Samstag, 18. April 2026

WdH 71 Von hinter Schiltach zur Kalten Herberge

 



Sa, 18.4.2026


WdH 71: Von hinter Schiltach bis zur Kalten Herberge


12:45 h, 44,8 km, 1020 hm Aufstieg, 833 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Als ich heute weiter auf dem Mittelweg laufe, hat sich die Landschaft verändert. Statt den riesigen, geschlossenen Wäldern des Nordschwarzwalds, sind hier immer wieder Wiesen mit vielen einzelnen Höfen eingesprengt. Der Wald ist nicht mehr so grandios, sondern wird von fast reinen Fichtenbeständen dominiert. Es wird höchste Zeit, hier den Umbau zum Mischwald einzuleiten. Aber ich fürchte, das wird von selber kaum geschehen, und die Waldbesitzer werden bei der nächsten „Katastrophe“, seien es Borkenkäfer oder Stürme, wieder nach dem Staat rufen. Eigentum verpflichtet, und der Staat müsste hier viel klarer vorschreiben, was im Wald zu tun ist. Auf einem Abschnitt passiere ich Windräder, und laufe teilweise auf asphaltierten Wirtschaftswegen. Zweimal folgt der Mittelweg längere Zeit einer Straße, was ich nicht besonders schön finde. Ich durchquere Sankt Georgen, wo ich mich an meinen Besuch 1983 erinnere, zur Zeit des „Waldsterbens“ Damals sahen die Tannen wirklich schlecht aus, haben sich aber glücklicherweise erholt, da die Politik gehandelt hat. Entschwefelungsanlagen und Katalysatoren wurden eingeführt, womit das Problem weitgehend gelöst wurde. Heute ist der Klimawandel die nächste, ungleich größere Herausforderung. Ich hoffe auch dafür wird es Lösungen geben. 

Hinter dem Gasthaus Kalte Herberge schlage ich schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf.


Nach einer ruhigen Nacht bin ich morgens früh schon unterwegs. Durch den Wald geht es hoch bis auf 881 m Höhe am Mooswald Turm, wo es auch eine Gaststätte des Schwarzwaldvereins gibt. Von hier geht es runter zur Straße bei Fahrenbühl. Obwohl es hier zwei Hotels gibt,  ist um diese Zeit natürlich noch alles ruhig. Im Sonnenaufgang laufe ich dann durch die Wiesen auf einem asphaltierten Weg. Schließlich geht es in den Wald. Wobei hier im mittleren Schwarzwald die Wälder nicht so stark dominieren wie weiter im Norden. Immer mal wieder komme ich auch an Wiesen vorbei, wo auch stets irgendwo ein einzelner Hof in Sicht ist, etwas was typisch für den Schwarzwald ist. Ich komme in der Nähe einiger Windräder vorbei, dort sind die Waldwege sehr breit. Was häufig vergessen wird, im Zusammenhang mit dem Bau von Windrädern im Wald ist, dass die für den Standort gerodete Fläche relativ klein ist, aber da die Wege in der Regel stark verbreitet werden müssen, viel mehr Waldverlust hinzukommt. Außerdem sind diese breiten Trassen Angriffspunkte für Stürme und tragen zur allgemeinen Austrocknung des Waldes bei. D.h. meine Meinung bleibt klar: Windräder im Wald sollten, wenn überhaupt, nur der absolute Ausnahmefall unter sehr günstigen Bedingungen sein. 

Der Wald besteht hier meist aus Fichten, aber auch Tannen sind noch dabei. Ein Eichhörnchen turnt vor mir an einem Stamm hoch. Ich sehe eine Tannenmeise und einen Kleiber. Ich passiere den Windkapf, eine Höhe mit Gasthaus auf etwa 900 m und laufe zunächst auf einem asphaltierten Weg weiter.

Bald geht es aber auf einem Forstweg durch den Wald. Ein Schwarzspecht fliegt rufend über die Bäume. Schließlich gelange ich wieder in offenes Gelände mit Wiesen und verstreuten Höfen. Hier sind die Wege wieder hauptsächlich asphaltiert. An einer Quelle in einer Wiese kann ich mir endlich Wasser auffüllen.

Hinter dem Zuckerhof bis Sankt Georgen geht es wieder durch den Wald, teilweise sogar auf Pfaden. An diesem schönen Samstag sind hier schon einige Radfahrer unterwegs.

Ich erinnere mich daran, wie ich 1983 auf meiner Reise durch Deutschland mit dem Tramper Monatsticket der Bahn hierher gekommen war. Das war die Zeit des sogenannten Waldsterbens. Tatsächlich sahen damals vor allem die Tannen im Schwarzwald sehr schlecht aus. Manche sagen, beim Waldsterben ist alles übertrieben worden und dass es heute bei der Klimakrise genauso ist. Allerdings muss man sagen, dass man damals gehandelt hat. Entschwefelunganlagen für Kraftwerke wurden eingeführt und Katalysatoren für PKW’s. Das hat das Problem glücklicherweise weitgehend gelöst. Im Umkehrschluss heißt das, dass auch unsere heutigen Probleme lösbar sind, auch wenn sie größer und schwieriger erscheinen!

In Sankt Georgen kehre ich im Café des Edeka ein. Frisch gestärkt laufe ich dann aus dem Ort. Am Waldrand sehe ich die bisher größten Tanten im Schwarzwald, mit über 1,5 m Durchmesser. Was für Bäume!

Am Waldrand in der Nähe von Brigach kreist ein Rotmilan. Der Mittelweg ist hier nie besonders weit vom Waldrand entfernt und verläuft zum Teil auf Pfaden. Der Wald ist komplett von Fichten geprägt, allerdings geben Ebereschen und Holunder entlang der Wege den Eindruck, dass wenigstens noch ein paar andere Gehölzarten vorhanden sind.

Längere Zeit folgt der Mittelweg dann als Pfad einer Straße. Nicht gerade das schönste Wandererlebnis…

Es geht über den mehr als 1000 m hohen Kesselberg, und an einer Stelle passiere ich einen historischen Galgen, wo noch im 18. Jahrhundert Menschen hingerichtet wurden. Ich passiere die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau und dann wendet sich der Weg endlich ab von der Straße. Mittlerweile sind heute sehr viele E-Biker unterwegs.

Schließlich geht es in den Wald aufwärts zum Stöcklewaldturm. Bis nach Furtwangen bleibe ich jetzt meistens im Wald. Nur an einigen Stellen gibt es auch Wiesen. Der Wald ist sehr einförmig und besteht fast ausschließlich aus Fichten. Dabei sind durchaus auch noch alte Bestände vertreten. Stellenweise wächst dichte Naturverjüngung darunter, aber wiederum nur aus Fichten. Lediglich an den Wegen gibt es vereinzelt alte Tanten. Dass Mischwald stabiler ist und man dringend weg muss von den reinen Fichtenwäldern scheint hier noch nicht angekommen zu sein. Wenn aber Stürme oder Borkenkäfer den Wald verheeren wird bestimmt auch hier wieder nach dem Staat gerufen, der für die so genannte Katastrophe entschädigen soll, wie das bisher immer geschehen ist. Solche schädlichen Subventionen sollte der Staat unterlassen. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass er seinen Wald zum Mischwald umbauen muss, ist letztenendes selber schuld, wenn er irgendwann vor riesigen Kahlflächen steht.

Nun, Eigentum verpflichtet ja auch. Bei der großen Bedeutung des Waldes für uns alle, sollte der Gesetzgeber doch hier viel stärkere Forderungen an die Waldeigentümer stellen. Selbstverständlich muss im Staatswald mit gutem Beispiel vorausgegangen werden, was leider längst noch nicht überall der Fall ist. Zu denken, angesichts des Klimawandels, der ja auch bei uns angekommen ist, man kann mit der herkömmlichen Fichtenwirtschaft weitermachen wie bisher ist ein arger Trugschluss wie sich wahrscheinlich schon in der nächsten Dürre, die diesmal vielleicht auch in Süddeutschland zuschlägt, zeigen wird. Jetzt ist die Zeit zum Handeln, aber rasch!

An den Wegen blüht hier stellenweise die Weiße Pestwurz.

Schließlich geht es runter in die Industriestadt Furtwangen. Als ich langsam aus der Stadt raus laufe, komme ich an drei vielleicht zehn- bis zwölfjährigen Jungs vorbei, die dort bei ihren Fahrrädern sitzen. Kaum bin ich vorbei, schmeißt doch tatsächlich einer mit einem Fichtenzapfen nach mir und trifft mich am Bein. Das kann natürlich nicht ungestraft geschehen! Ich hebe einen Zapfen auf, gehe auf die Jungs zu, der Übeltäter rennt weg, aber ich treffe ihn am Bein. Rache ist süß! Natürlich ist das alles nur Spaß und niemand wird wehgetan. 

Aus dem Ort geht es etwa 200 Höhenmeter recht steil hoch bevor das Terrain auf ungefähr 1000 Höhe Meter Höhe wieder abflacht. Eine Zeit lang verläuft der Weg dann meist als Pfad parallel zu einer Straße, bevor er an der Heubacher Höhe auf den Westweg trifft, der hier für ein Stück deckungsgleich mit dem Mittelweg ist.

Schließlich erreiche ich das Gasthaus Kalte Herberge. Dort hatte ich um Weihnachten 2003 schon mal übernachtet.

Damals hatten wir vor, auf Ski durch den Schwarzwald zu laufen. Da aber kein Schnee lag, sind wir stattdessen auf dem Westweg gewandert.

Ein nettes Paar aus Stuttgart, das mit seinen Kindern dort ist, spricht mich vor dem Gasthof an und fragt, was ich so mache.

Nach kurzer Unterhaltung laufe ich weiter auf dem Mittelweg, der Westweg ist hier abgebogen, und schlage schließlich mein Lager in einem moosigen, alten Fichtenwald auf. 
















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