Freitag, 6. März 2026

WdH 29 Von der Weidelsburg nach Basdorf

 





6.3.2026


WdH 29: Von der Weidelsburg nach Basdorf


10:45 h, 39,7 km, 989 hm Aufstieg, 1100 hm Abstieg 


Zusammenfassung: Noch im Morgengrauen verlasse ich „meine“ Burg, in deren Nähe schon ein Wanderfalke ruft. 

In Naumburg trinke ich in einem Supermarkt Kaffee und kaufe ein. Bald danach erreiche ich ein großes, stilles Waldgebiet, das ich meist auf naturnahen Pfaden durchwandere. Vom Sengelsberg schweift mein Blick zu den Laubwaldbergen des Nationalparks Kellerwald- Edersee und zum Schloss Waldeck auf einem Hügel.

In dem Touristenort Waldeck verlasse ich den Habichtswaldsteig, der mir sehr gut gefallen hat und gelange auf den Urwaldsteig, der um den Edersee führt. Als ich zwei jungen Leuten die Frage nach einer guten Zukunft für Deutschland stelle, ist das nicht sehr ergiebig. 

Teilweise ist der Wald hier stark durch Motorräder verlärmt, es gibt aber auch ruhige Abschnitte. Ein Höhepunkt ist die Kahle Hardt, ein sehr steiler Hang, auf dem bonsaiartige, aber uralte Eichen wachsen. Schließlich schlage ich mein Lager bei einer Hütte außerhalb des Parks auf der Veranda auf. 


In der Nacht habe ich gut geschlafen. Allerdings musste ich einmal umziehen, als es mir in meiner Nische zu windig wurde. Aber ich hatte abends schon einen geschützteren  Platz ausfindig gemacht, wo ich dann gut weiterschlummern konnte.

Bereits in der Dämmerung bin ich wieder unterwegs. Am Burgberg blühen Märzbecher. Ich höre das hohe Rufen eines Wanderfalken, der wahrscheinlich in der Burg wohnt. Auf einem Pfad geht es zunächst durch alten Buchenwald abwärts. Am Waldrand steht eine markante Eiche mit einer großen Höhle, die vielleicht ein Lebensraum für viele Tiere ist. Außerhalb des Waldes ist das Gras weiß von Frost. Bald geht es wieder in den Wald, der hier zum Teil auch aus Kiefern und Douglasien besteht. Die Sonne geht als oranger Ball auf. Schließlich gelange ich aus dem Wald und nehme eine Abkürzung durch die Felder nach Naumburg, wo ich im Edeka einkaufen will.

In dem Supermarkt angekommen, trinke ich erst mal Kaffee und kaufe dann ein. Haferflocken, Müsli, Studentenfutter, Erdnüsse und Butter für die nächsten drei Tage, außerdem einen Apfel. Die Originalverpackungen lasse ich im Supermarkt und fülle alles in meine 3 l Gefrierbeutel, die ich immer dabei habe. Im Zentrum von Naumburg mit seinen Fachwerkhäusern,  gelange ich wieder auf den Habichtswaldsteig. 

Am Ortsrand wandere ich kurz durch ein Tal mit jungen Streuobstbäumen. Dann geht es durch eine weite Feldflur über der zwei Rotmilane kreisen, teilweise auf Graswegen nach oben zum Wald. Das große, stille Waldgebiet, durch das ich jetzt laufe, gefällt mir sehr gut. Im Tal des Ballenbachs, das in den Wald eingebettet ist, gibt es Wiesen und Fischteiche. Meist laufe ich auf unbefestigten Wegen durch den Wald, der von der Buche dominiert wird, es aber auch Fichten , Kiefern, Lärchen und Douglasien gibt. Das der Wald intensiv bewirtschaftet wird, zeigen zahlreiche Farbmarkierungen, die die Bäume kennzeichnen, die gefällt werden sollen. Auf einem Plateau gibt es einige Freiflächen, wo sich inzwischen größtenteils Fichten angesiedelt haben. Teilweise laufe ich entlang von historischen Grenzsteinen. Hier war einmal die Grenze zwischen der Stadt Naumburg, die lange zum Bistum Mainz gehört hat und dem Fürstentum Waldeck. Der Habichtswaldsteig ist hier teilweise deckungsgleich mit dem Hugenottenweg. Dieser thematisiert die Geschichte der Hugenotten, die wegen ihrem evangelischen Glauben im 17. Jahrhundert aus Frankreich vertrieben wurden, und in Hessen aufgenommen wurden. Noch heute zeugen französische Familiennamen in manchen Gegenden Hessens von dieser Geschichte. Ein Schwarzspecht fliegt vor mir auf und lässt sich an einem Baum nieder. Schließlich führt mich ein Fahrweg entlang des Kißbachs aus dem Wald, wo am Waldeingang ein sehr schönes Fachwerkhaus steht. An einer Bank gibt es eine Pausenbox mit Riegeln und Getränken, sowie kleinen Schnapsflaschen. Es wird um eine Spende gebeten.

Bald geht es durch die Feldflur teilweise auf Graswegen hoch zum Sengelsberg. Von dort ergibt sich ein schöner Blick über die großen Laubwälder des Nationalparks Kellerwald – Edersee und zum Schloss Waldeck, das auf einem Hügel thront. Schließlich geht es in den Wald des Weinbergs. Hier gibt es größere Flächen, die auf den ersten Blick nur mit trockenem Gras bewachsen sind. Aber wahrscheinlich sind sie schon wieder aufgeforstet worden. Man hat hier teilweise auch Holzzäune verwendet, statt der üblichen Metalldrähte. Ebenso werden für einzelne Bäume Holzkonstruktionen zum Schutz verwendet, statt der üblichen Plastikwuchshüllen. 

Auf Fahrwegen geht es relativ schnell wieder aus dem Wald. Hier laufe ich ein kurzes Stück auf Asphaltwegen durch eine ziemlich ausgeräumt Feldflur. Dann geht es an einer Waldwiese vorbei aus dem Wald über eine Straße. Während ich ein weidenbestandenes Tal hoch laufe, sehe ich vier Rehe auf einer Wiese unter einer Stromleitung. Leider bemerken sie mich etwas zu früh, so dass ich sie nicht fotografieren kann. Außerdem sehe ich hier neben den üblichen Vögeln wie Rotkehlchen und Kohlmeisen, eine singende Heckenbraunelle. Schließlich kommen die Häuser von Waldeck in Sicht.

Waldeck ist relativ groß mit Hotels, Cafés und Restaurants. Der Ort macht einen netten Eindruck, allerdings hat die Touristensaison noch nicht begonnen.  Bald gelange ich zu einem Aussichtspunkt von dem aus ich die Ederseetalsperre überblicken kann, ebenso wie das Schloss Waldeck, das gegenüber auf meiner Höhe liegt. Hier endet der Habichtswaldsteig und ich folge ab jetzt dem Urwaldsteig,  der um den Edersee herum führt. An einer Trockenmauer sehe ich die ersten Veilchen. Bald bin ich wieder im Wald, wo ich zwei junge Leute anspreche, die mir entgegenkommen. Die beiden machen einen freundlichen Eindruck, haben aber keine Zeit sich länger mit mir zu unterhalten, als ich die Frage nach einer guten Zukunft für Deutschland stelle. Immerhin sagt die Frau, dass Natur, und einen sonnigen Tag genießen, auf jeden Fall dazugehört. Der Mann sagt gleich, dass er nicht aus Deutschland kommt. Woraufhin ich entgegne, dass das nichts macht. 

Leicht frustriert gehe ich weiter. Zunächst schalt der Lärm der Motorräder von der Uferstraße hoch. Ich passiere die Talstation der Seilbahn Waldeck und weiter geht es in den Wald, wo ich ab jetzt erst mal niemand mehr treffe. Hauptsächlich wachsen hier Buchen, die auf dem trockenen Standort meist nicht sehr groß sind. Auf ganz trockenen Hängen hier nehmen sie sogar eher gestauchte, zwergartige Formen an. Dieser Teil wurde erst vor sechs Jahren in den Nationalpark integriert. Daher laufe ich teilweise noch auf breiten Wirtschaftswegen, teilweise aber auf auch auf schmalen Steigen durch den Laubwald. An einem Bächlein, fülle ich meine Wasserflasche auf und genieße ein Getränk mit Elektrolyten, die mir Catharina geschenkt hatte. Dabei sitze ich in der Sonne und habe Socken sowie Schuhe ausgezogen.

Ich überhole ein Paar, was ich unschlüssig ist, wie es weiterlaufen soll, da es noch bis zur Staumauer will. Eigentlich ist das die falsche Richtung hier! An manchen Stellen wurde ein Pfad relativ neu geschaffen, das merke ich unter anderem daran, dass der GPX – Track des NST anders verläuft. Teilweise liegt der Felsen so bloß und es ist so trocken, dass hier Rentierflechten wachsen! Diese würde man sonst eher in der Tundra Skandinaviens vermuten. Obwohl man ja allgemein sagt, dass die Douglasie wenig invasiv ist, gibt es hier zum Teil junge Bäume dieser Baumart in den trockenen Flächen. Das ist wohl auch der Grund, warum die alten Douglasien  hier am Weg unlängst gefällt worden sind. Der Weg verläuft zum Teil in sehr steilen Hängen, die man hier im Mittelgebirge eigentlich gar nicht erwarten würde. Mir begegnen noch wenige andere, gut gelaunte Wanderer, aber meistens habe ich den Weg für mich alleine. Bei Nieder–Werbe erreiche ich schließlich den See. Hier gelange ich auch wieder an eine Straße, die sich zwischenzeitlich entfernt hatte.

Von Nieder –Werbe geht es steil nach oben, so dass ich ins Schwitzen komme. Der weitere Weg nach Scheid ist dann nicht sehr interessant. Überwiegend gleichförmiger, mittelalter, Buchenwald. Dazu vom See die Geräuschkulisse der Motorräder. In Deutschland wird doch alles geregelt, warum kümmert sich niemand um die Lautstärke von Motorrädern? Was ist mit E-Motorrädern?

Scheid ist ein Ort, der auf einer Halbinsel im Edersee liegt und beherbergt einen großen Campingplatz. Bald laufe ich auf einem Pfad weiter. Er folgt dem extrem steilen Hang der Kahlen Hardt. Es ist hier so steil, dass der Hang teilweise unbegehbar ist! Dennoch wachsen hier bizarre, bonsaiförmige Eichen. Diese sind trotz ihrer geringen Größe wohl teilweise schon mehrere 100 Jahre alt! Da der Boden hier so flachgründig ist, krallen sich die Wurzeln mancher Bäume regelrecht in den Fels fest. Tief unter mir glitzert der Edersee, an dem es zahlreiche Stellen gibt, an denen Boote liegen. Als ich gerade auf einem Pfad weiter hoch steige, erscheinen auf dem Fahrweg unterhalb zwei Typen mit ihren Quads. Sie unterhalten sich laut und drehen schließlich um. Krass, dass sie es wagen, mit ihren Maschinen im Nationalpark herumzufahren! Schließlich gelange ich auf einen Fahrweg, der mich an die Nationalpark Grenze führt. Dort entdecke ich etwas abseits im Wald eine Hütte. Das ist die Pflanzgarten – Hütte, die eine große, überdachte Veranda hat. Ideal zum übernachten!

Schade, dass die Hütten der Forstverwaltungen nicht für die Öffentlichkeit geöffnet werden, wie es das beispielsweise in Finnland und Frankreich gibt.

Als es dunkel wird, ruft ein Sperlingskauz. 





















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