Dienstag, 17. März 2026

WdH 40 Von Hilgenroth nach Eitorf

 




Di, 17.3.2026


WdH 40: Von Hilgenroth nach Eitorf


11:59 h, 48,2 km, 1300 hm Aufstieg, 1381 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Heute erreiche ich bald die Stelle, wo der NST den Westerwaldsteig verlässt. Wie hat mir dieser Weg gefallen, dem ich mehr als drei Tage gefolgt bin? Hervorzuheben ist, dass er tatsächlich überwiegend auf unbefestigten Wegen verläuft, was sehr schön ist. Die raue Landschaft des hohen Westerwalds, mit ihren Basaltfelsen, sumpfigen Viehweiden sowie den Erlenbrüchen hat auch etwas. Ein Höhepunkt, der leider zu schnell vorbei war, ist die wildromantische Holzbach Schlucht. Für mich ist aber die Große Nister der absolute Höhepunkt dieses Weges. Über viele Kilometer folgt der Weg dem naturnahen Bach., teilweise sogar ziemlich abenteuerlich im Hang. Weniger gut gefallen hat mir, dass man hier fast immer das Gefühl hat, die Zivilisation ist in der Nähe, egal ob mit Straßen, Windrädern oder Ortschaften. Wirklich ruhige Natur findet man erstaunlicherweise relativ selten.

Bevor der NST auf den Natursteig Sieg trifft, fliegt ein Schwarzstorch vor mir von einem kleinen Waldteich auf. Was für eine Beobachtung! Auf dem Natursteig hat man viele Höhenmeter zurückzulegen. Sehr häufig geht es steil in ein Bachtal runter, um auf der anderen Seite ebenso steil wieder aufzusteigen. Meist ist man im Wald, oft auch auf schmalen Pfaden. Daher ist mein Eindruck von heute positiv. Siedlungen werden eigentlich nur am Rand gestreift. Auch der Frühling hat wieder Fortschritte gemacht, mit den ersten frischen Lärchennadeln und blühendem Milzkraut beispielsweise. In der Dämmerung unter freiem Himmel, sehe ich über mir die erste Waldschnepfe des Jahres fliegen, ein weiteres Frühlingszeichen!


Wie immer bin ich in der Dämmerung wieder unterwegs. Zunächst geht es überwiegend durch die Feldflur aufwärts zum Aussichtsturm am Beulskopf. Auf einer Waldwiese sehe ich zwei Rehe, den ich mich nähern kann, bis sie mich schließlich bemerken und in den Wald flüchten. Dann geht es eine ganze Zeit durch ein etwas größeres Waldgebiet. Hier wachsen viele Stechpalmen unter den Eichen. Von den ehemaligen Fichtenbeständen sind nur größere Freiflächen übrig geblieben,  dagegen stehen in den Eichenwäldern wertvolle Bäume. Wirtschaftlich gesehen war die Forstwirtschaft mit Fichten schon immer eine Art Glücksspiel. Wenn es gut lief, war es ertragreich und hat sich wirtschaftlich gelohnt. Aber das war eher selten, da die Fichten  schon immer regelmäßig von Stürmen und Borkenkäfern heimgesucht wurden. Dass die Fichtenwirtschaft überhaupt so lange fortgeführt wurde, hat auch damit zu tun, dass häufig nach so genannten Katastrophen, der Staat mehr oder weniger die Wiederaufforstung bezahlt hat. So kann man ein System, was sich, wenn man die Risiken mit einbezieht, wirtschaftlich nicht lohnt, durch die Subventionen noch lange am  Leben erhalten. Mir fallen dazu viele Beispiele ein, wie zum Beispiel der Kohlebergbau, die Atomkraftwerke und vieles mehr. 

In der Regel ist die nachhaltigste Wirtschaft, auch die wirtschaftlichste, wenn man das auf lange Sicht betrachtet und alle Kosten mitberücksichtigt!

In Oberirsen blühen die Osterglocken prächtig. Hinter dem Ort komme ich an einem Teich vorbei, auf dem Kanada Gänse schwimmen und laut rufen. Danach geht es aufwärts in die hügelige Feldflur über der Feldlerchen singen, in dem sie in den Himmel aufsteigen. Danach geht es wieder in den Wald. An einer Stelle bittet ein Schild Reiter den Westerwaldsteig zu meiden, da dieser hier sehr nass und schlammig ist.

Vor den wenigen Häusern von Ochsenbruch verlasse ich den Westerwaldsteig und folge den grünen Kompassmarkierungen des NST auf Forstwegen durch ein Waldgebiet.

Hier wachsen Eichen, es gibt aber auch Freiflächen, auf denen man die abgestorbenen Fichten stehen hat lassen. An manchen Stellen wachsen junge Fichten unter den Eichen, was natürlich ungünstig ist, denn man will hier sicher zukünftig keinen Fichtenwald haben! An der Landesgrenze schwingt der NST auf einen Erdweg, der durch große Flächen ehemaliger Fichten führt. Hier wachsen inzwischen fast flächendeckend Birken, die gerade unscheinbar blühen. Unter den Birken haben sich auch schon andere Bäume wie Buchen und Fichten eingestellt und teilweise hat man auch gepflanzt. Die NST Markierung verliert sich hier und ich nehme eine Abkürzung ziemlich steil quer durch, bis ich wieder auf einen Erdweg an einem Bach stoße.

Unmittelbar bevor dieser an einem asphaltierten Weg endet, fliegt unmittelbar vor mir ein Schwarzstorch von einem kleinen, angelegten Teich auf. Was für ein Erlebnis! Ich habe zwar schon häufiger Schwarzstörche gesehen, aber es ist trotzdem eine Beobachtung, die eher selten ist. Umso schöner, dass ich diesen scheuen Waldvogel hier angetroffen habe.

Ein Stück weiter stoße ich auf den Natursteig Sieg, dem ich ab jetzt folge. Zunächst geht es durch ein größeres Waldgebiet. Von Anfang an ist klar, dass es hier viel rauf und runter geht. Ich passiere eine Wallanlage aus der Eisenzeit, von der man aber nicht mehr viel sieht und folge zunächst meist Forstwegen. Später verläuft der Weg zu einem sehr großen Teil auch auf Pfaden oder Erdwegen. Häufig geht es in ein Bachtal rein und dann steil wieder raus und das wiederholt sich etliche Male. Teilweise wandert man aber auch im Hang. Meistens bin ich im Wald, der hier vor allem durch Eichen geprägt ist. Es gibt aber auch Buchen und wie immer etliche Freiflächen auf denen Fichten standen. Hier sind teilweise an den steilen Hängen die toten Bäume stehen gelassen worden. Teilweise haben sich schon junge Birken und Fichten wieder eingestellt. Obwohl Straßen und Orte oft nicht sehr weit entfernt sind, habe ich den Eindruck, in der Natur unterwegs zu sein. Die Lärchen haben schon die ersten zarten, grünen Triebe geschoben, am Waldrand schwellen die Blütenknospen der Kirschen und auch die Knospen der Buchen sind schon ziemlich dick. Es ist bedeckt nur kurz zeigt sich die Sonne, dennoch kann ich zum ersten Mal seit drei Tagen ohne Jacke laufen.

Bei Herrchen gelange ich an die Sieg. Seit der Quelle am kahlen Asten ist das ein stattliches Flüsschen mit vielleicht 50 m Breite geworden. Dummerweise folge ich den Markierungen des Natursteig Sieg in die falsche Richtung, als ich meinen Irrtum erkenne, nehme ich eine Abkürzung, überquere bei Röcklingen die Sieg und gelange dann schließlich wieder auf den NST, der hier einem Asphaltweg folgt. Ich sehe einen überfahrenen Feuersalamander, jammerschade, aber zumindest gibt es sie hier noch.

Ganz nett finde ich, dass es immer einen Hinweis auf die Hälfte der Etappe gibt. Das so genannte Bergfest findet sich meistens an einem kleinen Aussichtspunkt. Alle Fernwanderwege und natürlich auch der Natursteig Sieg sind in Etappen aufgeteilt. Wahrscheinlich halten sich die meisten Leute beim Wandern auch ziemlich daran. Ich kümmere mich überhaupt nicht um irgendwelche Etappen, sondern gehe einfach in meinem eigenen Tempo und Rhythmus.

Nachdem ich lange einem Forstweg an sich wieder bewaldenden  Fichtenflächen gefolgt bin, überquere ich eine Straße und laufe dann auf einem Pfad weiter

Aus den Brombeeren einer ehemaligen Kahlfläche gucken schon einige Birken und Ahorne heraus. Vor 2-3 Jahren hätte man bestimmt gesagt, hier wächst nur Brombeere, da können überhaupt keine jungen Bäume hoch kommen!

An Wegrand blühen Milzkraut und Scharbockskraut.

Später geht es dann auf einem asphaltierten Weg, den Erlen-und weidengesäumten Eulsbach hinab.

Bei Oberotterbach steht eine feine Hütte mit Tür und Fenstern und ein Schild lädt Besucher ein. Auf dem Tisch drinnen liegt allerdings ein Zettel, der sich darüber beschwert, dass jemand, der hier übernachtet hat, seinen Müll hinterlassen hat. Und es würde stinken. So soll das natürlich nicht sein und es ist schade, wenn so etwas vorkommt! Ich glaube allerdings auch nicht, dass das ein Wanderer war…

Später laufe ich talabwärts und komme am Begräbniswald Eitorf vorbei, dem man diese Funktion auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Neben großen Bäumen, wurden hier auch sehr kleine Buchen für die Begräbnisstätten ausgewählt.

Ein Pfad führt mich dann im Zickzack durch Eichen-Buchenwald mit sehr viel Ilex hoch nach Bohlscheid.

Hinter dem Ort geht es das Überbuschbachtal abwärts, meist im Wald später hoch oberhalb des Baches, an den eine Wiese grenzt.

Schließlich erreiche ich die wenigen Häuser von Schmelze an der Straße. Diese überquere ich und steige dann steil auf zu einer Hochfläche, die sehr schön liegt, mit Wiesen, Einzelbäumen und Hecken. Ein Stück weiter gelange ich an die Storker Hütte, wo 2021 auf meiner großen Wanderung , der Treffpunkt für eine kleine Gruppe war, die mit mir ein Stück laufen wollte.

Ich laufe ein Stück weiter und schlage schließlich mein Cowboycamp im Laubwald abseits des Weges auf. In der Dämmerung ruft ein Sperlingskauz und eine Waldschnepfe fliegt merkwürdige Laute ausstoßend über mir. 





















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