Sonntag, 8. März 2026

WdH 31 Von Goldhausen zum Diemelsee

 



So, 8.3.2026


WdH 31: Von Goldhausen zum Diemelsee


12:00 h, 49,7 km, 1175 hm Aufstieg, 1165 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Den größten Teil des Tages folge ich dem 63 km langen Diemelsteig, einem Rundweg. Die Landschaft ist ziemlich abwechslungsreich mit eher kleinen Wäldern und vielen offenen Abschnitten, wo der Weg häufig an Waldrändern verläuft. Dennoch gefällt es mir hier nicht allzu gut. Zu viel Zivilisation: Windräder Straßen oder Häuser sind meistens zu sehen. Ich passiere zwei Trekkingplätze, auf denen Wanderer übernachten können. Diese muss man allerdings vorab buchen und darf sein Zelt nur auf eine hölzerne Plattform stellen, was nicht funktioniert, wenn das Zelt mit Heringen verankert werden muss. 

Heute habe ich zwei interessante Begegnungen: Eine Frau in Flechtorf kommt gerade aus dem Gottesdienst und erzählt, dass ihr die Religion viel für ihr Leben gibt. Obwohl das Dorf nicht weit entfernt von der Stadt Korbach ist, ziehen trotzdem viele Leute weg. Danach treffe ich Mara, die eine Gruppe von Geologie Studierenden während einer Projektwoche anleitet. Sie erzählt, dass sie durchaus Potenzial für Geothermie in Deutschland sieht.

Spätnachmittags wartet der Höhepunkt des Tages auf mich: Ich wandere zu einem tollen Aussichtspunkt hoch über dem Diemelsee und gelange dann abwärts zu seiner Staumauer. Da ich kein Wasser mehr habe, habe ich Glück, als mir Leute, die in einem Wohnwagen auf einem Parkplatz übernachten, etwas abgeben. Anschließend steige ich wieder auf und sehe die Sonne hinter dem See versinken. Schließlich schlage ich in einem dichten jungen Fichtenbestand mein Cowboy Camp auf.


Nach einer ruhigen Nacht, bin ich in der Morgendämmerung wieder unterwegs, als der abnehmenden Mond untergeht. Bald erreiche ich Goldhausen, das seinen Namen zurecht trägt, da hier früher Gold gefunden wurde. Hier gelange ich auch wieder auf den NST, dessen Kompassnadel mir zunächst die Richtung weist. Hinter dem Ort geht es auf einem Asphaltweg durch Felder und Wiesen, über denen die Lerchen singen.

Auch heute Nacht hat es wieder gefroren, aber ich hoffe, dass die aufgehende Sonne bald Wärme bringt. In der Ferne zeigt sich die Stadt Korbach und auf den Hügeln steht ein großer Windpark.

Schließlich gelange ich in den Wald und wandere an dem Bächlein Marbeck hoch. Hier hat man einen Lehrpfad eingerichtet mit Tafeln, die holländische Untertitel haben. Die Nähe der Nachbarn ist hier schon spürbar! Am Bach hat man kürzlich größtenteils die Fichten entfernt. Was brachial aussieht, ist eine Naturschutzmaßnahme, denn die Bäche vertragen die Beschattung durch die Fichten nicht besonders gut und ihre Nadeln versauern das Wasser. Leider hat man bei der Aktion das nicht beachtet, denn viele Zweige liegen im Bach und tragen so zur Versauerung bei. Als ich den Bach verlasse und auf ein Plateau gelange, sehe ich, wie man die abgestorbenen Fichten stehen gelassen hat, um darunter Buchen zu pflanzen. Genau richtig!  So kann man den Schatten der toten Fichten zum Schutz der jungen Bäume nutzen.

Schließlich gelange ich aus dem Wald und folge asphaltierten Feldwegen zu dem größeren Ort Rhena. Der NST verläuft hier auf dem Waldecker Weg  (X 21)

Hinter dem Ort folge ich einem asphaltierten Feldweg, der unter einem Eisenbahnviadukt hindurch führt. Ein Stück weit geht es durch den Wald, dann gelange ich in eine Landschaft aus Bergwiesen und Wald. Hier komme ich auf den insgesamt 63 km langen Diemelsteig, der ein Rundweg ist und hier vom NST genutzt wird. Bei einer Hütte gibt es eine Holzplattform und ein Schild verrät, dass dies ein Übernachtungsplatz ist. Er muss allerdings gebucht werden, und man darf nur auf der Holzplattform zelten, was ich nicht gut finde, da viele Zelte mit Heringen verankert werden müssen. Außerdem gibt es eine Komposttoilette. Ein Schild gibt die Regeln vor: Auf einem Hobo darf hier nicht gekocht werden. Daneben steht auf dem Schild, dass die Saison erst am 1. April beginnt. Außerdem wird das Märchen erzählt, dass die Jagdbehörde hier die Jagd ausüben würde,  in den Morgen und Abendstunden. Das ist natürlich totaler Quatsch! In  Deutschland üben nicht Jagdbehörden die Jagd aus sondern private Jäger, beziehungsweise im Staatswald auch die Förster. 

Ab hier, folge ich eine Zeit lang einem Weg der Stille. Hier gibt es in regelmäßigen Abständen Zitate berühmte Leute, über die man beim Wandern nachdenken kann. Der Wald aus Buchen und Fichten ist recht abwechslungsreich. Irgendwann komme ich auf eine Hochfläche, die lediglich von jungen Bäumen bewachsen ist. Teilweise haben sich Fichten wieder angesiedelt, teilweise hat man Douglasien gepflanzt. Es gibt aber auch Nordmanntannen, die als Weihnachtsbäume verkauft werden, wofür das Sauerland berühmt ist. Ein kurzes Stück laufe ich auf einem Pfad durch den Buchenwald, aber meistens folge ich befestigten Wirtschaftswegen. Schließlich gelange ich aus dem Wald und sehe vor mir Flechtdorf in einer Mulde liegen, darüber ragen einige Windräder auf. Am Waldrand fliegen zehn Kolkraben laut rufend. Obwohl Aas  in der Nähe liegt? Außerdem sehe ich einen Rotmilan.

In dem recht großen Ort  Flechtdorf sehe ich eine Frau aus dem Gotteshaus einer freien evangelischen Gemeinde kommen. Sie wirkt offensichtlich beschwingt und trägt zwei Rosen in der Hand. Also spreche ich sie an, worauf sich ein kleines Gespräch ergibt. Ich stelle die provozierende Frage, ob die freien evangelischen Gemeinden eine Sekte seien, sie versteht, dass das nur eine leichte Provokation ist und erzählt, dass ihr die Kirche viel gibt und sie freier sei als herkömmliche Kirchen. Im Gegensatz zu evangelischer und katholischer Kirche verzeichnen die freien evangelischen Gemeinden tatsächlich enormen Zulauf. Sie ist hier auf einem Hof aufgewachsen, aber von drei Kindern ist lediglich noch ein Bruder da, der den Hof übernommen hat. Dies sei relativ typisch, mehr Leute würden wegziehen als dazukommen. Obwohl Korbach mit einiger Industrie nicht ganz weit entfernt ist, ziehen viele Menschen auch hier offenbar lieber in größere Städte. Die Rosen hat sie übrigens zum Weltfrauentag geschenkt bekommen, der heute ist. Während wir uns unterhalten, kommt ein anderes Paar vorbei, das ebenfalls in der Kirche gewesen war. Die Frau, mit der ich mich unterhalte, stellt sie als Neuankömmlinge vor, doch dann stellt sich schnell heraus, dass sie schon seit 30 Jahren da sind!

Aus dem Dorf geht es auf einem Pfad steil nach oben zu einem Hügel, von dem man eigentlich eine schöne Aussicht über die Fachwerkhäuser hat. Leider verdecken Bäume die Sicht. 

Aus dem Wald laufen fünf Rehe aufs offene Feld. Immer am Waldrand entlang, laufe ich einen ziemlichen Bogen. Hier wachsen zarte Blümchen, die an Trockenheit angepasst sind, wie das Frühlingsfingerkraut mit seinen gelben Blüten. Ich überquere eine Straße und gelange in den Wald. Hier nasche ich mal wieder Bärlauch.

Dann sehe ich drei junge Frauen. Eine von Ihnen hockt am Boden und hat einen Hammer in der Hand. Ich spreche sie an, und es stellt sich heraus, dass Mara Geologie in Jena studiert und eine Gruppe von Studierenden im ersten Semester begleitet, die hier ein Gebiet während einer Projektwoche geologisch kartieren. Sie erzählt, dass es für Geologen vielfältige Tätigkeitsbereiche gibt, unter anderem die Suche nach Endlagerstätten für Atommüll, nach seltenen Erden aber auch Geothermie.  Geothermie macht mich neugierig, so frage ich nach und erfahre, dass auch in Deutschland das Potenzial für diese Art Energie zu gewinnen gar nicht so klein ist. Im Oberrheingraben beispielsweise bei Bruchsal gibt es schon solche Anlagen. Natürlich hat die Technologie wie alles im Leben ihre Risiken.So können unter Umständen kleinere Erdbeben ausgelöst werden. Nach dem interessanten Gespräch gelange ich bald aus dem Wald und steige auf zum Lenkenberg mit 513 m Höhe. Von dort ergeben sich schöne Aussichten zu den Bergkuppen der Umgebung. Allerdings ragen im Nordosten auch zahlreiche Windräder auf. Weiter geht es durch die abwechslungsreiche, offene Landschaft, bis an den Rand von Wirmighausen. 

Ich überquere eine Straße und gelange an den Waldrand, wo sich eine Wanderin gerade ausruht. Ein Stück weiter geht es wieder über die Straße, und dann folge ich einem Bachtal aufwärts nach Adorf. Der Weg am Waldrand, wo linker Hand eine Wiese ist, gefällt mir gut, ein älteres Paar, das auf einer Bank sitzt, spricht mich kurz auf meine Wanderung an. Schließlich erreiche ich den größeren Ort Adorf, den ich am Rand durchquere. 

Von Adorf geht es zunächst steil nach oben. Ich komme an einem weiteren Trekking Platz vorbei, diesmal mit überdachter Plattform. Dann geht es wieder abwärts zu einer Straße, die ich überquere und einem Bach ein Stück folge.  Lange laufe ich auf Asphaltwegen durch die offene Landschaft, die viele Ausblicke gewährt. Allerdings gibt es für mich hier zu viel Zivilisation. Überall sind Windräder zu sehen, Straßen oder Häuser. Das Ganze macht nicht wirklich wirklich den Eindruck von Natur, sondern eher von einem, wenn auch schönen Garten.

Dann kommt das beste Stück des Tages: Eine ganze Zeit lang laufe ich auf relativ schmalen, unbefestigten Wegen am sonnigen Waldrand entlang. Dann geht es durch Buchenwald zum Aussichtspunkt St. Muffert, hoch über dem Diemelsee, zu dem die Schieferklippen steil abfallen. Durch den Wald geht es weiter aufwärts zum Eisenberg auf knapp 600 m Höhe. Der Abstieg erfolgt in lang gezogenen Serpentinen. Schließlich erreiche ich den Diemelsee und laufe über die Staumauer. Ich habe kaum noch Wasser und weiß, dass auf meiner Route erst mal nichts mehr kommt. Daher frage ich zunächst einen Motorradfahrer, ob er mir was geben kann. Dieser hat aber nichts dabei. Alle Cafés und Restaurants haben noch geschlossen, daher sehe ich schon einer durstigen Nacht entgegen, als ich eine Frau vor einem Wohnwagen sehe. Ich spreche sie an und tatsächlich bekomme ich meine Wasserflasche aufgefüllt. Puh, Glück gehabt! Bald geht es wieder in den Wald d.h. eigentlich über große offene Flächen, die in der Dürre 2018-2020 entstanden sind. Krasser Weise hat man hier teilweise mit Fichten wieder aufgeforstet… 

Im Sonnenuntergang ergeben sich noch mal schöne Ausblicke über den Diemelsee und die dahinter auf ragenden Bergkuppen. Schließlich erreiche ich wieder geschlossenen Wald und schlage mein Cowboylager in einem dichten jungen Fichtenbestand auf.
























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