Di, 21.4.2026
WdH 74 Von der Egerten Hütte nach Ottwangen
10:58 h, 36,5 km, 948 hm Aufstieg, 1413 hm Abstieg
Zusammenfassung: Nach einem entspannten Frühstück mit meinen netten Gastgebern, fahre ich mit Judith zurück in den Wald. Wir besteigen den Blauen, einen weiteren tollen Aussichtsberg. Anschließend geht es lange bergab durch den Wald, der immer grüner und laubbaumreicher wird. Wir unterhalten uns intensiv, und Judith erzählt über ihre Weiterbildung zur Wildnispädagogin, sowie ihre Erfahrungen im Wolfsmonitorring. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald, bewundern blühende Wiesen und Obstbäume und gelangen in die Wolfsschlucht. Diese ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. Anschließend geht es noch einige Zeit durch die offene Feldflur, bevor es durch ein großes Waldgebiet zur Burg Rötteln über Lörrach geht. In der Stadt nehmen wir Abschied und ich verlasse hier den Westweg, dem ich seit Titisee gefolgt war. Dieser Abschnitt des berühmtesten Schwazwaldwegs hat mir sehr gut gefallen, insbesondere der Belchen, die relativ häufigen Pfade und die oft schönen Wälder.
Ich verlasse die Stadt und wandere durch ein großes Laubwaldgebiet, wo ich schließlich mein Lager aufschlage.
Nachdem wir morgens zusammen gemütlich gefrühstückt haben, mit selbst gebackenem Brot und eigenen Hühnereiern, fahren Judith und ich zurück zur Egertenhütte. Die Hündin Mina ist auch dabei. Von dort geht es bergan zum Blauen, mit 1165 m weniger hoch als Feldberg und Belchen. Nichtsdestotrotz gibt es einen Aussichtsturm und ein Hotel, da man einen tollen Ausblick in die Rheinebene mit dem Markgräfler Land und hinüber zu Vogesen und Jura erhält. Anschließend steigen wir lange ab. Je tiefer wir gelangen, desto laubbaumreicher wird der Wald. Die Buchen hier haben alle schon ihre Knospen gesprengt, und der Wald wirkt unheimlich grün. Hier blüht auch schon der Waldmeister. Während wir laufen, unterhalte ich mich intensiv mit Judith. Sie hat Sozialpädagogik und Sport studiert und im Frankfurter Raum mit schwierigen Jugendlichen gearbeitet. Da ihr das viel Energie geraubt hat und sie mehr Kontakt zur Natur haben wollte, hat sie eine Ausbildung zur Wildnispädagogin gemacht. Dabei hat sie viel gelernt wie zum Beispiel Spuren lesen. Was ihr dabei weniger gefallen hat, ist die Idealisierung der Wildnis und der Naturvölker. Es ist natürlich auch leicht paradox, dass es Schulen gibt in Deutschland, die sich Wildnisschulen nennen, obwohl wir hier keine wirkliche Wildnis mehr haben. Aber das ist nun mal die Bezeichnung einer bestimmten Philosophie, die wie so vieles, aus Amerika gekommen ist. Sie fand die praktischen Inhalte ganz gut, die dort gelehrt wurden, aber mit dem theoretischen Unterbau hat sie so ihre Probleme.
Darüber hinaus hat sie eine Ausbildung zum Biosphärenguide gemacht und hatte eine Anstellung im Wolfsmonitorring, bei der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg. Dazu war sie zum Beispiel auf Fortbildung im Kerngebiet der Wölfe in der Oberlausitz. Einmal als man ihr die Koordinaten einer vermuteten Wolfsfährte geschickt hatte, konnte sie die bestätigen. Darüber hinaus fand sie eine Luchsfährte und eine Auerhahnspur. Alles an einem Tag im Feldberggebiet! Vieles ihrer Naturkenntnis hat Judith sich auch im Selbststudium angeeignet. So merke ich, dass sie sich sehr gut mit Pflanzen auskennt sowie mit Vogelstimmen. Sie erzählt, dass das Verhältnis der Landbevölkerung im Schwarzwald zum Wolf teilweise sehr negativ ist. Es gibt dort viele Ängste, was das Weidevieh, vor allem die Kälber angeht. Dabei kommen bisher Wolfsrisse sehr selten vor. Tatsächlich gibt es in ihrem Dorf keinen Vollerwerbsbauern mehr, aber viele machen ihre Weideviehhaltung und den Waldbau im Nebenberuf. Da Thomas und sie ziemlich fit sind, werden die beiden gerne dazu geholt, wenn die Rinder von einer Weide zur anderen getrieben werden müssen. An der Dorfbevölkerung weiß Judith vor allem die Ehrlichkeit zu schätzen. Außerdem gibt es ein ausgeprägtes Heimatgefühl, was für sie ebenfalls etwas Positives ist. Wir unternehmen einen kurzen Abstecher zur Burgruine Sausenburg, wo wir noch einmal einen fantastischen Ausblick zurück zum Belchen, und über die dunkel und hellgrün gefärbten üppigen Wälder erhalten. Schließlich gelangen wir bei Kandern aus dem Wald. Hier blüht auf den Wiesen flächendeckend, teilweise der Hahnenfuß aber auch andere Blumen wie der Bocksbart. Im Wald hatten wir die unscheinbaren, aber interessanten Blüten des Aronstab entdeckt. Hinter dem Ort beginnt ein sehr schöner Abschnitt, der sich Wolfsschlucht nennt. Er ist von markanten Kalkfelsen geprägt, die dicht bewachsen sind. An einer Stelle gibt es sogar eine kleine Höhle, das Bruderloch, in der ein Einsiedler gelebt haben soll.
Schließlich gelangen wir wieder aus dem Wald und laufen längere Zeit durch die offene Feldflur mit blühenden Obstbäumen und Weingärten. Wir passieren Hammerstein und Wollbach und gelangen schließlich wieder in ein großes, von Laubbäumen geprägtes Waldgebiet. Hier sind recht viele Leute, meist mit Hunden unterwegs, so dass Mina häufig Kontakt aufnimmt. Schließlich erreichen wir die Burg Rötteln über Lörrach. Allerdings ist die Gastronomie geschlossen, daher steigen wir in den Ort ab, wo Judith von Thomas abgeholt wird. In Lörrach, bzw. Basel endet der Westweg und der NST folgt weniger bekannten Wegen. Ich kaufe im Supermarkt ein, so dass ich jetzt wieder Essen für die letzten elf Tage bis Stuttgart im Rucksack habe, der dadurch wieder deutlich schwerer ist. Nicht dass mein Essen schon alle gewesen wäre, aber ich will zu Trainingszwecken noch mal das Rucksackgewicht erhöhen. Ich laufe recht lange durch die Stadt, überquere die A 98 und wandere dann eine ganze Zeit teilweise auf Pfaden durch Laubwald mit mächtigen Eichen. Auf nur 300-400 m Höhe ist der Frühling weiter fortgeschritten, Weißdorn und Goldnessel blühen üppig. Hier sind viele Leute am Abend noch unterwegs: Reiter, Radfahrer, Läufer und Spaziergänger. Schließlich suche ich mir einen Platz im Laubwald zwischen Buchen und Eichen mit jungen Bäumen drunter für mein Freiluftlager.
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