Mo, 9.3.2026
WdH 32: Vom Diemelsee nach Küstelberg
12:30 h, 49,2 km, 1364 hm Aufstieg, 1238 hm Abstieg
Zusammenfassung: Nachdem mich in der Nacht zweimal Wildschweine besucht haben, ich sie jedoch nicht gesehen habe, bin ich früh am Morgen wieder unterwegs. Ich folge jetzt zunächst der Sauerländer Wald Route. Beim Weiler Huckeshol sehe ich ein Muffelschaf, die nächste Wildart auf meiner Wanderung!
In Brilon kaufe ich ein und wandere frisch gestärkt weiter. Nun folge ich dem Rothaarsteig, dem ältesten der neuen Wanderwege, die vor ungefähr 20 Jahren entstanden sind. Tatsächlich folgt der Weg oft Pfaden über den Kamm des Rothaargebirges. Dieser ist keineswegs flach, sondern es geht über viele Erhebungen, mit teilweise knackigen Steigungen. Über weite Strecken gibt es keinen alten Wald mehr, dafür kann man weite Ausblicke genießen.
Ich treffe Eva, die als Personalleiterin für 3000 Kita Angestellte verantwortlich ist. Sie erzählt mir einiges aus diesem Bereich.
Die Bruchhauser Steine sind bis zu 92 m hohe Vulkanfelsen, eine unerwartete Erscheinung hier im Sauerland! Hier und auf dem Weg zum Langenberg, mit 843 m der höchste Gipfel des Rothaargebirges gibt es auch noch viel intakten alten Fichtenwald. Tatsächlich kann man hier an diesem Montag Waldeinsamkeit spüren. Dennoch treffe ich noch zweimal Leute, die den Rothaarsteig erwandern wollen. Schließlich gelange ich nach Küstelberg, wo ich in einem von mir gebuchten Apartment duschen, Wäsche waschen und kochen kann. Paradies!
In der Nacht höre ich zweimal Wildschweine in meiner Nähe, sehe sie jedoch nicht und ein Uhu ruft entfernt. Bereits in der Dämmerung bin ich wieder unterwegs. Hier folge ich der Sauerländer Waldroute, da ich den Diemelsteig gestern Abend verlassen habe. Zunächst folge ich lange Zeit unbefestigten Wegen, meist durch Buchenwald. Einige Male sehe ich Rehe. In der Nähe des Weilers Huckeshol, beobachte ich ein Muffelschaf, das mich einige Zeit anschaut und schließlich im Wald verschwindet. Lange Zeit geht es dann auf Forstwegen bergab. Viele der großen freien Flächen sind lediglich mit Holunder und Brombeeren bewachsen. Junge Bäume fehlen noch. Schließlich geht es noch mal ein Stück auf einem Pfad durch den Buchenwald. Dann folge ich ein der Hoppecke, einem recht großen Bach. Jetzt bin ich schon am Rand von Brilon, habe aber noch einige Kilometer bis ins Zentrum zu laufen. Vor mir sehe ich den Ort mit einer großen Kirche und vielen dunklen Schieferdächern. Schließlich kaufe ich in einem Penny Supermarkt ein, unter anderem, eine Banane, einen Apfel und Schokolade, was ich alles gleich esse und etwas zum Kochen für heute Abend, da ich eine Unterkunft gebucht habe.
In Brilon beginnt der Rothaarsteig, dem ich für einige Tage folgen will, Der Rothaarsteig war der erste der neuen Wanderwege, mit denen vor etwa 20 Jahren das wandern modernisiert werden sollte. Von Beginn war das Ziel, diese Wege eher auf Naturnahen Faden laufen zu lassen, statt auf breiten Forstwegen. Ich bin gespannt, was mich jetzt auf dem Rothaarsteig erwartet.
Am Drübel bei Brilon, sind die Holunderblätter schon draußen. Ich passiere den Kurpark und gelange zum Kyrilltor bei Petersborn. Mit einer Skulptur aus aufgestellten Baumstämmen, gedenkt man dem Sturm Kyrill, der hier 2007 für große Verheerung gesorgt hat. Als ich weiter laufe, stelle ich fest, dass der größte Teil der damals vom Sturm betroffenen Flächen heute wieder Fichtenwald ist. Es wäre sehr sinnvoll, wenn auf den von der Borkenkäfer Kalamität 2018-2020 betroffenen Flächen, ein gemischter Wald entstehen würde. Zwar sehe ich an manchen Stellen hier auch Birken und Ebereschen, aber die Fichte dominiert. Auf dem Weg zum Borberg hat man einen Pfad unmittelbar neben den Fahrweg gelegt. Das wirkt auf mich zunächst etwas künstlich, tatsächlich hat man aber in dem dichten Jungwald das Gefühl, nicht direkt neben einem großen Weg zu laufen.
Ich treffe Eva, die den Briloner Kammweg wandert. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt, dass sie Personalleiterin beim Bistum Paderborn ist. Als solche ist sie für 3000 Kita Mitarbeiterinnen zuständig. Tatsächlich sind das fast ausschließlich Frauen. Die Zahl der Männer bleibt im zweistelligen Bereich. Sie erzählt, dass das auch daran liegt, dass manche Eltern Vorbehalte gegenüber Erziehern hätten, da sie Missbrauch ihrer Kinder fürchten. Laut Eva werden die Erzieherinnen heute recht gut bezahlt. Die meisten arbeiten in Teilzeit. Tatsächlich dürfen Erzieherinnen vom ersten Tag einer Schwangerschaft an in Mutterschutz gehen. Verglichen mit den üblichen acht Wochen ist das eine sehr großzügige Regelung.
Ausländische Kinder würden in der Kita immer schnell deutsch lernen, eine wichtige Vorraussetzung für die mögliche, spätere Integration in unsere Gesellschaft!
Eva erzählt, dass auch Kinder von muslimischen Eltern aufgenommen werden. Diese würden im Zweifelsfall aber ihre Kinder lieber in nicht religiöse Kindergärten geben.
Sie sagt, dass es nicht einfach ist, Personal zu finden, es aber noch keinen Notstand gibt. Obwohl die kirchlichen Kitas überwiegend vom Staat finanziert werden, hat die Kirche das Recht, Mitarbeiter abzulehnen, die nicht mit der Religion verbunden sind. Ein ziemliches Privileg der Kirchen, bei dem man sich fragen muss, ob das noch zeitgemäß ist. In anderen Bereichen wäre eine so diskriminierende Personalauswahl nicht denkbar.
Nach der netten Begegnung wandere ich weiter.
Am Borberg gibt es die kümmerlichen Reste einer Burg und eine kleine Kapelle.
Der folgende Abschnitt verläuft überwiegend auf Pfaden mit viel auf und ab. Dabei sind die Steigungen zum Teil ziemlich knackig. Der Rothaarsteig folgt hier tatsächlich dem Kamm. Dieser ist aber keineswegs flach, sondern wird von zahlreichen Erhebungen unterbrochen. Ein großer Teil des alten Waldes ist hier verschwunden, so dass man zahlreiche Ausblicke in die Umgebung genießen kann. An vielen Stellen hat man junge Bäume gepflanzt, was teilweise auch von Firmen unterstützt wird, wie Schilder zeigen.
Ich treffe Elias, der aus dem Ruhrgebiet kommt, und hier auf dem Rothaarsteig, seine erste, einwöchige Fernwanderweg durchführen will. Bis jetzt gefällt es ihm sehr gut!
Schließlich erreiche ich die Gegend um die Bruchhauser Steine. Da der Rothaarsteig nicht direkt zu den Felsen führt, unternehme ich einen Abstecher. Die vier vulkanischen Steine sind bis zu 92 m hoch und sehr eindrucksvoll. Es gab hier auch eine Wallanlage in früheren Zeiten. Was mir gar nicht gefällt ist, dass es hier eine Stiftung gibt, die der adelige Privatwald Besitzer und das Land NRW eingerichtet haben. Normalerweise muss man Eintritt für den Bereich der Steine bezahlen. Da die Saison noch nicht begonnen hat, ist das für mich aber kein Problem. Dennoch denke ich, dass das freie Waldbetretungsrecht in Deutschland ein sehr hohes Gut ist, was durch solche Dinge nicht unterhöhlt werden sollte!
Hier wächst auch noch intakter Fichtenwald. Ich steige zum Langenberg auf, mit 843 m der höchste Berg Nordrhein-Westfalens und des Rothaargebirges. Hier laufe ich teilweise durch alten Buchenwald aber auch Fichtenwald.
Hinter dem Langenberg gelange ich zur Hochheidehütte. Dort bin ich 2014 bei einer Wanderung auf der Winterberger Hochtour mit meinem Freund Reimund versackt…
Vom Clemens Berg ergibt sich eine weite Aussicht. Allerdings liegt unterhalb ein Diabas Steinbruch. Von hier wandere ich ein Stück durch die offenen Flächen der Hochheide, die mich ein wenig an den Heidschnuckenweg erinnern. Auch hier hat die frühere menschliche Nutzung Heide entstehen lassen.
Ich treffe dann zwei junge Männer, die ebenfalls den Rothaarsteig wandern.
Anschließend geht es auf Pfaden durch alte, noch intakte Fichtenwälder, wo schon ein Rauhfußkauz ruft. Vorher hatte ich schon Tannenhäher gehört, die man sonst aus den Alpen kennt.
Schließlich gelange ich aus dem Wald, als die Sonne hinter den Bergen versinkt. Ich erreiche Küstelberg, wo ich für die Nacht ein Apartment gebucht habe. Ich kann hier duschen, Wäsche waschen und kochen, Paradies!



















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