Mittwoch, 20. Mai 2026

Nachtrag 2- Freiluftatelier Pfälzer Wald

 


Eigentlich wollte ich Jaqueline und Daniel während meiner Wanderung besuchen, aber da ich ja kurzfristig krank war, konnte ich meinen Zeitplan nicht mehr einhalten, und die beiden waren dann im Urlaub. Daher haben wir unser Gespräch heute virtuell nachgeholt!

Ich hatte das sympathische Paar bei einem Vortrag von mir im letzten Herbst kennengelernt und sie hatten mich gleich zu sich eingeladen. Bereits 2021 hatte Daniel ein 3500 Quadratmeter Grundstück im Pfälzer Wald erworben und mit dem Aufbau des Freiluftateliers begonnen. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Jaqueline ihn über eine Freundin kennenlernte und seitdem gestalten die beiden das Gelände und ihre Projekte zusammen. Sie wohnen in einem kleinen Tiny House auf dem Gelände, das durch einen Bauwagen und eine Jurte ergänzt wird. Die größte Fläche nimmt allerdings der Permakultur Garten ein. Da sie schuldenfrei sind, benötigen sie wenig Geld, was sie durch Kurse von Yoga, Gesang und Vitalkost bis zur Permakultur verdienen. Jaqueline und Daniel sind sehr aktiv in den sozialen Medien, allerdings nicht nur um Kunden zu gewinnen, sondern ihre Idee von der "Radikal vitalen Transformation des Zeitgeists in Richtung einer regenerativen Gesellschaft" zu verbreiten. Auf den ersten Blick klingt das etwas hochgestochen, kompliziert-philosphisch und abgehoben, tatsächlich geht es ihnen aber um etwas Einfaches: Auf meine Frage, was ihre Kunden eint, antworten sie, "Den Wunsch nach einer tieferen Verbindung zur Natur und damit auch zu sich selbst". Das dieser Wunsch bei den meisten Menschen vorhanden ist und die Abwesenheit davon zu vielerlei Problemen führt, halte ich für sehr nachvollziehbar, da der Mensch als Konsument und Teil der Industriegesellschaft ja eine an der gesamten Entwicklungszeit der Menschheit gemessene, sehr neue Erscheinung ist. Obwohl die beiden also durchaus einen politischen Anspruch haben, sind sie sich bewusst, dass sie nur kleine, aber vielleicht wertvolle Impulse setzen können. Ihre Herangehensweise ist die eines offenen Kunstprojekts, an dem jeder der möchte mitgestalten darf. 

Natürlich ist Jaqueline und Daniel bewusst, dass es nicht funktioniert, wenn jeder wieder zum kompletten Selbstversorger werden soll. Auch sie wissen Produkte wie eine Waschmaschine durchaus zu schätzen. Andererseits wäre es alleine unter dem Gesichtspunkt Abhängigkeiten zu reduzieren, sinnvoll, wenn mehr Menschen zumindest Teile ihrer Lebensmittel selbst anbauen würden.  So fordern sie Schulgärten als Standard und finden, dass viel mehr Landwirte als bisher Teile ihrer Flächen an Menschen verpachten sollen, die dort eigenes Essen anbauen. 

Abgesehen von den sozialen Medien, engagieren sich die beiden auch an vielen Stellen vor Ort, so unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Pfälzer Wald- Nordvogesen, was ja schließlich auch ein Ort sein soll, wo neue, nachhaltige Wirtschaftsformen ausprobiert werden sollen. 

Auch wenn es diesmal leider nicht zu einem persönlichen Treffen gekommen ist, sind wir alle drei davon überzeugt, dass wir uns bestimmt einmal wieder sehen. 





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