So, 12.4.2026
WdH 66: Von der Madenburg in den Bienwald
12:05 h, 43,9 km, 890 hm Aufstieg, 1050 hm Abstieg
Zusammenfassung: In der Nacht und am Morgen regnet es ziemlich viel. Glücklicherweise hört es genau dann auf, als ich mein Lager abbaue. Ich steige nach Klingenmünster ab und beobachte einen Fuchs, der mir auf einem Waldweg entgegenkommt, mich aber rasch bemerkt und auf dem Absatz kehrt macht. Teilweise suche ich mir heute meinen eigenen Weg, da ich im Wald bleiben will, soweit es geht. Einmal habe ich das Glück eine große Gruppe Wildschweine eine ganze Zeit lang beobachten zu können. Auch kleine Frischlinge sind dabei, wie süß!
Ich passiere Bad Bergzabern und steige zur Burgruine Guttenberg auf, wo ich noch einmal einen schönen Überblick über die Wälder und Berge des Pfälzerwalds erhalte. In Schweigen-Rechtenbach verlasse ich den Weinsteig, der mir sehr gut gefallen hat. . Jetzt laufe ich für einige Kilometer durch flache Agrarlandschaft, bevor ich den Bienwald erreiche, ein großes Flachlandealdgebiet, durch das ich jetzt viele Kilometer weit laufe. Schon 2007 wurden 1650 ha Wald hier aus der Nutzung genommen. Ein Pfad führt durch den schönsten Teil und Informationstafeln geben interessante Details hierzu Preis. Rechtzeitig bevor es anfängt zu regnen, schlage ich mein Lager in einem relativ jungen Eichenwald auf.
Auch in der Nacht und am Morgen regnet es ziemlich viel. Glücklicherweise hat es aufgehört, als ich das Zelt abbaue und los laufe. Der Wald wirkt noch grüner und dunkler als gestern. Es geht bergab zu einer Bundesstraße wo aber noch kein Verkehr herrscht. Dann laufe ich weiter auf Wirtschaftswegen talabwärts.
Schließlich geht es am Gelände des Klinikums Klingenmünster entlang. Es gibt dort einen Achtsamkeitspfad, und man hat etliche Baumstämme übereinander geschichtet, die sich zum Balancieren anbieten. Während ich auf einem schmalen Weg bergauf wandere, kommt mir ein Fuchs entgegen. Wir schauen uns eine Zeit lang an, dann macht er auf dem Absatz kehrt.
Schon zu dieser frühen Stunde kommt mir eine andere Wanderin entgegen. Sie meint, es wäre schön um diese Zeit, da noch nicht so viele Menschen unterwegs sind.
Ich passiere die große Burg Landeck, dann geht es durch üppigen Wald wieder bergab. Auch die Linden und Feldahorne haben ihre zarten Blätter entfaltet. Das Perlgras blüht und die hellgrüne Farbe des Waldes ist jetzt unheimlich schön.
Ich steige ins Klingnbachtal ab, nehme von hier aber eine Variante, die im Wald bleibt und nicht nach Gleiszellen führt. Teilweise auf schmalen Pfaden geht es mal wieder ziemlich steil nach oben.
Bald bin ich wieder auf dem Weinsteig. Es gibt hier einige Weißtannen. Vor allen Dingen haben sich die dunkelgrünen, jungen Tannen ziemlich ausgebreitet. Direkt daneben kann man aber auch Esskastanien sehen. Total gegensätzliche Bäume, so ein nebeneinander gibt es wahrscheinlich nur im Pfälzer Wald!
Ein Stück weiter mache ich eine ganz tolle Beobachtung: Zunächst springt ein Reh vor mir über den Weg. Ich höre es rascheln und sehe direkt unter mir, teilweise zwischen den jungen Bäumen verborgen, teilweise auch gut sichtbar, eine Gruppe von mindestens 20 Wildschweinen. Zu meiner großen Freude sind auch viele kleine, gestreifte, wuselige Frischlinge dabei. Die Wildschweine bemerken mich nicht, so dass ich sie eine ganze Zeit beobachten und auch fotografieren und filmen kann. Ein eindrucksvolles Erlebnis!
Durch schönen Wald steige ich ins Tal des Hirtenbachs ab, dem ich eine Zeit lang abwärts folge.
Das Tal ist teilweise offen und mit Seggen und Binsen bewachsen, teilweise gedeiht aber auch ein sumpfiger Erlenwald.
Über ein Nebental wandere ich schließlich nach oben raus, passiere den Bismarckturm und gelange dann am Kurpark von Bad Bergzabern kurz wieder auf den Weinsteig, bevor ich auf meiner eigenen Variante weiter aufwärts im Wald laufe.
Am Rand von Dörrenbach stoße ich dann wieder auf den Weinsteig. Auf einem Pfad geht es steil bergauf zur Kolmerkapelle.
Danach folge ich einem Märchenweg, wo unter anderem Hänsel und Gretel nachgestellt wird. Eine siebenköpfige Wandergruppe unterschiedlichen Alters kommt mir fröhlich singend entgegen. Auch am Stäffelsbergturm sind einige Leute unterwegs.
Der weitere Weg zur Burgruine Guttenberg, folgt teilweise dem Westwall, der Verteidigungslinie, die Deutschland gegen Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet hatte. Informationstafeln erzählen etwas über die Geschichte dieses Bauwerks.
An der Ruine erhalte ich noch einmal einen tollen Ausblick über die Berge des Pfälzer Walds. Anschließend geht es lange im Wald bergab. Hier gibt es auch recht viele ältere Weißtannen und Douglasien. Schließlich erreiche ich den Ort Schweigen-Rechtenbach, der für das deutsche Weintor berühmt ist und unmittelbar an der französischen Grenze liegt.
Hier verlasse ich den Weinsteig, der sowieso bald endet, und laufe entlang von Weinbergen, Obstplantagen und Rapsfeldern auf asphaltierten Wegen, durch die ziemlich flache Landschaft.
Was ist mein Fazit zum Pfälzer Weinsteig? Der Weg hat mir ausgesprochen gut gefallen! Obwohl ich den Pfälzerwald ja gut kannte, war der Weinsteig tatsächlich eine positive Überraschung für mich. Meist verläuft er durch wirklich schöne Mischwälder oft auf schmalen Pfaden. Dadurch, dass etliche Berge hier ziemlich markant sind , und die Hänge steil kommen durchaus eine ganze Menge Höhenmeter zusammen. Ich hatte befürchtet, dass mir hier zu viel los ist und der Weg auch zu oft in die ziemlich dicht besiedelte Ebene runtergeht. Das fand ich aber überhaupt nicht schlimm und tatsächlich wenn man möchte, gibt es immer Alternativen im Wald, die oft ebenso schön sind, wie der Weinsteig. Die Wandermöglichkeiten hier sind fast unbegrenzt, ein Paradies! Hinzukommt noch die besondere Pfälzer Gastlichkeit. Nirgendwo sonst habe ich so viele Einkehrmöglichkeiten gesehen, oft mitten im Wald an Burgen, auf Gipfeln oder an Aussichtstürmen. Ich brauche das zwar nicht unbedingt, aber es setzt einen ganz besonderen Akzent. Also, zusammenfassend gesagt, ich kann den Weinsteig sehr empfehlen!
Ich passiere Schweighofen und laufe durch die Wiesen, über denen Rauchschwalben nach Mücken jagen, auf den Waldblock des Bienwalds zu.
Am Bahnhof Schweighofen verrät eine Tafel etwas über dieses große Flachlandgebiet. Es gibt hier eine Naturwaldfläche von immerhin 1680 ha, die sich seit 2007 zur Wildnis entwickeln darf.
2021 hatte ich hier ganz in der Nähe übernachtet, da ich mich am nächsten Morgen mit Mitgliedern der Greenpeace-Gruppe Landau getroffen hatte, die mit mir ein Stück durch den Bienwald gewandert sind.
Der Wald hier wird zunächst von Kiefern dominiert, aber unter ihnen ist es unheimlich grün. Viele Sträucher wachsen hier aber auch junge Buchen. Es gibt aber auch ältere Eichen und sogar relativ viele Fichten, die man hier im Flachland vielleicht nicht vermuten würde. Zunächst folge ich einem größeren Fahrweg, wo auch einige E-Bikes unterwegs sind. Dann biege ich auf einen Grasweg ab, die Kapuzinerallee, der ich für mehrere Kilometer folge. Der NST führt zwar auch durch den Bienwald, aber ich laufe zunächst auf meiner eigenen Route.
Unauffällige Schilder markieren das Naturwaldgebiet.
Hier gibt es bizarre Buchen, viele davon vom Zunderschwamm befallen, aber auch sehr viele Birken. Es gibt aber auch alte und gepflanzte Eichen, sowie alte Kiefern, insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Wald.
Das ist natürlich kein Urwald, aber der Wald fühlt sich schon recht wild an. Leider ist mein Weg eher breit und befestigt.
Schließlich gelange ich ans weiße Kreuz, was an einen Förster erinnert, den Wilderer im 19. Jahrhundert aufhängen wollten und der auf sein Bitten hin verschont wurde. Hier informieren Tafeln über das Naturschutzgroßprojekt Bienwald, von dem die Ausweisung der Naturwaldfläche ein Teil ist. Hier beginnt dann auch ein Naturwaldpfad, der die Besucher über die Lebewesen und die Bedeutung von Naturwald informieren soll.
Ab hier folge ich auch wieder der Route des NST.
Der Wald, durch den ich jetzt laufe, ist ein Traum. Hauptsächlich wachsen hier Eichen und Hainbuchen, zum Teil in mächtigen Exemplaren. In den feuchter Senken wachsen aber auch Erlen und Ulmen. Die Tafeln zum Naturwald sind sehr interessant. Hier wird zwar keine Forstwirtschaft mehr betrieben, aber etliche Hochsitz zeigen, dass noch gejagt wird. Das Milzkraut blüht und an manchen Stellen auch Waldschüsselblumen. Stellenweise gibt es ziemlich viel Totholz, manche Bereiche sind schon viel länger aus der Nutzung genommen als der größte Teil des Naturwaldgebiets.
Hier blühen bereits Bärlauch und Knoblauchsrauke.
Viele der Flatterulmen erinnern mit ihren Brettwurzeln ein wenig an Regenwaldbäume.
Eine Zeit lang folge ich dem Wasserlauf des Saugrabens und schlage dann in einem recht jungen Eichenwald mein Lager auf.





















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen