Di, 3.3.2026
WdH 26: Von Nienover nach Vaake
12:17 h, 46,1 km, 1094 hm Aufstieg, 1157 hm Abstieg
Zusammenfassung: Schon bald nach meinem Aufbruch erreiche ich Bad Karlshafen, wo ich über die Weser nach Hessen gelange. Nachdem ich in dem hübschen Städtchen eingekauft habe, folge ich einem Pfad durch die steilen Weserhänge, wo ich tatsächlich einen anderen Wanderer mit Rucksack treffe. Die weitere Wanderung durch den Rheinhardswald gefällt mir zunächst nicht sehr gut. Man hat sich viel Mühe gegeben, den Weserbergland Weg über unbefestigte Wege zu führen. Leider sind die häufig von den Forstmaschinen komplett zerfahren worden. Außerdem wirkt der Wald durch die Stürme und Borkenkäfer Kalamitäten der letzten Jahre ziemlich zerrupft. Zu allem Überfluss wird hier gerade ein großer Windpark errichtet. Ich halte ja den Ausbau der Windkraft für sehr wichtig, aber der Wald und insbesondere große, weitgehend unzerschnittene Gebiete wie der Reinhardswald sollten meiner Meinung nach frei von Windrädern bleiben. Dafür ist es hier jetzt zu spät! Über Gottsbüren gelange ich zur Sababurg, dem berühmten Dornröschenschloss. Der Abstieg im Tal der Olbe zur Weser gefällt mir recht gut. Hier wachsen markante Buchen am Bach, der teilweise tief eingeschnitten ist. Anschließend gelange ich an die Weser und folge dann dem Waldrand bis in die Nähe von Veckerhagen, wo ich mich mit Catharina Schütze treffe. Sie arbeitet bei einer Krankenkasse und hat das Wandern für sich als Rettung nach einem schweren Schicksalsschlag entdeckt. Inzwischen hat sie ihre Arbeitszeit bei der Krankenkasse reduziert und arbeitet auch als selbstständige Wanderführerin. Hierbei gefällt ihr nicht nur der Kontakt zur Natur, sondern auch, dass sie andere Menschen inspirieren kann. Über das Gesundheitssystem denkt sie wie ich, dass es dringend reformbedürftig ist. Warum gibt es eine Zweiklassengesellschaft mit privater und gesetzlicher Krankenversicherung? Warum müssen sich viele unterschiedliche Krankenkassen Konkurrenz machen?
Nachdem wir zusammen gewandert und gegessen haben, nehmen wir schließlich Abschied und ich schlage mein Freiluftlager im Wald auf.
Bereits um 6:00 Uhr bin ich wieder unterwegs. Der erste rötliche Schimmer des Tages zeigt sich, während der Vollmond langsam untergeht. Bald gelange ich auf einen Fahrweg, dem ich durch den Buchenwald der Weserhänge folge.
Schließlich gelange ich runter an die Weser, wo noch Dunst über dem Fluss hängt. Bad Karlshafen, wo ich jetzt ankomme , ist ein recht hübsches Städtchen. Ich kaufe im Netto ein und laufe ein kurzes Stück durch die Stadt, bevor es wieder in die steilen Weserhänge geht . Da ich die Weser überquert habe, bin ich jetzt in Hessen.
Bald laufe ich auf einem Fußpfad durch den Laubwald. Ich treffe einen Wanderer, der den Weserweg in Etappen läuft, mit jeweils einer Übernachtung draußen. Ich komme an moosüberzogenen, kleinen Blockfeldern vorbei und viele der Bäume auf diesem trockenen und steilen Standort zeigen einen eher verkrüppelten Wuchs. Manche Bäume erreichen aber dennoch beachtliche Dimensionen. Tief unten sehe ich unter mir, die hier relativ schmale Weser dahin strömen. Auch letzte Nacht hat es wieder gefroren. Teilweise auf einem Pfad geht es durch Eichenwald. Hier höre ich den ersten Zilpzalp und ein Schwarz Specht fliegt rufend über mir.
Als ich weiter auf ein großes Plateau gelangen, folge ich oft Erdwegen. Allerdings werden diese teilweise auch von Maschinen befahren. Leider wirkt der Wald hier ziemlich zerrupft. Immer wieder passiere ich größere Freiflächen, die teilweise schon aufgeforstet wurden, oft mit Eichen in großen Gattern. Man hat aber auch Lärchen hier gepflanzt. Ich sehe die Türme von zwei Windrädern aufragen, denen aber noch die Rotoren fehlen.
Ein Erdweg, dem ich bergab folge, ist von den Holzerntemaschinen komplett zerfahren worden. Die Spuren sind teilweise 60-70 cm tief! Erschreckend, dass man hier weder auf den Boden, noch auf den Wanderweg Rücksicht genommen hat.
Eine Zeit lang laufe ich noch durch Buchen- und Eichenwald dann gelange ich an den Waldrand oberhalb des Ortes Gottsbüren. In dem recht großen Dorf wird kräftig an der Straße gebaut. Hier treffe ich einen älteren Mann, der vor seinem Haus sitzt und mit Weidenruten flechtet. Dies sei sein Beruf erzählt er mir. Interessant, dass jemand so ein altes Handwerk heute noch ausübt! Als ich den Ort auf einem asphaltierten Feldweg verlasse, sehe ich auf dem Hügelzug, den ich gerade durchquert habe, mindestens zehn Windräder alle noch ohne Rotoren. Der Windpark der 2021, als ich auch durch den Rheinhardswald gewandert bin, noch in Planung war, wird offensichtlich gerade gebaut. Ich denke, dass Windräder unverzichtbar für die dringend notwendige Energiewende sind. Allerdings halte ich es für unnötig sie in den Wald zu stellen, da es genügend andere Standorte gibt. Insbesondere ein großes Waldgebiet wieder Rheinhardswald sollte als Rückzugsort für Einsamkeit und Stille erhalten bleiben. Dazu passen Windräder überhaupt nicht!
Es ist schon12:30 Uhr und ich muss noch 17 Kilometer bis zu meinem Treffen mit Catharina um 16 Uhr zurück legen, daher heißt es jetzt an Geschwindigkeit zuzulegen!
Durch eine ausgeräumte Feldmark erreiche ich den Wald und komme dann zur Sababurger Mühle, wo gerade gebaut wird, unter anderem eine Jurte. Ein Grasweg führt mich am Waldrand entlang, wo die Sababurg, das Dornröschenschloss auf einem Hügel erscheint. An diesem schönen Dienstag ist dort einiges los, aber die großen Parkplätze verraten, dass das noch ganz anders aussehen kann. An der Mauer des Wildparks geht es steil nach oben, dann folge ich einem Pfad am Waldrand. Danach geht es wieder neben einer Straße in den Wald. Ein Schild verkündet, dass hier 18 Windräder errichtet werden! Außerdem hört man ein Harvester arbeiten und der angrenzende Buchen Bestand ist für meinen Geschmack viel zu stark ausgezeichnet. Das verfestigt noch einmal den negativen Eindruck, den der Rheinhardswald bisher auf mich macht. Schließlich folge ich lange der Olbe talabwärts. Teilweise ist der Bach tief eingeschnitten. An den Rändern wachsen teilweise mächtige Buchen, ein echter Rückzugsraum in diesem sonst stark unter Druck stehenden Waldgebiet. Irgendwann verbreitet sich das Tal und Laubwald dominiert. Dann gelange ich an eine Straße, dich an der Weser. Kurz geht es noch einmal auf einem Erdweg in den Wald, dann folge ich einem schönen Waldrand. Der Blick über grüne Wiesen auf denen einzelne, eindrucksvolle Eichen stehen, über die Weser, zu den gegenüberliegenden Hängen ist wirklich schön.
Pünktlich um kurz vor vier erreiche ich den Treffpunkt mit Catharina bei Veckerhagen. Die 40-jährige Frau ist schon da und wir wandern am Waldrand erst mal ein Stück zusammen weiter, bevor wir uns zu einer Pause niederlassen. Catharina hat Brote, Paprika Gurken und süße Teilchen mitgebracht. Außerdem Nüsse und Schokolade als Vorrat für mich. Wie nett! Während wir schmausen erzählt sie etwas über sich. Catharina hat das Wandern für sich entdeckt, nachdem sie einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte. Obwohl ihre erste längere Wanderung in Portugal hart war, wollte sie sofort mehr davon! Obwohl sie in einer Leitungspositionen bei einer Krankenkasse arbeitete, reduzierte sie ihre Arbeitszeit und bildete sich zur Wanderführerin fort. Heute bietet sie Wanderungen für verschiedene Gruppen und zu verschiedenen Themen an. Unter „Zeit zu wandern“ ist sie zu finden. Dabei ist ihr der Kontakt mit der Natur wichtig, aber auch, dass sie andere Menschen inspirieren kann. Außerdem hofft sie, dass sie so ein Stück dazu beitragen kann, den Nachhaltigkeitsgedanken zu verbreiten.
Auch als Insider jn im Gesundheitssystem, ist sie der Meinung, dass sich hier grundlegendes ändern muss. So kann sie sich vorstellen, statt das viele Krankenkassen miteinander konkurrieren, es lediglich noch eine Gesundheitskasse gibt. Außerdem ist sie, wie ich gegen die Zweiklassengesellschaft im Gesundheitssystem mit gesetzlicher- auf der einen und privater Krankenkasse auf der anderen Seite.
Kurz bevor es dunkel wird, nehmen wir Abschied voneinander. Ich gehe wieder in den Wald und suche mir einen Platz für mein Cowboy Camp.
Heute war für mich ein ziemlich gemischter Tag. Zwar gab es durchaus schöne Momente wie die langen Waldränder und die Begegnung mit Catharina, ansonsten hat mir ein großer Teil des Reinhardswalds gar nicht mehr gefallen.















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