Montag, 20. April 2026

WdH 73 Vom Feldberg zur Egerten Hütte

 



Mo, 20.4.2026


WdH 73: Vom Feldberg zur Egerten- Hütte


9:32 h, 33,1 km, 852 hm Aufstieg, 1260 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Der heutige Abschnitt meiner Wanderung vom Feldberg zum Belchen und weiter ist wirklich atemberaubend. Oft geht es auf schmalen Pfaden durch schöne Wälder, wo zunehmend auch Buchen mit ihrem frischen Grün wachsen. Der Belchen selber hat einen sehr schönen Gipfel, der tolle Aussichten bietet. Nicht nur der Wald, auch die Wiesenlandschaften hier sind sehr schön. Schließlich erreiche ich die Egertenhütte, wo mich Judith abholt und ich den Abend mit ihr und ihrem Mann Thomas in Wies verbringe. Die Beiden stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main Gebiet, und sind, da sie unabhängig voneinander mit ihrem Leben unzufrieden waren, auf Umwegen hier gelandet. Zwar verdienen sie viel weniger, sind dafür aber deutlich zufriedener. Vor allem die Natur der Ungebung lieben sie. Allerdings ist das in gewisser Weise auch ein Spagat. Einerseits wissen Sie ein Haus mit großem Garten und Tieren als feste Basis sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie als „Halbnomaden“ auch immer wieder in die Welt. Aber dieser Konflikt ist lösbar! Bei tollem Essen unterhalten wir uns sehr gut, und fallen schließlich müde ins Bett.


In der Morgendämmerung ruft ein Uhu, allerdings weit entfernt. Als ich aufbreche, ist der Schnee auf dem Weg noch hart von der Kälte der Nacht. Meist laufe ich jetzt am Rand von offenen Gras-und Heidelbeerflächen. Dabei ergeben sich bereits schöne Ausblicke zum Belchen. Entfernt ragen die Vogesen auf der anderen Rheinseite auf. Der Morgen ist ruhig und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Trotz der frühen Stunde kommt mir schon jemand mit Fernglas entgegen. Ich höre Ringdrosseln rufen und sehe  eine auf einer Grasfläche. Ja, der Südschwarzwald hat schon etwas Alpines. Das bestätigt sich auch, als ich am Waldrand, in der Nähe des Gasthof Stübenwasen, zwei Gämsen sehe. Ich bin hier im Biosphärengebiet Schwarzwald, das über 2000 ha Kernflächen hat. Außerdem gibt es hier das Naturschutzgebiet Feldberg mit etwa 4000 ha Größe. Es existieren zwar unbewirtschaftete Kernzonen und Bannwälder, aber an den meisten Orten wird Forstwirtschaft betrieben. Vom Gasthaus Stübenwasen folge ich einem Forstweg weiter durch den Wald.

Auf großer Fläche wurde hier gerade in dem alten Fichtenwald sehr stark ausgezeichnet, oft 5-10 Bäume nebeneinander. Es scheint, als wolle man hier regelrecht Löcher in den Wald hacken. Auch viele Buchen sind zum Fällen markiert. Ich frage mich, ob man dies als Biotopverbesserung für die Auerhühner ansieht? Falls ja, ist das aus meiner Sicht totaler Quatsch, wenn man sich anschaut, wo es wirklich noch viel Auerwild gibt, wie in den Karpaten, sind dort dichte Wälder, in denen sich Lücken von selber ergeben,  aber man so etwas Künstliches wie hier nicht schaffen muss. Aber vielleicht liege ich ja auch falsch und man will nur viel Holz auf einmal ernten. Jedenfalls tut es mir sehr leid, dass der Charakter dieses alten Waldes demnächst sehr stark verändert sein wird.

Ich passiere das nordische Skigebiet Nothschrei mit Loipen und Hotels an der Straße. Hier gibt es auch einen Olympiastützpunkt. Ich bin froh, dass ich das Ganze schnell hinter mir lasse und ein hübsches Bachtal hochlaufe. Dann geht es weiter durch alte, einsame Fichtenwälder. Im Gegensatz zum Mittleren Schwarzwald, hat man hier wieder eher das Gefühl, in einem großen, weitläufigen Waldgebiet zu sein. Schließlich gelange ich aus dem Wald in eine hügelige Wiesenlandschaft, wo ich wiederum herrliche Ausblicke zum Belchen erhalte, der jetzt schon viel näher gekommen ist, sowie in die weitere Umgebung. Eine tolle Landschaft!

Schließlich erreiche ich das Wiedener Eck an der Straße, die ins Münstertal hinführt. Es gibt hier ein Hotel, und die Aussichten sind wirklich fantastisch, zumal das Wetter heute klar und sonnig ist.

Weiter folge ich meist einem Steig. Neben den Fichten gibt es hier auch immer wieder Buchen. An manchen Stellen gedeiht hier Bärlauch, von dem ich eifrig nasche. Außerdem blühen die Schlüsselblumen noch prächtig. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Buchen hier gerade erst ihre Knospen öffnen, aber ein paar Meter weiter unten, der Buchenwald schon in helles Grün getaucht ist. Mir begegnet ein junger Franzose, der auf Tramptour durch Europa ist, und hier eine Wanderung macht. Teilweise führt der Pfad an ziemlich steilen Hängen entlang. Auch das letzte Stück ist noch mal richtig steil. Der Gipfel des Belchen  ist waldfrei und bietet herrliche Ausblicke auf 1414 Meter Höhe. Ich finde auch, dass der Belchen der schönste Berg des Schwarzwalds ist, auch wenn der Feldberg ein paar Meter höher ist. Ich habe den Gipfel ganz für mich alleine. Leider ist es jetzt um die Mittagszeit etwas dunstig. Über mir kreist ein Rotmilan, und beim Aufstieg denke ich, einen Wanderfalken gehört zu haben. Schließlich beginne ich den Abstieg. Teilweise treten hier Felsen offen zu Tage,  eine Landschaft, die ein bisschen an die Alpen erinnert. Die Berge in der weiteren Umgebung sind nicht mehr nur in das Dunkel des reinen Fichtenwalds getaucht, sondern das helle Grün der Buchen mischt sich vielerorts darunter.

Der Abstieg führt über einen steilen Pfad, der sich entlang des Berges windet, vorbei an steil aufragenden Klippen und dicken, umgestürzten Fichten.Es gibt sogar Seilsicherungen, die verhindern sollen, dass man vom Weg runter purzelt. Schließlich gelange ich aber auf einen Fahrweg. 

Mit dauernden tollen Aussichten geht es bergab zum Haldenhof, enem Gasthaus. Von hier laufe ich parallel zu einer Straße wieder nach oben zur Kreuzweghütte. Auf dem Parkplatz hier steht das Baubüro einer Windenergie Firma. Es wäre schade, wenn diese wirklich schöne Gegend ebenso wie andere, die ich unterwegs gesehen habe, durch den Bau von Windrädern verschandelt würde. Hinter dem Parkplatz geht es meist auf Pfaden durch sehr beeindruckenden Wald. Hauptsächlich wachsen hier Tannen und Fichten aber auch Buchen und einige mächtige Douglasien sind vertreten. Überall wächst Baumnachwuchs. Insgesamt ist der Wald hier lichter als in den Plenterwäldern des Nordschwarzwalds. Schließlich erreiche ich die Egerten-Hütte, wo ich eine Viertelstunde warte, bis mich Judith abholt. Sie war auf mich durch den Podcast „Frei raus“ von Christo Förster aufmerksam geworden. Bevor wir abfahren, entdecken wir einen toten Dachs am Parkplatz. Wahrscheinlich war er angefahren worden und dann dort gestorben. Sehr schade! Während wir nach Wies fahren wo Judith und ihr Mann

Thomas, beide 45, leben, unterhalten wir uns bereits sehr gut. Bei dem schönen Hof angekommen, erscheint auch Thomas, der gerade mit Hündin Mina von einem Spaziergang zurückkommt. Wir trinken Kaffee mit Blick in den Garten, wo Hühner leben, und Eidechsen sich in einer Trockenmauer eingenistet haben. Nachdem ich später geduscht habe, essen wir zusammen und unterhalten uns dabei intensiv. Beide stammen ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet, waren mit ihrer Situation aber sehr unzufrieden. Über Umwege, wo sie teilweise in Wohnwagen und sogar in einer Jurte gewohnt haben, sind sie nach Wies gekommen. Zuvor hatte Thomas als Speditionskaufmann in der Nähe in Basel gearbeitet. Da er mit seinem Beruf sehr unzufrieden war, hat er sich umorientiert und arbeitet jetzt als Lehrer für geistig Behinderte. Dabei verdient er zwar nur noch ein Viertel seines ursprünglichen Gehalts, ist aber viel zufriedener. Beide erzählen, dass die Leute hier zunächst eher zurückhaltend sind, aber da sie sich im Dorfleben engagiert haben, ist die Stimmung etwas aufgetaut. So hilft Judith im Dorfladen und betreut den Garten des Museums, einem uralten Schwarzwälder Bauernhof. Beide sind leidenschaftlich gerne draußen, Wandern und Laufen. Beim Laufen stoßen sie immer wieder auf durch Forstarbeiten total zerfahrene Wege, auch Wanderwege. Sie haben versucht, dieses unter anderem beim Biosphärengebiet zur Sprache zu bringen, sind aber bisher auf taube Ohren gestoßen. Eigentlich soll in so einem Biosphärengebiet ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus entwickelt werden. Hier gibt es offensichtlich noch Nachholbedarf!

Neben den Beiden gibt es auch etliche andere Zuzügler in dem 250 Seelen- Dorf. Oft Familien aus der Stadt, die möchten, dass ihre Kinder in einer anderen Umgebung aufwachsen. Judith erzählt, dass sie sich ein bisschen als Halbnomadin sieht. Einerseits weiß sie ein Zuhause als feste Basis, wo sie auch Tiere halten kann, sehr zu schätzen. Andererseits zieht es sie, ebenso wie Thomas aber auch immer wieder hinaus in die Welt. Natürlich ist das mit einem großen Haus, Garten und Tieren nicht ganz einfach zu verwirklichen, aber es gibt dafür durchaus Lösungen. 

Wir reden darüber, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, vor allem da viele Arbeitsplätze durch die Entwicklung bei KI und Robotik wegfallen werden. Die beiden sehen das sehr positiv und als etwas, was den Menschen Freiräume eröffnet, jenseits der Notwendigkeit des täglichen Broerwerbs. Es ist sehr schön mit dem sympathischen Paar zusammenzusitzen, aber schließlich sind wir alle müde und gehen schlafen.



























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