So, 26.4.2026
WdH 79: Von Weiterdingen nach Liggeringen
12:08 h, 40,8 km, 1051 hm Aufstieg, 1029 hm Abstieg
Zusammenfassung: In der Abenddämmerung höre ich Laubfrösche rufen, was ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Der erste Teil meiner heutigen Wanderung führt weiter durch die abwechslungsreiche Kulturlandschaft des Hegau. Ich wandere wieder an Vulkankegeln, wie Hohenkrähen und Mägdeberg vorbei. Besonders toll finde ich, dass ich Pirole rufen höre und später sogar sehe, ein seltenes Ereignis, diesen tropisch anmutenden Vogel beobachten zu können! Ich umgehe Singen auf einer Route, die die Stadt vermeidet und laufe dann auf dem Querweg weiter. Hier geht es für meinen Geschmack durch zu viele Ortschaften. In Liggeringen werde ich von zwei Paaren angesprochen, ob ich fernwandere und nach kurzer Unterhaltung nach Hause eingeladen, wo ich im Bauwagen übernachten darf. Zuvor genieße ich eine Dusche und schönes Essen und vor allem gute Gespräche mit meinen Gastgebern. Clemens war Betriebsrat bei einer Klinik und kritisiert die meist prozentualen Lohnerhöhungen, die Lohnungleichheiten nur weiter verschärfen. Besser wären feste Eurobeträge, im Zweifelsfall in den unteren Lohngruppen mehr. Christiane ist als Krankenpflegerin auf Diabetes spezialisiert gewesen und meint, mangelnde Bewegung wäre für diese grassieren Krankheit ein Hauptfaktor. Alle sind sehr an meiner Wanderung interessiert und ich gebe natürlich gerne Auskunft über mich und mein Projekt.
Als ich noch vor Sonnenaufgang aufbreche, rufen bereits die Kuckucke. Bald gelange ich aus dem Wald und laufe an einem Schiffgebiet vorbei. Daher wohl die vielen Mücken… Bald geht es durch die Wiesen steil hoch zum Berg Hohenstoffeln. Hier geht gerade die Sonne auf, wie schön! Im Wald steige ich aufwärts und Schilder verraten, dass sich hier ein Naturschutzgebiet befindet. Wie immer ist natürlich das Betreten außerhalb der Wege, das Lagern und so weiter verboten. Andererseits hat hier gerade eine große Holzerntemaßnahme stattgefunden. Das Holz liegt noch am Weg. Und die Rückassen sind viel zu dicht beisammen und stark zerfahren, so viel zum Thema Naturschutzgebiet…
Ich verstecke meinen Rucksack und laufe dann hoch zum Gipfel. Am Gipfelkreuz liegt jemand in seinen Schlafsack eingemummelt, cooler Platz zum übernachten! Ich genieße die Aussicht bis zu den Schweizer Alpen und unterhalte mich dann noch kurz mit dem Mann, der hier übernachtet hat. Anschließend gehe ich zurück zu meinem Rucksack und laufe weiter. Der Sennhof am Rand des Berges, bietet noch einmal einen tollen Ausblick bis zum Bodensee und es gibt hier einen fließenden Brunnen.
Ab jetzt laufe ich durch eine sehr abwechslungsreiche Kulturlandschaft zum Teil auf Graswegen, zum Teil aber auch auf Asphalt. Nachtigallen, Gartenrotschwänze und Wendehalse rufen, besonders aber freut mich der Pirol, der aus den Erlen in einer Senke seine tropisch klingende Stimme ertönen lässt. Diesen auffallend gelben Vogel sieht man so gut wie nie, da er hoch in den Baumkronen lebt.
Fast ständig ergeben sich schöne Ausblicke. Es gibt kleine Felder, Wiesen, Trockenrasen, Gebüsche und Hecken, sehr schön! Am Sittenberg steht ein Kreuz. Weiter geht es zur Burg Mägdeberg. Dort im Wald, wie auch am Hohenstoffeln, wächst viel Bärlauch.
Ich laufe an der Burg Hohenkrähen, die auf einem steilen Felsen liegt, vorbei, folge ein Stück der Straße und verlasse dann am Hegau Haus den Freiburg-Bodensee Weg, um Singen weitgehend zu umgehen. Zwei Rehe flüchten als von unten Fahrradfahrer und ich von oben komme. Kurz danach sehe ich unglaublicherweise zwei Pirole zunächst in einer hohen Weide, dann auf dem Gipfel einer abgestorbenen Fichte. Sie rufen sogar hoch flötend. Leider sind sie zu weit entfernt für ein gutes Foto.
Ich überquere die A 81 und folge dann einige Zeit der Radolfzeller Aach, einem recht breiten Flüsschen. Hier sind sehr viele Leute unterwegs. Am Himmel steht ein Zeppelin, der natürlich zum Bodensee hervorragend passt.
Als Leute grillen, unterdrücke ich die Versuchung zu sagen „Das riecht ja lecker“ mit der Hoffnung darauf, etwas zu ergattern…
Schließlich habe ich den Rand von Singen hinter mir gelassen und gelange bei Friedlingen im Wald wieder auf den Querweg.
Ich unterquere die B 33 und laufe teilweise durch Mischwald, teilweise am Waldrand auf Forstwegen nach Steißlingen. Am Waldrand wachsen sogar Elsbeeren, eine der seltenen Baumarten in Deutschland. In Steißlingen gönne ich mir einen Eisbecher.
Aus dem Ort geht es aufwärts in den Wald. Hier komme ich vom Querweg ab, und finde einen schönen Pfad für eine Teilstrecke. Die markierten Wanderwege sind nicht immer die besten!
In Stahringen gelange ich wieder auf den Querweg. Hier fülle ich mir an einem Brunnen 3 Liter Wasser ab. Auf Asphalt geht es weiter nach Güttingen.
Dort laufe ich kurz falsch, bis ich realisiere, dass der NST hier den Querweg verlässt.
Vom Ort führt ein schöner Pfad aufwärts in den Wald. Am Waldrand blühen die Buchen unscheinbar. Der Aaronstab lässt schon seine Fruchtkörper sprießen. Als ich in die Flur gelange, erhalte ich fantastische überblicke über den jetzt nahen Bodensee mit seinen Inseln und die schneebedeckten Schweizer Bergen dahinter.
Weiter geht es auf einem asphaltierten Feldweg. Jetzt haben sich die Schleierwolken weitgehend wieder aufgelöst, die heute Mittag erschienen waren, und der blaue Himmel ist zurück. Hier stehen Obstbäume, teilweise sogar auf den Feldern. Wahrscheinlich wären die an den meisten anderen Orten längst verschwunden, weil sie den Maschinen natürlich im Weg sind.
Vor Liggeringen, sehe ich gleich drei Turmfalken. Einen kann ich in einem Mistel besetzten, abgestorbenen Obstbaum gut fotografieren. Zwei Wanderer mit großen Rucksäcken, die mir entgegen kommen, haben merkwürdigerweise offensichtlich keine Lust ein paar Worte mit mir zu wechseln und laufen rasch weiter.
Am Ortsausgang kommen mir zwei Paare Ende 60 entgegen, Clemens spricht mich an, ob ich auf einer Fernwanderung sei. Daraus ergibt sich eine kurze Unterhaltung, an deren Ende ich eingeladen werde, bei Clemens und seiner Frau Claudia zu übernachten. Die anderen beiden sind der Bruder von Clemens, Felix und dessen Frau Christiane. Ein Stück weiter bei ihrem schönen Haus, darf ich mich im Bauwagen im Garten einrichten und dann erst mal Rasieren und Duschen, welch eine Wohltat! Danach essen wir zusammen draußen, und ich beantworte ganz viele Fragen zu mir, zu meinem Projekt und zum Wandern allgemein. Clemens hat zunächst Feinmechaniker gelernt, dann zum Krankenpfleger umgeschult und war die letzten 13 Jahre seines Berufsleben Betriebsrat in einer Klinik.
Er erzählt später, dass er die prozentualen Lohnerhöhungen die in der Regel bei Verhandlungen mit den Gewerkschaften vereinbart werden, für problematisch hält, da sie Lohnungleichheiten verstärken.
Seine Frau hat sich im Wesentlichen um die vier Kinder gekümmert. Felix war Lehrer und zuletzt für die Ausstattung der Schulen mit Medien zuständig. Seine Frau Christiane hatte sich als Krankenpflegerin später auf Diabetes und dessen Prävention spezialisiert. Sie meint ein häufig unterschätzter Hauptfaktor für die Krankheit sei die mangelnde körperliche Bewegung vieler Leute heute. Natürlich sprechen wir auch über mein „Hoffnungs-Projekt“ Ebenso wie ich denken meine neuen Freunde, dass die Politik in Deutschland wieder handlungsfähig gemacht werden muss, zum Beispiel durch eine Verlängerung der Wahlperiode, aber die Beschränkung auf eine Amtszeit, damit in der Regierungszeit auch unbequeme, aber dringend notwendige Reformen eingeleitet werden. Was das angeht, sind alle der selben Meinung wie ich, das erheblicher Bedarf in allen möglichen Bereichen in Deutschland besteht. Ebenso halten Sie das Thema Mut für einen Schlüsselfaktor und den Abbau von Bürokratie wo diese unnötig ist, für dringend geboten. Obwohl diese Leute, und wie sie mehr bestätigen, der ganze Landkreis Konstanz ziemlich reich ist, sind auch sie der Meinung, dass die stark zunehmende ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland ein großes Problem ist, was durch eine Änderung der Besteuerung zumindest beschränkt werden kann. Clemens und Claudia haben seit relativ kurzer Zeit das Fernwandern für sich entdeckt und sind seit zwei Jahren Trailangel für den Nord Süd Trail. Allerdings haben sie außer mir bisher erst einen Gast gehabt. Nach guten Gesprächen mit diesen freundlichen Leuten lege ich mich schließlich im Bauwagen schlafen.




















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