Freitag, 17. April 2026

WdH 70 Von Freudenstadt bis hinter Schiltach

 



Fr, 17.4.2026


WdH 70 Von Freudenstadt nach hinter Schiltach


13:00 h, 42,3 km, 1042 hm Anstieg, 1025 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Schon bald nach meinem Aufbruch gelange ich nach Freudenstadt, ein hoch gelegener, recht großer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten hatte. Weiter geht es auf dem Mittelweg nach Zwieselberg, wo der Tourismus wohl schon bessere Zeiten erlebt hat. Hinter dem Ort beginnt ein fantastischer Abschnitt. Über Kilometer wandere ich auf einem schmalen Pfad, der einer alten Grenze folgt, durch beeindruckende, alte Tannen-Fichtenwälder. Dabei handelt es sich um so genannten Plenterwald. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, das alte und junge, große und kleine, dicke und dünne Bäume zusammen auf der selben Fläche stehen. Hier werden stets nur einzelne Bäume genutzt, und starke Auflichtungen komplett vermieden. Das ist zwar kein Naturwald, denn eigentlich würde es hier viel mehr Buchen geben, aber trotzdem ist dieser Wald sehr schön. Schließlich geht es auf Forstwegen weiter, und dann lange abwärts ins Kinzigtal nach Schiltach. In dem netten, auf lediglich ungefähr 400 m gelegenen Ort, stärke ich mich und steige dann steil wieder auf. Es dauert lange, bis ich abends ein geeignetes Plätzchen für mein Cowboy Camp finde, aber schließlich kann ich zur Ruhe kommen.


Noch in der Abenddämmerung fliegt eine Waldschnepfe rufend über mir. Ein Reh bellt heiser in der Nähe, ansonsten ist die Nacht ruhig. Es dauert nicht lange am nächsten Morgen und ich gelange aus dem Wald durch die Wiesen hinab nach Freudenstadt. Ein größerer Ort, wo ich schon mal einen Vortrag gehalten habe. Leider sind die Cafés zu dieser frühen Stunde noch geschlossen, daher kann ich mir kein Heißgetränk gönnen.

Schließlich verlasse ich die Stadt und wandere durch beeindruckende Wälder vor allem mit vielen alten Tannen, meist auf Forstwegen weiter. Aus dem Tal der Kleinen Kinzig, führt ein Pfad hoch nach Zwieselberg, einem kleinen Ort, der so wirkt, als seien die goldenen Zeiten des Tourismus lange vorbei.

Weiter geht’s auch auf einem Pfad durch alten Tannen-Fichtenwald. Hier liegen gefällte Bäume. Aber im Gegensatz zu anderen Bildern, die ich schon auf dieser Reise gesehen habe, sieht man hier den Eingriff dem Wald überhaupt nicht an. So muss das sein! Früher galt der Grundsatz, dass man beim Einschlag mäßig vorgeht. Das ist leider vielerorts offensichtlich in Vergessenheit geraten. Daher sehen viele Wälder, in denen gerade eine Holzernte stattgefunden hat, bei uns heute leider so aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Das muss aber nicht sein, wie dieses Beispiel hier zeigt.

Es ist sehr schön Kilometer weit auf dem schmalen Pfad durch die riesigen, schattigen Tannen- Fichtenwälder zu wandern. Lichtungen sind hier tatsächlich eine Seltenheit. Und wenn vorhanden, stets ziemlich klein. Die großen Kahlflächen, die andere Mittelgebirge prägen, habe ich hier bisher noch nicht gesehen. Der Pfad folgt übrigens einer alten Grenze. Was an zahlreichen  Grenzsteinen zu erkennen ist. Obwohl der Wald so schattig ist, wachsen fast überall Heidelbeeren ziemlich üppig. Außerdem gibt es dichte Moosteppiche, ein grünes Paradies!

Allerdings ist dies kein Naturwald, in dem ursprünglichen Wald hier waren Laubbäume, vor allem Buchen, viel häufiger. Da diese jedoch wesentlich weniger Wert hatten, sind sie im Laufe der Zeit aus dem Wald bis auf kleine Reste weitgehend verschwunden. Dabei kann man sich gut vorstellen, dass der Wald, wenn er noch gemischter wäre eine höhere Stabilität aufweisen würde und vielleicht sogar ertragreicher wäre, da das Buchenlaub auch zur Bodenverbesserung beiträgt. Allerdings, wenn man sich die stattlichen Bäume hier so anschaut, ist das wahrscheinlich nicht wirklich nötig, aus Sicht der Waldbesitzer.

Nachdem ich kurz an einen Fahrweg gelangt bin, führt ein Pfad weiter. Allerdings ist der Wald jetzt sehr anders. Mittelalte Fichten auf weiter Fläche. Die alten Bäume und das Miteinander von jung und alt, dick und dünn, hoch und niedrig, gibt es hier jetzt nicht mehr. Das ist tatsächlich eine Besonderheit der Plenterwälder, wie es sie in Deutschland nur im Schwarzwald, im Allgäu und im bayerischen Wald gibt. Traditionell ist das bäuerlicher Wald, indem stets nur einzelne Bäume genutzt wurden, nicht der ganze Wald kahlgeschlagen, wie dies sonst überall der Fall war. Der Penterwald ist auch heute noch eine durchaus profitable Form der Waldnutzung. Allerdings erfordert er viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung im Umgang mit dem Wald, was leider nicht überall vorhanden ist. Daher überwiegen auch im Schwarzwald die gleichförmigen Nadelwaldbestände, die man  kennt. Bald bin ich aber wieder in altem Wald.

Ein Stück weiter gibt es doch tatsächlich einmal Ausblicke in die dicht bewaldeten, grünen Hänge. Ein Pfad führt mich dann steil nach oben, ein kleines Stück wurde gerade von Maschinen zerfahren. 

Weiter geht es auf Forstwegen zur Emil-  und zur Salzlecke Hütte. Unterwegs überhole ich eine neun köpfige französische Wandergruppe. Dummerweise lasse ich meinen Nussbeutel an der Emil Hütte liegen, und als ich das merke, bin ich schon zu weit entfernt um wieder zurückzugehen. Ärgerlich!

Der Kamm, dem der Forstweg jetzt folgt, ist schmaler und fällt zu den Seiten steil ab. Daher ergeben sich immer wieder Ausblicke nicht nur über Wald, sondern zum Teil auch schon zu kleinen Wiesen auf ebenen Absätzen. Zwar gibt es auch noch älteren Wald aber oft laufe ich durch Bestände, die nach dem Sturm Lothar 1999 entstanden sind, meist Fichten, aber teilweise auch Douglasien. 

Schließlich beginnt der lange Abstieg nach Schiltach im Kinzigtal. Am Kohlbrunnen kann ich kühles Wasser trinken. Etwas später komme ich am ersten Haus vorbei und folge einem Asphaltweg weiter.

An einem schönen Gehöft vorbei, steige ich steil ab durch den Wald. Zuletzt folge ich einem Bach, der schließlich in einem Wiesengrund abflacht. Hier blühen schon die ersten Roten Lichtnelken  und ich sehe einen Trauermantel. Das ist ein großer, seltener Waldschmetterling, den man nicht allzu häufig sieht.

Schließlich erreiche ich das nette Fachwerkstädtchen Schiltach an der Kinzig, die kein tobender Fluss, sondern eher ein Bach ist. Hier genehmige ich mir erst einmal, wie schon häufiger, eine Schale Walnusseis und 1 l Milch. So gestärkt beginne ich dann den langen Aufstieg von lediglich etwas über 400 m Höhe. Ein Stück folge ich einem Steig, dann zieht sich ein Fahrweg im Hang empor. Einige Male kann ich noch Aussichten zurück ins Tal genießen. Ein E-Biker hält an und fragt, was ich so mache und wie ich übernachte. Er scheint voller Anerkennung zu sein. 

Am Höhengasthof Heuwiese flacht das Terrain schließlich ab. 

Ein Stück geht es auf einem Pfad durch den Wald, bis ich an eine Straße gelange. Danach komme ich an einigen Häusern vorbei. Allerdings ist ein Brunnen entweder eingezäunt oder ein Tümpel auf dem Enten schwimmen. Beides nicht optimal und es wäre schon schön, wenn ich meinen Wasservorrat noch auffüllen könnte. Dann komme ich am Waldrand an eine weitere Stelle, wo Trinkwasser auf meiner Karte eingezeichnet ist. Das ist aber lediglich ein Depot mit Getränken,  alle alkoholisch, die man erwerben kann. Bald geht es wieder steil aufwärts in den Wald. Es ist schon recht spät, aber kein guter Lagerplatz in Sicht. Mir begegnen 2 E-Mountainbiker, und trotz der späten Stunde heulen noch die Motorsägen. Schließlich verlasse ich den Weg und finde eine ebene Stelle im Fichtenwald für mein Cowboy Lager. Als es schon fast dunkel ist, fliegt auch heute eine Waldschnepfe rufend über mir.





















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