teilweise direkt neben einer wenig befahrenen Straße. Weiter geht es über große Freiflächen, die zum Teil von Ginster erobert wurden. Dort ist es gar nicht so einfach, den Wald wieder zu etablieren.

Ich passiere die verstreuten Gehöfte des Lahnhof, wo sich die Lahnquelle befindet. Dann folge ich einem Pfad parallel zur Straße durch meist jungen Fichtenwald, aber auch relativ offene Flächen.

Über große Freiflächen gelange ich zum kleinen Rothaar, einem Entdeckerpfad für Kinder.

In der Nähe der Ilse Quelle hat man am Hang trockene Fichten stehen gelassen, was man hier sonst überhaupt nicht sieht. Schade, weil das wahrscheinlich die Wiederbewaldung erleichtern würde. Die Ilse Quelle galt im Mittelalter als heilkräftig und wurde deswegen auch der Heilige  Born genannt, ich trinke auch aus der Quelle und erwarte jetzt wundersames was meine Gesundheit angeht…

Ab dem Jagdberg mit der Dietzhölztal Hütte, folge ich der Eisenstraße, einem alten Handelsweg, dessen Pflasterung teilweise noch zu erkennen ist. Hier im Siegerland hat das Eisenerz schon zur Zeit der Kelten, 650 Jahre vor Christi Geburt eine große Rolle gespielt.

Weiter geht es über den aussichtsreichen Kamm, wo ein scharfer Wind bläst.

Es ist erschreckend, in welch großen Umfang hier der Wald verloren gegangen ist. Das ist sicher das größte Katastrophengebiet auf dem Rothaarsteig! All die Freiflächen sind in der Borkenkäfermassenvermehrung von 2018-2020 entstanden, ob hier in 20 Jahren wohl überall wieder ein junger Wald wächst?

Schließlich gelange ich an die Dillquelle. Das Gebiet kenne ich gut, weil ich ungefähr 2009 hier einen Naturschutzplan erstellt habe, indem es darum ging, den Oberlauf der Dill naturnaher zu gestalten. Das der alte Fichtenwald hier auf so großer Fläche absterben würde, habe ich mir damals nicht träumen lassen.  Dieses Katastrophengebiet zu sehen ist wirklich erschütternd, es sollte uns alarmieren, die zahlreichen noch immer vorhandenen, reinen Nadelwälder in Mischwälder zu überführen!

Schließlich passiere ich drei Windräder unmittelbar am Rothaarsteig, nicht weit entfernt wird ein Weiteres gebaut. Die Rotoren erzeugen ein ständiges unangenehmes Geräusch. Wie gesagt, ich bin absolut für Windkraft, aber das Windräder mitten in den Wald gestellt werden müssen und noch dazu an einen so stark beworbenen Fernwanderweg sehe ich überhaupt nicht ein!

Tatsächlich hat man über ein Stück sogar die Zufahrt zu den Windrädern auf den Rothaarsteig gelegt! So ein Weg ist dann ungefähr doppelt so breit wie ein normaler Waldweg, krass! Bald verläuft der Rothaarsteig als Pfad unmittelbar neben der Trasse, ob einem das das Gefühl gibt, auf einenm naturnahen Wanderweg unterwegs zu sein, stelle ich sehr in Frage.

Um es noch einmal ganz klar auszudrücken: Windräder werden nicht in den Wald gestellt, weil es woanders keine Möglichkeiten gibt, sondern weil a) die Waldbesitzer insbesondere Staat und Kommunen aber auch private daran verdienen wollen. b) es weniger Widerstand gibt,  weil Siedlungen meistens weiter entfernt sind.

Ich will auch nicht ausschließen, dass ich zu empfindlich bin, was das angeht. Immerhin hat man in Sicht und Hörweite der Windräder auf der Tiefenrother Höhe einen besonderen Aussichtspunkt, mit zwei Ruheliegen geschaffen. Offenbar sind andere Leute diesbezüglich viel toleranter…

Schließlich gelange ich in tiefere Lagen um 500 m und verlasse das Katastrophengebiet. Hier wachsen viele Eichen und Birken, die aus der früheren Haubergwirtschaft stammen. Dabei wurden ganze Hänge alle 20 Jahre kahlgeschlagen und aus den Stümpfen schlugen dann die Eichen wieder aus. Diese Art der Forstwirtschaft ist sehr alt und wird auch als Niederwaldwirtschaft bezeichnet. Hier hatte sie lange den Sinn Holzkohle für die Eisenherstellung zu erhalten, heute geht es in den Haubergen aber ausschließlich um Brennholz.

Lange geht es dann teilweise auf unbefestigten Wegen durch ein abwechslungsreiches Waldgebiet mit Buchen, Fichten Lärchen und Kiefern. Schließlich folge ich einem Kamm oberhalb des Dorfes Fellerdilln. Die sechs Windräder, die sich über dem Ort drehen, hört man bis hierher.

Es hängen hier sehr viele Nistkästen und Tafeln zu verschiedenen Vogelarten. Kein Wunder, irgendwann komme ich an der Hütte des Vogelschutzvereins vorbei, die Besucher dazu einlädt, dort zu rasten.

Ein asphaltierten Weg führt mich dann am Waldrand entlang nach Rodenbach. Heute ist es zwar sonnig, aber ziemlich kühl, so dass ich mit Jacke laufe.

Hinter Rodenbach steige ich wieder zum Wald auf und folge dann einem Bach abwärts, vorbei an Teichanlagen und Waldwiesen im Mischwald. Bevor ich aus dem Wald komme, entdecke ich etwas abseits am Bach eine Hütte, wo ich auf der Veranda mein Lager beziehe. In der Nähe springt ein dunkles Eichhörnchen herum. 

In wenigen Kilometern erreiche ich das Ende des Rothaarsteigs, wie ist mein Fazit? Obwohl der Weg schöne Teile hat, wie den Kamm bei Brilon, die Bruchhauser Steine, die Hochheide am Clemensberg, das Edertal und einige Waldpassagen mit alten Bäumen, gefällt mir vieles nicht. Der Fahrweganteil ist nach wie vor hoch, der „Schweinezaun“ stört enorm und Windräder passen nicht zu einem Premiumweg. Außerdem können die vielen großen Freiflächen die die Borkenkäfer hinterlassen haben, ganz schön deprimierend sein, auch wenn sie Ausblicke bieten. 































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